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20.8.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 195

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Siehrn

Erscheint tSglich mit Ausnahme deS DonntagS.

DieGießener Kamiliendlatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der .heffifcht Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Samstag Ä0. August 1VV4

- . . .. . AA Rotationsdruck und Verlag der Brüh! Ich«,

Ml Oi O W r Universttätsdruckerei. R. Lange, Gieß«.

ÄJP W g| WM V A M. H ll'wl B. TjJI iCr & Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr. V.

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Volttische Tagesschau.

Rentable Kolonien.

Man schreibt uns aus Kolonialkreisen:

Als die Japaner durch den Frieden von Shimonoseki die Insel Formosa erhielten, stießen sie in dieser Kolonie zuerst auf erbitterten Widerstand. Es wurde bezweifelt, daß es ihnen jemals gelingen werde, die kolonisatorische Aufgabe, die ihnen unerwartet zufiel, zu lösen. Formosa- Kaufleute der verschiedensten Nationen bestätigen heute, daß das Eiland sich zahlt und aus dem Widerstand des Wert* vollen Eingeborenen-Elements Wohlwollen gegen die Re­gierung des Mikado geworden ist. Wodurch haben die Ja­paner das erreicht? Durch die reichliche Anwendung japanischen Kapitals, japanischer Intelli­genz und ungehinderter kaufmännischer Ar­beit. Die Art, wie des Mikado Staatsmänner vorgehen, führt chnen die Unterstützung der japanischen Hochfinanz zu. Ihr Vorgehen könnte den Zankees zum Borbilde bienen. Wenn die Philippinen heute ein zehrendes Glied am Staatskörper der Union sind, so liegt das an der Zurück­haltung des amerikanischen Kapitals, das in den eigenen Südstaaten, im amerikan-ischM und kanadischen Westen, in Mexiko sich lohnend beschäftigt sieht. Von den Gefahren, welche der Vorherrschaft der Union auf Euba vorhergesagt worden sind, hat sich keine verwirklicht. Weil der befruch­tende Dollar sofort die Vorteile der Verbindung den er­werbenden Ständen klar gemacht hat. West in di ens Re­publiken sind formell noch nicht annektiert, aber ohne Einver­leibung Wirtschafts kolonien des Sternenbanners. Eine der verrufensten englischen Kolonien, Westafrika, hat unter dem letzten Gouverneur, der tüchtigen Plantagewirte und Techniker, vor allem aber englisches Kapital heranzuziehen verstanden hat, mit Riesenschrittes vorwärts zu gehen be­gonnen. Es wird bald die Baumwollkammer Englands sein. In dieser Stellung wird ihm vielleicht nur der Kongo- staat den Platz streitig machen können. Der Kongostaat kann sich heute selbst erhalten, in ein paar Jahren wird er rentieren. Wie schwer aber war es, das belgische Kapital für das Unternehmen des Königs zu interessieren! Heute ist das Kongolos derartig unter dem belgischen Mittel- kapital vertreten, daß man von einem nationalen Wirt­schaftsinteresse an dem afrikanischen Besitze reden kann. Auf dem Wiesbadener internationalen Kolonialkongreß hat einer der ersten deutschen Kolonialfinan^männer gesagt, wenn Frankreich und Deutschland heute ihre Kolonien aufgeben müßten, so würden sie eine Einbuße an Prestige, an politischer Stellung, an Zukunft erleiden, aber in der Bevölkerung würde nie­mand den Verlust eines gegenwärtigen Akti- vums empfinden. Frankreich hat ein so rasches An­schwellen seines Ueberfeebesitzes gesehen, daß dessen Finan­zierung selbst über die Kräfte seines unerschöpflichen Spar- ilrumpses ging: engherzige Gesetze, Unverständnis der Bureaukratie in der Behandlung der Eingeborenen, Schma­rotzertum in der Kolonialverwaltung, haben die Nation ihres Schatzes noch nicht recht froh werden lassen, obwohl einige tüchtige Gouverneure aus der jungftanzöfischen Poli- tikergruppe in den letzten fünf Jahren den Handel nach den Kolonien, besonders nach Nordafrika, verdoppelt haben. Englands Kolonien sind heute anders als früher die ameri­kanischen, wenigstens int wirtschaftlichen Sinne unverlier­

ziehungeu dauernde bleiben und sich im Interesse von Wem- prämktion und Weinabsatz in erfreulichster Weise entwickeln möchten. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung und der Verwaltung sei nichts" besonders Bemerkenswertes zu berichten. Erwähnung mag nur finden, daß die Handelskammern von ihren Be­mühungen, dte landwirLschafckick^n Genossenschaften zu Beiträgen heranzuziehcn.durchaus nicht ablassen wollen.

