5>er Kriefl iwifärn Japan und Ausland.
Die Kampfe vor Port Arthnr.
Tschifn17. Sept. (Reuter.) Ein hier an gekommener Japaner berietet, die Einwohner von Dalny hätten am 15. September einen zweiten allgemeinen Angriff auf Port Arthur für den nächsten Tag erwartet. Nach glaubwürdigen Meldungen find die japanischen B e l a g e r u n g s we r ke gegen Erlungschan und Kikwaw schau am 15. September fertiggestellt. Chinesen und Japaner berichten übereinstimmend, daß die Beschießung der Festung am 15. September furchtbar war -und am 16. September ebenso fortgesetzt wurde. Die Japaner schossen von Schuschijen, Palifschwang und der Tauben bucht aus mit Geschützen großen Kalibers, die kürzlich aus Japan angekommen und ausgestellt waren. Tie Granaten fielen häufig in die neue Stadt imt> in hie, Chinesenstadt. Die Russen haben das Dorf J'enkia- 'tun in der Nähe der Taubenbucht ge räumt, doch haben die Japaner es nicht besetzt. 500 Mann Kavallerie, welche die Japaner aus Palitschwang zu jagen versuchten, sind nicht nach Port Arthur zurückgekehrt. Man glaubt, daß sie gefangen genommen sind.
Ans der Mandschure!.
Petersburg, 18. Sept. Wie Generalleutnant Ssa- charow dem Generalstabe vom 17. Sept, meldet, hatte die ManLscbureiarmee am 16. Sept, und 17. Sept, keine Kämpfe zu bestehen. Auf der ganzen Front des Gegners wurden die Vorposten bedeuterrd verstärkt, besonders beim Dorfe Maniumusa und östlich der Eisenbahn in der Richtung der Steiubohlengrubeu von Jentai.
Der Dank der Zaren.
Nach enter Depesche aus Mukden hat General Kuro- p affin folgenden Tagesbefehl erlassen:
Heute bin ich durch nachstehendes Telegramm des Kaisers beglückt worden: Ihrem Rapport über die
Kämpfe bei Liaujang ersehe ick, daß es unmöglich war, die Position weiter festzuhalten, ohne endgiltig abgeschnitten zu werden. Der Rückzug der ganzen Armee unter den schwersten Bedingungen und bei erbärmlichem Zustande der Wege, ohne daß Artillerie oder Bagage verloren wurde, ist eine hervorragende Tat. Ich danke Ihnen und den braven Truvpen für ihre Heldentaten und ihre ununterbrochene Selbstaufopferung. Gott helfe Ftonen. Nikolai." Kuropatkin fügt hinzu: »Indem ich der Armee diesen neuen Beweis der kaiserlichen Gnade mitteile, bleibe ich fest überzeugt, daß in den bevorstehenden Kämpfen jeder Soldat fein Möglichstes tun wird, um den Feind zu besiegen und daS Vertrauen des Kaisers wie ganz Rußlands zu rechtfertigen, kuropatkin."
General Kuropatkin meldete dem Zaren unter dem 16. September:
Tie ganze mandschurische Armee ist durch die huldreiche Beurteilung ihrer Mühen und Kämpfe durchEurcMajestät überaus erfreut. Wir alle sind adern von dem Wunsche durchdrungen, den Feind zu besiegen und das Vertrauen, daS unser oberster Kriegsherr in uns fetzt, zu rechtfertigen. Ich bin überzeugt, daß die Truppen auch fernerhin mit Selbstverleugnung ihre Pflicht er- füllen. Der Rückzug aus Liaujang war unter den Um» ständen, unter denen er vollzogen wurde, in der Tat notwendig und bet seiner Schwierigkeit eine hervorragende Tat. Sogar unsere Gegner sind diesmal äußer st bescheiden. In ihren Berichten werden weder die Gefangennahme von Mannschaften, noch die Wegnahme vonGefchützen und anderen Trophäen erwähnt. Ter amtliche Bericht Kurokis bestätigt, daß am Morgen des 11. Septembers sich die ganze Armee Kurokis, die zahlreichste von allen drei feindlichen Armeen, bereits auf dem rechten Ufer des Taitseflusses befand und unter für sie günstigen Bedingungen die Truppen, welche Liaujang verteidigten, von den Truppen, die auf dem rechten Ufer des Taitse- stusses standen, hätte abschneiden können.
