Ausgabe 
20.9.1904 Erstes Blatt
 
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154. Jahrgang

Erstes Blatt.

Nr. 221

Dienstag 20. September 1904

®r1 Oclnt lAgllch au bet Sonntags.

Dem ® »ebener Anzeiger werden tm Merisel mit dem Kesslschtn Landwirt i)ie (Siebener KamUten- Hütter viermal in der

Woche beigelegL RotattonSdrnct n. Ver­lag bet Brühl Idyen Hnwech-Vuch-u.Slem» brudtrei. 9t Lange, Nebaktion. QhrpehUifl» unb Tmderet:

Lchvlstratzr T, tlbrefic Mr Tcve|cf)en: «nzetger Gtehea. FkrnIprrchanIchluhNr 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Qr inaOrtlit nwnnthd)75 viertel­jährlich DU. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bte Tagesnununer big vormUtagS 10 Uhr. ßetlenpretS: lokal 12Ps* auSwärt- 20 Pfg.

verantwortlich den potiL und allgem. Teil: P. Wittko: für Stadt und ßanir und GerrchtSfaaf: August Goetz; für den An» zeiaenteil: HanS 8ecL

I)ie ßenfige Plummer umfaßt 8 Seiten.

Deutsches Deich.

D e r l i n , 19. Sevt. Dor Kaiser traf heute in Cranz- b e cf am Kuriscken Haff em, begab sich lnrrch ein von Krieger- Vereinen, den Schulen und der Feuerwehr gebildetes Spalier nach b-er Dam pserci nie ge stelle und trat dann mit dem Dampfer Graf Bismarck" die Fahrt nach I n s e an. Dwrt traf er um 1112 Uhr ein. Die Kriegervereine von Jnse und Tawe bildeten Spalier, ebenso Litauerinnen in Nationaltracht, sowie die Schüler von Jnse, Tawe und Loye. Die Litauer sangen:Lobe den Herrn". Der Kaiser sprach den Pfarrer Barner an: Nach 15 Minuten Aufenthalt erfolgte die Weiterfahrt nach Jagdschloß Peith im Tawellnigker Forst zur Fuchsjagd.

Gelegentlich der Besichtigung einer Lehrerwohnung in K a di n e n soll der Kaiser, wie dasB. T." berichtet, es alS eine Menschenquälerei bezeichnet haben, wenn ein Lehrer 7 0 S ch ü l e r zu unterrichten habe.

Der Oberprasi-dent der Provinz Sehleswig-Holstern Frhr. b. Wilmowski lwingt folgenden Erlaß des Kaisers zur öffent­lichen Kenntnis:

Der Schluß der von mir abgehaltenen Manöver gDt mir Veranlagung, nochmals meiner lchbaftm Freude über den groß­artigen Empfang Ausdruck zu geben, der mir und der Kaiserin meiner Gemahlin, von der Stadt Altona bereitet worden ist. Den gleicl>en Beweis herzlicher Licke und treuer Ergebenheit, wie er in diesen Acinzenden Veranstaltungen zutage trat, bnrf ich auch in dem Erscheinen der zahlreichen Abordnungen der .Kriegervereine erbli-ken, die zum Teil auS weiter Ferne herbeigeeilt waren, um ihren obersten Kriegsherrn am Parade­tage zu begrüßen. Ich ersuche Sie, allen Beteiligten für diese meinem Herzen besonders wohltuenden Kundgebungen meinen v^rmüen Dank auszusprechen. Schwerin, 15. September 190-1. Wilhelm."

Der Präsident Graf Ballestrem teilte den NeichStags- mitgliedern mit, es sei der Wunsch des Kaisers, den Reich stagsabgeordneten Gelegenheit zu geben, der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals am 18. Oktober teilzunehmen.

Der Handelsminister erklärt in einer Verfügung an die Regierungspräsidenten, welckie die Gründe für seine For­derung darlegt, nach welcher der Unterricht der obligatorischen Fortbildungsschulen wahrend der Tagesstunden der Werktage stattlindm und nicht nach 8 Uhr abends schließen soll. Den nuten Schulen ist nur dann der Staalsscknrtz in Aus­sicht zu stellen, wenn den Anforderungen deS Ministers ent­sprochen wird.

