Ausgabe 
20.1.1904 Drittes Blatt
 
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Mittwoch, 20* Januar 1904

154. Jahrg.

Erscheint ISgNch mit AuSnahm» deS Sonnta-S.

Li. .Gießer 5 Samtlienblötter" werden, dem Sln^etgec o erma wöchentlich beigelegt. Der ..Hessische Landwii '* erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

BerantwarlNch ffif de» eBgemetw* Ml v- ÖUlto; tia der.

iRxtfattonfebrud und Vertag da

UntDaftiätotxcudeiet jPuchch Srda^ SvU*

General-Anzeiger, Amts- und AnzeigeblaLL für den Kreis Gießen.

Parlamentarische ÜreriianSlmMn.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gsstattrt.

als Grund dieses Umstandes irgendwie eine schlimmere Katastrophe zu befürchten. Las Telegramm lautet weiter:

Ich halte Entsendung eines Bataillons mit bespannter H-eld- battene sirr notwendig. Oberstleutnant Leutwein bittet Major von Estorff um Führer auf Kriegsdauer der Geschütze.

Ich teile diesen letzten Satz mit, weil daraus hervorgeht, daß Oberst­leutnant Leutwein in Verbindung mit Windhoek in diesem Moment, am 14., gestanden hat. Es besteht zwischen Windhoek und Keet- manshoop eine heliographische Verbindung; es ist anzunehmen, daß Oberstleutnant Leutwein sich an einem Orte dieser heliographlschen Verbindung befand. Allerdings, aus diesem Telegramm geht mcht hervor, ob er zwanzig Tagereisen ober drei Tagereisen oder welche Entfernung von Windhoek entfernt war.

Das andere Telegramm ist von dem Vertreter des Gouverneurs, einem Verwaltungsbeamten, dem Oberrichter Richter, gezeichnet und lautet folgendermaßen:

Sämtliche Farmen in der Umgebung Windhoeks durch Hereros geplündert. Einzeln wohnende Weiße ermordet. Lage

kommen ist. r -

Wie aber unter denjenigen, die die Verhaltniste so ganz be­sonders kennen, die Sache beurteilt wird, geht aus einem Berichte hervor, den ein Farmer imd Kaufmann, der seit 12 Jahren im Schutzgebiet gelebt hatte, in diesen Tagen an den Referenten für Deutsch-Südwestafrika in der Kolonialabteilung geschrieben bat, nämlich der Farmer Vogts von. der: Firma.Mer . V"

diesem Briefe werben ungefähr dieselben Grunde aufgesuhrt, wie id) sie geschildert habe; der Ausbruch ist zur Ueberraschung aller ge-

Abg. Dr. Spahn sZknft.j: Tas Haus wird hoffentlich den Schlußworten des Kolonialdirektors zustimmen und die geforderten Summen bewilligen. Freilich kann man die ^Verwaltung nicht so ganz von jeder Verantwortung an den Ereignisien lossprechen. Jpxe. Deutsche Zeitung" hat schon im November darauf aufmerksam aemacht, daß dort etwas vorgehen müsse, und dieFrankfurter Zeitung" sand die Häuptlingsversammlung in Okohandsa sehr auf» fallend Warum hat man nicht bei Zeiten darauf geachtet? Auch ist es mehr als fraglich, ob man die Hereros immer richtig behandelt Bat. Trotzdem ist natürlich jetzt schleunige Hilfe geboten. Die Nach- tragssorderung zum Etat für 1903 kann sehr wohl ohne Kom­missionsberatung erledigt werden, heute in erster und zwetter, in den nächsten Tagen in dritter Lesung. Dagegen kann der Nachtrags­etat für 1904 in dritter Lesung erst bei der dritten Lesung des Ge­samtetats für 1904 erledigt werden; die erste und zweite könnte Mich gleich jetzt vorgenommen werden.

Präsident Graf Ballestrem stellt sich in Bezug auf dre ge­schäftsordnungsmäßige Bebairdlung der Nachtragsetats auf den Standpunkt des Abg. Spahn.

