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Mitttvoch, 20. April 1904
154. Jahrg.
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fe ,-tetzener Samlllenblätter* werden den ilnpetni trtennc wöchenUtch bdgelegt Dc CAHÖ- tr • crldjetn monatlich etraml
Gießener Anzeiger
Rotaftontbnrtf and «erlag btt SeÄhl'schen UntoedUäiaörudcteL 5L Lang,. Gießen.
Redaktion, Expedition «.Druckerei: KchuMr.?. Tel. Rr. 6L Leleyr.-Adr.r ttn^eiget Ließen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.
Parlamentarische Perliandlungen.
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.
Dentjchrr Reichstag.
70. Sitzung vom 19. April.
11 Uhr. DaS HauS ist schwach besetzt.
Mm BundeSratStische: Frhr. v. Richthofen, Gtuebel eil ennbete.
Zunächst wird auf den schleunigen Antrag Dr. M u g d a n i®rn. (freif. 23p.) ein Schreiben des Staatsanwalts in ftlcnaburg lckefis- Strafverfolgung des Abg. Jessen (Däne) an die QJ e « ItzLIf tSordnungStommisston überwiesen.
Sodann tritt daS HauS in die zweite Beratung des Etats deS kukai artigen AmteS ein. Tie Beratung beginnt beim Titel .ktLiitSfckretär".
isierzu liegt vor eine Resolution Münch.Ferber (natl.), den tikiWkarrzler zu ersuchen, in den Etat für das nächste RcchnungS- hir He erforderlichen Mittel einzustellen, um, soweit dazu ein Be- lir’rti 8 vorliegt, im Ausland den deutschen Konsuln zur Unter# rijiqig in wirtschaftlichen Angelegenheiten einen auS deutschen tmifluten gebildeten sachverständigen Beirat zur Seite stellen p Immen.
Abg. Münch-Ferber (natl.) begründet die Resolution. Der Mä t Handel und die rutsche Industrie müsien so gut wie mög- ';i if formiert sein, um den Wettkampf mit den andern Nationen ninejgmen zu können. Wir wollen daher ein aus Fachmännern {■iilbl'teS Gremium, das aus erstklassigen ortsansässigen Kaufleuten feite (y Denn so tüchtig unsere deutschen Konsuln im allgemeinen
ai itirtb, so beherrschen sie doch meist nicht daS ganze Gebiet des LiristiiaftSlebens, was ja auch bei ihrer meist juristischen Vor- hliuitl ganz begreiflich ist. Nun haben wir fteilich an einigen (nm Handelsattaches. Wir haben solche in Rußland, in der icrlr.. in Newyork, in Valparaiso, in Sidney und Schanghai. Aber hje können doch nicht genügen. Uebcrdies verursacht diese Ein- nhmig große Kosten, da diese Attaches nur an einem Orte wohnen vd z, ihrer Information daS gange Land bereisen müsien. Anders 1$ 65, wenn wir überall ein Gremium von ortsansässigen Kauf- Imcii hätten. Wir können hier auch viel vom Auslande lernen, ■ Hal, x. B. England nicht weniger als 106 Handelskammern im ' ttilüLioe. Man sehe sich ferner an, was Amerika alles für sein rktschastlicheS Leben tut! Unser Handel hat alle Veranlassung, i □ loucbsames Auge auf die amerikanische Konkurrenz zu Baßen, '.hn ftehe einmal durch die Straßen unserer Hauptstädte und sehe I st ar . wie die amerikanischen Schuhwarengeschäfte wie Pilze aus Ito Baben schießen I Auch unsere Schreiner, Uhrmacher usw. reiften IM le' amerikanischen Konkurrenz ein Lied zu singen, genau so tote ikLandwirtschaft. Ich meine: wir sollten in aller Güte und Freund- ilieft »on Amerika lernen und unsere Zölle Amerika gegenüber so Wchllil, wie die Ämerikaner uns gegenüber. Das können uns : Ülitilnttrifaner auch gar nicht übel nehmen. JL habe mit mehreren 1 Kamlwnern gesprochen, die denken ganz vernünftig und nüchtern 1 Mt, Daö Wichtigste bleibt eine genaue und sachgemäße In« s tynnrtaon. Und da ist von der allergrößten Bedeutung die Er- i nrittun von Handelskammern im Auslande. Unser gctoaltiger i Eltvaiadererstrom muß dem Vaterlande erhalten bleiben, jetzt t itebtn die Auswanderer leider oft zu Renegaten und vergesien ihr i Ktttaib. (Beifall.)
