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Nr. 68
154. Jahrg
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe»
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SSM?” ‘VT • Tagesordnung. Die Nähe der wiesen haben. Die Bitte des Vorredners jedoch, die Artil -wsstschen Grenze ube da wohl einen gewissen Einfluß aus. Jede | Schulschiffe, die nach Sonderburg verlegt werden sollen, nach Sl
Swine:
schwere Verluste
nachmittag folgendes
Gouverneur Leutweiu
SlnfffHongbnrf und Berka, bet verblich« UnioenttätSönitf«et UL San,«. Nttßen.
Redaktton, Expedition u. Druckerei: ScbuMr.7.
Tel. Nr. 5L lelegt.-ttbt*; Llnzetger Gießen»
Erscheint täglich mit Ausnahme des SmmtagS.
Die „Gießener Samtltenblätter“ werden ben »Anzeta^ otennc wöchentttch beigelegt Dc »Hcsfis i. Land- tr» * erschein: monatttch einmal
Präsident Graf Ballestrem wünscht dem Hause gute Erholung und frohe Osterseiertage. *
Nächste Sitzung: D ien stag, den 12. April, 2 Uhr.
D^ratung der Münznovelle und Fortsetzung der Etats-
debatte: Reichskanzler und Auswärtiges Amt.)
Schluß 5% Uhr.
6 3. Sitzung vom 19. März.
5 Uhr. Das Haus ist schwach besucht.
tditiitfen.
Wir verbreiteten am SamStag KxLirablatt:
Berlin, 19. März, 3 Uhr 30 Mio.
schwere UeiLuste in Südwestafrika.
Eine überaus schmerzliche Unglücksbotschaft traf am Launstag nachmittag aus Südwestafrika ein. Die Kolonne rr-z Majors o. Glasenapp, die bisher noch kein ®e= iiiit mit den Hereros hatte, aber durch die forcierten Nacht- M Gewaltmärsche erst nach dem Osten der Kolonie und
ÜMaphiert heute: Glas e n app stieß, den Kompagnien voraus- ilk«'d, am 13. Mär; mit einem Stabe zahlreicher Offiziere und -S Löeritlenen aus die Nachhut des Feindes, die unerwartet 23er- litlllunfl etinclt, sodaß Glasenapp gezwungen war, zurück-
zugehen. Sieben Offiziere und neunzehn Mannsdcr gefallen, drei Offiziere und zwei Manu verwundet.
tonm wieder zurück nach den Onjatibergen ihre Kräfte auf äußerste anspannen mußte, ist nunmehr auf den Feind
Bloßen und hat dabei äußerst
Eine ausführlichere Meldung besagt:
Major v. Glasenapp stieß, dem Toljostamm vom Rohoro über Okandjesu nach Nordwesten folgend und den Kompagnien vorauseilenü, am 13. März bei Owikokororo mit einem Stabe von zahlreichen Offizieren und einer berittenen Abteilung von 3b Mann und einem Maschinengewehr auf die dcachhut des Feindes. Dieser erhielt unerwartet Ver- stärkung, sodaß Glasenapp gezwungen wurde, zurückzugehen. Tas Gefecht spielte sich vor der eigentlichen Kolonne ab. Vom Jemde wuroen 20 Tote gesehen. Um bvit Gegner in seiner jetzigen Stellung nach Formierung der Hauptabteilung, wenn möglich unter Heranziehung der Kolonne des Majors v. Estorfs umfassend anzugreifen, sind Maßnahmen eingeleitet.
Unter den T v r e n befinden sich nach einem weiteren Telegramm Lcu-weuis Hauptmann v. Francois, Oberleutnant Eggers, Oberleutnant z. S. Stempel von
Am Bundesratstisch: Stuebel, Frhr v. Stengel u. a. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die dritte Beratung Nachtragsetats für Südwestafrita.
Eine Generaldebatte findet nicht statt.
In der Spezi al deb alte wird der Nachtragsetat im Einzelnen und in der Gesamtabstimmung definitiv ohne Debatte angenommen, nur die Sozialdemokraten stimmen dagegen.
