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22.6.1904 Drittes Blatt
 
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Nr. 144

Drittes Blatt

Mittwoch 22. Juni 1904

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieß«.

DieSiebener KamNienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

154. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 18. Juni 1904.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, stellvertr. Vorsitzender, Balser, Grünewald, Katz, Moll, Nowack, Rinn, Röhr, W a l la ch, sowie der Syndikus Dr. K n i p p e r.

1. Ans dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Die Handelskammer Ijat Erhebungen über die wirtschaft­liche Bedeutung der Kanalisation der Lahn bis Gießen ver­anstaltet, deren Ergebnisse in einer Denkschrift an die Großh. Regierung niedergelegt Weichen sollen.

b) Zur Deckung der Kosten der kaufmännischen Fortbildungs­schulen^ ihres Bezirkes hat die Kammer für die Schulen in Gießen und Lauterbach die Bewilligung der seitherigen Staatszuschüsse, für die Schule in Alsfeld mit Rücksicht auf die twrtigen besonderen Verhältnisse die Gewährung eines höheren Zuschusses als bisher beantragt.

c) In mehreren Streitfällen wurden den Gerichten Sachver­ständige in Vorschlag gebracht.

2. Finanzielle Unterstützung einer Fernsprech­verbindung durch die Handelskammer. Zur Her­stellung der geplanten Fernsprechverbindimg von Gießen mit den Orten Bieber, Fellingshausen, Crumbach und Frankenbach wird vrn der Postverwaltung eine Beitragsleistung der Interessenten viw 1500 Mark verlangt. Die Kammer war daraufhin dort den 'Interessenten g.beten worden, auch ihrerseits einen Zuschuß zu d m Baukosten zu leisten. Sie erkannte zwar die Zweckmäßigkeit drr geplanten Fernsprechverbindung an und wird auch das Pro­jekt durch eine eigene Eingabe an die Kaiser!. Oberpostdirektion in Darmstadt unterstützen. Sie muß jedoch von der Bewilligung eines Zuschusses aus ihren eigenen Mitteln absehen, da, ab­gesehen von sonstigen Bedenken, die geplante Fernsprechverbind­ung vorwiegend nur einem Test ihres Bezirkes zu gute kommen würde.

3. Tarifierung von Eisenerz. Von einer Eisenerz­grube ihres Bezirkes war die Handelskammer gebeten worden, dafür einzutreten, daß die Station Frankfurt a. M. - Hafen in den Ausnahmetarif vom 10. August 1902 für die Beförderung von Eisenerz aus dem Lahn-, Dill- und Sieg-Gebiet usw. nach den Hochofenstationen dieser Gebiete und des Rubrgebietes usw. einbezogen würde, um den Absatz von Erzen aus hiZ'iger Gegend nach Rheinland-Westfalen zu erieichteru. Die Kammer beschloß diesem Anträge zu entsprechen.

4. Erhaltung eines Gutachtens an ein Gericht. In der Streitsache einer Ringoftn- und Dachfalzziegelfabrik wider eine Baumaterialienhandlung hatte die Handelskammer einem Gerichte ein Gutachten darüber zu erstatten, ob es handelsüblich

sei, daß bestellte Mustersendungen, einerlei ob eine Bestellung daraufhin erfolgt oder nicht, portofrei vom Offerenten zu liefern seien. Die Kammer bestoß nach Anhörung einer Anzahl Sach­verständigen dem Gerichte mitzutelleu, daß in der fraglichen Branche ein derartiger Handelsgebrauch besteht.

5. Aenderung des Donan-Umschlagstarifs über Regensburg usw. Nach einer neueren Bestimmung sollen vom 15. Juni 1904 ab die bisherigen Donau-Umschlagstarrse über Regensburg, Passau und Deggendorf für die Ausfuhr nach Oesterreich-Ungarn und nach den Balkanländern ausschließlich der Süddeutschen Donaudampffchifsahrts-Gesellschast zur Verfüg­ung gestellt werden, während alle anderen Schiffahrtsgesellschas- ten, auch die k. k. priv. Donau-Tampfschiftahrts-Gesellschast mit den normalen Lokal-Taxen zu rechnen haben sollen.

Die Kammer ist ersucht worden, gegen diese Bevorzugung einer Gesellschaft einzutreten, zumal deren Schifssbestand den Verkehr keineswegs bewältigen könnte und zu befürworten, daß für alle Schiffahrtsgesellschaften wieder, wie seither, die billigen Umschlagstarife zugelassen würden. Dem Gesuche wurde von der Kammer jedoch nicht entsprochen, da der hiesige Bezirk von jenen Tarifverhältnissen kaum berührt wird und da nach einer Erklärung der Eisenbahnverwaltung die k. k. priv. Donau-Dampf- schiffahrts-Gesellschaft angeblich in Oesterreich besonders er­mäßigte Umschlagstarife genießt, die der Süddeutschen Donau- Dampffchiffahrts-Gesellschaft nicht zur Verfügung stehen.

