Ausgabe 
22.3.1904 Erstes Blatt
 
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ErfteZ Blatt

154. Jahrgang

Dienstag 22. März l»u4

J»le Hlnglückspoft aus Deutsch-Afrika

bei

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Volilische Tagesschau.

Folgen des Falles Eudell-Schack.

. hi die gerichtliche Verhandlung des Falles Endell- 2: die, nrie wir kurz berichteten, mit einer Verurteilung i .......edatleurs Scheck in Posen wegen Beleidigung des

. ......V a. D. Endell zu einer nicht sehr erheblichen Geld-

, endigte, schließen sich Erklärungen der an dem Prozeß 0 L .jgt gewesenen Faktoren, von denen in folgendem Notiz g L iiLtmen werden soll. Der frühere Oberpräsident von >; Alber' toenbet sich in oerKreuzztg." gegen einige ihn flfcr. belastende Behauptungen des als Zeuge vernom-

iment Die 2M, ,} iQBDoget hat sich raien W lubt. Heute w b« Kmc- räfibium mH mm Me )emt Grafen toi mfc er bringe bie geiviw: ben angifünbigtm , ließ dem Mann Mniürckr der R her dem m der I» ijttag zugekommen rc nenUich für Bulöo^: ije§ einzusinden. Gsi- uschten GeschästsinM!' nes Witzboldes geiDOiK"

Zu den Vorgängen in Südwestafrika nimmt ein Teil Presse Stellung. Von mehreren Seiten wird als un- v.rstümdlich bezeichnet, daß Major v. Glasenapp mit so unzurerchender Bedeckung und anscheinend unter Außer- ü , .lassung der gebotenen Vorsicht den folgenschwerenRe- l 9:10. .eruugöritt" unternommen hat. Die ,^8oss. Ztg." ne st darauf hin, daß Major v. Glasenapp, da sich in i .ier Begleitung etwa 16 bis 18 Offiziere befanden, seine i ppc von allen Offizieren, oder doch bis auf wenige, enlRößt habe, als er ihr voraufritt. Nun bleiben aller-

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Hrfchetnt ««glich anbei Sonntags.

. :i m «Siebener Anzeiger »erben im Wechsel mit i-m Kesflschen Landwirt Ist ®it(jener Samllien« Hitler viermal in bet Woche beigelegt

RMationflbrud u. Ver­sal bei Brüh l'schen 1 niioet1^Buch-u.Htein- Iruderet. 9L Lange. Ribaflton, Trpedttlou unb Drucke rei:

Lchulstrabe 7.

titrefie tüt Deneschenr rtuzetger «tetze».

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von

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Deutsches Keich.

Berlin, 21. März. Zu dem dreitägigen, von herr­lichem Sommerwetter begünstigten Aufenthalte des Lloyd- darnpfers ,Mnig Albert" mit dem Kaiser an Bord in Gibraltar wird noch gemeldet: Der Kaiser befand sich in vorzüglicher Stimmung. TerKönig Albert", umgeben von den Kriegsschiffen des englischen Känalgeschwaoers,

menen Geheimrats Witting, früheren Oberbürgermeisters von Posen. Dieser hatte in dem Prozeß bekundet, daß v. Bitter dem durch Selbstmord geendeten Landrat v. Mil­lich kurz vor Kaisers Geburtstag im Januar 1903 ein Telegramm habe zugehen lassen, nach welchem sich Willick) von der Kaisergeburtstagsfewr sernhalten sollte, und daß hierin die letzte Veranlassung zu seinem Tode zu finden sei. Herr v. Bitter erklärt diese Behauptung als nickt der Wahrheit entsprechend. Weder kurz vor Kaisers Geburtstag noch überhaupt sei von ihm ein Telegramm des behaupteten oder ähnlichen Inhalts an Herrn v. Willich abgesandt worden. Dagegen sei richtig, daß er Herrn v. Willich gelegentlich einer Besprechung seiner persönlichen Verhältnisse den Rat gegeben habe, einen llrlaub, welchen sein Gesundheitszustand erforderlich machte, so zeitig anMtreten, daß er Kaisers Geburtstag nicht mit- zumachen brauchte. Geheimrat Witting hatte ferner be­kundet, daß bei einer Unterredung, zu welcher der Ober- bräsident den Landrat v. Willich berufen und zu der Witting den letzteren begleitet habe, so heftige Auseinandersetzungen zwischen v. Bitter und Willich stattgefunden hätten, daß es ohne die Beschwichtigung von Witting zu Tätlich­keiten gekommen wäre. Auch diese Behauptung ent­spricht nach der Entgegnung des Herrn v. Bitter nicht der Wahrheit. Bei der erwähnten Unterredung sei auch nicht das geringste vorgekommen, was für die vorstehende Aeußer- ung einen tatsächlichen Anhalt zu gewähren vermöchte.

