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22.4.1904 Erstes Blatt
 
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Ferir» «nschlußNr 61.

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Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Freitag 22. AprillSO4

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

vezngöpret-r monailich7bPf^vtettel- jährlich TZL LLO; durch Aohole» u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.viert el- jährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZellenpretS: lokal 12 Pk auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den doIU. und allgem. Lett: P. Wtttko: für »Stadt und Land^ und .GerichtLiaal': August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

MrUfäfs-Nti»,.

* in Trüben im^v. rbamakoloqir anv-. lboens, üoHenbd Qv Roeibqen?

xtr er ordenllicheiM- Sein Sladicl-v- er in Sonn).

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?L und betragen^.... ,e.nt. war Ronlubx/t' e inne.1 _

^Mi-tssaak.

ilvril. Sine tikitMtz« »geratenen Sol: >en Tlorbfiohl;üii irourqericbt?. ter borene eteinbnidurbrz' Greiners Johannes (b- m versuchte letü imb versuchte Sto'1- iu§ ntt Last. Tie Pch lon ieit einiger Zeilr itel geünnl. ohne bei - flärunq dafür hätte r m Montag, trank tr­eu beiden jüngeren h. er Vater kam gegen' : und trank ein E!n-1 aut den Schah und I: outen. Ta forderte' Sett ui gehen, es in : et nicht nötig. Tei x ?nluft auf den M ihnen, rooroiti fein vr.

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noch gerufen, B r Sütgermeiftet aus Angst vor d darauf iotbette- ruber aul, 'hm gebe nun wieder ne- -d ball Lm b-m'- . g,r er auch W»® ter®rub«Ä it et bane,.

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?rr Krieg zwischen Japan und Yußland.

Neue Meldungen vom Kriegsschauplätze.

m Telegramm des Generals Kur opatkin ünden Za) ifn vom 21. b. M. lautet:Am Jalu nxrr am 19. und io 3 '[ptil alles ruhig; keine Veränderungen sind niti'M I n. In der Nacht auf den 19. April wurde hei den-« Vorgebirge Tower Hill westlich von Kaitschou ein Da> m 7 bemerkt, der anscheinend zur Vornahme von : W - ,t Schaluppen ausgesandt hatte, die sich rasch ent'i^ntein.

Tokioer Berichterstatter derTimes" drahtet vom P'1 ! 1502:: Alle Meldungen deuten an, daß die Russen fleh I :irciiif vorbereiten, entschlossenen Wi d e r st a n d amiisla nfluß zu leisten, wo 50 000 Mann zwischen * frf jjii! " tscheng und Tatungkan konzentriert sind. In der - t! ' ast von Snntschin werden häufig Schüsse über beui: jircnn gewechselt.

s'N japanischen Kr egsministerium stellen sich fort- >r'r77 eiwillige scharenweise zur Verfügung. Alle lj: rufen vom 14. bis 70. Lebensjahre sind bar- unt rar luch zahlreiche Soldaten meldeten sich, deren 1 ab gelaufen ist. Nach Schätzung der Behörden wär<:: sich ohne Schwierigkeit 500000 Kriegsfrei- i;''' 'Üllig i zusammen finden. Bisher machte man aber von i >es pm i cnstanerbieten keinen Gebrauch.

i- irund für den bereits im Frühblatt gemeldeten "b H er 70 M a r i n e s o l d a t e n von derameri- iunro'lh:. rt Gesandtschaftswache in Söul wird ang rattbn.i. baß die japanische Besatzung nunmehr genügend > ar:Ä erscheint, um etwa ausbrechende Unruhen zu unter- DtÜCÄ

Ter Krieg und die russischen Bauern.

