Ausgabe 
21.10.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 248

Örffcfint

außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gießener Kamillen- Glätter viermal in der Woche deigelegt.

Rotationsdruck n. Ver­lag bei BrÜ h k'scheu Untvers.-Buch-u. Btein* druckeret. 9t Lang-, Redaktion. TrpedMo» und Druckerei:

GHulsteatzs 7, Adresse für Deveschenr

Vu-etger Gieße«. ^ernsprkchanschlußNr 51.

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Freitag 21. Oktober 1904

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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ve-naGpret», monallich75 Ps^ viettsk jährlich Mk. SL0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährt, ausfchl. Bestell^ Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal

auSwärtS 20 Pfg. verantwortlich füt den polit und allgem. teil; U Wittko: für »Stadt und Land^ und »GerichtSfaaltt August Goetz; füt den An-

Ate heutige Kummer umfaßt 10 Seite«.

KeKanntmachung.

Unter dem Schweinebestand des Ih. Hch. M attheS II. zu Bettenhausen ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, den 20. Oktober 1904.

Großher^^^s Gießen.

I. V.: Hechler.

Gießen, am 17. Oktober 1904.

Betr.: Die Ueberwachung der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen av bi<* deS VretkeS

Nachdem zu unserer Kenntnis gelangt ist, daß in den allermeisten Fallen die Vorschriften über An- und Abmeldung fremder Pflegekinder unter 6 Jahren seitens der Ortspolizei­behörden an da? Großh. Kreisgesundheitsamt nicht oder nicht rechtzeitig nach der bestehenden Vorschrift erfolgt, machen wir wiederholt auf die Instruktion vom 14. Mai 1880 (Reg.- Blatt S. 99) insbesondere den § 9, Abs. 3 aufmerksam und erwarten für die Zukunft genauen Befolg.

I. V.: Tr. Wagner.

Bekanntmachung.

Im Staatsverlag ist erschienen und durch sämtliche Buchhandlungen zum Preis von 80 Pfg. zu beziehen:

Gesetz, die allgemeine Bauordnung be­treffend. vom 30. April 1881 und die zu dessen Aus­führung erlassene Verordnung vom 1. Februar 1882 unter Berückstchtigung der inzwischen erfolgten Aenderungen und der Einwirkungen der späteren Gesetzgebung. Amtliche Handausgabe mitAnmerkungenund Sachregister.^ 7 Bogen stark und broschiert.

Gießen, den 21. Oktober 1904.

Gr-oßherzv gliche Kreis amt Gießen. Tr. B r e i der t.

Lusgand irr Aeuisch-Südweliafrika.

Aus Okahandja meldet ein Telegramm: Im Nord- tvesten des Schutzgebiets wurde der Hottentotten- kapitän Uichamab und dessen Sohn vomKommmidanten von Outjo gefangen. Die Besatzung von Zesfontein (früher ein Offizier und elf Mann) ist verstärkt worden. Vorläufig sind die Toopnaar und Zwartboi-Hottentotten ruhig. In Swakopmund ist ein schnelleres Zu­nehmen der Molenversandung zu befürchten.

Leutwein meldet unterm 19. Oktober aus Rehobath: Nomtsatz wurde vor Ankunft der Verstärttmg von den Hottentotten genommen. Die Witbois sam^ mein sich in Massen bei Rietmond. Leutwein meldet ferner aus Rehoboth, daß bei dem Neberfall von Nantsas durch die Hottentotten Tierarzt Oskar Albrecht und Farmer Hermann den Tod gefunden haben.

TieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Hinweis, daß wegen der ungünstigen Landungsverhältnisse in Swakopmund eine gleichzeitige Heraussendung aller dort notwendigen Truppen nicht angängig sei, werde von einer Seite für nicht stichhaltig erklärt. Dort werde be­hauptet, daß bei gleichzeitiger Landung die zunächst Ge­landeten vielleicht ein paar Tage untätig auf die zuletzt Gelandeten warten müßten. Demgegenüber betont das Matt, jener Korrespondenz seien die großen Schwierigkeiten des Landens in Swakopmund unbekannt. Es handelt sich bei der Landung eines Schiffes mit drei Kompagnien nicht nur um ein paar Tage, sondern um drei bis vier Wochen. Nachts dürfte nicht gelandet werden. Bei den starken Brandungen sei auch am Tage die Landung tagelang oft unmöglich. Wegen der großen Schwierigkeiten sei schon versucht worden, eine alte, teilweise versandete Landungs­stelle zu benutzen, was aber auch wegen der starken Brand­ung schwierig sei. Die Tran sporte könnten daher nur in Abständen von mindestens drei Wochen folgen; andernfalls habe man nur den Nachteil, daß die betreffende Dampferlinie für die längere Zeit, die ein Schiff