Abg. Bebel sSoz.j: Ich sehe keinen Anlaß, warum nicht, auch die zweite Lesung des 1904er Nachtragsetats erst später stattfinden soll. Dadurch würde eine gründlichere Behandlung ermöglicht. Zur Sache selbst: Aufftände gehören fteilich nicht.zur Kolonisation an sich, wohl aber zu der Art, lvie bei uns kolonisiert wird, d. h. rote die sog. Kulturnationen gegen die Urbevölkerung auftreten. Die Summe, die jetzt verlangt wird, ist keineswegs unbedeutend. Und zudem: wir können ganz sicher sein, daß noch weitere Sorbe« rungen nachkommen. Wir kennen das ja von Ehina her. Ter Reichskanzler hat die Vorlage damit begründet, daß der Aufftand der Hererosohne sichtbaren Anlaß" ausgebrochen sei. Das ist denn doch überraschend. Sollte die Reichsregierung wirklich lerne ?lhnung haben von den Gründen, die die Hereros zum Aufstand ge­trieben haben? ES war mir sehr bezeichnend, daß der Kolonial­direktor beute von einemVerzweiflungskampf" der Hereros ge­sprochen hat. Nun. was hat sie denn in diesen Verzwetflungs- karnpf getrieben? Davon erfahren wir nichts, wir erfahren über­haupt sehr wenig von diesem dunklen Gebiet, es sei denn, daß ein­mal jemand indiskret ist und au§ der Schule vlaudert. So erzählt jetzt ein Missionsbericht:Besondere Unzucht und Trunkenhert herrschen in hohem Grade. Leider sind oft Weiße nicht allem schlechte Vorbilder in dieser Beziehung, sondern auch direkte Ver­führer. (Hört I hört! bei den Soz.) Venerische Krankheiten haben in besorgniserregender Weise um sich gegriffen. Sehr bedauerlich ist es, daß eS hier in weiten Kreisen üblich ist, eingeborenen Ar­beitern den Genuß von Branntwein regelrecht cmzugewohnen. (Hörti hört! bei den Soz.s.

Diese Zeilen charakterisieren die Situation. Aber der Em­pörung muß mehr zu Grunde liegen. Wenn die Grundlage vcm Eigentum und Eristenz in Frage gestellt wird wie man das mtt den Hereros macht so kann das auch die allerzivtlinerteiten Europäer zur Empörung treiben. sGelächter rechts.s . A,taDt« bahn, die durch das Gebiet der Hereros geht, hat bewirkt, daß Dte Gelände längs derselben von weißen Farmern einfach in Besitz ge­nommen und die Herreros Vertrieben werden. Ter Aufstand ist daher leicht erklärlich; gerade so, wie die alten Deutschen um wre Eristenz kämpften und die Römer zum Lande hinaustrieben Auch der Schwarze hat Liebe zu seiner Heimat. Und daher soll Die Reichsregierung die Sache mit anderen Augen ansehen und. wenn der Krieg schon notwendig ist, nicht etwa nachträglich noch einen Racheakt vornehmen. Was unsere Stellung zu den gegenwärtigen Forderungen betrifft, so würden, wenn es schlüssig nachgewiesen wäre, daß die Schuld an dem Aufstand einzig an der tttegrerung liegt, wir dieselben ablehnen. Da die Sache aber doch noch zweifel­haft ist, so werden wir uns der Abstimmung enthalten, ^ch be­merke aber ausdrücklich, daß dies unsere prinzipielle Haltung gegen­über der Kolonialpolitik keineswegs ändert. Wir halten diese nach wie vor für unheilvoll. (Lebh. Beifall bei den Soz.s

Abg. von Normnnn skons.): Meine Freunde worben die For­derungen bewilligen, nachdem ber Reichskanzler gestern die Lituatmn dargelegt hat. Wir halten es auch nicht für angebracht, angesichts derselben noch mit einer Kritik zu kommen.

