Ausgabe 
21.5.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 118

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Die »Siebener LamilienblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische tanöwtet4* erscheint monaUtch einmal.

Gietzener Anzeiger

Samstag 21. Mai 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.

Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. 1 Anzeiger Gieß«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.

M Heutige Kummer umfaßt 16 Ketten

Darmstädter JUTttfeL

SR. SB. Darmsta bt, 20. Mai.

Im wunderschönen Monat Mai, wo affe Knospen fprungen, da ist auch in unferm Hessenland ein Blümlein aufgegangen ein Blümlein sehr subtiler Art, das in fast allen politischen Treibhäusern Deutschlands sorgfältig unter Glas gesetzt ist und dessen Kultur überall mit mehr oder weniger liebevoller Pflege überwacht wird, das direkte Landtagswahlrecht. Bei uns in Hessen hat man die Kultur dieses Pflänzchens schon seit einer Reihe von Jahren mit großer Sorgfalt betrieben, ohne daß es bisher gelungen wäre, zu einem lebensfähigen Organismus es zu entwickeln. Run hat sich aber der Wählrechtsausschuß der zweiten Kammer trotz aller vergeblichen Bemühungen gestern doch noch zu einem Entschlüsse anfgerasft und den Gesetzentwurf mit dem Torso über die Wahlkreisvermehrung so weit zur Erledigung gebracht, daß wenigstens die ganze Frage noch einmal vor dem Plenum der Kammer zur Ver­handlung kommen kann. Daß man sich auch im Wahlrechts- aus chuß selber durchaus keinenrosigenHoffnungen über das Endresultat der Beratung hingibt, ist von uns schon wiederholt hervorgehoben worden. Mer es ist doch gut, daß setzt endlich einmal dem unerquicklichen Hin- und. Herhandeln unter den einzelnen Parteien ein Ende bereitet wird und die Kammer nun selber wieder das Wort erhält. Am bedenklichsten erscheint, wie uns von kundiger Seite versichert wird, mit Recht die große Ver­mehrung der Mandate von 50 auf 60, die auch dem Lande eine ganz beträchtliche Mehrausgabe verursacht. Selbst wenn die Großh. Regierung darauf ein­zugehen Neigung haben sollte, so würde die 1. Kammer hier am ersten mit ihrem Widerspruch einsehen.

Zu bebauern bleibt auch, daß man den jetzigen Beschluß im Wahlrechtsausschuß nicht schon sechs Wochen früher gefaßt hat und jetzt wieder zu einer Sommertagung seine Zuflucht nehmen muß. Die vielfachen wohlmeinenden Ermahnungen zur Beschleunigung der Beratungen hat man in der Kammer alsunberechtigte Kritik' zurückgewiesen jetzt dürsten auch diejenigen, die sich am meisten darüber aufregten, ihre volle Berechtigung nicht mehr bestreitew Wäre die Entscheidung der zweiten Kanrmer vor Pfingsten erfolgt, so hätte sich auch die erste Kammer noch vor Ein­tritt der heißen Sommerzeit mit der Wahlrechts frage be- Ben können; jetzt wird das andere Haus mit seiner ng der Sache zweifellos vor dem Herbste nicht mehr den Anfang machen.

Jn Darmstadt selber steht man übrigens der ganzen Entwicklung der Wahlrechtsangelegenheit anscheinendkühl bis ans Herz hinan" gegenüber, was auch "schon daraus erhellt, daß noch keines der hiesigen Blätter nach der einen oder anderen Richtung hin dazu Stellung genommen hat. Viel mehr interessiert hier die von Mitte Juli ab statt- sindende Ausstellung auf der Künstlerkolonie, die zwar diesmal nicht in so großem, glänzendem Stil ge­halten sein wird, wie die vom Jahre 1901, aber dafür auch die Gefahr eines Riesendefizits völlig ausschließt. Die jetzige Ausstellung soll vor allem einem eminent prak­tischen Zwecke dienen, der häuslichen Behaglich­keit, denn ihren Mittelpunkt bilden die drei auf An­regung Se. Königl. Hoheit des Großherzogs von Prof. Olbrich entworfenen Muster-Wohnhäuser, die, im geschmackvollen modernen Villenstil gehalten und auch im Innern bis aufs I-Tüpfelchen behaglich und bequem aus­gestattet, für die neue Bauentwicklung in Hessen vorbildlich wirken sollen. Neben diesen drei Häusern, deren Wohnungen nach Schluß der Ausstellung von hiesigen Familien bezogen werden, sind auch alle verfügbaren Räume des Ernst-Lud- wig-Ausstellungshauses mit herangezogen. Im Mittelraum desselben wird eine kleine Ausstellung für Malerei und Plastik arrangiert, in der die neuesten Wtzrke von Prof. Habich und Cissarz Aufstellung finden. Die graphi­schen Arbeiten und eine Plakatsammlung des Letzteren dürsten noch die rechts gelegenen Räume des Ausstellungs- Hauses in Anspruch nehmen, während im linken Flügel die Werke von Dr. Greiner und Haustein Aufstellung finden werden, sodaß ptfo der Besucher ein umfassendes Bild von dem Schaffen und Wirken der jetzigen Mitglieder unserer Künstlerkolonie erhalten wird. Das Ernst-Lud- wig-Haus findet übrigens, wie im Anschluß hieran bemerkt sei, zurzeit eine wesentliche Erweiterung durch den Anbau von drei neuen Künstlerateliers, von denen zwei für Prof. Habich und eins für Dr. Greiner bestimmt sind.

