Ausgabe 
20.8.1904 Erstes Blatt
 
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alle so weit brvfflert, das; ihn keiner mehr beim König zu ver­klage wogte. aber gegen spitze Frauenzungen wußte er auch Mit Mittel. Er konnte boo> nicht die Gräfin A. und die Baronin B. zur Verantwortung ziehen, weil sie ihn bei Hoseverklatscht" hatten. Dazu kommt noch, bnfo die Frauen manchmal diirch Aufwerfung von Etikettefragen ganz schwierige diplomatische Di tuationen schaffen. Uraltes Vorbild dafür ist die Rivalität der Königinnen vor dem Münster in Worms, welche die Nibcllungen nvtsch

Aus Stadt und Land.

ließen, den 20. August 1904.

Ein kleines Provinz blättchen fühlt sich ver­anlaßt, nochmals auf eine gerichtlich anSqetragenc Angelegen­heit zunlckzukommen.Der Gewährsmann ", der sich der be­treffenden alten Frau so sehr annimmt, scheint offenbar ein intimer Bekannter von ihr zu sein, da er sie mich in ihrer JnterimSwohnung besucht hat. Hätte er dies auch in der bisherigen Wohnung getan, deren Räumung ihm so viel Schmerzen macht, so würde er vielleicht nicht so vorschnell geurteilt haben, er müßte es denn für eine Annehmlichkeit halten, sein Haus in den Händen der­artiger Mieter zu wissen, die obendrein keine Miete zahlen Wir geben ihm gern Gelegenheit, die von der Frau ver- laffene Wohnung zu besichtigen und, wenn er Lust bat, auf ein paar Tage als unentgeltliche Sommerfrische zu benutzen, empfehlen ihm aber, auch nach der inzwischen vollzogenen Reinigung, Vorsicht zu üben. Sollte er selbst dann sich nicht belehren lassen, so gehört er zu der seltenen Sorte jener wunderbaren Schwärmer, die ihre Wohnung durch Leute, für die das gemeinnützige SiechenhauS geschaffen ist, gern be­schmutzen lasten und an Stelle der Miete noch Kosten, Un­dank und das Unverständnis derGewährsleute" zu schätzen wissen.

* Zu dem gestrigen ArtikelZur Warnung" wird uns folgendes aus Butzbach geschrieben: Zwei kleine, sechsjährige Buben vergnügten sich damit, auf dem neuen Wege, der an das Bahngeleise grenzt, Steine in die Höhe zu schleudern, wobei einer den andern zu übertreffen suchte. Un­glücklicherweise flog bei dieser ungehörigen Spielerei ein Stein wider das Wagenfenster eines vorbeisahrenden Zuges. Bei den kleinen Schlingels lag keineswegs eine böse Absicht vor, sie waren sich nicht bewußt, daß sie etwas Schlimmes an­richten konnten. Der Hauptlehrer der Stadtschule, Herr Aug. Storch, ist nach erstatteter Anzeige der Bahnbehörde der Sache auf den Grund gegangen und hat dieses fest- gestellt. Tie Jungen sind bestraft worden, weil sie mit Steinen geworfen haben, und außerdem sind die Eltern von dem Geschehnis in Kenntnis gesetzt worden.

** Stenograp hie. Dir weisen auch au dieser Stellte daraus hin, daß der Gabelsberger Stenographen-Vercin am 26. d. Mts., abends 8 Uhr im kaufmännischen Vereins­hause einen neuen Anfängerllursus, den vierten im letzten Vereinsjahre, eröffnet. K^in Kaufmann, kein Beamter, kein Bureaugehilfe sollte es versäumen, sich die Kenntnis der SchneUschrift an^ueignen, die heute fast überall da, wo viel Schreibwerk zu erledigen ist, mit Erfolg ange­wandt wird unb die kein Geschäft und keine Behörde, die sich ihrer bedient, mehr entbehren könnte.

X. Klein-Linden, 20. Aug. In aller Kürze finden in hiefiger Gemeinde die Gemeinderatswahlen und gleich darauf die Bürgermeisterwahl statt. Die Wähler­listen liegen gegenwärtig zu jedermanns Einsicht aus.

