Ausgabe 
21.11.1904 Zweites Blatt
 
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Montan ZI. November $904

Redaknon. ExpeOUton u Druckerei Schulstr.?.

Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gcetzen.

DieGießener ZamiNendlLtter" werden dem Anzeiger vrerma! wöchentlich beigelegt. Der »Yesstjch« Landwirt erscheint monatlich einmal

. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen

$V UnwerfttätLdruckereu R. Lange. Gießen.

Nr- 274 ZAreites Blatt. 154. Jahrgang

Nricheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. A A A A

Giehener Amemer

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

Volitische Wochenschau.

Gießen, 21. Nov. 1904.

Die zweite hessische Kammer hat in der ver­gangenen Woche ihre Sitzungen nach langer Sommerpause wieder ausgenommen und gleich in ihrer ersten Sitzung die Regierungsvorlage betr. Bad-Nauheim angenom­men, trotz des Widerstandes einiger rheinhessischer Ab­geordneter und der ihrer würdigen heylspresse, die auch durch den zahlenmäßigen unwiderleglichen Nachweis, daß die Heilquellen des Bades Nauheim sehr schätzenswerte Einnahme quellen für den Staat sind, ungerührt blieben. Mit dieser Annahme in der zweiten Kammer ist viel getan und es ist nicht zu bezweifeln, daß, trotz des Herrn von Heyl unheilvollem Einflüsse in der ersten Kammer, die Vorlage auch die zweite Feuerprobe im hessischen Mag­natenhause bestehen wird. Gefordert wurden für die nächsten acht Jahre zu Neu- und Umbauten rund 6V2 Mill. Mark. Die zweite Kammer bewilligte die von der Regierung ge­forderten Mark 1688 600 für das Etatsjahr 1904 und Mark 1239 500 für das Etatsjahr 1905. Nach dem Anträge des Abg. Damm wurden Mk. 30 000 für das Elektrizitätswerk abgestrichen. Sehr bemerkenswert war, was unser Finanz­minister, der Gießener Ehrendoktor Gnauth von Ar­beiterlöhnen und Streists sagte. Die Regierung be­vorzuge bei Vergebung von Arbeiten solche Unternehmer, die mit ihren Arbeitern in guten Lohnverhältnissen stehen. Bezüglich der Frage, ob Streiks und Aussperrungen als Naturereignisse zu betrachten seien, habe die Darrabteilung keine prinzipielle Entscheidung getroffen, sondern sich von Fall zu Fall nach Untersuchung der Sachlage schlüssig gemacht; sic behalte sich auch für die Zukunft ihre Stellung­nahme vor. Trotz dieser weisen sozialpolitischen Erklär­ung unseres die wirtschaftlichen Verhältnisse klar über­schauenden Finanzministers, der nicht jeden Streik ohne weiteres als revolutionäre Freveltat ansieht, wurde doch der Antrag abgelehnt, beim Abschluß von Verträgen mit Unternehmern möglichst darauf zu sehen, daß die mit den Arbeiterorganisationen vereinbarten Löhne und Ar- beitsbedingungen anerkannt und Streiks oder Aussperr­ungen nicht Naturereignissen gleichgestellt werden.

Der Antrag des Abg. Dr. David, die V 0 r s ch u l e n bal­digst zu beseitigen, wurde am Donnerstag abgelehnt, da­gegen der Ausschußantrag, für die Folge keine Staats­mittel mehr zur Erhaltung von Vorschulen zu verwenden, angenommen. Auf die Vorstellung des Kirchen- und des Gemeindevorstandes von Butzbach sollen für die Wieder­herstellung der St. Markuskirche 8000 Mark in das nächstjährige Budget eingestellt werden. Ferner gab die Regierung aus Anlaß eines Köhlerschcn Antrages über das Münstersche Braunkohlenbergwerk die Erklärung ab, sie werde demnächst einen Gesetzentwurf einbringen betr. Besteuerung auch des ruhenden Gruben-Be- sihes nach dem gemeinen Wert. Des weiteren will die Regierung versuchen,- Bestimmungen in das Berggesetz auf­zunehmen, die den Heim fall der Berggserechti^- keit an den Staat vorsehen für alle Fälle, in denen kein wirklicher Betrieb stattfindet. Sie hofft damit der Speku­lation mit Grubenfeldern und der willkürlichen Hinaus­schiebung der Einstellung des Betriebes vorzubeugen. In betreff der Erbauung einer Eisenbahn von Grün- b e r g nach L i ch hat sich die Regierung bereit erklärt, die Bewilligung des üblichen Staatszuschusses zur Erbauung dieser Nebenbahn in die Weae zu leiten, sobald dadurch die Finanzierung und Ausführung einer solchen Bahn im Wege der Privatunternehmung gesichert erscheint. Mit Be­schwerden über die Hundesteuer haben unsere Herren Ab­geordneten sich mindestens eine volle Stunde unterhalten. Unser parlamentarischer Berichterstatter hat mit Recht übev die ganze Debatte den Schleier des Schweigens gedeckt. Wie wohlfeil doch vielen dieser Herren die diätenreiche Zeit der Volksvertretung ist! Am Freitag wurde wegen der dringlichen Steuerreform die Beratung des unseligen Schönbergerschen Antrages auf Uebernahme sämtlicher Bolksschullasten auf den Staat zurückgestellt, hoffentlich auf Nimmerwiedersehen. Der sozialdemokratische Antrag, die Schülerzahl einer Klasse dürfe 40 nichts übersteigen, mußte leider, weil er wegen des gegenwärtigen Lehrer­mangels praktisch undurchführbar ist, abgelehnt werden. Tie Vorstellung auf Zulassung des Mainzer freireligiösen Predigers in den dortigen Schulvorstand wurde abgelehnt.

