S3ene her Gesetzgebung, sondern durch Verständigung zwischen den Einzelregierungen auf Grund der vom Reichs- gesundheitsamt gebilligten Vorschläge erreicht werden.
Dresden, 19. Ian. Tie erste Kammer nahm einstimmig einen Gesetzentwurf über die Landestrauer an, nach dem öffentlich)« Lustbarkeiten mir bis zum dritten Tage nach der Beisetzung des Königs, der Königinwitwe und des über 21 Jahre alten Kronprinzen einzustellen sind. Tie gleichen Bestimmungen sind bei dem Ableben des Kaisers getroffen.
Nürn berg, 19. Ian. Zur Frage der Fortsetzung der Main-Kanalisierung werden der ,,Fränk. Morgen- Ztg " von gut unterrichteter Seite einige interessante Mitteilungen gemacht, die im Gegensatz zu den bisherigen Tarsteilungen von anderer Seite sehr pessimistisch gehalten sind. U. a. wird darauf hingewiesen, daß die jüngste preußische Thronrede von der Main-Kanalisierung lein Wort enthalte trotz der ausführlichen Behandlung der Wasserstraßen-Gesetzgebung. Offenbar bestehe keine Aussicht, diese Frage in der begonnenen Landtags- Sejsion zu lösen. Tatsächlich sei in der wichtigsten Streitfrage betreffs der bairischen Eisenbahn Tarifbildung und der von Preußen hierzu verlangten Kautelen die Einigung um keinen Schritt näher gerückt und bei den Nürnberger Verhandlungen seien in dieser Sache die bairischen Vertreter gegenüber der preußischen Verkehrspolitik äußerst scharf vörgegangen und es sei zu ziemlich lebhaften Auseinandersetzungen gekommen, sodaß die preußischen Vertreter eine gelinde Scheu vor weiteren münd- lichen Verhandlungen mit sich nach $>au)'e genommen haben. Ter neue Verkehrsminister trage hieran aber keine Schuld. Er sei mit seinen preußischen Kollegen auf gutem Fuße geblieben und das sei auch die einzige Hoffnung für einen gedeihlichen Ausgang. Als befriedigender Abschluß würde bairischerfeits erachtet: volle verkehrspolitische Freiheit innerhalb der billigen Rücksichten auf die preußische Verkehrspolitik und ein Hand in Handgehen zur Erzielung einer deutsche nVer- kehrs-Einheit.
Ausland.
London, 19. Jan. Cha mb er Iain hielt heute hier eine Rede über seine handelspolitischen Pläne. Es erwartete ihn eine große Versammlung. Der Mayor und sechs frühere Mayors schritten ihm zum Empfange entgegen. Als Chamberlain das Wort ergriff, erscholl eine neue Kundgebung der Begeisterung. Er führte aus, er habe sagen hören, Londons Wohlstand sei festgewurzelt und die Beweisgründe, welche sich an andern großen Plätzen durchschlagend erwiesen, hätten hier keine Geltung. Diese Ansicht weise er zurück. Er glaube nicht, daß er im Herzen des vereinigten Königreichs, am Nervenzentrum des Reichs, auf ba§ alle so stolz seien, seine schwerste Aufgabe finden werde, nämlich hier die Bewohner zu überreden, auf dem Wege Gefolgschaft zu leisten, auf dem allein die Festigung dieses großen Reiches möglich! sei.
Brüssel, 19. Jan. Die Gräfin Lonpay will gegen die von ihrem Vater, dem König Leopold, vollzogene Schenkung sämtlicher liegender Güter an die belgische Nation in dem bevorstehenden Erbschaftsprozeß protestieren. Bei ^Nachweisung der Gütergemeinschaft der Eltern dürfte sich der Anteil der Gräfin auf 15 Millionen Francs belaufen.
Paris, 19. Jan. In der von der Deputiertenkammer ernannten Untersuchungskonnnission in der Angelegenheit der Humberts wurde heute Labori vernommen. Derselbe erklärte, er habe niemals in der Verteidigungsrede gesagt, daß die Humberts politische Mitschuld! ge hätten. Labori führte aus, es gebe hier keine Gaunerei, deshalb gebe es auch keine Mitschuldigen.