-0- Wa tzen born-Steinberg, 19. Aug. Zur Er­innerung an den heißen Tag von G r a v e l o 11 eS t. Privat und an sein 30 jähriges Bestehen veranstaltete der hiesige Kriegerverein eine Feier. Um 8 Uhr versammelte er sich in der Krone zu Steinberg. Gegen 9 Uhr bewegte sich dann ein Fackelzug unter den Klängen der Musik durch Steinberg nach Watzenborn. Hier auf dem Kreuze, vor der Wirtschaft zum Löwen, hielt der Präsident des KriegervereinS, Leicht, die Festrede. Er schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Groß­herzog, welches von den Anwesenden freudig aufgenommen wurde, und die in daS LiedHeil, unferm Fürsten, heil" einstimmten. Nun begab man sich in den Sommerschen Saal, wo die eigentliche Feier abgehalten wurde. Präsident Leicht warf einen Rückblick auf den Verein von deffen Ent­stehen bis heute. Bürgermeister Hirz gedachte der Veteranen und brachte ein Hoch auf diese aus. Kamerad Nunenthal gab eine heitere Geschichte aus dem Jahre 1870 zum Besten. Der Gesangverein Germania trug mehrere Lieder wir­kungsvoll vor. Erst in später Stunde begab man sich nach Hause.

sch. Lich, 19. Aug. ImHolländischen Hofe" sand gestern abend eine vom Stenographen-Verein unter zahlreicher Beteiligung zur Erinnerung an die Schlacht bei Gravelotte veranstaltete würdige Feier statt. Dieselbe wurde durch eine Ansprache sowie patriotische Lieder ein» geleitet. Namentlich der Vortrag des Vereinsmitglieds Finanz-Aspirant Gg. Keck fand reichen Beifall. Er endete mit einem Hoch aus den Kaiser und den Großherzog. Nach der offiziellen Feier blieben die Mitglieder noch lange in ge­mütlicher Stimmung beisammen.

X. Hungen, 19. Aug. Im hiesigen Krankenhause starb heute der 22jährige Arbeiter H. Göbel aus Ermen­rod, der gestern in Berstadt bei der Dreschmaschine tät­lich verletzt wurde. Göbel glitt aus der Dreschmaschine auS und stürzte mit dem rechten Bein in die Trommel. Das Bein wurde ihm zermalmt und abgeristen. Man brachte ihn sofort ins hiesige Krankenhaus.

§ Bad-Na uheim, 19. Aug. Ein hiesiger Einwohner verletzte sich heute nachmittag durch einen Sturz aus dem Fenster so schwer, daß er mit dem Schnellzug 5 Uhr 12 Min. in die Gießener Klinik verbracht werden mußte.

w. Bad-Nauheim, 19. Aug. Bis zum 18. August sind 20 6 62 Kurgäste angekommen, wovon an ge­nanntem Tage noch 5040 anwesend waren. 271 347 Bäder wurden bis zum 18 August abgegeben.

G. Büdingen, 19. Aug. Heute fand eine Besich­tigung der Ronneburg seitens des Großh. Kreisamts Büdingen und der fürstl. StandeSherrschast (Wächtersbach) statt. Es nahmen teil: der Fürst von Psenburg-Büdingen zu Wächtersbach, KreiSrat Voeckmann-Büdingen, Proseffor Dr Wolbe-Tarmstadt (als Denkmalspfleger), Fürstl. Kammer­rat Wörner und Fürstl. Baucat Schneeweiß von Wächters­bach. Es soll sestgestellt werden, welche Teile der Burg

wiederhergestellt werden sollen bezw. niedergelegt werden müffen.

