Nr. 142
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Arrniprrchanschluß Nr. 61.
Erstes Matt. 154. Jahrgang
Montag 20. Juni 1904
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger ”
Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Gießen
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vezugSpretKr monailich76M^viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal I2P^ auSwärtS 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witiko: für „Stadt und Land'' und „Gerrchissaalft August Goetz; für den An» zeiqentell: Hans Beck.
Jer Krieg Mischen Japan und Kußland.
'Die japanischen Transportschiffe und die Wladiwostokflotte.
^0- Juni. Ein Telegramm des Admi- ryd.low an den Kaiser nreä>et: Am Morgen ^tntt begegrrete unsere Kreuzerabteilung in der Kmeastraße einem japanischen Transportschiffe, welches, wie sich später ergab, der „Izumi Maru" war. p-yT dem Schiffe befanden sich Truppen. Nachdem die für das Aussetzen der Boote und das Verfassen des Schiffes festgesetzte Zeit verstrichen war, die von einem Teile der Mannschaft benutzt wurde, wurde das Transportschiff durch Schüsse in den Grund gebohrt. Bald darauf wurden im Südosten zwei Transportschiffe gesichtet, die sich iWer als Hitachi Maru" und „Sa d o Maru" herausstellten. Der erstere hatte Truppen an Bord. Der andere eine Mteilung.Kulis, Pferde und Eisenbahnmaterial. Da die Besatzung sich weigerte, sich zu ergeben, wurden nach Ablaut der für das Besteigen der Boote festgesetzten ^Frist beide Transportschiffe durch Torpedos und Geschosse in den Grund gebohrt. Die Verluste der Javaner betragen drei Transportschiffe von insgesamt 15000 Tonnen, einen Teil der Besatzungen,'sowie zahlreiches Kriegs- und Eisenbahnmaterial. — Am 16. Juni wurde an der japanischen Küste der britische Dampfer „Atlantan" gesichtet, der mit mehr als 6000 Tonnen Kohle aus dem Hafen Mororan auf der Jnfel Hoppaido kam und nach Süden fuhr. Da die Schiffspapiere unklar waren, und das Logbuch nachlässig geführt war, erhoben sich Zweifel an der Neutralität der Fracht des Dampfers, daher wurde es unter dem Kommando eines Leutnants, dem Soldaten beigegeben waren, nach Wladiwostok gesandt, wo er bereits einge- troffen ist und vor das dortige Prisengericht gestellt wird.
Petersburg, 19. Juni. (Nuss. Tel.-Ag.) Nach zuverlässigen Meldungen ans Mukdeu ist auf den gesunkenen japanischen Transportschiffen ,Hitachi Maru" und „Sado Maru" ein g anzes Regiment Infanterie mit Kommandeur und Fahne umgekommen.
To kio, 19. Juni. (Reuter.) Nach der Zerstörung des Transportschiffes „Jzumi Maru" fuhren die Russen in der Ritchung nach Hokkaido (Deso) fort.
Tokio, 19. Sinti. (Reuter.) Die Segelschiffe ./7) a in rt t a" und „A nse i" wurden am Donnerstag von den Russen zwischen den Inseln Okv und Kvjima v erst, ilt. 37 Ueberlcbende sind am Nachmittag in Pesaschi eingetroffen. Auf dem Streifzuge des Wladiwostokgeschwa- derö wurden bisher fünf Schiffe zum Sinken gebracht.
In und vor Port Arthur.
