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22/03/1904 Zweites Blatt
 
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Erscheint ISgNch mit Ausnahme deS Sonntags.

GeneraZ-Anzeiger, Amts- und AnZeigeblaLt für den Kreis Gießen

5>if heutige Dummer umfaßt 8 Seiten.

Freiherr Hodenberg.

$ antwortete darauf:

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Tr. Max Jänecke.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.T.

Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

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Ersuche um Auskunft, worum es sich bezüglich des ul:!r persönlich gänzlich unbekannten Herrn v. Tannen- U;.g handelt. LLerde dann eventuell meinen Bevollmäch- li{lten ernennen. Antwort Rechtsanwalt Woltereck, Han-

Mitglied des Hauses oer Abgeordneten. Lüneburg, 20. März 1904."

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Aas Urteil im slepstus-Urozeß.

R. B. Darmstadt, 21. März.

Mit der Entscheidung des Lepsius-Prozesscs vor dem Än Verwaltungsgerichtshof wurde die Gelehrtenwelt ts zahlreiche, durch die Erörterungen darauf auf­merksam gemachte Publilum aus eine harte Geduldprobe gestellt, indem die Urteilsverkündigung am 12. März auf den heutigen Abend vertagt wurde. Nun wurde heute um 7 Uhr das Urteil gesprochen, nachdem dasselbe am Nach­mittag in eingehender Beratung festgestellt worden war, und mancher mag dabei an das alte Wort aus HorazPartu- riunt montes ic.' erinnert worden sein, denn es lautet dahin, daß der Angeklagte zur geringsten zulässigen Strafe, einer Verwarnung verurteilt wird.

Ter Präsident gab in der sehr sorgfältig zusammenge­stellten Urteilsbegründung, deren Verlesung eine volle Stunde in Anspruch nahm, zunächst eine längere Zusammen­fassung des Tatbestandes, wie er sich aus der 24stündigen Verhandlung, den Aktenstücken und Protokollen, den Zeugen­aussagen und den Sachverständigenurteilen ergeben hat. In der Verhandlung haben die Behauptungen der Anklage sich nicht erwiesen; vor allem nicht, daß sich Stütze! in unlauterer Weise einen Orden verschaffen wollte und daß Prof. Levsius mit an dieser Sache teilgenommen hätte, der Gerichtshof nimmt vielmehr an, daß Stützel mit seiner Schenkung eine wertvolle Sammlung liefern wollte und auch geliefert hat. Taß auch die Bewertung derselben durch Tr. L. nicht zu hoch gegriffen war, hätten die Sachver- stäirdigenurteile durchaus erwiesen. Wenn gegenüber diesen Urteilen von Prof. Back und den Museumsbeamten daran festgehalten wurde, daß der größte Teil gefälscht oder wert­los sei, so sei dieser rein wissenschaftliche Streit ohne Be­lang. Tr. L. würde aucy angesichts der vielen wertvollen

Jd) war auf der Reise und meinen Aufenthaltsort wech- Jihl. daher die Angabe des Adressaten. Was Herr v. Hoden- irzimit dieser Tepesche im Zusammenhänge nut der Reichs- «Cf.-.jaljl, in der er an der Spitze der welsiscben Agitation ,i. steht, hat bezwecken wollen, ist mir unklar, da weder ii; lijuj mein Bevollmächtigter bis heute auf meine Te- :.j y irgend welche Antwort erhalten haben!!

nan hat es der nationalliberalen Partei zum Vor- Liirf gemacht, daß sie das Urteil, welches seinerzeit im, rj des verstorbenen Oberpräsidenten v. Wnnigsen gegen . : . i v. Tannenberg ergangen war, in einem Wahlslug- tiß; aufs neue publiziert hat. Der Prozeß war bekannt- lih seinerzeit angestrengt worden, weil Herr v. Bennigsen :uii) tbie Mitglieoer der nationalliberalen Partei in der lwl.üchenDeutschen Bolksztg." alsLandesverräter" llijichstiet waren.

Tie Berechtigung zu der Publikation des Urteils wird iMaub bestreiten wollen, dem bekannt ist, daß in einem cfcocicrc verbreiteten welfischen Flugblatte7000 hannoversche Linner", die der nativnalliberaten Partei angehören, als M l uiverständnis mit der Partei der Landesverräter von Htji/- stehend bezeichnet werden. Zn dem betreffenden Flug- Lim heißt es weiter wörtlich:

Tie Gründungsgejchickste der christlichen Kirche kennt w Linen Judas; die Geschichte Griechenlands nur einen wl.ialtey, Und 36 Jahre nach den Ereignissen des Jahres M> sollten sich im .Hannoverlande Tausende von Män- n:r?t gleicher moralischer Qualität finden?"