Ein nicht uninteressanter Streit ist in diesen Tagen wieder aufs neue über das von Prof. Habich 51t errichtende Bismarck-Denkmal entbrannt. Das Denkmalkomitee will den großen Reichskanzler an die Stelle des jetzigen Brunnens auf dem Ludwigsplatz setzen und das Stand­bild wieder mit einer Vrunnenanlage umgeben. Dagegen sowohl, wie auch gegen den von hohen, nüchternen Ge­schäftshäusern eng umgrenzten Platz wenden sich mit Recht viele Stimmen aus der Bürgerschaft, die Bismarck als dem Reichsbegründer einen würdigeren Platz in einer freieren Lage angewiesen haben wollen. Auch wir müssen gestehen, daß ein Bismarck als Mittelpunkt einer Brunn en- lmlage nicht gerade nach unserem Geschmack ist. Oder sollten vielleicht die sprichwörtlichen drei Haare des eisernen Kanzlers den Anlaß dazu gegeben haben, ihn als eine Art Wassergott oder Nixenkönig aufzufassen, dessen tior» nehmstes Attribut der Dreizack bildete?

Jer Krieg Wissen Japan rrvd Anßlsnd.

Der Nntergenq der jspanlschen Schiffe und andere japanische Verluste.

Tokio, 20. Mai. (Reuter.) Beim Untergänge der Hatsuse" faxten drei Fregattenkapitäne, 33 andere Offiziere unb Unteroffiziere, auf dem .Posch in 0" ein Kapitän, einFregattenka p i t an .3 0 Offiziere und Unteroffiziere um. Die Zahl iber um gekommenen Mannschaft ist unbekannt. °Tas Gerücht, derSchikischima" sei beschädigt und der

Fuji" gesunken, wird hier dementiert. Es liegt wahrschein­lich eine Verwechslung vor.

Petersburg, 20. Mai. DerNuss. Telegr.-Ag." wird von einem Korrespondenten aus Mukden unter dem 20. Mai gemeldet: Die Anzahl der mit den SchiffenHat­suse" undNoschino" untergegangenen Mann­schaften wird hier auf mehr als 7 00 geschätzt. Die Nachricht rief hier aufrichtiges Bedauern hervor, weil so viele tapfere Leute, die schon Beweise ihrer Bravour ab- geleat, umgekommen sind. Der Versuch'der Japaner am 14. Mai, im Kerrgolfe zu landen, mißglückte. Die Vorposten unseres Kwantung-Detachements wurden am 16. Mai von den Japanern bei Sanschilipu angegriffen. Die Iapan ^r hatten beträchtliche Verluste uno stell­ten den Vormarsch ein. Unser Detachement zog sich, nachdem es eine Rekognoszierung ausgeführt hatte, auf Kintsch 0 u zurück. Die Meldungen englischer Blatter, von einem japanischen Angriffe südlich von Haitscheng, wobei unsere Verluste 2000 Mann betragen hatten, entbehren der Begründung.