G. Orleshausen, 19. Aug. Im hiesigen Gemeinde­wald entstand gestern ein größerer Brand. Ein in der Nähe arbeitender Landwirt suchte vergebens das Feuer zu löschen und alarmierte die Feuerwehr. Diese wurde deS Feuers nach angestrengter Tätigkeit Herr. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

-k- Mainz, 19. Aug. Infolge deS außerordent- lich niederen Wa sserstan d eS deS RheineS ist die Schiffahrt sehr behindert. Schiffe mit größerem Tief­gang müssen ihre Fahrten ganz ein stellen. Die Pec- onen- und Güterschisse der Köln-Düffeldorser Gesellschaft erhalten den Verkehr bis jetzt noch in vollem Umfange aus- recht, wenngleich einzelne Schisse, wie derStolzenfels" und dieHansa" durch den niederen Wafferstand schon kleinere Unfälle erlitten haben. Bei noch weiterem Fallen deS Wassers ist die Gesellschaft indes genötigt, die Fahrten der ganz großen Salon boote nächster Tage einzu stellen. Hier ist der Rhein verfloffene Nacht nicht mehr zurück» gegangen, wogegen in Mannheim noch ein Fallen von einem Zentimeter bemerkt wurde.

Mainz, 19. Aug. Infolge einer Gerichtsverhandlung, die dieser Tage hier stattfand, ist ein empörender Voc- a ll, dessen Schauplatz die hiesige Hu sa re n ka se ru e war, an die Oessentlichkeit gekommen. Nach derMainz. Volksztg." war ein stellungloses Dienstmädchen von einem Husaren in die Kaserne mitgenommen worden. Dort verblieb sie volle 14 Tage, während deren sie von Hand zu Hand gegeben wurde. Tann erst verständigte man die Polizei von dem kandalösen Vorfall, und daS Mädchen wurde verhaftet. Es mußte zunächst vier Wochen in einem Krankenhaus zubringen, um ein in der Kaserne akquiriertes Leiden zu heilen. Vor kurzem erschien das Mädchen vor dem Schöffengericht, daS es wegen gewerbsmäßiger Unzucht zu zwei Wochen Haft ver­urteilte, weil eS während seines Aufenthaltes in der Kaserne von ihrenLiebhabern" Speise und Trank angenommen hatte. Nunmehr hat sich die Militärbehörde veranlaßt ge- ehen, Untersuchung einzuleiten.

Bingen, 19. Aug. Für Ringen, Rheinhessen, den Rheingau, das Nahetal ist daS N ochu Sf est aus dem NochuS- burg der Zentralpunkt, welcher die ganze Bevölkerung zusammenzieht, dort in der schönen neuen RochuSkapelle ihrer Andacht obzuliegen und dann in zahlreichen Wein- und Bier­zelten sich zu erfrischen. St. Rochus war schon am 16. August. Das eigentliche Fest wird aber erst am Sonntag gefeiert. Tausende werden wieder auf den Berg in der Prozession und einzeln ivandern, um da einen echten Volksfesttag zu ver­leben, wie ihn Goethe in seiner Beschreibung des RochuS- feftes 1814 geschildert hat. Der Dichter hat damals am Feste teilgenommen und dem damaligen kleinen WallfahrtS- kirchlein ein Bild des heiligen Rochus geschenkt. Sein da­maliges Gedicht über daS Fest begann:

Zu des RbeinS gestreckten Hügeln, Hochgesegneten Gebreiten, Auen, die den Fluß bespiegeln, Weingeschmückten Landesweiten, Möget mit Gedankenflügeln Ihr den treuen Freund begleiten."

Auch ein Rheindichter unserer Tage, Professor Aug. Ammann in Wiesbaden, dessen neueste Gedichtsammlung Klänge vom Rhein" (Berlin, Eduard Trewendt) allen Rhein- und Weinfreunden empfohlen sei, preist in seinen schönsten Liedern den RochuSberg. Ganz besonders anziehend wird daS Fest am Sonntag dadurch, daß der Bischof von Mainz die Festpredigt halten wird. Außerdem wird auch die RochuSbruderschaft ihr 150jährigeS Jubiläum feiern. DaS Rochusfest, dessen Entstehen auf die Pestnot im Jahre 1666 in Deutschland zurückzuführen ist, wird auch anderwärts ge­feiert, jedoch nur in der Kirche. Auf dem Binger RochuSfest gibt es dagegen einen kirchlichen und einen weltlichen Teil. Die Festpredigt wird im Freien gehalten, der Platz dazu faßte schon mehr als 10 000 Menschen. Von Mainz nach Bingen und zurück sind am Sonntag Sonderzüge eingelegt.

