Dienstag 21. Juni 1904
154. Jahrgang
Erstes Blatt.
Gesang
Erne Depesche aus Liaujang meldet, daß durch Sigma l e der mit den Japanern einverstandenen Chinesen, die schon bei Wafangou die russischen Stellungen verrieten, Stackelbergs Rückzug vereite lt worden sei.
Nr. 143
«Lgttch außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- Hättet viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck n. Verlag der Brühl'schen Un «vers^Buch-u. Dtein- druckerei. 8t Lang«.
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Dolitische Tagesschmr
Ein Brief des finnischen Attentäters Schaumann an den Zaren.
Ein Stockholmer Blatt veröffentlicht die Abschrift eines Briefes von Eugen Schaumann an den Zaren. Der von rührendem Patriotismus beseelte Fanatiker Schaumann trug das Original des Briefes bei sich, als er die Tat beging:
Ew. Majestät! Mit Hille des Proknrators und Senates Ew. Majestät für Finland, welche ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz bem Befehl des Generals Bobrikow blind gehorchen, ist es dein Generalgouvcrnenr Bobrikow gelungen, vollständig Verwirrung und Rechtlosigkeit hiev im Lande zu schaffen. Durch Lügen und fassche Darstellungen ist es dem Generalgouverneur und dem MinisterstaatssekreBr von Plchwe gelungen, Ew. Majestät zu bewegen, Verordnungen zu erlassen und Beschlüsse zu fassen, welche den Gesetzen Widerstreiten, die Ew. Majestät bei der Thronbesteigung fest und unverbrüchlich mit voller Kraft zu wahren versprachen. Die gesetzestreuesten und kundigsten Beamten des Lmwes werden ohne gesetzmäßige Untersuchung und Urteil abgesetzt. An deren Stelle werden ernannt unwissende Glüc^jäger, heruntergekommene Individuen, sowie Personen, die nach den Landesgesetzen zur Bekleidung von Staatsämtern unberechtigt sind. Die intelligentesten und treuesten Bürger werden verhaftet und verbannt. Sicherheit der persönlichen Freiheit existiert nicht mehr. Da der Minister-Staatssekretär, welcher Ew. Majestät die das Großfürstentum Finland betreffenden Angelegen-
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Das Wladiwostokgeschwader.
Die Kümpfe bei Wasangou treten in den Hintergrund gegenüber der kühnen und erfolgreichen Kreuzfahrt des Wladiwostok-Geschwaders. Der japanische Admiral Kami- mura hat sich zwar alle Mühe gegeben, die flinken Schiffe des Admirals Skrydlow zu stellen, er hat sie aber nirgends finden können und mußte schließlich weitere Versuche, ihrer liabhaft zu werden, aufgeben. Kamimura ist sogar nach seinem Operationsftützpunkt zurückgekehrt, ohne die r uf si s ch e n Schiffe gesehen zu haben. Damit dürfte das russische Geschwader bis auf weiteres jeder Gefahr entronnen sein. Bisher glaubte man in Tokio, daß vielleicht ein Teil der Flotte des Admirals Kamimura auf der Höhe von Wladiwostok auf der Lauer liege, da Ka- inimura hinlänglich Zeit hatte, dorthin zu gelangen, obwohl starker Rebel zu großer Vorsicht zwang. Es ist ja auch noch nicht sicher, daß das russische Geschwader wieder in Wladiwostok eingetroffen ist, aber es steht nicht gerade
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Anfängen. Die Verluste der Japaner betragen 900 Mann, darunter 8 Offiziere tot und 14 verwundet.
Die Verluste der Russen in dem Gefecht bei Wa- xangou belaufen sich wahrscheinlich auf mehr als 2000 Der Gesamtverlust einschließlich der en en durfte 10 000 Mann betragen.
Der Krieg zwischen Japan unti Iußtavd.