auf der Reede von Swakopmund liege, ein recht erhebliches Liegegeld zahlen müsse.

Danach vermag also irur gewissermaßen tropfenweise Hilfe gesandt zu werden. Unsere Truppen geraten dadurch in eine schlimme Situation, denn an der Uebermacht der Aufständigen ist picht zu zweifeln. So rächt sich immer mehr die Unterlassung von Vorsichtsmaßregeln, die seit langem geboten erschienen.

t Zu einer sehr ernsten Auffassung der Lage im südwest­afrikanischen Schutzgebiet gelangt dieDeutsche Kolonial- ztg." das Organ der Kolonialgesellschaft. Ein allge­meiner Auf st and aller Hottentotten st ämme scheine unausbleiblich, wenn er nicht bereits in allen Landes- teilen ausgebrochen sei. Aehnliche Befürchtungen werden auch an leitenden Stellen gehegt. Daß angesichts dieser Gefahr die umfassendsten Vorbereitungen getroffen werden, versteht sich von selbst.

Ein Soldatenbrief.

Einen Brief aus Südwestafrika hat von seinem schwer­verwundeten Sohn der Obstzüchter August Balz in Werder a. H. erhalten. Dieser Sohn gehört zu den beiden einzigen am Leben gebliebenen Reitern, die zu der Patrouille des Leutnants v. Bodenhausen gehörten, die am 5. und 6. August das Terrain am Waterberg aufzuklären hatte und von den Hereros überfallen und niedergemacht wurde. Der junge Balz schildert in dem Brief den Hergang wie folgt:

Wie ich Euch schon mitteilte, habe ich am 6. August bei einem Patrouillenritte einen Schuß durch den linken Fuß be­kommen, der durchs Spann ging, einige Sehnen zerrissen und Knochen zersplittert hat. Ich wurde am 6. August mit einem Ochsenwagen vom Waterberg nach Omaruru ins Lazarett ge­schickt; es ging aber damit nur langsam, denn erst am 22. August kam ich in Omaruru an. Ter erste Verband lag also über 14 Tage. Ter Arzt sagte, daß es noch Monate dauern wird, bis die Wunde richtig verheilt ist, und dann wird der Krieg vorbei sein. (?) Die Hereros sind ja allerdings jetzt wieder ausge­brochen, aber es wird ihnen wohl nicht viel nützen, denn sie müssen alle dran glauben. Gefangene werden nicht ge­macht, es wird alles niedergemacht."

Der Briefschreiber schildert hierauf anschaulich, wie die Patrouille, die aus ihrem Führer, einem Unteroffizier, 11 Reitern und einem Kaffer bestand, nachdem sie die Herero am Waterberg aufgespürt hatte, plötzlich von ccl 300 Munn überfallen wurde.