Zu dem statistischen Nachweis übergehend, hebt der Anwalt hervor, daß die Gesamtzahl der deutschen Genossenschaften am 1 Juli laufenden Jahren auf ca. 22 400 gestiegen sei, worunter sich 18 309 landwirtsä-aftliche Genossenschaften befänden. Diese gliedern sich in 12 477 Spar- und Larlehnskassen, 1754 Bezugs- genossenschast.n, 2713 Molkereigenossenschaften und 1365 sonstige Genossensa-aften. Bei allen G.nossenschaftsarten sei eine Zunahme zu konstatieren, besonders groß sei dieselbe in dem Berichtsjahre bei den Bezugsgenofsenschaften gewesen. Von den 18 309 ländlichen Genossenschaften wären 1820, mehr als die Hülste von allen, dem Reichsverband angcschlossen; der Bestand derselben beziffere sich zurzeft aus 11000 Genossenschaften mit 1 Million Mit­gliedern. Tie Statistik für den 1. Juli 1904 verzeichne in 28 Verbänden: 54 Zentralgenossenschaften, 7034 et>ai> und Tar- lehnskassen, 1927 Bezugsgenossenschaften, 1370 Molkereigenossen­schaften und 615 sonstige Genossenschaften.

Tie Landes- und Provinzial-Zentralkassen des ReichsverbandeL hatten im Jahre 1903 einen Gesamtumsatz von 1782 ^Millionen Mark (im Vorjahr 1623 Millionen Mark-. Tie Summe der an die Genossenschaften ausgczahlten Gelder betrug 301^ Millwnen Mark gegen 286 Millionen Mark im Vorjahr; die ^umme der von den Genossenschaften eingezahlten Gelder 311 Millionen Mark gegen 302 Millionen Mark im Vorjahr, sodaß im Jahr 1903 sich ein Ueberschuß der Rückzahlungen in Höhe von 9 Millionen Mark ergab. Insgesamt betrug das Betriebskapital Ende 1903 118 Millionen Mark gegen 96 Millionen Mark im Voriahr. Tas eigene Betriebskapital 9,44 Millionen gegen 7,27 Millwnen

Von ben Zentralkassen außerhalb des Reichsverbandes hatten die isolieren Provmzialtassen (Waaienherm, Stuttgart und Trier - einen Umsatz von 81 Millionen Mark gegen 75 im Voriahr; die Zentralkasse des Bundes der Landwirte 149 Millionen Mart, pie Zentralkasse Neuwied 660 Millionen Mark gegen 530 im Vorjahr. Ter Gesamtumsatz sämtliä-er Zentralkassen betrug.sonach 2672 Millionen Mark gegen 2340 Mlllionen Mark im Borjas, also ein Mehrumsatz von 332 Millionen Mart.

Tie Zentralbezugs- und Absatzgenosseuschaften des Rerms- Verbandes, deren Zahl durch den Zutritt der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft Berlin auf 23 gesttegen ist, haben im Jahre 1903 Waren im Werte von 57,1 Millionen Mark gegen 51 Millio­nen im Vorjahr bezogen. ,Der Menge nach belief sich der Bezug auf 2474 Millionen Zentner gegen 19,70 Mlllionen Zentner im Vorjahr. _ . z, _

Von den sonstigen großen, zum Tell allerdings nicht aus gt\ nossenschaftlichcr Grundlage beruhenden Bezugsorganisationen liegen nur generelle Angaben vor. So setzte die Zentral-Darlehns- kasse für Deutschland in Neuwi^ im Jahre 1903 im Bezug landwinschafttiüier Bedarfsartikel und im Absatz landwirtschaft­licher Erzeugnisse 50 Millionen Mark um. Tie Deutsche Land- wirtschastsgesellschaft gibt ihren Bezug an Düngemitteln, sowie ihre Vermittlung in Saatgut uni> Futtermittel für 1903 auf 7 Millionen Zentner im Wert von 13 Mlllionen Mark an, die Verkaufsstelle des Bundes der Landwirte gu f3,l Mlllionen Zentner im Wert von 5 Millionen Mark.