Petersburg, 18. Juni. Die Rufs. Telegr.-Agentur erhielt unter dem heutigen Datum aus Liaujaug beruhigende Nachrichten. Port Arthur hatte bis zum 14. Juni keinen Landaber Seeangriff abzuwehren. Die Japaner versuchten zum vierten mal, die Hafeneinfahrt durch vier Sperrschiffe zu s ch l i e ß e n. Z w e i von diesen wurden von unseren Batterien sofort zum Sinken gebracht, die beiden anderen konnten dem Feuer nicht standhalten und gingen zurück. Tie japanischen Nachrichten, daß russische Kanonenboote gesunken seien, sind vollständig unbegründet. Unser Gc- schwader in Port Arthur ist vollzählig und völlig ausgeb essert. Das Befinden und der Geist der Garnison ist ausgezeichnet. Die Soldaten drängen zum Kampf. Alle leben in der sicheren Zuversicht, daß keine Macht sich Port Arthur bemächtigen kann. Die meisten Einwohner sind als Freiwillige eingetreten. 600 Frauen haben dein Kommandanten der Festung ihre Dienste angeboten. In der Stadt und in der Festung berrscht musterhafte Ordmmg. Der allgemeine Geschäftsgang hat sich in keiner Weise geändert, der Handel imb die friedlichen Beschäftigungen gehen ihren gewöhnlichen Gang. Port Arthur ist mit Lebensmitteln für sechs Monate vollständig versehen, und wenn die Portionen verringert, werden, sogar für ein Jahr. Während der letzten Tage, die der Belagerung vorangingen, gelang es, eine große Menge von Vieh nach der Festung zu schaffen. Was die Preise betrifft, so kostet in Pfund Fleisch 25 Kopeken, eine Flasche Bier 50 Kopeken, eine Flasche Champagner acht Rubel. Die Musik spielt dreimal in der Woä)e auf dem Boulevard. In Port Arthur befinden sich auch Einwohner von Dalny, welches durch Brandschaden nur ivenig gelitten hat. Die Japaner haben an den Staatsgebäudcn Siegel angelegt. Die Chinesen, die bei der Plünderung der Stadt Saini) betroffen wurden, wurden von den Japanern mit dem Tode bestraft. Die japanischen Vorposten stehen in einer Entfernung von 24 Werst von Port Arthur und nur drei Werst von den russischen Vorposten entfernt; es kam bereits mehrmals zu 'leinen Sckmrmützeln. Die russischen Offiziere erklären, die Japaner würden ernstlich für den Versuch, Port Arthur anzugreifen, welches sie für uneinnehmbar halten, gezüchtigt werden.
Petersburg, 19. Juni. Die „Ruff. Telegr.-Agentur" meldet aus Mukden von heute: Nach hier eingetroffenen Nachrichten aus Port Arthur vom 12. Juni vertrieb eine Abteilung Freiwilliger die Japaner aus ihren Stellungen im Tale Lun- lvagho. Am 13. Juni rückten die Japaner in der Stärke lvon drei Bataillonen von Saobimnao nach der der Sun» Vvantagbucht vor, wurden jedoch von zwei Abteilungen Freiwilliger und einer Kompagnie der Grenzwache, die zur Hilfe ijerbeigecilt war, aufgehalten. Der Kreuzer „Nowik" ti er» Uriel, zusammen mit Torpedobooten die feindlichen Tor- Ise doboote und zwang die feindliche Infanterie durch einige -Schüsse, sich schnell zurückzuziehen ..
Petersburg, 19. Juni. Die „Ruff. Tel.-Ag. meldet «ins Mukden unter dem heutigen Tage, der japanischen 'Ärmee auf der L i a otun g h a lbiusel soll es an Lebensrnitteln mangeln.
Die Schlacht bei Wafangon.
London, 19. Juni. Das Reutersche Bureau meldet aus Tokio - Ueber das Gefecht von Wafangon wird noch gemeldet: Tie Russen hatten in diesem Gefecht die b e s s e r e S t e l l u n g, ivodurch die numerische liebermacht der Japaner ausgeglichen °ourde. Die Stellung der Russen zog sich von Osten nach,Weilen ü)Uer in einem schmalen Tale hin, durch das die Eisenbahn
und der Tntschanfluß führt. Der japanische General Oku drängte die Russen von den hohen Hügeln, die das Tal links und rechts flankieren, in das Tal hinein, indem er nacheinander erst den rechten und dann den linken Flügel zum Rückzug nötigte. Den 1 gongen Tag über wurde hartnäckig gekämpft. Die Russen hielten mit zäher Energie Stand und zogen sich erst zurück, als sie vollständig eingeschlossen waren. Sie ließen dabei 6 00 Tote auf dem Schlachtfelde.
London, 19. ^uni. Reuters Bureau meldet ans Liaujang vom 10. Juni: Während der Schlacht von Wafangon richteten 50 j apanische Geschütze ein heftiges Feuer auf die russische Stellung' besonders die Wirkung der Shrapnells war schrecklich. Die Schlacht wurde von der Artillerie entschieden. Die Ruffen umgingen den linken japanischen Flügel, aber durch eine Schwenkung änderten die Japaner die Front und rückten auf dre in den Verteidigungslinien bewundernswert befestigte russische Stellung vor. Die Haltung der Russen war ausgezeichnet. Kuro- patkin hat in einem Armeebefehl die Truppen aufgefordert, das Vertrauen zu bewahren. Die Japaner schaffen vor Port Arthur Belagerungsgeschütze heran. Der Rückzug der Russen vor der überlegenen Macht des Gegners bei Wasingtien und der Vormarsch der Japaner östlich und nordöstlich der russischen Stellung berechtigt zu der Annahme, es stehe noch ein größeres Gefecht in der südöstlichen Gegend bevor.
