Ausgabe 
20.10.1904 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen.

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Recht verzichtet. Bessere, Wollkon

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daS Geheimnis gekommen sein.

(Forts, folgt.)

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>uler Emilie, das ^pMaltvor.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl's cha» UntverfttätSdruckeret. R. Lange, Gteßen.

Redaktion, Expedition «.SDniderd: Schulstr.?. XeL Nr. 6L Telegr^Adr. i Anzeiger Gießen,

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Nolitische Tagesschau.

DaS nette MilitärpeufionSgefetz

ist einemalten ßfftfrier", wie er in der neuen inhaltsreichen Berliner ZeitschriftD e r D e u t s ch e" schreibt, im Entwurf zur Verfügung gestellt worden. Nach der Begründung im Gesetzentwurf oll der Begriff Tienstbeschädigungim allgemeinen den bisc­herigen Grundsätzen" entsprechen. Aus dem bisherigen Pensions­gesetz ist in den neuen Entwurf die Bestimmung übernommen worden ^> gegen die endgiltige Entscheidung des Kriegsmini- teriumS,ob eine Gesundheitsstörung als Tienstbeschädigung, vb und in welchem Grade die Unfähigkeit und ob eine Tienftbeschä- »tg alS tmrch den Krieg erlitten" anzusehen sei, keine Berufung

ich fei. Nach dem bisherigen Gesetz mußte die Pensions­gewährung in dem Abschiedsgesuch enthalten sein. Ter neue

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seinem HauZ. ^en ÄusbiltunL ^ergülung. ötömgung. CS,

ersprießlich des inrmer nocy

neuen, aller die unser

Das Ideal eines Teiles der

^efetzgevung amve ^-rage: Was tun wrr gegen literatur? Es wurde pabei viel vonr Künstler gesprochen, vielleicht zuviel; oder rechnet man die Mitarbeiter des Kleinen Witzblattes" zu den Künstlern? Es hieß nur immer, der Künstler soll die Ideale schützen, er soll die Ehe schützen, soll alles schützen, was einer moralischen Stütze im Volke bedarf. Was er aber darf, sobald die Natur ihn zu ihrem Genius berufen, und er weit hinaus über das anWahrheit und Natürlichkeit" mit seinem! heiligsten Streben zu vertreten hat, was in der verkrüp­pelten Gefühlswelt eines Partei- und Be­rufsphilisters an allen Ecken und Kanten Anstoß zu erregen vermag, schienen einzelne Redner im Eifir des Gefechts zu übersehen. Das alte Bild: Eine allgemeine

Mittel gegen dieZerklüftung" der zeitgenössischen Kunst empfiehlt, kann in ihrer Bedeutimg für die Kunstübung der Nachgeborenen eher unter- als überschätzt werden. Freuen wir uns der herrlichen Schatze, die in den Museen aus der Zeit der Antike, des Mittelalters, der Renaissance und aus den späteren Jahrhunderten Zeugen sind der Kunst­entwickelung zweier Jahrtausende. Erbauen wir uns an der reichen Fülle köstlicher Schöpfungen aus den Werk­stätten der größten Meister der Vergangenheit. Lernen wir von ihnen, was in technischer und geistiger Beziehung von ihnen zu lernen ist. Aber beklagenswirt ist eine Kunsts in der nicht alles im Musse ist. Allenthalben, und wie in der vom Kaiser mit so glühendem Eifer bewunderten Technik und auf dem Gebiete des von ihm so rege geförderten Ver­kehrs, so muß auch auf dem Gebiete der Kunst das Neue altes verdrängen, und tut es auch. Unausgesetzt wandelt sich das ästhetische Ideal, wandelt sich der Geschmack, wan­delt sich das Objekt der Darstellung, wandelt sich die Meliertechnik. Immer wechselnneue Richtungen" mit alten. Jede dieser Richtungen war einmal jung; sie war einmal naiv; sie schlug einmal über die Stränge, um das, was originell an ihr war, durch schärfere Pointierung um Io siegreicher durchzusetzen; jede neue Richtung klärte sich ».inst ab, erreichte ihren Höhepunkt, um schließlich Merk-

