Ausgabe 
21.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. AS2 Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Mittwoch 1. Septemder 1904

©rldjeini tLgltch mit VuSnahnie befl Sonntags.

DieSietzener Samlllrnblätter* werden dem ,9In.vnKi viermal wöchentlich beiflcleqt Der »yrsstlH- Landwlrf ertoetnl monatlich eumiaL

Giehener Anzeiger

Rotationsdruck and Vertag der VrühlIches UnwersttätSdruckeret. ÖL Lange, Dretzes,

Redaktion, Exvedltioa ».Druckerei: Schukstr.A, Del. Nu 6L Telegr^Adr-t Lintig« Gteh«»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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SojiaidcmoLatischer Warteilag.

(Nachdruck verboten.)

SH. Bremen, den 20. Sept.

(2. Derhaudlungstag.)

Die heutige Meile Sitzung war in Erwartung einer Fortsetzung der Debatte über

Die Belehrung der proletarischen Rekruten sehr gut besucht. Der Antrag der Parteigenossen von Elbing, Potsdam-Spandau-Ost-Havellcmd besagt:

Tie Partei nwge unter ben Proletariern, die zur Ar m e e embmifeu nie oben, vor dem Eintritt in dieselbe in geeigneter Weise Propaganda für die Ideen des Sozialismus matl^iL Jnsdeior.de re sind die künftigen Soldaten durch Bro- schüren über ihre Pflicht gegenüfer dem sogenannteninneren Feinde" aufzuklären. In diesen Broschüren ist den Soldaten auch Rat zu erteilen, wie sie sich angesichts der zahlreichen Sol­daten Mißhandlungen zu verhalten haben."

Zunächst erhielt ber bei der Entführung der Prin­zessin Luise von Kobuog tätig gewesene Reichstagsabg. Dr. Südekum-Dresden das Wort. Er bczeichrtet die in der gestrigen Sitzmtg von SD-r, Liebknecht geforderte Broschüre zur Propaganda unter den Militärpslichtigen für wirkungslos, unter dem Zwange der Disziplin würden die Soldaten gegebenenfalls doch auf das Volk schießen. Die Grundlagen und Bedingungen des Militarismus wür­den durch eine solche Propaganda nicht erschüttert. Für die sozialistische Jugend sei sie zwecklos und für die übrigen, die dadurch zum ersten Male mit sozialistischien Ideen in Berührung kämen, fönne eine derartige Propaganda unter Umständen zu bedenklichen Konsequenzen führen.

Von anderen Rednern, namentlich Katzen stein- Mminheim, wird gegenüber Dr. Südekum betont, daß die Partei auf die Dauer unmöglich den modernen Er- s.cheiuungen des Militarismus, wie sie sich auch in den ungeheuerlichen Mißhandlungen auspraglcn, untätig zu­schauen könne.

Inzwischen hatte Wg. Dr. Liebknecht einen Ab* änderungSantrag eingebracht, in weld)«em die Grüird- uug besonderer Jugendorganisationen verlangt wird, in beuen vor allem der Kllurpf gegen den Militarismus ge­predigt werben soll. Detitgegenüber bemerkte

