Ausgabe 
21.4.1904 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

no

lief) 300 000 Kronen.

Wien, 20. April.

aktcn des bayrischen ehemaligen Bezirksgerichts W. liches Leumunds- und Permöqenszeuqnis lautete.- Leumuth ist talentvoll und betragenswert; doch lebt er i, contumaciam (gemeint war Konkubinat). Vermögens hältniffe bat derselbe Feine/

Ilniverfitäts-Hlachrichten.

Der seit 1898 in Dresden im Ruhestände lebende ordentl. Professor der Pharmakologie an der Universität , Dr. med. Karl Gactbqens, vollendet am 22. Avni " 65. Lebensjahr, Gaethqens stammt aus Hobjnd in Voll 1875 bis 1884 war er ordentlicher Professor in Nohoä. -:< her lehrte er in (Siefsen. Sein Nachfolger in (dienen ift Prev'» Tr. Geppert (trüber in Bonn).

Gcrichtslaat

Hanau, 20. April. Eine tieftraurige Familien!,ene, tr- anlaßt durch einen ungeratenen Sohn, der a e g e n

vermachtes.

* Paris, 20. April. Der Buchhalter einer hiesigen Bank ist gestern wegen Unterschlagung von 100,000 Frcs. verhaftet worden. Er war Mitglied zahlreicher politischer Vereine und hatte sich für die Gemeinderatswahlen als Kandidat aufstellen lasten.

Nizza, 20. April. Der Bankier Gayraud hat nach Hinterlassung von 2 Millionen Frcs. Schulden die Flucht ergriffen. Gayraud war Leiter der Nizzaer Bank- und Kreditanstalt.

* Eine Lawinen rata st rophe bei Pragelato in Oberitalien. Am 19. d. M. zerstörte eine Lawine bei Pragelato eine Anzahl Hütten, worin Bergarbeiter Unterkunft gefunden hatten. Ungefähr 100 Arbeiter sind verschüttet worden, wovon nur 25 sich retten konnten. Anwohner, unterstützt von Truppen, versuchten trotz des herrschenden Unwetters zur Unglücksstätte zu ge­langen, um den verschütteten Arbeitern zu Hilfe zu kommen. Das Unglück geschah, als Minenarbeiter wegen der La­winengefahr in Trupps in die Ebene steigen wollten. Später wurden nur acht herausgezogen Die Rettungs- arbeiten dauern fort.

* Aus der Gerichtspraxis. In den fünfziger Fahren des vorigen Jahrhunderts wurde vom Landgerichte W. eine Zählung der im Bezirke vorhandenen Hengste vorgenommen. Der Gemeindevorsteher v. R. berichtete:Hengst besindet sich in diesseitiger Gemeinde keiner, mit Ausnahme des Herrn von Hirsch, welcher aber inzwischen gefallen ist/ Gendarm 3E., der an der Straße ein großes hölzernes Kruzifix wahr­genommen hatte, das umzufallen drohte, versah seine hierüber erstattete Anzeige mit dem Rubrum:Einen sicherheits­gefährlichen Herrgott betreffend."Ein in den Straf-

kann, wird ja allseitig geteilt, ob aber der jetzige Qeihmnfi- v . sonder? geeignet ist, möchte ich doch sehr bezweifil,, Ä ?? be-> unS später eventuell dann mtt Recht den Vorwurf machen vi- r die Ereignisse in keiner Weise vorausgesehcn haben. ' toie:

Abg. Dr. Pansche (nat.-lib.): Wir müssen uns mit der wärtigen Situation zufrieden geben, wennqleüii 011d) baldige Zurückziehung der Brigade wünschen J"6 waltungsapparat für die schwache Brigade scheint n dings auch mir zu groß. Die Koniniission bat auch gerade an diesem Apparat Abstriche gcnmctit. Tice Ln wir nicht verringern Wiederherstellen wollen wir nur n,0,fn sönliche Ausgaben, die aber durch Abstrich.- in anderen wieder ausgeglichen werden. " ^""None,,

