Issue 
20/07/1904 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Nr. 168

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntag-.

Die(Siebener Lamilienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische Laudwtrll' erscheint monatlich einmal.

Zweites 154. Jahrgang

Gießener Anzeiger

MrMvochLV. Juli 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Umversiiätsdruckerei. R. Lange. Bietzen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.f.

Del. Nr. 5L Del eg r^ Adr. r Anzeiger Bietzen»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

Politische Tagesschau.

Me lange Dauer der heitzen und trockenen Witterung fvirb auf dem Lande recht nachteilig empfunden. Nicht nur, daß vielerorts eine förmliche Dürre eingetreten ist, die das Auftreten von Wald- und Feldbränden sowie von Schadenfeuern begiinstigt und auch zu Wassermangel führt, auch für die qualitative Entwickelung des Getreidekorns hätte man vielfach noch Niederschläge gewünscht, die frei­lich jetzt zu spät kommen würden. In unserer Gegend hat man bereits mit dem Schnitt des Getreides beginnen müssen. Wie stark die Hitze schon den Wasserstand der schiffbaren Flüsse beeinträchtigt hat, geht daraus hervor, daß die Hamburger Binnenschiffahrt offiziell als eingestellt erklärt werden mußte. Diese von der Natur erzwungene Sommerruhe in der Binnenschiffahrt trifft mit der Er­mattung desGeschäftsganges zusammen, der für die großen Industriezweige mit Ausnahme des Baugewer­bes gegenwärtig zu verzeichnen ist. Die Beschäftigung der im Stahlwerkverband vereinigten Betriebe hat merklich nachgelassen. Gleichzeitig gehen auch die Auf­träge so schwach ein, daß mit einer weiteren Abnahme des Beschäftigungsgrades gerechnet werden muß. Auch in der Roheisenindustrie sind die Msatzverhältnisse dem­entsprechend ungünstiger geworden. So arbeitet man in der lothringisch-luxemburgischen Roheisenindustrie mit einer durchschnittlichen Einschränkung von etwa 40 Prozent. Im Kohlenbergbau steigt die Zahl der Feierschichten und trotzdem noch die Menge der auf den Gruben lagern­den Vorräte. Der Geschäftsgang im Textilgewerbe ist im allgemeinen, besonders aber in den Webereibe-irken, matt geworden. Selbst die Baumwollspinnereien, waren in letzter Zeit infolge der weichenden Baumwoll­preise weniger befriedigend beschäftigt. Di? Bautätig­keit verläuft normal und bringt namentlich dem eigent­lichen Dauhandwerk fortgesetzt reichliche Beschäftigung, die bis in den Herbst andauern dürfte. Die Verbandsbestteb- urrgen in der Zementindustrie stoßen noch immer aus Hindernisse, da nicht nur die oberschlesischen, sondern neuerdings auch die unterelbischen Werke sich sehr ent­schieden gegen eine ganz Deutschland umfassende Vereinig­ung ausgesprochen haben, bevor nicht die kleineren Fa­briken vollständig aus dem Wettbewerb ausgeschieden und lahmgelegt sind.

Man meldet aus Breslau: Die Schäden, die die anhaltende Dürre in der Provinz Schlesien angerichtet, sind enorm. Die Aussichten auf eine annährend er­giebige Ernte sind vernichtet, außer sämt­lichen Halmfrüchten sind auch Kartoffeln und Futterrüben verbrannt. Der V ie h b e st a n d muß verringert werden, weil dieFutternotsehrgroß ist. _ In Schwientochlowitz herrscht infolge des heißen Wetters große Wassersnot. Die Gefahr ist groß, da der T y p h u's bereits ausgebrochen ist. Der Haus- und Grundbesitzerverein sowie der Gemeindevorstand haben in einem Telegramm an den Minister des Innern sich aewandt und um schleunige Abhilfe gebeten, 9luch in Neuland bei Neisse ist der Typhus ausgebrochen.

Die verdrängte Trikolore.