v. Bollmar: Ich muR von meinem Standpunkte aus be- .bauern, daß diese Debatte hier überhaupt entzündet worden ist. (Beifall.) Denn ich meine, je weniger man über diese Sache übet, um so besser ist cs. (Sehr richtig!) 3d£ bin erstaunt, wir jenuuib eine solche Sache in dieser Form zur Sprache bringen konnte. (Sehr richtig!) Anträge wie diese und Reden wie diese bcöcuten nichts atibcrcä, als ein Spielen mit dem Schießgewehr auf Kosten der Leute, die in die Kasernen müssen, aber auch auf Kosten einer Anzahl von Rednern, die sich euent veranlaßt scheu tonnten, diese Dinge wcllcrzufpümen. (Sehr ridjaig! Beifall.) Man hat nun gejagt, eS sei uicküs von der Pariellellung ge- >ü)cn. Ja, schläft denn der betreffende Genosse? (Heiterkeit.) Gibt es überhaupt c ttvas, was so klar ist, wie unsere Stellung zum Militarismus? Jede Minute ist hinauSgcworfen, bie nur mit tociteren Worten über diese Sache Verlieren. (Beifall.) Liebknecht sagt nun: Ja, aber der Militarismus ist der ärgste Feind! Parteigerrossen, wie viel ärgste Feinde haben wir denn cigemlich? (Hellcrckll.) Einmal ist eS die Religion, dann wieder der Mili- tarismus. Für mich ist es her Kapitalismus. (Bravo!) Ich meine, jeder Dozi-alist sollte sich sagen: Was kann, was wird aus dieser ober jener Sache werden? (Sehr ridtfig!)_ Die Wirkung der geforderten Propaganda würde den Kriegsmrmstem ins Gc-sich« -schlagem Mit der ÄnnalMe der vorliegenden Artträge wäre der erste Schritt zur Kaisernenagita.ion getan, die wir stets abgelebut haben. 3)1 ir ist es unverständlich, wie ein Jurist einen solchen Antrag cnrbrmgen konnte. (Beifall.) Die Partei müsse bei ihrer alten Taktik beharren und das entschieden gegenüber dem Anträge zum Ausdruck bringen, nämliw den sozialdemokratischen Rekruten zu sagen, daß sie als Soldaten nur solche feien, genau wie die übrigen. (Beifall.)

Dr. Liebknecht (mit Unruhe empfangen) betont die Notwendigkeit der sozialisvischen JugenderAiehung; er wolle indessen den Antrag fallen lassen, beantrage da­gegen, daß der Parteitag als Richtschnur für den Vorstuwd diese Notwendigkeit und die Form ihrer Eenügeleistung zum Ausdruck bringe. (Widerspruch) Inzwischen geht ein Antrag Südekum ein, über beide Anträge Liebknechts zur Tagesordnung überzugehen.

9Tlü auffallender Schärfe erklärt sich Abg. Frohme- Hamburg sür diesen Antrag. Nach der vernichtenden Kritik, die die Anträge hier gefunden haben, kann ich mich nur' wundern über die verblüffend e Dreistigkeit, mit der der Genosse Liebknecht hier unter Anwendung einer sagen wir juristischen Rabulistik (Heiterkeit) seiner Idee trotz allen Widerspruchs dennoch zum Siege ver­helfen möchte. Mit der absoluten Ablehnung werden wir am allerbesten über diese unqualifizierbare Angelegen­heit Hinwegkommen. (Großer Beifall.)

Der ?-.n /rag auf Uebergang zur Tagesordnung wird darauf mit großer Mehrheu beschlossen, und dann sämt­liche üb eigen Anträge betr. so»ialbeurokratischL Literatur und Presse dem Vorstande zur Erwägung überwiesen.

Eine weitere Anzahl von Anträgen beschäftigte sich mit der Behandlung verschiedener Themata auf dem nächsten Parteitage, darunter ein solcher, derSozialdemokratie und Strafrecht" erörtert wissen tollt mn sich einmal über bie einseitige Härte der Gerichte gegen Sozialbemo- kraten bezw. LrbeUcr auSzusprechen. Ein Antrag fordert auf die nächste Tagesordnung zu setzen:Der Gene­ralstreik". Letzteren Antrag begründet Dr. Liebknecht. Der Antrag auf Behandlung der Alko h o l fr ag e, so führte Katzenstein au§, fei ein alter Bekannter. (Heiter­keit und ironifeber Beifall.) Ihr großer Beifall beweist mir, daß er diesmal eine günstigere Aufnahme finden wirb. (©türm. Heiterkeit.) Die Genossin Zetkin ist feine Mutter, abcT sie ist ihm keine gute Mutter gewesen, denn sie legte ihn barnals in bie rauhen Hände von Männern, bie nicht mit ihm umzugehen verstanden (Sliterfeit.) Vicl- leiclst es aber auch nur ihre angeborene weibliche Schüch­ternheit gcn-csen (Stürmische Hetterkeit), bie sie ad hielt, ihn selbst zu vertreten. Mr sind weit entfernt, den Ar­beiter seiner kargen s.ceubcn berauben -u wollen^ mir wollen ihm im g.iiii'il höhere Jreuden schassen, als sie der Alkohol zu Vielen bcunag. Die verbauunie Aebürsnlslosig- ü-ii, die der Alkohol erzeugt (Ohorufe, Unruhe), bie wollen. Wir beseitigen. Der Satz: Der AlkvholiZmuS ist bie Folge

des w-irtfchaftlichcn Elends! tmüssen wir bekämpfen. Denn auch bie Offiziere, Studenten usw. saufen und wes­halb? Weil sie sich rm geistigen Eleno befinberr. (Heiter­keit unb Beifall.) Wir wollen keine Abstinenz aber Auf­klärung! (Beifall.)

