Ausgabe 
21.1.1904 Zweites Blatt
 
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Stellung zu befinden. 8. Weiterversicherung (auch der Stellenlosen) wie im Fnvalidengesetz. 9. Die Versicherungs­pflichtigen werden in mindestens fünf Gehaltsklassen ein­geteilt. 10. Gegenstand der Versicherung ist: a) für den Versicherten der Anspruch auf Gewährung einer Inva­liden- bezw. Altersrente; b) für die hinterlassene Witwe und die Waisen eine Witwenrente bezw. ein Erzrehungs- Leitrag für die Waisen. Invalidenrente erhält der Ver­sickerte nach Maßgabe des Invalidengesetzes. Al.e.srente eryalt, ohne daß es des Nachweises der Erwerbs..u.ähigieit bedürfte, derjenige Versiä)er,e, welcher das L0. Lebenswahr vollendet hat. Der Anspruch auf Witwenrente er.sicht im Falle der Wiederverhciratung, die Er^,i.n,uugsbeitr^ge wer­den bis zum 16. Lebensjahre der Waisen gezahlt. 11. Der Ausschuß wünsct-t, daß die Leistung.» der Versicherung an­nähernd die Höhe der Pensions- und Hintech i.berun-Le- züge der Staatsbeamten der entsprechenden Grhal.sklasse erreichen. 12. Behandlung der Kranken sowie der Heit- verfayren wie im Invalidcngesetz. 13. Angestellte, die bei einer vom Reichsaufsicl)tsarnt für die Privatversicherung zugelassenen Kasse vcrsictMt s.nd, sind von der Zugehörigkeit zur staatlichen Peusivnsanstalt |üc P iv. t ng-neltce bereit, sofern die Kasse die MinöestlciitUngcn der staatlichen An­stalt erfüllt.

Akü 5jt.1i i)l Hili) Land.

Gießen, 21. Januar 1904.

* Erklärung. Wie wir hören, hat unserDie Professur ©cf* überschriebener Artikel vom 18. Januar die Meinung erweckt, derselbe sei auf Mitteilungen aus dem Großh. Mmistcrium des Innern zurückzuführen. Wir wollen demgegenüber fcststellen, daß das Ministerium dem betreffenden Artikel völlig fernsteht.

Frödcric Lamond (der in der vorgestrigen Nunimer durch einen Druckfehler einmal zuLamborg" geworden war) als Klavierspieler. Im Jahre 1893 erregte in Berlin Lamond als junger Pianist allgemeines Aufsehen, zugleich aber auch als Komponist, indem ihm Gelegenheit geboten war, eine Sinfonie eigener Komposition vom phil­harmonischen Orchester vortragen zu hören. Bald darauf spielte er in einem der größeren Konzerte der Königlichen Kapelle ein Beethoven'fches Klavierkonzert und bot damit eine Leistung vollkommenster technischer Meisterschaft, welche ihm den Nuf eines ausgezeichneten Bcethovenspielcrs begründete. Lamond zeigte sich hier, wie in der Folge, hauptsächlich in der ernsten Pflege seiner Kunst, nicht etwa nur in der Heraus- arbcitung gleißender Virtuoseneffekle. Aber nicht nur in der Wiedergabe Beethooen'scher und Bcahms'schcr Klavicrwerke, sondern auch als Interpret moderner Klaviermeisler hat sich der schottische Klaviervirtuose als genialer Schüler Franz Liszt'S gezeigt. Er gilt geradezu auch als Lisztspieler par excelleiiee. Neben einer ungewöhnlichen Begabung als Reproduzierender ist er auch selbstschöpfcrisch mit Erfolg tätig gewesen, so daß er als ein in jeder Beziehung hervorragender Musiker gilt. Kein Wunder, daß er allenthalben, wo er sich in Konzerten produziert, von der maßgebenden Presse mit Bewunderung erwähnt wird. Heutzutage kennt jeder gebildete 2) hi fiter und jeder, welcher als iniisikalisch gelten will, den Namen Lamond. Lamond wurde ain 28. Januar 1868 in Glasgow (Schott­land) geboren, zunächst von feinem älteren Bruder (einem gediegenen Klavierlehrer) unterrichtet, bildete sich aber zugleich als Violmspieler, Oboespieler und Organist aus, war auch

längere Zeit in Glasgow als Organist tätig (188082), im September 1882 kam er zuerst nach Deutschland und zwar nach Frankfurt tu M., wo er unter Max Schwarz u. a. noch weiterstudierte; im Herbst 1885 weilte er bei Liszt in Weimar und begleitete denselben nach Rom und London (bis 1886), von 1886 ab lebte Lamond abwechselnd in London. Petersburg, Glasgow und Frankfurt a. M. und unternimmt von hier aus seine verschiedenen Kunstreisen. ES sei bei dieser Gelegenheit nochmals auf den am Sonntag bevor­stehenden Kunslgenuß hlngewiesen, den sich kein Musikfreund entgehen lassen sollte. Lamond hat ein Programm gewählt, in welchem er für jeden Hörer etwas bringt.