Die Wirkung derNordlandfahrtenKaiserWil- helms wird nicht nur in Skandinavien gewürdigt. Alle Welt weiß, daß erst durch die regelmäßigen Sommer- beftiche des deutschen Kaisers das internattonale Reise­publikum auf jene nordischen Länder hingewiesen wurde. Es sei nur erinnert an die Dollarfürsten, die früher mit ihren Lustjachten der skandinavischen Küste fernblieben, jetzt I aber dort gleichzeittg mit der,LohenKollern" zu erscheinen |

pflegen. Die besondere Wirkung der Kaiseriahrten auf die Beziehungen zwischen den skandinavischen Ländern und Deutschland konnte nicht ausbleiben. Auf dem Gebiet des kornmerziellen Wettbewerbs kam Deutschland allmählich ins Vortreffen. Der Zurückgedrängte oder, um ein Bonmot des preußischen Landwirtschaftsministers v, Podbielski zu brauchen, der Andere,der die Konsequenzen spürt", ist Frankreich. Früher waren der Pariser Geschäfts­mann und die ftanzösische Ware tonangebend am nord- ländischen Markt. An der Küsteoben" traf man jederzeit die Trikolore, und im Kurs der in See gehenden Segel­schiffe der Großhändler lag unfehlbar ein französischer Hafen. Das hat sich geändert, allmählich allerdings, aber von der Zeit an, da Kaiser Wilhelm die Nordlandfahrt zur Regel werden ließ. Sein vorjähriger Besuch in Kopen­hagen und die (Äöffnung der Dampffährverbindung Warnemünde-Gjedser befestigten das Ansehen uni) den wirt­schaftlichen Einfluß Deutschlands auf Kosten Frankreichs auch in Dänemark. Der frühere französische Minister­präsident Waldeck-Rousseau kreuzte vor einigen Jahren ebenfalls an der flandinavischen Küste. Er erhielt sogar c'ne Einladung Kaiser Wilhelms zum Be­such auf derHohenzollern", der er auch Folge leistete zum Mißvergnügen der PariserPatrioten". Äm Rückgang der kommerziellen Bedeutung Frankreichs für die Nordländer aber vermochte er nichts zu ändern. Man nimmt nun in der Republik diese Entwicklung der Tinge durchaus nicht auf die leichte Schulter. Im Gegenteil. Die Depu- tiertenkanrmer hat sich bereits mit der Sache befaßt und eine förmliche Einladung zu einem Besuche in Paris an die Volksvertretungen Schwedens, Norwegens und Dänemarks ergehen lassen. Die Deputterten erhoffen von dieser Visite, die im November stattfinden soll, eine Neubelebung des Interesses der Nord­länder für französische Kultur und französische Verhält­nisse überhaupt. Nach einem Bericht derNationalztg." aus Stockholm dürften im Ganzen vielleicht 75 Abgeordnete an dieser interessanten Fahrt sich beteiligen. Ti? Zahl er­scheint nicht hoch, wenn man bedenkt, daß die franzö­sischen Deputierten die Kosten für den Auf­enthalt der Gäste bestreiten und sich ohne Zweifel angelegen lassen sein werden, den Aufenthalt so reiz­voll wie möglich zu machen. Die Sympathie der Nord­länder hat sich also offenbar von Frankreich abgewendet.

parlamentarisches.

München, 19. Juli. Kammer der Abgeord­neten. Die Sitzung begann mit der Beratung des Mili - täretats. Kriegsminister Frhr. v. Asch beantwortete mehrere Interpellationen betreffend das Auftteten des bayerischen Militärbevollmächtigten Generalmajors v. En­dres usw. Dbg. v. V o l l m a r (Soz.) kam auf das Vorkomm­nis im Reichstag zurück, wo von Endres einen Abgeord­neten betreffs der Vorbildung der bayerischen Offiziere rektifizierte. Im weiteren Verlaufe der Besprechung betonte der Kriegsminister, daß Bayern daran fest halte, daß zum Uebertritt zum Offizierskorps das Abiturien- ten-Examen eines Gymnasiums nötig sei, und auf die Ausführungen des Abg. Segitz (Soz.): Es be­zweifelte niemand, daß die Sozialdemokraten im Ernstfälle ihre Schuldigkeit tun werden. Wenn sie aber sozialdemokratische Polittk treiben, so werden wir ihnen entgegentreten. Ans einzelne Beanstandungen des liberalen Dbg. Schnttdt-Wunsiedel hob der Kriegs- minisder hervor, bei der Beurteilung der Diensttauglichkeit I müsse ein sttengerer Maßstab gelten, zumal für jeden Be­freiten ein anderer eingezogen werde. Bei den Ausgaben

für die Militärjustiz tadelt Dbg» v. Vollmar (Soz,^ die zunehmende Einschränkung der Oeffent- lichkeit auch bei den bayerischen Kriegsgerichten. Iw Preußen soll ein Erlaß des Kaisers darüber vor­liegen. Ist auch bei uns ein solcher Erlaß ergangen A Bezugnehmend aus die Petittonen der bayrischen Gast­wirte um Aufhebung der Saalsperre, ausgenommen bei rein sozialdemokratischen Lokalen, betont der KriegS- minister, eine generelle Verfügung sei hier nicht angezeigt. Den Ortskommandanten steht die Entscheidung hierüber zu. Uebrigens erfolgen die Saalverbote nicht ausschließlich wegen sozialdemokratischer Versammlungen. Nachdem noch eine Reihe von Aus gäbe kapiteln bewilligt worden war, wird die Weiterberatung auf morgen vertagt.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 20. Juli 1904.

