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in Osmsien haben, durch unseren Handel, die deutsche Schifffahrt unb Kiauffchau, wo wir Millionen angelegt haben. Rußland und Japan, früher Verbündete gegen China, wurden nach dem Chinakrieg 1895 Feinde infolge des Vordringens Rußlands. Die allgemein befürchtete „gelbe Gefahr" sei tatsächlich nicht vorhanden, da weder die japanische Industrie, noch die chinesischen Kulis mit Europa konkurrieren können. Redner spricht fast zwei Stunden frei und schließt unter großem Beifall mit dem Wunsche, daß für Deutschland bald eine seiner Machtstellung entsprechende Kriegsflotte geschaffen werden möge.
Rechtsanwalt Windecker-Friedberg verliest hierauf eine Resolution, die etwa folgenden Inhalt hat: „Die am 19. Juni in Friedberg tagende Hauptversammlung des Landesverbands des deutschen Flottenvereins für Hessen hält einen schnellen Ausbau und eine der Größe Deutschlands entsprechende Vermehrung der Kriegsflotte für dringend notwendig; nur dadurch könne der deutsche Handel im Ausland geschützt und neue Absatzgebiete für oen deutschen Handel errungen werden." Die Resolution wird einstimmig angenommen und der Vorsitzende Dr. Mlwck beauftragt, die Resolution an den ersten Präsidenten des deutschen Flotten Vereins, Fürst von Salm-Horstmar, zu übersenden. Gegen V26 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung.
ALS Stadl und Land.
Gießen, den 21. Juni 1904.
•* Personalien. Am 13. Juni d. I. wurde der Rudolf B l 0 ck aus Obbornhofen zum Schreibgehilfen bei dem Steuerkommissariat Offenbach mit Wirkung vom 1. Ium 1904 ernannt.
** Der Lahnkanal-Verein wird, wie ein Inserat in der SamStags-Nummer unseres Blattes verkündigte, Sonntag den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, in Limburg eine ordentliche Hauptversammlung abhalten.
** Der hiesige Zweigverein des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins hiell am 16. Juni die im „G. A." angetündigte Sitzung ab. Aus den Mitteilungen des Vorsitzenden Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel sei bervorgehobeu, daß der Gießener Zweigverein gegenwärtig v6 Mitglieder zählt. Der seitherige Vorstand, bestehend aus Geh. Hofrat Behaghel, Hauptmann Großmann und Professor Dr. Horn, wurde miedergewählt. — Prof. Horn hiell einen Vortrag über die Frage der Rechtschreibung in Deutsch land und England. Aus der Geschichte der deutschen Rechtschreibung können die Engländer viel lernen. Aber auch wir können der Geschichte der englischen Orthographie manche Lehre entnehmen, vor allem die tröstllche Lehre, oaß unsere deutsche Reichsorthagraphie im Vergleich zur veralleten englischen Rechtschreibung gar nicht schlecht ist.
+ Gleiberg, 20. Juni. Gestern feierte unter großer Beteiligung zahlreicher Gäste und auswärttger Vereine der Gesangverein .Hermanus" sein 2üjähriges Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr bewegte sich vom Vereinslokal „Schwarzer Walfisch" der stattliche Festzug nach den Marschklängen der Krofdorfer Kapelle durch die festlich geschmückten Dorfstraßen bis zum Festplatze im großen Garten der genannten Wirtschaft. Im Zuge befanden stch außer dem Festgeber, dem Vereine ^Hermanus", und außer den mit Schärpen und Blmnen schön geschmückten Festjungfrauen die folgenden Vereine: .Liedertafel" - Launsbach , .Eintracht" - Vetzberg, Turnverein-Krofdorf, .Germania"-Krofdorf, .Mannergesangverein"-Gleiberg, .Frohsinn "-Vetzberg, .Frohsinn"-Kinzenbach, .Eintracht"-Krofdorf, Salzböden. Lehrer Lochau von Gleiberg hiell die Festrede. Hierauf überreichte eines von den jungen Mädchen, Mina Protextor, eine von den Jungfrauen gestiftete kostbare Fahnenschleife mit schönen Worten. Darauf begann das Singen der einzelnen Vereine. Bald herrschte auch ein fröhliches Treiben auf dem Festplatze, und als der Liederreigen beendet war, wurde auf zwei Tanzplätzen von jung und alt der Tanzreigen eröffnet. Abends, nachdem die meisten auswärtigen Vereine wieder abgezogen waren, stellten die Krofdorfer Turner Marmorgruppen und auch ein hübsches Feuerwerk wurde abgebrannt und dann bis in die späte Nacht hinein getanzt.
