Aus Stadt uni KauL
Gießen, 22. März 1904.
— S. K. Hoh. der Großherzog tritt Mittwoch abend eine Reise nach Italien an. Ec wird, nach einer anderen Meldung der „Frks. ßtg* anfangs April inkognito m Konstantinopel eintreffen.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dein Direktor der Landes-Hypothekenbank Emil Bastian den Charakter als „RegierungSrat" verliehen, den Regierungsassessor Gustav Balser aus Gränberg zum Ministerialsekretär bei dem Ministerium der Finanzen, den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Homberg Konrad Fleischhauer zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Reichelsheim, den Gerichtsschreibergehilfen Reinhard Kraft in Ortenberg zum HUfsgerichtsschrelber bei dem Amtsgericht Homberg und den Gerichtsschreibergehllfen Hemrich Alohr in Herbstein zum HUfsgerichtsschrelber bei dem Amtsgericht Alzey ernannt. — Entlassen wurde der Gefangenaufseher an der Zellenstrafanstalt Butzbach Otto Winkler auf fein Rachsuchen.
** Tagesordnung für o ie Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Tonners- t a g, den 24. März 1904, nachmittags 4 Uhr. 1. Bau- gesucht von Karl Hahn für die Goetaeftraße. 2. Berkaus von Gelände an der Licherstraße. 3. Verkauf von Gelände an der Grünbergerstraße. 4. Verkauf von Gelände an der Wetzfteinstraße. 5. Verkauf von Gelände an der Schottstraße. 6. Verkauf von Gelände an der Weserstraße. 7. Abtretung eines Streifens aus dem Stadtwalde an die Eifen- bahnverwaltung. 8. Ausbau des Mittelwegs zwischen Cred- nerstraße und Wetzlarerweg. 9. Neubau der Universitätsbibliothek; hier: Herstellung der anliegenden Straßen. 10. Verlegung des Klingelbachs. 11. Sielbau; hier: Verlegung des Stadtringgrabens in der Ostantage. 12. Sielbau; hier: Uebertragung von Arbeiten an Jäger u. Rumps. 13. T«ie Feuervisitationen. 14. Die Ausführung des Miittwohn- ungsgesetzes; hier: BeseKung der Stelle eines Wohnungsinspektors. 15. Neubau der höheren und erweiterten Mao- chenschule. 16. Ausführung des Fleischbeschaugesetzes; hier: Anschaffung von Apparaten für's Schlachthaus. 17. Gesuch des Lesehallevereins um Gewährung eines außerordentlichen Zuschusses. 18. Vorläusige Bewilligung eines Kredtts für das Rechnungsjahr 1904.
§ Ettingshausen, 19. März. Anstelle des kürzlich verstorbenen Gemeinderechners Hahn wurde dessen Sohn Heinrich Hahn als Rechner verpflichtet. — Bei A u s - gr abungen in der Nähe der Kirche wurden mehrere gut erhaltene Schädel gefunden, die noch sämtliche Zähne anfweisen. Die Schädel sollen nach Gießen kommen.
Bad-Nauheim, 19. Mär^. Wegen des Karfreitags und der Osterfeiertage wird der Betrieb in den staat- lichen Badehäusern 6 und 7 erst Mittwoch, den 6. April ausgenommen, und von diesem Tage ab kommen alle hiesigen Bäderformen zur Abgabe.
L. Friedberg, 21. Alärz. Tas diesjährige Wintersemester der Landwirtschaftlichen Winterschule rourbe in Gegenwart von Regierungsrat v. Stark, als Gr. Regierungskommissar, des Kreisrats Fey, des Präsidenten des landw. Provinzialvereins, Oekonomierat Schlenke und Von Vertretern sonstiger Behörden, sowie in Anwesenheü vieler Angehöriger der Schüler und Freunde der Anstalt geschlossen. 37 Schüler verließen die Oberklasse, welche die stärkste Zahl sett ihrem Bestehen aufwies; beide Klassen zusammen hatten 64 Schüler. Tie Sommerkurse waren von 97 Schülern und Schülerinnen besucht, sodaß 151 Personen die Anstalt frequentierten. Tie Vorführung der Unterrichts- proben und die Vorträge der Schüler sanden allgemeines Interesse. Mit einem ernsten Aiahnwort und Ausblick aus die Zukunft der Schüler schloß der Tirektor der Anstalt Tr. v. Peter das 33. Semester der Winterschule. Am folgenden gemeinsamen Essen in den „Tret Schwestern" beteiligten sich etwa 200 Personen.