tl g. Dove sfteis. Dgg.): Mit der Tendenz deS Antrages, soweit f nfz hl in geht, daß wir gute Informationen erkalten, sind auch
'Zreunde einverstanden. Jedoch kann ich das von der Be- c «dir ig der Resolution nicht sagen. Ich glaube, Herr Münch- i $if!t unterschätzt auch etwas die Bedeutung unseres Exportes, l Lia iExport ist von Jahr zu Jahr gestiegen, im letzten Jahre £ irintg i er nicht weniger als 5 Milliarden. Das ist die höchste Zahl, i: )tirii jemals erreicht haben. Die Handelskammern im Auslande, t bfc die andern Länder besitzen, haben auch nicht die Bedeutung, t bfe.vt Abg. Münch-Ferber ihnen beimißt. Von Den 106 englischen $ Kammern im AuSlande befinben sich die allermeisten in e tBs'hitien Kolonien, können also hier gar nicht in Frage kommen. ? L L merika hat sich nur zögernd entschieden, Handelskammern i m 'P'lande zu errichten. Wenn man die Tätigkeit unserer Kon- s lin:t tim AuSlande ansieht, Jo muß man zu der lleberzeugung l tirrz:n, daß sie bisher sehr segensreich gewirkt haben. Von der 2 li-i.'c it unserer Handelsattaches haben wir leider bisher nur sehr h tr ! cmerft. ES ist auch nicht gut, den Export künstlich zu züchten. L 0: Idiben schon eine ganze Masse Exporteure, die viel bester taten, n »r ftir die Finger davon ließen. Ich meine daher, daß es sehr viel b ter : v:t, wenn man die Handeltreibenden auf den Weg der Selbst- b fi1 ttrweist, als wenn man hier einen bürokratischen Apparat in 1 0-1-1 ng setzt. Wenn ich alles zusammenfaste, so will ich mich ja k- fcxregS direkt gegen den Antrag erklären, meine aber doch, daß c tKr.i väre, etwaS Master in den Wein der Begeisterung de§ Herrn ? f.t: i-ier3 zu gießen.
rg. Blell (freif. Vp.) hält es gleichfalls für wünschenswert, ftbcatti deutschen Konsuln Beiräte zur Seite gestellt werden, ohne ii in .rigen allzuviel von dieser Einrichtung zu erwarten. DaS 6i !»f:3:cre, wenn an Stelle offizieller Körperschaften fteiwillige Ge« ln Hüt i irJ Leben gerufen würden.