Irrd den Krieg Rußlands mit Japan wird der '>fi ", iiauer ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen, s f hihSeiti auf dem platten Lande rnassenhast Aushebungen oliii fiirtvn zum Ersatz für die nach dem fernen Osten tsnadleii Regimenter. Dadurch verliert die Land- luir :t|. :.ft einen Teil ihres besten Arbeiter- 'i a Irti'ti ( f Sie wird weiterhin betroffen durch die i n ii'Mi:hellen Wirkungen des Krieges. Eine Reihe von ouvMneiments hatte in den letzten Jahren Mißernten

' ckaeühnen. Das Finanzministcrium bewilligte den " sch fuWgtffin Bauern Zuschüfse, um sie vor dem Verhungern

s ochn und in den Stand zu setzen, sich Saatgut zu i.-nfer-L Da nun angesichts der ins Ungeheure wach-

, ulkn ! riegskosten alle anderen Staats-Aus- n ibi'lneiingeschränkt werden, war es eine der ersten ißtt.mli der Finanzverwaltung, den Bauern den Zusliviiß zu kürzen. Sie murren nicht; geduldig, wie si? nur einmal sind, sehen sie in dieser Heimsuchung das Waltuu b«S Schicksals. Der Gedanke an Empörung liegt bi it fern. Was aber werden wird, wenn auch dieser £anr"nr ine Mißernte bringt, das läßt sich nicht absehen. 5 ~r üicE7mstand wäre dem Ruin nahegebracht, und die Bl rp7M 7 Zitierung der Feldarmee würde kaum anders s, . ri7-.il en sein, als durch ein Verb ot der Aus­fuhr n-j-n Brotgetreide, das sich auch für Deutsch- i -ii ir pfindlich bemerkbar machen ncüßte.

5 u raueste Gesetzsammlung veröffentlicht: 1) den vom f ar u- bestätigten Erlaß des Reichsrates betreffend Ein- s. "n itfiucS Zentralrates und die Hauptverwaltung

: .! Angelegenheiten wirtschaftlichen Charakters im i o -:: r/- Ministeriums des Innern; 2) den kaiserlichen Ulas .:-r die Bildung einer sibirischen Kosaken- d . i ijiliotit, die sich aus dem vierten, fünften, siebenten u b :ilren sibirischen Kosaken - Reserveregiment zu- saummUfM

Weiteres aus Petersburg.

ABTu il Skrydlow hatte kurz vor seiner Ernennung , in s- S isHaber der Flotte im Stillen Ozean eine Unter­art :: it dem Vertreter einer süddeutschen Zeitung über den K ft mit Japan, worin er äußerte:Wir kämpfen gt ien t musterhafte Flotte und vorzügliche Seeleute; ib 2 D?- p'in ist vortrefflich, sie sind kühn und entschlossen mir» k:c i ausgezeichnet gelernt, moderne Fahrzeuge zu re ter w was eine recht komplizierte Sache ist. Die ^t- pr er : rt ein ernster Feind, mit ihnen zu kämpfen, ist kein K:Pkmspiel. Ich bin ül>erzeugt, daß wir sie schließlich be?;] «r-erben, boch wird ber Kampf zur See nicht Ici v, Mr werden viel riskieren müssen." Skrydlow er är7 alt ierrner, ber Kaiser habe ihm bei seiner Audienz P tfntjort erteilt, in Port Arthur gemäß der jeweiligen Lage " gu handeln. Die Operationsbasis werde daher Järiu Port Arthur bleiben. Ein Gerücht spricht von jflpatiir.ji Truppenlandungen in Jnkau. Die kaiserliche Famil Ä:r«Iäßt Petersburg am 15. April und siedelt nach ZerskcÄfstilo über. Das Gerücht, wonach die Geschwä­tz e r kc'r im Betrage von 20 Million en Rub e I mit dem t:ropawlowsk" untergegangen sei, ist un bo! j::intzet. Ein Freund Kuropatkins erhielt von diesem.: Telegramm, worin er mitteilt, daß er ent­schloss«:» jeni, das Eintreffen von weiteren 200 000 Mann Trupp :er Ob zu warten, bevor er ein größeres Gefecht zu liefern ! )«mkt. Auf der Petersburger Handelsbörse ist man ||).: erregt über eine Mitteilung, wonach die Re- gierun^ii: .eEbsichtige, neue Steuern auf Alkohol und iZ!-:kart en für Vorortbahnen einzufuhren. Die staufm i: f^aft protestiert heftig gegen einen solchen Plan.

D' ÄiamzerOrel" undBorodino" haben die Newa­werft ' l'Men und sind nach Kronstadt gebracht worden, wo ih p tmmierung vervollständigt wird. Die offizielle Subskr 7 ri für den Bau neuer Kriegsschiffe be­trägt Miiuis über 12 Millionen Rubel.