ß me schlagendere Antwort, als gerade die Veröffentlich- ves doch gewiß unparteiischen Gerichtsurteils, korinte

. L: ii Uionatliberale-Partei in Wahrnehmung berechtigter

Valilische Tagessckau.

AuS dem Wahlkreise Lüneburg.

Tr. Max Jänecke, der Verleger desHannov. Kur." rrd bisherige Neichstagsabg., erläßt in seinem Blatte higLnde Erklärung:

Turch die Zeitungen läuft die Mitteilung von einer politischen Tuellsorderung, die der welfische u 1 siagsabgeordnete Freiherr v .Ho den berg als 5öe- «sllmächtigter des welfischen Rechtsanwalts v. Sannen* ter g in Hannover an mich habe ergehen lassen. Ich weiß Ruj;, wer diese Nackpricht verbreitet und gleichzeitig als Lllilmanöver im Sinne der welfischen Partei aus Anlaß dir im 16. hannoverschen Reichstagswahlkreise bevorstehen­den Ersatzwahl ausgebeutet hat. Dem Gerücht wird wahr- der nachstehende Telegrammwechsel zugrunde htßnit

Am 12. März sandte Herr v. Hodenberg eine Tepesche m Stückantwort an mich folgeiiden Inhaltes:

Wo kann ich Sie Sonntag mittag 12 Uhr in Lüne­burg oder wann sonst als Bevollmächtigter des Herrn v. Tannenberg in Ehrensache sprechen?

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i; liiD'igt zu haben eine Annahme, die man vermutlich dherleitete, daß die Exzellenz sehr nahe Beziehungen z E Sühne und zuni dramatischen Leben unterhielt. Die ;l:.. verlief damals im Sande, und kein Mensch sprach, davon, bis heute. . Der unlängst aus dem Amt ge- ,. ... ene Unterrichtsminister Nasi wird öffentlich in der , ; wie von seinen Kollegen der Verschwendung D )i: Tmtsgeldern bezichtigt. Tie Sache kam folgender- n ti ,i heraus. Eines Tages (man wisverte bereits allerlei T Ä 7 gliches) erschien der Kabinettschef des verflossenen T... rers, Lombardo, bei dem Nachfolger Nasis, um ihm irn..ulstrag seines Herrn 4500 Francs als nachträgliche T.u: ..ung für kleine persönliche Ausgaben anzubicten. Mi- i. :i Nasi und sein Kabinettschef gaben zu, daß sie ihre nungen auf Kosten des Ministeriums b liion Herrichten lassen, daß sie beim Austritt Nasis T.E.erl usw. aus dem Ministerium mitgehen .) n an usw. Minister Orlando (Nasis Nachfolger) wollte ii ;t em die vermutlich nur unter dem Druck der Oesfent- ti^.nt. angebotene Summe nicht annehmen, sondern ver- aiÄchr eine Untersuchung, die wenn man den Zeit- u. .rr: 2 wie Avanti, Eorriere della fern, Giornale d'Jtalia u..st Mauben darf gegen die verflossene Exzellenz höchst pit!r'.'.cbe§ Aiaterial Leib rächte. Es heißt, der Minister habe g.inijti Summen aus verschiedenen Fonds (das G Ä.r.ule d'Jtalia spricht von 60 000, Avanti und Tempo g, mvom über 200000 L.)unregelmäßig" üer» irr r.Diet, habe sich durch schriftliche Ordres (die er sich bi.in gute Freunde nachher wieder zurückgeben ließ), von Dt Raia Ealcograsia" kostbare künstlerische Radierungen ui .ml Riege im Werte von 18000 Fr. ausfolgen lassen usw., uimi oi2y altes, zu vertuschen gewußt, weil er mit maß- gelten Leuten des Reckmungshoses unter einer Decke

tzine tzncyüliüa dds Aupstes.

