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19.7.1904 Zweites Blatt
 
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marn auf steinigen Grund geraten und zog sich erheb­liche Beschädigungen des Schisfsbodens zu, der in Länge von etwa 70 Fuß ausgerissen wurde. Die Schwaben kam jedoch mit eigener Maschinenkraft von Grund und suchte zur Reparatur die Kaiserwerft auf. Da die Jnstand- setzungsarbeiteu längere Zeit erfordern, so scheidet die Schwachen aus dem Probesahrtsverhältnis aus.

Die Citroncnsäur-e ist ein Heil- nnd Vorbcugrmgs- mittel gegen vielerlei Leiden. Man kann solche mit der täglichen Nahrung iu bester Form zu sich nehmcu, wenn man zu seinen Speisen und Konserven Lcmou-

* Ein Fall, wie er wohl einzig dasteh dürfte, ereignete sich dieser Tage vor dem Schwu

Sanesi sein.-"

* Boshafte Druckfehler. Der Berner Bund chreibt . Den höchsten Grad der Unverschämtheit scheint der Sehkastenkobold jungst erreicht zu haben. Der Berner

* Kiel, 18. Juli. Das Linienschiff war während einer Probefahrt bei Markelsd Grund ger<

Paris, 16. Juli. Gestern hat zwischen den Abg. Klotz nnd Pressens^ ein Duell mit zweimaligem ergebnislosem Kugelwechsel stattgesunden.

* Chambery (Departement Savoyen), 17. Juli. Durch einen mit einem Wolkenbruch verbundenen Wirbel­sturm wurde das Dors Bozel zur Hälfte zerstört. Viele Menschen sind umS Leben gekommen und viele verletzt worden.

* Wien, 18. Juli. Der Juwelieragent Moritz Boden hat heute aus nichtiger Ursache den Kaffee- Hausbesitzer Mayers ourch Messerstiche in den Unterleib lebensgefährlich sowie zwei hinzueileude Personen, darunter einen Schutzmann schwer ver­letzt. Erst nachdem Passanten den Attentäter beinahe gelyncht hätten, konnte er verhaftet werden.

* Wien, 16. Juli. An Blattern sind hier sechs Personen erkrankt. Sie befinden sich im Jnfektionsspital. Seitens der Gejundheitsbehörden sind die umfassendsten Vor­sichtsmaßregeln getroffen worden. Die Krankheitskeime wurden von Personen außerhalb Wiens eingeschleppt.

* Vier an, 16. Juli. Aus Trasoi wird gemeldet, daß der Gomagoier Ortlersahrer Alois Pinggera auf einer sonst ungefährlichen Stelle ab gestürzt ist und im Gletscherbach den Tod durch Ertrinken gesunden hat, bevor noch Hilfe j ur Stelle war.

* Santiago de Chile, 17. Juli. Infolge bestän- >iger Regenfälle trat hier und in der Umgegend Hoch­wasser ein. Bei einem Sturm an der Küste er­tranken siebenPersoueu. Der Verkehr ist seit acht rnftrn Ar-fziAt-

(mit abknöpfbarer Kapuze und PnrclyeifachÜt») in tadelloser Ausführung von Älk 17. in 110 cm Länge anfwirta

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Fritz Scheller Söhne, Tüchtige Vertreter, wo nicht vorhanden, gesucht. Solvente Firmen können noch für einzelne Bezirke Allein-

Aus Slaöt und Land.

Gießen, den 19. Juli 1904.