3>er ungarische HisenöaknerstreiL.

Budapest, 21. April. Der Personen- und der Eil- zu g, die heute von höheren Beamten auf der Wiener Strecke geführt worden sind, haben anstandslos die Strecke zurückgelegt und normalmäßig die Grenzstation Marchegg pasiiert. Der Orsovaer Frühzug wurde bei der Porta orientalis zum Stehen gebracht, indem Bahnarbeiter den Zugführer mit Steinwürfen verwundeten und an mehreren Stellen die Gleise auf rissen. Nachdem im Laufe des Tages wiederholt Verhandlungen wegen Beilegung des Eisenbahnausstandes gepflogen worden waren, teilten die Komiteemitglieder den Ausständigen mit, daß hier und in der Provinz Hoffnung zur Herstellung des Friedens vor­handen wäre.

Debreezin, 21. April Unter dem Einflusie des Aus« standeS der Eifenbahnarbeiter ist hier eine große Streik­bewegung im Gange. Die Arbeiter der Tabakfabrik, der Dampfmühle, der Werkstätte und der Waggonfabrik der Staatsbahnen, die Maurer, Zimmerleute, Tischler und Schlosser stellten die Arbeit ein. Es sind etwa 6000 Arbeiter ausständig. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurden umfassende Maßnahmen getroffen.

Höllisches Reich.

Berlin, 21. April. DasVerl. Tbl" läßt sich aus Rom melden: Tie Blätter bericht'n: Vor ber Ankunft bes Kaisers in Catania machte man ibn barnuf aufmerk­sam, daß ber ©tabtrat sozialistisch gesinnt sei. Der Kaiser zuckte ieboch lächelnd mit ben Achseln und er- totberte:I ch besuche boch nicht ben Stabtrat, sondern bie Stad t." In Catania spielte sich ein selt­sames Quiproguo ab. Der Kaiser hatte ben sozialisti­schen Bürgermeister Abg. Dese liee zum Abend­essen geladen. Defelice ist derselbe sozialistische Agi­tator, ber im Jahre 1893 die sozialistische Bauern- bewegung ins Leben rief, die dann zur Revolu­tion führte und von Crispi nur durch Erklärung des Be­lagerungszustandes und durch Massenverhaftungen nieder- geworfen wurde. Ms Defelice nun von der Einladung des Kaisers Wink bekam, reifte er schleunigst nach Messina und ließ sich entschuldigen, er müsse die in Messina landen­den Stadträte von Paris notwendigerweise empfangen. Die Begrüßung des Kaisers in Catania verlief übrigens trotz alledem großartig.

Prinz Adalbert von Preußen trifft nach einer Meldung aus Tientsin am 5. Mai in Peking ein, wo er Audienzen beim Kaiser und der Kaiserinwitwe haben wird.

Eine Ministerkonferenz zur Erschließung neuer Steuer quellen wird in der MünchenerAllg Ztg." angekündigt. Da die Mehreinnahmen aus dem neuen Zolltarif durch das Zolltarifgesetz für die Errichtung einer Witwen- und Waisenversorgung festgelegt sind, siebt das Münchener Blatt nach Al'schluß neuer .Handelsverträge in absehbarer Zeit die Notwendigkeit einer Erschließung neuer Steuerquellen zur Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches voraus. Die MünchenerAllg. Ztg." legt den Parteien im Reichstage nahe, dem Bundesrat zuvorzu­kommen durch Anerbieten neuer Steuerquellen. Tas Blatt hat aber selbst wenig Vertrauen, daß sie die Parteien in naher Zeit auf einen bestimmten Vorschlag einigen werden. Deshalb bleibenichts übrig, als daß die Finanz- minister der Einzel st aaten von neuem zu- fammentreten und mit dem Staatssekretär des Reichs­schatzamts sich über einen gangbaren Weg zur Erschließung weiterer Reichseinnabmen verständigen".

Ausland.