Petersburg, 20. Mai. Wie ent Telegramm des Statt­halters Alexejew an den Kaiser von heute meldet, traf in der Nacht auf den 20. Mai mit der Post ein Bericht von dem Kontreadmiral Witthöfft ein, nach welchem sich am 1.6 Mai drei feindliche Panzerschiffe und drei Kreuzer, die am Morgen vom Osten kamen, zeigten. Von Liautischan und dem Goldenen Berge aus folgte man ihren Be­wegungen. Nachdem die Schiffe den Meridian "von PortArthur passiert hatten, wandten sie sich nach Osten und begannen scheinbar eine neue Schlachtordnung einzunehmen, als unter dem Vorderteile des dritten, eines mit zwei Schornsteinen versehenen Panzerschiffes vom Typ desFuje" eine Explosion bemerkt wurde. Das Panzerschiff stoppte und neigte sich auf die rechte Seite und fuhr weiter, aus dem Vorderteile große Dampfwolken ausstoßend. Zwei Kreuzer näherten sich ihm sofort und auf dem Goldenen Berge bemerkte man, daß sie Kutter aussetzten. Gleichzeitig näherte sich ein anderes mit drei Schornsteinen versehenes Panzerschiff, Typ Schikischima, dem Orte der Havarie und unter dem mittleren Teile explodierte eine Mine. Hierauf fand eine zweite Explosion statt, die der des Petröpawlowsk glich. Nach einer Minute sank das Panzerschiff. Das dritte Panzerschiff fuhr in die See hinaus, während der Kreuzer aus der Unglücksstätte verblieben war. Witthöfft sandte 16'Torpedo- boote aus, um den Feind zu beunruhigen und im geeig­neten Momente die einzelnen Schiffe anzugreifen. Der Kreuzer Nowik" verließ den Hafen, um nötigenfalls die Torpedoboote su unterstützen. Die Kreuzer machten Dampf auf. Während dessen näherten sich vom Meere her fünf japanische Kreuzer, die aus allen großen Geschützen Feuer auf die Torpedoboote er­öffneten, welche unbeschädigt zurückkehrten. Das beschädigte Pan­zerschiff verschwand inzwischen mit den Kreuzern am Horizonte, die es vor der Verfolgung schützten. Nachts wehte eine frische Brise. Ilm Morgen des 16. Mai näherten sich drei feindliche Torpedoboote der Unglücksstätte, gegen die der Admiral den KreuzerNowik" aussandte, worauf sie sich ins Meer zurück­zogen. Das in der Kerrbucht gesunkene Schiff ist nach den Schornsteinen und nach dem Mastkorbe auf dem Fock­maste zu urteilen, die bei geringem Wasserstande sichtbar sind, anscheinend ein Kreuzer. Bei dem Versuche in der Kerrbucht zu landen, erlitten, wie berichtet wird, drei Torpedoboote, die die Landung decken sollten, Beschädigungen durch russische leichte Artillerie.

L 0 n d 0 n, 20. Mai. Aus Tfchifu meldet Reuters Bureau: Nach einem japanischen Privat-Telegramm wurden außer den SchiffenHatsuse" undPoschino" am letzten Sonn­tag bei Dalny noch 2 japanische Schiffe beschä- bi g t. Die Russen behaupten, daß bei Pottt rAthur noch ein weiteres Schiff kampfunfähig gemacht würbe. Heute früh würbe bort schweresGeschützfeuer gehört. Chinesen aus Dalny berichten, baß bie Russen bie Herr­schaft über bie Eisenbahn einen Tag wieber gewannen unb bann wieber verloren.

Niutschwang, 20. Mai. (Reuter.) Die Nachricht von dem Rückzug ber Japaner wirb amtlich be­stätigt. Derselbe beruht auf folgenben Umftänben: Die Japaner trafen am Montag 60 Meilen westlich von F ö n g - wangtschöng auf 32000 Russen in einer sehr starken Stellung unb zogen sich vorsichtigerweise sehr schnell, aber in guter Drbnung zurück. Ein Bericht aus russischer Quelle besagt, baß zwar keine eigentliche Schlacht [tattgefunben habe, baß aber bie Kosaken bie Flanken der japanischen Division beunruhigt hätten, bis biese wieber zum Hauptkorps gestoßen war. Die Verluste währenb des Rückzuges waren auf beiben Seiten be­trächtlich.