Abg. Dr. Müller-Sagan (frei?. Volksp.s: Wir sind zwm Gegner der Kolonialpolitik, wollen aber eine Forderung nicht ablehnen, bet der es sich darum handelt, einen Aufstand niederzuwerfen und die Ordnung der Tinge w >erherzustellen, zumal die Rettung schwer gefährdeter Menschenleben m Frage kommt. Wir können aber die Entsendung der Marineinfanterie nur als eine vorübergehende Maß­nahme ansehen und erwarten mit Sicherheit, daß das Haus, an­gesichts dieesr großen Ausgaben, auf anderen Gebieten der Ko- i leniaivolitif um so sparsamer sein wird.

Abg Dr. Sattler (nat.4ib.): Es handelt sich darum, daß Än-

sehr ernst. _ . , ... y,

Heber die Größe ber Gefahr unb den Umfang ber zu befürchten­den Katastrophe eine Vorstellung zu haben, möchte ich aus ber Statistik des Schutzgebiete? einige Zahlen mitteilen, die sich auf das Aufftanbsgebiet beziehen.

Die Gesamtbevölkerung des Schutzgebiets am 1. Januar 1903 beträgt 4640 Köpfe, davon 1836 Frauen und Kinder. Die von dem Aufstande betroffenen Bezirke Windhoek, Karibik) und Omaruru haben zusammen eine Bevölkerung von 1800 Weißen, davon 1542 Deutsche, unter diesen sind 489 Beamte und Schutztruppensoldaten, die Zahl ber Frauen beträgt in diesen drei Bezirken 250, die ber Kinber 318. Unter den erwachsenen Männern ber drei Bezirke sind 216 Ansiedler und Farmer. Größere Orte sind Groß- und Klein-Windhoek mit zusammen 684 Einwohnern, Karibik) mit 164, Okahandja mit 139, Omaruru mit 155 Einwohnern, Hohewarte mtt 166, Otjimbingwe mit 59. Abgesehen von diesen sechs größeren Orten verteilt sich die Weiße Bevölkerung in den beiden Bezirken aur nicht weniger als 118 einzelne Wohnplätze, die vielfach nur ein, zwei, drei Weiße zählen. Die Zahl der Farmer im Bezirk Karibib betragt 21, im Bezirk Windhoek 78, in Omaruru 15, zusammen im Auf- standsgebiete 114. Der Viehbestand im Besitze weißer Farmer stellt sich folgendermaßen: Es befinden sich in den drei Bezirken 17 800 Stück Rindvieh, 1350 Pferde und 56 000 Kleinvieh. Sucht man nun nach den Beweggründen der Erhebung der Hereros, so muß davon ausgegangen werden, daß diese Eingeborenen die Zeit vor der Okku- vatton des Landes durch uns noch nicht tiergeffen haben, die Zeit, wo sie vollkommene Freiheit, Ungebundenheit, Zügellosigkeit genoficn. Im Jahre 1888 nahmen sie sich sogar heraus, den in Otjimbingwe sich aufhaltenden damaligen Kommissar Dr. Göring, ber allerdings ohne eine hinreichende Polizeimacht aufgebrochen war, einfach des Landes zu verweisen. Als die Deutschen spetter in das Land mit wenn auch einer geringeren, so doch immerhin einer Schutztruppe zurückkehrten, die ihnen den notwendigen Schutz in dem fremden Lande gewährte, kam in Bettacht, daß die HereroS damals mit den Wttboh's in Fehde lagen und daß die Deutschen ihnen als geeignete Bundesgenossen gegenüber den Wttboys erschienen. Aber schon im Jahre 1896 kam eS, loenn auch nur zu einem partiellen Aufstande, doch immerhin zu Unruhen in dem Gobabis-Disttikte, wo eine Kapitänschaft der Hereros ssih mit einem Hottentottenstamm verband unb infolgedessen in bem Distrikte Gobabis einmarschierenbe Truppenabteilungen angriff. Es beburfte zweier Gefechte, um diesen Aufstand niederzuwerfen, und der Aufstand wurde schließlich beendet durch ein standrechtliches Verfahren in Okahandja, in welchem die beiden Rädelsführer, die beiden Kapttäne Nttodemus und Kahi- mema zum Tode verurteilt und auch erschossen wurden. Der Haupt­stamm der Hereros indesien unter Maharero hat sich damals durch­aus lohal benommen. Es lag also nicht der mindeste Grund vor, in die Loyalität und die Friedferttgkeit der HereroS im allgemeinen Zweifel zu setzen. Immerhin blieben die Hereros die Gegner der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, die wir ihnen doch schließ­lich aufzwingen müssen. Dazu kommt, daß durch die zunehmende Be­siedelung die Bewegungsfreiheit der Eingeborenen, wie in jedem Kolonisationslande, auch in Südwestaftika immer mehr eingeschränkt wird. Die Besiedelung ist insbesondere gefördert worden durch den Bau einer Eisenbahn. Eine große Anzahl ber Farmen links und rechts ber Eisenbahn ist in den letzten Jahren in die Hände der Weißen übergegangen, und, wie ich hier besonders bemerken will, sie sind Wohl sämtlich den Weißen durch die Hereros selbst verkauft worden. Es kommt Wetter hinzu, daß die wirtschaftliche Selbständig- kett der Hereros unter dem Schuldenmachen vielfach eingeschränkt worben ist. Es liegen hier vielfach untereinanber widerstreitende Interessen vor. Es ist versucht worden, die Sauftierträge Zwischen Eingeborenen und Weißen klaglos zu stellen, um die Eingeborenen dadurch in Schutz zu nehmen. Gegen eine solche Maßregel hat sich der lebhafteste Widerspruch der weißen Interessen geltend gemachr, unb man ist schließlich auf ein Kompromiß hinausgekommen, wonach wenigstens für solche Kaufverträge eine kurze Verjährungsfrist eni- gefitfjrt worben. Das sind Wohl die hauptsächlichsten Beweggründe, die Aufstandsgelüfte unter diesen Eingeborenenstämmen immer lebendig erhalten haben. Ms Anlaß ist Wohl natürlicherweise die Entblößung des Gebiets dieser Eingeborenen von Schutzttuppen aus Anlaß des Bondelzwartsaufstandes anzusehen. Vielleicht sind auch falsche Nachrichten über erhebliche Niederlagen und Rückschläge der Schutztruppen im Süden an die Eingeborenen gelangt. Die <yama soll in bem Schutzgebiet eine außerordentlich lebhafte sein, es sollen Gerüchte wie Lauffeuer bitrcT) das Land gehen und es soll habet nicht ausbleibeii, daß aus der Mücke ein Elefant gemacht wird. ,