Ker Kaupiarrgriff auf die Kerero verschoben.
Der von Oberst Leutwein sorgfältig vorbereitete und kurz vor der Ankunft des Generalleutnants von Trotha begonnene neue Feldzug gegen die Herero hat eine unerwartete Wendung genommen. Tro tha hält angesichts der großen Streitmacht, die der Feind in der Gegend des Waterberges versammelt hat, den Zeitpunkt für einen entscheidenden Vorstoß offenbar noch nicht für gekommen und hat infolgedessen den von Leutwein entworfenen Operationsplan umgestoßen.
Aus Owikokorero wird vom 18. Juni gemeldet: Gouverneur Oberst Leutwein bricht heute auf Wunsch des n euen Truppenkommandeurs Generalleutnants von Trotha von hier nach Okahandja auf, um dort seine Unterstützung zur Verfügung zu stellen, "beziehungsweise in Windhuk die Geschäfte des Gouvernements zu übernehmen. Zu entscheidenden Schlägen gegen den Feind soll cs nicht kommen, bis auch die neu eingetroffenen Truppen operationsfähig, sind. Tie alten Truppen rücken in drei Abteilungen möglichst nahe an den Feind heran, um ihn zu beobachten und sein etwaiges Entweichen zu verhindern. Den Anfang damit macht morgen das Bataillon des Hauptmanns von Hepde mit einer Batterie. Das Kommando über den hier bleibenden Rest, der eine neue Abteilung formiert wird, übernimmt Major von Glasenapp.
Generalleutnant v. Trotha telegraphiert aus Okahandja vom 18. Juni: Die Herero sind, wie ich die Lage auf Grund vieler sich teilweise widersprechender Angaben auffasse, noch am Omurambeflusse im Süden Materbergs in großen Massen vereinigt. Als das zur Durchführung des Krieges treibende Element gilt der überwiegende Einfluß Assas, dagegen soll Samuel, der in Okahita sitzt, nicht mehr kriegslustig sein und Michael und Tetjo sollen sich von Samuel getrennt haben. Tatsache ist, daß die Bauden Michaels nach der Heimat abgezogen sind, während die Nachrichten über Tetjos Verbleiben widersprechend lauten. Banden sitzen im Paresisberge, und vermutet wird, daß sich auch in den Komasbergen Räuber aufhalten. Die Onjatiberge habe ich aufklären lassen, ohne daß vom Feind seither etwas entdeckt wurde. Ich habe Leutwctn gebeten nach Okahandja zu kommen, und mit der Führung der Hauptabteilung Major v. Glasenapp beauftragt.
Deutsches Keich.
Berlin, 19. Juni. Man meldet aus Hamburg: Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute früh hier von Homburg ein und fuhren zur Landungsbrücke, wo sie sich an Bord der „Hohenzollern" begaben. Der Kaiser empfing den Bürgermeister Dr. Burchard. Um 10 Uhr war Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern*. Mittags begaben sich beide Majestäten zur Tafel bei dem preußischen Gesandtem Hier waren außer dem Gefolge noch geladen der Reichskanzler, der vormittags eingetroffen war, ferner der Bürgermeister Dr. Hachmann, Senator Dr. Mönckeberg und Generaldirektor Ballin. Von dem Hause des Gesandten begaben sich der Kaiser und die Kaiserin zum Rennen auf dem Horner Moor. Hinter ihnen fuhr der Kronprinz und die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim. Rach dem Empfang durch die Herren vom Vorstand des Hamburger Rennklubs, den Bürgenneister und den kommandierenden General v. Bock und Polach sahen die Majestäten das Rennen um den großen Hansa preis, welches des Prinzen von Thurn und Taxis Hengst Sorrent gewann, und das große Hamburger Offiziers-Jagdrennen, in dem zehn Pferde starteten. Erster wurde Leutnant Lucke auf Leutnant Feeiherrn v. Niemans Carlito. Die Kaiserin und die jüngeren Prinzen reisten um 5 Uhr 45 Min. nach Plön ab. Die „Hohen- zollern" mit dem Kaiser an Bord fuhr um halb 7 Uhr von der Landungsbrücke St. Pauli ab und dampfte nach Helgoland.