Ter Warenbezug.aller Genossenschaften des ReichisverbandeS stellte sich auf rund 75 Millionen Mark, während der gemein­same Gesamtbezug der deutschen Landwirtschaft etwa 140 Millio­nen Mark^

Tie ZentralbutterverkaufSgenofsenschaften des Reichsverbandes haben im Jahre 1904 für rund 10,5 Millionen Mark Butter abgesetzt, gegen 6,25 Millionen Mark im Vorjahr.

Zur wirtschaftlichen Zentrale des Reichsverbandes, der Landwirtschaftlichen Reichsgenossenschaftsbank

bar, weil jeder Wte direkt oder indirekt in den Kolonien wirtschaftlich interessiert ist. Will Deutschland aus seinen passiven Kolonien aktive machen, so muß es dem Gelde, der Schaffenslust auch der kleinen Leute in den Kolonien ein lohnendes g-elü ungetyinber» ter und gesich er ter Betätigung eröffnen.

20. Deutscher Laudrvirtschastt. Keuossenschaststag.

S. n. H. P o s e n, 18. August.

Unter überaus zahlreicher Beteiligung trat heute hier der 20. Deutsche Landwirtsä-aftlich? Genossenschaftstag zusammen. Der Anwalt des Reichsverbandes der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossensä-afttn, Geheimrat Haas-Tarmstadt, entbietet dm Erschienenen Willkommensgruß, insbesondere den Ehrengästen. Nachdem Haas ein Kaiserhoch ausgebracht hatte, übertrug er den Vorsitz dem Ehrenpräsidenten Wirkst Geh. Rat Frhr. von Wilamowitz-Möllendorff.

Bürgermeister Künz er begrüßte die Versammlung im Namen der Stadt Posen. In unserer mehr wirtschaftlich als politisch erregten Zeit würden die wirtsck-aftlichen Interessen­gegensätze häutiger und temperamentvoller betont als in politisch gehobenen Zeiten. Redner sei aber der Ueberzeugung, daß es keine wirtsäzaftlichen Interessengegensätze gäbe, ^welche niäft Überbrückt werden könnten So glaube er, dast auch die Jnteressengegmsätze, die zwischen Landwirtschaft, Han­del und Industrie vorhanden seien, abgeschafft und der Kampf um sie gemildert werden können. Vorbedingung hierzu sei aber gegenseitigeKSichverstehen. Deshalb wünsche Redner, haß die Tagung dazu beitrage, die Aufgaben und Ziele des Genossensck>aftswesens der Bürgerschaft, speziell den Inter­essenten des Handels und dec Industrie näher zu bringen. Anderer­seits wünsä-e er, daß auch die Genossenschaften von hier die Ueberzeugung mitnehmen mögen, daß es vielfach wichtige Fragen der Existenz seien, welche gelegentlich einzelne Zweige des Handels in Gegensatz zu den Genossenschaften bringen, und daß es nötig sei, die Interessensphäre beider gegeneinander lokal und sachlich abzugrenzen und nicht dort auf denjenigen Gebieten, .auf denen Zwischenhandel und Handwerk Ausreick-endes (eilten können, sie durch genossenschaflliche Tätigkell in ihrer Existenz zu bedrohen. Beide Telle würden zur Verständigung kommen, wenn sie sich gegenwärtig halten, daß auch über den wichtigsten wirtschaftlichen Interessen das Interesse des Gemeinwohls, pes Staatsganzen stehen müsse.