L. Berstadt, 20. März. Ein schreckliches Unglück geschah im hiesigen Basaltsteinbruch. Durch Loslösung und Zusammenrutsch großer Erd- und Steinmassen wurden zwei Arbeiter verschüttet. Der eine wurde mit gebrochenen Beinen aus dem Schutt hervorgezogen, während der andere, völlig verschüttet und schrecklich zugerichtet, sofort seinen Tod fand. Nur dem Umstand, daß der Zusammenrutsch gleich nach der Frühstückspause stattfand, ist es zu verdanken, daß es der Opfer nicht noch mehr waren. Den beiden Verunglückten wurde ihr Eifer, daß sie die ersten auf der Arbeitsstelle waren, gräßlich belohnt.
n. Nid^da, 21. März. Im Saale „Zum Gambrinns" findet nächsten Mtttwoch bei Schluß feier der hiesigen Gewerbeschule statt, womtt gleichwertig eine Ausstellung der von den Schülern selbständig gefertigten Preisaufgaben verbunden itft. Tie Schule war während des abgelaufenen Halbjahres von 37 Schülern besucht, unter denen die Maurer die stärkste Besuchszisfer (17) lieferten.
ß. Grebenhain, 20. März. Heute fand hier der Frühjahrsbezirkstag des Hassiaverbandes Herbstein statt. Dabei waren sämtliche Vereine des Bezirkes vertreten. Das Bezirkskriegerfest kommt nach dem Beschlüsse der Vertreteroersammlung nach Stockhausen und wird voraussichtlich im Juli d. I. abgehalten. Als Vertreter des Hassia- präsidiums wohnte der erste Schriftführer desselben, Sanitätsrat Dr. Vogt-Butzbach, den Verhandlungen bei. Er begründete insbesondere in klaren Ausführungen die Notwendig- kett der Erhöhung des Jahresbeitrages der Kriegervereinsmitglieder zur Kasse der Hassia. Seine Darlegungen fanden denn auch die Zustimmung der Versammlung.
§ Au8demKreiseAlsfeld,20. März. Die Beitragsspenden einzelner Kriegervereine der Bezirke Alsfeld und Homberg a. d. O. zur Errichtung eines Roondenkmals haben den Betrag von über 200 Mark ergeben.
Hras Kyode vor Kerrcht.
Berlin, 21. März.
Eine längere Vorgeschichte hatte ein Beleibigungsprozeß, 3er heute vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt wurde. Angeklagt war der frühere Rittmeister Graf Karl v. Rohde aus Freiburg i. B., der beschuldigt war. am 10. November v. I. Generalmajor z. D. v. Koblinski wörtlich und tätlich beleidigt zu haben. Der Angeklagte i|t Rittmeister im 1& Ulanenregiment in Saarburg i. Elsaß gewesen. Dieses wurde in den Jahren 1896—1901 vom damaligen Oberstleutnant v. KvbiurSki kommandisrt. mit diesem
veranlaßten Den Angeklagten, vielfach traf ihn zu schimpfen und v. tu glaubte bei Begegnungen mit den Offizieren im Kasino eine gewisse Kälte ihm gegenüber wahrzunehmen, die er auf eine verhetzende Tätigkeit des Angeklagten zurück
führen zu müssen glaubte, da ihm gesprächsweise Andeutungen nach dreier Richtung hin gemacht worden waren. Nach, einer Felodienstübung im Jahre 1897 ließ ihn der Oberstleutnant zu sich kommen und sagte ihm: „Herr Rittmeister, Sie schimpfen auf mich und hetzen auf mich!" Der Angeklagte gab zu, auf den Oberstleutnant geschimpft zu haben, bestritt lolber. daß er hetze. Diesen Vorwurf hielt er für eine unberechtigte Verdächtigung und glaubte, alles tun zu müssen, um von diesem Makel reingewaschen zu werden. Es entspann sich daraus eine Reihe dienstlicher Berichte und der Angeklagte schickte u. cl auch den ältesten Rittmeister des Regiments zu dem Oberstleutnant, um zu erfahren, wer ihm diese Mitteilungen geinacht haben sollte. Darauf erhielt er die Antwort, daß er offizielle Gewährsmänner nicht habe, sondern daß es sich nur um Mitteilungen Parlandi raufet