— Die „Nordd. Allg. Zig." meldet: Eine Deputation der südwe st afrikanischen Farmer und Kaufleute ist, wie schon erwähnt, nm 16. Juni vom Reichskanzler empfangen worden. ; mir erfahren, hat Graf Bülow zugesagt, daß sowohl die Frage der Erhöhung der Entschädigungssumme als auch die Form der Hilfeleistung einer erneuten Prüfung unterzogen werden soll. Nach beiden Richtungen wird die durch die Verfügring des Reichskanzlers vom 2. Juni im Schutzgebiet eingesetzte Kommission, deren
Aufgabe es ist, über die Verteilung der bereits bewilligte^ zwei Millionen Mark Bestimmungen zu treffen, bis zum Wiederzusammentreten des Reichstags neues Material! liefern. Der Reichskanzler glaubt jedoch schon jetzt in Aus-l sicht stellen zu können, daß in dem im kommenden Herbst dem Reichstage vorzulegenden Nachtragsetat für Südwestafrika weitere Mittel auch für Beihilfen cm die geschädigten Ansiedler angefordert werden würden, und daß er bei dieser Gelegenheit im Reichstage für eine den Wünschen der Ansiedler entsprechende Revision der frühem Beschlüße über die Form der Entschädigung eintreten werde. Im Anschluß an die Entschädigungsfrage brachte die Deputation einige weitere, aus die Organisation der Schutz- gebietsverwaltung sich beziehende Wünsche vor, insbesondere hinsichtlich einer stärkeren Beteiligung der Ansiedler an der Verwaltung, einer schärferen Abgrenzung zwischen Militär- und Zivilverwaltung und hinsichtlich gewißer Reformen in der Beamtenlaufbahn. Der Reichskanzler antwortete, daß die von der Deputation angeregten Verwaltungsfragen schon seit längerer Zeit Gegenstand seiner ernsten Aufmerksamkeit und eingehender Er- roägungcn der beteiligten Ressorts seien. Der Reichskanzler erklärte sich schließlich bereit, den Wunsch der Deputation, beim Kaiser empfangen zu werden, allerhöchsten Ortes zu befürworten.
Köln, 18. Juni. Der Aufsichtsrat der Raiffeisen- organisation wählte den Verbandsdirektor der Kölner Zweigstelle, Gutsbesitzer Jakob Casp ers-Bubenheim einstimmig zum Generaldirektor der Raiffeisenorganisation.
Iortsührung der Lahnkanalisation. L
Gießen, 20. Juni.
Wegen der Fortführung der vom Lahnkanal-Verein bei- der preußischen Regierung angeregten Lahnkanalifation von der preu- ßisch-hessischen Grenze bis Gießen fand am Samstag nachmittag im Hotel Grvßherzog von Hessen hier eine weitere Interessenten- Versammlung statt, welche sehr gut besucht war.
Baurat Röder-Diez sprach über die technische Ausführbarkeit des Ausbaues unserer Lahn als Wasserstraße! für Schiffe mit 300 Tonnen Tragfähigkeit Einleitend gab er eine Geschichte der Benutzung des Flusses als Transportweg. i Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts bestanden nrtundlich! entlang der Lahn noch Einrichtungen auS der Römerzeit, welche einem Schiffsverkehr auf deren Wasser dienten. Diese Einrichtungen hatten sich natürlich längst überlebt, als 1842 zwischen' ben damaligen Uferstaaten der Lahn, nämlich Preußen, Hessen und Nassau, eine Regulierung des Flußlaufes verabredet, und im Jahre 1844 infolge Vertrages zwischen diesen Staaten beschlossen wurde, die Schiffbarkeit der Lahn bis Gießen soweit dnrchzuführen, daß Schiffe von 31,4 Meter Länge, 5 Meter Breite und 0,63 Meter (später 0,94 Meter) Tiefgang fahren konnten. Es wurden bamt auch 21 Schleusen gebaut und verschiedene Schiffahrtshemmnisse beseitigt. — Die nötige Fahrtiefe wurde jedoch nicht erreicht. Auch im übrigen gelangten die Pläne nur unvollkommen zur Ausführung und erreichten den angestrebten Zweck nicht. Trotzdem entwickelte sich von Anfang an auf dem Fluß ein für die damalige Zeit reckst lebhafter Schiffsverkehr, über den der Redner recht interessante Zahlen gibt, der aber nach und nach versiegte, sodaß die am unteren Laus der Lahn ansässig gewesenen Schiffer mit ihren Familien narb' Amerika auswandern mußten.