6. Gelegenllich der Berichterstattung zum Jahresbericht und im Anschluß an eine Umfrage sind der Handelskammer eine Reihe von Wünschen zu den Eis e n b ahn f a h rpl ä n e n und zu den Fernsprechverhältnissen zugegangen. Es wurde be­schlossen, diese Anregungen der Eisenbahn- und Postverwaltung zur Ausführung zu empfehlen.

7. Eingänge:

a) Handelskammer Stuttgart, zur Talerfrage.

b) Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler, Nürnberg, Zusammenstellung von Grundsätzen für die Be­urteilung von Nahrungsmitteln.

c) Geschäftsbericht der Ortskrankenkasse Gießen für das Jahr 1902.

d) Jahresbericht des Vereins Merkur zu Nürnberg, des Ver­eins für Handlungskommis von 1858 zu Hamburg, des Verbands der Vereine Kreditreform zu Leipzig.

e) Verwaltungsberichte der Tabak-Berufsgenossenschaft für 1902 und 1903.

f) Protokoll über die Verhandlungen der Jahresversammlung des Vereins zur Wahrung gemeinsamer Wirtschastsinteressen der deutschen Elektrotechnik.

g) Führer durch die Maschinen-, Eisen- und Metallindustrien Deutschlands.

h) Drucksachen über Ausstellungen in Lyon (1904), London (1904), Luxemburg (1904).

i) Von zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mit­teilungen zugegangen über eine Ausstellung französischer Seidenbänder, eine Ausstellung für den Bergbau und die Hydraulik Kataloniens und der Balearen zu Barcelona über ein neues rumänisches Reglement für den Polizeidienst an den Greuzübergangspunkten in den Häfen und auf den Bahnhöfen, Exportbestrebungen deutscher Fabrikanten nach dem russischen Weichselgebiet, Wirtschaftsverhällnisse im Süden Rußlands, die amerikanische Konkurrenz, im süd­afrikanischen Handel, Winke für die deutsche Ausfuhr nach Südafrika, Gelegenheit zum Absatz von Maschinen und Geräten nach Natal, eine geplante Lokomotivbauaustall in Japan, den amerikanisä)en Wettbewerb bei Lieferungen von Maschinen nach China, über eine empfehlenswerte Agentur in Saloniki, über den amerikanischen Tabaktrust, die Ho» Dana Tobacco Co., Aussichten für den Absatz deutscher Ma­schinen nach Ptsagna (Chile), Gelegenheit zur Lieferung maschineller Einrichtungen für eine Fleischverarbeitung^- anstalt in Argentinien; ferner über zweifelhafte Finnen' in St Petersburg, New-Castle on Tyne und Kairo.

Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.

Sport.

Der 1. Gießener Stemm- und Ringklub erhielt gegen 13 Bewerber auf dem am 19. Juni stattgehcwten Wettstreit des Hessischen Atlethen-Verbandes in Wetzlar fol­gende 26 Preise: im Stemmen 1. Kl. Herr Joseph Stein den 1. Preis; im Stemmen 3. Kl. Herr Ludwig Sommerlad den 3., L. Süß den 4., H. Lorenz den 8., E. Simon den 9., Chr. Weiß- beck den 10. Preis; im Stemmen 4. Kl. L. Berg den 2., K. Martin den 3., H. Feußer den 6., I. Fourier den 7., W. Luch den 12., L. Lorenz den 13., E. Schönfeld den 15. Preis; im Ringen 1. Kl. Herr Joseph Stein den 1. Preis; im Ringen 3. Kl. H. Lorenz den g. und L. Sommerlad den 3. Preis; im Ringen 4. Kt K. Martin den 2. und I. Fourier den 3. Preis; im Steinftoßen 1. Kl. Herr I. Stein den 2. Preis; im Stein stoßen 3. Kl. H. Lorenz den 3. und L. Sommerlad den 4. Preis; im Steinstoßen 4. Kl. Herr I. Fourier den 2., H. Feußer den 3. und K. Martin den 4. Preis. Außerdem erhielt den Ehrenpreis im Senior-Stemmen (Schwergewichtsstemmen) Herr Joseph Stein; im Junior-Stemmen (Schwergewichtsstemmen) den 2. Preis Herr Ludwig Sommerlad. Der Vereinsehrenpreis konnte wegen oor- gerückter Zeit nicht ausgetragen werden.

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