Die Frage, ob der Aufstand von langer Hand vorbereitet war, läßt sich noch nicht entscheiden. Sehr symptomatisch ist Wnber Umstand gewesen: In diesen Monaten wurden eine größere Anzahl von Eingeborenen des Schutzgebiets als Arbeiter nach , den Rand­minen im früheren Transvaal ausgeführt. Als durch die englischen Zeitungen in Johannesburg der Aufstand der Bondelzwarts unter 1 den- Eingeborenen bekannt wurde. legten an die dreißig Arbeiter sofort ihre Arbett nieder und kehrten nach dem Schutzgebiet zuruck Man kann also Wohl annehmen, daß schon längere Zeit die Absicht : bestand, von irgend einer günstigen Gelegenheit zum Abfall Gebrauch : -u machen. Jedenfalls sind diese Absichten vorzüglich geheimgehalten worden. Die Missionare, die unter den Eingeborenen lebten und : ihre Sprache vorzüglich verstehen, wurden vollkommen getauscht. Auch die Nachrichten, welche vom Korrespondenten einer hiesigen Zeitung - über den Beginn dieser Unruhen im Disttikt Gobabis herausgegeben : wurden, datieren doch erst vom 4. Januar also, wenn ich recht be- richtet bin, nur acht Tage, bevor der Aufstand zum Ausbruch ge-

Deutscher Reichstag.