Als wir nun sahen, daß nichts mehr zu machen war, machten wir nach der einen Seite e .i*n Sturmangriff und schlugen uns' durch. Tann machten Nur halt und sammelten uns, da waren wir nur noch 5 Mann. Dann schossen wir wieder tüchtig und dabei fielen von uns 2 Mann. Ich kniete hinter einem dicken Baum und als ich so etwa 8 Schüsse abgegeben hatte, bekam ich einen Schuß durch den Fuß. Tas Blut spritzte nur so und ich zog mich nun etwa drei Minuten weit zurück, holte mein Verbandszeug hervor und verband mir den Fuß. Inzwischen hörte, es auf zu schießen, und ich schlich mich zurück. Unterwegs traf ich, noch einen Kameraden, der faßte mich unter, und so traten wir beide den Rückmarsch an. Mein Kamerad nahm mich jetzt auf die Schulter, schließlich konnte er aber mich nicht mehr tragen. Wir gaben nun Signalschüsse ab, und zufällig wurden wir^ von der 12. Kompagnie, die einen Uebungs'ritt machte, gehört. Ich wurde nun auf ein Pferd gesetzt und nach unserer Kompagnie zurückgebracht. So kam ich mit dem Leben davon. Am nächsten Tage ritt eine Kompagnie nach dem Kampfplätze um die Toten zu begraben. Die Leichen waren alle ausgezo­gen, die Au gen ausgestochen, Bäuche ausgeschnit­ten, Hände abgeschlagen. Tie Gesichter toaren zer­schlagen, ^verschiedenen war das Genick umgedreht. Tie Pferde und Sättel, Gewehre und Patronen hatten die Schwarzen mitgenommen. Von der ganzen Patrouille waren also nur ich und mein Kamerad Fischer zurückgekommen."

Hiernach wird auf beiden Seiten, auf europäischer wie afrikanischer, mit gleicher Erbitterung gekämpft. Gefangene werden nicht gemacht; alles wird vernichtet und die Hereros rächen sich in ihrer Weise an den Leichen. Und das wird nun eine schlechterdings no.ch nicht zu begrenzende Zeit so fortgehen.

Aie Schkacht am Schaho.

Auf der leichenbedeckten Wahlstatt am Schaho herrscht die Ruhe der vollkommenen Erschöpfimg aller Kräfte bei beiden Gegnern. Tie Japaner schreiben sich int allge­meinen den Sieg in der furchtbaren Schlacht zu, aber sie wissen auch, daß der Feind nicht niedergekämpft worden ist, daß vielmehr, um einen endgiltigen Erfolg zu erringen, die Mutarbeit von neuem begonnen werden muß. Man erwartet noch eine kurze Zeit der Ruhe; aber die Linien der Kämpfer stehen sich überall auf nächste Ent­

fernung gegenüber, und ein Zusammenstoß einzelner Ab­teilungen kann leicht das Signal zum Wiederausbruch der! allgemeinen Schlacht geben. Die heute vorliegenden Meld--' ungen lauten:

Petersburg, 20. Okt. DerMrschewija Wjedo- mosti" wird von ihrenr Korrespondenten aus Muwen vwrt 19. Oktober telegraphiert: Die Kosakenabteilung des. Generals Mischtschenko kam mit zwei Bataillonen des Fein- des ins Gefecht. Das Feuer der russischen Artillerie war so gut, daß der Feind gezwungen war, sein Feuep ein zu st eilen. Die Infanterie auf unserer Westfront ging gestern zurück. Eine Abteilung der Vorposten um­zingelte gestern einBataillonJapaner und UvanH sie zur Ueberga.be der Waffen. Die Russen besetzten die Stellungen im Süden des Dorfes Schahe. Die Ja­paner gehen langsam zurück.

Petersburg, 20. Okt. Generaladfirtant Knropat^ kin meldet dem Kaiser unter dem gestrigen Tage: ES haben keine Kämpfe stattgefunden. Als unsere Ka- vallerie am 18. Oktober sechs Werst östlich von dem Dvrse Tadusanpu eine Rekognoszierung ausführte, zog sich dre, Vorhut der Japaner feuernd eilig zurück. Bei der Ver­folgung des Feindes stießen die Kavallerieabteilungen ht Sandepu auf bedeutende Streitkräfte, und zwar auf In­fanterie mit Maschinengewehren und Artillerie. Der Feind' eröffnete das Feuer und zwang, dadurch unsere Kavallerie^ die Verfolgung aufzugeben. Erne Streifwache wurde 200 Schritt vom Feinde entfernt mit Maschinengewehrfeuer empfangen. Die Pferde aller Kosaken wurden!- getötet. Der Führer dieser Streifwache und ein Kosak wurden verwundet.

