Ausgabe 
21.7.1904 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

* Zwickau, 20. Juli. Der flüchtige Sparkasse n- kassiererGolditz ans Niederplanitz ist aus Monte Carlo in das hiesige Gerichtsgefängnis eingeliefert worden.

* Landshut in Niederbayern, 20. Juli. Ein frecher Nau bmordv ersuch am Hellen Tage ist in einem benach^ barten Walde an dem Versicherungsbeamten Orsten- ci ebner aus Landshut, der sich auf einer O^schästsrcise befand, verübt worden. Der Inspektor wurde von einem Individuum von rückwärts vom Fayrrad herabgeschlagen und durch 16 Messerstiche schwer verletzt. Der Verbrecher entkam.

* Limerick (Irland), 20. Juli. Zwei Juden wurden auf offener Straße von einem Arbeiter ohne weiteres an­gefallen. Der eine wurde durch einen Stockschlag auf den Kopf niedergeschlagen, der andere entkam dem gleichen Schicksal durch das Dazwischen treten eines Schutzmannes. Es handelt sich nm ein antisemitisches Verbrechen.

* Versailles, 20. Juli. .Der Artillcrielcutnant G r a n e t wurde von einem Ordonnanzsoldaten Gauthier durch einen Revolver schuß schwer verletzt. Das Motiv war eine von Grauet gegen Gauthier erstattete Anzeige wegen eines dienstlichen Vergehens.

* Ravenna, 20. Juli. In einer hiesigen Kirche feuerte ein unbekanntes Individuum auf einen die Messe lesenden Priester mehrere Revolverschüsse ab. Er verletzte denselben sowie eine weitere Person schwer und flüchtete alsdann.

* Mailand, 20. Juli. In der Ortschaft Sabbiai in der Provinz Novarra ist nacUs durch einen Blitzschlag ein Brand entstanden, der 30 Bauernhöfe zerstörte. Zwei alte Leute verbrannten.

* Wien, 20. Juli. In ganz Niederösterreich wurden in den letzten Nächten uc.a 16. bis 19. Juli wiederholt heftige Erdstöße mit einer Durchschnittsdauer von brei Sekunden verspürt.

* Petersburg, 20. Juli. In Tambow schlug während eines heftigen Unwetters ein Blitz st rahl in zwei Lagerzelte, 12 Soldaten des Kirsanowschen Regiments sind verletzt, darunter zwei schwer. Gestern wurden durch einen Erdrutsch in einer der der südrussischen Kohlenindustriegesell- schast gckBrenden Gruben in Corlowska 6 Arbeiter verschüttet. Zwei sind lebend, drei tot herausgeschafft worden, der sechste ist.noch nicht aufgefunden.

* B e i Besteigung der Mönchskappe in den Waadt­länder Alpen ist eine junge Engländerin Namens Good­man n von einem steilen Felsabhang abgestürzt und hat sich dabei derart verletzt, daß sie bald darauf verstarb. In der­selben Gegend wird ein junger Tourist, Arthur Pozzi, seit Sonntag vermißt.

Kcrichtslaal.

** Eine Verwaltungsgerichtsentscheidung. Es wird uns geschrieben: Die am 15. d. M. ergangene Entscheidung des Verwattungsgerichtshvfs betr. den Losholzbezug der Ortsbürger in der Stadt Heppenheim ist bem grundsätzlichem Interesse auch für andere Gemeinden. Seither bezogen in Heppenheim 1000 Ortsbürger eine bestimmte orts­statutarisch festgesetzte Holzmenge. Mit Rücksicht auf den steigen­den Geldwert dieses Holzbezuges hatte nun die Verwaltungs­behörde in Aussicht genommen, diese Wertsumme ein für alle mal zu fixieren und nur Holz in diesem Werte unter die Orts­bürger zu verteilen. Es hätte dies zur Folge gehabt, daß jetzt schon nur 850 Ortsbürger statt 1000 Losholz hätten erhalten können; bei weiterer Erhöhung der Holzpreise hätte die Zahl der bezugsberechttgten Ortsbürger noch mehr herabgesetzt werden müssen. Es iist demgegenüber von Wichtigkeit, daß der Ver- waltungsgerichtshof auf den von der Stadt Heppenheim ein­gelegten Rekurs nunmehr ausgesprochen hat, daß es bei dem seitherigen Losholzbezug der Ortsbürger sein Bewenden habe, daß also den Ortsbürgern, bereit Zahl seit 1872 nicht gestiegen ist, ohne Rücksicht auf den inzwischen ge'stiegeneu Holzwert dauernd dieselbe Holzquantität als Losholz zu verabfolgen ist, aus die sie damals bereits Anspruch litten. Das Gesetz vom 22. November 1872, die Gemeindeausgaben bett., hat nämlich zwar die seitherigen Rechte der Ortsbürger auf den Genuß am Ge­meindevermögen anerkannt, eine fernere AuÄ>ehnnng dieser Nutz­ungsrechte zum Nachteil der Steuerpflichtigen dagegen untersagt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs hat nunmehr fest- gestellt, daß in einer bloßen Wertserhöhung des Losholzes eine unzulässige Ausdehnung der Nutzungsrechte nickt zu finden ist.