14. Sitzung vom 19. Januar. !

1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt.

Am Bundesratstisch: Graf von Bülow, von Tirpitz, . S t u e b c l, Frhr. von Nichthofen , von Einem u. a.

Auf der Tagesordnung stehen zunächst der Nachtrags- . Etat und Ergänzungsetat für Südwestafrrka.

Kolonialdirektor Dr. Stuebel: M. H., im Anschluß an die gestrigen Mitteilungen des Herrn Reichskanzlers habe ich heute einige wettere Angaben über die Entwicklung der Singe, tn Sud- roeftafrrfa, die mutmaßlichen Beweggründe und die nächsten Ziele der .Kolonialverwaltung zu geben. Wie Ihnen bekannt, ist dem Aufstand der HereroS ein Aufstand des Hottentottenstammes der Bondelzwarts im südlichen Schutzgebiet vorausgegangen. Nähere Berichte des Gouvernements über diesen Aufftand liegen noch nicht vor Wir wissen aber ans den Telegrammen des Gouverneurs und verschiedenen privaten Mitteilungen, daß der Aufstand in Warmbad ausgebrochen ist. Der Leutnant Jobst versuchte in einer Verwal­tungsangelegenheit den Kapitän der Hottentotten zur Rechenschaft zu ziehen. Er wurde aber angegriffen und es entspann sich em Ge­fecht, in welchem nicht nur Leutnant Jobst, sondern auch der Ser­geant Suy und ein Ansiedler gefallen sind. Eine Handvoll Leute sind dann eine Zett lang in Warmbad eingeschlossen gewesen, Haupt­mann Koppy von Kettnannshop entsetzte jedoch am 1. November die Besatzung. Wir wissen dann weiter nichts, als daß am 20. und 21 November ein Gefecht stattgefunden hat in Sandfontem, m welchem die Hottentotten nach der holländischen Grenze zuruckge- toorfen sind; daß ferner ein Gefecht ganz in der Nähe der englischen Grenze, am Qranienfluß, stattfand, bei welchem leider die deutsche Patrouille über die englische Grenze gedrängt wurde, nachdem der kommandierende Offizier schwer verwundet worden war; endlich, daß bei einem Ueberfall der kleinen Zollstatiou von Uhabia die beiden dort stationierten Reiter ihren Tod gefunden haben. Als Streitkräfte sind nach dem Süden die Feldkompagnie aus Wind­hoek und die Gebirgskompagnie aus Okahandja abgegangen. Der Gouverneur ist diesen Truppen bald gefolgt. Hierauf haben wir zunächst über Kapstadt die Nachricht von ber Suspendierung der Feindseligkeiten mit den Bondelzwarts erhalten und diese Nachricht ist am 10. Januar durch den Gouverneur bestätigt worden. Dieser Nachricht ist ebenfalls über Kapstadt die Nachricht von der Beendi­gung des Aufstande? gefolgt. Wenn eine ähnliche Bestätigung wie für *das frühere Telegramm für dieses spätere seitens des Gouver­neurs nicht stattgefunden hat, so hak das vermutlich an dem gestörten Verkehr gelegen. Jedenfalls haben wir keine Ursache, dpran zu zweifeln, daß in der Tat in der Zett zwischen dem 6. unb 10. Ja­nuar der Aufstand der Bondelzwarts zunächst em Ende gefunden hat. Wäre es anders, so würden wtt vermutlich auch über Kapstadt inzwischen weitere Nachrichten erhalten haben. Gleichzeittg imt diesen Nachrichten über die Beendigung des Bondelzwarts-Auf- standes kamen nun die ersten Alarmnachrichten über den zentralen Teil des Schutzgebietes. Noch au§ Windhoek selbst kamen hier am 11. und 12. d, M. zwei Telegramme an, in denen gemeldet wurde, daß mehrere Heeresabteilungen von mehreren hundert Mann sich Bei Okahandja unb