** Der neue Rektor unserer Universität, Pcofeffor Dr. med. Vossius, steht im 49. Lebensjahre und wirkt seit 1882 als akademischer Lehrer. Geboren 1855 zu Zempel- burg in Westpreußen, absolvierte Vossius das Gymnasium in Könitz und studierte in Königsberg Medizin. Im Februar 1879 bestand er dort das Staatsexamen. Im September desselben Jahres promovierte er hier in Gießen aus Grund einer unter NannynS Leitung in Königsberg ausgeführten ArbeitQuantitativ-spektralanalytische Bestimmung deS Gallen- sarbstoffes in der Galle." Von 1879 bis 1881 war er Assistenzarzt an der Universitäts-Augenklinik, im Wintersemester 1881/82 betrieb er in Rostock unter MerkelS Leitung mi­kroskopische Studien über die Histologie deS normalen Auges und in Göttingen bei Leber histologische Untersuchungen zur Pathologie des AugeS. Von 1882 bis 1887 war er Assistenz­arzt an der Augenklinik in Königsberg. 1882 habilitierte er sich an der Albertina für Augenheilkunde; 1887 wurde er dort Extraordinarius. Rach dem Tode Jacobsons leitete Vossius im Wintersemester 1889/90 die Königsberger Augen­klinik. 1890 folgte er einem Rufe als ordentlicher Profeffor hierher nach Gießen an Stelle von Prof. Artur v. Hippel, der damals an die Albertina übersiedelte. Vossius veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten in Fachzeitschriften. Seine Werke ,Lehrbuch der Augenheilkunde" und ,Leitfaden zum Gebrauch des Augenspiegels" erschienen bereits in 3. Auflage. Ersteres wurde ins Russische übertragen. Er ist Herausgeber der Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Augenheilkunde", Mitarbeiter an der Encyklopädie für Augen­krankheiten von Schwarz und an der Encyklopädie der prak­tischen Medizin von Vierordt und Schnirer. 1903 erhielt Vossius das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Er ist Ehrenmitglied des Vereins für wissenschaftliche Heilkunde in Königsberg.

* Postalisches. Jeder Laudüriefträger führt aus seinem Bestellgang ein Annahmebuch mit sich, in bas er einzutragen hat: 1. die von ihm angenommenen Tele­gramme, Einschreibsendungen, Sendungen mit Wertangabe, Postanweisungen, gewöhnlichen Pakete und Nachnahmesend­ungen sowie Zeitungsbestellungen; 2. die zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellung von Zeitungen und zur Be­schaffung von Wertzeichen ihm übergebenen Beträge. Gleiche Annahmebücher führen die in Landorten bestehenden Post­hilfsstellen. Der Einlieferer oder Auftraggeber ist berech­tigt, sich das Annahmebuch vorzeigen zu lassen, um sich von der Richtigkeit der Eintragungen zu überzeugen; auch kann er die Eintragung selbst bewirken. Dem Publikum wird empfohlen, von dieser Berechtigung Gebrauch zu machen.

8. Ulrichstein, 16. Juli. Der Bau unserer Wasser­leitung ist in den letzten vier Wochen sehr langsam fort­geschritten, da die meisten Wafferarbeiter als kleine Land­wirte in der Heuernte mithelsen mußten. Doch ist sie immer­hin schon so weit gediehen, daß der Hauptrohrstrang durch die ganze Stadt gelegt und nur noch die Leitung in zwei Nebengassen zu legen ist. Inzwischen sind im oberen Stadt­teile bereits fast alle HauSanschlüsse fertig geworden und die betreffenden Leute konnten bereits feit einigen Tagen das laufende Wasser zum Spülen und Putzen benutzen, was bei dem herrschenden Wassermangel eine große Wohltat war. Run hätte man meinen sollen, ganz Ulrichstein müßte freudig darüber erregt sein, daß wenigstens ein Teil seiner Bewohner Putzwasser habe und nicht mehr ein solcher Notstand zu be­fürchten sei wic anno 93?! Weit gefehlt, weil der Ober-

der Unterflecken ab< r noch nicht, da dort die HavsleitungScnfchlüsse noch nicht gemacht waren, sprangen sosor«. einige redegewandte Männer zum Kadi und beschwerten