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ber ^.alro,en^ivision, aoni Tzioüet, cr,.e§ | öeebaidillüii, Leutnant der Reserve Ties mey er, Leut- !iQn/x cr Reserve Bendix und Marineoberassislenzarzt Tr. Velten von S. M. S. Habicht. Ferner sind gefallen: Feld- webel Karl Bach, Feldwebel Hermann N i t s ch k e, Unter-» ofsizier Paul Kiel, Gefreiter Michael Wolf, Gefreiter ö^edrrch Otten. Vom Fanuarersatz 1904: Reiter Wilhelm Albrecht, Otto F o r st e r, Hermann G r a s ch o p p, HilfZ-» trompeter Hermann W o d e r i ch, Reiter Michael Schanze von der zweiten Matrosendivision Signalmaat Wrock- läge, Bootsmannsmaat Heldtke und Obermatrose Elers, sämtlich vom „Habicht", Sergeant BennewieS aus Eilbeck, außerdem Ersatzreservist Tierarzt Sopp, Landwehrmann August Ahlenberg-Elbing, Landwehrmann Stegmann aus Gummersbach, Invalide Oskar Bachmann aus Berlin, Vizefeldwebel der Reserve Bernhard Well st ein aus Mühlheim a. d. Ruhr. Leicht verwundet sind Major Glasenapp, Streifschuß am Hinter- köpf, Adjutant Leutnant Schäfer, Oberleutnant z S.
Staatssekretär v. Tirpitz bittet, das technische Personal, das die Kommission gestrichen, doch wieder zu bewilligen. Man habe das Personal herangebildet, jetzt sei man so weit, und nun solle es ge- jstrichen werden! Es handle sich um Anwärter, die drei Jahre gearbeitet hätten und jetzt vor ihrer Ernennung ständen. Und nun rollten sie nicht ernannt werden. Uebrigens, was werde die Folge siein? Stteiche man die Schiffsbaumeister, so muffe die Marinever- walttmg sich Regierungsbaumeister pumpen. Und die könnten doch !beim besten Willen nicht dasselbe leisten!
Aba. Zubeil (Soz.) spricht über die Arbeiterverhältnisse auf den kaiserlichen Werften. Insbesondere führt er lebhafte Beschwerde über die Lohne der Werftarbeiter in Danzig und legt Zahlen- -msammensiellungen, die dieses illustrieren sollen, auf den Tisch des .Hauses. Auch stehe es übel auf der Danziger Werft. Die Ge- inungsriecherek sei dort auf der Tagesordnung. '
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Parlamentarische Perhanvlnnqen.
Nachdruck ohne Verein arung nicht gestattet.
Äeutjcher Reichstag.
62. Sitzung vom 19. März.
11 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Tirpitz, Frhr. von Stengel u. a.
Tas HauS ist schwach besetzt.
Auf der Tagesordnung steht zunächst der schleunige Antrag her Abgg. Barbeck (freist Ap.j u. Gen., der auch von Mitgliedern des Zentrums und von National-Liberalen unterzeichnet ist.
Den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß das gegen den Reichsragsabgeordneten Jessen beim Amtsgericht Flensburg eingeleitete Strafverfahren für die Tauer der Sitzungsperiode des Reichstags alsbald aufgehoben wird, nachdem am 17. d. M. in den dem Abg. Jessen gehörigen Bureau- und Geschäftsräumen seiner Zeitung „Flensborg Avis" in Flensburg eine Haussuchung gegen denselben stattgefunden hat.
Abg. Storz (südd. Bp.) macht darauf aufmerksam, daß dieser Fall auffallend und bedauerlich sei, weil das Gericht entgegen den gesetzlichen Besttmmungen sogar eine Haussuchung bei dem Abg. Jessen veranstaltet habe.
Abg. Singer (Soz.! meint, das Gericht hätte wissen müssen, daß zur Veranstaltung einer Haussuchung und zur Einleitung eines Sttafverfahrens die Genehmigung des Reichstags nötig sei. Er bitte den Antrag anzunehmen, die Sache aber trotzdem an die Bud- gettommission zu verweisen, damit dieselbe darüber befinden könnte, ob ein Gericht so verfassungswidrig vorgehen dürfe.