Weisen.

Vor uns liegen die Woerlschen Führer Lahntal und Westerwald, Fulda und die Rhön und S t r a ß b u r g i. E., die sich, mit Plan- und Kartenbeilagen reich ausgestattet, jedem Benutzer als unentbehrliche Begleiter erweisen dürften. Tie sehr hübsch ausgestatteten praktischen Heftchen kosten 50 Pfg. bis 1 Mk.

T Thüringen und FraurenwalD. In 17. Auflage rst nnt Meyers Reisebüchern im Verlag des Bibliogra­phischen Instituts der bewährte Führer durch das grüne Thü­ringen und den schönen Frankenwald erschienen. Das Buch um­faßt das ganze Gebiet. 20 Karten, Pläne und Panoramen er- leichtern dem Reisenden die Orientierung. Als eine neue, sechr erwünsckste Zugabe sind ein Stadtplan von Weimar, ein Planchen der so sehr im Aufblühen begriffenen Sommerfrische Oberhof, uni) eine Spezialkarte des Frankenwaldes hervorzuheben, der erst in diesem Jahre durch die neue, anmutige Bahnstrecke Triptis- Markpick erschlossen worden ist und deshalb auch örtlich eine gründliche Erweiterung erfahren hat.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 20. Juli 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Jndusttie, Gießen.) Privat-Diskont 26/e Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit .... 200.10 200.25

Deutsche Bank . . 217.25 217.00

Darmstädter Bank . . 137.40 137.37

Bochumer Guß . . . 185.10 186.00

Harpener Bergbau . . 198.80 199.00

Tendenz: Bester.

Zum Tarifkrieg der Dampfergesellscha ften erfahrt man nun, daß die Cunard Line im Verlauf der Londoner Konferenz sich weigerte, bedingungslos den Mittelmeerdienst auf­zugeben, wie Ballin es verlangte. .Angeblich zahlen die deutschen Linien dem Morgantrust */3 des Verlustes, den er hei dem Kamjx erleidet. Jedenfalls halt es die Cunard Line nicht für an­gezeigt, das gegebene Versprechen der Verschwiegenheit auch zu

Zur industriellen Lage. Die Einfuhr von land­wirtschaftlichen Maschinen nach Rußland macht, wie dieN. landw. Korr/' meldet, Fortschritte. Doch müssen die Maschinen leicht genug sein, um der Kraft der russischen Zugtiere zu entsprechen. Außerdem muß bezüglich der Preis­stellung Rücksicht auf die amerikanische .Konkurrenz genommen werden. Seit 1902 haben die Amerikaner ihre Preise um 20 Proz. heruntergesetzt. In den letzten Tagen sind größere Abschlüsse von obepchlesischen Gußrohren für den Export nach Serbien zustande gekommen. Mehrere serbische Städte sind mit großen Bestellungen auf dem Markt erschienen.

Märkte.

th. Gießen, 21. Juli. Der gestrige Ochsenmarkt hatte einen Vorrat von 50 Stück, meistens Gangvieh in guter Qualität. Ein Handel entwickelte sich überhaupt nicht; einige wenige Paare wurden verkauft. Der größte Teil der Tiere aber blieb über- ständig. Are Preise, welche für das Gangvieh bezahlt wurden, bewegten sich zwischen 800900 Mk. pro Paar. Auf dem Schweinemarkt waren knapp 300 Tiere aufgefahren; auch hier ließ .das Geschäft viel zu wünschen übrig, da es selbst für den kleinen Vorrat an Käufern fehlte. Die Preise, welche ge­zahlt wurden, hielten sich in denselben Grenzen wie beim letzten Markt. Ein knappes Viertel des Marktes blieb unverkauft. Nächster Markt am 2. und 3. August d. I. Am 2. Markttage auch Krämermarkt.