Es gibt kein immer fertiges, es gibt kein ewiges Kunstideal. Es gibt keine ästhetische Norm von unbeschränk­tem Giltigkeitsgebiet oder von unbeschränkter Dauer, wie es kein Dogma der ästhetischen Unfehlbarkeit einer Epoche, einer Generation, einer Gruppe von Menschen, eines Ein­zelnen gibt. Solange eine Kunstgeschichte existiert, solange haben die Künstler von grundverschiedenen künstlerischen Voraussetzungen aus nach grundverschiedenen Zielen ge­strebt. Jede Kunst einer bestimmten Epoche stellt den Steg einer neuen Richtung über die alte dar. Zu keiner Zeit haben die theoretischen Verfechter des Alten wie die aus­führenden Meister selbst aufgehört, das Herkömmliche, das Alte als das allein Berechtigte, als die allein wahre Kunst hinzustellen. Zu keiner Zeit aber auch haben die Vertreter neuer Anschauungen und Richtungen! auf das Recht belichtet, an ihre eigenen, neuen Ideale als an das Bessere, Vollkommenere zu glauben, sich und ihre Kunst- Prinzipien durchzusetzen, rhre Arbeit mit dem Siege krönen zu wollen.

Darüber, ob die neuen Bahnen, die jeweilig als die sichersten Wege zu dem richtigsten Ziele bezeichnet worden ,ind, Irrwege sind oder nicht, darüber entscheidet die Kunst­geschichte oft völlig anders als die Menschen, die mitten in den Kämpfen stehen, die von dem Strome der Entwickelung umfangen sind und von ihm hierhin und dahin getragen oder aeworfen werden. Erst aus dem Gesichtswinkel einer historischen Perspektive, die weitere Zeiträume umspannt, alS sie das kurze Dasein eines einzelnen Menschenlebens M umspannen vermag, erst aus diesem Gesichtswinkel heraus »läßt sich ein einigermaßen zuverlässiger Maßstab für den dauernden Wert oder Unwert der künstlerischen Produktion einer bestimmten Epoche gewinnen.

Die Verehrung der alten Meister, die der Kaiser als

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Internationaler Kongreß gegen die unsittliche Literatur.

TieDtsch.-evangel. Korresp." schreibt:

Tie Regierungen und alle Verwaltungsbehörden inter­essierten sich außerordentlich für die Resultate des Atrz- ltch abgehaltenen Kölner Sittlichkeitskongresses. Somit durste man erwarten, daß die Verhandlungen bedeutsames Material für eine disputable Gesetzesänderung bieten. Um so erstaunlicher zunächst die vollkommene Unklar­heit, ja Finsternis über das Wesentliche des gestellten Themas in den Köpfen verschiedener Redner. Professor Hilty aus Bern benutzt die Gelegenheit, einen Ausfall gegen Goethe zu machen. Da wunderte man sich noch, daß der Goethebund abgesagt hatte. Ein anderer ver> ketzert in Bausch und Bogen die französische und russische Literatur, Zola bekommt einen Hieb, die Schule des vor­züglichen feinsinnigen Aesthetikers und Literaturhistorikers Brandes soll in Dänemark aller Unsittlich keßL Quelle sein und ein Dr. jur. Lautensack glaubt des RätselS; Lösung gefunden zu haben, indem er die Schuld der,Mi t- wirkung inferiorer jüdischer Elements in die Schube schiebt. Wieder ein anderer Redner sucht das Heil in einer kirchlichen Aufsicht über die Lektüre des Volkes, die alles ausschließt, was nicht den Stem­pel christlich verträgt, worüber weite Kreise des Ehristen- tums sich mit dem Herrn in 9 von 10 Fällen wahrschein­lich nicht zu einigen vermöchten. Am zweiten Tage tritt ein Rabbiner auf und weist mit Entrüstung ben Vov- wurf des Dr. Lautensack zurück, indem er den Stein des Anstoßes wieder ein Stückchen weiter rollt und aufver­lumpte jüdische Journalisten' schimpft. Das Muster aller Sittlichkeitsbestrebungen sei dagegen die Syna­goge: Hier beten die beiden Geschlechter getrennt zu ihrem Gott. So hatte wieder einmal jeder Stand und Beruf in Deutschland, dessen Vertreter anwesend waren, sein ganz besonderes Interesse an der für breite Schichten der Be­völkerung, also für die Gesamtheit und daher für die Gesetzgebung akute Frage: Was tun wir gegen die Schmutz-