Kassel, 18. Aug. Am Schluffe der heute aus dem FriedrichSplatz Über die hiesige Garnison abgehaltenen Parade hielt dec Kaiser eine einhalb st ündige Kritik ab, in der er zugleich auf die neuesten militärischen Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges ausführlichen Bezug nahm. Bei der Vorstellung der den hiesigen Regimentern attachiertcn chinesischen Offiziere richtete der Kaiser einige freundliche Worte an diese. U. a. erkundigte er sich nach dem Namen ihres Höchstkommandiecenden in Nanking, den er kennt. Am nächsten Sonntag abend reift der Kaiser nach Mainz, um auf dem großen Sande die Parade abzunehmen. Von dort begiebt sich der Kaiser nach Eronberg zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Die definitive Abreise von Wil- helmßhöhe erfolgt Mittwoch. Die Kaiserin reist erst Freitag nächster Woche von hier ab.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach Mitteilung des statistischen Amtes in Mainz beträgt die Gesamtbevölker.mg dieser Stadt jetzt rund 90 000 Personen.

Vermischtes.

*Berlin, 19. Aug. Schwere Anschuldigungen werden 'gjegen den Gemeindevorsteher Klingen­berg von Weißensee erhoben. In der letzten Ge­meindeverordnetensitzung würbe mit neun gegen eine Stimme beschlossen, bei der vorgesetzten Behörde das Disziplinarverfahren und die Suspendierung vom Amte gegen den (Gemeindevorsteher Klingenberg zu beantragen. Er soll sich bei dem Ankauf eines Grund­stücks für die Gemeinde widerrechtlich auf Kosten der Gemeinde bereichert haben.

* Berlin, 19. Aug. Heule wurden der Unter< o ffiz i erdes 3. Gardeyegiments Otto We iße und seine Braut, die 20jährige Lüdicke, bei Gcünau als Leichen aus denr Wasser getändet. Die Eltern des Mädchens er­hielten eine Karte von beiden, auf der sie schrieben, daß sie wegen böswilligen unwahren Klatscht ftch das Leben nehmen würden. IN der Trunkenheit hat anschernend nach einem Streit heute nacht der aus Brandes bei Leipzig stammende 28jährige Stallschweizer Tippe eine Prostituierte, die er nach seiner Wohnung mitgenommen hatte, durch zwei Revolverschüsse getötet und darauf Selbst­mord begangen. r t

* Kopenhagen, 19. Aug. Gestern abend hat euw

unbekannte Dame ein Palet in dem Geschäftslokal der Schwedischen Lentrifugen-Aktiengesellschast liegen lassen, das an den Direktor Lundin adressiert war. Als Lundrn heute morgen das Paket öffnete, entstand eine furchtbare Explosion. Der Direktor wurde bewußtlos zu Boden, geschleudert und das Kontor teilweise demoliert. Bet der polizeilichen Untersuchung stellte es sich heraus, daß das Paket verschiedene Sprengstoffe und eine Menge von kleinen Projektilen enthalten hatte, wovon ein Teil in den Wänden und in der Decke sitzen geblieben war. Unbegreiflich ist, daß Lundin mit dem Leben davonkam, er liegt jetzt im Krankenhause mit schweren Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Bis jetzt ist noch keine Spur von der Dame gefunden.

* Wien, 19. Aug. Die Polizei verhaftete in Wil- helmsberg bei St. Polten den 17jährigen arbeitsscheuen Grnder, der vier Leute ermordet hatte.

* Brände. In dem Städtchen Wolbronn an der schlesisch-russischen GrenAe vernichtete ein verheerendes Feuer, das von einem Hausbesitzer angelegt wurde, 160 Häuser. Ein Knabe ist tot, einige Personen wer­den vermißt. Der Brandstifter wurde verhaftet. In Intra Lagomaggiore (Italien) sind die Steindruck-Fabrik Polliee und die Abtei Bianchi vollständig niet) er gebrannt, Der Schaden beträgt 350 000 Lire. In Düppinaheim! im Elsaß wurde:: neun Bauernhöfe durch 'Feuer zerstört.'