Neber die Schlacht bei Wafangou
wird dem Reuterschen Bureau gemeldet: General Oku begann den Vormarsch am 13. Jutri in drei Kolonnen mit Kavallerie. Der Kampf begann am 14. Juni nachmittags 3 Uhr mit einem Artilleriegefecht. Die Russen hatten 98 Geschütze und erwiderten bis abends das japanische Feuer in lebhafter Weise. Während der Nacht bemächtigten sffch die Japatver eines Hügels zwischen Dschöngtschiatun und Wengschiatun und eines Hügels westlich von Tayungtkau. Ein Teil der mittleren Kolonne der Japaner rückte längs des Futschuflusses vor und litt stark unter dem russischen Feirer. Eine Abteilung Infanterie und Artillerie wurde schleunigst zur Hilfe gesandt, worauf bie vereinigte Streitmacht die Rusten aus Tafangschen vertrieb und trotz des anhaltenden Geschützfeuers der Russen sich auch der dortigen Höhen bemächtigte und damit den Sieg entschied. Inzwischen wurde der rechte japanische Flügel stark bedrängt. General Oku mußte zweimal die Jnfanteriereserven eingreifen lassen. Die Russen machten wiederholt verzweifelte Gegen-Angriffe, aber in einem seyr kritischen Moment umging die japanische Kavallerie die russische Stellung und griff dieselbe in der linken Flanke an. Die Russen Logen Verstärkungen heran und lergeten hartnäckigen Widerstand, bis sie von Leiden Seiten eingeschlossen waren. Als fte dann den Rückzug antraten, versuchte die japanisch^ Kavallerie sie zu verfolgen, nrußte aber der Schwierigkeit des Terrains wegen davon ab st eh en. Dem linken japanischen Flügel gelang es, 900 Mann russische Infanterie, welche von Wutachiatun zurückgingen, ab*
danach aus, als ob es von dem in diesen Gewässern befehligenden japanischen Admiral viel zu fürchten braucht. Gegen diesen beginnt sich denn auch in der Heimat bereits ein Sturm der Entrüstung zu erheben. Das japanische Volk ist entsetzt über das Unglück in der Tsushima-Straße; speziell die progressive Partei hielt in Tokio eine Versammlung ab und nahm Beschlüsse an, worin von dem Kriegs- und Marineminister genaue Auskunft darüber gefordert wird, welche Maßregeln zum Schutze von Transportdampfern getroffen worden sind, welches Verfahren gegen die für das Unglück verantwortlichen Personen beabsichtigt ist, und welche Sicherste itsmaß- regeln in Zukunft ergriffen werden sollen. Von den untergegangenen Schiffen sind schließlich mehr Ueberlebende eingetrofftn, als ursprünglich angenommen worden war. Sie erzählen von schauerlichen Szenen, wie Menschen und Pferde in den Fluten kämpften. — Man meint m Tokio sogar, daß Admiral Kamimura, wenn cs den Russen gelingen sollte, wieder nach Wladiwostok zu gelangen, zurücktreten oder Selbstmord begehen müsse. In der Bevölkerung macht sich eine immer lebhaftere Bewegung für die Ersetzung des Admirals durch eine andere Persönlichkeit geltend.
„Central News"' meldet bereits aus Tokio: Admiral Kamimura berichtet, die russische Wladiwostokflotte sei entkommen und befinde sich in Wladiwostok.
Berichte aus Schimonoseti melden dagegen, daß Geschützfeuer dort gehört werde. Man glaubt daraus schließen zu dürfen, daß sich das Wladiwostok-Geschwader wiederum in der Meerenge von Korea befinde.
Weiteres vom Kriegsschauplätze.
London, 20. Juni. Kuroki dirigiert die zweite Divstion in die Gegend über Siujang gegen Kaiping, Kodzu rückt auf Tatschitsao. Die 5., 8. und 11. Division rücken unter Oku von Wafangou herauf. Die 12. Division stößt in Eilmärschen auf Mukden vor. Knroki verlegte sein Hauptquartier nach Siujang und leitet persönlich die Operationen. Kuropatkin konzentrierte seine Hauptmacht bei Kaiping und Haitscheng, wo ein Vvrposten- kampf begonnen hat.