Abg. Lcdcl'onr (Soz.) meint, es lasse doch tief blicken s Reichsschatzsekretär in der Kommissioil die Beineikuim' l>öde ? n lassen, die ostasiatische Brigade muffe künftig ihren j, scn narium finden, statt, wie bisher, im Extraordinarinm. V ^röl

Staatssekretär Frhr. von Richthofen weist nochmals hnr n hin, daß die Brigade nur als eine temporäre Jnstituiion ad

Nach Erledigung einiger nicht strittiger Posiüc .. lr, Deiterberatung auf Donnerstag 1 ll h r vertag! VF; . . . . Interpellation der Sozialdemokraten bett die 2 t i HI c der Kohlenzechen-, ferner Etat d> und des Reichsmilitärgerichts, sowie K o L v h i (e t a V

Schluß 6=5 Uhr.

Grunde, weil wir angesichts der gegenwärtigen kriegerischen Ver­wickelungen in Ostasien uns besondere Reserve auferlegen zu müßen glauben. Damit wollen wir aber keineswegs die Passivität der Re­gierung in dieser Sache gutheißen, und noch weniger wollen wir damit etwa unsere Sympathie für die Einrichtung einer Kolonial­armee ausdrücken.

Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Ich glaube, daß, wenn ber Herr Vorredner von einer Passivität der verbündeten Regie­rungen in der Frage der Zurückberufung der ostasiatischen Brigade gesprochen hat, dies der Sachlage nicht entspricht. Die Regierungen haben im Verlaufe von verhältnismäßig kurzer Zeit diese Brigade von 20 000 Mann auf 4800 und dann wieder auf 2600 Mann reduziert. Von einer Passivität kann also nicht die Rede sein.

Im übrigen will ich dem Vorredner die Versicherung abgeben, daß die verbündeten Regierungen die Brigade nicht als dauernd sondern als temporär ansehen. Die Sck'lußausführungen des Vor­redners enthalten übrigens die Rechtfertigung für die Haltung der verbündeten Regierungen, daß sie es nicht für angezeigt erachtet haben, zur Zeit gerade eine weitere Reduktion der Brigade vorzu­nehmen.

Präsident Graf Ballestrem: Das Wort hat nun der Abge­ordnete Frhr. von Richthofen. (Heiterkeit.)

Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) meint, bei der gegenwärtigen Lage sei es ganz unmöglich, unsere ostasiatiscke Brigade zu ver­mindern, man könne gar nicht wissen, welche Aufgaben ihr noch be­vorständen, namentlich hinsichtlich der Aufrechierhaltung der Neu­tralität von China. Die Abstriche der Kommission würden es der Brigade erschweren, ihrem Zwecke gerecht zu werden.

Weitere 5 00 Eisenbahnangestellte, die aus Fiume eintrafcn, wurden verhaftet, die Arbeiter in den Werkstätten des Wcstbahnhofes erklärten sich mit den Aus­ständigen solidarisch. Nach einer polizeilichen Mitteilung bemächtigten sich 750 Angestellte in Biatorbazzoines eines Zuges und leiteten ihn hierher. Bei der Ankunft wurden sie von der Polizei in Empfang genommen. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet. Tie Drahtver­bindung zwischen Budapest-Marchegg und Budapest- Zsolna ist unterbrochen, da die Ausständigen die Tele­graphen und die Fenster demolierten.

Der Bahnverkehr auf einer ganzen Reihe von Strecken ist eingestellt. Aus der Provinz treffen Dele­gierte der Eisenbahnangestellten zu der hier statlflndeuden Versammlung ein. Gin Teil derselben wurde beim Ein­treffen verhaftet und wird auf dem Bahnhofe von Militär und Polizei bewacht, um eine etwa beabsichtigte Zerstör­ung des Bahngeländes zu verhindern. Die Ausständigen entsandten eine Mordnung zum Ministerpräsidenten. Sie machen ihr weiteres Verhalten von der Antwort abhängig, die sie von ihm erhalten. Die Lebensmittel steigen im Preise.