Petersburg, 20. Mai. Wie General Kurv­st at kin von gestern an ben Kaiser aus Liaujang be­richtet, begann eine Kosakenabteilung am 18. Mai um 8 Uhr morgens in ber Gebirgsgegend nördlich von Föng- wangtschöng ein Ges echt mit einer 'Abteilung ber japanischen Vorhut, bas bis 2Vs Uhr nachmittags bauerte. Der Gegner würbe auf eine Ausbehnung von 20 Werst aus vier Stellungen zurückgebrängt. Die Verfolg­ung ber japanischen Abteilung würbe aufgegeben. Bei Dabianbsi, 18 Werst nördlich von Föngwangtschong, wurden 6 Kosaken verwundet. Im Tsacho-Tale bis zu dem nach dem Fschangulinpasse, 25 Werst nördlich von Föngwangt- chöng, führenden Wege unb im Mhotale auf ber Straße Saimabsa-Kuanbiansian bis Diendsialinda würben Gegner nicht gesehen. Eine japanische Schwadron, bie am 17. Mai aus Kuandiansian nach Saimabsa ausrückte, drängte eine russische Streifwache bei Chaego, 15 Werst von Kuandiansian zurück. Diese entfernte sich ohne Verluste. Am 15. Mai näherten sich 2000 Mann japa­nischer Infanterie Sailidsaipubsa, kehrten jedoch eiligst nach Föngwangtschong zurück. Am 16. Mai wurde Salidsai- )ubsa von ber japanischen Kavallerieabteil- ung geräumt.

Tientsin, 19. Mai. (Reuter.) Aus Niutschwang wirb gemelbet: Die Russen jubilieren über ben Erfolg, ben ihre Truppen errungen, inbem sie bem Bo r- rücken derJapaner vonFöngwangtschöng aus Einhalt getan haben unb betrachten es als ein günstiges Vorzeichen, baß btefer Erfolg am Geburtstag des Kaisers erlangt wurde. Nach den letzten Nachrichten cfte die japanische Jalu-Armee in zwei Di­visionen vor, eine auf Haitscheng, die andere auf Lian- jang. Man glaubt, baß bie Russen ihre Streitkräfte zu­

sammenziehen unb süblich von Laiaujanh auf bie Ja- paner stießen, bie sie zurücktrieben unb ihnen schwer« Verluste beigebracht haben.

Petersburg, 20. Mai. Um Mitternacht war das Gerücht verbreitet, der Führer ber ersten japani­schen Armee, Kuroki, sei zurückgeworfen unb habe gro ße Verluste gehabt. Eine amtliche Bestätig­ung liegt noch nicht vor.

Kobe, 20. Mai. Infolge ber hier eingetroffenen 5e - trübenben Nachrichten wurde zum Zeichen ber öffentlichen Trauer überall Halbmast geflaggt Viele Theater haben geschlossen.

Daß bie Russen nicht baran beuten, ihre Schiffe im Hafen von Port Arthur burch "Spreng­ungen unbrauchbar zu machen unb zu versenken, haben sie jetzt schlagenb burch ben Untergang zweier java-' nischer Schiffe bewiesen. Die infolge ber ersten einander zum Teil wibersprechenben Nachrichten aufgetretene An­nahme, baß 4, nicht nur 2 Schiffe untergegangen sinb, ist heute noch weniger berechtigt als gestern.

Das japanische LinienschiffHatsusi", eins ber besten Schlachtschiffe Japans, ist wahrscheinlich von einer kürz­lich von russischen Torpedobooten gelegten Mine vernichtet worben. Daß es keine verirrte Mine war, scheint schpn bie Tatsache zu beweisen, baß berHatsuse", währenb er nach ber ersten Explosion um Hilfe signalisierte unb jeben- salls ganz iangfam fuhr, auf eine zweite, also gcnH dicht habet liegenbe Mine auflief. Vielleicht haben bie russi­schen Torpeboboote ganz ähnlich unb jebensalls mit bem- selben Erfolge gehanbelt wie bie japanischen in ber Nacht vor bem Untergang besPetropawlowsk". Von Port Arthur aus hat man bie japanischen Schiffe bei Tage auf* und abpatrouillieren sehen, zum Schutze der Truppenland­ungen, und eines Nachts oder jede Nacht verläßt eine An­zahl russischer Torpedoboote Port Arthur, um in ben von Den Japanern befahrenen Zonen Minen zu legen. Sichere Chancen sinb bas in einem unbegrenzten Hochwasser natür­lich nicht, aber je mehr Minen ausliegen, besto größer bie Wahrscheinlichkeit, baß jemanb beroaufläuft; nun ist es geglückt. Interessant ist bie Angabe bes Abmirals Togo, baß man zurzeit bes Unfalles, zehn Seemeilen von Port Arthur entfernt, eine sehr starke russische Torpeboboots- slottille sah, welche erst von den japanischen Kreuzern ver­jagt werben mußte. Die Verteibiger von Port Ar­thur scheinen also einen Unternehmungsgeist zu besitzen, wie sie ihn zu Anfang bes Krieges nicht gezeigt haben. Ohne Zweifel geht man, seitdem tiefgehenbe Schiffe nicht mehr aus Port Arthur auslaufen, sehr viel rücksichts­loser im Minenlegen vor, benn Torpebo fahr zeuge laufen, wenn bie Mine auf ber richtigen Tiefe liegt, ohne sie zu berühren, über sie hinweg, sie können also nur ben Feind gefährden. Die Nachrichten beweisen ferner, daß von einer tatsächlichen Blockade Port Arthurs noch nicht d i e R e d e ist. Das leichte Geschwader des Admirals Kattaoka scheint beinahe ausschließlich mit Wegräumen und Suchen von Minen in ben Buchten beschäftigt zu sein; eitt kleiner Kreuzer unb ein Torpeboboot fielen diesem gefähr­lichen Dienst neulich zum Opfer.