Tokio, 20. Juni. (Reuter.) Eine von der japanischen Hauptmacht bei Takuschan am 18. d. M. abgejandte Infanterie- und Kavalleriepatrouille meldete, daß sie mit Streitkräften der Russen bei Chipanking 36 Meilen westlich Sinyen und anderen Orten zusammengetroffen sei. Mehrere Scharmützel hätten stattgefunden, wobei 5 0 Russen getötet und drei gefangen genommen wurden. Große Mengen Waffen wurden erbeutet. Die japanischen Verluste betrügen sechs Mann. Die russischen Schiffe seien heute nicht in die Korea st raße hineingefahren. Man glaube, die Russen seien nach Norden abgefahren.
London, 20. Juni. „Daisy Mail" meldet aus Hakodate vom 19. d. M.: Der Kapitän einer aus Shanghai hier eingetroffenen amerikanischen Bart James Johen- son gibt an, daß am 18. d. M. russische Kreuzer sein Schiff am westlichen Eingänge der Tsu g aru ftraß e angehalten und durchsucht hätten. Nach zweistündigem Aufenthalt durste er weiterfahren. Der „Daily Mail" zufolge sollen die russischen Krregsschiffe von Port Arthur abgeschnitten sein. Wie die „Daily Mail" aus Föngwangtschöng meldet, besetzten die
Japaner den 16. Juni H sin k criting, 23 Meilen westlich von Föngwangtschöng.
L'iaujang, 20. Jruri. (Reuter.) Hier gingen Berichte über weitere größere Kämpfe im Süden ein. Eine Schlacht soll in bei' Nähe von Kaitsch au im Gange sein. Ein Eisenbahnzug mit Verwundeten staffierte in nördlicher Richtung. Weitere Züge werden folgen.
London, 20. Juni. Der Tschifuer Korrespondent der „Times" drahtet: Ein chinesischer Flüchtling aus Port Arthur, der am 17. Juni in Tschifu an langte, erzählte, die Russen litten nicht nur Mangel an Lebens» Mitteln und Fourage, sondern die Truppen trugen fast Lumpen und benutzen chinesisches Schuhwerk.
Petersburg, 20. Juni. In Mukden ist nach zweimonatlichen Stteifzügen in Korea das berittene Schützenkommando eingettoffen, das wertvolle Angaben über die Stärke der Japaner am Jalu mitgebracht hat. Das Kommando hatte tägliche Gefechte in Ko r e a zu bestehen gehabt. Es brannte eine Menge von japanischem Proviant, Brücken und mehrere Städte nieder, überschritt am 9. Juni im Rücken der japanischen Armee den Jalu und zerstörte alle Telegraphen. Das Kommando verlor in einem zweitägrgen Gefecht bei Phönjang seinen Anführer. Nach einer Mitteilung des Kommandos ist die Rückendeckung der Japaner sehr schwach- alles ist auf zu- fällige Erfolge basiert.
Per Aufstand in Deutsch-Südwestafrika.
Generalleutnant v. Trotha hat, wie der „Schles. 3tg.A aus Berlin gemeldet wird, sofott nach ferner Ankunft telegraphisch bedeutende Verstärkungen verlangt. Die nrilitä- rische Lage sei sehr ernst. Oberst Leutwei n sei zu weit vorgestoßen, sodaß der Rückzug der Etappenlinien fast ohne Verteidigung sei unb es den Hereros ein leichtes wäre, sie an jedem beliebigen Punkte zu Unterbrechen und ernsteste Schwierigkeiten zu bereiten.
@ O monatlich^ viertel-
GietzenerAnzeigerU
General-Anzeiger " ** .rsas»
v w den polit und allgem.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGs
V ™ M zeigenteil: HanS Beck.
hierdurch wurde der Magistrat darauf aufmerksam, daß die architektonische Ausgestaltung der Brücke nicht einwandsfrei war. Dem Kaiser hatten die in der Brüstung angeordneten Durchbrechungen nicht gefallen, welche, zu klein und auch in zu schwerem Stil gehalten, unschön wirken würden, mtb empfohlen, die Durchbrechungen entweder ganz fottzulafsen oder aber ein vollständig durchbrochenes Geländer zu wählen. Nach nochmaliger Prüfung des Entwurfs hat der Magistrat sich entschlossen, auf dem Brückenscheitel einen massiven Gelänoerteil aufbauen zu lassen, an welchem sich beiderseits durchbrochene Felder anschließen sollen Der mittlere massive Teil der Brücke soll durch je eine über dem Scheitel angebrachte Kartusche einen reicheren archi- tekwnischen Schmuck erhalten.