befreienb auf alle die vielen anständigen Menschen, die der Spötter bisher unter dem Trinkzwang gehallen hat. Da liegt unser nächstes Kampses^iel, das wir in absehbarer Zeit erreichen können und erreichen müssen. Alle anständigen Menschen im deutschen Volke müssen in den nächsten Jahren einsehen lernen, wer die Träger des Trinkzwanges sind und was von ihnen zu hallen ist. Die Träger des Trinkzwanges sind gemeinschäd­lich, denn sie und nur sie schaffen die Grundlage für den nationalen AlkoHolismus. Sie ruinieren die Gesundheit großer Teile unseres Volkes. Sie treiben uns in die Verarmung hinein und zerstören damit das Glück unserer Gegenwart. Sie schwächen unsere Wehrkraft und vernichten damit die Hoffnung unserer Zukunft. .Sie sind minderwertig, denn das ist jeder, der ideale Gedanken nicht zu fassen vermag, und in ihrer Verwirk­lichung seine eigene Existenz bedroht sieht. Sie sind feige, denn sie roagen sich .mit ihrem pöbelhaften Spott nur darum hervor, weil sie wissen, daß sie heute noch immer in der Ueberzahl sind, gegen die, die ihnen zu trotzen wagen. Kurz, sie entbehren all der Eigensck-asten, die einen Mann zum wert­vollen Mitglicde der Gesamtheit mack>en. Die Summe dieser Eigensck-aften aber ist eines Mannes Ehre. Darum dürfen wir lenen Spöttern die Mannesehre abspreck-en. Das ist das nächste Kampfesziel der Abstinenzbewegung: Das, ganze deutsche Volk, ob abstinent, ob nicht abstinent, muß mit uns durchdrungen werden v.n der Wahrheck des Satzes:

Ehrlos der Mann, der einen anderen durch Spott zum Alkoholtrinken nötigt."

Es folgte der gemeinschaftliche Gesang des Sturmmar­sches Nr. 3 mit dem Worte beginnend: Zum Sturm Abstinen­ten, nun fällt das Gewehr! Herr Kähler-Hamburg sprach im Namen von Hamburgs 4000 Gultemplern seine stolze Freude aus über den heutigen Tag. Frau Ottilie Hoffmann-Bre­men begrüßte die Versammlung im Namen des Vorstandes des Bundes abstinenter Frauen. Die Frauen hätten in erster Reihe alle Ursache bie Bestrebungen des Ordens zu unterstützen. Tau­sende von Kindern hätten wieder ein Heim erhalten und Sorge und Not seien von ihnen gewichen. Rednerin schloß mit dem Appell an die Frauen mehr und mehr den Bestrebungen der Guftempler ihr Interesse enigcgenzubringen. M e n g e r - Heidel­berg überbrachte die Grüße der Abstinenzler aus dem Großherzog- tum Baden und aus Elsaß-Lothringen, Bolten-Hamburg die der Ordensbrüder in der äußersten Nordmark des Deuffcheu Reiches, Frau Professor Wende-Hamburg die Grüße und Glückioüusche der abltinenten Frauen Hamburgs, Adams- Berlin die des Distrikts Branvenburg, Rittergutsbesitzer Smith- Ncendors am Schallsee die Glückwstnsck-e des kürzlich in Kopew Hagen abgehaltenen nordischen Enthaltsamkeitstages. Ingenieur Asmussen- Hamburg sprach das Schlußwort, in welchem er die Trinksitte mit dem Hut Geßler s verglich, vor dem sich jeder beugte; aber die Macht des Königs Alkohol gerate ins Wanken. Er danke allen für ihre Treue unb für ihr Ausharren in dem schweren Kamps und freue sich, so viele Willensstärke Männer, so viele Frauen zu sehen, die mit vereinten Kräften in den Kamps gegen den Krieg Alkohol eintrateu. Er freue sich, daß auch die Jugend gekommen fei, an diesem Kampfe tellzunehmen. Liöge, so schloß der Redner, von der zweiten Gebunsstelle der Bewegung, von Altona, frisches Leben ausgehen, möge jeder seine volle Kraft einsetzen, der Enthallsamkeit die Wege zu ebnen.