Die in Wien stattgehabten Konferenzen des rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza, deffen Aufenthalt in Wien ver­längert wurde, gelten der Feststellung eines besonderen lieberem* kommens zwis ben Oesterrei^'-llngarn. Deutschland und Rumänien in Anaelegench'it des gegenseitigen Veterinärver kehrs mit Rücksicht auf die zwischen dm genannten Staaten abzuschließenden Handelsverträge. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß die Vemüb>:ngen zu einem befriedigenden Ergebniffe führen werden. Man glaubt nun an unterrichteter Stelle, daß sodann der Abschluß des deutsch-rumänischen Vertrags bald möglich hnrb.

In der Mitgliederversammlung des Deutschen Ver­eins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke wurden n. a. folgende Herren dem L'rwaltungsausscknrß zugewählt: Geh. Ober-Med.-Rat Pros. Dr. Binswanger-Jena, Dr. med. E->lla-Buchheide, Med.-Rat Dr. Kürz-Heidelherg, Dr. med. Laguer- Wiesbadm, Geh. Ober-Med.-Rat Dr. Neidhart-Darmstadt, Gmeraldirektor Dr. Pieper-Mirnchen-Gladbach, Nniv.-Prof. Dr. med. Bupve-Königsberg,' Pastor Dr. Rindffeisch-Zovvott, Pfarrer Dr. Schlosser-Gießen, Dr. med. Schnüderich-Herten, Direk­tor Dr. med. Stövesand-Bremen. Geh. Obrereaierungsrat Dr. Würmeling-Rci-s'n, Direktor der Klrnik für psychische tmb Nieren­kran weiten Prof. Dr. Ziehren-Berlin. Außerdem wurden den Kämpfern auch Kämpferinnen beigegeben. In immer weiteren Kreisen b'-r Frauenwelt wendet sich das Jntereffe be1* Alkohol­frage zu. SW BerirkSvereine haben desholb besol:d?- e Frauen- arupven gebild-'t; andere werden diesem Beispiel folgen. Die Borkäiupserm für die Antiolkoholbew'egung in Deictschland, Frl. Ottilie Hofmann-Bremen, stand bisber allein im Aus­schuß. Deshalb wilden zucwwäblt: Fran Staatsrat von Götz-Stnttaart, Frau Katharina Scheven -Dresden, Frau Oberstabsarrt Stpiw Hausen -HaTrnover .

Zer Krieg zwrsBrn Iavan und Ausland.

Port Arthur.

London, ID. Sept. Nach einer Meldtrntz ans Tokio in achten die Russen am Sonntag einen Ausfall aus Port Arthur, um die Höhen bei Eh se sh an zurück- zu erobern. Sechs Bataillone nahmen an dem heftigen Anstürme teil, wurden aber von den Japanern mit schweren Verlusten ^urüchgeschlagen.

Tschifu, 19. Sept. (Reuter.) Der nt ssischse Leut­nant Radziwilk, der den Burenkrieg auf englischer Seite mitgemacht hat, ist als Neherbringer von Depeschen von Gen eralleutnant Stössel an General Ku - r o p a t ki n hier angekommen, indem er der japanischen Wachsamkeit entschlüpft war. Er erzählt: Die Kriegführenden seien gegeneinander von schon­ungsloser Wildheit beseelt. Par la mentöre und Uebergabeflaggen würden aufkeinerSeite mehr b e a ch t e t. Generalleutnant Stössel lege in seinem Befehl an die Resahung Nachdruck auf die Notwendigkeit, Wider­stand bis ?rum letzten Vlutstr opfen zu leisten, da die japanischen Offiziere, wenn sie in der Festung einge­drungen sein würden, nicht in der Lage wären, die Soldaten davon ab/uhalien, ein Blutbad anzurichten. Der Kom­mandierende hätte 300 Pflegerinnen geraten, die Festung zu ve'l lassen. Dieselben hätten aber geantwortet, sie wollten sich lieber einem Blutbad aussehen, als ihren Posten ver­lassen. Red?,iwill führt folgendes Beispiel von der Wild* l)cit der Kriegführenden an. Bei dem letzten Sturm hätten zwei iapanische .Komvagnien, als sie sich abgeschnitten und her Onnbe her Russen preisgeaebeu gesehen hatten, die weiße F l a g g e gezeigt. Die Russen aber hätten, ab- sichtlich die Flagge unbeachtet lassend, Salven auf Salven aus diese hilflosen Reihen abge­

geben. Inzwischen hätten die Japaner, ihre Mißbillig­ung dieser Handlungsweise ausdrückend, auf die eigenen Kameraden geschossen. Die Folge davon wäre gewesen, daß 6 00 Mann, au fger i eben zwi­schen den verwesten Opfern früherer Dn- grlffe, gefallen seien. Die 53erlminbeten hätten noch Stunden nachher ihre Taschentücher mit den Armen hoch- gehalten als Zeichen um Hilfe. Aber bte Russen hätten sich nicht hinausgewagt. RabZiwill fügt hinzu, baß noch reichlich Munition für Geschütze imb Gewehre vorhanben sei und baß bie chinesischen Geschosse nur aus Sparsanv- keitSrücksichten gebraucht würden.