Hierauf wird in die Verhandlungen eingetreten. Oekonomierat Hüneiasky hüll den ersten Vortrag>er:Tie Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in der Provinz Posen. Ten Jahresbericht für 1903/04 erstattet der An­walt, Geh. Rat' Haas-Tarmstadt. Die landwirtschaflliche Ge­nossenschaftsbewegung habe sich im Berichtsjahre in be|onders ruhigen Bahnen bewegt. Allerdings hätten der Entwicklung der länt>Ud)en Spar- und Tarlehnslassen durch das Scherlsche Spar­system und durch den Hamburger Gesetzentwurf betreffend die Führung der Bezeichnung Sparkasse Gefahren gedrohst Glück- liäzerweise fei der Plan des Herrn Scherl einstimmig von allen Faktoren der öficutlidyen Meinung und den interessierten öffent- lict-en Kassen abgelehnt, und auch der Hamburger Gesetzerttwurf sei, hoffentlich für .immer, vom Plane verschwunden. Bestehen geblieben seien frellich die Angriffe des H a n d e l s , die sich zu einem wahren Sturmlauf gegen das landwirtschaftliche Ge­nossenschaftswesen entwickell hätten. Sie seien unbegründet, penn nicht der Staatshilfe, sondern ihren eigenen wirtschafllichen und sittliä)en Kräfte verdanke die ländliche Genossenschafts­bewegung ihre Erfolge. Im übrigen würden diese Angriffe den Genossenschaften nickfts schcchen, sondern im Gegenteil auch die noch fernstehenden Kreise der ländlichen Bevölkerung für das Ge­nossenschaftswesen gewinnen. .In einem wohltuenden Gegensatz zu den Angriffen des Handels im allgemeinen stünde die An­bahnung von Gejäiüstsbeziehungen zwischen dem Weinhandel und den Winzergenossenscl-aften. Es sei zu wünschen, daß diese Be-

Wlsjenschaft, Kunst und Lttteratur.

Zu einer Ehrung Robert Kochs zu seinem 60. Ge­burtstage vereinigte sich jüngst im Institut für Infektions­krankheiten zu Berlin ein KrciS _von Schülern und Freunden Kocl-s. Sie haben einen Baird wissenschafllicher Arbeiten von-ülern zusammengetragen, und von Johannes Pfuhl eine Büste Kochs fertigen las,en, die im Institut für Jnfektions- kran checken auf gestellt worden ist. Bei der UeberreillMng dieser Büste hielten die Professoren Waldeyer, Kirchner und Gas fky-Gießen Anspracl)em Koch antwortete mit den folgenden interessanten Ausführungen über die Lage seiner Wissenschaft, die toir derDeutschen med. Wochenschr." entnehmen: ,^Es ist Ihnen ja allen aus eigener Erfahrung bekannt, .daß biejenigeii Forscher, welche auf unserem Gebiete arbeiten, heutzutage nicht auf Rosen gebettet sind. Tie schönen Zeiten sind längst vorüber, als man buC wenigen Bakteriologen noch an den Fingern ab­zählen und ein jeder pon ihnen unbehelligt welle Gebiete durchp- forschen konnte. Jetzt ist meist viel fieies Feld mehr vorhanden, und ungezählte Scharerr drängen sich um ihren Abbau, da ein jeder noch em Stückchen Erfolg erhaschen möchte. Ta kann es nickst ausbleiben, daß man auch bei der bescheidensten und vor­sichtigsten Abgrenzung des Arbellsgebietes dem einen auf den Fuß lrckt einem anderen, ohne es zu wollen, einen Stoß versetzt, dem dritten zu nahe an fern Gebiet kommt und, ehe man es sich versieht, auf allen Seiten bon Kegnern umringt ist Ties ist natürlich nicht angenehm, es nimmt einem die Ruhe und die Freude an der Arbeit. Ich muß in dieser Beziehung über be­sonderes Mißgesckstck klagen; denn ich rann reden oder schreiben, was ich will, so stoße ich immer auf leidenschafllichen Wider­spruch und lech.r gerade bei solchen Leuten, welche von der Sache wenig oder nickM verstehen und am loeuigsten dazu berufen fini>, ein Urteil darüber abzugeben. Ta ist mir schon öfters der Gedanke gekommen, die BüMe ins Korn M werfen mtb nicht mehr mitzutun. Aber wenn ich, wie bei der heutigen Feier, sehe, daß ich noch so viele Freunde und getreue Mitarbeiter habe, auf bereit Verständnis und Hilfe, wenn es sein muß, ich reioncn kann, .d.mn muß aller Mißmut und alle Unlust schwinden. Ich werde allerdings die immer schwerer werdende Last der Verwaltung eines großen Jnstlluts abgeben, aber dieser Schritt hat nickst die Bedeutung, als wolle ich unserer Wissenschaft un­treu werden. Nein, meine Herren, ich verspreche Ihnen im Gegen­teil, soweit und solange ^meine Kräfte ristcheu, Mt Ihnen und für Sie tätig zu sein."