Das baltische Geschwader.
Petersburg, 18. Sept. Die hiesigen Marinekrekse find überzeugt, daß ba5 baltische Geschwader unter Admiral Rosch- diestwensky nach dem fernen Osten kaum v or Ende Dezember abgehen dürste. Das Geschwader hat sich vorläufig nach Reval Gegeben, wo aus der Reede Schießübungen vorgenommen werden. Wie verlautet, hat dec Schwager des Zaren, Großfürst Alexander Michailowitsch, ein tüchtiger Kenner des Marinewesens, dem Zaren geraten, die Flotte vor Ende Dezember nicht die Reise nach Ostafien antreten zu lassen, da alsdann bereits Wladiwostok von Eis befreit ist, während Roschdjesüvensky, falls er jetzt abreisen , würde, gerade dort eintreffen wurde, wenn alles zugefroren ist, eine Aktion also unmöglich wäre. Das große Panzerschiff „Orel" die Kreuzer „Olega" und ;,Jsumrad", sowie vier andere Kriegsschiffe gehen aus Kronstadt erst am 4. Oktober ab, da sie nicht früher fertig werden, ebenso noch zehn Minenboote, die in Riga, und weitere zehn, die in Hessin gfors erbaut werden. Alle diese Schiffe vereinigen sich erst in Reval mit dem baltischen Geschwrcher und sollen dort ebenfalls erst Hebungen durchmachen. Darüber dürste das Ende des Oktober herangekommen sein. Unter solchen Umständen herrscht allgemeine Enttäuschung über Admiral RoischHjestwensky.
Kohlen für die baltische Flotte.
Berlin, 18. Sept. .Der Pariser Korrespoiwent der „Times" entnimmt dem „Journal" die Behauptung, die Kohlenversorgung des russischen Ostsee-Geschwaders auf der Fahrt nach Ostafien sei von deutschen Lieferanten organisiert und die Neber- uahme der Kohlen werde aus hoher See an genau bezeichneten, vereinbarten Punkten, die nur Kaiser Nikolaus und Kaiser Wilhelm bekannt sind, stattfinden.. Diese Angabe, schreibt die „Nordd.
Ztg.", ist'eine dreiste Unwahrheit. Wenn deutsche Reichsangehöriye den russischen Kriegsschiffen Kohlen liefern, so tft heB ein Privatgeschäft für eigene Rechnung und Gefahr der Lieferanten, das nach allgemeiner völkerrechtlicher Anschauung mit der strikten Neutralität des Reiches im russisch-japanischen Kriege rm Widerspruch steht. Denn die staatliche Neutralität läßt den Pvivathawel ftei. .Tie hier in Frage kommenden Kohlen find EUSltsche Kohlen, über deren Beftimmrmg beim Einkauf in Eawiss fein, Zweifel obwalten konnte. .So wenig die britffche Regierung mit dem Verkauf von Kohlen, so wenig kann die deutsche Regierung für ruffische Kriegsschiffe irgendwie in Verbindung gebracht werden.
Konstantinopel, 17 Sept. Sieben Dampfer der Freiwilligen--slotte, für welche Rußland bereits seit Wochen einen r5Aman für ine Durchfahrt durch die Meerenge besitzt, sowie die ^Wieift, .ernDampser der ^Avvrzen Meer-Dampffsbiffahrts-Ge- sellschast, werden in den nächsten Wochen von Nikolajeff ünd Ausreise antreten Tie Dampfer nehmen als Ladung 60 000 Tonnen Kohlen für die baltische Flotte mit Letztere unternimmt ihre Fahrt nach Ostafien nicht durch den'Suezkanal, sondern, wie von glaubwürdiger Seite aus Odessa hierh-r berichtet wird, um das Kap der Guten Hoffnung. Der Dampfer „Meteor" mit mehreren Lautend Tonnen Wasser und Maschinen zur Herstellung von Trinkwasser aus Seewasser hat Konstantinopel paffiert, um sich der betuchen Flotte anzuschließen.
Kleine Meldungen.