Paris, 19. Sept. Nach Meldungen aus Tschifu sind in der Nacht vom 18. b. M. zwei russische Offiziere, Prinz R a b z i w i l l unb Leutnant Ehristofow, aus Port Ar­thur angekommen. Prinz Nabztwill bezeichnet bie Ver­luste ber Japaner vor Port Arthur als enorm. Tausenbe von Leichen bedecken noch immer die Felder und verpesten bie Luft. Prinz Nadziwill hält Port Ar­thur für uneinnehmbar, bagegen meint Leutnant Ehristofow, baß Port Arthur sich wenigstens noch einen Monat halten könne.

Av8 der Mandschurei.

London, 19. Sept. Der Tokioer Berichterstatter desDaily Expreß" drahtet vom 18. b. M., die Schlacht gegen die ganze russische Armee unweit Mukden habe be­reits begonnen. Die ruffischen Stellungen werden schon besckwssen alS Vorbereitung für ben allgemeinen Vorßoß der japa­nischen Infanterie. Marschall Opama würde, den Weisungen des Generalstabes entsprechend, den Versuch macken, Mukdm zu er­stürmen und zugleich dnrck eine ausareifende Umgehungsbrnoeanng Kuropatkin den Rüctzug abzuschneiden. Die Vor- but der Japaner griff die Kolonne des Generals Mischtschenko an, der sich langsam nach Mukden zurückzog. Die Front der Japaner ist etioa 25 Meilen lang tmb beschreibt einen riesigen Halbkreis mit Kuroki als äußersten rechten Flügel. Okus Armee bildet das Zentrum, Nodzu nimmt den linken Flügel ein. Kuroki hat den Feind nock nickt anaegriffen, weil seine Armee mit der Aufgabe betraut ist, die ruffische Flanke zu umgehen.

Tokio, 18. Sept. (Reuter.) Marsck-all Ovama meldete heute früh, daß General Oku in Lvauiang 13 Russen gefangen genommen hat. Er berichtet fermer, daß die Javaner in Lianiang 30 Pferde, 2288 Gewehre, 127 Munitiouswckgl'n, 5892 Granaten. 859 930 9?atrmim große Mengen Holz Mebl. Reis, Futter Werkreuge und Kleidung erbeuteten. Die Ge­nerale Kuroki und Nodzu machten keine Gefangrnre. General Ku- rnFu habe 40 Pferde und Munitionswagen. 800 G'wchre, 300 Granaten, 600 000 Patronen, einen t"legrap-hifchen Apparat und verschiedene Werkzenge erbm^tet. General Nodru seien 490 Ge- trebre, 1164 Gran atm, 37 880 PaDonen, drei Heliographen. Telephonapparate, Werkzeuge, viel Mnndvorrat und Holz in die Hände gefallen. Die Deute, die General Oku machte, lohne bie Erricktrmg eines Devots. Oygma berichtet ferner: Die ruffisthen Kavaslmie-Vorirosten haben ihre Opmationsbafis in Pantschi-apan, Hanffvmr tmb Pafan^f^n^tau. Es finden täglick AufklärnngSri't^e in b-r Gegend von W"litaitsn und Menfulatai üatt. ,Die Rusten nehmen eine 12 Meilm lange Front in der Ricktinrg nack Tintang ein, W drei Meilen van Tatangschanvu entfernt ist. Ihre KavaNerie trägt jetzt eine andere Uniform, die grau-sckwarz ist.

prr Streik in Itatken.

Rom, 19. Sept. Die Arbeiter in Floren z, Li­vorno und Neapel beschlossen, hemta bie Arbeit ans 24 Stunden einzustellen. Die Gcsehäffslöben sind in diesen Stabten jedoch geöffnet. Auch in Verredig besteht der Ausstand weiter, doch sind dort die Laden geschlossen.