' "aatSfefretär Freiherr v. Richthofen: Zunächst mochte ich meinen Dank auSsprechen für die Worte der Anerken- n art, :.'ie er für unsere Konsuln gefunden hat, Worte, die im w n.-.enben Gegensatz stanben zu ben Ausführungen, bie neulich bi fern dieser Stelle gemacht worden finb, fteilich ohne ausreichende B bkittung. Wenn aber Herr Dove weiter bie amerikanischen K r±:rtben deutschen Konsuln als Muster gegenüber hingestellt hat, so io?: titfi zwar in keiner Weise daS Verdienst der amerikanischen K Itej-it irgendwie vermindern ober herabsetzen, andererseits wird al uk.'ai Herr Abgeordnete mir auch zugeben, daß in einem Punkte di 'd achen Konsuln den amerikanischen doch wohl überlegen find, nc lis.i in dem Punkt der Stabilität. Unsere Konsuln bleiben bi wHuntllich viel länger auf ihrem Posten als die amerikanischen, be torteinbiger Wechsel schon oft in politischer Beziehung nachteilig ge E liat. Außerbem ist es merkwürdig, daß, während uns hier di, «.--inkanischen Konsuln als Muster hingestellt werden, die ameri- fa tt:.: P re sie gerade den amerikanischen Konsuln empfiehlt, sich bi. r°!-.st,chen zum Muster zu nehmen. (Hört, hört l) Auch in anderen werden bie deutschen Konsuln als die besten anerkannt. 23c liegt ein französisches Blatt „L'Aurore", daS die Tatsache an uitiir-rt, daß der Tätigkeit der deutschen Konsuln nicht zum ree erm daS Uebergewicht, daS der deutsche Handel allmählich üb:« fern französischen bekommt, zuzuschreiben ist. Soweit bie Bc ehiltmg, bie unsere Konsuln im Auslande erfahren haben. Aber mimtti Jnlande wird ihr Verdienst zuweilen anerkannt. Ich habe bi« un-n-Brief eine? Fabrikanten auS einer mittleren Fabrikstadt. D, htr'-.le t teilt mit, daß er während einer geschäftsstillen Zeit sich an deutsche Konsulate gewandt hätte mit der Bitte um AuS- hr rfüMer die dortigen Marktvcrhältniste zwecks Anknüpfung von Hc rr.-rbeziehungen. Er hat, wie er hervorhebt, von allen 100 Konsuln-7 > prompter und gefälliger Weise jede mögliche Auskunft er
halten, und er spricht hierfür seinen besonderen Dank aus. Ties im allgemeinen.
WaS nun die Frage betrifft, um bie eS sich hier handelt, so wisten Sie ja, daß von feiten des Auswärtigen Amtes bereits Stellung genommen worden ist gegen die Errichtung von deutschen Handelskammern im Auslande, und zwar ist dies weniger aus sachlichen, als aus formellen Motiven geschehen. Behörden, die man im Auslande errichten darf, sind nur die Gesandtschaften, bie durch ein Akkreditiv beglaubigt werden, oder Konsulate, denen der Charakter als Behörde und ein Exequatur erteilt wird. Eine weitere Bercchttgung hat ein Staat im Auslande nicht. Tie Errichtung von Handelskammern greift in die Rechte des Auslandes ein. Eine Handelskammer wird im Auslände als eine Behörde angesehen, segelt also gewissermaßen unter falscher Flagge, weil das Publikum leicht Über Deren Charakter getäuscht wirb. Wenn hier in Teutjch- lanb auslänbische Hanbelskammern gegründet worden sind, so sind wir bis jetzt darüber hinweggegangen, einen amtlichen Verkehr aber haben wir mit ihnen nicht aufgenommen.
Ter zweite Grund, der gegen die Errichtung von Handelskammern im Auslände spricht, ist, daß dadurch leicht ein Gegensatz geschaffen wird zwischen diesen Handelskammern und den deutschen Konsuln, bie das Reich dort am Crtc vertreten. Diese Gefahr ist bei ben deutschen Hanoelskarnrnern, die bis jetzt gegründet worden sind, nicht ausgcblicben. Tas zeigt am besten der letzte Jahresbericht der deutschen Handelskammer in Brüssel, die einen heftigen Ausfall gegen das bärtige Konsulat enthält. WaS nun den Antrag Münch-Ferber auf Errichtung von Beiräten für die deutschen Konsuln betrifft, so kann ich mitteilen, daß wesentliche Bedenken gegen bcnfelben nicht vorliegen. Indessen möchte ich auch davor warnen, allzuviel von dieser Maßregel sich zu versprechen. Ich bestreite nicht, daß der Wunsch in weiten Kreisen besteht, Jnformattonsquellen über ben auslänbischen Hanbel zu erhalten. Vorn Standpunkt deS auswärtigen AmteS könnten auch gegen bie Bereitstellung einer Summe, die die Bildung solcher Körperschaften fördert, Bedenken nicht erhoben werden. Wir würden versuchen, bann aus diesen Instituten zu machen, was möglich ist.