handle. Schließlich wandte sicht der Angeklagte an das Ehrengericht, um von diesem gehört zu werden. Nach seiner Angabe ist er aber statt dessen mit einer ehrengerichtlichen Anklage bedacht worden. Er nahm 1898 seinen Abschied und behielt das Recht, die Uniform zu tragen. Dies Recht ist ihm, nachdem er inzwischen noch beleidigende Briefe an den Oberstleutnant geschrieben, 1900 vom Ehrengericht abgesprochen worden, gleichzeitigmitdemRecht,sich Ritt meist er 5 u nennen, v. K. ist völlig gerechtfertigt aus dem ehrengerichtlichen Verfahren hervorgegangen. Bei dem Angeklagten setzte sich wie eine Art fixer Idee der Gedanke fest, daß dec Oberstleutnant zu feinen Ungunsten wissentlich unwahre Erklärungen abgegeben habe. Als v. K. als General- ntajor nach Glogau versetzt wurde,, schickte er ihm einen Brief, der von Beleidigungen sttotzre und den Adressaten aufforderte, die Sache mit ihm binnen 48 Stunden in Heidelberg ober Saarburg zum Aus trage zu bringen. Er übergab die Sache einem Ehrenrat. Dieser entschied, daß dem Schreiben keine Folge zu geben sei, und auch der Kaiser, dem die Angelegenheit vorgelegt wurde, bestimmte, daß weitere Angriffe des Angeklagten unberücksichtigt zu bleiben haben. Nun reiste Graf R. am 9. November nach Berlin und als er den Generalmajor a. D. v. K. an der Ecke der Altonaerstraße unb Brückenallee traf, trat er auf ihn zu, warf ihm seinen Hanbschuh nach dem Kopf unb rief ihm zu: „O, da ist ec ja! Ich werde ihn lügen lehren. Er gehört auf die Polizei, ich werde ihn in die Zeitung bringen!" Der Gerichtshof erkannte auf 1500 M ar k Ge ld ftr a f e. Das Gericht hielt dem Angeklagten zu gute, daß er nicht eins gemeiner Gesinnung gehandelt, sondern den veranckvortlichen Schritt aus gekränktem Ehr- unb Rechtsgefühl unternommen habe. Anderseits handle es sich um einen schweren Angriff auf einen Herrn in hoch»- angesehener Stelle, gegen den nichts vorlag._____________
vermischtes.
* Köln, 21. März. Als heute nachmittag einige Lehrlinge in einer Gießerei in Ehrenfelb eine schadhafte Gasleitung mit einem Lichte ableuchteten, entzündeten sich entwichene Gase. Durch die starke Explosion wurden zwei Personen schwer, mehrere leicht verletzt.
• Stettin, 21. März. Heute verwundete in einem hiesigen Hotel der vom 2. Artillerie - Regiment nach Stettin kommandierte Zahlmeister-Aspirant Schreidecke seine Braut durch einen Schuß in lebensgefährlicher Weise und tötete sich dann selbst.
* Chemnitz, 20. März. In der hiesigen Bevölkerung steht eine lebhafte Diskussion bevor in der Angelegenheit der Errichtung eines König Albertmuseums und eines neuen Theaters. Nachdem es nicht möglich gewesen war, den: von Oberbürgermeister Dr. Beck ausgehenden Projekte, dieses Museum, bas in der Mehrzahl der Bevölkerung durchaus nicht für dringend notwendig erachtet wird, und gleichzeitig den Neubau des Stadttheaters, den man allgemein als ein unabweisbares Bedürfnis bezeichnet, zu errichten, die Sympathie der Mehrheit des Stodtverord- netenkollegiums zu sichern, hat unser Stadtoberhaupt neuerdings geglaubt, den vielfach geäußerten Bedeuten und Besorgnissen entgegentreten zu sollen durch eine abermalige Vorlage an die Stadtverordneten, die Erbauung eines etwa 1300 Sitzplätze umfassenden Stadttheaters zwar ins Auge zu fassen, zuerst aber noch hierzu den Erfolg eines Aufrufes an die Einwohnerschaft zur Betätigung ihres Interesses an der alsbaldigen Erbauung (sonach jedenfalls einer Sammln n g für den Theaterbau) abzuwarten.