Paris, 18. Scpt. Der „Newyork Herold" berichtet aus Petersburg: Die Stadt Dalny ist zurzeft mittels Eisenbahn mit Inkan verbunden und dieses wiederum mit Liaujang — In Irkutsk ist gestern der erste Schnee gefallen. T?e Eisenbahn um den Baikalsee wird in sechs Tagen dem Verk-'hr übergeben werden. In Hofkreisen tritt das Gerücht auf Großfürst Nikolaus Nikolaj ewitsch werde zum Befehlshaber der zweiten russischen Armee ernannt werden, bi> nach dem ciegsschauplatz gesandt werden wird.
Mukden, 18. Sept. Bei dem jüngsten chinesischen Aufruhr sind zwei katholische Missionare gefangen genommen und lebendigen Leibes verbrannt worden.
London, 18. Sept. Nach Meldungen au5 Tokio soll ein rnssischer Dampfer mit Truppen und Munition für Wla- diwostvk bestimmt, bei der Insel Jturu gestrandet sein. Die meist aus Deutschen bestehende Mannschaft sei gelandet.
Lemberg, 18. Sept. Aus Warschau wird gemeldet, daß infolge Offiziers mangels auf dem Kriegsschauplätze alle bei den Bahnen angestellten Reserveoffiziere zum ak- tivenDienstherangezogen werden. Für die Weichselbahn- Verwaltung ist schon di-e Ordre ansgegeben, daß alle technischen Reserveoffiziere im Dienst der Bahn durch andere Beamte ersetzt werden.
M.adrid, 17. Sept. Aus telegraphischen Befehl der russischen Regiernna mußte her bisherige russische Konsul in Vigo, Graf Tom Gedeira, der aua> englischer Koissnl ist, die Amtsgeschäfte an den französischen Konsul übertragen. Der Fall wird lebhaft besprochen. Er beweist, daß zwischen England und Rußland eine Spauinmg besteht. — Der Kommandant des russischen Krn'zerS in Vigo wechselt zahlreiche chiffrierte Depeschen mit W mssiselvn Regierung.
Ans Stadt w:d Land.
Gießen, den 19. September 1904.
** Ein Wiederholungslehrgang für Hebammen der Provinz Oberhessen findet in der Frauenklinik vom 9. Oktober bis 5. November statt.
**Der erste Nachtfrost. Heute morgen mar das Thermometer auf 1 Grad unter Null gesunken. Rasenflächen, Mistbeelfenster und Deckladen in Gärtnereien waren vielfach mit Reif bedeckt.
C. Erwischte Diebe. Die Einbrecher, welche in den letzten Nachten Gießen unsicher machten und in der Ost- anlage und Erednerstraße Diebstahle ausführten, wurden in Wetzlar, wo sie ebenfalls Einbrüche begingen, abgefaßt und zur Haft gebracht. Es sind die jugendlichen Diebe Friedrich Hoffmann aus Biedenkopf, Bernhard Resch au§ Alsfeld und Johann Lewantowski au§ Tremeffen (in Posen). Hoffentlich ist ihnen nun daS Handwerk auf längere Zeit gelegt.
** Feld - und Gartendiebstähle kamen in letzter Zeit sehr häufig vor. In den letzten Nächten wurde ein Garten in den Eichgärten vollständig geplündert. Weißkrallt, Wirsing, Kohl, Fleischzwiebeln wurden vollständig und von den Aepfelbäumen auch zwei Körbe Aepfel entwendet.
b. Selbstmord. Gestern vormittag erhängte sich in seiner Wohnung ein älterer im Ruhestand lebender Mann. Er hat die Tat im Delirium ausgeführt, er zeigte in den letzten Tagen Spuren geistiger Umnachtung.
** Einen Selb st Mordversuch machte, wie unL mitgeteilt wird, am Mittwoch eine Köchin bei einer hiesigen Familie, indem sie sich mit Morphium zu vergiften versuchte. Tie Hausfrau überraschte in der Küche das Mädchen dabei, als es schon etwas Gift verschluckt hatte. Sie veranlaßte sofort Maßregeln zur Entleerung des Magens, die auch von Erfolg begleitet waren. Das Mädchen scheint auS unglücklicher Liebe zu der verzweifelten, thörichtcn Tat getrieben worden zu sein.