Abg. Graf Kanih (kons.j: Meine Freunde sind für den Antrag. Wir müsien alles tun, um zu verhindern, daß daS Ausland uns überrumpelt. Die Ausfuhrziffcr von 5 Milliaroen ist zu hoch, weil die Waren alle in der Statistik nach den ortsüblichen Preisen eingestellt sind, während ein großer Teil der Ausfuhr zu billigen Syndi- katSpreiscn erfolgte. Angesichts der Zollschikanen Amerikas wird allerdings auch ein noch so guter Beirat nicht erreichen, daß diese Disparitäten verschwinden. Wir müsien daher erst mal zu angemessenen Handelsbeziehungen mit Amerika kommen.
Auf Anregung des Abg. Cfel (Ztr.) erwidert
Staatssekretär Frhr. v. Richthosen, daß bereits in weitgehendem Maße Versuche gemacht toorben feien, eine Statistik des i n- direkten Exports und Imports aufzustellen. Bei dem Mangel einer derartigen Statistik habe allerdings die Statistik über Import und Export im ganzen nur einen relativen Wert. Das müsse er dem Vorredner zugestehen. Was die Rechtslage mit Amerika an- lange, so habe darüber schon Staatssekretär Graf Posadowsky sich genügend geäußert.
Abg. Kämpf (freif. 23p.): DaS Vorgehen Rußlands gegen die jüdischen Handelsreisenden erregt große Erbitterung. Jetzt ist zwar ein Erlaß ergangen, in dem den Gouverneuren gestattet wird, bis zur Beendigung des Krieges eine mildere Praxis einzuschlagen. Aber dies könne uns nicht abhalten, hier über die ungerechte Behandlung jüdischer deutscher Staatsangehöriger Klage zu führen. Denn diese steht in krassem Widerspruch zu dem russischen Handels- oertrage, da in demselben mit keinem Wort von einer verschiedenen Behandlung je nach der Religion die Rede ist. Wenn jetzt in dem Passe das Wort „Jude" verzeichnet ist, so kann sich der betreffenbe nur basselbe sagen, was über dem Eingang zur Hölle Dantes steht. (Lachen rechts.) Auch mit den Steuern wird ein Unterschied gemacht, ein Jude muß viel mehr bezahlen. (Beifall rechts.) Ferner dürfen die Juden m Rußland nur in Hotels 4. Ranges in abgelegenen Straßen absteigen. Besondere Schikanen werben angewandt in dem Gebiet der dänischen Kosaken. Redner führt eine Reihe von Fällen an, die diese Behauptungen illusttieren sollen. Ich hoffe, daß bei den neuen deutsch-russischen Handelsverttagsverhanolungen dafür gesorgt werden wird, daß das stolze auf der Saalburg gesprochene Wort civis Germanus sum nicht halt zu machen braucht an den Grenzpfählen des russischen Reiches. (Beifall links.)