Abg. Etckhoff (freis. Bp.) befürwortet auch den Antrag Barbeck.
Ter Anttag Barbeck wird hierauf angenommen.
Es folgt die dritte Beratung des Etats-Notgesetzes. Dasselbe wird debattelos definitiv angenommen.
Hierauf tritt das Haus in Pie zweite Beratung des zweiten Nachtragsetats für Südwestafrika ein.
Abg. Bebel (Soz.) legt Protest ein gegen die „barbarische" Kriegführung der Deutschen gegen die Hereros. Tie Grausamkeiten der Hereros werden in der deutschen Presse weit übertrieben. Man weiß ja, wie in solchen Fällen gelogen wird. So werden z. B. die schrecklichsten, Abschlachtungen von Frauen usw. berichtet, und nachher stellt es, sich heraus, daß diese Frauen sich heute der besten Gesundheit erfreuen. Redner verliest einen Brief, in dem u. a. die Mitteilung enthalten ist, daß die Hereros eine Frau wegen eines Stteifschusses um Entschuldigung gebeten haben. (Hört! hört! Das sind die „Bestien in Menschengestalt" l
Abg. Tr. Arendt (Rp.): Herrn Bebel ist es nicht gelungen, die Wirkung feiner neulichen Rede abzuschwächen. Im Gegenteil, er hat sie heute noch verstärkt. Herr Bebel entwickelt einen außer- ordi iitlichen Fleiß bann, alles zusammenzutragen, was zum Ruhme der Feinde Deutschlands spricht und was unsere Truppen zu verkleinern imstande ist. Herr Bebel glaubt, was er glauben will. All.'s, was dazu dient, seine Ansichten zu bettäftigen, ist für ihn Tatsache. Die Grausamkeiten der Hereros sind natürlich alle „über- tpeben", die Schandtaten der Deutschen sind aber nicht im mindesten üFertrieben, da ist alles verbürgt bis auf das J-Tipfelchenl Herr Bebel sieht nur die Tugend der Hereros und vergißt, daß man all b/e Tinge auch anders auslegen kann. Und in der deutschen Volksvertretung sollte man doch auch ein wenig das deutsche Interesse wahrn.-hmen. Draußen kämpfen unsere Landsleute, und in erster Linie haben wir uns doch damit zu beschäftigen, wie ihnen Hilfe geboten wird. Später werden wtt auch Kritik üben und uns mit der Kolonialverwaltung auseinandersetzen.
Abg. Bebel sSoz.j konstatiert, daß alle seine Feststellungen sich laus Mitteilungen deutscher Ansiedler und Berichterstatter stützen. Er sei in der Darstellung ganz objektiv gewesen, sei übrigens lediglich den Berichten bürgerlicher Blätter gefolgt, da die Sozialdemokraten noch keine Originalberichterstatter hätten. Auch er würde sich freuen, wenn sich das alles als unwahr erwiese und dadurch der Schandfleck von der deutschen Nation — zu der auch er sich zähle — entfernt werde.
Abg. Tr. Arendt (Rp.) erwidert, Herr Bebel spreche immer ibon Tatsachen, wo doch nur briefliche Nachrichten vorliegen, denen nicht so ohne weiteres Glauben beizumessen sei.
Der Nachttagsetat wird hieraus in zweiter Lesung angenommen.
Das Haus seht sodann die zwette Beratung des Marine- Etats fort.
Ohne Debatte gelangt folgende Resolution zur Annahme: „den Reichskanzler zu ersuchen, auf eine Minderung der Reise-, Marsch- und Frachtkosten und Vermeidung von Etatsüberschreitungen hinzuwirken".
Die Kommission hat einige Stellen technischer Beamten ! gestrichen.
münde zu dirigieren, kann ich nicht erfüllen, weil in Swinemünde die Seeverhälinisse nicht günstig genug sind.
Damir ist die zweite Beratung des Marineetats beendigt.