Brüssel, 21. April. Wie der ,,©oir" erfährt, be­schränkt sich das Gerücht, wonach englische Truppen kongonesisches Gebiet besetzt hoben sollen, darauf, daß englische Truppen bis zum Albert Eduard-See vor­gedrungen sind, um dort Besitz von dem am Kiwsee belegenen Gebiete zu ergreifen. Dieses Gebiet wird bekanntlich gleichzeitig von Deutschland, Belgien und England beansprucht.

Wi en, 21. April. Bei dem heute zu Ehren des Prin­zen und der iprinzessin von Wales stattgehabten Gala- bin er in ber Hofburg brachte Kaiser Franz Joses folgenben Trinksprüch aus:Indem ich Eure König­lichen Hoheiten herzlich bewillkommne, lege ich Wert darauf, dem Vergnügen Ausdruck zu geben, welches mir Ihr Ver­weilen in unserer Mitte bereitet. Ich erblicke darin einen neuen Beweis der engenFreundschaft, welche unsere Familie und unsere Länder verbindet und welche, von Alters her bestehend, durch den mir vor einigen Monaten abgestatteten Besuch des Königs Eduard in so erfreulicher Weise wieder belebt wurde. Von diesen zahlreichen Be­weisen der Sympathie tief gerührt, schmeichle ich mir mit der Hoffnung, daß unsere Beziehungen sich in Zu­kunft auf ihren durch die Vergangenheit vorgezeichneten Bahnen fortentwickeln werden und beseelt von dem Ge­fühle lebhafter Erkenntlichkeit, trinke ich auf das Wohl Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen und der sprin- zessin vvn Wales." Der Prinz von Wales er­widerte: ,^Jm Namen der Prinzessin von Wales und meinem eigenen danke ich Euer Majestät von ganzem Herzen für die wohlwollenden Worte, mit welchen Ew. Majestät uns so gnädig einen Willkommengrufi in dieser schönen Stadt Wien entboten haben. Mit lebhaftester Freude gebe ich Zeugnis von ber engen Freundschaft, welche unsere Familien und unsere Länder verbindet, und mit größter Bereitwilligkeit haben wir, die Prinzessin und ich,.

die Gelegenheit ergriffen, dem verehrten Souverän b*eit Tribut unserer Gefühle zu zollen. Ich bin tief gerührt von den herzlichen Worten, mit welchen Euer Majestät des Besuches gedachten, an welchen der König, mein ge­liebter Vater, eine kostbare Erinnerung bewahrt. Indem ich Euer Majestät für ben schönen Empfang, ben Sie und zu bereiten bie Güte hatten, danke, trinke ich auf das Wohl Seiner Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef!"

Paris, 21. April. Ter italienische Botschafter Graf Tomielly ist gestern nach Rom ab gereift; er hat die große goldene Medaille, welche in der Pariser Münze gepräat wurde, mitgenommen, dieselbe soll dem Präsidenten Loubet vom König Viktor Imma­nuel als Erinnerung an die Reise Loubets irach Italien überreichen werden. Tomielly wird Rom mit dem fran­zösischen Botschafter Ende dieser Woche verlassen, um btii oem Empfange des Präsidenten Loubet in Pisa zugegen zn sein.

Kongreß für erperimentesse Psychologie.

(Schluß ber Verhanblungen bes 3. Tages.) iprof. M arbe-Mirzburg: Ueber den RhythmuS der Prosa.

Bei ber Lektüre des GoetheschenRochussestes" glaubte M. eigentümliche subjektive Erlebnisse lBewußtseinslagen) zu haben, die ihm aus der Gleichförmigkeit des Rhythmus des Stückes zu resultieren schienen, desgleichen bet ber Lektüre ber HeineschenHarzreise" anbere Bewußtseins- lagen, bie, wie er meinte, mit ber geringeren Gleichmäßig­keit bes Rhythmus dieses Stückes zusammenhingen. Die Akzentuiemng und Zählung der betonten und unbetonten Silben der ersten 3000 Worte beider Schriften bestätigte die oben geäußerte Meinuyg, daß ber Rhythmus bes Goeth«>- schen Stückes gleichmäßiger ist als ber bes Heineschen. Marbe hat nun in Gemeinschaft mit anderen noch an einer Anzahl anderer deutscher Prosastücke statistische Skandir- untersuchungen gemacht und gewisse Mrte über die Varia­tion der Zahl von unbetonten Silben, die sich zwischen betonten Silben befinden, gefunden, die von Bedeutung für die neuhochdeutsche Sprache zu sein scheinen; da? Französische scheint andere derartige Werte zu haben. Der Rhythmus der Prosa ist von Einfluß auf den ästhetischen Eindruck, weitere rhythmisch statistische Untersuchungen wären erwünscht.