In einer Zuschrift an andere Berliner Blätter hält Ge- beimrat Witting die erste der hier in Rede stehenoen Be- yauptungen in der Sache vollkommen ausrecht. Ueber die Unterredung zwischen den Herren v. Bitter und v. Mllich bemerkt er, daß sie, wie er vor Gericht bekundet habe, äußerst erregt war.Der von mir hierbei gemachte Zusatz: ich hätte in manchem Augenblick beinahe befürchtet, es würde zu Tätlichkeiten kommen, ist hyperbolisch und diente zur Eharakteristerung der Szene. Tatsächlich erinnere ich mich aus einer mehr als zwanzigjährigen Beamtenlaufbahn nicht einer einzigen, auch nur annährend gleichen Auseinander­setzung zwischen Untergebenen und Vorgesetzten. Richtig iftt, daß Die ziemlich lange dauernde Unterredung in kor­rekter Haltung der Beteiligten schloß. Und zwar wurde Herr v. Mllich allmählich dadurch ruhiger, daß in dieser Unterredung der damalige Oberprüsident v. Bitter sich in der Beurteilung des Majors a. D. Endell mit oem Standpunkt Willichs identifizierte."

Bei dieser Gelegenheit wollen wir eine Nachricht des 53. T." erwähnen, derzufolge Endell seit einiger Zeit in das Direktorium des Bundes der Land­wirte berufen worden fei.

Tiese Mitteilung ist nach, derTisch Tagesztg." un­richtig. Schon seit langer Zeit ist Major Endell stellver­tretender Vorsitzender des Bundes der Landwirte und ge­hört als solcher selbstverständlich dem weiteren Vorstände an. Dem Direktorium gehört er nicht an.

Zur Börsengesehuovelle.

Auf Einladung des Vorstandes der Berliner Börse traten, wie W T. B. aus Berlin vom 21. meldet, die Por­st ä n d e der deutschen Börsen zusammen, um zu den im Reichstag eingebrachten Abänderungsvor- schlägenzumBörseugesetz Stellung zu nehmen. Die Versammlung erklärte, sie erblicke in der Novelle zum Börsengesetz die Anerkenntnis, daß die Reform des bezeichn neten Gesetzes ohne schwere Beeinträchtigung des öffent­lichen Interesses nicht länger hinausgeschoben werden könne, vermöge aber das Maß der vorgeschlagenen Abänderungen als genügend nicht anzuerkennen. Der Vorschlag des Ber­liner Börsenvorstandes auf Aushebung des Verbotes des Termingeschäftes in Anteilen von Berg­werks- und Fabrikunternehmungen, in Ge­treide und Mühlenfabrikaten, wurde debattelos einstimmig angenommen. Ueber die Vorschläge zur Ab­schaffung des Börsenterminregisters fand eine längere Diskussion statt. Gegen die Geptzbestimmung, daß der Tifserenzeinwand innerhalb eines halben Jahres er­hoben werden könne, machte sich Widerspruch geltend. Der Antrag der Frankfurter Börse, die Frist auf acht Tage herabzusetzen, sand Annahme. Die endgiltige Formulier- ung der Beschlüsse wurde den Börsenvorständen von Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M. übertragen. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, wonach bei Anleihen frem­der Staaten und kommunaler Körperschaften, die schon an den Börsen von Berlin, Hamburg und Frankfurt a. M. ge­handelt werden, auf Antrag anderer Börsen von den Landes­regierungen der Prospektzwang aufgehoben werde.