** Große Schwimmleistung. Die kürzlich erfolgte Erwähnung deslängsten Studenten in Gießen * erinnert, wie uns nun aus unserem Leserkreise mitgeteilt wird, an eine recht bedeutsame Schwimmwette, die dieserlängste Student* s. Zt. mit Glanz gewonnen hat. Dieser Herr war allerdings nicht in den 50er Jahren, sondern Mitte der 60er Jahre in Gießen; die Identität der Person unterliegt keinem Zweifel. Es handelt sich in beiden Fällen um den damaligen sind, math. F. Harbordt aus Laubach, jetzt Professor in Straß- bürg i. E. Dem Inhalt der Wette zufolge mußte Herr Harbordt von dem Burkschen Wehre bis zum »Felsen* und zurück schwimmen, ohne auch nur einmal unterwegs zu ruhen bezw. zu stehen. Am 23. Juli 1865, also vor 39 Jahren, hat er die Wette ohne Schwierigkeit gewonnen. Mehrere Kommilitonen fuhren zur Konttolle und eventuellen Unter­stützung in der Nähe des Schwimmers mit. Wer einmal zur Badenburg gerudett ist, weiß, wie schwer oft das Vorwärts» kommen mit dem Kahn bei der teilweise sehr starken Strömung ist. Trotzdem legte Herr Harbordt die den Inhalt der Wette bildende Strecke in 2V2 Stunden zurück, gewiß eine vorzügliche spottliche Leistung, die auch jetzt noch Be­achtung verdient. Herr Harbordt ist übrigens noch heute ein vorzüglicher, ausdauernder Schwimmer, dem vor allem mit seiner 2 Meter großen Länge an Schnelligkeit nicht gut gleich zu kommen ist. Gestern konnte man auch hier eine gute Schwimmleistung konstatteren. Man hatte Gelegenheit, gtt sehen, wie zwei hiestge junge Leute die Lahnstrecke von bet abgebrannten Eishalle bis an die Ruderhalle hin und zurück, also zusammen ca. 1800 Meter, m einer Tour in 1^/z Stunde zurücklegten.

Grünberg, 19. Juki. Die Bahnangelegenhesk Grünberg Lich gab Anlaß, daß am Sonntag nachmittag eine GeineinderatSsitzung abgehalten wurde, an der auch der Beigeordnete von Lich, Dönner, sowie Aflessor Löhlein von da teilnahmen. In der vorangegangenen Sitzung war der Beschluß gefaßt worden, das Gelände für den Bahnbau kosten- und lastenfrei zur Verfügung zu stellen, jedoch unter dem Vorbehalt, daß der Gemeinderat mit der Richtung, welche die Bahn nehmen solle, einverstanden sei. Dieser Beschluß wurde noch dahin erweitett, daß die Stadt Grünberg stch in keiner Weise zur Uebernahme von Obligattonen verpflichte. Em gleichlautender Beschluß soll auch durch den Gemeinderat ooä Lich herbeigeführt werden. Nach der GemeinderatSsttzung sand im Gasthaus zum Wilden Mann eine Sitzung des Bahn­baukomitees statt, an der die Vettreter der beteiligten Ge-

FeuiUcton.

Erregte Debatten im Verein für innere Medizin in Berlin. Zu stürmischen Szenen kam es am Montag, wie wir gestern schon kurz mitteilten, m der Sitzung des Berliner Vereins für innere Medizin. Professor Jacob l^atte kürzlick im selben Verein über Experimente berichtet die er zu­sammen mit Professor Rosenberg an tuberkulösen Patienten an» gestellt, um den Krankheitsprozes; durch direkte ® t f 1 ung von Medikamenten in die Lungen selbst günstig zu beeinflussen. Dr. Westenhöser wies darauf hm, daß m zwei Fällen der L u f t r ö hr e nschn r tt gemacht worden sn, ohne das; Rrosesser Jacob davon ein Wort gesagt habe: hte Ope­ration sei ohne zwingenden Grund vorgenommen worden und habe in dem einen der Falle nach seiner Anstckzt zweifellos sogar eine erhebliche Ve r s ch l " n d Krankheit zur Folge gehabt und H pd der PatrenNn beschleunigt. In ausführlicher Weise, hmistg von erregten Zwischenriifcn iinterbrochen, suchte b strn Ver­