2 n n=ö ,r1 ' tstler gesprochen,

Mitarbeiter des

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Entwurf gestattet auch nach dem Ausscheiden noch die Erhebung des Anspruchs auf Pensum,weun die Tienstunfähigkert die Folge einer vor dem Ausscheiden allerdings festgestellwn Tienstbeschädig- ung ist, bei Friedensdienstbeschädigung bis zum Ablauf vcm zwei Jahren, bei Kriegsverwundungen ohne jede Zeitbeschränkung und bei sonstiger Kriegsdienstbeschädigung bis zum Ablauf von zehn Jahren nach dem Friedenöschluß. Tie Pension soll nach zehn- lähriger oder kürzerer Tienstzeit 20/60 statt bisher 15/60 betragen und mit jedem weiteren Tienstjahr um ein Sechzigstel steigen, sodaß nach Ablauf von 35 statt bisher 40 Jahren die Höchstpension von drei Vierteln des pensionsfähigen Tiensteinkommens erreicht. Tre Verstümmelungszulag e soll 900 statt bisher 600 Mark betragen für die schweren Gesundheitsstörungen, die bisher zum Betrage von 1800 Mk. jährlich bei schwerem Siechtum und bei Geisteskrankheit erhöht worden ist. Tie Kriegszu- luge, welche nach dem Gesetz vom 31. Mai 1901 1200 Mk. für Offiziere vom Hauptmann abwärts beträgt, soll im Hinblick aus die Erhöhung der Pension auf 1020 Mk. herabgemindert werden. Neu. gewährt werden soll ein Pension s zuschuß zu den Pensionsgebührnissen derart, daß drei Monate nach der Ent- laffung eines Offiziers Pension und Pensionszuschuß zusammen den Betrag der bisherigen Gebübrniffe an Gehalt, Wohnungsgeld­zuschuß und Servis ergeben. Gegenwärtig wird die Pension den Nachkommen eines Pensionierten nur noch für den auf den Sterbe­monat folgenden Monat gezahlt. Nach dem neuen Entwurf dagegen sollen die sämtlichen Pensionsgebührnisse noch für das auf den Sterbemvnat folgende Vierteljahr in einer Summe gezahlt werden. Auf die aktiven Offiziere und Sanitätsoffiziere des Beur­laubtenstandes sollen dabei die Vorschriften über die Ge­währung der Pensionsgebührnisse Anwendung finden, soweit sie infolge einer Tienstbeschädigung zu jedem Militärdienst unfähig werden. Eine allgemeine rückwirkendeKraft soll dem neuen Gesetz nicht gegeben werden.

Der Mng.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.) . _

Und nun entwickelte der gute alte Herr ein System der Sozialpolitik, dem Neugebaur mit heimlichem, spöttischem Lächeln zuhörte. Jeder Mensch sollte seine Heimstätte in Gottes freier Natur finden, die ihm und seiner Familie den einfachen Unter» halt gewährte das war so der Hauptgrundsatz dieser eigen­artigen Sozialpolitik, die sich aus Naturschwärmerei, warmherzi- ziger Menschenliebe und theoretisch richtigen, aber praktisch un­ausführbaren Grundsätzen zusammensetzte.

