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22.1.1904 Zweites Blatt
 
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demselben das Mandat gelegentlich der ersten Verhandlung vor dem Provinzialausschuß, in welcher über die Bean­standung der Wahl entschieden wurde, übertragen worden sei, auch durch einen Wechsel in der Person des Anwalts ivohl noch größere Kosten entstanden sein würden.

Ter Anwalt des 5). Jos. Stork beantragte koftenfällige Abweisung des Rekurses.

In der mündlichen Verhandlung vor dem Provinzial- ausschuß führte der Anwalt der Rekurrenten aus, daß nach der, tn dem Begleitschreiben zu der Aktenvorlage an den Provinzialausschuß von dem Kreisamt Alsfeld gegebenen, als authentisch zu betrachtenden Interpretation der Kosten­entscheidung in dem Kreisausschußurtcil der Rekurs formell zulässig sei. Die Entscheidung über die Zubilligung von Reisekosten an den auswärtigen Anwalt sei danach schon im angefochtenen Urteil gefallt und nicht erst eine Frage der späteren Kostenfestsetzung. Auch materiell sei be. Rekurs begründet, denn die Wahl des Anwalts stehe zwar an sich jedermann frei, wenn aber jemand einen auswärtigen An­walt bestelle, während er die Möglichleit hatte, ei- e.i An­walt an dem Prozeßgcricht zu beauftragen, so habe er nach der Rechtsprechung der höchsten (Berichte die durch die Bestellung des auswärtigen Anwalts entstehenden D.ehr- kosten selbst zu tragen. In solange daher nicht nachgewiesen fei, daß der in Alsfeld neben dem Anwalt der Reklamanten weiter ansässige Anwalt verhindert gewesen sei, d.rs Mandat in dieser Sache anzunehmen rder dieses abgelehnt habe, sei die Zuziehung eines auswärtigen Anwaltes nicht ge­rechtfertigt und beantrage er d.shalb, dem Rekurs statt­zugeben.

Tem gegenüber führte der Anwal d:s Stork aus, der Rekurs richte sich nicht gegen eine Interpretation des Kreis- ausschußurteils durch das Krc.s.mt, sondern gegen dieses Urteil selbst. Dasselbe sei am 8. Juni zugestellt und ber Rekurs am 22. Juni l. I. bei dem Kreisamt Alsfeld ein­gegangen. Wenn der Rekurs im vorliegenden Falle üie - Haupt zulässig sei, so habe Art. 70 Abs. 3 der Kreis- und Provinzialordnung aus denselben Anwendung zu finden. Nach dieser gesetzlichen Bestimmung sei aber d r Ne.urs verspätet eingelegt, weil die darin bestimmte e /atugige Frist nicht eingehalten worden sei. Uebrigens sei d e Frage, ob dem Anwalt die Reisekosten zuzubilligen feien, dem .Koftenfestsetzungsver, ähren vorzubehalten. Der Rekurs wäre vielleicht dann begrüi.bet, wenn in bem Kreisausschuh- urteil bereits eine Kostensestsetzung enthal.e.i wäre. Es sei aber nur eine allgemeine Koftenverurteilung in Le.it Urteil erfolgt, gegen die ja auch nrcht rekuriert wo. den sei. Der Rekurs sei daher auch aus diesem G-runde formell unzu­lässig. Was die materielle Seite d.s Rekurses anlange, so sei dem zweiten in Alsfeld ansasftgm Anwalt das Mandat zur Einlegung des Rekurses in dem Beanstandungsver­fahren von Stork angeboten worden; dieser habe aber von der Einlegung des Rekurses abgeraten und erst daraufhin fei er, der auswärtige Anwalt, beauftragt worden. Stork habe also unter diesen Umstünden keine andere Wahl ge­habt, als einen auswärtigen Anwalt anzunehmen.