halts zu verteidigen und die Wider;prüche zu lösen, die s ) bei seinen verschiedenen Angaben ergeben hatten, dem einen Fall seien überhaupt nur zwei Einspritzungen emige -age vor dem T"d- gemacht worden, sodaß von einer.Verschlimmerung nicht gut die Rede sein könne, und in dem anderen Falle habe man den Luftröhrenwmitt und die Einspntzung von der SchnItwunde erst dmn '^rgenemnien, na<rd'in die llWerkranke d"timtiNs^chS bis acht Woäx-n lang ergebnislos behandett worden ser Di ser Fall sei sogar vorzüglich verlauseii, ein

bered tigt. Dr. LazaruS wies demgegemlber^ darauf hin, daß nach seinen persönlichen Informationen die ^^-d^ttenlin eis acht Tage in der Charit'' lag, alS sie auch fax &ercit3 ojxri tt und mit Einspritzungen behandelt wurde Nach der ganz be­stimmten Angabe der Patientin sei vor dem Luftröhren i ch n , t t nicht der g e r i n g st e Versuch gemacht nwrven, auf anderem Wege, etwa vom Munde aus, eine Umspritzung in b c Lungen zu machen Daß Professor Jacob die Wg bf' Lustri'hr nfflmltt« in d'esem Falle zunächst ganz veffchiviegrn habe, ist nach Dr. Lazarus' Ncbcrzengung m i t V o r b cd ach nifcMrit Nacktem nochmals Dr. Westenhöser betont hatte, daß h . Oper tion Von Jacob ohne Grund borgen "Jcl'

nnb dieser immer nüeder von lärmenden Zwisclvenristen nnter- broch-n. das W r' zor Widerlegung genommen> übte Dr. Tovn noch einmal un'er lebhafter Nnruhe scharfe Krckk an der Veriät .rM nm ."n ob*, der ein Ä r a n k e n g e s ch i ch t e g a n z vir- s ff, iv iegen und -ine Reihe von Tatsachen f a l s ch w i e o c r - a . n r b r n habe, und stellte schließlich den Antrag, der Verein solle . urch Cantnnuna einer besonderen Kommission zur vollen Auf­

klärung der seltsamen Angelegenheit beitragen. Da sich nach diesen Ausführungen kein Redner mehr zum Wort meldete, wurde die Versammlung unter allgemeinem Tumult vom Vorsitzenden geschlossen.

Erinnerungen an Wereschtschagin. Eine große Anzahl bisher unveröffentlichter Briefe von dem berühmten russisclzen Schlachtenmaler Wereschtsck)agin, der im April beim Untergang desPetropawlowsk" den Heldentod sand, teilt Georges Claretie in der französischen ZeitschttftLa Revue" mit, und pr tilgt interessante persönliche Erinnerungen an den Maler bei, mit dem ihn eine langjähttge Freundschaft verbunden hat. Claretie teilt den Ausspruch eines Matrosen mit, der bei der Katasttophe auf demPetropawlowsft" gerettet wurde und u. a. erzählte:Da hatten wir auch an Bord einen schönen alten Herrn mit einem langen weißen Bart, der auf­recht auf der Brücke stehend immer alles in ein Tasck-enbuch eiuschrieb. Wahrsck)einlich ist er auch ertrunken. Er war sehr gut." In diesem schlickten Wott des einfachen Manne-, der von der künstlerischen Bedeutung Wereschtschagins nichts ahnte, kommt am deutlichsten das Bezunngende seiner großherflgen Mensckienliebc zum Ausdruck. Wereschtschagin hat lange in Paris gelebt. Man nannte tlyn da denKosaken", und Dumas sils sagte von ihm:Er ist ein Wilder aus Sparta." Er tvar ein eifriger Erzähler und unersck)öpflich flössen von seinen L'ppen die Schilderungen von Abenteuern aus dem tttrkiscknfn^Kriege, Geschickten von Skobelesf, demiveißey General", und Schilder­ungen von den Schneegipfeln des Himalaja oder den exotischen Wundern Indiens. Seine ganze Kunst war befruchtet und erfüllt von seinen Erlebnissen und den Dingen, die er gesck-aut. So hat er selbst dem Vater Claretis erzählt, wie ihm die Idee zu einem seiner erschütterndsten Bilder gekommen. Auf dem ttau- ttgen, lei ch en bedeckten Schlachtfeld von Plewna sah ereinen großen mageren Alten", der stch niedergekauert hatte an der Seite eines Wververletzten jungen Mannes. Und wie sein Pferd sie streifte, rief ihn der junge Mann mit heiserer Stimme an:Sidi, Sidi?" Unfähig zu helfen, zeigte der Maler noch dem dunklen, unendlichen Himmel, der sich über das weite, weiße Feld dehnte, und sagte dabei:Allah", wie um anzu­deuten, daß von dort oben allein Heil und Rettung komme. Als er nach einigen Stunden wieder an diesen Ort kam, sand er die beiden niedergekauerten Menschen an derselben Stelle. Eine schwache Flamme stieg noch von dem erloschenen Feuer, an dem sie gesessen-, der Jüngling batte ausgeatmet, und der alte Türke erwartete unbeweglich, sckwn steif und lmlberfroren, den Tod, ohne zu zucken . . . Solck>e Schreckensbilder stellte er dar, um das Berderblickpe deS Kriege« zu schildern. Einst bitte et ein Bild ausgestellt, daS eine Sckrädelvvramide darstellte, und darauf geschrielx'N:DaS widme ich allen Eroberern, den