Bernstein: Der Gedanke der Wahlentrechtung schwebe nach Bülows Aeußecung in der Lust unb- man wisse nicht, welchen Kämpfen bie Partei entgegengehe. Sie müsse beshalb alle ihre Kräfte unb Kampfmittel schärfen unb sich besten bewußt lverden, um im entscherbenden Augenblicke in jenem bcoheriden llampfe alles in bie Wag­schale zur Erhaltung bestehenber Stechte werfen zu Eömicn, gegen ben Wahlrechtsraub ben politischen Massenstreik bes Proletariats. (Beifall.)

Sobann würbe ber Antrag Katzenstein ange­nommen.

F-erner gelangte noch folgender, von dem aus bem Königsberger Geheimbunbprozeß her bekannten Krankenkassenrenbanten Braun- zkönigsberg etngebrache ter Antrag zur Annahme:

.,Ju Anbetracht der ungebeurcn Schädigungen, welche der Alkohol der Arbettersck-aft verursacht, indem er dadurch ins­besondere zu einem großen Hriwernis für die Venoicklichung unserer Ziele wird, hätt es der Parteitag im Interesse des Forl- sckxreitens unserer Bewegung für unbedingt erforderlich, den Äkohvlmißbrauch In der Arbeüerschaft zu bekämpfen. Er fordert daher alle Parteigenossen unb insbesondere alle Parteizcitungcm auf, noch melyr als bisher die Arbetter auf die Gefahren des ALtoholgenusses aufmerksam zu madjen."

(Nachflnittagssitzung.)

Die heutige Nachmittagssitzung brachste endlich die Affäre Schippet

zum Austrag, deren Erörterung mit gespanntester Aufmerk­samkeit verfolgt wurde. Es war der Reichstagsabgeordnete Ledebour, ber in seinem Bericht über bie parlamentarische Tätigkeit ber Fraktion gleich an erster Stelle ben Fast Schippel zur Sprache brachte unb sich mit bemerkenswerter Schärfe über baä Verhallen bes Genossen in der Schutz- zollsrage äußerte.

Ter Pattciiag mißbilligt auf das schärfste die Unklarheit und Zweideutvgkcil, mit welcher der Genosse Schippcl feit langem in Wort unb Schrift sich gegenüber ber Frage ber Lebcnsmittcl- zölle verhalten unb dadurch unseren Feinden Material gegen fee Partei geliefert bat

Wenn sck-steßlich d-r Genöße Scl)ippcl, durch die Fraktion zu klarer Stcllungnatzme gedrängt, erflärte, daß er Gegner der AgrarzöUe sci unb m fer Zolltarisfrage die Stellung bet Partei teile, tvar cs uni so unbegreiflicher unb unverzeihlicher, daß er seit Jal/ren feinen ganzen Scharfsinn unb scin^ganzes Können aufbot, um zu bewcHeri, dag vom agrarifä-en Standpunkt aus die Forderung der Agrarzölle gerechtfertigt sei, eine Aufgabe, die »v-ahrlich nid/i bteiemge eine» Sozialdemokraten sein laun. Der Parteitag mißbilligt aber auch entschieden ben häßlick-en und Hochsährenden Ton, in bein der Genosse Schippel die Polemik gegen die Partei unb Parteigenossen führte, ein Verfahren, das sich um so weniger rechtfertigt, als, er feinen Standpunkt in fer 2lgrarjragc von Grund aus gcn>ed^clt hat"

Ferner liegen zur parlamentarischen Täiigkeit mxf) folgende Anträge vor, u. a. von ben Parteigenossen in Essen:Der Parteitag möge die Reickzstagsfraktion beauftragen, in Zukunft sämtliche Kvlouralsordcrungen abzulehnen." Von den Parteige- no-iicn in 3ciei>i'cbaniim folgender:Die F-raktion soll dal-in wirken, daß die für Landarbeiter unb Gesinde bestehenden Aus­nahmegesetze beseitigt und diesen Arbettern das Koalitiousrecht gesickert wird."