Rom, 21. März. Der Pavst veröffentlicht (wie schon kurz gemeldet) heute anläßlich des Jahrestages des Todes Gregors des Großen eine Encyklika, welche die Zersetzung der Gesellschaft beim Antrllt der päpsp. liehen Würde Gregors schildert und dessen reformatoriscye Tätigkeit aus dem Gebiete des gesamten sozialen Lebens darlegt. Der Papst erklärt, daß auch er innerhalb des Be- reick>es der Mauern des Vatikans sich von Gefahren und Feinden umrinat sehe, daß er, wie Gregor sich voll Vertrauen unbezwinglich uno gefestigt auf dem Felsen der Kirche fühle und göttliche Versprechungen besitze. Er berufe die Völker zu dieser Kirche, die allein der Welt den Frieden sichern könne und beharre auf der Notwendigkeit des Einvernehmens zwischen den geistliehen un b we ltlichen Mächten, die beide-durch Gottes Willen be­standen und bestimmt seien, sich gegenseitig zu unterstützen. Wir werden versuchen, die unerschütterliche Festigkeit Gre­gors nachzuahmen, in dem wir uns zum Vorsatz machen, die Rechte und Prärogativen, deren Wächter und Beschützer vor Gott und Mensehen das Papsttum ist, um jeden Preis zu verteidigen. Man leugnet die göttliche Mitwirkung in Ord­nung, Eischaffung uno Regierung der Welt und die Mög­lichkeit von Wundern. Daher sei die historische Wissenschaft auf Irrwege geraten. Tie Folge hiervon sei, daß die einen, verblendet durch die Entwick­lung des wissenschaftlichen Rückgangs, ihren Glauben ver­lieren, und daß andere, die fc|t im Glauben stehen, die wissenschaftliche Kritik beschuldig en, daß sie den Glauben untergrabe, was ein nicht berechtigter Vorwurf sei. Dec Papst betont dann die moralischen Folgen, die sich hieraus ergäben und setzt auseinander, welche Ausgaben die Bischöfe für ihre Person und bezüglich der Auswahl und Leitung ihres Klerus hätten, besonders hinsichtlich ihrer Lehrtätig­keit und ihres sozialen Wirkens zu Gunsten der Schwachen.

könne aber dem Angeklagten doch nicht der Vorwurf er­spart bleiben, daß er in seinem Bericht vom 16. Februar 1899 nach der zweiten Besichtigung und Prüfung konstatierte, er komme nun zu einem wesentlich höheren Wert: hierbei hätte er auch die unzweifelhaft gefälschten Steinbeilgriffe näher untersuchen müssen, und darin, daß er es nicht getan, liege eine Fahrlässigkeit in seinem dienstlichen Verhalten. Tenn nach diesem Bericht mußte das Ministerium, das auf seine Untersuchung besonderes Gewicht legte, annehmen, daß sich seine eingehende Untersuchung auch auf die Stein­beile erstreckt habe. Taß sich danach, unter den Museums- beamten ein gewisser Verdacht regte, sei nieht zu ver­wundern, aber selbst wenn die Schätzungen des Tr. Back richtig wären, so läge doch kein Beweis vor, daß L. ab­sichtlich unwahre Angaben gemacht hätte. Tas Urteil geht dann noch auf die Sache Lepsius-Wittich näher ein. Es sei wohl als erwiesen anzunehmen, daß Tr. Mttich von seiner Entlassung gesprochen habe. Auch hier könne es sich nur um ein Mißverständnis, vielleicht infolge der Schwer- hörigkett des Angeklagten, handeln, denn es sei nicht er- sickftlich, welchen Zweck derselbe dabei verfolgt haben sollte, wenn er wissentlich die Untvahrheit an das Ministerium berichtete. Ter Gerichtshof sei nach allen diesen Erwäg­ungen zu dem Urteil gekommen, daß, abgesehen von dem Bericht vom 16. Februar 1899 an das Ministerium, wonach' dasselbe annehmen konnte, daß L. auch die Steinbelle gründlich untersucht habe, ein Dienstvergehen gegen ihn nicht erwiesen und deshalb in allen anderen Punkten Freisprechung erfolgen müsse. Wegen der einzigen Hebertretung im Dienste habe der Gerichtshof die geringste zulässige Strafe, eine Verwarn­ung, erkannt. Da somit der Angeklagte in der Haupt­sache fceigesprochen sei, habe ihm auch nur ein kleiner Teil oer Kosten des Verfahrens auferlegt werden können, näm­lich ein Zehntel, die übrigen neun Zehntel fielen der ^Staatskasse zur Last. Tie zahlreiche Zuhörerschaft nahm dies Urteil mit sichtlicher Befriedigung auf.