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— Unter der Ueberschrrst „Front gegen die moderne Richtung" wird der Rhein.-Westf. Ztg." von einem Berliner Kunsthistoriker ein Aufsatz geschickt, dem wir folgendes entnehmen: Tie Spannung zwischen Charlottenburg (Sezession^ und Moabit (Große Berliner Kunstausstellung) und die Stellungnahme des Kaisers in Kunstdingen bereiten dem Dezernenten für bildende Kunst im Kultusministerium oft unangenehme Situationen, da er nur zu oft, der kaiserlichen Kunstneigung folgettb, seine Ansicht und die von Künstlern und Kunst- gelehtten, deren Rat er einzuholen pflegt, unterdrücken muß. Ich weiß so beispielsweise, daß sich der Geheimrat bei der Beschickung der Kunstsammlungen in St. L ou is in einer so großen Verlegenheit befand, daß er sich mit Worten der Verzweiflung an eine Reihe von Kunstgelehtten mit der Bitte um Rat wandte. . . ." Ter Herr Geheimrat machte mm einen Versuch, beim Kaiser eine Versöhnun g zwischen Moabit und Charlotten- burg anzubahnen: Aus dem Munde eines völlig unabhängigen Mannes sollte der Monarch Aufklärung erhalten. Dieser unabhängige Mann muß schon bedeutende Qualitäten besitzen, da man in Kunstdingen dem Kaiser bei seinem grundehrlichen, unerschütterlichen Glauben an die Nichtigkeit seiner Kunstanschauung nicht mit gegenteiligen Anschauungen imponieren kann. Allerdings konnte der T-ezcrnent keinen besseren Vermittler finden als in der Person des in Kunstkreisen allgemein verehtten Ordinarius für Kunstgeschichte an der Berliner Universität, Hein- ttch W ö l f f l i n. Der Geheimrat kalkulierte nun, daß der Monarch dock für die Wicht eines so angesel>enen Kunstgelehtten wie Wölfflin zugänglich fein würde. Wölfflin erhält vor einigen Tagen von dem Dezernenten eine Aufforderung, nach Moabit zu kommen, wo er dem an diesem Tage dott weilenden Monarchen vorgestellt werden sollte. Anr Eingänge stehen zum Empfange des Kaffers die Ausstellungsleitcr, unser Geheimrat mit Professor Wölfflin. Der Kaiser kommt an, durchschreittt eilend den Eingang. Ter erste Augenblick, Wölfflin vorzustellen.
ist verpaßt. Wölfflin und sein Führer schließen sich nun dem Gefolge des Kaisers an. Bald glaubt der hohe Beamte, wieder einen günstigen Augenblick nahe, um Wölfflin vorzustellen. Er hat den Kaiser angeredel, da . . . Pech. . . Wölfflin ist vor einem Bilde stehen geblieben, der Vorzustellende fehlt. Kurz gegen Ende des Besuches findet dann der Geheimrat Gelegenheit, den Professor vorzustellen. Wölfflin verneigt sich und statt der erwarteten Ginleitung eines kleinen Gespräches Über Kunst, sagt der Kaiser nichts als: „Machen Sie mir bitte, vr- dentlich Front gegen die moderne Richtung!"... Bleibt abzuwarten, ob sich diese Darstellung bestattgt.