Mannerchor hat das erfahren; das Prograrmn zu feinm Konzerte in der Martinskirche in Chur ist durch diesen grausamste entstellt worden. Zu dem gefühl­vollen LiedeStell auf den Tisch die duftenden Reseden, dre letzten roten Astern trag herbei" hat er eine Variante für Feinschmecker erfunden:Die letzten roten Austern trag herbes hieß es auf dem Programm. Das wäre ün* merljin nodj harmlos ganz schlimm aber ist der zweite Streich. ,/Hoch strahlt vom Firnenschild, Freiheit, dein hehres Bild" heißt es in der Vaterlandshymne aus dem Calvrnsestsprell Was wurde daraus? ,Loch strahlt vom Firmenschild." . . .

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gerichte zu Lyck (OftprA Während nämlich der Erste Staatsanwa.lt seine Anklagerede hiell, den Angeklag­ten des wissentlichen Meineides zieh und als ein erschweren­des Moment hervorhob, daß man einem Menschen, der wider besseres Wissen eine falsche Anzeige erstattet, sehr wohl einen Meineid, ja selbst das schwerste Verbrechen zu­trauen könne, war oer Angeklagte auf der Anklagebank an ft eingeschlasen und siel unter mächtigem Gepolter ang aus die Erde.

* Die Exprinzessin Ehimay stellt jetzt in Lon­don in einer prächtig ausgestatteten Wohnung Betracht­ungen über ihre neueste eheliche Wahl an; denn

Aer Köuigsöerger Kochverrats-^rozeß.

V.

Königsberg, 18. Juli.

Während der heutigen Verhandlung verlas der Vorsitzende ein Schreiben von Plecl>anoff. in dem dieser erklärt, er lehne es ab, .in Königsberg als Zeuge zu erscheinen, da er befürchte, nachdem er feiner Zeugenpflicht genügt habe, an die rufsische Grenze gebracht zu werden.

Der als Zeuge und Sachverständiae vereidigte Professor R e u ß n e r erklärte auf Befragen, § 241 des russischen Gesetz­buches werde, obwohl er auch von Angriffen auf d i e Ehre des Kaisers handelt, bei Majestätsbeleidigungen nicht angewendet, da die Verletzung dieses Paragraphen die Todesstrafe zur Folge habe. Es gelangten immer nur die §§ 245 unb 246 zur Anwendung, welche von mündlichen und schriftlichen Majestätsbeleidigungen handeln, da in Rußland namentlich von betrunkenen polnischenBanernMaje- stätsbeleidigungen nicht selten begangen werden. Der Sachverständige, welcher angab, er fei russischer Untertan und aus seiner Professur des Staatsrechts an der Universität Tomsk, die er fünf Jahre inne hatte, anläßlich der dortigen Studentenunruhen, und zwar besonders wegen der ungerechten Behandlung der Studenten durch die Behörden, fteiwillig au»- geschieden, bemerkte ferner, ,er sei der Meinung, daß die Geaev- seitigkeit nur gewährleistet sei, wenn hierfür ein beson­derer Staatsv ertrag vorhanden sei. Bei den hier in Betracht kommenden Paragraphen fei seines Wissens feine Gegen­seitigkeit gewährleistet. In Rußland gebe eskeineReligions-, Preß-, Vereins- oder Versammlungsfreiheit kein Streikrecht und kein Petitionsrecht. Außer den öffentlichen Gesetzen gebe es noch geheime Ufan'e; so seien die Auspeitschungen gegen die aufständischen Bauern in Smolensk am Grund eines geheimen Ukasses des Kaisers Alexander III. vorgenommen worden. Die finische Verfassung fei durch einen Staatsstreich beseitigt worden.