Bad-Nauheim, 20. Juni. Folgende Unterhaltungen finden in dieser Woche statt: Dienstag den 21. Juni, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: .Pension Schöller." Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kürkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: .Der Bibliothekar." Donnerstag nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Kasseler Künstler-Wald- Horn-Quartctts. Abends von 8—10 Uhr im Saale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kürkapelle: .Don Cäsar." Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Zaubervorstellung des Zauberkünstlers Melanie aus Wiesbaden.
X Ober-Mörlen, 20. Juni. Der hiesige Männer- gesangverein feierte gestern und heute sein 25jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Gesangswettslreit, an welchem 13 Gesangvereine der Wetterau teilnahmen. Am Feste beteiligten sich insgesamt 25 auswärtige Vereine. Der Wettstreit fand im Saale zur .Germania" statt. Der Orts- geistliche hielt die Festrede. Bei der Preisvertellung erhielten folgende Vereine Preise: In der ersten Klasse: 1. Preis „Frohsinn"-Assenheim, 2. Preis und Ehrenpreis Gesangverein Vilbel; zweiten Klasse: 1. Preis und Ehrenpreis Gesangs- crbteilung des Turnvereins Bad-Nauheim, 2. Preis .Frohsinn "-Lang-GänS; brüten Klasse: 1. Preis und Ehrenpreis Ilbenstadt, 2. Preis Ostheim, 3. Preis Köppern; ferner erhielt .Germania"-Lang-Göns einen Preis.
r. Eberstadt, 20. Ium. Am Samstag fand unter großer Beteiligung hier bie Beerdigung des Oberlehrers H a s s e l b a u m von Bingen statt, auf besonderen Wunsch des Verstorbenen in der Heimat. Schulkinder und Gesangverein fingen einige Lieder; Pfarrer Engel aus Bingen hielt die ergreifende Leichenrede. Der Direktor der Realschule zu Äingen rief dem Verstorbenen warm empfundene Worte nach. Vertreter des philolog.-historischen Vereins zu Gießen sowie Zöglinge der Realschule legten Kränze am Grabe nieder.
t. Burkhardsfe lden, 19. Juni. Vorgestern stürzte oüie Frau eines hiesigen Landwirts derart vom fast vollständig geladenen Wagen beim Ueberfahren eines Grabens, daß sie
bewußllos nach Hause getragen werden mußte. Der herbergerufene Arzt konstatierte eine Verstauchung der Wirbelsäule.
g. Ortender g, 20. Juni. Der hiesige Kirchengesangverein gab mit den Vereinen von Friedberg und Ober- Mockstadt unter Mitwirkung der König!. säck)s. Hofopern- sängerrn Frau Burk-Berger (Marie Vetzberger) gestern hier ein Kirchenkonzert. Der Verlaus war glanzend. Die Kirche bot nicht genug Raum für die Zuhörer. Nach Beendigung des Konzerts fand im Manergarten eine Nachfeier statt.
h. Egelsbach, 19. Juni. Die bekannte Luftballonfahrerin Kätchen Paulus ist gestern m Wiesbaden aufgesttegen und nach einer Fahrzeit von 45 Minuten glücklich hier gelandet. Sie hatte die Absicht, bei Frankfurt niederzugehen, wurde aber von dem herrschenden Winde 17 Kilometer südlich getrieben.