Prof. Dr. P. Martins'-Kiel: Zur Untersuchung des Einflusses psychischer Vorgänge auf Puls und Atmung.

Trotz sehr zahlreicher Untersuchungen über den Ein­fluß psychischer Vorgänge auf Puls und Atmung ist eine Einstimmigkeit der gefundenen Ergebnisse bis heute nicht im Entferntesten erzielt, man hat deshalb neuerdings diesen Untersuchungen, insbesondere den mit demPlethysmo­graphen" ausgeführten jeden Wert abgesprochen. Tatsäch­lich bilden Stoßbewegungen des Armes bei ber Atmung, vor allem aber auch unwillkürliche Ausdrucksbewegungen Fehlerquellen bei ben plethysmographischen Versuchen. Mortius hat versucht, diesen störenden Einflüssen durch Eingypsen des Armes ober Ein schienen in einer eigens angefertigten Schiene vorzubeugen. Doch "auch bei diesen Vorsichtsmaßregeln waren die Fehlerquellen nicht auszu- schalten. Ter Plethysmograp ist also vorläufig für bie angegebenen Zwecke unbrauchbar, bis es gelingt, die störenden Ausorucks- und Stoßbewegnngen zu eliminieren. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß Lust und Unlust Vor­kommnisse sind, die in die verwickeltsten Prozesse eingehen, und daß es unwahrscheinlich ist, daß Lust bezw. Unlust jedesmal denselben Einfluß, auf den Puls äußern sollte.

Prof. Dr. Claparöde - Genf: Biologische Theorie des Schlafes.

Alle bisherigen Theorien de? Schlafes, bie ihn auf eine Art von Vergiftungserscheinungen, Retraktion der Fortsätze der Nervenzellen rc. zurückführen, haben den Schlaf gewissermaßen als etwas Abnormes aufgefaßt, als ben Stillstand von Funktionen. Es gilt ihn als positiver an» zusehen. Der Schlaf ist ein Instinkt, er ist keine Erschöpf­ung, sondern ein Reflex, welcher der Erschöpfung vorbeugt.

Dr. Henri-Paris: Ueber die Koordination von Bewegungen.

Mrd ein Flügel einer Taube durch Nervendurchschneid­ung unempfindlich gemacht, so vermag die Taube nicht mehr diesen Flügel in geordneter Weise mit dem anderen mitzubewegen. Tie Funktionen stellen sich nach einiger Zeit wieder her, es tritt jedoch sofort wieder Störung der Koordi­nation ein, sobald die Taube durch 'Aether ganz leicht be­täubt wird. Aehnliche Erscheinungen sind an in analoger Weise behandelten Fröschen zu beobachten. Auch bei Men­schen, die infolge von Nervenkrankheiten die Koordination ihrer Bewegungen verloren haben, kann Mederersatz dieser Innktionen eintreten. Der Marigel tritt aber bei stören­den psychischen Einflüssen (Erschöpfung, schlechter Schlaf re.) wieder hervor. ^Schluß folgt.)

Aus Stadl und Kaud.

Gießen, 22. April 1904.

DieBlurnSlinbe" im sogen. Lärchenwäldchen erwähnt, was unsere Leser interessieren dürste, auch Carl Vogt in seinenErinnerungen". Gelegentlich der Schil­derung seiner damaligen Gymnasiallehrerzeit erzählt er (S. 109):

.....Im Jahre 1848 warf sich derPörser" (Hilfs­lehrer K o ch) in die reooluiionnre Bewegung ans reiner Begeisterung und hielt tönenbe Reden blühenden Unsinns, die aber vielen An­klang sanden, da sie aus vollem Herzen kamen. Als die Nachricht von Robert Blums Erschießung in Wien nach Gießen kam, be­schlossen die demokratischen Vereine, eine .BlumS-Eiche" ans dem