anderen Stücke (ohne die Steinbeilsttele) zu demselben Re­sultat gekommen fein, und der Wert der Sammlung werde durch Die Rekonstruttion der Griffe an den Steinbeilen im ganzen nicht beeinträchtigt. Auch die Charakterisierung und die näheren Angaben über die Schenkung seien nicht unwahr. Es sei nicht richtig, daß die Sammlung nur teilweise ganz geringwertige, im übrigen gefälschte Objekte enthalte; es sei vielmehr erwiesen, daß die in der Sammlung ent­haltenen Pfahlbaufundstücke auch ohne die refonftrnierten Steinbeile gerade für unser Museum webtvoll sein; auch die Gold- und Bronzegegenstände, die Terrakotten rc. seien von bedeutendem Wert und schbn ausgeführt, und der An- gellagte war berechtigt, auch den Samos-Fossilien, den Säugetierresten, die ihm für das Museum versprochen, großen Wert beizumessen. Ferner habe sich ergeben, daß die Bezeichnung der Sammlung alsgut erhalten, wohl­geordnet und sorgfältig zusammengestellt" sehr wohl zu­treffend war. Taß die Steinbeil-Griffe nicht die ursprüng­lichen waren, stehe zweifellos fest, Stützet hatte sie zur instruktiven Darstellung für den Beschauer rekonstruieren lassen. Bei der nachgewiesenen Schwerhörigkeit könne Stützels Bemerkung darüber wohl von L. nicht gehört worden [ein. Tas Gericht habe keinen Grund, anzunehmen, daß L. sich wirklich in München schon darüber informiert habe, ob es sich hier um Rekonstruktionen handle; er habe eben aar keinen Wert darauf gelegt, weil er sich nur für die Fossilien interessierte. Ein Anlaß zur Prüfung der Stein­beile lag nach seiner Auffassung auch nicht vor, da ja die Sammlung zur Untersuchung naaj Tarmstadt geschickt werden sollte; hätte er die Stiele genauer untersucht, so hätte er nach Ansicht des Gerichtshofs auch die Nachahmung erkennen müllen. Tas bestreitet auch Tr. L. nicht. Es

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steckte. Nach seinem Wahlkreis Trapani habe der Minister allein 171 große Kisten mit unbekanntem Inhalt gesandt, seine zahlreichen Benjamins beim Verlassen des Ministe­riums mit glänzenden Trinkgeldern belohnt, und was der­gleichen Dinge mehr sind. Tas schlimmste wenn es sich als wahr erweist märe, daß die Quittungen über die als angeblicheDubsidien" verausgabten Summen fast alle von denselben Händen gezeichnet sein sollen! Die Affäre Nasi, die binnen kurzem auch die Kammer beschäftigen wird, zieht inzwischen immer weitere Kreise, uni) täglich kommen neue wunderbare Dinge anS Tageslicht.

Ei» Skandal des italienischen Ministers Nasi.

Seit vierzehn Tagen und darüber beschäftigt sich die i Minische Preise mit einer Sache, die sehr peinlich ist iu:uv -uni Ministerstand al auswuchs. Held des Skandals i :'j: :. visherige Unterrichtsminister Nasi, Abgeordneter von i llwa.ni (Sizilien), dem die sozialisttsche und die konser- t Diliue Presse Tinge vorwirft, die an die alten, schönen s2 i-lMgen gegen eimn anderen Unterrichtsminister erinnern.

ii. letzteren beschuldigte man seinerzeit, gewisse Tis - l i'i: i o n S f o nD § seines Ministeriums statt an LÄnenwitwen und Waisen an Damen des Ballet- ' !n;;> 3 und noch leichteren Kalibers ausge-

Keno,/euschaflsweseN.

Gießen, 22. März.

In der von der Sektion Overhessen der Gesellschaft für soziale Reform am 19. l. Mts. veranstalteten, vom stellvertretenden Vorsitzenden, Pfarrer 2. Schlosser geleiteten Versammlung sprach der in sozialpolitischen Kreisen bekannte Dr. Emst Cahn vom sozialen Museum in Frankfurt a. M. überDie volks­wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Genossenschaftswesens". Wenn auch die Versamm­lung wohl in Anbetracht der etwas ungünstig gewählten Zeit nicht sehr stark besucht war, so bemerkte man doch unter den Anwesenden Beamte, Stadtverordnete, Vertreter von Konsumvereinen, Fabrikanten, Gewerbetreibenden usw.