Ich bin erstaunt, Herr Amtsgerichtsrat", entgegnete Neu­gebaur schmeichelnd,über Ihre ganz eigenartigen Anschauungen, und ich glaube, daß ich mein sozialpolitisches Werk nach ihnen u.mgeftalten muß. . ."

Tun Sie das, junger Mann! Ich selbst habe keine Lust u it5 keine Zeit, mich mit solchen Schreibereien abzugeben, ich famt meine Seit besser an wenden, aber wenn Sie meine Ideen Weiteren Kreisen zugänglich machen wollen, so habe ich nichts dagegen."

Mit großer Freude werde ich das tun. Dazu gehört aber, daß Sie mich tiefer in die Welt Ihrer Ideen einführen, ein ober­flächliches Tischgespräch dürfte doch kaum genügen."

Tu haben Sie recht. So einfach ist die Sache nicht. 9hm, ^suchen Sie mich einmal in meinem einfachen Sommerquartier ba draußen am Walde, dann können" wir weiter über diese Ange- I^enheit sprechen."

So ttrar denn das Eis gebrochen und Neugebaur ergriff tn:it Freuden die Gelegenheit, die nähere Bekanntschaft des aÖen Herrn zu machen, um in dessen Geheimnisse einzudrtngen.

An jedem Nachmittag wanderte er nach dem kleinen Hanse f,; iauö und saß stundenlang mit dem alten Herrn auf der Bank naben der Haustür oder in der kleinen sauberen Stube, um litten sozialpolitische und sozialkriminalistische Erörterungen an-

Aer Kaiser und die Kunst.

In seiner Rede zur Eröffnung des Kaiser Friedrich- Kaiser abermals von den verschiedenen Richtungen gesprochen, die in der zeitgenössischen Kunst neben- und gegeneinander ringen. Der Kaiser bezeichnete diesen ftied'lichen Wettkampf um alte und neue Kunstioeale rn tadelndem Sinne als eineZerklüftung" der Kunsts und er gab seiner bereits von früher her bekannten Aw- schauung erneut Ausdruck, daß das, was man gemeinhin vtemoderne" Kunst nennt, auf Irrwegen wandele.

Wir betrachten es im Gegensätze zu der vom Kaiser ver­tretenen Ansicht für ein hocherfreuliches Zeichen gesunder halten es für die Bürgschaft einer lebensvollen EntNncklung, daß es verschiedene Richtungen in der Kunst fiot Wohl der Kunst, deren weites Gebiet von den ver- hredensten Strömungen befruchtet wird! Wohl der Kunst- m deren Bereich es gärt und brodelt, in deren Bereich heftige Kämpfe twben, um dem einen oder dem anderen Ideal zum Siege verhalfen! Denn ohne diesen unge­stümen Schaffensdrang, der auf den verschiedensten Wegen zum Ziele zu gelangen sucht, breitet der Tod seine dunklen Schatten über das Gefilde, wo man sprühendes und blühen­des Leben erwartet.

zuhören und sich gelegentlich Notizen zu machen. Ter Amts- gerichtsrat würde aber sehr erstaunte Augen gemacht haben, wenn er diese Notizen gesehen hätte denn sie handelten durchaus nicht von sozialpolitischen Tingen, sondern gaben die Beobacht­ungen wieder, welche Neugebaur während ferne# Aufenthalts in dem kleinen Hause anstellte.

Da waren die genauen Personalbeschreibungen der alten Frau Knoche, der Frau Marie Brandt und deren Söhnchen Richard! Da war die Beschreibung des Häuschens, der Stuben, be# Gärtchens! Kurz, es schien, als ob Herr Neugebaur Notizen für die Schilderungen eines im Gebirge spielenden Romans sammelte.

Aber das Wichtigste fthlte ihm noch: die Lebensgeschichte der Frau Brandt.

Tiefe selbst war von einer fast verletzenden Schweigsamkeit gegen Neugebaur, während dessen Anwesenheit sie sich stets ent­fernte, irgend eine häusliche Arbeit vorschützend. Tie alte Frau Knoche war ebenso stocktaub, daß eine intimere Unterhaltung mit ihr überhaupt nicht möglich war.