Abg. v. Böhlendorfs (kons.) führt einen Fall an, in welchem ein jetzt in leinem Wahlkreise wohnender ehemaliger deutscher Farmer für die während des Burenkrieges erlittenen Verluste noch keine Entschädigung von den Engländern erhatten habe. Dem Manne werde fälschlicherweise Neutralitätsbruch vorgeworfen. Er bitte ben Staatssekretär, sich der Sache anzunehmcn.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (freif. Vp.) bittet um Auskunft, inwiewett denn überhaupt die Entschädigungsansprüche der deutschen Farmer aus Anlaß des Burenkrieges befriedigt seien. Auch er führt Fälle an, in denen die Geschädigten noch keinen roten Heller erhalten hätten. Wenn sich Deutsche meldeten, sei ihnen gesagt worden: Ihr seid ja Oranjeburen; dann müßt Ihr als solche Eure Ansprüche geltenb machen; und wenn sie das taten, dann wurde ihnen gesagt: Ihr seid ja eigentlich Deutsche, wie kommt Ihr dazu, Ansprüche als Oranjeburen geltend zu machen? Ich möchte ferner noch den Staatssekretär fragen: Wie steht es mit der Entschädigung der durch die Wirren in Samoa geschädigten deutschen Ansiedler? Auch hier werden Beschwerden laut, daß Die Entschädigungssumme noch nicht bezahlt sei.
Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Nachdem der König von Schweden als Schiedsrichter in der Loarnoaangelegenheit sich zu Gunsten Deutschlands ausgesprochen hatte, wurden unter den Mächten Verhandlungen geführt, um auch die Entschädigungsfrage zu erledigen. Die deutschen Forderungen beliefen sich auf 112 Mill. Dollars, die beteiligten Mächte erklärten sich aber nur bereit, 25 Mill. Dollars zu zahlen. Da uns hiermit nicht gedient ist, so werden wir, falls sich eine Regelung wegen der Vereinbarung mit den Mächten nicht erzielen läfet, nochmals an den König von Schweden herantreten, um ihn zu bitten, auch die einzelnen Entschädigungen nachttäglich festzujtcllen. WaS Südafrika anlangt, so verstehe ich vollständig die hier vorgebrachten Klagen. Die englische Regierung ist der,Ansicht, daß sie völkerrechtlich zu keiner Entschädigung verpflichtet fei und daß sie, was sie bewilligt, nur ex gratia gibt. Sie hat alle Entschädigungen ausgeschlossen, welche betreffen: 1. alle Leute, die Bürger der Transvaal- oder Oranjerepublik gewesen sind, gleichgüttig, ob sie sonst Reichsangehörige waren ober nicht, 2. alle Personen, welche sich irgenb eines Neu- tralitätsbruches schuldig gemacht haben, 3. Äkttengesellschasten und Gesellschaften überhaupt. Es sind von deutscher Seite im ganzen 1182 Ansprüche geltend gemacht worden. Davon sind 281 ab» gelehnt, und zwar 68 wegen Neutralitätsruches, 55 wegen nicht genügenden Nachweises der Reichsangehörigkeit, bie übrigen wegen Zugehörigkeit der betreffenben Person zur Transvaal- ober Oranje - republif. Unsere Forderungen belaufen sich auf 11 Millionen Mk. Davon sind nur 16 Prozent, gleich rund 1 800 000 Mk., bewilligt, und hiervon ist % bezahlt. Andere Länder sind übrigens auch
nicht bester weggekommen, im Gegenteil, für Frankreich sind nur 9 Prozent der Entschädigungssumme als Berechttgung anerkannt worden, für Rußland nur 2 Prozent, für Holland 8 Prozent, und für bie Schweiz, wo aber befonbere Verhältnisse in Betracht kommen, 20 Prozent. Ich möchte nur betonen, bah bie Vertretung ber beutschen Interessen von unserem Konsul in ber besten Weise wahrgenommen ist, unb ich habe hier auch ein Schreiben einer großen Gesellschaft, worin anerkannt ist, baß sie garnicht in besserer Hand liegen konnte. Ich möchte noch hervorhebcn, baß es unserem Konsul unter allen anderen gelungen ist, ben größten Prozentsatz ber HilfSbefohlenen vor ber Ausweisung zu bewahren, barunter allein 56 Prozent Deutsche. Der Schutz der Deuischen im Auslande hängt wesentlich von dem Ansehen ab, das der Konsul im Auslande genießt. Ich bitte daher, die Stellung deS einzelnen Deutschen im Auslande nicht dadurch zu schädigen, daß man die Konsuln des Reichs grundlos beschuldigt.