* Eine Kapuzinade über dasSausen und Schwiemeln" der katholischen Studenten hält die Westf. Rdsch." ein streng-ultramontanes Blatt, den katholischen Studenten. Das Blatt schreibt über den Ausfall einer Oberlehcer- prüsung an der Universität Münster:Ein elendes Ergebnis hat die in diesen Tagen an der Universität abgehaltene Oder- lelnerprüfung gehabt. Von 80, die sich zur Prüfung gestellt hatten, sielen nicht weniger als 62 durch. Die nrünstersclxen Zeitungen nninbem sich darüber, aber das zeugt von chrer eigenen Kurz- siclttigkeit und Urteilslosigkeit. Wenn die Studenten, statt die Nase in die Bücher zu stecken, lieber saufen und schwiemel«, »ras ist da selbstverständlicher, als daß sie wlppweise durchs G-jamen fallen! Vorab derMünst. Anz." begrüßt, es led.sural wie eine Kickturerrungenschast, wenn sich an der Universität eine neue katholische Verbindung auftut. Und doch sind dergleichen Versimpelungs-Wigwams längst mehr als genug vcn> banben. Es kommt ja immer mir auss Viervettilgen hinaus, und da sind d ie sogenannten katholischen Verbindungen nm kein Haar besser als die anderen... Studentische Mensu­ren verschmähen sie angeblich ans katholischen Er­wägungen, aber das ist offenbar eine faule Ausrede. Eher möchte man Feigheit als Grund annehmen. Denn eine so wüste Sauserei und D ö l l e r e i, wie sie in den katholischen Verbindungen meistens gepflegt wird, steht ebensowenig im Ein­klang mit den katholischen Grundsätzen, wie die Rauferei auf dem Fechtboden . , . Warum eigentlich paradieren und renom­mieren d nn die katholischen Musen-Sauglinge bei Prozessionen und anderen kirchlichen Beranstalttmgen mit langeir Messern ivulgo Schlägern'), den in praxi verpönten Abzeichen des Duell- Bun ken tu ms, .anstatt in Wick)s mit Humpen, Bullenköppen und Maßkrügen anzutteten, den Wahrzeichen ihrer spezifischen, nicht minder unkatholischen VerbindungÄcitigkeit? Der ^un^)« schauer pfeist aus solchenKatholizismus".

Herichtssaak.

(th.) Gießen, 19. Aug. (Ferien-Strafkammer.) Heute hatte sich der praktische Arzt Dr. Karl M. von Nieder-Florstadt vor der Strafkammer wegen emes Sitt­lichkeits-Vergehens aus § 182 des Str.-G. zu ver- antivortcn. Aus dem Beschluß zur Eröffnung des Hauptver­fahrens gegen den Angeklagten ging hervor, daß dieser am 20. Juni in Nieder-Florstadt ein eben erst 14 jähriges unbeschol­tenes Mädchen mißbraucht und verfuhrt hat. Die Verhandlung and bis zur Urteilsverkündigung hinter verschlossenen Türen latt. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und sofortige Inhaftnahme des^ Angeklagten. . Die Höhe der Strafe wurde damit begründet, dast der Angeklagte als Arzt, der in dieser Eigenschaft Zuttitt zur Farnllie hatte, gehandelt hat und der obendrein sogar ver­heiratet ist Strafmildernd ist 'in Betracht gezogen die bisherige Unb.-scholtenh'it d.'s Angc'klagten, sein teilweises Geständnis und weil dessen Tat für das Mädck^en ohne Folgen geblieben tlt