** Vom Manöver des 18. Armeekorps. Die Drvisionsmanöver, wekche am Frettag nach einem Ruhetag ihren Anfang rrahmen, haben für die Truppen bereits zwei sehr anstrengende Märsche in dem bergigen Gelärrde des Vogelsberges mit sich gebrachit. Am Freitag früh 4 Uhr rückten die Soldaten schpn aus ihren Qnartierorten, um zum Teil erst abends um 5 Uhr ins Quartier, bezw. Mwack zu gelangen. Die 49. Brigade kam aus der Gegend Laubach (168er), Hoherodskopf, Breungeshain (115er), Schotten, Wingershausen, Eicheltal 11 Ger, Nidda Gier Artillerie, während die 50. Brigade von Norden aus dem Kreise Alsfeld anrückten: den weitesten Marsch hatten die 118er, die aus Kirtorf, Oberkleen und Alsfeld kamen. Das Gefecht entwickelte sich auf den .Höhen um Mrichstein, die 49. Brigade stand östlich Ulrichstein, ihre Gier Artillerie am Selger- Hof, die 50. Brigade auf der Höhe zwischen Seibertenrod und Helpershain, ihre 25er Artillerie bei Stumpertenrod. Der Großherzog, Prinz und Prinzessin ATtdreas von Griechenland wohnten dem Gefecht mit sichtlichem Interesse bei, besonders erfreut schien der Grvßherzog darüber zu sein, als sein Garde-Regiment (115er) und das Kaiser-' Wilhelm-Regiment die Stellung der 50. Brigade (117 und 118) am Wannhof erstürmte. Dem Gefecht folgten wieder weite Märsche in die Quartierorte und Biwacks. Die Truppen blieben in Gefechtsstellung. Das 1. und 2. Bat. 118er bezog Vorpostenbiwack bei Ermenrod und Großfelda; das Regiment 168 bei Ober-Ohmen; das 1. und 2. Bat. 116er bildete das Vorpostengros; sie hatten bei Ruppertenrod Biwack, auch die Unterosfizierschüle Biebrich bezog Biwack. Die 115er kamen nach Groß-Mchen (Reg.-Stab), 1. Bat. Stockhausen, 2. Bat. Ulrichstein, Babenhausen, 3. Bat. Sellnrod, 'Altenhain, das 3. Bat. 116er nach Ober-Ohmen. Die 50. Brigade marschierte ins Quartier^; in und um Groß- felda die 117er, nach Helpershain 3. Bat. 118er, Windhausen' 24er Dragoner, Oberbreitenbach-Ehringshausen 25er Artillerie, die 23er Dragoner kamen nach Ulrichstein, die 25. Artillerie nach Merlan, Feldkrücken. In Groß-Felda bezog der Stab der 25. Division und 50. Brigade, in Grünberg der 49. Jnf.-Brigade, in Elpenrod der Artillerie-iBrigadc' Quartier. In den Biwacks war infolge der empfindlichen Kälte — es hatte gereift — an Schlafen nicht zu denkem Das Gefecht wurde Samstag früh wieder ausgenommen: die 49. Brigade hatte ihren Samm-elplatz bei Ruppertenrod, die 50. Brigade bei Grvß-Felda-iErmenrod. Gegen 9 Uhr begann das Vorpostengefecht, das sich über Merlau, Nieder- Ohmen, Kratzberg, Eisenberg bis Dernsfeld fortsetzte. Aus der Höhe zwischen Bernsfeld, Bltrg-Gemünden, Bleidenrod griff das Gros ein. Die 50. Brigade hatte die Front nach Süden und stand bei Bleidenrod, die 49. Brigade hatte ihre Stellung an der Straße Bernsfeld-Burg-<Gemü-nLen. Das Gefecht ging zu Ungunsten, der 49. Brigade aus, deren redjitcr Flügel von Windhain aus von den 24er Dragonern und Artillerie umgangen wurde. Auch der Großherzog und die übrigen Herrschaften wohnten dem Gefechie bei. Sie begaben sich per Wagen von Vurg-Gemündeu wieder nach Roinrod; der Großherzog lenkte selbst die Pferde. Auch viel Publikum folgte dem Manöver. Wiederum hatte der Tag große