Mainz, 19. Juni. In der Strafsache gegen die „Mainzer Volkszeitung" wegen Beleidigung, die angeblichen Plünderungen der Hessen in Sens betreffend, ist ein neuer Termin auf den 29. Juni vor der Strafkammer des Landgerichts in Mainz angesetzt worden.
Mainz, 20. Juni. Nach einer aus New-Pott hierher gelangten Nachricht wurde dort der seit einiger Zeit verschwundene Lotterrekollekteur Döblin verhaftet. Döblin hatte hier eine kolossale Schuldenlast hinterlassen.
Mainz, 20. Juni. Auf dem Rhein ereigneten sich gestern mehrere Uuglücksfälle. Beim Nachenfahren kenterte nachmittags ein Boot, in dem ein Friseur aus Berlin und ein Reisender saßen. Während der Reisende gerettet wurde, verwickelten sich die Füße des Friseurs in die Nachenkette und er ettrank. Zu gleicher Zeit fiel am Schloßtor ein holländischer Mattose, als er eine über Bord gefallene Kiste auffangen wollte, in den Rhein und ettrank. Am Abend badeten am Schloßhafen einige Mattosen, wobei einer von einem Schlaganfall betroffen wurde und unterging. Wetter meldete heute morgen em Kapitän, daß auf der Fahrt nach Mainz bei Hochheim em Heizer über Bord gefallen und ertrunken ist.
h. Aus R h e i n h e s s e n, 19. Juni. Im südlichen Teile unserer Provinz traten in Dielen Dörfern feit Mai die Masern auf. In manchen Orten mußte der Schulunterricht eingesttllt werden, so in Gimbsheim 5 Wochen. Im allgemeinen kann man sie nun als erloschen bezeichnen.
d. Frankfurt, 20. Juni. Die Darmstädter Möbelfabrik und Kunstsalon, G. m. b. H. in Darmstadt, hat in ihrer Füiale in Fränkfutt, Ecke Kaisersttaße und Kaiser- Wilhelm-Passage ein schönes Kunstwerk ausgestellt. Es handelt sich um eine lebensgroße Figur, die Szene aus der Oper Faust „Gretchen geht zur Kirche, Mephistopheles ihr folgend", und zwar sind beide Personen von einer Figur dargestellt. Diese Kombination ist ein Wett des Bildhauers Francesco Toso, welchem hierfür auf der italienischen Ausstellung in London die goldene Medaille zuerkannt wurde. Das ausgestellte Exemplar wurde von dem Sohne des oben genannten Künstlers gefertigt Der Effekt des Schaustückes wird dadurch erzielt, daß die Figur vor einen eine Kirche darstellenden Hintergrund gestellt wird und zwar so, daß die Rückseite der Statue, welche den Mephisto darstellt, dem Hintergrund zugekehrt ist. Durch einen Spiegel wird die Figur Mephistos zurückgeworfen und erscheint so dem Beschauer als dem Gretchen von Wettern folgend.
w. Fulda, 20. Juni. Die Eröffnung der Gew erbe- ausstellung wird am 2. Juli, vormittags 11 Uhr, im Stadtsaale voraussichtlich durch den Oberpräsidenten unserer Provinz, Exzellenz v. Mindheim, erfolgen. Die Festtede hält Oberbürgermeister Dr. Antont Dem kurzen Eröfsnungs- akte wttd sich ein Rundgang durch die Ausstellung und nachmittags 4 Uhr ein durch Reden und Musikvorttäge gewürztes Festessen im Stadtsaale anschließen. Abends 8 Uhr beginnt hier zum Abschluß des Eröffnungstages ein großer Kommers.
Iottführuug der LahnLarraLisatiott.
n.