Auf Anordnung der Regierung wurden heute die ver­hafteten Eisenbahne r wieder in Freiheit ge­setzt. Jin Laufe des Abends wurden auf Anregung des demokratischen Abg. Vazsonhi und des Abg. Voeroes Verhandlungen wegen Beilegung des Streiks eingeleitet, an denen auch Staatssekretär Serenyi und der Präsident der Staatsbahnen Ludwig teilnahmen. Die Ver­handlungen dürften bis heute früh andauern. Es besteht sichere Aussicht auf Erfolg. Sämtliche Stationen der Hauptlinie sind mit Militär besetzt, welches mit Hilfe der dem Streik nicht feige treten en Eisenbahnern und des Eisenbahnregiments, sowie des JNgcuieurkorps als Loko­motivführer die Wiederaufnahme des Verkehrs ermöglichen wird. Aus Frankreich und Oesterreich sind bedeutende Be­träge zur Unterstützung der Streikenden eingelangt, angeb-

eigenen Vater den Mordsta hl zückte, stand qc-iemtu Aburteilung des Schwurgerichts. Der Angeklaqie ist der cn 2. November 1876 geborene Steinbrucharbeiter (ielianiics Cr u r i! ältester Sohn des Schreiners Johannes Eurich VL von Ubcnb: r. Tie Anklage legt ihm versuchte Tötung, beqanqcn qr 1 den eigenen Vater, und versuchte B r a n bft i itunq an iti Vaters Wohnhaus zur Last. Tie Verbandlnnq ergab fer - den Tatbestand: Schon seit einiger Zeit war Johanne" " gegen seinen Vater übel gesinnt, ohne daß letzterer ei rn- gegeben oder eine Erklärung dafür hätte finden fiinnen Ar des 1. Februar, einem Montag, trank der Angeklagte mn Kameraden und seinen beiden jüngeren Brüdern in der L ein Fäßchen Bier Der Vater kam gegen .11 Uhr m anack Zustande nach Hause und trank ein Glas Bier mit. Cn ft dem Johannes noch auf den Schoß und süßte ihn und bis dahin gut abgelausen. Ta forderte der" seinen Vater auf, zu Bett zu geben, cs sei Zett für M i« antwortete, das habe er nicht nötig. Der SoVn rourt» ran zornig, schlug mit der Faust auf den Tisch, rollte bie knirschte mit den Zähnen, rooronf sein Vater sagte, tr sein, sonst tue er ihn hinaus. Die beiden wurden nun einen blick handgemein, dann sprang der Angeklagte an du (abe, entnahm dieser ein starkes Brotmesser und stürz» au Vater loS, mit dem Meffer so lange aus ihn rnittaenc besinnungslos und blutüberströmt zu Boden 'lürzie. rorv der saubere Sohn noch gerufen, jehk ist eS au-,. Gendarm und der Bürgermeister kommen, rie an,.u.. wesenden hatten ans Angst vor dem ram - ' - . die Flncht ergriffen. Darmes forderte der Täter semen gang weilenden Bruder auf, ihm seinen guten Stoff > herunter,utfelen, er gehe nun wieder nach Westfalen. ' brachte den Rock und half ihm beim Anziehen, fotnj1 aber auf dem Leibe, als er auch schon nach der Tata a - . ein Messer herauszog. Ter Bruder ergriff nun Io - Flncht und wie recht er hatte, geht daraus hervor, geklagte einen Türflügel abriß und ihn dem Bru - Nach einer Weile sahen ihn die Tranßenstehendcn bewaffnet das Hans verlaßen und den Weg nam - gelegenen Nachbarhause einschlageu. Zu nlctcner ,5 auch die in der Angst hinaus geflüchteten 2euie " ' .

in der Werkstatt, woraus sie bineinliefen. E? bran f späne und Holzabfälle, bie herumlaqen: sie konnte werden. Es ist nur ein Zufall, daß der Lohn > -