Ter Provtnzialausschuß hatte den Rekurs aus for­mellen Gründen zurückgewiesen. Da b.e Festsetzung ter Höhe der vom unterlegenen Gegner zu trciact.be. t Kosten Sache bes Kostenfestsetzungsver,at.)rens sei, wew. es nach Ein­tritt ber Rechtskraft eines Urteils statlsinde, so hätten bie Rekurrenten zunächst ben KostenfestsetzunaLbeschluß ab­warten müssen, gegen welchen ihnen gemäß Artikel 70 Abs. 3 der Kreis- und Provinzialordnung bauten zehntägiger Frist die Berufung an ben Provinzialausschuß zustehe. Solange kein Beschluß bes Kreisausschusfts ergangen, in welchem den Reklamanten bie Reisekosten bes Gegenanwalts zur Last gesetzt würden, sei die Einlegung eines Rechtsmittels ver- iruht und müsse d.ssen Zurückweisung erfolgen.

Ter Provtnzialausschuß erkannte hiernach zu Recht:

Ter Rekurs gegen die Entscheidung des Kreisans chusscs des Kreises Alsse.d vom 15. Mai 1903 wird als unbe­gründet zurückgewiesen unter Verurteilung der Rekurrenten Heinrich Werner, Wilh. Schmllt, Anton Kreuter, Andreas Werner, Heinrich Mohr, Georg Reinhard, Peter Feh, Gott­fried Weber, Michael Werner, H. An ton Reinhard, Heinrich Stork, sämtlich zu Vockenrod, als Gesamtschuldner in sämt­liche durch das Rekursverfahren entstandene Kosten ein­schließlich der anwaltlichen Vertretung des Heinrich Josef Stork, sowie zur Zahlung einer Verhandlungsgebühr von 10 Mark an die Provinzialkasse.

In der heutigen Verhandlung war nun noch über bie Kosten bes Leanstanbungsversahrens (Urteil vom 22. Okt.

1902) zu entscheiden. Das Uiteil lautete: Die baren Auslagen des Verfahrens, welches infolge der Beanstandung der Wahl des Josef Stork zu Vockenrcd und seitens des Kreis- amts Alsfeld stattgefunden hat, und die Kosten des obsiegen­den Teils fallen der Gemeinde Vockenrod zur Last. Hierauf wurde bie Sitzung gegen Vil Uhr geschlossen.

Sihimq der StMocror-nettli.

Gießen, am 21. Januar 1904.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschmann und Georgi, und alle Stadtverordneten, außer Beig. Heyligenstaedt, Hanau und Prrr.

Oberbgm. 2)1 ec um teilte der Versammlung zunächst mit, daß zur Durchberatung von Punkt 2 der Tagesordnung, der Vorschriften für die Hausanschlüsse an die Kanalisation, auf Einladung Oberbaural Schmick aus Darmstadt zur heutigen Sitzung erschienen und bereit sei, auf Anfragen und in oer Diskussion fachmännische Auskunft zu erteilen. Dann machte, zur Tagesordnung übergehend, Oberbgm. SDlecum Mitteilung davon, daß der Pfandmeister Germann zum 15. April seine Stelle gekündigt habe. Eine weitere Bemerkung des Ober­bürgermeisters betraf die Polizeibestimmung, betreffend das AuSmelken der Kühe auf dem Viehmarkt. Er habe im Sinne der Stadtverordneten und der städtischen landwirtschaftlichen Kommission an das Kreisamt hier em Schreiben gesandt, worin das Ersuchen ausgesprochen wird, daß, wenn nicht die Aufhebung der Polizeibestimmung, doch wenigstens eine Milderung der Vorschrift herbeigeführt werden möge, derart, daß der Tierarzt eine Untersuchung des Viehes vornehmen möge, und, wenn das Euter eines Tieres gespannt befunden werde, der betreffende Besitzer bestraft würde. Am 29. De­zember habe das Kreisamt geantwortet, daß eine Aenderung der Polizeibestimmung vom März vor. Js. zurzeit nicht an­gängig sei.

Stadto. Heichelheim schlägt vor, man möge, gemein­sam mit der Handelskammer, die desselben Sinnes sei, die Sache bei der höheren Instanz verfolgen, welchem Antrag die Versammlung sich anschließt.