* Dublin, 21. März. Neber den gestrigen Zusammenstoß der deutschen Bark ,3)lona“ mit der englischen Bark „Lady Cairns" werben noch folgende Einzelheiten ge- meldet: Die beiden Schiffe rannten mit großer Gewalt aufeinander. Die Seitenwände der englischen Bark wurden aufgerissen, als wenn sie von Papier wären. Das Schiff kenterte und verschwand im Wasser. Die „Mona" wurde schwer beschädigt. Die Boote dec „Mona" wurden klar gemacht, konnten aber nicht herabgelassen werden, da die .Mona" vor dem Winde trieb. Der Zusammenstoß ereignete sich bei sehr trübem Wetter. Mit der „Lady CairnS" sind 22 Personen untergegangen.
• Paris, 21. März. Aus Agen wird gemeldet: Ein verstorbenes Original hinterließ dem Präsidenten Krüger sein gesamtes Vermögen. Unter dem Nachlaß fand man einen Brief Krügers, worin er dem Verstorbenen seinen Dank ausspricht für Ueberroeifung von 1000 Franks für die Buren. — Die Polizei nahm gestern abend im Atelier des englischen Malers Bulton Haussuchung vor, bei welcher 19 Personen verhaftet wurden, welche skandalöse Orgien gefeiert haben. Die Angelegenheit ruft großes Aufsehen hervor.
* Johannesburg, 21. März. In dem von Indiern bewohnten Viertel hier sind dreißig Todesfälle durch Pest vorgekommen, dicht von der Pest Befallene befinden sich im Lazarett, zwei Verdächtige sind unter Beobachtung. Es sind nur Asiaten von der Pest befallen. Die Polizei sperrte das Viertel ab.
* Ein heller Junge. Von einem Schüler, der seinen Lehrer belehren will, wirb aus einem Dorfe in der Lüneburger Heibe geschrieben: Vor einigen Jahren erschien bort ber Schulinspettoc. Der Lehrer gab gerabe Unterricht im Rechnen. Der Schulinspektor horte eine zettlang ben Fragen unb Antworten zu, nahm sobann ein Stück Kreide unb fragte einen kleinen, flachshaarigen Burschen, ob er ihm lob, 1 eine zweistellige Zahl nennen könne. Der Junge nanuid die Zahl 86, der Schuttnspettor schrieb 68 an die Tafel. — „So, nun nenne mir noch eine zweistellige Zahl." Prompt antwortet der Junge 37, unb ber Schulinspektor schrieb .3. „Weißt Du noch eine solche?" — „Jawohl", am;.v 1 grinsens der kleine Bauernbengel, „441' unD, inbem der Sehr, linkst et kor sich ber Tafel zuneigte, rief ber Flachs- ko Pf : „Sv, Du olle Tdsropp, nu schriew bat ok noch falsch!"
Arbeiterbewegung.
Mainz, 21. März. Es steht abermals ein Aus st and in Aussicht und zwar der Tünchergehilfen Sie verlangen ein! Lohnerhöhung, die ihnen bis jetzt von ben Arbeitgebern nicht as wahrt worden ist.
Frankfurt, 21. März. .Wie stellen sich die Frankfurts B ä ck e r g e h i l f e n zu den herrschenden Lohnbewegungen und Streiks?" So tautet die Tagesordnung einer .großen Massen- Versammlung" der Bäckergehilfen, die aus Mittwoch embetufen ift" In dem hierzu emladenden Flugblatt mit der Ueberschritt „Streif in Sicht" heißt es: „Unsere Kollegen in München, Berlin, ftiei Lübeck usw. stehen im Lamps mit Den Jnnungsmeistern wegen Abschaffung des Sioft- und Logiswesens, Verkürzung der Arbeitszeit usw. 9tnn gilt es, in diesem heißen Mampf nicht gleichgNtlq bei- feite zu stehen, sondern mitzuhelsen an dem großen Befreiung kamps der Bäckergehilsen Deutschlands. Auch in Frankfurt, uni Umgebung lassen die Lohn- und Arbeitsverhältmsie viel zu wünschen übrig. Unsere letzte Statistik hat leider ergeben, daß in einer großen Anzahl von Bäckereien der Tarif nicht eingehalten wirt Hiergegen müssen wir unbedingt mit aller Energie ankampfen.'