Stelle getroffen und den sofortigen Tod fernes 1 a

hat. Nachdem der Angeklagte das väterliche vat bh

wandte er sich zu seinem Nachbar Weiggerher, jm gegen morgen sich aufhielt. Nachher leate er ft® , Hause wohnenden Familie Brill ins Bett, auc- .... Gendarm mittags verhaftete. Die Verhandh 9 ,(< Mu

Bild menschlicher Verkommenheit "vd Rohheit.

der am Bein noch gelähmt ist, wahrscheinlich o » i:::

des Sohnes herrührend, verweigerte nackt kurz ' an>exc' Zeugnis^ ebenso der eine Bruder, roahreno e Brüder Zeugnis ablegten. Dem einen von

«Oflte auch flebroet, er muffe sterben. *

den Angeklagten der versuchten Tötung Mulbi. ,ckai" der versuchten Brandstiftung rourbe verncmt. - t &er bürge? auf eine Zuchthausstrafe von vier Fahren,

lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fiml I u' pcntru' Dresden, 20. April. Das h-efee Landq^,,,

heute den Redakteur derSächf. Arbetter-Ztg»forr - , Beleidigung deS « au t] c n er ।DH'' hfltte ;n

vier Monaten Gefängn iS. Der cknge^ $aunfner So? Zeitung behauptet, die Offiziere hätten tn bnbtt von Äit einer BiirqerStochter Orgien gefeiert und feie»

Vater des Mädchens überrascht worden. ,. #itörf1^;

Stargard,20. April. Der RUterqu'sbM anl^lic6 > wurde wegen Beleidigung bev Abg. <iäna11 Reichstagswahl vorn Schöffengericht zu i o strafe oder 15 Tagen Gefängnis ventrtet - rcct.;v'(': ;

BriMel, 20. April.. Die ,,,f,n r> r :

Urteil in dem von ben Gläubigern bet v Lonvov sowie von der Prinzessin Stefan ,

Nichtigkeitserklärung des Test amen t. e Part

strengten Prozesse. Das E e richt w f jpon j kost enpi l i ch , - ab und flcül 6er '

ein diplomalilcher Vertrag lei und der N.'chl-» __

Grundlage der Gütertrennung ztt regetni-^^^^^^^

Aie Weichsstnanzresorm.

Berlin, 20. April.