Anforderungen an die Truppen gestellt und die 49. Brigade hatte noch weite Märsche bis ins Quartier. Die Tornister wurden einzelnen Truppenteilen auf Leiterwagen itachgefahren. Die 168er kamen nach Queckborn, Ettingshausen, Bersrod, die 116er nach Grünberg (1. Bataillon), Lauter, Göbelnrod, Stockhausen, die 115er nach Groß-Eichen, Ruppertenrod, Merlau, Atzenhain, Mücke, die 23. Dragoner nach Wetterfeld und die 61er Ärtitlerie )iach Merlau, Feldkrücken. Die 50. Brigade liegt am 18. ds. in Homberg, Burg-Gemünden (117er), Rüddingshausen (118er), Londorf (24er Dragoner), Maulbach, Ehrings
hausen (25 er Artillerie), Deckenba^t (Unteroffizierschule). Der Divlsionsstab befindet sich in Vurg-Gemunden. Ein 23 er Dragoner stürzte und brach das Bein. Die Telegraphenabteilung Nr. 3-Koblenz baute am Freitag ein Kabel von Romrod bis Ruppertenrod, Salustag von Mücke nach Grünberg. Montag wird das Manöver bei Mücke anfangen und sich nach dem Kreise Gießen und Marburg fortsetzen.
Bad-Nauheim, 18. Sept. Gestern morgen stürzte ein junger Arbeiter von Nieder-Mörlen am katholischen Kirchenbau aus beträchtlicher Höhe und wurde schwer verletzt.
? Ober-Seemen, 18. Sept. Da unsere Wafferver- hältniffe seither viel zu wünschen übrig ließen, hat unsere Gemeinde den Bau einer Quellwasserleitung beschlossen.
g. Von derRabeuau, 18. Sept. Heute nachmittag um 2 Uhr wurde, wie alljährlich, das Erntefest der Genwinde Winnen als „Miffionsfest^ im Walde hinter dem Schlosse Nordeck gefeiert. Der Festplatz ist sehr schön gelegen. An den Bergwänden lagerte eine große Gemeinde, mehr als 2000, die zum Teil weither aus den Gemeinden deS Ebs- dorfer Grundes gekommen waren, die Frauen und Mädchen in ihrer malerischen Tracht, die Männer meist in ihren blauen Kitteln. Festprediger waren Pfarrer Hohmeyer aus Offenbach und Pfarrer Gußmann aus Kirchberg.
R. L. Darmstadt, 18. Sept. Den Mörder des Architekten Döring, der am 10. Juni d. Is. in der Nähe der Ludwigshöhe durch Revolverschüsse aus dem Hinterhalt getötet wurde, hofft man in der Person des Metzgergesellen Rupp in der Tat gefaßt zu haben. Er wurde bereits gestern nachmittag hierher transportiert und einem Verhör unterzogen; er leugnet jedoch entschieden, an jenem Tage in Darmstadt gewesen zu sein und es erscheint auch sehr fraglich, ob es gelingen wird, den positiven Nachweis dafür zu erbringen. Sehr erschwerend für die Beweisführung dürfte der Umstand fein, daß von Frankfurt aus bereits alle Einzelheiten über seine Verhaftung in den Blättern mitgeteilt, wurden, bevor e5 gelang, auch seine Begleiterin hinter Schloß und Riegel zu bringen. Diese, eine etwa 22jährige Kellnerin William aus Berlin, die auch der Frankfurter Sittenpolizei bereits wohlbekannt ist, wurde am Samstag vormittag in Darmstadt verhaftet. In dem vor dem Oberstaatsanwalt stattgehabten Verhör leugnete sie zwar nicht die Bekanntschaft mit Rupp, wohl aber will sie von der ganzen, diesem zu-^ geschriebenen Mordtat nichts wiffen. E§ ist aber bereits festgestellt worden, daß sie häufig mit Rupp hier zusammentraf und in verschiedenen Hotels unter falschem Namen logierte; auch an dem für Döring verhängnisvollen Tage soll sie mit Rupp zusammen hier gesehen worben sein.