Stuttgart, JL9. Aug. Gestern mittag wurde hier der 14. internationale Amerikanisten Kongreß eröffnet. Zur Eröffnungsfeier to*ren erfchllnen der König von Würt­temberg uno Prinzessin Therese von Bayern. Auf die Begrüßung durch den Präsidenten Prof, von den Steinen versickerte der König, daß er mit Freuden dem Ruse gefolgt sei, daS Protektorat scher die Verjamnckung zu übernehmen. Er hoffe Paß sich bte iii bni. in Stuttgart wohl und behaglich fühle» werden, und üiii; das Ergebnis der Verhatrdlungen von bleibendem Werte sein wcro. Im Warnen der Württemberg!säum StaatSreaierung begrüßte sodann die Versammlung der Ehrenpräsident Kultus

Minister Tr. von Weizsäcker, im Namen der Universität Tübingen Professor Dr. Hämng. Professor Bras-Newhork dankte im 9camen der amerikanischen Teilnehmer des Kongresses für den herzlichen Empfang. Sodann begannen die wissensckMftlichen Vorträge, in deren Mittelpunkt ein Referat von Rektor Kapff-Stuttgart üebr die Beteiligung der Württemberger an der amerikanischen Kolonisation stand. Bei dem Imbiß im Schloß ^,Wilhclma", zu dem der König die Teilnehmer des Kongresses geladen hatte, wies der König in einer Ansprache an feine Gäste darauf hin, daß es eine Ehre für Stuttgart sei, so viele Männer der Wissenschaft und der Forsckstmg in seinen Mauern beherbergen zu dürfen. Ter König trank aus das Wohl und das Gedeihm des Kongresses, insonderheit aus das Wohl der Prinzessin Therese von Bayern, her die Wissenschaft so viel zu danken habe. Heute vormittaa begann die erste ge­schäftlich' Sitzung des Kongresses, die von der Prinzessin Tl>erese von Bayern als Ehreupräiscdentin geleitet wurde. Tie Reihe der Vorträge eröffnete Professor Tr. Fraas-Stuttgart mit einer Ver­gleichung der europärschn und der amerikanischen Juraformation. Tie Verhandlungen des Kmrgresses lverden nock> bis zum nächsten Tienslag dauern, worauf am Mittwoch eine Fahrt nach Fried­richshafen und nach den prähistorischu Fundstätten bei Schaff- l-ausen folgt.

Laut einem und vorliegenden Prospekt wird Mitte Sep­tember eine neue groß angelegte Familien-Zeitschrift vornehmsten Stiles erscheinen, bte sich ausschließlich mit derKunst im Leben des Kindes" befassen wird. Während e5 sonst auf allen Gebieten nicht an guten Zeitschriften oder einschlägiger Lite­ratur fehlt, weist der sonst überreich besetzte Tisch doch feinen Platz auf, an dem der Heranwachsenden Generation ihr berechtigter Teil an der Kunst würde ! Die moderne Pädagogik, die neue Erziehungv' fünft wurzelt in dem Leitsätze:Das Kind nicht lediglich für das Leben zu erziehen, sondern ihm die Freude am Leden zu erhalten". Und das vermag nichts anderes besser zu erreichen, als die Kunst in ihrer vielfachen Beziehung zum Leben. Sie fundiert und stützt den Gr-undpfeiler ^Freude am Leben" derart, daß er fähig wird, den Willen zum Leben mit allen seinen Konsequeinen auf sich zu nehmen I Tas Programm dieser neue» Zeitschrift soll in der Pflege der Bestrebungen zur Förderung der^Km,st int Leben deS Kindes" rouneln, die es mit dem vielverheißenden Titel , R i n b und Kunst" deckt. Naturgemäß ist für diese Zeitschrift, die monatlich in je einem starken Heft zur Ausaabe gelangen soll, cme hervorrage,id schöne Illustrierung durch Dteisterwerke der Kunst vorgesehen, die dem Kiiide da« Beste bieten, und deninach auch noch dem Erwachsenen einen hohen Genuß gewähren wird. Aber auch mustergiltige Werke der Älusik und Dlchtttmft in Liedern, (Gedichten und Märchen sollen dafür herangewgen werden, nnb ebenso das Spiel, der Reigen, die Fröbelschen Beschästigungsspivle und Arbeits­gebiete des KnabenhandfertigkeltS'Uliterrichtes. Wir ersehen hieraus, daß eS sich ailch für die ZeitschriftKind und Kirnst" um ein gut zufammengesteüles Programm handelt, bas einen Teil des moder» neu Reform-Werkes im Erziehungsplane der Schule bildet und in sich eine weitere Durchführimg der Reform-Ideen des Heraus­gebers limfaßt. Die Zeitschrift wendet sich damit an die weitesten