Otioseso versammelt hätten, daß aber die Feind­seligketten noch nicht Begonnen hätten; es ständen im ganzen 400 Mann zur Verfügung im ganzen Norden des Schutzgebietes. Die Garnison von Winhoek sei auf 100 Mann verstärkt worden; Otio­seso, welches vorläufig 45 Mann Besatzung hat, werde man wettere 45 Mann Besatzung schicken, sodaß die Garnison dort auf 90 Mann gebracht werden kann. Noch am 12. bekamen wir ein Telegramm aus Okahandja des Inhalts, daß Okahandja eingeMossen sei und Eisenbahn unb Telegraph nach Windhoek unterbrochen seien. Gleichzeittg kam aber ein Telegramm aus Swakopmund hier an, in welchem auch die Unterbrechung des Telegraphen westlich von Okahandja gemeldet wurde, also die Verbindung zwilchen Oka­handja und Swakopmund. Seit dem haben wir nur b irenc Tele­gramme aus Swakopmund erhalten. Dieselben ergaben etwa fol­gendes Bild der Ereignisie in den letzten acht Tagen: Unmittelbar nach dem Eintreffen der Telegramme aus Wmdhoek über die Er­hebung ber Hereros ist von Swakopmund eme Entsatzkolonne für Okahandja zunächst mit der Eisenbahn nach dem Schauplatz der Unruhen entsandt worden. Wie weit diese Kolonne mit der Eisen­bahn über Karibib hinaus hat befördert werden können ist un- nicht bekannt. Jedenfalls hat die Kolonne ihren Vormarsch zu § fortgesetzt, die Bahnstation von Qkasise passiert, ist aber nach Nach­richten, die wir am 16 d. M. erhielten, nicht nach Okahandja ge­langt, sondern befindet sich auf der Bahnstation Werdau in gefahr­voller Sage. Ebenfalls von Swakopmund aus ist eine Ersatzkolonne für Okahandja, eine Verstärkung für die Station Karibib, aus Re­serven bestehend, unter einem Leutnant ber Reserve au§gcianbt worden. Auch diese Kolonne ist bis Karibib mit der Eisenbahn gefahren. Karibib muß seines wichtigen Materials, ferner Esien- bahnwerkstatt wegen, unter allen Umständen gehalten werden. -Bon hier aus soll auch, so weit möglich, eine Entsetzung von Offim- Bingtoc, das gleichfalls durch die Hereros bedroht wird, vernicht werden. Ferner sind auch in den letzten Tagen noch weitere Ver­stärkungen auf ber Bahn abgesandt worden, um die (Station tun­lichst zu decken und eine Unterbrechung ber Eisenbahn bis Karibib zu verhüten. Karibib selbst ist in Verteidigungszustand ver;e^ worben. Die in ber Umgegend wohnenden Farmer haben sich nach Karibib zurückgezogen. Leider ist auch die Ermordung emeZ tfor5 mers namens Lange gemeldet worden; die Farmen |tnb ausgeraiwt, das Vieh toeggetrieben. Bei einem Gefecht in der Nähe von Karibib ist ber Tierarzt Kampue gefallen. Jenseits Karibib sind die Bahn­stationen zerstört. In Johann Mbrechtshöhe ist das Veterinar- inftitut unb das Batteriegebäude geplündert worden. Aus Oma- furu und Waterberg war bisher völlige Ruhe gemeldet worden. Ern Telegramm aber, welches heute eingegangen ist, meldet, daß auch Omasuru inzwischen belagert wird. Am 16., also am letzten Sonn­abend, traf bann m Swakopmund aus Karibib die Depesche ein, daß der verwundete Sergeant Dietrich Depeschen aus Windhoek vom Datum des 14. Januar nach Karibib gebracht habe. Diese Telegramme sind von solcher Bedeutung und haben so wesentlich beigetragen zu den Entschließungen der letzten Tage, daß ich es für richtig halte, dieselben hier im Wortlaut zu verlesen.

