General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Zum 80. Keburlstage Kuno Alschers.
folgenden nur
Okombaye, die zu Beginn des Aufstandes, bevor der Kapitän Cornelius sich endgiltig auf die Sette der Deutschen geschlagen hatte, noch Verbindung mit den dortigen Herero hatten, hat man näheres über die Vorgänge erfahren:
Der Mann bemerkte, als der Aufstand ausgebrochen war, eine Aenderung des Verhaltens der Werstgenofsen ihm gegenüber und er gab seinem Befremden darüber Ausdruck. Einmal wurde er zu einer Beratung nicht zugezogen, während er sonst an den Beratungen der Werst teilgenommen hatte. Als er nach dem Grunde der Ausschließung fragte, wurde ihm geantwortet: Gewiß sei er sonst ja immer bei den Beratungen zugegen gewesen, aber diesmal sei dies nicht angängig gewesen, da man über ihn selbst beraten habe. Er forschte dann weiter und erfuhr, daß man darüber beschlossen habe, ob er leben bleiben dürfe. Er stellte nun vor, daß er, wenn auch weiß von Farbe, jetzt doch zu den Herero gehöre und einer der ihren sei; die Herero antworteten: Freilich gehöre er jetzt wohl zu ihnen, aber es könne doch einmal der Fall eintreten, daß er sich erinnerte, ein Weißer zu jein, unb dann könnte er ihnen doch sehr viel schaden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, habe man beschlossen, ihn zu tüten. Man band ihn an einen Baum und schlachtete ihn wie ein Schaf ab, indem man ihm die Gurgel durchschnitt.
Freitag 22. Juli 1904 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UnwersuätSdruckeret. R. Lange, Dießen,
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.T, Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen
Die Hereros.
Die soeben in Deutschland eingetroffene „Deulsch-südwest- afrikanische Zeitung * ** * * vom 29. Juni berichtet über einige Vor- komlnniffe, die für die Beurteilung des Charakters der Herero kennzeichnend sind:
Eine Hererofrau, die mit ihrem Basiardkinde aus dem Hauptlager der Herero geflohen und nach Omaruru, wo sie rüher gewohnt hatte, zurückgekommen war, berichtete, daß in dem Hauptlager der Herero sämtliche Bastardklnder getötet worden seien. Mütter, die sich der Tötung solcher Kinder widersetzten, habe dasselbe Schicksal ereilt. Der Frau, die ebenfalls ihr Kind nicht töten lasten wollte, gelang es glücklich, zu entkommen. Der von ihr berichtete Zug erscheint von außerordentlicher Bedeutung für die Beurteilung des Charakters des Aufstandes.
Nach derselben Richtung ist das Verhalten bemerkens- wert, das die Herero aus der Gegend von Otombahe einem unter ihnen lebenden Weißen gegenüber beobachtet haben. Dieser Mann, der seit Jahren unter ihnen lebte und, wie man dies hier nennt, vollkommen verkaffert war, wurde von ihnen getötet. Aus den Erzählungen der Bergdamara von
Irr Aufstand in Aeulsch-Südwestafrika.
Die »Nordd. Allg. Ztg.- meldet: Die Kommission, in deren Hände die Verteilung der zu Hilfeleistungen anläßlich des Herero-Aufstandes bewilligten zwei Millionen gelegt wurde, konstituierte sich nunmehr in Windhoek. Sie besteht außer aus dem kaiserlichen Oberrichter Richter als Vorsitzendem aus folgenden Personen: dem Ansiedelungs- komnnssar Dr. Rohrbach, dem Kaufmann Nitschc-Windhoek, dem Farmer Mittelstädt-Eliscnheim, dem Farmer Erich Rust. Ondekaremba. Die Kommission nahm ihre Arbeiten un° verzüglich in Angriff.
Wie aus militärischen Kreisen geschrieben wird, geht am 23. d. Mts. eine Kommiffion nach Südwest-Afrika ab, bestehend aus je einem Vertreter des Ministeriums der offen!» lichen Arbeiten, de§ großen Generalstabes und des Reichs- marine-Amtes. Diese Kommission soll cm Ort und Stelle Maßnahmen zur Beseitigung .der im Hafen von Swakopmund eintretenden Versandung ausfindig machen. Wenn diese Versandung des Hafens auch bisher die Löschung unserer Schiffe nicht gehindert hat, so könnte dies doch für die Zukunft eintreten. Dem soll zeitig vorgebeugt werden. Eine Abhilfe dürfte wohl nicht in weiteren Molenbauten, sondern in Vornahme regelmäßiger Baggerarbeiten gefunden werden. Hierzu wäre wohl die Ueberführung und Stationierung der nötigen Bagger im Hasen von Swakopmund erforderlich.