Es sind also im Ganzen vom Marineetat entsprechend dem Beschluß der Kommission gestrichen worden 9 966 442 Mk. und Zwar bei den laufenden Ausgaben im ordentlichen Etat 526 042 Mk., bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats 6 690 400 Mk. und bei den außerordentlichen Ausgaben 2 750 000 Mk.
Hiermit ist bie Tagesordnung erschöpft.
Präsident Graf Ballestrem schlägt darauf vor, die nächste Sitzung abzuhalten heute 5 Uhr mit der Tagesordnung: Dritte Lesung des Nachtragserats für Südwestafrika.
Abg. Dr Sattler fragt-zur Gejchäftsordnung den Präsidenten, ob er beabsichtige, heute schon die Osterferien beginnen zu lassen.
Präsident Graf Ballestrem: Ich kann dem Abg. Sattler das offene Geheimnis -»erraten (Heiterkeit!, daß ich allerdings vorhabe, heute, nachdem der Manneerat erledigt ist, dem Hause vorzuschlagen, in die Osterferien zu gehen.
Abg. Dr. Sattler (nctt.-lib.) bedauert, daß der Reichstag jetzt schon in die Ferien gehen werde und den Etat so unvollständig liegen liehe. Er wolle jedoch keine Kritik an dem Vorschlag des Präsidenten üben, das stehe ihm nicht zu, er wolle nur mitteilen, daß seine Freunde gern bereit wären, noch die drei ersten Tage der folgenden Woche zu tagen.
Präsident Graf Ballestrem: Ich will dem Abg. Sattler erwidern, daß er im Irrtum ist, wenn er glaubt, daß er kein Recht hätte, gegen meinen Vorschlag Widerspruch zu erheben. Das Recht, etwas anderes vorzuschlagen, hat jeder Abgeordnete, das Haus hat dann darüber zu entscheiden. Wenn ich jetzt nicht weiter verhandeln will, so habe ich dazu meine triftigen Gründe. Ich hatte ja auch die Absicht, weiter zu tagen. Ich habe aber eingesehen, daß die Misere der Beschlußunfähigkeit, die schon jetzt auf uns lastet, nach dem dazwischen liegenden Sonntag zu einer schrecklichen werden würde. Ferner müssen Sie doch bedenken, daß jetzt Etats in Aussicht stehen, die sehr wichtig sind, und daß es besser ist, sie vor einem besser besetzten Hause zu verhandeln. Ich habe auch noch eine Menge anderer Gründe, denn ich habe mich für verpflichtet gehalten, mich nach allen Seiten hin zu informieren. Aber die Mehrzahl dieser Gründe sind so, daß man sie gerade nicht hier vortragen kann, damit sie in den stenographischen Bericht kommen. Ich glaube, es wird am besten sein, wenn wir heute schon in die Ferien gehen.
Abg. v. Normann skons.): Meine Freunde wären zwar berett, weiter zu tagen, glauben aber doch, daß der Präsident die Sache sich wohl überlegt hat, und stimmen daher seinem Vorschläge zu.
Abg. Singer (Soz.) stimmt gleichfalls dem Vorschläge deS Präsidenten zu. Es sei ja schließlich egal, ob man jetzt vor Ostern oder nach Ostern noch einige Tage länger tagt.
Abg. Gamp (Rp.): Das ist zwar nicht egal, dak ist z. B. für einen Landwirt ein großer Unterschied, ob er in den Sommer hinein tagen muß, oder ob er letzt noch ein paar Tage zulegt. Wir wären also bereit gewesen, hier noch länger zusammenzubleiben, wenn aber der Präsident schwerwiegende Gründe hat, so kann ich nur lagen, ich kenne die Gründe nicht, aber ich billige sie. (Heiterkeit.) , . Dbg. Schrader (freif. Vergg.): Tas ganze Haus hat gewußt, daß wir am Sonnabend auseinandergehen werden. Ich glaube, es ist auch das beste so, und stimme dem Vorschläge des Präsidenten zu. -^^6- Gröber (Zentt.): Gerade von den National-Liberalen seblen soviele, daß diese wohl keinen Anlaß haben, dem Hause die Leviten zu lesen. Ich bitte, es bei dem Vorschläge des Herrn Präsidenten zu belassen.