Patronat und Theologie. In dem gestrigen Artikel, der diese Spitzmarke trägt, ist ein Druckfehler ent­halten. Es muß heißen:Wichtiger ist zu bemerken, daß auch dieser maßvoll und verständig gehaltene Artikel" rc.

r Mainz, 19. Jan. Nach etwa 2'/zjähriger Bauzeit ist die neue Rheinüberbrückung hier, durch welche eine direkte Verbindung zwischen Mainz und Wiesbaden geschaffen wurde, nunmehr sertiggestellt, und nach einer Mitteilung der hiesigen Eisenbahndirektion wird der Verkehr darauf wahr­scheinlich den 1. Mai eröffnet werden. Mit der Eröffnung des Verkehrs wird, wie gleichfalls die Elsenbahndlrektion nut» teilt, eine Reihe von Verbesserungen wie auch Ver­billigungen eintreten. Die von Kastel rechts abzweigende Strecke nach Bischofsheim mit der neuen Mambrücke oberhalb Kostheim ivird nur dem Güterverkehr dienen, da es sich hier hauptsächlich um die Entlastung des Mainzer Tunnels han­delt. Ter Güterverkehr zwischen den niederrheinischen Stationen und Baden, Bayern und Württemberg, der, soweit er rechts­rheinisch erfolgt, seither über Frankfurt geleitet wurde, geht künftighin über Bischofsheim. Außer auf den Güterverkehr ivird die neue Rheinüberbrückung auch einen merklichen Ein­fluß auf den Personenverkehr ausüben. Die Eisenbahn­geographie des engeren und weiteren Verkehrsgebietes von Mainz erhält, nach der Mitteilung der Eisenbahndirektivn, ein ganz anderes Gesicht, die Fahrpreise von Mainz nach Wies­baden werden, der längeren Entfernung halber, etwas höher sein als die künftigen von Kastel nach Wiesbaden, aber beide bemißt man schon nach der Lage des neuen Bahnhofes in Wiesbaden. Ter Personenverkehr zwischen den rechts­rheinischen Stationen unterhalb Wiesbaden wird von Mainz aus über Wiesbaden geleitet, insbesondere werden die Fahr­karten nach Koblenz re. zum heutigen Preis auch zur Fahrt über WiesbadenRüdesheim berechtigen. Während der rechts- und linksrheinische Verkehr mit dem Süden in Frank­furt zusammenläiift, liegt künftig der Treffpunkt beider Bahn­linien schon in Mainz. Nach den Rhemgau-Stalionen giebt es von Mainz Fahrkarten über Wiesbaden, doch wird nicht der volle Weg KurveWiesbadenBiebrichMosbach zu Grunde gelegt, sondern nur eine Entfernung von 5 Km.

Vermischtes.

Berlin, 19. Jan. In den Weihnachtstagen traf in Berlin ein Elbkahn cm, der in 422 Kisten ein wertvolles Geschenk des Sultans an den Deutschen Kaiser, den kulturellen Schmuck der Fassade des Schlosses M'Schatta, enthielt. Die Kisten sind in den unteren Räumen des seiner Vollendung entgegen gehenden Kaiser Friedrichmuseums unter­gebracht worden, wo ein Raum zur Aufstellung dieser eigen­

artigen Kulturen hergerichtet werden soll. Die Ruinen von M'Schatta liegen etwa drei Tagereisen östlich von Perusalem an der Pilgerstraße von Damaskus nach Mekka, hart an der Grenze der von den Beduinen bewohnten nordarabischen Wüste.

* Hamburg, 19. Jan. Der DampferCommercial", von New-Castle nach London unterwegs, ist infolge St u rms in der Whitby-Bai gesunken. Von 15 Mann Besatzung sind 12 ertrunken. Der Flensburger DampferFortuna" ist ebenfalls infolge Sturms nut 13 Mann in derN 0 rd - see untergegangen.

"Humoristisches. Im Diensteifer. Bürger- meister (zum Feuerwehrkommandanten):Aber, Herr Haupt­mann, dort prügelt sich ja die Feuerwehr!" Kommandant: Da wird halt jeder wieder zuerst retten wollen!"

Kunst uiiö ZölstevtHujt.

Ferdinand Ritter v. Mannlicher, der Erfinder des M a n n l i ck e r g c w eh r e s, ist am 20 d. M. in Wien plötzlich am Herzschlag im 56. Lebensjahre gest 0 rbe n. Mann­licher war 1848 in M ainz geboren, wurde Ingenieur und trat in die Tienste der Ocsterreichijchen Nordbahn, deren Oberingenienr er bis 1886 war. Neben seinem Veriü beschäftigte er sich seit 1878 mit der Geivehrkonstruktion. Namentlich die Erfindung des klein­kalibrigen Mehrladers Hal ihil berühmt gemacht. 1899 wurde Mannlicher in das österreichische Herrenhaus berufen.

Markte.

Limburg a. d.L., 20. Januar. F r n ch t m artl. Durch-- chnitlspreise pro Malter. Roter Weizen 13.40 Alk., weißer Weizen 00.00 Ä, Korn 9.70 Mk., Gerste 8.60 Mk., Haier 6.04 ML., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 00.0 Mk

Metern oiDtfiiaie

der Station Gießen.

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Wetterbericht vom 20. Faunar 1904.

Verlaut der Witterung von Dienstag bis

M i l 1 w 0 ck.

Tas nördlich von unserm Gebiet lagernde Hoch hat sich er­heblich verstärkt und bedeckt ganz Mitteleuropa. Ueber Italien lagert immer noch eut Ties, an dessen Nordrande ganz flache Teilttefs entivickell sind, toekche Trübung und unbedeutende Schneeialle her- uorvuien. Unter dem Einflüsse der aus dem Hoch ausströmenden mit) dem Ties zufließenden Nordwinde sinkt die Temperatur. Ter Kern des Hochs scheint sich nach Osten zu verlegen; cs würden also Nordostwinde eintrcten.

Daher voraussichtliche Witterung für Donnerstag". Meist trüb, etwas kalter, höchstens ganz geringer Schnee. Fort­dauernd Frost.

Wetterdienst in Gießen: A. P e p p l e r.

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