Im Jahre 1873/74 wurde von der preußffchen Regierung im Landtage ein Antrag gestellt, die zu geringe Tiefe des Fahrwassers der Lahn und die noch bestehenden starken Stromschnellen des Flusses, welche schwere Hemmnisse für die Entwickelung der Schiffahrt bildeten, zu beteiligen und die Kosten für die Beendigung der Regulierung im Betrag von 6 750 000 Mk. zu bewilligen. Man schätzte die Frackstmenge, welche alsdann auf der Lahn befördert^ werden würde, auf 10 Millionen Zentner im Jahre, ohne daß der zur Seite des Flusses laufenden Eisenbahn Abbruch getan würde. Der Antrag wurde jedoch damals von der Kommission abgelehnt, weil die wirtschaftliche Rentabilität der Ausgabe nicht nachgewiesen war. Seit dieser Zeit, so führte Baurat Röder aus, haben die Interessenten fortgesetzt sich um bie Schiffbarmachung der Lahn bemüht, der Staat aber habe sein Interesse bient Eisenbahnbau zugewendet und wenig Neig-' ung gezeigt, den Wasserweg auf der Lahn dem Verkehr zu er-- schließen. Es sei verwunderlich, daß es bei uns in Deutschland' langer Zeit bedurfte, ehe man in maßgebenden .Kreisen die Wichtigkeit des Ausbaues bestehender Wasferstraßen erkannte im Gegensatz zu England und Amerika, speziell in Amerika.
Trotz gewisser Frachtermäßigungen bet uns auf den Bahnen i stellen sich dock einer druchgreifenden Herabsetzung der Fracht-! sätze anscheinend Schwierigkeiten entgegen. So ist man auch bei uns in Deutschland zu der Ansicht gekommen, daß da, wo die natürlichen Wasserläufe gegeben find, deren Ausbau zu leistungsfähigen Schiffahrtswegen an der Zeit sei.
Dem Lahnkanal-Verein ist es gehingeit, das Interesse für, die Lahn und deren Schiffbarmachung wieder anzuregen, allerdings habe man anfangs angestrebt, entert Vcrkehrslveg für Schiffe von 600 Tonnen Ladefähigkeit aus der Lalm zu machen, welcher einen Kostenaufwand von 30 000 000 Mark erfordert hätte. Doch habe man sich bald überzeugt, daß für diese Kosten es „ an einer Rentabilität fehle uni) daß weiter bei den vielen Krümmungen der Lahn Schiffe mit so hoher Ladefähigkeit für, die Lahn ihre Schattenseiten hätten. Nach der Statistik für 1902] über die Rheinschiffabrt sei dieser Strom befahren von 357 Schiffern ä 100 Tonnen, mit 1853 Schiffen ä 150 Tonnen, mit 780’ Schiffen st 200 Tonnen, mit 480 Schiffen st 250 Tonnen, mit' 607 Schiffen ä 300 Tonnen, und mit 615 Schiffen ä 35(T Tonnen. Hieraus schon sehe man, daß, je größer die Tragfähigkeit der Schiffsgefäße, desto Heiner deren Zahl sei, und daraus allein schon sei die Forderung gerechtfertigt, sich bei der Lahn mit 300) Tonnen-Schiffen zu begnügen. Betreffs der Höhe der Frachten ist: Redner der Ansicht, daß man mit 1—1'/., Pfg. pro Tonncnkilo-' meter bequem auskomme, wobei mit einer Frachtersvarnis vow 25 Prozent gegen Effenbahnsracht zu rechnen sein würde. Baura^ Röder, dem von: Lahnkanal-Berein die Ausarbeituw' eines Projektes zur Schiffbarmachung der Lahn übertragen ist, versichert^ daß man mit 15 000 000 Mark die Sache machen könne. EÄ sei nötig, zu den vorl>andenen Stauanlagen 5—6 weitere inj