Oberbgm. Ai ec um verweist darauf auf eine Festschrift, von Oberlehrer Knaus verfaßt, aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der hiesigen kaufmännischen Fachschule und verliest ein Schreiben der Gr. Handelskammer, worin der Stadt für ihre Unterstützung der Schule der Dank aus­gesprochen wird, mit der Hoffnung, daß es auch ferner daran nicht fehlen werde. Em anderes Dankschreiben ist außer­dem von dem Direktorium des Germanischen M u s e- ums in Nürnberg eingegangen, welchem der städt. Zu­schuß auf jährlich 25 Mk. erhöht worden war.

Im Februar veranstaltet der deutsche Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke eine Versammlung, wozu der Verein um Unterstützung bittet; der Oberbgm. macht davon Mitteilung und überläßt es den Herren, die sich für die Sache interessieren, die Versammlung zu besuchen.

Ein unvermuteter Kassensturz der hiesigen Stadt­kasse hat ergeben, daß die Bestände der Kaffe genau stimmten.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung, Beratung der Vor­schriften für die Hausanschlüsse an die Kanali­sation bemerkt Stadto. Schwall, daß die gedruckten Vor­schriften erst vor wenigen Tagen, also zu spät, in die Hände der Stadto. gekommen sei und man nicht genügend Zeit ge­habt habe, sich auf die Sache etwas einzuarbeiten. Mit Rück­sicht darauf, daß Oberbaurat Schmick heute fachmännische Erläuterungen zu geben bereit sei, wolle er keine Vertagung beantragen, aber doch bitten, definitive Beschlüffe auf später zu verschieben. Stadto. Gutfleisch tritt diesem Wunsche näher und meint, man könne die Verordnung heute durch- beraten und in einer zweiten Lesung die Ergebnisse zusammen- sassen. Damit ist die Versammlung einverstanden. Oberbgm. Mecum verliest nun die 43 Paragraphen der Verordnung, wobei mehrfach Einwände und Anfragen geäußert wurden, meist technischer Art, die Oberbaurat Schmick beantwortete. An diesen Besprechungen beteiligten sich besonders die Stadto. Schaffstaedtund Haubach. U. a. meinte Stadto. Petri zu § 1 Absatz 3 der Bestimmungen, man müsse der Land­

wirtschaft, soweit fie hier in Betracht komme, in der Ab-^ iDäfterfrage ein Entgegenkommen zeigen, worauf Oberbgm. Mecum demgegenüber auf die Ausnahmebestimmungen in Absatz 3 verweist, die der Berücksichtigung solcher Wünsche Rechnung trügen. Im wesentlichen hat diese erste Lesung der Verordnung keine nennenswerten Bedenken dagegen er­geben. Mit einigen Aenderungen des Wortlautes, die man ins Auge gefaßt hat, wird die Verordnung demnächst den Stadtv. zur endgiltigen Beschlußfaffung vorgelegt werden.

Es erfolgt danach die Auslosung von auf den 15. Mai 1904 zur Rückzahlung kommenden Schuldverschreibungen:

1. des 1896 er Anlehens: ä 100 Mk.: Q 181, Q 99, Q 274, Q 93, Q 281, Q 91. L 2 00 Mk.: R 67, R 164, R 182, R 212, R 69, R 204, R 177. ä 500 Mark: 8 41, 8 48, 8 50, 8 304, 8 526, 8 7, 8 17, 8 391, 8 519, 8 545, 8 403, 8 370, 8 620, 8 618.

ä 1000 Mk.: T 219, T 573, T 741, T 170, T 429,

T 310, T 519, T 740, T 488, T 727, T 700, T 498,

T 309, T 334, T 184. ä 2000Mk.: U 143, U 147,

U 218, U 89, U 148, U 253.