T«ah der AmtSaerichtsrat nicht erst hier in dem kleinen Dorfe .die Bekanntschaft der Frau Brandt gemacht hatte, schien Neugebaur durchaus sicher. Frau Brandt mußte aber auch durch feste Bande mit dem Rat verknüpft sein, denn sie war ihm gegen­über von einer Ergebenheit, welche fast an Unterwürfigkeit er­innerte. Außerdem sorgte sie für ihn, wie nur eine Tochter für ihren Vater oder eine Gattin für den Gatten sorgen konnte. Und an dem kleinen Richard hing der alte Herr mit närrischer Liebe, die ,wie Neugebaur meinte, nur von einem verwandtschaftlichen Verhältnis herrühren konnte.

Frau Marie Brandt war Polin, daS wußte Neugebaur; der vlmtsgerichtsrat hatte vor seiner Pensionierung in Posen gestanden, sprach vollkommen polnisch und zmterhielt sich öfter mit Frau Marie in dieser Sprache. Neugebaur bedauerte sehr, dieser Sprache nicht mächtig zu fein, er würde dann schon hinter

Hofkunst sich fern haltenden Richtungen, modernes Kunstloebn mannigfach und befruchtet haben, ist eine Erweiterung zu eng bearenzten Gebietes der Schönheit in das unab­sehbare wette Gebiet der Wahrheit hinein. Was wahr ist, ist ein der künstlerischen Darstellung und Durchdringung würdiges Objekt. Durch die Wahrheit wird auch das Häß­liche erhoben und geadelt. Rosenkranz schrieb nicht umsonst seineAesthetik des Häßlichen". Unter dem Ge­sichtspunkte der wahrheitsgemäßen Darstellung schwinden die Begriffe schön und häßlich dahin; sie danken ab zu Gunsten eines Moments, daS mächtiger ist als sie beide: sie gehen auf in dem, was die Modernen als das Wahr- heitsideal bezeichnen.

Wie einst dieses Ideal vor dem Urteil der Geschichte be­stehen wird, wie einst spätere Generationen über die Aus- druckSmittel urteilen werden, deren man sich zur Erreichung dieses Zieles in unseren Zeiten bedient hat, das dürfen wir getrost der Zukunft überlassen. Einstweilen machen die TräAer des Neuen in der Kunst, ob sie nun Realisten oder Neuidealisten, d. h. Ausbauer der Gedanken- und Formenwelt Böcklins, Thomas und Klingers sind, von dem heiligsten ihrer Mnstlerrechte Gebrauch: sie schaffen in ihrer Werse gemäß ihrem Ideal, wie es vor Zeiten die alten Meister in ihrer Weise für sich getan haben. Ob die Vertreter des Neuen dabei wider die Reglements der Hofkunst handeln oder nicht, das kann und d-rf sie in der Betätigung ihrer eigenen künstlerischen Ueberzeugung nicht beirren.

male des Werfalls aufzuweisen. . . . Das ist der Lauf der Entwickelung, dem sich keine Macht der Erde entaeaenstem- men kann. Die Kunst läßt sich nicht kommandieren, nicht reglementieren. Weder war das der Fall bei den Alten, noch ist es der Fall bei den Neuen, noch wird es jemals der Fall bei denen sein, die in kommenden Jahrhunderten ihren Genius entfalten werden. Darum haben auch die Verehrung, die Nachahmung, das Studium der altenMeister ihre natürlichen Grenzen. Daß die allzu innige Anlehn­ung an sie sogar ihre Gefahren hat, erweist die Kunst­geschichte auf vielen Mattern. Die sklavische Nachahmung der Alten hat schon zur trockensten Schablone, zur geist^ losesten Manier geftihrt. Wiele Künstler der alten Schule, auch einige ihrer angesehensten und namhaftesten Vertreter, haben das letzte Ideal alles Kunsffchaffens, das die Dar­stellung des Schönen sein soll, gänzlich falsch verstanden Sie haben für Schönheit genommen, was hohle Glätte gewesen ist.