Rom, 19. Sept. In Venedig und Neapel führte die Ausstandsbewegimg zu Feinem bemerkenswerten Zwi­schenfall. Der Eisenbahnverkehr ^eigt daS gewöhnli.che Bild. Die DirrchfÜhnmg der Straßenbeleuchtung ist gesichert. In Genua imirbe gestern ein mehrfach vorbestrafbes In­dividuum von einem Mcmne getötet, den es yrn Kopfe verletzt unb zu entwaffnen versucht hatte. In Mai­land dauert der Ausstand fort. Indessen sind dort bie Kaufläden geöffnet. Der Wagen- tntb Eisenbahn­verkehr vollzieht sich wie gewöhnlich. Der Ausstand in Ankona, Forli und Como ist beendet. In Siena, Carrara, Nskoli, Piceno undNovara haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt.

Rom, 19. Sept. Aus Venedig wird geureldet: Streikende Arbeiter löschten aus und zertrümmerten gestern abend zahlreiche Straßenlaternen. Jnfolgebeffen mußten die Theater, die Warenhäuser und Laben.ge- schlossen werden. Heute blieben außer den Laden auch die Hotels geschlossen. Ausständige versuchten ver­geblich, in den Bahnhof zur Verhinderung des Eisenbahn­verkehrs einzubringen unb ben Tclephonverkehr zu unter­brechen. Heute abend herrscht Ruhe. Eine Krmbgebung her Arbeiterkamwer kündigt an, daß um Mitternacht die Arbeit wieder ausgenommen wird. Die Arbeiterkammer von Mailand teilt in einer Dekanntlnachung mit, daß mogenr um Mitternacht die Arbeit wieder ausgenommen wird.

Rom, 19. Sept. Nach Meldungen aus Pisa, Ri­mini, Ferrara herrscht auch dort der Aus­stand. In Neapel wurde heute eine dort den bei der Arbeitcrbörse eingetraßenen Verbänden einberufenen Ver­sammlung abgehalten, an der etwa 5000 Personen teil­nahmen. 3 Redner, darunter auch der Deputierte Merlino, hielten heftige Reden. Nach Schluß der Versammlung gingen alle Teilnehmer ruhig auseinander und leisteten den Aufforderungen der Polizeibeamten Folge. Der Pöbel und strafentlassene Persorpen begingen jedoch Ausschreit­ungen unb richteten einige unerhebliche Schüben an. Als bie bewaffnete Macht einscht'itt, kam es Zusammen­stößen. Dre Polizeibeam ten zogen b l a n k und verletzten einige P e rs one n. Sonst ereigneten sich weiter keine ernsteren Zwi schien fälle. Die Bel euchtung der Straßen ist

für heute abend gesichert, ebenso die Drotversorgung flirt morgen. In Florenz fand heute ebenfalls eine Set* jarnmhing statt. Nach derselben durck^og eine wenig zahl­reiche Menge von Ausständigen die Straßen und erzwangt die Einstellung des Sttaßenbahnverkehrs. Die Truppeni> zerstreuten die Menge, ohne daß es zu Unruhen tarn.

Genna, 19. Sept. Der Ausstand ist beendeL. Die Eisenbahnen verkehren regelmäßig. Tie Arbeider, ein*] schließlich bet Hafenarbeiter, nahmen bie Arbeit wieder^ auf. Die Nachl verlief ruhig, abgesehen von einem Zu-> sanrmenstoße mit der Polizei, der sich ereignete, als Aus­ständige den Wagen des Generals Escard, der sich nach Sampierdarena begeben wollte, gewaltsam anhalten wollten, aber von Polizeibeamten daran gehindert wurden. Als bie Polizei mehrere Ausständige verhaften wollte, leisteten diese Wiberstand und versuchten einem PoltteiB beamten die Waffe zu entreißen; der Polizeibeamte schoß unb tötete einen. Tie auswärts verbreitete Nachricht, daß hier bei ben Streikunruhen 80 Person en getötet worden seien, ist vollständig unb e grün bet

Lugano, 19. Sept Nach einer hier a6gehaltenen Protestversamwlung italienischer Sozialisten gegen das Mi­nisterium Gioletti zog ein Trupp von 50 Personen vor das italrenische Konsulat, riß bas Konsulatswappen ab? und warf es in den See.