2. des 1897 er Anlehen s: ä 100 9)1 f.: V 57, V 90, V 69, V 158. ä, 200 Mk.: W 78, W 110,

IV 49. L 500 Mk.: X 391, X 372, X 253, X 135,

X 83, X 325, X 79, X 389. ä 1000 Mk.: Y 13,

Y 180, Y 103, Y 30, Y 100, Y 348, Y 421, Y 446.

Y 179. tz 2000 2)1 L: Z 144, Z 9, Z 80.

3. des 1899 er Anlehens: ä 2000 2)1 U Serie I: 130, 100, 119. ä 1000 Mk.: 226, 235, 275. ä 500 Mk.: 327, 310, 418, 328. ä 200 Mk.: 653, 695, 544, 556. L 100 Mk.: 791, 708. Die 1899 er Anleihe ist noch eine 4 prozentige und kann noch gekündigt werden. Die Finanzkommission empfiehlt, sie zu konvertieren. Sie soll in eine 3 */2 prozentige Anleihe umgewandelt werden, und denen, die damit einverstanden sind, 1 Prozent des Nennwertes herausgezahlt, denen aber, die nicht darauf ein­gehen, gekündigt werden. Die äkrfammlung nimmt diesen Vorschlag an.

Tie Holzversteigerungen vom 11. und 18. Jan. 1904 werden genehmigt.

Tann werden einige Baugesuche erledigt. Das des Heinr. Carle für die Ecke der Plockstraße und das der Agathe und Minna Körner für die Weimnlage werden genehmigt. Tas Gesuch des W i l h. 5)1 ö f e r für seine Muhle an der Lahn wird nur bedingungsweise, nämlich daß et für eine solide Konstruktion sorgt, genehmigt. Christian Jnderthal wird ebenfalls nach feinem Wunsche be- schiedeu. Phil. Schwan hat zwei Gesuche eingerelcht; das eine, für die verlängerte Schützenstraße, wird ihm unter der Bedingung genehmigt, daß er 6 Meter von der Straße zurückbaut und Vorgarten aulegt, das andere, für die Rod- Heim erstraße, wird abgelehnt.

Tie Beschauung von Kan alr einigun g s b ü r sten zum Betrage von 217.40 Mark, die Vergebung von Schlosserarbeiten und die Beschaffung eines eigenen Apparates zur Prüfung von Zementröhren wird nach dem Antrag des Ausschusses beschlossen.

Tie Vergebung der K l i n f e r t i e f c r u n g für die Her- stellung eines Bürgersteiges auf der südlichen Sei e der Rodheimerstraße erfolgt an die Firma Gail zu den früheren Preisen.

Tie Uebernahme der Landgrafen ft raße auf die Stadt von der Firma Stein Meher wird beschlossen; die Firma hat noch 3621.07 Mk. an die Stadt yerauszu- zahlen, wird aber für lleberwölbung des Schorgrabens noch eine Summe, die noch nicht in Rechnung gestellt ist, in Abzug bringen.

Stadtv. Em melius weist bei dieser Gelegenheit auf den schlimmen Zustand des Brandplatzes hin und meint, dies Nebel könne doch unmöglich noch länger fort- bestehen. Oberbgm. Mecum erwidert, er habe nut ie.n Finanzminister über die Sache verhandelt; dieser habe ihm vorgeschlagen, die Stadt möge den Platz, den Quadratmeter für 1.12 Mk., erwerben, was nicht annehmbar sei. Tie Ver­handlungen über die Angelegenheit seien ,ei.tjer immer im Gange gewesen. Stadtv. Dr. Guts leis ch erklärt, man habe sich schon vor Jahren in der Stadtverordnetenver­sammlung darüber unterhalten, ob nicht überhaupt ein Teil des Platzes der Stadt gehöre. Man würde dann in die ^an­genehme Lage kommen, dem Fiskus wenigstens eir.e.i Teil