Offenbach, 16. Sept. Eine aufregende Szene spielte sich tm Hof eines Hauses an der Luisenstraße ab. Dort war das etwa dreijährige Bübchen einer im Mansardenstock wohnenden Familie, als es einige Zeit unbeaufsichtigt blieb, zum Fenster hinaus aufs Dach geklettert, um zu feinen unten spielenden Kameraden zu gelangen. Es stand schon mit den Füßen in der Dachrinne, und die entsetzten Hausbewohner breiteten schon Tücher, Betten u. s. w. auf dem Pflaster des HofeS aus, um den Sturz zu mildern; doch gelang es einem Manne, noch rechtzeitig in da? Zimmer zu eilen und vom Fenster aus den Kleinen zu erfaßen und zu retten.
Kleine Mitteilungen ar? Hessen und den Nachbarstaaten. Von einer ftirchtbaren Naupenplage sind die Nadelwaldungen bei Mombach und Gonsenheim heimgesucht worden. Es handelt sich um die Afterraube der KiefemblattweSpe (Lophyrus pini), die auch tm Kreise Hanau in diesem Jahre in ungeheurer Menge ausgetreten ist und die Bäume vollständig kahl ftißt.
Hnndcl und Uerluhr. Volkswirtschaft.
**Neichsb'an^ Am 15. Oktober d. I. wird in Cke v e'
Düsseldorf) eine von bet ReichSfiankstelle tn Crefeld^ abhängige Reichsbankneberrstekle mit Waffeneinridjtimg und' beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
VoranSfichtliche Witternng in Hoffen Für Dienstag, den 20. September: Andauernd heiter, stellenweise Nachtsrost, tagsüber warmer.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Telephonischer Kursbericht.
Fj*nnkfnrt a. W., 19. September.
378o/o Roichsanleihe . . 101.90 SD/o do. ... 89.55 9</w0/c Konsols .... 101.90 3<Vn do. .... 89.90 3*/g% Hessen .... 100.10
Oberhesson . . . 98.70 4% Oesterr. Goldrento . . 101.80 4l/6% Oesterr. Silberronte 100.15 4% Uncar. Goldrente . . 100.35 40/ Italien. Koni» . . . 104.10 4X!,% Portugieser . . . 62.70 3°/ Portngiesen 61.80 1% C. Türken .... —.— Türkonlose ..... 132.30 4°/o 0riech. Monopol.*Anl. —.— 4l/„% äussere Argentiner —.—
3% Mexikaner .... 28.4-0 4V//n Chinesen .... 90.20 Kleetrio. Roh ackert . . . 117.00, Nordd. Lloyd . . . . 106 70
Kreditaktien . . , , , 206 50 Diskonto-Kommandit. . 192.20
Darmstädter Bank . , . 142.50 Dresdener Bank .... 156 00 Berliner Handols^es. . . 161 40 Oesterr. Staatsbahn . . , 13R 25j Lombarden 18.30 Gotthard bahn 189.25 Laurahütte —.— Bochum ...... 208.20 Harpener 216.20
Tendenz: fest.
Neueste Meldunueu.
Originaldrahtmeldnttgen des Gießener AnzeigerH.
Berlin, 19. Sept. Der Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr von Mirbach, hat eine umfangreiche Recht- fertigungsschrift vorerst an einzelne Vertraute versandt.
Thorn, 19. Sept. Von dem hiesigen aus dem Manöver zurückgekehrten Ulanen-Regiment Nr. 4 ist der Ulan Kochanowski verschwunden. Man vermutet, daß er bei einem Patrouillenritt in einen Torsbruch geraten und versunken ist.
* Glatz, 19. Sept. Der Hauptmann a. D. v. Skai in Frankenstein, der von der Glatzcr Strafkammer wegen Beleidigung und Bedrohung zweier Polizcibeamten zu einem Monat Gefängnis verurteilt worben war, hat sich erschossen.
Leipzig, 19. Sept. Die Meisterschaft von Europa über 100 Kilometer gewann Rob 1 in 1 Stunde 17 Min. 23 Sek. vor Hall, der nur eine Runde hinter Robl zurückblieb. Diekentmann blieb 24, der Amerikaner Walthour 45 Runden zurück.