In seinem Bericht über die parlamentarische Tätigkeit führte Abg. Ledebour aus: Wenn man von der Parlamentäriick-en Tätigkett der Reichstagsfraktion sprechen wolle, kann man nicht an dem

Verhalten des Genofsen Schippel

zu ber Schutzzollpolitik unb ben baniit zusammenl-ängenden Fragen ohne eine besondere Kritik Vorbeigehen. (Sehr richtig!) Man müsse annehmen, daß einige Stänker, berufsmäßige Krakehler unb Denunzia nte n einen Konflikt mit ihm an den Haaren herbeigezogen hätten, um ihn eines Verstoßes gegen die Grundsätze ber Partei bezick>tigen zu können. Die Frak­tion habe einen BcsckKuß zu dem Fnll Schippel gefaßt, der in dem Bericht über die parlamentarisä-e Tätigkeit nicht enthalten sei, weil Schippel bei Abschluß des Berick-ts in feinen Rechstertig- ungserilärungen noch nicht über die Emlcitung hinausgekommen fei. Schippel halte diese Einleitung allerdings für die Haupt- sack-e seiner Erklärung. (Heiterleit.) Die Fraltion stehe demgegen­über auf dem Standpunkt, daß cs Schippcl selbst m 47 Zeitungs­spalten nickst gelungen sei, Klarheit über seine Ansichten zu ver­breiten. (Sehr wahr!) Wenn jemals, so haben wir bei der zoll- politischen Aktion unitre Pflicht getan unb den Beweis, daß wir unS damit auf dem richtigen Wege befanden, lieferte am besten der Ausfall der letzten Reichstagswahlen, ber unsere Stimmen» zahl um eine Million erhöhen ließ. (Beifall.) Wenn aber eine solche Aktion dauernden Wert behalten soll, so ist es die Psliclst der Lreichstagsabgeordneten, sich in diesem Kampfe bei Partei aktiv zur Verfügung zu stellen, damit diese Kämpfe zu einem glücklichen Ende geführt werden können. (Beifall.) 3Nir ist ans den Verhandlungen des Zieichstages kein einziger Fall gegenwärtig, wo Sch. aktiv in die Verhandlungen über den Zoll­tarif cingegriffen, wo er in der Kommission dazu das Wort ge­nommen hätte. (Hört, hört!) Die Partei verlangt natürlich von keinem Gciwssen, daß er feine Ansichten verleugnet, umkchrt, oder daß er redet, was er selbst nickst glaubt. (Beifall.) Tas konnte man auch bei Schippel zunächst annehmen, man konnte annehmen, daß er schvocige, weil er mit dieser unserer Aktion nicht einver­standen sei. Wäre diese Sack-e so gewesen, io hätten wir das zwar lebhaft bedauert, aber wir hätten fernen Änlaß genommen, noch heute nachträglich mit ihm abzurcchnen. (Sehr richtig!) Aber der Genosse Sdstppet hat später außerhalb .dcö ReidzstageS in schrift- lick-en Erörterungen über die Handelspolitil, insbesondere die Schutz­zollpolitik, Grundsätze aufgtftillt, die direkt gegen die Anschauungen ankämpften, die wir im LicühStage vertraten. Selbstverständlich ist dieses Vorgehen SckstppclS von den Gegnern gegen die Sozial­demokratie zum Sd-aden der Partei ausg-csckstachtet wvrdcn, unb diese Ausspielung Schippels gegen die Partei im Reichstage hat Schippcl schweigiam a ngehört, wo alle Welt envartete, daß er um seiner selbst nnllcn flammenden Protest erhöbe gegen seine Zurechnung zu den Brot- unb Zvlttoucherern. (Großer Beifall. >^ehr ricbivg!) Ich erinnere nur daran, daß Frhr. Hehl von He rr ns he im ün Reichstage ausdrücklich auf bie Artikel des hervorragenden" unbklugen" Kopses Sclstppel exemplifiziert hat, wie denn ja die bürgerlichen Parteien immer die Praxis verfolgen, denberühmKu" Genossen zu zitieren^ wenn seine Anschauungen dann der Partei zuwiderlauien. (<oebr richug!) 'JJlit Gleichmut hat Sch. dubeigclsesicn unb so getan, als gehe chn das nichts an, wie Schippet un zweiten Teile despaust": Sitzend bei den Pqrau.ioen, vor ber Völker Hoüxu'riast, un»