Präsident Graf Ballestrem: Ich habe jedem, der mich fragte, gesagt, ich hatte die Absicht, wenn der Marineetat bis Sonnabend fertiggestellt wäre, zu schließen. Ein Geheimnis war es also nicht. 1
2lk>g- Dr. Sattler fnat.-lib.): Ich kann nur bedauern, daß ich den Herrn Präsidenten nicht gefragt habe. Es ist nicht meine Gewohnheit, jemanb mit Fragen zu belästigen, wenn dies nicht nötig ist. Weder mir, noch einem meiner Freunde ist bis gestern irgend eine Mitteilung von dieser Absicht gemacht worden.
Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Singer schließt die Geschaftsordnunasdebatte.
ES bleibt bei dem Vorschläge des Präsidenten.
Nächste Sitzung 6 Uhr.
Schluß 4% Uhr.
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falsche Denunziation der Polizei veranlasse die Werftdirektion zu einem peinlichen halsgerichtlichen Verfahren. Umgekehrt leiste auch die Werftdirektion der Polizei Bütteldienste. Ein Schlosser Arthur Gebauer ist entlassen worden wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer sozialdemokratischen Organisation. Dabei ist nachgewiesen worden, daß Gebauer gar nicht der Organisation angehörte. Die 1 Tanziher Werft befindet sich vollständig in den Händen der dortigen Polizei. Man erstickt jeden Funken sittlichen Gefühls in den Arbeitern. Ein Obermeister hat sogar Arbeiter wiederholt geprügelt l und ist trotzdem noch auf der Werft angestellt. Ein solcher Obermeister gehört aber nicht in eine kaiserliche Werft.
Kaiserlicher Admiralitätsrat HarmS: Der Staatssekretär hat bereits gestern mitgeteilt, daß die Löhne in Danzig etwas niedriger sind als in Kiel. Das liegt teilweise an den örtlichen Verhältnissen, doch sind die Löhne in der letzien Zeit in Danzig erheblich gestiegen. Ich muß sodann die Werftverwaltung in Schutz nehmen gegen die Angriffe des Abg. Zubeil. Seine Vorwürfe sind in keiner Weise gerechtfertigt. Die Verwaltung kümmert sich absolut nicht um die völkische Gesinnung ihrer Arbeiter. Sie kann es nur nicht dulden, daß die Agitatoren, die Streit und Unfrieden erregen, in ihrer Arbeiterschaft sind. Wenn Arbeiterentlassungen vorgekommen sind, so hat dies nur daran gelegen, weil vom Reichstag nicht die Mittel bewilligt wurden, die wir gefordert hatten. Ich wundere mich, daß gerade der Vorredner hier Vorwürfe gegen uns erhebt, denn weder er, noch seine Partei haben uns je auch nur etwas bewilligt.
Abg. Mommsen (freif. Vergg.): Herr Zubeil mag sich beruhigen. Das ganze Material, das er heule vorgebracht hat, hat auch mir vorgelegen. Ich bin sogar in der vorigen Woche in Danzig gewesen und habe mich mich bei den Arbeitern darnach erkundigt. Ich meine aber, es ist doch hier nicht der Ort, namentlich bei der Lage unserer Geschäfte, hier so eingehend auf Einzelfälle einzugehen, selbst wenn sie wahr wären. Ich bin fest davon überzeugt, daß, wenn die Verhältnisse wirklich so lägen, wie Herr Zubeil sie darstellt, der Staatssekretär schon für Abhilfe sorgen würde.