Ein Teilnehmer der Versammlung bemerkte, ihm sei vertraulich mitgeteUt worden, daß der Bundesrat Gegen­anträge, die vom Reichstag angenommen werden, nicht zurückweisen werde. Deshalb dürfe man in den Wünschen nicht zu bescheiden sein. Diese Auskunst, die doch jedenfalls aus Regierungskreisen herrührt, gewährt den Börseninter­essenten eine magere Hoffnung. Wie die Zusammensetzung des Reichstags ist, und wie insbesondere das Zentrum zur Börsengesetzgebung sich stellt, läßt sich nicht im mardesten auf eine börsenfreundlichere Gestaltung des Entwurfs rechnen. Eher noch auf das Gegenreil. Aber selbst wenn der Reichstag den Foroerungen dieser Versammlung Folge leistet, so würde die Regierung in diesem Falle sich zweifellos ablehnend verhalten. Wenn aber die Re­gierung den wohlwollenden Wink gegeben hat, Wünsche zu äußern und sich damit an den Reichstag zu wenden, so wäre es doch ungleich wertvoller für die Börse gewesen, die Regierung hätte früher ihr Herz entdeckt und in dem neuen Bor senge setz selbst mehr Erleichterungen geboten, statt daß dem Reichstag die Ausgabe der Verbesserung zugescho­ben wird.

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r Landesausschugbeisitz-^ ein angesehener Dtijüiim::; > heute aus dein jen»;

j- nähere Einzelheiten abzuwarten. Immerhin ist be- git stich, daß man in der Oeffentlichkeit die Frage auf* 1 :ul, ob. die jetzt an Ort und Stelle besindlichen Führer, H aller ihrer sonstigen militärischen Tüchtigkeit, gerade y.zier schwierigen Ausgabe gewachsen sind. TasBerl. L: bl." meint, Venn Herr v. Trotha als demnächstiger i> vielter des Feldzuges genannt worden sei, so habe 1 zweifellos t- r Umstand geführt, daß der General- or vor der Ausreise her Hilfsexpedition besonders zum Last s er beordert wurde, der den Rat des erfahrenen Ost- gs.-l kaners bei der Vorbereitung der Expedition nicht missen volllte.

Rach derTagesztg." wird in den Köeisen der Südwest- afdfancr mit bemerkenswerter Uebereinftünmung erklärt, di ß der Schlag nur einem Offizier hätte passieren können, btciniit den Kampfgewohnheiten der dortigen Eingeborenen Nil!: vertraut sei. Eben dies Nichtvertrautsein trifft au S>.nn v. Trotha zu, der nur Ostafrika kennt. ES kann aus demselben Grunde auch wohl von einer Berufung des auf seinem Gut in Steiermarr lebenden früheren Gou- .c.: eurs Dr. v. Wiß maun keine Rede sein, obwohl dieser auö'jezeichlrete Militär auch alsRetter in der 9tot" ge- nanmit wird. Ter Kaiser erhält, wie wir erfahren, durch Lils afetten von jeder neuen Meldung aus dem Schutz- geö-et unverzüglich Kenntnis.

T-ieNordd. Allg. Ztg." bringt keinen weiteren Bericht, wdj keine erläuternde auf das Kvlonialamt zurückzufüh- iciutoe Auslassung. An amtlichen Stellen wird, wie unser Ac.iiner R.-Aorresporldent schreibt, jeder Anfrage gegen* ifc«- Zurückhaltung beobachtet. Indessen ist in gutunter- > ten politischen Kreisen die Ansichr vorherrschend, daß in ; c den letzthin vom Reichstag bewilligten Verstärkungen i.i Nachschub von nochmals etwa taufenb Monn er- hwi.rlich sein werde, und daß entsprechende Vorbereit- rnzni nicht auf sich, warten lassen dürften.

i Gouverneur Leutwein telegraphiert unterm 21., daß nah einer Meldung aus Grootfontein die Strecke längs

'Omurambo- und Omatakao-Flusses zwischen Otjitiuo iiil> Otjomaware vom Feinde frei ist Oberleutnant Volk- tinnm ist angewiesen, die Linie längs des genannten Flusses ji sperren. Neuere Berichte über die Weiteren Operationen :r bei Owikokorero so schwer heüngesuchten Kolonne

.Majors von Glasenapp sind nicht eingetroffen.

Im deutschen Kongo-Gebiet wurde der Schweizer Monnier, Angestellter einer Hamburger iunia, nebst 100 Schwarzen von Eingeborenen er * r.o crd e t.