Nach der in englischen Kreisen herrschenden Auffassung will General von Trotha die Ankunft der Anfangs August abgehenden beiden Haubitzen-Batterien abwarten, ehe er einen entscheidenden Angriff macht. Voraussetzung dabei ist allerdings, daß die Hauptmacht der Hereros vom Waterberge aus nicht schon vorher in nordöstlicher Richtung zu entweichen ucht, rvas nicht ausgeschloffen erscheint.
Gießen, den 22. Juli 1904.
** Der Entwurf einer Gebührenordnung für die Großh. Notare ist soeben nebst Begründung von der Regierung der Zweiten Kammer zur verfastungsmäßigen Beratung und Beschlußfassung vorgelegt worden.
** Zur Resolution der Viehhändler schreibt und der Vorsitzende des Oberhessischen Viehhändlervereins, daß die Resolution bereits von 137 Viehhändlern angenommen und auch unterzeichnet worden sei.
d. Burg-Gräfenrode, 20. Juli. Gestern abend stürzte das 2 jährige Kind eines hiesigen Einwohners in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster der im zweiten Stock gelegenen Wohnung und zog sich einen Schädelbruch zu. Nach dem Allgemeinbefinden des Kindes, das in die Klinik in Gießen gebracht wurde, scheint besten Zustand immerhin ernst, aber nicht hoffnungslos zu sein.
g. Rinderbügen, 20. Juli. Mehrere Personen find hier unter typhusverdächtigen Symptomen erkrankt. Die Kranken sind isoliert untergebracht. Als Ursache vermutet man die schlechte Beschaffenheit von Trink- wasser aus einem Ortsbrunnen. Untersuchung ist. eingeieitet
Herborn, 20. Juli. Am Bau der neuen Wester^ wald-Querbahn, welche bereits im nächsten Jahre dem. Verkehr übergeben werden soll, wird rüstig gearbeitet. In der Nähe des benachbarten Dorfes Burg führt die Strecke durch das Dilltal. Der hohe Damm, welcher hier auf* geschüttet werden mußte, ist nahezu vollendet. Drei Brücken- unterführungen waren nötig, eine für die Straße zwischen Herborn und Dillenburg, eine für die Dill- und eine für die. Deutz-Gießener Bahn. Da mit der Eröffnung der neuem Strecke der Verkehr auf unserem Bahnhofe, in den außer der Deutz-Gießener Bahn auch die Aartalbahn mündet, ein^
79iährigcn half ihm die Krisis überstehen, und heute schon hat leine Genesung so erfreulicbe Fortschritte gemacht, daß seine Ruck- kehr auf das Katheder keineswegs als ausgeschlossen zu gelten hat. — Möge dem Jubilar noch manclzes Jahr schaffensfrohen, fegensreichen Wirkens beschieden sein, ihm selbst zur Freude, der Ruperte Carola zur Ehre und der deutsä-en Wissenschaft zum Ruhme! (Rh. C.)
— Das Heidelberger Schloß. Wie die „Rat.- Ztg/' von zuverlässiger Seite erfährt, ist in dem Streit um die Heidelberger Schloßruine ein neues Moment zutage getreten. Das Gesuch, daß der Sachverständige des Heidelberger Schloß-Vereins, Geh. Oberbaurat Eggert noch einmal eine Besichtigung der Ruine vornehme, ist abschlägig beschieden ivorden. Geheimrat Eggert hat einen Plan ausgearbeitet zur Erhaltung der Ruine in ihrem jetzigen Bestand, ohne sie in ihrem Aeußeren wesentlich zu verändern. — In Heidelberg bildete sich ein allgemeines d e u t s ch e s K o m i t e e zur Begründung eines dauernden Bundes gegen die Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses, der demnächst an die Oesfentlrchleit treten wird. An dem Bund sind hervorragende Professoren und* Architekten beteiligt.