Kiel, 21. März. Tie Schuh machergesellen prökla. mierten den Ausstand wegen verweigerter Lohnerhöhung und «Lin- schränkung der Heimarbeit. Beteiligt sind 300 Gesellen. Tas Bäckergewerbe droht ebenfalls mit dem Ausstand.
Ki-richtsjaal.
A a ch e n, 21. März. In dem AltenbenbergerSpiei- bankprozesse wurde heute das Urteil verkündet. Tie Awie- klagten Bara, Bayly und de Witte erhielten Geldstrafen von 100 Frs. Der Wirt Bergerhoff wurde zu 50 Frs. Geldstrafe verurteilt. Der Advokat Bogaert wurde sreigejprochen, weil er feit Der eigentlichen Gründung der Gesellschaft nicht mehr ihr Mitglied war. Aus der Begründung geht hervor, daß gegen die Drei erüen Angeklagten wegen Vergehens gegen das Veremsgesetz vorzugehen wäre, weil die Gesellschaft, sobald die Mitgliederzahl 20 überschnitten war, der Genehmigung der Regierung beburfte.
Meißen, 21. März. Die Geheimpläne zur Besei. tigung des bestehendenReichstagwahlrechts wurde heute gelegentlich einer Beleidigungsklage gegen den Redakteur Riem von Der „Sächs. Arbeüerztg." vor dem Amtsgericht Meisten erörtert. Nach der beeineten Aussage des durch jene Pläne bekannt gewordenen Dr. Giesebrecht, geben jene Geheunplane dahm, Die Wahlgleichheit durch das Pluralwahlsystem zu ersetzen, adge- stuft durch Bildung, Lebensalter nud wirtschaftliche Selbitandigkeu. Im Auftrage jener Kreise suchte Dr. Giesebrecht nainenllich die GroßinDustriellen für die Geheimpläne durch streng vertrauliche Zirkulare zu gewinnen. In Sachsen gab nur die Nähmaschinen- firma Biesold und Locke in Meißen eine Geldunterstützung. Wegen Beleidigung der Inhaber der Firma bei Besprechung der Geheim- pläne, wurde Redakteur Riem heute vom Amtsgericht zu Wit. 600 Geldstrafe verurteilt.
— .Vorbestrafte Redakteure." In einer Privat- beleidigungssache des früheren Oberbürgermeisters Hegelineier von Heilbronn gegen den Redakteur der Heilbronner Ztg. tat Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schuster-Heilbronn, eine Aeußenuig, die auch für weitere Kreise von Bedeutung ist. Bezüglich Der Berufs st rasen der Redakteure äußerte der genannte Richter, daß diese als Vorstrafen für das Gericht fast gar n ich t in Betracht kommen l
-Zailöel uni) Verkehr. VolkLwirlschasi.
Frankfurt a. M., 21. März. Die heutige Generalversammlung der D e u t s ch e n E f f e k t e n - u n d W e ch s e l b a n k war von 17 Aktionären, die 9269 Aktien mit 92ö Stimmen vertraten, besucht. Die Vorlagen wurden genehmigt, Decharge erteilt und dir Dividende mit 4'/, pEt. gleich 18.50 Mk. festgesetzt, welch« sofort zur Auszahlung gelangt. Ter Vorsitzende Rudolph Andieae gedachte in dankbaren Worten des Herrn Anton L. A. pahi^ Begründer der Bank und langjährigen Präsidenten, der mit Kittsicht auf sein hohes Alter und seinen GesundheUszustanD aus btm AufsichtSrat ausgeschieden ist und gab dem Wuiische AueDiuch öav er sich noch lange der wohlverdienten Ruhe erfreuen möge, sowie der Hoffnung, daß Hahn auch weiterhin ferne Erfahrungen und seinen Rat der Bank zur Verfüaurg stellen werde.