— Staats anwalt Baudouin überreichte heute nachmittag dem Präsidenten des Kassationshof cs einen Bericht 'über die Dreyfus-Angelegenhert. Dieser Bericht -ist sehr lang. Man glaubt beim Gerichtshöfe, daß die Kriminalkammer selbst die Untersuchtmg anftellen werde wie stm Jahre 1899. Die endgiltigen Verhandlungen werden tbaun erst im Juni vor den .Kassationshof kommen.
Madrid, 19. Ian. Gestern wütete in Valenzia rmd 'in Tarragona der Aufruhr. Tie Oktrvihäuschen wurden eingeäschert. Ter Stadtrat von Tarragona teilt mit, daß Polizei und Gendarmen ohnmächtig ,waren. In Valenzia ist infolge des Ausstandes der Hafenarbeiter der Generalstreik ausgebrochen.
Rom, 19. Jan. Die Regierung beabsichtigt die Einrichtung eines öffentlichen Automvbildienstes. Von den zu schaffenden Zweiglinien sollen acht dem sran- zösischi-italienischen und sieben dem italienisch-schweizerischen Verkehr dienen. Der Fahrpreis für Passagiere soll 5 Centimes pro Kilometer und die Kosten für Beförderung des Gepäcks 5 Centimes für die Kilometer-Tonne betragen.
Petersburg, 18. Jan. Der Turkmenenaufstand in der persischen Provinz Astrabad nimmt nach der , Nowoje Wremsa" e r n st e r e T i m e n s i o n c n an. Persien machte 2250 Mann reguläre Truppen und 2000 Mann vom Landsturm mobil. Das Haupthindernis für ein energisches Eingr eifen liegt in der Korruption der persischen Offiziere, die die für die Truppen bewilligten Gelder unterschlagen. Tie Turkmenen /droben, fall? ibre Wünich? unerfüllt bleiben, sich unter russische Oberbibeit zu stellen.
Ans und land.
Gießen, 20. Januar 1904.
** Evangel. Bund. Nächsten Sonntag, den 24. Jaguar 1904, abends 8Vi Uhr findet im Neuen Saalbau der zweite Familienabend des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bundes statt. Wie wir schon früher mitteilten, wird an diesem Abend Tr. Tiehl von Hirschhorn übet: „Sonnenschein und Sturm in Gi':cf;en während des 80 jährigen Krieges" sprechen. Herr Tiehl ist aus früheren Vorträgen wobt bekannt und infolge seiner eingehenden Forschungen sicher einer der besten Kenner hessischer Ver hältnisse früherer Jahrhunderte. Tas von ihm diesmal gewählte Thema ist für die Einwohner Gießens von ganz besonderem Interesse. Sind ja doch die Wogen des 30 jähr. Krieges auch wiederholt über unserer Stadt zusammeu- geschlagen. Zur Verschönerung des M'ends halnn der Evang. .Kirchengesangverein und verschiedene Solisten ihre Mitwirkung zugesagt, sodaß in jeder Beziehung ein ge- nußreicher Abend erwartet werden darf. — Tie Versammlung ist öffentlich, und es sind alle evangelischen wohnet der Stadt willkommen.
** A u s dem Bureau de? Stadttheaters. „Theodora", das neueste Drama von Ivhan Boi er, dcS neu entdeckten nordiscl^cn TiMers, das uns durch die aukerwählte Künstlerschar des Dirrk.orS Cmstav Lindemann DePtTfttelt virrdcn fott. eiuS der interessantesten Werke,
l-ausen und Bad Nauheim zum V^rschevr oekomme« seien Mehrs ordern*gen für de« Vsrfteher des Kataster. Tie zahlreichen SteinULimmer, die w de« Wildlinge« und'a — ie» nnd den Vorsitzenden de» rnndeßsemerbe.