— Ein Ausstand der Th e a ter kriti ker in Stuttgart ist nach der „Köln. Ztg." siegreich für die Presse durch geführt wordem Die Lettung des Kurtheaters in Bepg bei Stuttgart hatte eine scharfe Kritik der sozialdemokratischen „Schwäbischen Tagwacht" zum Anlaß geiwnimen, dem Theaterreferenten dieses Blattes den R e f e r en t e n p l a tz zu entziehen. Die gc- samte Stuttgarter Presse erblickte darin einen Mißgriff der The ater lei tun g, da diese Plätze in keine m Falle als persönliche, vom Wvhlverhalten der Krilii abhängige Vergünstigung betrachtet werben können. Unter diesem Gesichtspunkte gewann der Zwischen- fall für die gesamte Presse eine grundsätzliche Bedeutung und die Vornotizen des Theaters verschwanden aus den Spalten der Stuttgarter Zeitungen. Die „Schwäbische Tagwacht" erließ eine öffentliche Erklärung und teilte gu im zeitig mit, sie werde auf ihre eigenen Kosten ihrem T. i- terreserenten einen Platz verschaffen. Allein auch die an Otcreii Referenten fühlten sich eins mit diesem und sahen । die Freiheit der Kpitik gefährdet. Es sah sich deshalb der Theaterdirektor Eichler veranlaßt^ dem Wurttembergi- < scheu Journalisten-- und Schriftstellervcrein die Erklärung , abzirgeben, daß es ihm durchaus ferngelegen habe.
1 mit dem fraglichen ^schritt die Freiheit der Kritik 1 anzu tasten, und daß er der Redaktion der „Schwäbischen Tagwacht den Referentenplatz wieder zur Verfügung stelle.
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*Neue Kunde vom Mars. Die Frage, ob auf der Oberfläche des Mars lebende Wesen existieren, die den Bewohnern unseres irdischen Planeten gleichen, ist von den Astronomen schon oft erörtert worden. Eine ganze Reihe von Forschern nimmt an, daß der Aiars' gänzlich unbewohnt sei; andere wieder neigen der Ansicht zu, daß die Bewohner das Mars sogar auf einer höheren Kulturstufe stehen als die Kinder unfercr Mutter Erda Einen hochinteressanten Beirrag zu dieser die mannigfachen^ Rätsel des Weltalles ausrollenden Frage liefert der Astronom Pereival Lowell mit seinen UMersuchungen über die sogenannten Marstanäle. Bereits der italienische Gelehrte Schiaparelli, der beste Kenner des benachbarten Planeten, hat diesen Gebilden seine besondere Aufmerk samkeit gewidmet und zu erforschen gesucht, lveshaV einzelne dieser Kanäle von Zeit zu Zeit anscheineird ihre Lage ändert! und ganz unsichtbar werden, um nach Ab- lauf einiger Marsjatzre plötzlich wieder in der alten Gestalt und Deutlichkeit zu erscheinen. Bei der letzten Osrpositron des Rtars nun machte Lowell, wie d^er Sirius miiteilt, Entdeckungen, die iiach seiner lieberzeugung geeignet sind,
Elelhaste Erscheinung zu erklären. Lowell beobachtetedle Scheibe des Mars während eines laugen Zeitraums und stellte dabei eigentümliche Aeiwerungeu in der Sicht- barkelt gewisser Kanäle fest. Es handelt sich besonders um die beiden Kanäle Thoth und hintentljcS, die in ihrer Sichtbarkeit geradezu ab wechseln; ist der eine vorhanden, o fehlt der andere— und umgekehrt. Lowell komull auf Grund scharfsinniger Ueberlognngen zu dem Schlüsse, dast dw ab w e ch s e l n dc Ab- und Zu na hmc der bci- i)en Kanäle aus natürlichen Urjack^'n — ettoa durrb lleberschwemmungen — nicht zu erklären ist, sondern nur durch k ü n ft I i ch e V e r a n ft a 11 u n g e u d e r M a r s bewohnet. Diese haben nach seiner Auffassung Bor richtungen getroffen, um bie verhältnismäßig geringe Wassermenge, welche ihnen zu Gebote steht, möglichst gut auszunutzen, so daß, wenn ein Distrikt bnvässcrt ift, die kostbare Flüssig leit die aus dem Mars selten nt —
einem benachbarten Distrikt zugeführt wird, um auch bidci. zu befruchten.