Ueber Japans Pläne itt Bezug auf Port Arthur erhalten wir heute folgenden eigenen Drahtbericht:

Tokio, 20. Mai. Sobald die Vorarbeiten beendet sind, werden die Japaner den Angriff auf Port Arthur versuchen. Die Belagerungsgeschütze sind noch nicht in ihre Stellungen gebracht. Auch werden die zum Sturm auf Port Arthur bestimmten Truppen noch verstärkt werden müssen. Matt ist zwar überzeugt, daß dieser Angriff große Verluste erfordern wird, aber man glaubt, noch größere Verluste an Men­schenleben ersparen zu können, wenn man die Befestigungen unschädlich macht, zumal das Vorhandensein un- beweglicherMinen eine stete Gefahr bildet und ein heroisches Vorgehen erfordert.

Russische Verluste.

Tokio, 20. Mai. Amtlich wird gemeldet, daß der Feind (die Russen), welcher an dem Gefechte in der Nähe von Kin- tschou am 16. Mai teilnahm, aus den 5., 14., und 16. Scharf- jchützenregimentern bestand und 8 Echnellfeuergeschütze hatte. Nach Mitteilungen von Gefangenen soll der Verlust des Feindes 300 Mann betragen.

Tokio, 20. Mai. Amtlich wird bekannt gegeben: Eine zu den japanischen Streitkräften auf der Halbinsel L i - autung gehörige Abteilung Infanterie, die eine Rekognoszier­ung in der Richtung auf Schantsuchan machte, traf auf 2 Ab­teilungen russischer Infanterie, die nach einem halb­stündigen Gefechte zurückgeworfen wurden. Russischer­seits fielen 1 Offizier und 40 bis 50 Mann. Japani- cherseits 1 Offizier und 4 Mann, ein Offizier unö 8 Mann wurden verwundet.

Politische Tagesschau.

Da8 Telegraphon.

R. Aus Berlin, 20. Mai, wird uns geschrieben:

Dem Kaiser ist heute vom Staatssekretär des Reichspostamts dasTelegraphon" vorgeführt worden. Es handelt sich um die geniale Erfindung des Dänen Paulsen, die auf der Pariser Welt­ausstellung das größte Aufsehen erregte. Das Telegraphon zeichnet telephonische Gespräche derart auf, daß die Wiedergabe nach Art des Phonographen, nur klarer und völlig frei vonNebengeräuschen und von beliebig langer Dauer, von dem Apparat selbsttätig erfolgt. Wie große Bedeutung ein solcher Apparat im Geschäftsleben usw. hat. leuchtet ein. Es läßt sich annehnccn, daß nunmehr seitens der Post- und 2e^egla^^en= Verwaltung die praktische Einft'ihrung der Erfindung geplant ist

Deutsches Keich.

Berlin, 20. Mai. Der Kaiser spendete zur Er­bauung einer pädagogischen Zentr al-Bib tio- thek des Comenius-Vereins in Leipzig 1000 0 Mk.

Der Konservative Verein für Halle unb ben Saal­kreis hielt gestern eine zwanglose Zusammenkunft ab, die ehr zahlreich besucht war. In derselben berichtete ber Vorsitzende des Vereins, Professor Suchstand, daß er bei dieser Gelegenheit eine Audienz bei dem Eisenbahnminister-