Kreise und in erster Linie an die Erzieher, an die Famllie und Schule. Und eine größere Anzahl ^Preis-Ausschreiben", an denen jedermann sich beteiligen darf, werden Aufgaben stellen, die allgemeines Juteresse beanspruchen. Daß erste Schriftsteller und Künstler als Mitarbeiter genannt werden, bedarf wohl kaum einer Hervorhebung, drängen doch diese geradezu nach Verwirklichung einer solchen Zeitschrift, wie sieRinb und Kunst" fern soll. Somit dürfen wir auch hoffen, daß diese Zeitschrift, deren BeziigspreiS im Verhältnis zu dem reichhalligen Inhalt fehr niedrig bemeffen sein soll, zu einer gewichtigen Stimme für die Forderimgen der mo­dernen Kultur werden wird. Das erste Heft soll Dlltte September zur A.nSgabe gelangen. *

Die Flotte.Augustheft, gedenkt in erster Linie des hieimgegangenLn Dichters Wilhelm Jordan, dessen Tättg- keit als Rat im Zeutralantt der Deutschen Marine während der sturmbewegten Tage der Jahre 1848/49 von Paul Wittkv hervor-^ gehoben wird. Umvillkürlich drängt sich dem Leser ein Vergleich aus über das Einst und Jetzt. Professor Dr. Ehrenbaum, Helgo­land, behandeltDie großen Seefischereien im Nord­atlantischen Ozcan" und erwähnt, daß in dem genannten. Gebiet es hauptsächlich Neufundland, Jslaird und die ^ofottn sind, in deren Gewässern alljährlich große Mengen von Fisckzern ihre gewinnbringcnbe Tätig leit auSüben. Diesen Gebieten reihen sich ebenbürtig an die vor der nvrdainerikanischcu Küste liegen­den Bänke einerseits und andererseits die ausgedel-nten Fisch- grütlde der Nordsee mtb ihre Umgebung. Verfasser geht dann näher ein auf die Neufundlandftsck>erei und wird in dem nächsten Heft die Fortsetzung seiner interessanten Darlegungen bringen. D i c Marinegeschütze und deren M u n r t i o n e n" schildert Regierungsrat Treptow, Chirrlottenlmrg. Während der Aufsatz im Juuihest die Geschützverschlüsse erörtert, wird diesmal die Munition vorgeführt; dem Verständnis kommen ausgezeich­nete Abbildungen zur Hilfe. Wir crtal)rcit rtühcres über die Panzergesüwsse, die Granaten unb die Sprenggranaten. Der Ma- rinesck)-riftsteller WislicenuS, Berlin, bespricht üi knaiwen Worten den neuesten Nautikns, der eigentlich den UntertüeNül)ren sollte.- Leitfaden für Redner über Flottcnsaüren im Flottcn-Vcrein und im Reichstage sowie Hand- und ^Nachschlagebuch für alle Schriftleiter deuficher Zeitungen". Maler Martin zeigt uns die neuesten deutschen Linienschiffe derN" Klasse, vorläufig aber nur int wolstgelungenen Vollbild. Möchten reckst bnli> die fünf Sastfse dieser Klaffe die Meere durchfurchen!. Pater ^tenz schuden Das chinesische Schifferv ol k, die Man-t-e . Der ciniad) unb nett gcsebrübeue Aussatz möchte gerabc letzt, wo -- ft- ajien die Augen der Welt auf sieb zieht, für mandjen Scfer rnicr- essant fein. Die Vereinsnachrichtcn l^u ei en, daß uiftere Flottcn- fveunbe trotz Hitze und Sonnenglut mit Eger bet der Arbeit sind. Der in Dresden ansgcstreute Samen hat Wurzel gefaßt, in allen dcutsipen Landen regt es sich und tnuncr lauter wird der Ruf cuidmlleu:

Derckt de.' Ruhms vergangener Zerl

VolkeSwotzl und Herrlickckeit Hilix'n auf fixtem Meere."