zuweilen den Eindruck, als sage Frl. Tumvnt ihr im Innersten recht langweilig Gewordenes ohne Lust und ohne Gedanken her, als'sei sie froh, wenn sie diese ober jene Rede herunterdetlamiert habe, als könne sie nicht das Ende erwarten. Freilich nur zuweilen, selbstverständlich hat )ie eine Anzahl sehr bedeutender, wahrhaft großer Momente, namenllich in den Szenen mit ihrem Vater und mit Jörgen Grund t. Tiefen Jörgen Grundt stellt Herr Wittig dar, und zwar, namentlich im ersten Akte, einfach mmperlich. Scheiick seine Maske in den ersten Akten nichr günjng ge­wählt, steht sein Aeußeres, aber auch nur sein Aeutzeres nicht recht im Einklang mit der geraden Schlichtheit die,es gutmütigen Dutzendmenschen, so ze^gt er zum Sch lüfte einen vollendeten Charakterkopf, stellt er einen innerlich total Ge­brochenen, sich nur mit äußerster Anspannung ausrecht er­haltenden physisch und psychisch Verkommenden nut höchster Künstlerfchaft und mit stark inrponierendem Aufwande von reichster tzerzenstiese dar. ... e-

Herr Dr. Fischer zeigt volles Verstaiidius für den alten" Landrat Berte, den er wirkungsstarl .r.ilterifiert, aber doch wohl allzu düster, raut) und lieblos auf- und an­faßt. Wendet sich doch ein gut Teil der Sympathie, deren feine Tochter sich bewußt verlustig macht, ll-m zu. 0- Sella dagegen macht aus einer eleganten G^e.ftchastv- dame, wie sie Bojer schllderte, einer kiugcu orau, b.e eine Theodora ihrer restlosen Freundschaft würdigt, ein un­bedeutendes kleines Weidcyen Don oberj!ü..,u e (eit und puppenhafter Niedlichkeit. Anerkannt wi, daß auch sie warme und innige Töne anzuschtagen vergeht, daß sie in ihrer Art ganz Hübsches leistet. Dem greifen Prosen or gibt Herr Äigler etwas leicht Fahriges, auch ui der Tonart, obwohl er chn sonst ganz angemesfen charakterisiert. Frl. Hiller aber trägt als die Geschäfts-Fr auenrechllerin über bie Maßen auf und macht ganz ohne Grund aus der Schulvorsteherin eine derbe Possenfigur, die in dufern Rahmen ganz unmöglich ist, die Lacher aber natürlich auf ihrer Seite hat. Pikierte Gesichter schne.den uiu allzu menschlich? Redeweise anschlagen kann sie allerdings b.s zur Verblüffung.

Tas Haus war schwack) besetzt, aber sehr beif^ßfreubig.

amers Inge. Ter schwache liebende Mann ist ungleich liebenswürdiger als das einbildungs.arke selbstherrliche Weib. Mik ihm empfinden wir Mitleb, solche Hebern)eiber aber, die Wände einrennen wollen und sich und anderen dabei die Schädel zerschlagen, stoßen schließlich nicht Acht­ung, sondern Widerwillen ein. Es war bem jungen Jbsen- schuler, in seinem 2/s Ibsen- uird^ Jpse-Werke wohl darum $u tun, gleich seinem großen Vorbilde gewisse Mysterien weiblichen Gefühls- und Empfindungslebens zu durch­leuchten und obendrein, anders als Holzamer, das an- gemaßte unbeugsame Jiecht auf sich selbst, das sich nur Dom eigenen, eigenwilligen Kopfe unb nicht vorn mit­fühlenden Herzen feine Gesetze diktieren will, ad absurdum zu führen. s2tber er Dergreift sich dabei in dem Material unb in den Farben. Ein außerordentliches wissen- jchaftliches Talent ist wohl kaum je Der eint mit ausgepräg­tem Gejchlechtsinstinkt, vielmehr pflegt Dice versa das eine das andere auszuschalten. Darum ist das eine .ober das andere bei Theodora schwer glaublich. Ohne wifsenschastlichen Ballast wird die Figur lebenswahrer, ohne einen verstoßenen blinden Vater wäre der aussichtslose Kampf des modernen Weibes um das Problem der selb­ständigen ^Mutterschaft weniger abstoßend, von echterer Tragik. Unb ber Farbenauftrag ist nicht der rechte. Bojer faßte seine in ihrer Eigenliebe fast alle zarteren Reg- lingen des Herzens fniuenbe Theodora trotz allein mit Fingern der Liebe und Achtung an. Er verjchwendet seinen ganzen fUiricn Schatz an pchcholog.schein Spürsinn an diese eine Figur, er beschönigt an ihr geradezu Unschönes, er jucht Unedles edel erscheinen zu lassen. Man findet, wie in HolzamersInge", auch in bie(em Drama ein paar- flüchtige Ansätze zu einer Tragödie jener übten Sorte mo­derner Männer, die dem Weibe nicht gewach;en find, denen es über die Kraft geht, über das moderne Weib hinauszuwachsen, intelleituell wie moralisch, cs durch ihre Ueberlegenyeic fick) zu eigen zu ntaci^en. tiber Bcje: dünlle es interessanter, als die Tragödie eines solchen Alannes zu jchreiven, die Fehlerhaftigkeit einer Frauenrechnung n achzu weis en, die von dem Eigenwillen den unerforjeu* lichcn Wellwillen, den Willen des Atensck)Lnfck)opicrs unb Lenkers ber unwiderstehria)en Sirtengeschichte du.chftus sub- tratiieren will. Bojer hatte biescs, bas Familienjoch