Die Budgetkommission des Reichstags beriet den Gesetzentwurf betr. Acnderungen im Finanzwesen des Reiches. Sckmtzsekretär Frhr. v. Stengel bemerkte zu den Materialien, welche er der Kommission gemäß dem früher angenommenen Antrag Müller-Fulda zustellte, die­selben nur unter Vorbehalt aufgestellt zu haben. Sie zeigen eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die finanziellen Folgen der Militärvensionsnovelle und des Zolltarifgesetzes usw. seien keineswegs sicher vorherzusagen. Die Bearbeitung des Materials habe nur das Bewußtsein der Notwendig­keit einer Finanzreform zur Beseitigung der Verworrenheit verstärkt. Er werde seine ganze Kraft einsetzen, um die Finanzverhältnisse des Reiches zu bessern. Bei der Vorlage handle es sich keineswegs um Aufhebung der M atrikularb eitr ä ge. Die Frage nach Mitteln zur Herstellung eines Gleichgewichts sei schwer zu beantworten, solange die Einnahmen des neuen Zolltarifs nicht bekannt feien. Redner fuhr fort, im Jähre 1904 werde die Maisch­raumsteuer eine den Voranschlag weit übersteigende Ein­nahme geben. Das Schatzamt werde die erneute Prüfung der Frage der Besserung der Brausteuer bei den ver­bündeten Regierungen befürworten. Die Frage der Heran­ziehung des Stärke zu ckers zur Besteuerung be­gegne Bedenken. Die Regierimgen seien ihr noch nicht nähergetreten. Redner bestritt, daß die Finanzreformvorlage irgendwie eine Schmälerung des Budgetrechts des Reichs­tags bedeute, und erklärte sodann die voraussichtlichen Mehrforderungen des nächsten Jahres. Es sei jetzt mit einem chronischen Defizit von etwa 100 Millionen zu rechnen. Vor einer Ueberschätzung der Erträge des neuenZolltarifes sei zu warnen. Die Nahr­ungsmittelzölle seien für Witwen- und Waisen-Ver- sicherung festgelegt. Er halte es für dringend, die Vorlage wohlwollend zu prüfen. Die Vorlage sei der dritte Versuch in zehn Jähren, scheitere er, so werde in absehbarer Zeit kaum ein neuer erfolgen und die Finanzen weiter abwärts gehen. Abg. Dr. Paasche (nl.) spricht seine Befriedigung aus über Du'e vorgelegten Materialien. Abg. Müller- Fuü>a (Ztr.) schließt sich an und bemerkt sodann, das sächsische Finanzministerium habe die Hoffnung aus­gesprochen, daß es zum letzten Male Matrikular- beiträge zahle. Was solle denn an deren Stelle treten? Dabei fordere man jetzt in Sachsen eine Flottengroßmacht. Ein dortiger Offizier a. D. forderte 794 Millionen für neueSchiffe. Ms Mittel zur Durchführung der Finanz­reform bleiben nur, von den Anleihen abgesehen, Ma- trikularbeiträge oder neue Steuern. Solange die Frage nach einem Mittel ungeklärt sei, sei die Vorlage unannehmbar. Der sächsische Gesandte Graf H o h e n t h a l erklärt, Minister v. Metzsch habe sich durchaus nicht identisch erklärt mit den erwähnten, in einer Versammlung entwäckelten abenteuerlichen Plänen.

Kisenöaönerstreik in Ungarn.

Budapest, 20 April.

Der Streik der Eisenbahnangestellten ist durch die Ent­täuschung hervorgerufen worden, welche der vor einigen Tagen dem Abgeordnetenhause vorgelegte G.'setzentwurf über die Gehaltsregulierung der Eisenbahnange­stellten bei diesen verursacht hat. Die Ausständigen ver­langen Gehaltserhöhung in der Höhe, die in einer Denk­schrift angegeben ist. Falls ihnen dies Zugeständnis ge* .macht wird und den Führern des Ausstandes General- ainnestie erteilt wird, sind sie bereit, den Ausstand zu be­enden. Wie verlautet, wandte sich der Präsident der Staats- bahnen an den Rektor des Polytechnikums mit dem Er­suchen, der Verwaltung Polytechniker zur Verfügung zu stellen, welche das Examen bestanden haben und als Lokomotivführer verwendet werden können. Tie Orientexpreßzüge Paris-Konstantinopel sind in der Nacht nach beiden Richtungen, wenn auch mit großen Verspät­ungen, abgegangen.

Vor der heutigen Sitzung des Abgeordneten­hauses versammelten sich Mgeordnete aller Parteien, um die Lage zu besprechen. Der Ministerpräsident er­klärte, die Regierung könne mit dem streikenden Element nicht verhandeln. Sie traf Maßregeln, durch Heranziehung von Militär die Ordnung wiederherzustellen und durch Ver­wendung des Eisenbahn- und des Telegraphenregiments bie Wiederaufnahme des Verkehrs zu ermöglichen. Es müsse ein Exempel statuiert werden. Gegenüber den ver- .leitenden Elementen woNe die Regierung Nachsicht walten lassen. Bisher wurden 4 50 Eisenbahnangestellte verhaftet. Bei der Eröffnung der Plenarsitzung herrschte große Erregung. Ter Ministerpräsident wurde beim Be­treten des Saales von der Rechten mit brausenden Eljen- rufen, von der Linken mit stürmischen Protestrufen em­pfangen.