Der Unterschied zwischen der Stellung des Kaisers Friedrich zur Kunst und der seines Sohnes, des jetzigen Kaisers, läßt sich am besten Mit den beidm WortenKun ftf undHofkunst" bezeichnen. Wilhelm Holzamvr, der hochbegabte und feinempfindende hessische Poet, hat einmal zufi:effend bemerkt, daß Kunst und Hofkunst Gegen­sätze ausdrücken wie Mann und Höfling. Hofkunst bezeichnet ein Dienstverhältnis der Kunst, das der Künst die Freiheit nimmt, die das Wesentliche echt augusteischer Kunstpflege ist, das der Kunst, um wiederum Mit Holzamer zu sprechen, den vollen Persönlichkeitsausdruck nimmt, nicht mehr den Zwang inneren Erschauens anerkennt, sondern fremde Mein­ung und höheren Willen. Sie lehrt uns vortrefflich, freie Kunst vor dienender schätzen. Einst schrieb Avenarius in seinem vortrefflichen Kunstwart:Unterdrückung der Hofkunst zu wünschen, wäre nicht nur eine Torheit, sondern auch eine nUgerechtigkeit. Was wir wünschen müssen, ist vielmehr bewußte Unterscheidung zwischen ihr und der sachlichen KunfV'

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R. B. Darmstadt, 18. Okt. Unser Hoftheater hat dem Sprelplan ein neues Zugstück zugeführt durchTas Drama ernes guten Weibes" vor: dem unglücklichen englischen Pvetenj Oskar Wrlde, betitelt:Lady Windermeres Fächer" TaS aus dem Englischen übersetzte Stück hat seine Urauffühi> ung nt Breslau erlebt und ist dann nach Hamburg und Berlin übergeftedelt, too über seinen literarischen Wert viel gestritten wurde. Bei seiner heutigen Erstaufführung hier hat es sehr ge­fallen. Tas flotte, leichte Salongeschwätz enthält viel espritvolle Bonmots und werden durch das tragische Geschick einer Mutter stark gewürzt, die sich wegen ihres ganzen Lebenswandels ihrer nnt einem reichen englischen Lord vermählten Tochter nicht zu erkennen geben darf. Tie szenische Ausarbeitung des zweiten n <bte vornehme Londoner Gesellschaft im Salon des Lord Wmtermere versammelt und die Herrengesellschaft im dritten .lkt waren vorzüglich und erzielten zahlreiche Hervorrufe. An der sMten Darstellung mären besonders die Damen G a n e l l a in der Titelrolle, Frl. E i ch e l s h e i m als Mutter der Lady und Frau ^worbarth alS Herzogin von Berwick, sowie die Herren Löhr, Conradi, Lehrmann und Kreidemann be- terlrgt.

Otto Erich Hartlebens neue KomödieIm grünen Baum zur Nachtigall" wird, wie aus Wien geschrieben wird, die nüchstt Novität des Burgtheaters fein. Der Tübter desRosenmontags" hat diesnial insofern ein Tendenz­stück geschrieben, alS er sich in dieser Sttldentenkomödie sckzarf gegen das Duell der Studenten »vendet. D<^ Wirts­hausIm grünen Baum zur Nachtigall", das dem Stück den Titel gab, existiert tatsächlich in Kospcda, sie ist eine der beliebtesten Studentenkneipen Jenas. Um dieses histonsch werdende Wirtshaus möglichst naturgetreu auf die Bühne zu bringen, hat Direktor Schftnther eine Photographie desGrünen Baumes" kommen laffen, die als Bor k für die Bühnendekoration dienen Nfird. Auw die Gesäße und Humxeu von dort will man in getreuester Kopie miS Burgtheater bringen nur über ihren Inhalt ist man sich noch nicht ganz im klaren. Hartleben schreibt baj. Helle

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