Tie preußische Kanalkommission hat das Was- erstraßengesetz in erster Lesung angenommen. Wie sich im Plenum die Aussichten gestalten werden, läßt sich aber nicht Voraussagen. Wahrscheinlich werden die beiden konservativen Parteien doch schließlich geschlossen dagegen stimmen, während sich die Liberalen in der schwierigen Lage befinden, für ein Gesetz stimmen zu müssen, das ihnen so unsympathische Bestimmnngen, tom das staat­liche Schlevpmonopol, enthält. Möglich auch, daß ver­schiedene Mitglieder der entschiedenen Linken sich der ?lb- stimmung enthalten oder gar gegen die Vorlage stimmen werden. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird sich übrigens mit der Kanalvorlage vor Weihnachten auf keinen Fall mehr beschäftigen. Man wird die zweite Lesung wohl erst im Januar vornehmen, wenn die erste Lesung des Etats vorüber ist.

Die Mission des Grafen PosadarvskN in Oesterreich- Ungarn, oie den Abschluß des neuen Handels-Ver­trages mit den verbündeten Donaureichen bezweckt, ist noch immer nicht vorüber. Der Aufenthalt des Staats­sekretärs in Wien nimmt erst in den nächsten Tagen sein Ende. Am letzten Samstag fand abermals ein gemeinsamer Ministerrat über einzelne Vertragszölle statt. Die Ver­handlungen führten, so heißt es, in den letzten Tagen er­freulicherweise zu einer wesentlichen Annäherung. Beim deutschen Botschafter in Wien war am Samswg abend ein Diner, an dem Graf Posadowsky, die Mitglieder der Handelsvertragskommission, die Mitglieder der deut­schen Botschaft und der bayerische Gesandte Freiherr von Tücher teilnahmen.

Leut wein geht, Lindequist kommt, das ist das Fazit der seit langem rogierungsreitig geführten Erwäg­ungen. Gute Kenner der kolonialen Verhältnisse wollten diesen Personenwechsel schon lange vorausgesehen haben. Es ist beschämend und belustigend zugleich, zu sehen, wie jetzt nach dem Sturze des Gouverneurs seine früheren Freunde sich bemühen, ihn möglichst schnell von ihren Rockschößen abzuschütteln. Der Generalkonsul v. Linde­quist hat übrigens die Uebernahme des Gouverneurpostens in Südwestafrika von der Erfüllung mehrerer Bedingungen abhängig gemacht. 11. a. hat er verlangt, daß die Schutz­truppe ihm unterstellt werde.