Der Krieg zwischen Japan nvd Zrußlaud.

Vom Kriegsschauplätze.

Ter russische Stabschef Miieral Shilinski meldet: Die stützen sind in guter Stimmung. Krankheitsfälle sind ml zu verzeichnen. Nach Berichten der Grenzwache ist löetricb Der ostchinesischen Bahn ungestört. Bet der ; i.-tiion Udzini hat ein Rittnreister mit 70 Reitern eine bnbe von 100 Tschunchusen vertrieben. Tie Besetzung iitr Städte Andschu und Phjöngjang durch st.mdliche Infanterie und Artillerie bestätigt ; Auf der Straße von Andschu nach Phjöngjang ist eine msUärkte Bewegung von Truppen und Train zu bemerken.

Die Misfton des Marquis Zio.

.Rarqnis Ito s erjw Handlung in Soeul war die Au s- AiAiung von 5 Millionen Yen an koreanische Jn- iMe. Korea engagiert japanische Beamte. Ter ka.is e r- l . H 0 f wird vollständig u m g e st a l t e t. Ito erhielt L. -.Rden der Pflaumenblüte, eine Auszeichnung, die sonst in Fürstlichkeiten verliehen wird. Ter japanische Ge- i,';yi:e Hayashi erhielt die erste Klasse des Ordens der Idyllischen Latiüesflagge. Ito empfahl in der Audienz, x. t:r beim Kaiser von Korea hatte, diesem nachdrücklich x ) eformen, die aber erst allmählich durchgeführt werden s'llrm, um eine Vertvirrung, wie sie durch die überstürzten Ri egeln des Jahres 1895 verursacht wurden, zu ver- -cm.

Russischer. Handel.

Nachrichten zufolge, uie das Handelshaus Tschurin- W.i.an aus Port Arthur erhalten, ist der Handel ui der ' .t?. r.schurei und im Amurgebiet entgegen allen Annahmen itk levhast. In Eharbin habe sich die Nachfrage nach . nll:n für die Truppen notwendigen Gegenständen vermehrt. ; 5 llje der Einstellung der Versicherung könnten aus Ame- X Heine landwirtschaftlichen Geräte mehr bezogen werden.

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MchenerAmelgers

M Eeneral-Anzeiger ® ** 3ESE

1 < _ _ den polit und allgem.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MUZ t zeiqentell: Hans Beck.

ein verklagter Laudesfürst.

Man schreibt aus Greiz:

Daß ein Regierungsoeamter gegen seinen Landesherrn auf dem Klagewege v 0 rgeht, ge­hört zu den Ausnahmen. Tem vielgeschmähten Reuß ä. L. sollte aber auch diese Fatalität nicht erspart bleiben. Ter Kammerdirektor Tr. Oehrl, früher Vortragender Rat im Ministerium von Reust j. L. will den Titel Geh. Ober- Kabinettsrat einklagen. Wie wir rnitteilten, hatte Dr. Oehrl, als er aus dem Staatsdienst der jüngeren Linie aus- und in den der älteren Linie eintrat, laut BetanntmachMg im Amtsblatt den obigen Titel erhalten, darf aber, wie die letzte Ausgabe desselben Amtsblattes im höchsten Auftrage konstatiert wurde, diesen Titel nicht führen, weil er chm gar näht verliehen" worden ist.

Einige Aufklärung bringt aber die Bekanntgabe Dr. Oehrls, der mitteilt, daß er gegen den Fürst Heinrich XTV. von Reuß j. L., Regenten von Reust ä. L., bei dem Zuständigen Gericht unter Vorbehalt aller übrigen Rechtszuständigkeit Klage erhoben hat mit folgendem Anträge:Hochderselbe habe bei Festsetzung der Vertragsbedingungen über die Ernennung des Klagers Dr. Oehrl zum Kammerdirektor und stellvertretenden Vorstand des Geh. Kabinetts sür Grei- diesem den Titel Geheimer Obev-Käbinettsrat zugestandeit und demgemäß das dem pp. Oehrl erteilte Dekret durch Zufügung dieses Titels zu ergänzen."