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bewegt durch Krieg unb Frieden, und verziehen kein Gesicht!^ (Grobe Heiterkeit unb Beifall.) Klarheit zu jdxinen, sei umsomehr Pflicht ber Fraktion, als Schippel bis dahin alle GrTlärungtit gegen dm Zoll- unb Brotwuclzer mit unterschrieben habe. (Sehr riastig!) Selbst führende Geisler, so der Redakteur berChemnitzer VoUsstimme", haben sich von seinen Darlegungen besteck-cn lassen und gehen mit >Lchippcl durch bia unb dünn. (Sehr richtig!) Wenn sich langsam die Ueberzeugung von ber Unhaltbarkeit einer Posi^ tian durchringe, so sci es schioer, von dem Betreffenden Klarheit üb.r sein gegemoärliges unb sein künftiges Verhalten zu bekommen, (oebr richtig!) Wie vereinbart Schippel die Tatsache, daß er int Reiuzstage bie Anträge der Fraktion unterstützt hat mit der an­deren Tatsache, daß er im letzten Jahre inErklärungen" unb sonstigen Auslassungen zu Argumentationen getonimen ist, die nur ben Gegnern nutzen und im Gegensatz zu den Beschlüssen der Fraktion stehen? (Sehr rudjaig! Lebh. Beifall.) Er hat nur alle die Genoftcn zitiert, die sich einmal zu gunsten seiner Polttik ausgelassen haben. (Zuruf Bebels: Und er hat sie falsch zitiert!)

e b e b ou r; Wir können es kerncssalls zulassen, daß uns auch fernerhin Sästppri immer wieder von unseren Gegnern als Knüppel zwijck-en die Beine geworfen iuild. (Beifall.) Er hat bie Leute veryöhnt, die auS feinen Artikeln die a-grar-zöllnerische Ansicht herausgelcsen haben, und da nicht nur Gegner zu diesen Leuten gehören, sondern a uch Parteigeiwssen, so hat er damit auch die Partei selbst verhöhnt. (Bevel: Sehr richtig!) Schippel ist uns die Antwort schuldig geblieben in 47 Spalten! (Heiterkeit und Beifall. )Wir werden nuume.hr sehen, ob er auf diese Vor­haltungen annehmbare Erttärungen geben wird. (Lebh. Beifall.) Werl wir als Fraktion von Sftstppel den größten Mut der eigenen ^Meinung verlangen, deshalb haben wir ihn ausgefordert, seine Meinung deutlich unb frei zu sagen. (Beifall unb Heiterkeit.)

Ledebour iuenbet sich dann bem Anträge zu, der die Ablehnung sämtlicher Kolouialsotderuugeu

durch die foziaioemo^iuckchen Abgeoroneteu lurocrt Der 2lntrag richtet iiu> geg.n die ioeuniligung ber ersten Forderung für Süd- ioe st a s r i la beim Ausbruch des Herervaufstandcs. Für die ost­asiatische Expedition z. B. sei die Fraktion aus Humanic läisrucüjicksten gegenüber dem Zentrum für die volle von der Regierung geioiiKttcn Summe erngetreten. Wetter reckstfertigt peb^bour die ablehnende Stellung der Fraktion gegenüber den iiauf in annöge richte u ni ber ün SieidiSiage zur Annahme gelangten undurchführbaren Form.

Hierauf begann die sehr ausgedehnte Diskussion.

Dr. Michels-Marburg mißbilligt bie H aktnutz der Fraktion zur Forderung für S üb w e sta fr i ka. Daß Bebel erklärt habe, man werbe ei)ent bis zum letzten Mannt die Sache bes Vaterlandes vertreten unb keinen Fuß breit Boberi pceisgeben, halte er nicht für gan- ridjjtig. (lliirnhe.), Wi.r erkennen bas Sclbsck-esiinunungsred>t aller Völker am unb BebelS Erklärungen bringen unS bamtt in einen Gegen­satz zu unseren Anschauungen. (3ia, na!) Gefetzt ben Fall, cs käme zu einem polnisc^n Aufstaube so müßten uich^ unsere Shmpathiecu auf feiten ber unterdrückten Polens )cin, müßten wir uns uichst bis zum letzten Blutstropfen: chrer annehmen? (Unruhe und Luchen.)