jetzigen, b?n vergangenen und den zukünftigen." AlS der Feld­marschall Moltke bereit Vorüberging, nahm ihn Wereschtschagin bei der Hand, zog ihn vor das Bild und sagte auf Deutsch: Sie verstehen vielleicht kein Russisch, Herr Fclomarschall? Daß soll hier heißen: allen Eroberern, den lebenden, den gestorbenen und den kommenden!". Gral Mollke sagte nichts, aber der Maler loiedcrholte seine Widmung, Wott für Wort deutlich betonend, und ftfgte bei:Verstehen Sie das nun'?' Dergroße Schweiger" bewahrte gegenüber dieser taktlosen Att seine lautlose Ruhe und ging, ohne zu antwotten, weiter. Auch mit Skryd- loff und Kuropatrin, die heute im Mittelpunkt des Jntei> esses fleben, war Wereschtschagin bekannt. Mit Skdvdloff war er seit ihrer gemeinsamen Zeit aus der Marineschule befrennbet Sie dienten beide auf der FregatteSvetlana", und zwar stand Skrvdlosf unter dem direkten Kommando Wereschtschagins. Sie waren auch beide auf dem russischen TorpedobootSknttka", ntf es ein türkisches Kriegsschist in die Luft sprengte. Beide wurden verwutrdet. Vor Plewna hat Wereschtschagin auch ben verwundeten Kuropatkin nach dem Lazarett bringen sehen, und zusammen mit den Genossen der einstigen Siege ist er dann auch wieder in diesen letten Krieg .ausgezogen, um so bald zu sterben. Die Ab­sichten Wereschtsck^gins, die gegen den ^rieii gerichtet waren, wurden auch als erschlaffend und gefährlich für oie Vaterlands liebe hingestellt. Das geht aus einem Briefe vom Jadre 18S0 hervor, in dem er über seine Wiener Ausstellung sckweibt:Der Hof besonders ist fein* unzufrieden mit seinen Arbeiten: der preu- ßische General von Werder, der Freund deS Kaisers, bat ibni geraten, alle meine Gemälde zu kaufen zmd sie sofott zu verbrennen. Der Tlwonsolger und einige andere Große sind wütend! Man be* schuldigt mich fast der Verräterei! Aber daS Publikum ist nicht derselben Ansicht, cs besucht meine Ausstellung und ist begeistert."

DaS literarische Echo. Hall'momttSschttft für Lite­ratur-freunde (Herausgeber: Dr. Josef Ettlinger: Verlag: Egon Fleisckiel u. Co., Berlin W. 35\ Zioeites Juli-Heft: Ed. Platze hofs-Lejeune, Kunst od?r Wissenschaft? Vone Noauchi, Japa­nische Schriftstellerinnen (mit drei PottratSV Panl Römer, Nene Frauendichtnng. Leo Greiner, DaS Schloß her Frevel (ein nachgelassener Roman von Ferd. Kürn- beran). Fran; Diederick». ?'enc V rsbücker. A F. Krause, Andrcaszauber (Novelle). Otw Stoehl. Die Posse. Echo der Zeitungen. Crrtjo der Zeitschriften (enthält u a. ein Ver­zeichnis ber bemerkenswerteren Nekrologe, die das Hinsck'eiden Wilhelm Jordans hervornefl. Echo des Auslandes fron* zösisck-er. ux-st schweizer's ler amerikanischer. norwegisc>r Vries). Kurze Anzeigen Nachrichten. Zuschriften. Der Bücher­markt. Antwotten.