Limburg a. d. L., 20. Juli. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 14.38 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 9.75 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Meteorologische Beobachtungen

________der Station Gießen.

Juli 1904.

Barometer auf 0° reduziert

a e

E g H

der Luft

Absolute Feuchttgkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke 1

Wetter

20. 2

746,8

24,4

9,9

44

W.

2

Sonnenschein

20. 9'"

746,3

19,2

9,9

59

NE.

2

Bew. Himmel

21. 7*

746,5

15,5

10,5

80

N.

2

Höchste

Temp

watur

im 19

.20.

Juli -

= +

24,9 ° C.

Niedrigste

»

, 19.20.

= 4-

9,9 0 C.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 22. Juli: Zeitweise wolkig, zunächst wärmer, vielerorts Regen, stellenweise auch in Begleitung von Gewittern.

Aussicht auf Regen.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Temperatur der Lahn und der Lust

m m am 21. Juli 1904.

-"ach Reamnur gewesten mittags zwischen 12 und 1 ttfor Wasser 19'/,°, Luit 20».

________Albert Rübs am en-

~ Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgeseüschaft.

~ Hottesdienü.

^>abba thfeier am 23. Juli 1904.

Freitag abend: 8.00 Uhr.

Samstag vormittags: 8.00 Uhr.

. Predigt.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausqanq 9.15 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.00 Uhr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 21. Juli. Aus hiesigen gut unterrichteten Kreisen kommt die Nachricht, daß der Senior des preußi-» scheu Staatsministeriums, Justizminister Dr. Schönstedts schon vor mehreren Wochen den definitiven Entschluß ge-- äußert hat, im Herbst seine Entlassung zu nehmen.- Das hohe Mer und die mehr als 50jährige Dienstzeit des Ministers würde diesen Entschluß genügend erklärlich machen.

Be rlin, 21. Juli. Wie derBörsen-Courier" erfährt, kehrt Herr v. Witte heute aus Norderney nach Berlin- zurück und wird ungefähr 8 Tage hier verweilen. Dieser Aufenthalt hat aber nur rein persönliche Gründe. Was, die nunmehr augenscheinlich beendeten Handels­vertragsverhandlungen in Norderney anlanat, so sind die durch fleißige, bis ins einzelne gehenden Arbeiten soweit gefördert worden, daß man zu der Erwartung berechtigt ist, die Unterhändler werden bereits einen v oll-j ständigen Vertrags-Entwurf nach Berün mit- bringen.

London, 21. Juli. Nach spät avend^ ein getroffenen Privatmeldungen wurde der D ampfer Malakka bereits' freigegeben. Bestätigt sich das Gerücht, so hätte der ganze Zwischenfall seine Schärfe verloren.

Belgrad, 21. Juli. Gestern wurde bte Schlaf- zimmer-Einrichtung der ermordeten Königin Draga und die hinterlassenen von ihr zuletzt getragenen Kleidungsstücke unter der Aussicht des Stadtprüfeüen und' des Intendanten des Königs verbrannt.

Belgrad, 21. JuL Nach hier eingetragenen Privat­meldungen aus Monastir wurde dort ein Bulgare verhaftet, der angeblich Attentate auf die ausländisch«: Zivilagenten plante. Bei dem Verhafteten wurden zwei D ynamit- bomben gesundem

Borislaw, 21. Juli. Den Arbeitern wurden sämt­liche Forderungen mit Ausnahme des Achtstundentages be­willigt. Man hofft, daß die Streikenden sich mit diesem Entgegenkommen zufrieden geben und die Arbeit wieder aufnehmen werden.

Petersburg, 2L Juli. Graf Lambsdorff a> klärte dem englischen Botschafter bei Uebernrchung der Protestnote, Rußland habe dem Völker- recht entsprechend gehandelt.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt a. SL, 21. Juli.