Paris, 19. Sept. Der Korrespondent ,^Iouma^ tele- graphiett über Nitzza folgendes aus Nom: Ter Ministerrat be­schloß, die zweite Reserve unter die Fahne zu berufen, um mit diesen Truppen in den durch ben Streik bedrohten Städten bie Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Mmisterpräsident hat seine N'ise nach Nacconigi vertagt. In Ponto Nuovo wurde« viele Eitscnbahnzüge angehalten, sogar lkinber warfen sich vor bie Maschinen. Es kam zu Straßentnmulten, wobei der 45jährige Arbeiter Garello von P o l i z e ia g e u t e n getötet wurde. Tie Apotheken wurden von der Gendarmerie besetzt, um die Medikamente für bie zahlreichen Verwundeten bei den Sttaßen- tumulten vor der Vernichtung zu schützen; die Menge griff die Gendarmerie mit Steinen unb Revolvern an. Bei dem Gedränge mürbe ein Arbeiter totgedrückt. Zahlr eiche Fahnen^ die anläßlich der Gclmrt des Thronfolgers ausgehangen, wurden von der aufgeregten Menge zerrissen. In Genua drangen die AuSständipen in den Bahnhof und verhinderten die Abfahrt ber Züge. In Rivaverrelo wurden die Eisenbahnlinien streckenwk^se; anfgerissen, fot>. der Eisenbahnverkehr unterbrochen wurde. In Mailand feiern sämtliche Eifenbahnangestellten. In Como durch­ziehen die Streikenden die Straßen. Der Tmnpferdienst ist etw gestellt worden. Der Bürgermeister hat infolge der jetzigen zahl­reichen Niedermetzelungen bie öffentlichen Lustbarkeiten! zum Zeichen ber Trauer verboten. Die Drbeiterbörfe hat ben Mitgliedern sckmarzumränderte Aufrufe überreichen lasten, hier­mit zum Ausstand aufforbemb. Der Abg. Gerruld Rickards der auf ber Fahrt nach Nom zum Freimaurerkongreß begriffen war, telegraphiert seinem BlattePetit Republiau^, daß er mit zahlreichen anderen Reisenden nach Nizza zurückkehren mußte, da der Zug entgleist war.

Iaßttsversammlnng des ßffflfrfjen Landesvereins für innere Wisston.

K -B. Darmstadt, 19. September.

Der hestische Landesverein für innere Mission hielt gestern und heute hier sein 40. IahreSseft ab, an welchem auch zahl­reiche Gäste, besonders Geistliche, von auswärts feifnoßmen. Die Feier begann gestern abend mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Die Festpredigt hielt Pfarrer M a hling auS Frankfurt a. M. Spater fand im Kaisersaal ein all­gemeiner Familienabend statt, welchem fast sämtliche hiesigen Geistlichen, sowie Oberkonsisiorialpräsident D. Buchner bei­wohnten. Nachdem der Vorsitzende Prof. Weimar die sehr zahlreich besiichte Vsrsammlung freudig begrüßt hatte, hielt Pfarrer Lia. Weber auS München-Gladbach einen längeren Vortrag über .Die sozialen Aufgaben der evangelischen Christenheit^. Der Redner legte dar, daß der schwächste Punkt im sozialen Leben der Gegenwart der IndifferenttsmuS sei. Das Christentum muffe wieder einen männlicheren Zug bekommen, es sei sehr zu beklagen, daß gerade die Manner von Besitz unb Bildung so wenig eigenes Christentum zeigen. Jeder bewußte Christ sei eine starke Gegenwehr gegen die Sozialdemokratie. Man müsse aber streng unterscheiden zwischen Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie. Die letztere sei unchristlich und habe sich direkt a(5 Feindin deS Christen­tums bekannt, deshalb müffe sie auch offen und nachdrücklich bekämpft werden. Als weitere Aufgaben deS evangelischen Christentums erklärte der Redner den Kampf gegen die Vcr- gnügungS- unb Trunksucht, eine bessere Jugenderziehung auf christlich-sittlicher Grundlage und festere Organisation.

Nach diesem Vortrag begrüßte noch Pfarrer Waitz die Versammlung namens des Evangelischen Bundes.

Heute vormittag fand um 9 Uhr eine Sitzung der Synodalvertretr, Agenten und Ausschußmitglieder statt, in welcher daS Thema »Rechte und Pflichten der Synodal- oertreter* durch den Referenten, Pfarrer Waldeck- Beerfelden behandelt wurde.

Die allgemeine Jahresversammlung, die um IOV4 Uhr im Furstensaal eröffnet wurde, war auch von den Herren Oberkonsisiorialpräsident D. Buchner, Prälat D. Walz, den Oberkonsistorialräien Nebel unb FlÖring, Bürgermeister Dr. G ssing u. a. besucht. Nachdem Pfarrer Grünewald- Mainz die Eröffnungspredigt unter Zugrunde­legung des Wo, gefallen", sprach Prälat D. Walz namens des Oberkonsisto­rium L herzliche Begrüßungsworte und die besten Wünsche filt den segensvollen Verlauf der Beratungen. Bürgermeister Dr. Glüssing hieß die Versammlung namens der Stadt