Jm Abgeordneten Hause erklärte der Handels­minister, es sei die erste Pflicht der Regierung, den Verkehr aufrecht zu erhalten. Man sei deshalb bereit, die Aus­ständigen, falls sie unverzüglich zu ihrer Pflicht zurück­kehren, wieder aufzunehmen Seien sie nicht dazu geneigt, werde die Regierung Mittel finden, den Betrieb nichtsdesto­weniger ohne Störung abzuwickeln. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Südekum (Soz.): Wenn man sich den Etat des Aus­wärtigen Amtes ansieht, muß man glauben, wir befänden uns in Zeiten des größten Ueberflusses, aber nicht der Finanzklcmmc. Wir sind für eine möglichst baldige Auflösung der ostasiatischen Brigade. Wir ersuchen den Staatssekretär um Auskunft über die internatio­nalen Verträge, die uns angeblich verpflichten, die Brigade noch dort zu lassen. Leider haben wir darüber bisher noch nie etwas erfahren. Eine Unmenge Beamten hat man neben der Brigade hinausgesandt, eine Reihe von Sinekuren hat man geschaffen, es findet sich sogar im Etat ein Posten von 40 000 Mk. zur Heranziehung von Familien nach China. Wie reimt sich bas zusammen mit dem angeblichen Kriegszustände der Brigade? Dann ist es ja eine Barbarei, auch die Frauen noch nachkommen zu lassen. In Wahrheit dürften die Damen aber wohl auf dem Lawn-Tennisplatze oder im Teehausc gebraucht werden und die Brigade lediglich dekorativen Zweck haben. Das zeigt, wie recht wir haben, wenn wir den ganzen Etat rücksichtslos ablehnen.

Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Ich halte mich für ver­pflichtet, aus der Reserve herauszutreten, die der Vorredner er­wartet hat. Es besteht keinerlei staatsrechtlicher Zwang, unsere Brigade in der Höhe in China zu erhalten, in der sie dort ist. Es handelt sich lediglich um eine Verabredung unten den militärischen Kpmmandcuren. Wenn der Herr Vorredner glaubt, daß die Brigade lediglich dekorativen Zwecken dient, so hat sich dieser angeblich deko­rative Zweck in den letzten Jahren doch sehr bewährt. Wenn man gleich den Abmarsch der Truppen durchgeführt hätte, bann wären die Verhältnisse für die Fremden sehr ungünstig geworden, dann hätten wir unsere. Position dort gar nicht behaupten können. Der Wunsch, daß die Operationsarmee möglichst bald aufgelöst werden

Lchiffsmchrichtcil.

N°rdd°uNch°rL-°°^^^

I» Wirten vertreten durch «««'

Srcmen. 1R. April,

Der Toppelschrauben-Postdampferfyanthin 16 «j^nl, 9

vorn Norddeutschen Lloydgekommen.

.ormittags, wohlbehalten m Baltimore ang«o

Infolge des Streiks wurde der gesamte Verkehr nach und von Ungarn über Bruck und Marchegg eingestellt. Der heute früh hier über Marchegg fällige Orient-Expreßzug von Budapest verkehrte bis hierher als Sondcrzug. Ter Verkehr von hier nach Ungarn ist Nur noch mit dem DamPf- boot und über die Südbahnlinie möglich.

'Dartamcntarisches.

Berlin, 20. April. Die Wahlprüfungs-Kom­mission beschäftigte sich heute mit der Wahl des Abg. Fuchs (Ztr.), der im 6. Trierer Wahlkreis Ottweilcr-St. Wendel gewählt ist. Man beschloß, über eine Reihe von Punkten Beweis zu erheben.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Be­ratung des Etats des Ministeriums der auswärtigen An­gelegenheiten fort, welcher ohne besondere Debatte ge­nehmigt wurde, ebenso der Etat der Staats-Archive. Dann folgte die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Dien st aufsicht bei o en Amtsgerichten. Der Entwurf wurde abgelehnt. Angenommen wurde der Gesetzentwurff wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die Regelung derRichtergehälter. Es folgte dann der Etat der Justizverwaltung. Bei der Abstimmung ergab sich, daß das Haus nicht beschlusifäbig war.