In Oesterreich-Ungarn haben die parlamentari­schen Kämpfe gleich nach dem Wiederzusammentritt der Abgeordnetenhäuser in Eis- und Transleithanien wieder mit größter Heftigkeit eingesetzt. In Wien beeilte sich Ministerpräsident v. Körber, der zweiten Kammer sein Pro­gramm in möglichster Ausführlichkeit vorzulegen, was na­türlich nicht ohne lebhaftesten Widerspruch seiner Gegner von statten ißtng. Namentlich stellte man den Ministerpräsi­denten wegen seiner zweideuttgen Stellungnahme zu den Innsbrucker Unruhen in schärfster Weise ^ur Rede. Nach der Meinung Körbers sollte die Schuld bei "den Vorgängen in der tiroler Hauptstadt nicht allein an den Italienern gelegen haben, sondern zum Teil durch alldeutsche Agi­tation hervorgerufen worden sein. Ju der weiteren De­batte brachte der seinerzeit mit Recht aus Preußen und Hessen verwiesene Radau-Sozialist Pernerstorfer Be­schimpfungen gegen die Habsburg-Dynastie vor, die allent­halben En trü stun g hervorriefen. Der Vizepräsident be­dauerte die unflättgen, noch nie dagewesenen unqualifizier­baren Beschimpfungen. Ministerpräsident v. Körber sagte, der Fundamentalsatz des Parlaments laute, die Krone nicht in die Debatte zu ziehen. Wenn das aber in einer bessere Gefühle empörenden Weise geschehe, so könne darin nichts anderes erblickt werden, als ein Versuch, auf den Miß­brauch der Verfassung höheres Gewicht zu legen, als auf die ungeheuren sittlichen und wirtschaftlichen Erfolge einer ehrlichen' Verfassung, die allen Schichten ihre Rechte sichert. Den Glanz der uralten Dynastie Habsburg wird niemand verdüstern. Dem jetzigen Träger der Krone, unserem er­habenen Monarchen bringt die Gegenwart und die gesittete Welt eine so unbegrenzte Verehrung entgegen, daß jeder Versuch, diese hehre Gestalt zu verdunkeln, dem schlimmsten Schicksal von vornherein verfällt, der Lächerlichkeit. Wenn ich aber trotzdem die allgemeine Entrüstung ausdrücke, so folge ich der Wolkssttmme, welche mit ganzer Kraft ver­langt, daß solcher Frevel an den heiligsten Empfindungen des Volkes von dieser Stelle gebrandmarkt werde." Lang­anhaltender Beifall folgte diesen Ausführungen des Mi­

Der Mng.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nur die sorgsamste Pflege und die aufmerksamste Behandlung konnten sie retten.

Mit inniger Liebe gab sich 'Käthe diefer Pflege hm. eine Stunde wich sie von dem Lager der Kranken. £*e übernahm es auch, Bertha von der Ankunft des Amtsgerichtsrats zu benach-

'^iebevoll beugte sie sich über die Kranke, welche in stummer Frage die Augen zu ihr aufschlug.

Fühlen Sie sich stark genug, einen Freund, der Cie gerne begrüßen möchte, zu empfangen?" fragte Käthe sanft.

Einen Freund? Ich habe nur einen..."

Nun, dieser eine Freund möchte Sie begrüßen/ .

In Berthas Auge flammte ein Funken der Freude aus, eine schwache Nöte überhauchte ihre Wangen.

Woher weiß er meinen Aufenthalt?"

Turch Herrn Groller . . . aber Sie dürfen sich nickt er­regen. Es ist ja alles an den Tag gekommen . . . Ihre Schuld­losigkeit . . . Ihr Unglück. . . Herr Wernecke w-eiß alles . . . er hat nie an Ihnen gezweifelt. Wollen Sie ihn sehen?"

Ja, ja nickte Bett ha mit einem seligen Lächeln aus dem blassen Antlitz. ,

Tu trat auch der Amtsgerichtsrat schon in das Zrmmer. Unter anderen Uniständeu würde man über sein Benehmen wohl gelächelt haben Er zeigte eine solche kindliche Verlegenheit und war d och so sehr bemüht, diese Verlegenheit unter dem Mantel trnl rUcher Autorität zu verbergen: Er schlich so lautlos auf den Zehenspitzen hob 11, daß sein kleiner rundlicher Körper in Gefahr geriet, un'zufallcn! Er wollte em harmloses, ja selbst heiteres Gesicht eigen, und bar v r ' '' ' :'' :nH "v bie Wanaen

Er wollte sich ruhig und würdig benehmen, und befand sich doch in einer solchen Auftcgung, daß seine Hände zitterten.

Kurz, der gute Amtsgerichtsrat mit seinem grauen Kopf und dem Embonpoint seiner fünfundfünfzig Jahre benahm sich nicht anders, als ein Jüngling von filnfundzwanzig Jahren, der an das Bett seiner erkrankten Braut gerufen wird, um den Segen der Eltern zu empfangen.

Tas Benehmen des alten Herrn war gewiß komisch, aber auch unendlich rührend, ließ es doch die ganze Fülle von Liebe erraten, welche in diesem kindlich reinen Herren wohnte.