Abg. Legten (Soz.) fordert die Marineverwaltung auf, sich nach den vom Abg. Zubeil bargelegten Verhältnissen zu erkundigen. Tas würde genügen, um diesen traurigen Vorkommnissen ein Ende zu machen. Das Ungeheuerliche in allen Militärbetrieben ist eben das, daß die Leute nicht wagen, irgend eine Beschwerde oben cmzu- bringen. Das System der Marineverwaltung scheint ja außerordentlich prattisch. Sorgen Sie aber erst dafür, daß niemand wegen einer Beschwerde von der Werft entlassen wird. Solange das nicht geschieht, können Sie es nicht ändern, daß die Arbeiter Ihnen voller Mißttauen gegenüberstehen l Tas heutige System zieht lediglich ein Schmarotzertum groß. Die Meisten lassen sich von den Arbeitern ttattieren, damit sie diesen die lohnenderen Akkordarbeiten zn- weisen. Diesen Krebsschäden kann nur ein Ende gemacht werden, wenn man den Arbeitern das bedingungslose Koalitionsrecht gibt.
Staatssekretär v. Tirpitz erwidert, der Fall, daß man den Arbeitern es unmöglich gemacht hätte, ihrem Berufsverein anzugehören, sei nie akut geworden. Uebrigens habe Herr Scgicn nichts bewiesen, seine Art, Mißttauen zwischen Verwaltung und Arbeitern hervorzurufen, trage nicht zu einer Besserung der Zustände bei. Die Behauptung, daß die Arbeiter sich nicht beschweren dürfen, entsprich, nicht den Tatsachen. Im Gegenteil ist in der Beschwerdeordnung das Beschwerderecht der Arbeiter ausdrücklich festgelegt.
Admiralitätsrat Harms: Jede Beschwerde, die mit Namensnennung eingereicht wird, wird sorgfältig geprüft. Anonyme Beschwerden: Papierkorb I Aon den Behauptungen des Vorredners sei das Gegenteil richtig.
Abg. ZubeU (Soz.) hält gegenüber den Ausführungen der Regierungsvertreter die seinigen aufrecht.
Abg. Legier. (Soz ! konstatiert nut Bedauern, daß die von ihm verlangte Erklärung des Staatssekretärs von diesem nicht abgegeben fei, obgleich es sich nur um ein selbstverständliches Recht der Arbeiter handle.
Tie von der Kommission beschlossene Stteichung der technischen Beamten wird vom Hause gebilligt.
Es bk' c überhaupt insgesamt bei den Beschlüssen der Kom- misiwn. Die Mühe der National-Liberalen und der Rechten, in einigen Puntten die Regierungsforderungen wiederherzustellen, bleibt vergeblich. Ohne erhebliche Debatte wird der Rest des Marineetats erledigt.
Die Kommission hat ferner folgende Resolutionen angenommen:
1J für den nächstjährigen Etat eine Erhöhung des Höchstgehaltes derJührer und Steuerleute von Werftdampfern, Schwimm- krahnen, Schwimmdocks, sowie der Spritzenmeister und Schleusenmeistergehilfen in Erwägung zu ziehen,
2) dem Reichstag in der Uebersicht über die Arbeiterverhältnisse in den Betrieben der Marineverwaltung eine eingehendere Nach- tveisung zugehen zu lassen, in welcher die Arbeitszeit und der ?lr- beitslohn im Anschluß an die bestehende Lohnklassentabelle für die einzelnen Arbeitszweige unter Hervorhebung der Ueberstunden und des Akkord- und Uebersiundendienstes borgelegt unb die gewährte Sonntagsruhe ersichtlich gemacht wirb.
Auch diese Resolutionen werden vom hohen Hause erledigt, । ohne baß es einer Diskussion hierüber bedurfte, und zwar dergestalt, daß die er ft eingenommen, die zweite, da sich die Sozialdemokraten aus Versehen nicht mit erheben, ab gelehnt wird. '
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Beim Extraordinarium hatte auf eine Anregung des Abg. v. Böhlendorft (kons )
Staatssekretär v. Tirpitz erwidert: Die Marineverwaltung bringt der Stadt Swinemünde die lebhaftesten Sympathien entgegen, was wir schon ^durch fortgesetzte Besuche unb Hebungen be- Vi'rredners jedoch, die Artillerie-
Mäusbnrg
5.
erksam.
Montag, 31. März 1904
Eichener Anzeiger