Kuno Fischer, einer der hervorragendsten Philosophen unserer Zett, vollendet am 23. Juli fein 80 Lebensjahr. Ein Freudentag nicht nur für Heidelbergs altberühmte Universität, sondern sur die ganze gebildete Wett; namentlich für jene, die ein ft iu den Füßen dieses großen Gelehrten gesessen haben und von ihm in das sonnige Reich der Wissenschaft, einer höheren, idealen Lebensanschauung eingeführt wurden. Hier ist nicht der Platz für eine, wenn auch nur einigermaßen ersclwpsende Würdigung des Wirkens und der Verdienste Kuno Fischers als Formier Schriftsteller und akademischer Lehrer, unb deshalb seien int wlgenbeu nur die wiä)tigsten Daten, die markantesten Züge aus dem Leben dieses bedeutenden Mannes kurz wiedergegeben:
Emst Kuno Berthold Fischer wurde am 23. Juli 1824 zu Sandewalde in Schlesien als Sohn eines Predigers geboren, tcachdem er in Posen das Gymnasium absolviert hatte, bezog er 1844 die Universität Leipzig, wo er unter Gottfried Her- mann unb Moritz Haupt als Philologe seine akademische Laus- bahn begann. Doch schon im zweiten Semester zog er, wie der ^ottoranöuö_ Fisclier in seiner Vita erzählt, „von der Philo- ° k ey ^lttlNen", nach Halle, um bei Johann Eduard Erdmann lud ^Haller sich mit stetig fleige^tber Begeisterung die Methoden unb Gedankenwelt Hegels, Kants und Platons an- ur1?01!811’ März 1847 prouwvierte er auf Grurw einer
- Platonico Parmenide" zum Doktor der Philo-
(°k?veA-L nachdem er die nächsten zwet Jahre noch eine Hans- lepteritclle bet einem Fabrikanten in Pforzheim bekleidet hatte, r/abilitierte er sich im Herbst 1850 bei der Universität Heidelberg für bas Fach der Plstlofophie. Wie Fischer in einer Rede, oie er anlaultch seines 70. Geburtstages an die Studentenschaft l/ielt, sagte, hat er damals den Beruf des akademischen Lehrers muerlichstLM Drange gewählt, unb daß es eine glücklicl>e bie Folgezeit bewiesen. Schon in Jena, wohin er 18o6 als ovdentllck-er Professor berufen wurde, brachte er fein und Redetalent zur herrlichsten Entfaltung, fdjion damals ichchste er )id) durch seine kritischen Borlesullgeu über Goet!)es ,,6-aufl uno bte cr|tcn »änöe feines Lebensweikeü „Geschichte Sf- . Heucre11 Philosophie", das seit vorigem Jahre in zehn fanden vollendet vorlugt, einen Weltruf. Den Höhepunkt seines atflbcniifii .it unb sä>rtitltelleriscl-en Wirkens erreichte er aber erst au d.r Universität Heidelberg, die iljrt 1872 auf den Lehrstuhl Bellers berief und seitdem mit Stolz den ihrigen nennt. Ans aller Herren Länder, ans Nord und Süd sttömten in jedem Semester die Jünger der Wissenschaft l^rbei, um Kuno Fischer zu hören. Unb in den letzten Jahren wuchs ihre Zahl derart, daß lern Vlubitorienjanl, ja kaum die Universitätsaula alle zu laffen vermochte. Gleichzeitig cnliuiiicltc Sluno Fischer eine un*
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lbl" 11,1 'iovemder vorigen Jahre- eine schlvere Äran^ett, die kl« 1J । hi ui leben, kategorisch Hall geoot. Doch bie bemun- dernowerl. körperlich« Rüstigkeit und Widerstandsfähigkeit des
scheu Reflektawten jetzt etwas besonderes bieten, und das iann mir ein hoher Zinsertrag sein. Glänzend wird das nerw Ftnanzgeschäft für Rußland also txroql nach keiner Richtung hrn.
Politische Tagesschau.
Die Mirbachiade.