, Was für Geschichten stellen Sie da an, Marie . . .?" ver­suchte er zu schelten, aber erschreckt hielt er inne, als er das blasse Gesicht der Kranken sah.

Tiefe streckte ihm mit mattem Lächeln die abgezehrte Hand entgegen. , .. -. »n

Wie gut von Ihnen, daß Sie gekommen", flüsterte sie.Was macht mein Bubi?" ... ,

, O der ganz munter und gesund! Balgt sich mit dem kleinen Pfifft und jagt mit den Ziegen umher. Wenn das so weiter geht, werden wir unsere hebe Not Mit dem kleinen Schlingel haben."

Bertha lächelte glücklich.

"O^ der?0^Gesund wie die Forelle in unserem Bach. Backen hat er so rot wie Apfel er platzt fast vor Gesundheit. Mer Sie, meine arme Marie, stellen schone Geschichten an! Reisen hierher, ohne mir ein Wort zu sagen, und werden dann noch dazu krank! Ei, zum Kuckuck, hatten Sie denn gar kein Vertrauen zu Ihrem alten Freunde? Verzeihen Sie mir, aber ich muß Sie wirklich ein wenig schelten." .. -

Schelten Sie nur. Das tut so wohl "

So das tut Ihnen wohl? Na, , das hatten Sie auch früher haben können. Tazn brauchten wir hier nicht herzureisen

Ich bitte um Verzeihung, Herr Amtsgerichtsrat... ich wußte nicht, was ich tat . .

Ja ja. Darauf kw.va v c .<.! -ange

nisterpräsidenten am letzten Samstag, und die dadurch moralisch gezüchtigten Sozialisten verhielten sich dazu mäuschenstill. Ihnen mochte es auch ausgedänimert sein, wie jämmerlich gemein einer ihrer größten Maulhelden hier gehandelt hatte.

Dem Kollegen Körbers in Budapest, dem Grasen TiSza, geht es nicht besser. Dieser führt um die Reform der Haus­ordnung einen harten Kampf gegen eine starrkövsige Opposition, die sogar durch die Nachricht von der Einführung einer ungarischen Landwehrartillerie, die bisher nicht emittierte und daher der glühendste Wunsch aller magparischen Patrioten war, nicht erweicht werden konnte. Auch die zweijähttge Dienstzeit, die gleichzeitig mit in Kauf gegeben wurde, hat keine besonders freudige Erregung erzeugt. Vor einigen Jahren hätte die Opposition für die Honvedartillerie Rekruten und Kotten ohne Bedenken bewilligt, heute erblickt sie in der ganzen Sache nur eine Konzession, uni für diese eine andere zu geben. Es ist in den letzten Tagen zu einer richtigen Keilerei im ungarischen Reichstage gekommen, zum Gaudium des magyarischen Volkes und seiner ihm gleichwertigen Presse. Nur derPester Lloyd" undNisag" billigen das Vorgehen Tiszas rückhaltlos. Die Organe der Opposition ergehen sich in zügellosen Verwünschungen und Angriffen auf Tisza und den Kammerpräsidenten Perczel. Schufte, Banditen, Meuchel­mörder, Landesverräter, habsburgische Henkersknechte, be­trunkene Bande sind die Ausdrücke, welche gebraucht werden. Die oppositionellen Blätter erklären die Beschlüsse des Ab­geordnetenhauses für ungesetzlich, sie müßten daher rückgängig gemacht werden. Die Opposition richtet an die Komitats- und Stadtbehörden einen Aufruf, allen Anordnungen der Negienmg Widerstand zu leisten. Unter dem Eindruck der Ereignisse hat sich die ganze Opposition vereinigt, um einen weitestgehenden Kampf zu organisieren. In feierlicher Weise wurde ein Verbrüderimgsfest gehalten, wobei Kossuth den Grafen Apponyi zum Führer der vereinigten Opposition proklamierte. Man spricht in Budapest von bevorstehenden Austritten aus den liberalen Parteien. Bisher wurden elf Nanien genannt. Aus der Volkspartei sind bisher fünf Mit­glieder ausgetreten, weil die Partei ihren Widerstand zu weit getrieben habe. Nachträglich wird bekannt, daß bei dem letzten Parlamentsputsch die Abg. Hoch und Rakotzi ver­letzt rourbcn. Letzterem mußte ein Verband angelegt werden.