Ter Sekretär der Großh. Handelskammer Gießen, Dr. Knip- per, führte über die wirtschaftliche Bedeutung ber. Kanalisierung der Lahn von der preußisch-hessischen Grenze bis Gießen fügendes aus:
Tie Großh. Handelskammer Gießen hat vor einiger Zett durch eine Umfrage bei den für den Lahntransport von Gießen aus hauptsächlich in Betracht kommenden Firmen in Oberhessen und der Provinz Hessen-Nassau festzustellen versucht, inwiewett ein Interesse an der Lahnkanalisierung bis Gießen vorliegt und welche Gütermengen für den Transport auf der Lahn von und nach Gießen zu erwarten sind. Diese Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen und es fehlen namentlich noch hinreichend zahlreiche und genaue Gegenübetttellungen von Frachtberechnungen für den Eisenbahnverkehr und die Schiffahrt und genaue Rentabilitätsberechnungen, sobald das Matettal in hinreichender Menge und Klarheit vorliegt, wird es zu einer Denk- schttft an die Behörden verarbeitet werden. Immerhin genügt das jetzige Matettal, um ettennen zu lassen, welche Erwerbs- zwttge ein JMerefse an der Fortführung der Lahnkanalisation bis Gießen haben und welche Gütermengen annähernd dem Wasserwege zufallen dürsten.
Vom Jahre 1854 an bis Ende 1861 fand, so stellte der Vor- ttagende bei einem Rückblick auf die Regulierungsarbeiten an der Lahn fest, zwischen Wetzlar und Gießen ein zunehmender Schiffahttsvettehr statt, indem namentlich die Eisensteine von den in der Nähe der Lahn gelegenen Gruben hierher nach Gießen gebracht wurden, um auf die Main-Weser-Bahn verladen zu werden. Auch Kähne mit Schiefer und anderen geringwertigen Massenartikeln beladen, kamen lahnaufwärts bis Gießen. Sand- steinquader von den Marburger Brüchen, die von bart hierher nach Gießen per Bahn gebracht wurden, wurden nach Wetzlar und Wetter für die Brückenbauten der Lahnbahn oerfd)iffL Mit ber Eröffnung der Eisenbahnen von Gießen nach Koblenz hörte das ganz auf. Da die Tarife herabgedrückt wurden, war die Lahnschiffahtt bald befdjräntt auf den Transport von Erzen und Mineralien Es sind später wiederholt Anstrengungen gemacht worden, um die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen durchzusetzen, sie hatten aber keinen Erfolg.
Inzwischen haben sich bie Verhältnisse seit den 60 er Jahren vollständig geändert. Gießen hat durch die in ihm sich kreuzen- deu Eisenbahnen ein ausgedehntes Hinterland erhalten, bie Industrie hat sich ertocitert unb viele Zweige könnten sich noch mehr vergrößern, wenn Frachtermäßigungen geschaffen würben.
Bei einer Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen würde sich nach vorläufigen Schätzungen das Verkehrsgebiet für manche Waren von Gießen aus erstrecken nach llttrben bis Treysa, nach Osten bis Fulda und nach Süden bis Nidba und Fttedberg.
Die Gesamteinwohnerzahl dieses Verkehrsgebietes kann auf rund 300 bis 350 000 Personen veranschlagt werden. Ein Haupt- Erwerbszweig ist zunächst der Eisenerzbergbau.