rot gewesen und blau umhüllt seien. Vergleiche mit diesen einarten und denen des Vesuvs hätten ein und dasselbe Ergebnis gehabt. Ter Redner erläuterte seinen Vortrag durch Zeichnungen und Skizzen sowie durch zahlreiche Bei- spiele und Vergleiche sowohl in schematischer tote in praktischer Hinsicht, indem er mitteilte, schon Hunderte von Tagen bett Vogelsberg durchwandert und untersucht zu haben. Auch en SSixeralfcTfcr. und Quellen sei der
berg reich gewesen, tofWr durch die großen HsdnWwLlz- trugen in den O*ten SalzfMjrf, Ech^e.l, SchwaLjeim, E«lz-
gleichfalls zulässig sein. An jedes Projekt wäre die Bedingung der normalen Spur neben den sonst noch bezüglich der Konstruktion zu stellenden Anforderungen zu knüpfen." Trotz der nun mehrfach von Hessen dokumentierten Genei g.-- heit, diese Lücke im Bahnnetz auszubauen, scheiterte die Verivirttichung des Projektes bislang an dem Widerstand Preußens. Ta nun die Strecke (Bebra) Hersfeld—Alsfeld mit Fortsetzung nach Gießen oder Mücke, Friedberg, Frankfurt eine bedeutende Entlastung der Militärbahn Leineeide—Treysa bildet, außer ihrem strategischen Wert noch von hohem volkswirtschaftlichem Vorteil durch Erschließung eines abseits des großen Verkehrs liegenden Komplexes ist, und die Erbauung dieser 33 Ktm. langen Strecke kaum mehr wie das zweite Geleise der Leinefelde—Treysaer Strecke kostet, so dürfte eine der Allgemeinheit (Militär, Landwirt- chaft und Handel) dienende Bahn Hersfeld—Mederanla-- Alsfeld bei Erörterung des Etats unbedingt den Vorzug ein- jeräumt bekommen. Wir sind der festen Zuversicht, daß Ew. Wohlgeboren allseitig Unterstützung des hohen Hauses finden werden und verharren in dieser Erwartung ganz ergebenft."
(AlSf. Oberh. Ztg.)
sd. Darmstadt, 19. Jan. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat heute mit den Abstimmungen Über die vorderen Kapitel des Etats begonnen und auch bereitr eise flankt Reihe von ff<*ite(R ohne wesentliche TiS- kufsion rmverändert enqeiwmrwen. Gestrichen wurde« nur die
die je aus Norwegen zu uns gekommen sind. Georg Brandes, der berühmte nordische Literaturhistoriker, schreibt in einem Artikel, betitelt „Nordische Frauengestalten" folgendes: „Das. Stück ist mit erstaunlich sicherer Hand gebaut, es hat viele Situationen, die von eminenter Wirkung sind." Tas Grundmotiv des Stuckes ist, „Wer anders leben will^ als es Brauch und Sitte fordern, der wird sein HauS beständig von Wollen umschlichen sehen." — Im übrigen ist das Drama als die Tragödie der intellektuell- genialenFrauinder modernen bürgerlichen Gesellschaft gedacht; der Kampf einer freidenkendenund frei empfindenden Frau gegen ihre Umgebung; ein Kampf, in dem die geistig hochbegabte Frau unter- lie gen muß, weil sie für die Misere des Alltags, für die harten Hände des Philisterttims zu fein organisiert ist.
*t Verein für d i e Gleichstellung der höheren Schulen in Hessen. Es hat sich, wie wir in den „N. Hess. Volksbl." lesen, vor kurzem eine Anzahl hessischer Anhänger des Prinzips der Gleichberechtigung der höheren Schulen zu einem Verein zusammengeschlossen, der unter der Fübrimg der Professoren Geheimrat Kittler und Geh. Baurats Landsberg sowie des Geh. Kommerzienrats Tr. L. Merck in Tarmstadt steht und sich „Verein für die Gleichstellung der höheren Schulen" nennt. Tie Zahl der Mitglieder des neuen Vereins, der sich bereits über das ganze Großherzogtum erstreckt, ist im raschen Zunehmen begriffen. Auch in Gießen zählt der Verein Mitglieder. Er setzt sich zum Ziel, die Freunde der Schulreform zu sammeln, in der Oeffentlichkeit auf die Bedeutung seiner Bestrebungen hinHUweisen und in geeigneter Form bei den maßgebenden Stellen für die Turchführung seiner Ziele zu wirken. Es liegt ihm durchaus fern, aggressiv nach irgend einer Seite hin vorzugehen, insbesondere lehnt es der neue Verein ab, gegen das Gymnasium und die tu ihm betriebenen Studien eine feindliche Stellung einzunehmen.