Abg. Graf Kanitz (kons.) wünscht, daß die deutschen Schifter in Rußland nicht höhere Paßgebühren zahlen sollten, als die rusii- scheu in Deutschland. Man brauche der russischen Regierung nut anzukündigen, daß man die russischen Schisser in Deutschland denselben Schwierigkeiten unterwerfen würde, denen die deutschen in Rußland unterworfen seien. DaS werde sofort tonten. Redner wünscht ferner, daß darauf hingewickt werde, daß an ber russischen Grenze von Rußlanb mehr Zollämter errichtet werben, bamit bie Zollabfertigung beschleunigt werbe und bie jetzigen Plackereien aufhörten.
Ministerialbirektor von FrantziuS gibt dem Abg. Kaempf zu, daß die Verhältnisse für die jüdischen Reisenden in Rußland sehr schwierig lägen, zumal im Gebiet ber russischen Kosaken, wo bie ganze Gewalt in den Hänben ber Militärverwaltung liege, so daß den jüdischen Kaufleuten auch ein vorübergehender Aufenthalt verboten werden könne. Immerhin werde die deutsche Regierung gern bereit fein, bei den HanbelsverttagSverhanblungen auch auf eine Besserung in dieser Hinsicht hinzuarbeiten. Ob ein Erfolg damit erzielt werde, das stehe freilich noch dabin.
Abg. Tr. Miiller-Sagan (freif. 23p.) findet diese Antwort sehr unbefrieoigenb. Tas Verfahren Rußlands sei eine Schmach für bie deutsche Nation. (Lachen bei ben Antisemiten.) Es sei sehr bedauerlich, daß der Abg. Pauli über so etwas lachen könne. Wie man auch zur Jubenfrage im Jnlande stehe, bem Ausland gegenüber müsse man als Einheit bastehen. DaS erforbere die nationale Würde. Tazu käme der große Schaben, ber bem beutschen Handel baraus erwachse, daß man es ben silbischen Reisenden unmöglich mache, nach Rußland zu gehen. Die russische Regierung müsie endlich zu einer klaren Stellungnahme über diesen Punkt gezwungen werden.
Abg. Dr. Dahlem (Zentt.) beschwert sich darüber, daß der 23er# trag über den Lachsfang im Rhein von Den holländischen Fischern oft gebrochen werde. Die holländischen Fischer benutzten so große Netze, daß die ganze Breite des Rheins ausgefüllt werde. Der Lachsfang auf dem Rhein nimmt infolgedessen immer mehr ab.
Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Ich werde mich mit den Behörden ber Einzelstaaten in Verbinbung setzen unb bie Klage be8 Vorredners untersuchen lasten. Sollten sie berechtigt sein, so wird für Abhilfe gesorgt werben. Herr Dr. Müller hat verlangt, toir sollten bie russische Regierung zu einer klaren Stellungnahme in ber Frage ber Zulastung ber jübischen Reisenden zwingen. Einer solchen klaren Stellungnahme bedarf es nicht. Die russische Regierung hat keinen Zweifel darüber gelösten, baß sie burchaus gewillt ist, ben jübischen Mitgliedern fremder Nationen keine größeren Rechte zu gewähren, als sie ihren eigenen Juden gewährt. Wir werben natürlich weiter fortfahren, nach Möglichkeit für eine bessere Behanblung ber jübischen Reisenden in Rußland Sorge zu tragen unb für eine Erleichterung ber Geschäftsmöglichkeit für bieselben bei ber russischen Regierung einzutreten. Ich wünsche, daß wtt habet zu einem günstigen Resultat kommen. (Lachen links.)