In Oberhessen wurden 1902 161072 Tonnen Brauneisenstein im Wette von 1 357 615 Mark, im Jahre 1903 201 278 T. im Werte von 1 602 698 Mk. gefördert. Tie mittlere Arbeiterzahl betrag i. I. 1902 964, 1. I. 1903 1043 Personen. Die hauptsächlichsten Bergbaubetriebe befinden sich bei Gießen und in der Gegend
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von Mücke. Tie Erze der Gewerkschaft Gießener Braunnetnbergwerre sind statt rnanganhaltig und gehen zur Verhüttung tetts nach dem Siegerland, tetts nach Rl)rinla!td - Westfalen. Ausgedehnte Erzlager Watten noch der Ausbeute. Bezüglich der Erzlager des, Vogelsbergs wird man annehmen können, daß die dottigen Lagerstätten noch verhältnismäßig wenig abgebaut sind und daß bei einer hinreichenden Frachtverbilligung die Förderung noch sehr lange Zeit hinaus rentabel sein wird. Viele Lagerstätten befinden sich im Besitz großer rheinisch-westsälischer Hüttenwerke, deren Interesse aber zum großen Teil mehr den Minett- erzen und deren Frachtverbilligung zugewandt ist. Der ober- hessische Eisenerzbergbau leidet besonders unter den ungünstigen Frachtverhältnissen. Infolge der niedrigen Frachtsätze für Minette sind unsere Erze auf dem rheinlöndiscl)-westf. Markte gegenüber der Minette nickst wettbewerbsfähig. Dieses Verhältnis muß sich noch ungünstiger gestalten, wenn die Mosel- und Saarkanalisation ohne gleid^eitige Kanalisierung der Lahn vorgenommen wird.
Ein großes Interesse an der Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen hat auch die Industrie der Steine und Erden im nördlichen Teile von Oberhessen. Nach der Gewerbesttattstik von 1895, die inzwischen aber schon überholt ist, waren in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach rund 830 Personen in den hier in Bewacht kommenden Industriezweigen beschäftigt. Ter Vogelsberg bildet bekanntlich die gröpte B a s a 11 in a s s e im Deutschen Reiche; auch diese Industrie ledet unter ungünstigen Absatzverhältnissen. Die schwedischen Granitsteine, denen die billige Wassersrackst zu Gebote ftelst, bereiten hier eine empfindliche Konkurrenz. Wenn die Lohn kanalisiert wird, ist die Voraussetzung einer rentablen Schiffahrt hier wie bei den Erzen, daß eine Umladung in die Rheinschisse nicht erforderlich wird.
Auch an Produkten der Ziegeleien und Tonwarenfabrikation bürfte ein erheblicher Massengutettranspott von Gießen ab zu erwarten fein.
Für den Empfang in Gießen würden an Gesteinen namentlich Schiefer aus den Brüchen an der Lahn und der Mosel in Betracht kommen.
Hervorragend ist unser Holzhandel an der Lahnkanali» sation interessiett. Es findet ein sehr ausgedehnter Versand von Gruben- und Nutzholz nach Rheinland-Westfalen und nach Luxemburg und Belgien statt. Besonders die Waldbisitzer werden aus der Verbilligung des Transportes Vorteile ziehen, also in hervorragendem Maße auch der hessische Staat.
Eine vollständige Umwälzung dürfte die Kanalisation bet. Lahn bis Gießen für den hiesigen G e tr eide h and e l und Futtermittel handel bedeuten. 1902 wurden auf der Station Gießen empfangen an Getreide und Futtermitteln 10 955 Tonnen, versandt 5877 Tonnen. Wenn von diesen Gütermengen auch nur ein Bruchteil der Lahnschiffahrt zufallen würde, so ist doch zu bedenken, daß bei einer Schiffbarmachung der Lahn aus weiter Ferne her, bis nach Treysa hin, dem hiesigen Schiffsverkehr Gütermengen.zusallen würden.
Der hiesige Handel mit auswärtigen Futtermitteln, besonders Mais, ist bet dem heutigen Bezüge per Schiff via Rotterdam- Fran kfutt a. M. und von da per Bahn mit ber Einfuhr per Schiff via Bremen-Kassel und von da per Eisenbahn kaum noch bis Treysa konkurrenzfähig. Tie Schifsbarmacksttng der Lahn bis Gießen würde den Umweg über Mainz-Frankfurt und den Eisen- bahntranspvtt bis Gießen überflüssig machen. Ter Getreidehandel würde für die Mühlen ferner den als Zusatz zum hiesigen Landweizen erforderlick>en ausländischen Weizen billiger beziehen können und dafür dem Weizen der hiesigen Gegend wieder den Versand nach Süddeutschland ermöglichen.