8l/t% Reiohsanleihe , . 101.90 30/a do. . , . 90.15 3V,e/o Koneols .... 101.95 30/a do 90.20 3*4% Hessen .... 100.50

3*/, 56 Oberh essen . . .. 4% Oesterr. Goldrente . . 101.20

4X\% Oesterr. Silberrente 100.50 456 ün?ar. Goldrente . . 100.20

40/> Italien. Rente . . . 103.60 4i'.56 Portugieser . . . 61.85 R°/ Portugiesen. .... 61.30 1% C. Türken .... Türkenlose 128.40 4°/q Griech. Monopol.-Anl. 48.00 4' ,56 äussere Argentiner.

5% Mexikaner .... 27.5b fVg'Vo Chinesen .... 89.40. Electric. Sebueketi . . . 102.40 Nordd. Lloyd . . . . 100 50

Kreditaktien . . . t . 200 20 Diskonto-Kommandit. . 186.40

Darmstädter Bank . . 137.10

Dresdener Bank .... 148.80 Berliner Handelsgee, . . 153 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 135.50 Lombarden 17.35 Gotthard bahn . . . . . 187.00 Laura Hütte 241.00 Bochum 186.30 Harpener 199.30

Tendern: fester.

Bekanntmachung.

Bett.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn.

Die nackstcyende Bekanntmachung bringen mir hiermit zur

Kenntnis der Beteiligten.

Gießen, den 20. Juli 1904. 6252

Großhvrzvalil e rnerm-'isterei Gießen.

I. 93.: Curschmann.

Bekanntmachung.

Betreffend: Wie oben.

In der Zeit von Donnerstag den 21. d. Mts. bis Mittwoch den 27. d. Mts. einschließlich liegen auf der Großhec-zogl. Bürger­meisterei Heuchelyeirn zur Einsicht der Beteiligten offen:

1. Die Entscheidung des Schiedsgerichts vom 28. v. Mts. über die Einwendungen gegen die Arbeiten des zlveiteii Abschnittes in dem zur Feldbereinignng Gießen, rechts der Lahn zuge­zogenen Teil der Gemarkung Heuchelheilii,

2. diejenigen Boniticrungskarten, in denen nach schiedsgericht­licher Entscheidung eine Aenderung der Bonitierung einge­treten ist.

Diese Offenlegung ersetzt zugleich die besondere Zustellung der Entscheidlingen des Schiedsgerichts an diejenigen von den Ent- scheidlmgen betroffenen Beteiligten, die gegen die Arbeiten des zweiten Abschnitts nicht reklainiert haben.

Friedberg, den 15. Juli 1904.

Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: _________________yez. Cpamer, Kreisamtmann. _______________

Bekanntmachung.

In das Handelsregister wurde heute eingetragen: Die Firma Gottlieb Schaab in Hungen ist durch Geschäfts­aufgabe erloschen.

Hungen, den 19. Jrrli 1904. 6238

Großher'ogliches Amtsgericht.

Bekanntmachung.

Die Dienststunden für Grundbtichsachen sind für die Ge­markung Holzheim auf

Freitag vormittags von 012 Uhr

festgesetzt worden.

Butzbach, 14. Juli 1904. 6237

Großyerzogtlchcs Amtsgericht.

Submission.

Die Lieferung von Weißzeug, Bettwerk, Krankenkteidern, Stoff zu Stores, Krankenteppichen, Roßhaarmatratzen und Aufarbeiten von Roßhaarmatratzen für die neuen Kliniken in Gießen soll auf dem öffentlichen Submissionswege für das Rechnungsjahr 1904 vergeben werden.

Bezüglich der Lieferungsbedingungen ist der Erlaß Großh. Ministeriums des Innern vom 16. Juni 1893, das Ver- dingungsmesen betreffend, und deffen Anlage A maßgebend.

Die Lieferungsbedingungen und Musterstücke sind auf dem Verwaltungsbüreau genannter Anstalt an den Wochen­tagen nachmittags von 36 Uhr einzusehen.

Offerten mit der AuflchriftLieferung von Weißzeug rc." sind verschloffen bis zum Mittwoch den 10. August 1904, mittags 12 Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Großh. Verwaltung der neuen Kliniken einzureichen.

Zlischlagsfrist bis zum 15. August 1904.

Die Lieferung kann allch verteilt vergeben werden.

Gießen, den 21. Juli 1904. 6259

Großh. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken.

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