hassende, aber kinderliebe und hoch angelegte Weib, auf das die gesamten Frauenrechtlerinnen des Landes ihre Augen voll Bervunderung richten, nicht von allem sozialen Veranllvortungsgefühl jo ganz entlasten dürfen. Tas macht die Figur nicht nur unsympathisch, sondern auch unwahrscheinlich Theodoras geistiger Energie steht an sittlicher zu wenig zur Seite, die ihren unklaren Drang nach absoluter Freiheit und einem ganz nur auf sich allein gestellten eingeblldeten Glück klären unb veredeln ^""Trotzdem zeugt diese psychologisch analytische Cha- raktersludie von starkem Talent, so blaß und unfertig manches in den im ganzen scharf geschauten Charakteren und in dem Milieu erscheint, und gar zu nordisch, d. h. uns Teutschen fremd und unverständlich. Und zu monoton ist der Szenenwechsel mit seinen ewigen Le suchen und dem ungeschickten Frage- und Anttvorlspiel nach den Geschehnissen zwischen den Akten. .

Luise Dumont Dom Deutschen Theater tn Berlin, eine der ersten Bühnenkünstlerinnen Deutschlands, hat BojersTheodora" chrer würdig gefunden. Diese Tatsache schließt eine unzweideutige Ablehnung des Stuckes aus, denn die Tarsteltung der Dumont macht aus dem unmög- lick)en Phaiitasieprodukt Bojers einen echten Menschen. Ten starren Eigenwillen unb die herrische Straft dieses ganz auf ihren eignen Sinn sich stü^enden Weibes, den herben Ltolz und bie Derschleierte Herzenswärme, das brausende Weibge- sühl und die ai.squellende Liebeslust, bie stille selb,.quälerische Resignation unb ben unstillbaren Schmerz, ben harmlosen, konventionell oberflächlichen Plauderton und die rettungs­los irre Verzweiflung die ganze Skala menschlicher Em­pfindungen beherrsckfte fie mit Virtuosität. Dazu ihr schönes, volltönendes Organ, ihre imponierende Bühnengestalt, all das zwingt in ihren Bann. Aber man begreift nicht, wie eine Künstlerin wie die Dumont sich bereit finden kann, Abend für Abend einen ganzen Winter hindurch in nur drei Rollen abzuwechseln. Tie Lindemannsche Gesell­schaft bringt, wenn ich recht unterrichtet bin, auf ihrer diesmaligen Tournee außer derTheodora" nur Ibsens Gespenster" unbMein Eyolf" zur Aufführung. Dadurch bciommi ber ganze Vorgang etwas Meckenisches, Maschinen­mäßiges, darunter leidet die Sprechweise Aller. Dian hat