Abg. v. Rarborff (Np.): Ja, meine Herren, toir können doch nicht verlangen, daß bie Russen fremde Juden bester behandeln als ihre eigenen. Ich habe schon mit bem Fürsten Bismarck darüber gesprochen und ber hat mir gesagt: „Das wirb ben Rusten gar nicht einfallen, frembe Juben besser zu behanbeln als ihre eigenen.“ Wenn ber Abg. Dr. Müller aber zu meinen schien, wenn unsere Juben nicht bester behanbelt werden, dann lieber gar keinen Handelsvertrag mit Rußlanb — ja, m. H., da kann ich ihm vollständig beistimmen. (Heiterkeit.)
Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath (nat.-lib.): Die RheinlachS# frage gehört eigentlich in ben Etat deS Reichsamts des Innern. Es sind hierüber sehr eingehenbe Unterhandlungen seit einer Reihe von Jahren mit ber Kgl. Nieberlänbischen Regierung geführt, unb toir haben uns mit ber Frage eingehenb beschäftigt. Die Verhält- niste liegen eben daburch eigentümlich, baß bieselben Ursachen, bie eine Verminberung bes Lachses im Rhein bewirken, gerabe bazu beitragen, baß ber Lachs im Hollänbischen um so häufiger auf ben Markt kommt. Auf bem holländischen Teile des Rheines fahren bc» stänbig bie großen Dampfer auf unb ab, Tag unb Nacht mit ben großen Netzen, in bie btc Lachse immer wieder haufenweise hjnein- gehen. Dagegen läßt sich nichts machen, und toir können es auch ber Kgl. Nieberlänbischen Regierung nicht verwehren, bie Maßregeln SU treffen, bie ihr im Interesse beS LachsfangeS für geeignet erscheinen. Wir haben wieberholt schon das ReichSamt des Innern aufgefordert, an geeignete Maßregeln zu denken, bie dieser Kalamität für uns ein Ende machen unb mit bet Nieberlänbischen Regierung in entsprechende Verhandlungen einzutreten, sodaß etient die Lachsfischerei an der Rheinmünbung zu bestimmten Zeiten untersagt wird. Denn die Kgl. Niederländi,che Regierung darauf nicht eingeht, so haben wir kein Mittel, sie zu zwingen. Wir können allerdings einfach bie betreffenbe Konvention ganz aufheben. Dadurch würden bie Verhältnisse für Hollanb bann in ber Tat wesentlich ungünstiger liegen als jetzt, aber auch für uns. Kurz und gut, es ist ein schwerer Uebelftanb, über ben toir bereits sehr viel nachgedacht haben und bem toir sehr gern abhelfen möchten. Aber bie Sache liegt nicht so einfach, wie sich der Herr Dr. Dahle« bentt.
Abg. Gothein (fteis. Vgg.): Wenn Abg. von Äatborff sagt, die Rusten werben boch nicht so Dumm sein, frembe Juben besser zu behandeln, als ihre eigenen, so erschwert er damit unseren Unterhändlern bie Verhandlungen. Man sollte daher ettoaJ mehr Rücksicht auf unsere Unterhändler nehmen.
Abg. von fiarborff (Rp.): Ich weiß ganz genau, wie ich mich zu benehmen habe, ich brauche keine Vorschriften. Was ich gesagt habe, habe ich mit voller Absicht gesagt. Sn bem russischen Han- belsvcrttag liegt uns blutwenig.
2bg. Dasbach (Ztt.) wundert sich, daß bie deutsche Regierung bezüglich be5 LachSsangeS noch immer nichts von ber holländischer, Regierung erreicht habe; bie Verhandlungen scheinen boch nicht mit bem nötigen Nachdruck geführt worden zu fein.
Abg. Pauli (Antis.) erklärt, er habe bei der Rebe deS Abg. Kämpf nicht gelacht wegen deS Inhalts der Rede, sondern wegen ber Art ber Ausftihrungen. Auch viele andere Abgeordnete hätten darüber gelacht, unb wenn Abg. Müller-Sagan gerade ihn herauSgreife, so freue er sich über dieses Interesse, daS er ihm hierdurch bekunde. (Heiterkeit.)