Es scheint danach, als ob der 71jährige Fürst dieses Zugeständnis wieder vergessen habe, oder daß der zu­künftige Regent der älteren Reußenlinie, Erbprinz Hein­rich XXVII. der jüngeren Linie, der Ernennuna entgegenge­standen hat, da er für Dr. Oehrl, der, obwohl beide dem­selben studentischen Korps angehören, nicht sonderlich einr genommen war.

Wer ist für Rußland? Wer für Japan?

Ganz außerordentlich zerspliltert sind anläßlich deS ostasiatischen Krieges die Sympathien der Völker, ©nglanb natürlich steht ganz und gar auf Seiten Japans, Kank- reich auf Seiten Rußlands. Auch in Deutschland und Oester­reich-Ungarn sind bie offiziellen Sympathien für Rußland; in den Kreisen der Bevölkerung herrscht jedoch der größte Antagonismus. Tie Spaltung geht sogar noch weiter, und mancher trägt zwei Seelen in seiner Brust wie jener Wiener Börsenmann, der seiner Stimmung kürzlich Aus­druck gab, indem er sagte:Als Jude bin ich für Japan, als Geschäftsmann aber für Rußland". Eine Wiener Zeit­ung hat nun kürzlich den Versuch gemacht, durch eine Rundfrage bei chren Lesern die Verteilung der Sympa­thien festzustellen; sie hat eine kolossale Menge von $nt- worten erhalten, die trotz des komischen Gewandes, in dem sie meist auftreten, einen gewissen kulturgeschicht­lichen Wert haben.

Wir sehen ab von den sch erzhasten Briesen junger M ä dchen, die begreiflicherlveise im allgemeinen den russischen Leutnant dem japanischen vor­ziehen, wir sehen ab von den ganzen persönlichen Enu>> sindungen jener, die für Rußland eintreten, weil sie eine Russin oder einen Russen lieben oder geheiratet haben, n>eu sie in Rußland gastfreundlich äufgenommen wurden oder glücklich gelebt haben. Nebenbei bemerkt, meldet sich auch eine Wienerin, die zwei Jahre in Tokio gelebt hat und einen Japaner heiraten wird, sowie ein Mener der eine Japanerin liebt, schließlich ein dritter, dem eS dienetten, lieblichen, treuen, blumenlieben­den und korsettlosen Japanerinnen" anaetanl haben.

r 3m allgemeinen sind aber für Rußland die östrei- chischen Slaven, die altösterreichischen Patrioten, die sich daran erinnern, daß die Russen oft Schulter an Schulter mit den Oestteichern gefochten haben, und ihnen nament­lich im Jahre 1848 Beistand geleistet haben, die exzessivert Antisemiten , wegen der Behandlung, die die Juden in Rußland erfahren; andere aus religiösen Gründen, weil die Ruifen Christen und fromm sind, die Japaner aber keinen Gott haben (?); wieder andere aus geschäftlichen Gründen, weil die Oestreicher in industrieller Beziehung mehr Nutzen von Rußland als von Japan haben; einige u bie Japaner der Falschheit, der Gaukelei, des

Bruches des Völkerrechts; wieder andere fürchten die gelbe Gefahr" und einen Weltkrieg im Fall japanisch^: j?iege. Für Japan sind die Juden und einige Menschen­freunde wegen Kischinew, die Proletarier unb Sozialdemo- traten aus Feindschaft gegen den Zarismus: sehr viele to^nSibirien" einer schreibt sogar:weil ich in Sibirien war"; einige Deutsch nationale aus Slaven haß; manche geben Rußland die Schuld an dem Ausbruche des Krieges, da die Japaner ungerecht behandelt wurden; andere haben positive Sympathien für die Ja-

. weil sie die Schwächeren sind, weil sie kühn sind, weil ne sich mit solcher Intelligenz und Rapidität zivili- Iiert haben; auch besteht die Meinung, daß bie gelbe Ge­fahr weniger zu fürchten fei als die russische Ueberrnacht.

Bemerkenswert ist, daß eine Gruppe von Ungarn sich ür die Japaner ausspricht, üoch mit Rücksicht auf das Johr 1848, wo die Russen die Ungarn niederwarfen. Andererseits gibt es sonderbare Burenfreunde und Anglo- ihoben, die nur desyalb für Rußland sind, weil England ymt-r

J* A-

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