d. Klein-Linden, 18. Jan. Seine erste Festlichkeit veranstaltete gestern im Vereinslokal „Deutscher Hof" unser jüngster Verein. Der „Rauch-Klub" wurde am 3. Januar d. I. von 12 Rauchern gegründet und jählt jetzt schon 26 Mitglieder. Ein alter Raucher, welchen der Verein zum Ehrenmitglied ernannte, hat dem Verein eine namhafte Geldspende überwiesen. Gestern wurde das in den Reichsfarben von F. Klein entworfene prächtige Wappen des Vereins eingeweiht.
)( Klein-Linden, 19. Jan. Am Sonntag hielt unser Krieger ver ei n in der „Teuffchen Eiche" seine Generalversammlung ab mit der Tagesordnung: Rückblick ins Vereinsjahr 1903, Rechnungsabschluß für 1903 und Neuwahl des Vorstands. Ter Schriftführer sagte in dem Rückblick, daß die Zahl der Mitglieder auf 85 gestiegen ist. Ein wichtiges Ereignis bildete die Anschaffung von sechs Gewehren Modell 71. Ter Rechnungsabschluß zeigte ebenfalls ein erfreuliches Bild. Bei der Borstandswahl wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder wieder- gewählt, während W. Klein I. neugewählt wurde. In kurzen Worten gedachte hierauf der Schriftführer des 18. Januar, an welchem Tage 1871 das deutsche Kaiserreich wieder aufgerichtet wurde, der Krankheit des Kaisers und des Schicksccksschilages, der vor kurzem unseren geliebten Eroßherzog traf, und forderte die Kameraden auf, in Freud uno Leid allezeit treu zu unseren Herrschern zu stehen. Zum Schlüsse lud der Präsident die Kameraden zu der am 30. Januar im Saale zur „Teutschen Eiche" stattfindenden Feier von Kaisers Geburtstag ein.
t Atzb ach, 19. Jan. Der Bau der geplanten direkten Straßenverbindung von hier nach Dutenhofen zieht sich nach wie vor in die Länge. Diese Straße ist ein dringendes Bedürfnis, da doch für die Folge aller Verkehr nach Dutenhofen, das im Laufe dieses Jahres eine Güterverladeftelle erhalten wird, sich richtet. Für die in Aussicht genommene Straße bedarf es noch der dcichpolizei- lichen Genehmigung für die vorgesehenen Durchlässe in dem hier sehr erweiterten Lahnbecken. Die neu" Lahnbrücke bei Dutenhofen ist bereits für die Anlegung dieser Verbind- ungsstraße erbaut worden.
L. Friedberg, 20. Jan. (Eigener Drahtbericht.) Der von der Staatsanwaltschaft Gießen steckbrieflich verfolgte Heinrich Müller aus Ulrichstein wurde durch die hiesige Polizei verhaftet und ins Amtsgerichtsgefängnis überführt. Müller hat vor einiger Zeit m Gießen einen Uhrendiebstahl ausgeführt.
X Grünberg, 19. Jan. Die Oktroifrage fand in der heutigen Gemeinderatssitzung ihre definitive Erledigung. Der erste und weitgehendste Antrag, überhaupt kein Oktroi zu erheben, fand Stimmengleichheit mit 5 gegen 5; der zweite Antrag, die Alsfelder Oktroibestimmungen ein» zuführen, wurde mit 5 gegen 5 Stimmen angenommen. Darnach werden nach erfolgter Genehmigung des Großh. Kreisamts für die Stadt Grünberg erhoben: für eingeführtes Bier per Hektoliter 65 Pfg., Wein per Flasche 3 Pfg., per Hektoliter 1.20 Mk., Obstwein per Hektoliter 80 Pfg., Branntwein, roh und gefärbt, per Hektoliter 2.20 Mk. Die sich an das Alsfelder Statut anlehnenden Ausführungsbestimmungen werden in der nächsten Sitzung beraten.