EineDuell-Affäre. Das Kriegsgericht der 20. Division zu Hannover verhandelte am Freitag gegen den Leutnant d. R. S ch u l z e - Göttingen wegen Herausforderung zum Zwei­kampf mit tödlichen Waffen und gegen den Leutnant o. R. Referendar Steindorf ebenfalls vom Landwehrbesirk Göttingen wegen KartellttagenS. Schulze war früher aktiver Offizier im 163. Infanterieregiment, hatte aber wegen feines Auf­tretens in der Oeffentlichk-it mehrfach Strafen erlitten und schließ­lich die Offizierslaufbahi, verlaßen, um sich in Göttingen dem Studium der Zahnheilkunde zu widmen. Der Heraus­forderung zimr Zweikampf machte sich der Angeklagte im Juli dieses Jahres in Göttingen schuldig wo er des Nachts im Eafe ein Neukcmter mit dem Studiosus Natrat hatte, das mit einer Prügelei zwischen den beiden Gegnern endigte. Nachdem der Ehrenrat erklärt hotte, in der Angelegenheit nichts tun zu können, sandte Schulze nach einigen Tagen seinem Gegner eine Forderung auf gezogene Pkftvlen mit 15 Sck-ritt Distanz und dreimaligem KugelweMtl, die jedoch abgelehnt wurde. . Das Wcridjt erachtete den Angeklagten für schuldig, und ging vn fernem urteil noch über den Antrag des BertteterS der Anklage hinaus, well es cnmahm, daß Schrclze den Vorfall provoziert habe. Das Urteil lautete gegen Schulze auf 1 Dionat Festungslwft. Gegen Leut­nant d. R. Steindors mürbe wegen Kartelltragens auf die Mindest­strafe von 1 Tag Festungshaft erkannt.

Handel und Mrkehr. Uolkswulschast

§ L o l l ar 19. ?lug. Das EisenwerkMainweser­hütte" hat sich seit den letzten Jahren durch fortgesetzten Gelände- ankaiis und Errichtiing weiterer Gebäude und Werkstätten zu bedeutender Größe entwickelt. Die Zahl der Beamten und Arbeiter beträgt über 800 Manu und wird wohl auf 1000 steigen. Der Leiter des Eisenwerks, Direktor Stein ecker wurde zum General-- birettor und Ingenieur Weber zum zweiten Direktor ernannt

Märkte.

(th.) Gießen, 19. Aug. Der dieswöchentliche Biehmarkt hatte einen Vorrat von ca. 1200 Stück Großvieh, 300 Kälber unb 350 Schweine. Ostsriesische Milchkühe fanbai wieder beim Vormarkt flotten Abgang. Beim Hauptmarkt litt das GesMft' scltt unter dem Einfluß der Dürre und den schlechten Fut­ter-'Aussichten für den Herbst Dozu kommt, daß die Rl-einländer und auch die Käufer vom Ntain unfern Markt wegen der Abmelk-Verordnilng mehr und mehr meiden. Zum Glück hatte der Mllchviehmarkt in dieser Woche gute Kundschaft aus Baden und Württemberg, ivelche gute scheckige Ware in größeren Transporten kaufte, sonst wäre ein erheblicherer Preise abschlag .für frischmelkende und tragende Kühe zu verzeichiren geioesen. .Trotzdem war der Handel darin schlep­pend bei toeichenbcn Preisen. Auch die Preise für Fett/ vieh gingen gegen den letzten Markt etwas nach unten, so daß unsere heimischen Metzger fette Rinder und auch Kälber erstehen konnten, für welch letztere 9&irc Frankfurt imb Wiesbaden in der Hauptsache den Markt machten. Der -Ochsenmarkt, der sehr gut befahren war, z^'igte große Flau c. Die wenigen Reflektmtten vom Westerwald konnten den Vorrat nicht .ansnehmen und unsere Landwirte auS der Gegend verhielten sich ablehnend Großvieh, .mit Ausnahme in fetter Ware, die ebeitfv wie Kalber ganz geräumt wurde, blieb erheblich üb e r ft ä n oia. Das OlesMst in Sehweinen nhte sich einigermaßen, der Heine Austrieb genügte aber für den Bedarf. Gehandelt wurden: Milchkühe das Stück, 1. Qual. 440480 Mk. (vereinzelt auch bis 500 Mk. L Q..^c 360400

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