Berlin, 21. Mär». Zu Begründung einer Hauplstell» der deutschen Arbeitgeberverbände berief dec Zentralverband deutscher Industrieller feinen Ausschuß zum 11. April und eine Delegiertcnversammlung zum 12. April naa) Berlin.
Konstantinopel, 21.März. Die Einnahmen der türkischen Tabak regiegesellschaft betrugen tm Februar 17 600 MA gegen 17 500 000 Ps. in der gleichen Periode des Voijahres.
Rheinische Hypothekenbank Mannheim. In der Äeiieial- oerfaminlnng am 21. d. Alts, wurde dein Vorschläge Der Tireluca und des Aufsichtsrates entsprechend die Dividende für das Gescha'is- fahr 1903 auf 9 Proz. festgesetzt. Demgemäß gelangt der Dividende- schein Nr. 11 der Aktien ä Aik. 600.— mit All. 54.- und der Aktien ä Lik. 1200.— mit Alk. 108.—, sowie der Aktien i M 1200.— von 9lr. 27635/36 dis Nr. 29999,30000 mit Alk. 45 - zur Einlösung.
Markte.
Gießen, 19. März. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmaw kosteten: Butter pr. Pfd. 0,90—1.00 Alk., Hühnereier 1 St. 6—7 W 2 ötef. 00—00 Psg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 8—0 Pfg-, pr.Stck.6—8 Pf., Läsematte 3 Stck. 5—6 Psg. Erbsen pr.Liter 81 Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 Alt., Hühner pv.oL 1,80—1,40 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,70 Alk., Einen pr. stuu 1,70—2,20 Alk., Gänse pr. Pfd. 00—70 Psg., Ochsenfleisch pr. W* 68—78 Pfg., ttuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Lchwemk- fleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 62—74 Psg., Hammelfleisch pr.Plw'- 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—7,00 Alk., We ißkraui per Stück 9—12 Pfg., per Zentner 0.00—0.00 9J1L, Zwiebeln pr. Zeniner 7,00—10,00 Alt., Alilch per Liter 18 Psg., Aepsel per Zentner w bis 25 9JIL, in Körben 00-00 Pfg. Nüsse 100 St. 35-40 Pig^
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Gingesaiiöl.
(Mr Form und Jnhmr auei uiuec oicier Aubril stchendw Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenuv keinerlei Verantwortung.)
Seit kurzem sind von militärischer Seite am Rande deS Philosophenwaldes in halber Baumeshöhe g Zielscherben angebracht worden. Dadurch wird Der scy Waldsaum sehr verunziert. Dazu kommt, daß g^gEN • Scheiben auch Zielübungen unter Anwendung D0U 95 Patronen abgehalten werden; so z. B. am Montag, ben Alts., von 4 bis 5 Uhr. Es ist für Spaziergänger, flutn , Damen, die sich auf dem am Waldraird entlang fuhreiibei ergehen, kein angenehmes Gefühl, diesem „Feuer" ausg Ifl sein. Mag für die Benutzer dieses Weges auch eine e * düng wegen der größeren Entfernung der Schützen ausgei । ( fein, so durfte eine solche für die Passanten des nach oe führenden Weges bestchen. Der Standort der, schtevmokn teilung von diesem Wege dürste weniger als 100 Jtteter haben. Auf diese Entfernung aber kann durch die Hotzpi der Platzpatronen eine Gefährdung emtreten.
Kazi! — Ist das ein Iiruijlingslüfterl!
Einen Katarrh hab ich — na, der kann stch fehen o Geschwitzt hab ich bereits — Pferdekur, jo '* ’^ie mir und für’« Taler Bonbons verbraucht. Zetzt ge mal eine Schachtel Sodener Mineralpastillen - ° _
ächten von Fay. Die sollen ja 51$un3,CC n,'m.b Dobei no» Tun sie auch, sagt der Provisor, und sie sm w <y,r* äußerst angenehm in der Anwendung und üül -M? kung auch auf den Magen. Hier, bitte! Em üeme^ für ganze 85 Pfg. - I» allen Apotheke«, Drog« Mineralwasjerhandlangen zu haben.