Tr. Cahn begann seinen Vortrag mit der Schilderung der Aufgaben der Staats- und Selbschilfe auf dem sozialen Gebiete. Er erachtete als wichtigste Art der Selbsthllse- tätigkeit auf sozialem Gebiete das Genossenschaftswesen. Nach einigen Ausführungen über die Arten und dieGeschichte der Genossenschaften feit 1848 behandelte der Vortragende die Entstehung des Kvnsiimvereinswesens in Deutschland seit den 1860er Jahren und seinen Aufschwung seit dem Jahre 1890, ferner die Genossenschaftsstatistik, den Stand des Genossenschaftswesens in 1900, das Genossenschaftsrecht, speziell das Genossenschaftsgesetz von 1868 und 1889 und insbesondere die Einführung der Genossenschaften mit be­schränkter Haftpflicht, sowie die vollswirtschaftliche Bedeut­ung des Genossenschaftswesens. Hierbei hob der Redner besonders hervor die durch das Genossenschaftswesen be­dingte: 1. Ausschaltung gewisser Zwischenglieder des gegen­wärtigen wirtschaftlichen Lebens z. B. der Geld dar lecher, Kleinhändler ufjp., 2. Gewinnung der Herrschaft über die Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse an Stelle der früheren Abhängigkeit, und die Möglichkeit einer besseren Befriedigung dieser Bebürfnisse überhaupt, 3. Erzielung von Gewinn für die Genossen, besonders von Dividenden, 4. Be­seitigung volkswirtschaftlicher Auswüchse, nämlich des Wuchers auf dem Lande und gewisser Älißstände, dre der Kleinhandel mit sich gebracht habe, 5. Möglichkett der Ver­einigung der Konsumenten gegenüber der Gesetzgebung und der Parlamente, 6. Ermöglichung der Erhaltung der Kon­kurrenzfähigkeit der kleineren und mittleren gegenüber den großen Betrieben.

Als soziale Wirkungen des Genossenschaftswesens be­nannte Dr. Cahn die Erziehung zur Selbstverwaltung, zum kaufmännischen Sinne und zur nüchteren Betrachtung des Wirtschaftslebens, ferner die Hebung der Lage der Ar­beiterklasse durch Erzielung von Ersparnissen, besonders durch die Konsumvereine und Baugenossenschaften, die Er­möglichung einer Besserstellung Der Angestellten in den Konsumvereinsbetrieben und -Geschäften, die Milderung der Wohnungsnot durch die Baugenossenschaften, die Ermög­lichung 'der Ellcfühmng gewisser Bllligkeitsgrundsätze, z. B. Begrenzung des Zinsfußes usw., die Ermöglichung des Ueberganges zur genossenschaftlichen Eigenproduktion durch die Konsumenten selbst uno die dadurch ermöglichte Hebung der Lage der Angestellten solcher Betriebe und endlich die Ausgleichung gemifjer Klassengegensätze, da wo Angehörige verschiedener Klassen in Genossenschaften zusammenwirken. Zum Schlüsse erwähnte der Redner noch, daß das Genossen­schaftswesen insofern einen erfreulichen Ausblick in die Zu­kunft biete, als es die darin tätigen Arbeiter in ein ruhi­geres Verhältnis zu dem Staate und zur Sozialrsform bringe und dadurch auf die politische Entwicklung günstig wirke.

Nach dem mtt Beifall aufgenommenen Vortrag wurde eine Diskussion eröffnet, an der u. a. Rentamtmann Schäfer und Faibrirant Ärogmann teilnahursn. Kurz nach 11 Uhr ch-loß der Borsitzenve die BersEmlun^ mit dem Hinweis, ) es erstrebenswert fei, öfters TiSkusftonHabende zu ver­anstalten. Wünschenswert sei eS aber auch, daß nicht nur in erster Linie Angehörige der oberen Gesellschaftsklassen, andern auch Arbeiter sich der Gesellschaft für soziale Reform anschlössen, um in Genreinschaft die Wege der sozialen Reform zu gehen.

PensiosalWelirt ' - yegr. 1818 - . N- Kia» B. Etont

Beushcim a. Bergjiri ^rundlicher Untem^r Zweigen des Haushai,j. Zacken, Einmachen; hack Rovtejponbenj und te auiAnnjchinkleldema^ machen, Musik, Malen, esc :c. Gesunde Lui, und dcl Verpflegung. Ma null Warten. Beste ReieMc.'; Nonspreisjährl.7öOKl,!c.. M M. Prospekte

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Vorbereitung zu diiij Primaner- und W gramen, \oroit zum mvttl und ödere räch'- Lehranstalten. Blalle. d-ldung i. Geometer.

wertes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag SS. März 1vv4

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