Als Empfangsgüter würden auf der bis Gießen schiffbar gemachten Lahn, abgesehen von geringen Massenartikeln, noch Kohlen, Koks und Petroleum in Bewacht kommen.
Bezüglich des voraussichtlichen Güterverkehrs auf der bis Gießen fanalrfierten Lahn bemerkte Dr. Kuipper, daß hier nur ein vorläufiges, kein scharfes Bttd der zukünftigen Verkehrsentwicklung auf der Lahn gegeben werden könne. Mit dieser Einschränkung beredynete der Vortragende, daß an Eisenerzen aus oberhessischen Gruben pro Jahr mindestens 150 000 T., d. h. lähttich 500 Schiffsladungen a 300 T., von Gießen die ganze Lahn hinunter verfrachtet würden. Diese Summe würde sich noch um jährlich 50 000 T. erhöhen, wenn das Projekt der Mosel- und Saar - Kanalisation zur Ausführung gelangen würde. Die Tonwaren- und Batuuaterialienlftanche beziffert nach Schätzungen Gießener Firmen ihren Gesamtverkehr auf 76 000 Sonnen oder 253 Schiffsladungen. Für den Holzversandt von Gießen ab ergibt sich nach den Berechnungen eines Holzhändlers betspielsweise bei dem Versand von Nadelgrubenholz nach Ruhrott auf dem Wasserweg eine Ersparnis von 2,25 Matt per Kubikmeter, bei Eichengrubenholz eine solck-e von 3,80 Matt; im ganzen eine Frachtersparnis von 4370 Matt, die hauptsächlich der Stadt zum Vortttl gereichen würde. Die Holzmengen, die in Gießen auf der Lahn zum Versand kommen können, werden geschätzt auf 6000 Kubikmeter Nadelgrubenholz, d. h. 3550 T. und 2000 Kubikmeter Etchengrubenholz (2000 T.), 3000 Kubikmeter Nadelnntzhölzer (1800 TI. Im ganzen -also 11000 Kubikmeter, d. h. 7350 Donnen Hölzer.
Für den Schiffsverkehr in Getreide und Futtermitteln liegen nur unsichere Berechnungen vor.
Der Kohlenbezug über Gießen würde sich, gering geschützt, auf jährlich mindestens 100000 Tonnen belaufen.
Zusammenfassend würde sich nach den jetzt vorliegenden Angaben der Schiffsverkehr über Gießen auf rund 370 bis 420000 T. zu 1300 bis 1400 Schiffsladungen belaufen.
(SS ist klar, so ftchtte Dr. Knipper aus, daß nur ein Teil dreies geschätzten Vettehrs der Lahn zufallen würde, wenn die Kanalisation ntcht bis Gießen durchgefühtt würde. Eine Ren- tabtlttarsrechnung für die Fortführung der Lahnkanalisation bis Meßen konnte ntcht aufgestelll werden, denn es fehlten die Stoitenberedmungen für die Kanalisationsarbeiten.
Zum Schlüsse dieser hochinteressanten Ausführungen bemerkte Dr. Knipper, datz etne Kanalisation bis Gießen auch zur Erhöhung der Rentabttttät der ganzen Lahnkanalisation beitragen werde unb tm Interesse auch des preußtschen Staates, der die metsten Kosten aufzubringen hat und das größte Risiko auf Nck) urmnit liege. Ganz besonders liege aber die Kanalisation ber Lahn bis Gteßen im Interesse des hessischen Staates, der Provtnz Oberheffen und nicht in letzter Linie der Stadt Gießen
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