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— Eine bisherunbekannteChäradeSchikle vs' Tie in Eisenach erscheinende „Wartburg-Korresponden^ veröffentlicht eine bisher unbekannte Eharade Schillers. Dieselbe ist wahrscheinlich im Jahre 1803 entstanden. Sie wurde entdeckt in einem alten Fremdenbuche der Wartburg-Restauration und ist von Schillers eigener Hand geschrieben und unterscl;tteben. Sie lautet:
Zwey Sylben, und du nennst ein Ww r t — Bedeutend oft, doch öfter unbedeutend;
Beleid'gend hier, erfreuend dort, Stets widersprechend, selten doch entscheidend. Die Seele der Gesellschaft ist's, der Tod Der herrlichsten Entwürfe, Lebensbrod Ter streitenden Justiz; und seine Noch Hat Jeglicher damit!--Zwey Sylben wieder,
Und ein Gefühl nennst du, das dich beglückt, Das, zieht der Wahn, der Zweifel dich hernieder, Dich allen (sic) Trug, der Erde selbst entrückt; Das dich begeistert zu erhabnen Dingen, Das Göttliche fest in dein Jmüres drückt, Und, selbst wenn Tod mid Leben in dir ringen, Noch deinen Geist mit süßem Trost entzückt. Tas Ganze war, so lange Menschen lebten, Ein Feind des Lichts, doch hold der Poesie;
So Viel' es auch zu unterdrücken strebten, Es wandelte sich oitz doch starb eS nie. In seinen Formen liegt der treue Spiegel Der Bildung und der Sitten aller Zett, Ja, es entschließt sein mitcernächtllch Siegel Dir selbst die Ahnung der Unendlichkett.
Die Auflösung ist '„sgnviLasg.^^
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— Die Vermählung des Fräulein Irene Tricsch vom „Deutschen Theater" in Berlin mit Frederic Lamond, dem berühmten Pianisten, fand am letzten Sonntag in Preßburg (Ungarn) statt.
Keistliche MuM<rufführ«ng.
Gießen, 20. Juni.
Zn einer geistlichen Mufikaufführnng frum Besten der evangelischen Gemeinde in Jndenbnrg hatte der evangelische Kirchengesangverein auf Sonntag abend in die Skadtkirche eingeladen. War aarch der Besuch ein verhältnismäßig guter — die sommerliche Zeit ist für derarttges nicht besonders günstig — so hätten wir doch gewünscht, daß sich eine größere Gemeinde cm dem vielen Schönen erfreut hätte, das geboten wurde. Fräulein Lisbeth Gottschick aus Tübingen, die über einen sehr ansprechenden, klaren und weichen Sopran verfugt, Vot mit feinem Verständnis eine Reihe von Solovorträgen dar. Die Schönheit ihrer Stimme unb die Eigenart der Sängerin schien uns am meisten in dem Bach'schen Liebster Herr Jesu, wo bleibst Du so lange?" und dem Arnold Mendels- sohn'schen „Portum inveni" zum Ausdruck zu kommen. Mr hoffen, die geschätzte Sängerin noch öfters hier — in ihrer alten Heimat — zu hören.
Prof. Dr. Krüger, der schon so manches Mal keine treffliche Kraft geliehen hat, zeigte seine Meffterschaft besonders in dem Händellschen Larghetto a. d. Concerto großo ht H^rnoll und dem Rheinberger'scheu Abendlied in E-dur. Die unter der Leitung des Organisten Otto Görlach stehende Knabencborfchule ließ besonders in dem Gregoria- mischen Choral „Komm Geist und Schöpfer" erkennen, daß sne auf der Höhe steht, frisch und sicher klangen — ttotz tttllweife schwacher Besetzung der Männersttmmen — die o capella-Chöre des -Kirchengesangvereins. Zwei Orgel- p.iäludien spielte Organist Görlach mit bekannter -Vollendung. So kann die Aufführung, die unter der sicheren Leitung des geschätzten Musikdttektors Trautmann stand, culs eine in allen Teilen schöne und wohlgelungene be- ziüchnet werden.
Ueber d'en finanziellen Erfolg berichten zu können, find Iwir noch nicht in der Lage.^
— Eine kritische Bemerkung des Kaisers hat i 'N Berliner Magistrat veranlaßt, den von der Stadtverordneten- ^ersammlling genehmigten Entwurf der Grünsttaßen-Brücke nach- ttiäglich noch abzuänoern. Auf der Fassaden-Zeichnung fand svich mm eine Randbemerkung des Kaisers, dem der Gust bedingungslos genehmigte) Entwurf vorgelegen hatte, und
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