)( Grebenhain, 18. Jan. Gestern abend hielt Ober-Bergrat Chelius au5 Tarmstadt, in dem Vereinslokale des Gewerbe-Vereins, im Gasthaus „Zum Tarmstädter Hoff' hier, einen hvchintereffanten Vortrag, lvelcher als Thema den VuVkan im Vogelsberg behandelte. Zahlreiche Mitglieder des Vereins und sonstige Interessenten hatten sich hierzu eingefunden, sodaß der Saal dichtgedrängt voll war. Ter Redner führte zuerst aus, daß zurzeit der Aetna der größte feuerspeiende Berg in Europa sei, indem ihn zwei Quadratmeilen umfaffen. Vvr Jahrhunderten, vieNeicht Jahrtausenden sei auch unser Vogelsberg int Besitz solcher, aber noch größerer Vulkane gewesen. Ter Redner schilderte eingehend die noch vorhandenen Spuren der Vulkane, der Lava und der daraus entstandenen Bnsaltmaffen und Steingebilde. Noch deutlich könne man diese Spuren, wenn man die Bahn von hier nach Lauterbach verfolge, an den durchbrochenen Felsen wahrnehmen, wo häufig Steinmassen vorkämen, welche
Gemeindewüstungen noch heute zu sehen seien, seien Vorboten der Eiszeit. Ta die Gebirge früher beträchlich höher gewesen seien, läge die Annahme vor, daß Teile von den Lawinen mitgenommen und fvrtgesckwemmt worden seien. Bedauerlich sei, daß für den Vogelsberg keine geologische Station, die vom Staate unterstützt werde, bestehe. Im Odenwald bestände eine solche schon 18 Jahre lang. Ter Bahnve^kehr im Vogelsberg werde aber fördernd wirken. Tie Ausbeutung der Mineralien erfordere indessen Unternehmungslust und Kapital. Reichen Beifall erntete der Redner nach^ seinem I1/2 stündigen Vortrag. — Nach kurzer Pause ergriff der Redner nochmals das Wort. E-fteulick'er- toeise habe et vernommen, daß im benachbarten Ilbeshausen von Tirektor Berlit ein größerer G-bäudckomplex erworben worden fet, um darauf ein Eryokun gSheim für den Teutschen Aerßte- und Naturforscher- Verein, der zurzeit aus 30 0~0 Mitgliedern bestände, und ein Erholungsheim für die deutschen Kaufmännischen Vereine dort zu errichten, und daß die Pläne schon so weit gediehen seien, daß die nahe Verwirklichung des Pwjektes bevorsiände. Berlit habe mit noch zwei andern Herren deswegen eine Audienz b e i S r. K ö n i g 1 i ch e n Hoheit d em Gr 0 ß h er zog gehabt. Dem hohen Herrn seien die Pläne vorgetragen und die von Professor" Hofmann-Herborn aufgenommenen Photographien vorgelegt worden, und S. K. Hoheit habe in dreistündiger Audienz das ' regste Interesse und größte Wohlwollen entgegengebracht und würde auch nicht verfehlen, wenn die Witterung einigermaßen günstig und die Arbeiten vorgeschritten seien, sich durch seinen Geh. Kabinettssekreiär Römheld darüber Bericht erstatten zu lassen.