Herr C 0 m b e s in Paris, der Herren Körber und TiSza französischer Kollege, sucht zu retten, waS zu retten ist. So hat er, um die eigene Position zu halten, feinen Freund und Mitstreiter, den General Andrö, der ihm vier Jahre hindurch treu zur Seite gestanden hat, laufen lassen und dafür den neuen Kriegsminister, den ehemaligen Börsenmakler Berteaux, mit offenen Armen empfangen. Abgesehen da­von, daß ein geohrfeigter Kriegsminister eine schlechthin un­mögliche Figur abgibt, ist der versteckte Grund der Andr^schen Demission wohl in der Furcht zu suchen, daß die Regierung ivieder die Majorität in der Kammer verlieren könnte, die lediglich durch den brutalen Akt Syvetons eine künstliche Verstärkung erfahren hatte. Syveton hat nach zuverlässigen Zeugenaussagen in der Tat seinen Angriff auf den Kriegs­minister Andr6 mit Vorbedacht ausgeführt. Er hat kurz vor­her im Kammer-Restaurant gesagt:Das wird noch mit ein paar Ohrfeigen enden; die Lügen Andres dürfen nicht un­bestraft bleiben." Syveton hat sich am Schluffe der Sitzung Andre gegenübergestellt, und dann zugeschlagen. Der Mili­tärarzt Duchastelet bekundete, Syveton habe ihm erhärt, Andrö werde nur dadurch abgetan werden, daß ihn ein De­putierter in offener Sitzung ohrfeigt. Kriegsminister Ber­teaux erklärte, das System, was seit 30 Jahren bei der Be­förderung von Osizieren angewandt worden sei, sei sehr mangel­haft. Die sogen. Plazierungs-Ausschüffe, sowie das System der Angeberei, wie es unter Andrö und seinen Vorgängern üblich gewesen sei, sei zu verwerfen. Er werde sofort eine neue Methode in Anwendung bringen, von der er hoffe, daß sie von der französischen Armee endgültig angenommen werde. Diese bestehe darin, die Offiziere nur auf Grund von jedem Beteiligten zur Kenntnis gebrachten Noten zu befördern und

Haare, kurzer Berftau-d ... na, und ich hielt Sie doch für ein kluges, verständiges Mädchen . . ."

Mit glücklichem Lächeln hörte Bertha seinen gutmütig schelten» den Worten zu. Jetzt erst suhlte sie sich sicher und geborgen, da der alte, liebe, komisch''', gutmütige Amtsgerichtsrat wieder neben ihr saß, und sie in sein treues, ehrliches Auge sehen konnte. Wie nach langer, stürmisckjer, gefahrvoller Fahrt in das Vater­haus zurückgekehrt, so sicher und glücklich fühlte sie sich, und eine warme, wohlige Empsindung durchschauerte ihre Glieder.

Ich glaube", nahm der Pfarrer leicht wwrnend das Wott, wir dürfen Bertha nicht zu lange belästigen . . ."

Ter Amtsgerichtsrat sprang von seinem Stuhle auf.

Ja, natttrlich! Sie haben Recht. Herr Pfarrer! Wie dumm bin ich! Schlafen müssen Sie, Marie Hören Sie reckt? Und wenn Sie das Weinen nicht lassen, dann reise ich sofort wieder ab . . . ja, wahrhaftig, das tue ich. Mso schlafen Sie, mein Kind . . . nnd morgen komme ich 'wieder und erzähle Ih'kren von Ihrem Bubi und--und den Bergen und den Wiesen

. . . aber jetzt müssen Sie schlafen. . ."

Er llopfte ihr leicht auf die hagere Hand. .

Ich werde alles tun, was Sie wollen. O mein ich glaube ja nicht, daß ich noch einmal so glücklich tvewen sollte . . ."

Nur Ihre Schuld, daß Sie c5 nicht schon längst waren -7 aber so sind die Frauen Nicht wahr, Herr Pfarrer! So sind sie wir kennen sie. Man muß ihnen nur vernünftig zu­reden. Aber kommen Sie, Herr Pfarrer! Wir wollen gehen und Sie, mein liebes Fränlein, haben Sie sckEnen Tank", wandte er sich an Käthe,daß Sie mein armes, krankes Hühnchen so schön gepflegt haben." v v .

Er schüttelte Käthe die Hand, nickte Bertha nock einmal m und schlich auf den Fußspitzen zur Tür. Hier wandte ft fto noch einmal um, legte die Hand auf die B3<mgen und schloß W Augen, was recht pantomimisch den Schlaf vorstellen sollte, und verschivand dann, leise die Tür hinter sich schließend.

«Fortsetzung folgt.)