London, 20. Okt. DemStandard" wird aus Gei neral Kurokis Hauptquartier vom 17. Ott. ge­meldet: Kuropatkin kämpfe ein Rückzugsgefecht.-, Es erscheine aber nicht unmöglich, daß er trotz der gemachtes bösen Erfahrungen noch einmal angreife, da seinen Leutew befohlen worden ist, sich unter keinen Umständen auf Muk-! den zurückzuziehen. Derselbe Berichterstatter meldet voms 18. Oktober über die Vernichtung eines russischen Bataillons beim Ueberschreiten oes Taitseflusses: Das Bataillon sei von den Japanern einaeholt und durch Ma­schinengeschütze fast vollständig vernichtet worden. Dies fei* die erste bemerkenswerte Leistung der Maschinengewehre in diesem Krieg.

London, 20. Okt. Nach Meldungen aus Tokio, betrugen die . Verluste der linken japanisches Armee in der Schlacht am Schaho nach zuverlässigen^ Schätzungen ungefähr 5000 Mann.

Tokio, 20. Ott. (Reuter.) Ein gestern abgegangener, telegraphischer Bericht aus dem Hauptguartier der mand-! s ch u r i s ch e n Armee schildert die Lage in der Front fol­gendermaßen: Die mittlere Kolonne der rechten Armee griff gestern feindliche Kavallerie an, die Kunschiafu besetzt hielt und vertrieb sie von dort; doch kehrte eine kleine Ab-! teilung feindlicher Infanterie in diese Stellung zurück. Waü-' taoschan wird noch vom Feinde besetzt gehalten. Mm Morgen! des 19. Okt. wurden in der Näl)e von Kaokwantschia, rechte von unserer rechten Armee, zwei Bataillone feindlicher) Infanterie sichtbar. Sie haben anscheinerrd noch Reservein! hinter sich, deren Stärke jetzt erkundet wird. Am 19. Oft? nachmittags wurden vom rechten Flügel der mittleres Armee zwei russische Bataillone mit einer Batterie 'ArtMerie bemerkt, die von Tunschiafu auf Titischan vorrückten unp dann hinter Titischan in Deckung gingen. Bei Fenschiapao beschoß feindliche Artillerie gelegentlich unsere Stellungen;', eine feindliche Migade hat bei Fenschiapao Stellung ge­nommen. An der Front der linken Kolonne sind kerne Veränderungen eingetreten, ebenso an der Front der mitt­leren Armee eine Veränderung der Lage nicht zu verzeich­nen, ausgenommen ein gelegentliches gegenseitiges Feuern.' An der Front der linken Armee ist alles ruhig, doch werden! auch dort unsere Truppeir gelegentlich vom Feinhe beschossen. In der Nacht vom 18. Ott. griff der Feind die linke Kolonne an, wurde aber zurückgeschlagen.

London, 20. Ott. Von der japanischen Armee wird fce* meldet, daß die Schlacht am Schaho beendet ist. ' Sie schließt mit einem Siege der Japaner, der jedoch nicht entschei­dend ist. Die Japaner nehmen eine mit der Front, die ste vor der Schlacht halten, parallele, aber um 24 Kilometer weiter nördlich vorgeschobene Linie ein. Kuropatkin zog seine gesamte Armee in vollster Ordnung auf die neuen Stellungen zurück. In Japan und England wird anerkannt, daß das strategische Geschick deS russischen Oberfeldherrn durch die Schlacht am in noch glänzenderes Licht gestellt Nwrden ist.

Kleines Aeuilleton.

Das Krebsserum des Dr. Doyen. Zahlreiche französische und ausländische Teilnehnrer des Pariser Chirur- genkongrefses besuchten am 20. d. M. die Privatllinik des Tr. Doyen, der eine Anzahl mit seinem Krcbsferum behan­delter Kranken vorftellte. Unter der Voraussetzung, daß die von Tvyen über die Borgeschicyte dieser Fälle gemachten Angaben richtig sind, woran übrigens niemand zweifelt, muß man nach dem Urteil der Fachleute, welche der T>emonstration beiwohnten, anerkennen, daß Doyen in einzelnen Fällen über­raschend und dauernde oder Dauer versprechen de Heilerfolge erzielte. Geheimrat Ezerny-Heidclberg meint, daß das Doyensche Heilmittel, ohne vielleicht ein spezifisches Pro­dukt, Miero-oeeus nevfvrnrans, zu sein, doch besondere Toxine enthalte, welche die Entwicklung des Krebses beeinflussen. Es ist die Alifgabe der Chirurgen, das Mittel Tövens weiter zu prüfen, unb es empfehle sich, im Streit zwischen Tr. Doyen und seinen Widersach-ern die Mitte einzuhalten. (Frff. Ztg.)