K a r st e n - Ponuucrn: Ter ruck)ichtslose Kampf gegen den Zolltarif habe bie Wahlarbett auf bem Laude ungemein} erfchivert. Ich Genosse Bcbcl, Sie sollten mal bie Hütter- poulmerscheu Wähler kennen lernen. (Heiterleit.) Bei und i)0t ber übLMvad-eube Polizist in einer unserer Versamm^ langen in bas Hoch auf bie Sozialbcunokrarie emgefiüninL (Heiterkeit. Bebel ruft: Läublich- sd-jänblich!). Gewiß, G> nosse Bebel, er sagt sich eben: Ich lebe mit diesen Leuten unb was sie tun, tue ich auch Mer sollen wir auf solchy Leute verzichten? Das müsse man aber, wenn man die heutige Taktik mitmachen wolle. (Unruhe.)

Abg. Bebel rechtfertigt bie Haltung der Fraktion in der Hererofrage, ba genaue positive .Unterlagen zu einer richtigen Beurteilung ber sübwestasrikanischen Vorgänge und Verhältnisse banials nod) nicht Vorlagen. Ich habe mich, genmnbert, baß meine Erklärung, wir würden unter keinen iltnjtänben einen Einfall fremder Mächte in Deutschland duldeii, so großes Aufsehen hervorgerufen hat. Ich stehe mit ihr burchaus nicht im Wioerspruch mit unserer sonstigen Taktik. Wohl stimmen wir gegen ben Militäretat, oder nur, weil wir ben Militarismus in feiner heutigen Form be­kämpfen. Aber wenn eine Gefahr brohen sollte, sowerbenauchwirunserTeilzurAdwehrbei^ tragen. (Beifall.) Hätte nicht 1870 Bismarck burch eine raffiniert geschickte Politik bie Sache so bargestellt, als ob Napoleon ben Krieg wolle, wühreno er in Wirklichkeit imf Verein mit Moltke sich sagte: Jetzt üch der Moment ge­kommen, wo wir mit Erfolg losschlagen können! so hätten wir sicher bie Kredite bewilligt.

Inzwischen war noch folgendes

Amendement zur Resolution Bebel emgelaufen:

Ter Parteitag erklärt Weller, daß das Vertrauen, deffen ein Gcno-sse zur Bekleidung von Vertrauensstellungen in der Partei unbedingt bedarf, gegenüber dem Genckftcn Scl)ippel auss tiefste erschüttert ist, daß, wenn Sdftppel forlfährt, in der bisherigen Weise znrn Schaden der Partei zu wirren, er gezwungen fein wird, die Konsequenzen seines Verhallens zu ziehen."

Der Antrag octr. KoalitronSrecht für Land­arbeiter uno Gesinde wirb angenommen.

Ansammlung ves Lanoexpskrdkzuchtvnrius.

(5Driginatbciia)t' desGieß, ünz.")

-k-. Hungen, 20. September.

Der Vorstand des Landespferdezuchtvereins veranstaltete am velflossenen Sonntage in Hungen eine Versammlung, vor welcher im Einvernehmen mit dem landwirtschaftlichen Pro- vinzialverein eine Besichtigung ber Fohlenweide im Tiergarten bei Hungen stattfand. AuS allen Kreisen der Provinz waren zu dieser Versammlung eine Anzahl Rfttglieder des LandeS- pserdezuchtvereins und des landwirtschaftlichen Provinzial- vcrcinü erschienen, sowie zahlreiche Pserdczüchter und Fohlen- besitzer, die auch ivohl ohne Ausnahme jenem Berem alß ÜRitglieder angehörten.

Die Besichtigung der Fohlenweide ging der eigentlichen Versammlung voraus. Zu Wagen, zu Pferde unb zu Fuß erreichten bie Interessenten dir auf bcibcn Ufern der oberen Horloff auf hügeligem Terrain gelegene Fohten- ivcibe. Die Lage i|t fo schön, daß sich auch für jeden, der mit der Fohternvcide nichts au tun bat lohnt, bas m