Wie erne arme Musiklehrerin bei der Pomrnern- tiaur um ihre Ersparnisse gekommen ist, wird im Hessischen Evangel. Sonntagsblatt erzählt:
Aus den Pommembank-Prozeß muffen wir heute noch einmal zurückkommen. Bei der Begründung des Urteils betonte der Vorsitzende des Gerichtshofes u. a., daß „bie Tränen und Spargroschen des armen Mannes bei dieser Angelegenheit keineswegs bie Rolle gespielt hätten, bie einige Zeitungen ihnen angebichtet". Tas sollte für bie Herren Schulz unb Romeick offenbar eine Art „mildernder Umstand" fein, freilich von höchst sonderbarer Logik. Aber bie ganze Behauptung wird für den Umschauer seltsam illustriert durch einen Briei, der dieser Tage bei der Schriftleitung des Hess. Sonntags- dlattes aus Norddeutschland einlief. Da schreibt eine arme Musiklehrerin, daß sie sich 25 Jahre lang bitter gequält, bis sie endlich einen Notgroschen von 2000 Mark zusammengespart habe; auf den dringenden Stat eines Bankiers hätte sie Pommernbankpapiere genommen, er hätte gesagt, bie Pommern bank sei Hoibank Ihrer Majestät unb vollständig sicher, unb so sei auch sie sehr betrogen worben, unb so wie ihr sei es manchem gegangen usw. Ties ist nur ein Beispiel — ob sich nicht in Wahrheit doch recht viele zusammenfinben ließen, so viele, baß man — abgesehen von ben betrogenen „wohlhabenden" Aktionären, denen bas Betrogen- worbensein boch gewiß auch keinen Spaß macht — sehr wohl von ^Tränen unb Spargroschen bes armen Mannes" reden kann.
Der Vorwärts erzählt, baß bie Inhaber der Erfurter Samenhanblung Gebr. Dippe zu Kommerzienräten ernannt unb in ben Abel stand versetzt worden sind unmittelbar nachdem sie 25 000 Mk. für die Kanzel unb 50 OOO Mk. für die Orgel der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche gestiftet hatten. Frau von Dippe habe den Luisenorben bekommen. — Wie man quittiert ohne zu empfangen, erzählt ein Pariser Blatt. Der Generalsekretär Carlier habe den Leuten, die er schmieren zu müffen glaubte, einfach einen Zettel übergeben, auf welchem bescheinigt war, daß er von dem Bankhause so und so aus seinem persönlichen Konto bie und die Summe erhalten habe. Das Bankhaus habe dann einfach die Summe dem Ueberbringer der Quittung ausgezahlt und die Zahlung auf dem persönlichen Konto des Herrn Carlier verbucht. So habe kein Mensch wiffen können, wem die von Herrn Carlier gespendeten Summen zufloffen. — Die Deutsche Tagesztg. weist darauf hin, daß von Herrn von Mirbach immer mehr peinliche Geschichten erzählt werden und fragt, warum man sich nicht entschließe, den Fall so ober so aut, der We^t schaffen.
Die russische Kriegsanleihe.
- _ R. Berlin, 20. Juli.
Die russische FinanKverwaltung unb das „Russenkon- -föthum" der Berliner Hochfinanz dürften darüber nicht im Zweifel sein, daß die Plazierung der neuen russischen Anleihe weniger leicht sein wird, als bei ftüheren Anleihen bes Zarenreichs. Zunächst liegt es im Interesse des Konsortiums, einen verhälttrismäßig niedrigen llebernahme- knrs sich anszubedingen^ denn es teilt verdienen und darf andererseits keinen hohen Emissionskurs sestlegen. An dem Maßstab früherer Anleihen gemessen wird danach die rufii> sche Finan^verwaltung ein gewisses „Damno" in Kauf nehmen müssen. Demgegenüber besteht die Notwendigkeit die ^Kriegsanleihe" hoch $u verzinsen. Von einer Vorliebe : des deutschen Publikums für russische Fonds läßt sich nicht mehr sprechen, denn es hat die Auswahl unter anderen i durchaus gleichwertigen Papieren. Rußtlutt) muß den deut- i
Nr. 170 Zweites Blatt. 154. Jahraana
Erscheint tilgllch mit Ausnahme des Sonntags. V
Die „Siehener FamilienblStter" werden dem Ai
.Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der WP ■ IK HTW I ■ H ■ I | ■ ■ Bf ■
^hesfifche tanbwtrr erscheint monallich einmal. v ffl R H Qr W J HM