E i n Buch über dasDeutsche Theater t m neunzehnten Jahrhundert" hat Paul ^-chlenther fiir das umfassende Sammelioerk des Bondischeu Verlages in Berlin versprochen, das die gesamte deutsche Kulturleistung des ver­gangenen Jahrhunderts' in größeren Einzelschriften behandeln sollte und das bisher in dem Handbuchc Gurlitts über die deutsche

Kunst, in dem Sombarkschen Buche über Volkswirtschaft und in dem Werke Kaufmanns über die politische Geschichte des 19. Jahrhunderts drei sehr wertvolle Kompendien von bleibender Bedeutung bereits geliefert hat. Ter Direktor des Wiener Burg- theaters hat jedoch sein Versprechen bisher noch nicht ein­gelöst. Er scheint allzuviel mit dem Theaterspiel des zwanzigsten Jahrhunderts ^u tun zu haben, als daß er zu größeren historischen Seitenspriingen Zeit fände. Am Ende nimmt er selbst mit einer- gewissen Erleichtenmg das dickleibige Werk über das gleiche Thema in die Hand, das inzwischen ein anderer vollendet hat: Max M artersteig, ein tüchtiger jüngerer Tbeatermann, einst Re- Meur in Riga, jeA an den vortrefflichen Reinhard'schen Bühnen in Berlin als hervorragender Berater tätig. Seine Tarstellung (im Verlage von Breitkopf u. Härtel zu Leipzig erschienen) ist eine höchst respektable Arbeitsleistung, die mehr als 700 Seiten umfaßt. Er hat seine Schilderu^rg ans breitester Gr-undlage aufgebaut; sein Buch bietet weit mehr als der Titel verheißt. Tenn als ein moderner Forscher betrachtet er das Theater nicht als eine isolierte Erscheinung. Svnderm er will es nach soziologischen Gesichtspuntten in die allgemeine ttlltu- relle Euttvickelung einordnen. Polltische, religiöse, vor allem wirtschaftliche Bedingungen werden. in ihren entscheidenden Ein­flüssen erkannt und beobachtet. Bis in die frühesten Anfänge in Indien und Hellas wird die dramatische Kunst verfolgt. Tie ichaffenden Bühnendichter, die Tarftcller, die Zuschauer werden

mit gleicher Sorgfalt betraget. Das' ,nusikalische Drama tritt hinter dem rezitterenden nicht zurück. Nicht nur Wagemut und Ausdauer dieses Mannes sind zu rühmen, der sttoitz ein paar Lebensjahre an die Bewältigung einer großen Ausgabe gesetzt hat, sondern auch die Gründlichkeit seiner Arbeit, deren erste ^eile durch außerordentlich vertieftes Studium, durch eine Fülle neuer Aufschlüsse, durchs die großen historischen und literarischen Kenntnisse und die Sicherheit rmd den WeMick des feinen ästhetische Urteils besonderen Wert besitzen.

Die Partizipialkonstruktionen gehört«« zn den besonderen Merkmalen des dentschm Stils KönigLvdwigS I. von Bayern. Ein köstlick?es Beispiel dafür bietet btr folgende Brief Ludwigs an Kaulbach, den das Rovemberhest derSüd­deutschen Monatshefte" in entern interessanten Aufsatz von Josepha TürckAus meiner Kinder?sit" mitteilt. Der Brief lautet:München, 23. Jan. 1852. Wert her Kaulbach! Meine Antwort betreffend Entwurf zu einem der Genmlde an der neuen Pinakothek. Tie Krönung meines Stait-bildes in einem von mir malen gelassen werdenden Bilde wäre so entschieden wider meine Art und Weise. Lassen Sic solche weg, alles übrige dieser trefflichen Zusammenstellung (compositimll (trefflich ist Jrche Kaul- bachsl hätte zu bleiben. Der Ihr grwßes Talent zu ßUtzen wißen­der Ludvng."

Newyork. 19. Ott Edison ist an den Folgen einer Behmrdlung mit X strahlen iricht unerheblich erkrankt.