Lauterbach, 18. Jan. Der ,L.-Anz.« schreibt: Heute ftüh um 1/2 8 Uhr verschied nach längerem Leiden Herr Friedrich Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Königlich Preuß. Major a. D. auf Eichhof bei Lauterbach. Mit Windesschnelle durcheilte diese Trauerckunde unsre Stadt, denn ein edler Menschenfreund wurde uns Allen entrißen. Nie klopfte ein Armer und Bedrängter vergeblich an seiner Türe an, überall half er mit Rat und Tat. Kein Wunder denn, daß ihm aller Herzen entgegenschlugen, kein Wunder, daß jetzt, nachdem er von uns geschieden, die Trauer eine allgemeine und aufrichtige ist. Friedrich Hennann Riedesel war geboren 1848 in Darmstadt. Er hatte sich dem.Militärberufe ge- widmet. Als Leutnant bei dem Großh. Hessischen Leibdragoner-Regiment Nr. 24 hat er an dem glorreichen Feldzuge 1870 teilgenommen. Später gehörte er den Offizierkorps der Kuraffier-Regimenter Nr. 8 in Deutz am Rhein und Nr. 7 in Halberstadt an. Schließlich war er Schmadronschef in Stendal beim Magdeburgschen Husaren-Regirnente Nr. 10. Im Jahre 1891 schied er als Major aus und nahm seinen Wohnsitz in Lauterbach, wo er bis zum Jahre 1900 im Hohhaus wohnte. Alsdann siedelte er nach dem indessen erbauten prächtig gelegenen und künstlerisch alisgeführten Herrensitze Eichhof bei Lauterbach über. Sein hochentwickelter Sinn für Kunst und die Natur hat hier gauz vorzügliches hervorgezaubert. Er oermäblte sich im Jahre 1881 mit einer Gräfin v. BernStorff. Die Ehe blieb kinderlos. Major Riedesel war Ehrenmitglied des Kriegervereins Lauterbach und vor wenigen Monaten wurde er in den Kirchenvorstand unterer Stadt gewählt. Die Beisetzlmg findet am nächsten Donnerstag, den 21. Januar, nachmittags 2 Uhr auf dem Friedhöfe in Eisenbach statt.
Alsfeld, 19. Jan. Von der Gemeindevertretung von Alsfeld wurde die nachstehende Petitton, die auch seitens der Gemeindevertretung von Breitenback> a. H. unterzeichnet wurde, dem Reichstagsabgeordneten des Kreises Tr Wallau, sowie allen hessischen Vertretern im Reick)stage übersandt: ^Jm Interesse der Landesverteidigung sotten zwei Teilstrecken der Eisenbahn Treysa—Leinefelde zweigleisig aus- gebaut werden, und bei einem Gesamtvoranschlag von 1550000 M. find für das Iaht 1904 800 000 Mk. als erste Rate eingestettt. Bei dieser Veranlassung beehren sich die unterzeichneten Gemeinden au eine der obigen Bahn ziemlich parallel laufende Linie, deren strategischLr Wert an- erkannt ist, ergebenst hinzuweisen. ES ist dies die hessischer- seits schon des öfteren angestrebte Verbindung: Hei'S- feld—Niederaula —Alsfeld. Tiefe Strecke bleibt trotz atter inzwischen erbauten Bahnen die naturgemäßeste und kürzeste Verbindung von Ost nach West, nur 44 Klm. lang, von denen 11 Mm. (Hersfeld—Niederaula) bereits im Bau sind, von beu noch verbleibenden 33 Klm. sind 11 preußisch und 22 hessisch. Das Kriegsministerium äußerte sich wie folgt über diese Linie unter Nr. 788/3 A 1 am 28. März 1880, nachdem es bedauert, auf den Minister der öffentlichen Arbeiten wegen notwendigeren Projekten keinen Einfluß ausüben zu kö-nnen . Da das Krieesnrini- sterium jedoch den militärischen Wert einer solchen Bahn- verbi-ndung an sich nicht unterschätzt, so bemerkt dasselbe für den Fall, daß das Projekt zu geeigneter Zeit wieder ausgenommen vder schon jetzt auch ohne eine Unterstützung des Staates zu stände kommen sottte, ergebenst, toie ba& selbe eintretendenfalls eine von Salzungen (eben! auch von Gerstungen) über Hersfeld nach Alsfeld durchsührende Linie als die Iven diesseittgen Anforderungen am meisten entsprechende bezeichnen müßte. Ter Bau einer Teilstrecke, welcher dem Zustande dnnmen des Ganzen dient, würde