Das eine ist gezeichnet von Leutnant Techow, des, wie gesagt, im Süden befindlichen Gouverneurs, und lautet:

Okahandja schwer bedrängt, Entsatzversuche von Windhoek gescheitert. Maschinengewehr beim Eindringen des Zuges in Oka­handja zeitweilig unbrauchbar geworden. Windhoek sehr bedroht, zahlreiche Verluste, Landsturm eingezogen. Eisenbahn fett 12. unterbrochen, sofortige Hilfe erbeten. Hereros durch Plünderung vorzüglich beritten und bewaffnet und in Truppenuniform.

Ich möchte hierzu bemerken, daß, wenn diese Eingeborenen tn Truppenuniform hier aufgetreten sind, diese Uniformen möglicher­weise aus den Beständen des geplünderten Magazins m Johann Albrechts-Höbe herrühren, daß wir also noch ferne Ursache haben,

kommen. Ist dies der Fall, dann kann wohl auch von einer Ver­antwortung der Verwaltung selbst in diesem Falle kaum die Rede sein Ich möchte in dieser Beziehung bar auf aufmerksam machen, daß ähnliche Aufstände doch auch in anderen Kolonialgebieten unmer wieder sich ereignet haben. Ich erinnere an den Aufstand in Basuto und Ostgrikaland im Jahre 1888, in Matabele und Maschonaland im Jahre 1896, und in Bantam unb Westiava un Jahre 1868. Alle diese Aufstände sind mit Greueln gegen die im Lande ver­breitete weiße Bevölkerung verbunden gewesen; ehe die Einge­borenen sich in das Unvermeidliche fügen, sind eben Kriege wie tnt Zululand in Tahome, in Bania, in Aschanti, wohl feiner kolonr- sierenden Macht bis jetzt erspart geblieben. Ich möchte nur noch em Wort über den großen Wert sprechen, welchen gerade auch unter diesen traurigen Umständen die Eisenbahn in Südwestaftika gehabt hat. Nachschübe nach Okahandja unb Karibib sind erst durch die Eisenbahn möglich gemacht worden, die Operattonsbasis ist mit Hilft der Eisenbahn bis in die Mitte des Landes nach vorgeruett locrbcn. Die wetteren Operationen werden die Erhaltung und Widerherstellung der Bahn zum hauptsächlichen Gegenstände haben. Ich glaube, daß wir uns wirklich keine Vorstellung machen können, wie anders der Aufstand verlausen fein würde, wenn ww die Bahn nicht zur Unterstützung hätten. Bei allem Unglück ist leben« falls diese Eisenbahn immer noch als ein Glück zu betrachten.

Zunächst gilt e3 nun, den Bedrohten Hilfe zu bringen, und dazu soll vor allem das Bataillon Marineinfanterie dienen, welches ohne jeden Verzug am nächsten Donnerstag die Ausreise nach dem Scksiitz- gebict antreten soll. Es erwächst aber aus den GeAehnissen, aus dem gleichzeitigen Aufstande der Bondelzwarts im Süden unb öer Hereros im mittleren Teil bes Schutzgebietes bie zwingende Not­wendigkeit, mit ber politischen Selbstänbigkeit, m ber man bisher die Eingeborenen gelassen hat, aufzuräumen unb jebenfalls die Ent­waffnung dieser Eingeborenen durchzuführen. Zu diesem Behuse ist die Verstärkuiig der Schutzftuvve durchaus notwendig.. Ich nehme keinen Anstand zu fügen, baß es sich mich hier um eine vorübergehende öeritärfiing der Schutztruvpe bandelt. Eine solche ist aber not­wendig jedenfalls bis zu dem Zeitpunkte, wo die Panfierung des Landes, die Entwaffnung ber Eingeborenen voll burchgeführt sein wird. Diese Verstärkung ber Schutzttuppe, die Ihnen heute vor­liegt, und um bereu Bewilligung wir Sie im Jnteresie bes sudwest- afrikanischen Schutzgebietes unb unserer Kolonialpolitik im großen unb aanzen bitten. lBettall.s