Der Gerichtshof beschloß, durch Vermittelung des Justiz^ Ministers das Auswärtige Amt um amtliche Auskunft zu er­suchen, ob bezüglich des § 260 des russischen Strafgesetzbuches ein, Staatsvertrag oder ein veröffentlichtes Gesetz bestehe, kraft dessen dem Deutschen Reiche Gegenseitigkeit gewährleistet ist. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurden auf Antrag der Ver­teidigung mehrere Angestellte der Buchhandlung und der Expe­dition desVorwärts", unter ihnen auch der Stadtverordnete Bruhns-Berlin, über den Verkehr pon Russen in den Räumen desVorwärts" vernommen. ^Bruhns gab zu, daß an ihn einmal ein Paket aus England gekommen sei und daß als Name der Absenderin des Pakets der Mädchenname seiner Frau angegeben war. Nach Vereidigung der Zeugen wird die Verhandlung auf morgen vertagt.

Ztiliversttäts-Dachrlchteu.

Geh. Medizinalrat Prof. Binswanger inJrna, Direktor der psychiatrischen Universität, hatdenRufnachBoun definitiv a b g e l e h n t, nachdem seine Bedürgungen nicht akzeptiert wor­den sind.

yc. Akademische Disziplin. Während im Berichtsjahr 1902/03 an der Göttinger Universität 49 Studierende dis­ziplinarisch bestraft wurden, weist die Strafliste für das letzte Bemchtsiahr (1903/04) nur 9 Fälle auf. Die schwere Strafe, des concilium abcunbi, d. h. Entfernung von der Uni­versität, wurde zweimal verhängt und zwar wegen Pistolen- duellS. Wegen Angabe einer falschen Wohnung bei der Jm^ matrikulation und wegen Wohnens außerhalb bei Universitäts­stadt während des Semesters ohne Erlaubnis des Prorektors wurde einer mit zwei Tagen Karzer bestraft. Die übrigen Fälle find Verweise. Unter den Strafgründen finden wir angegeben wiederholte öffentliche Ruhestörung bezw. Verübung groben Un­fugs, Nichtbesolgung einer Ladung vor den Prorektor. Wegen Nichtanmeldung des Wohnungswechsels erhiell einer eine Geld­strafe von 2 Mk.

Zum Prorektor magnificus der Friedrich-Alexander- Universllät Erlangen für 1904/05 ist der Anatomie-Professor Dr. Leo Ger lach gewählt worden. Gerlach tvurde geboren zu Mainz als Sohn des 1896 verstorbenen Anatomen Dr. ZoiÄ von Gerlach

Kerichtsjaal.

Schneidemühl, 18. Juli. In der heutigen Verhandlung gegen die Grafen Buinski vor der hiesigen Strafkammer, die des Falschspieles angcllagt sind, beantragte der Staatsanwalt gegen die beiden Grafen je 8 Monate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust wegen gemeinschaftlich verübten vollendeten Betruges und außerdem geaen den Grafen Johann Buinski ioegen Heraus- orderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen 5 Morrate Festungshaft.

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igeuner Rigo, von dem die Well so viel ge- proHen hat, ist durch einen Italiener ersetzt, !m sie sich im Juni v e r h eir ate t hat. Sie gibt achend zu, daß ihre vielen Abenteuer einen dreibändigen Roman sehr gut füllen könnten, und es ist nicht aus­geschlossen, daß sie ihn eines Tages schreibt. Da man das Gerücht verprellet hat, sie wolle irach Amerika zu­rückgehen, und ihr jetziger Marm sei ein Fahrstuhlführer, chrieb sie folgenden Brief an ein Londoner Blall:Ich gehe nicht nach Amerlla zurück, denn dieses Land hasse ich. Ich will in dem irdischen Paradies Italien leben, in meines geliebten Mannes Heimat, und zwar üt Como. Mein Mann ist eine völlig tadellose männliche Schönhell. Man hat mir immer gesagt, daß ich Anspruch auf das Prädikatschön" hätte, ober neben ihm verschwindet meine Schönheit. Wir lieben einartder sehr und gedenken ein ehr ruhiges, ftiedliches Leben vereint zu fuhreri; einer indet feine Befriedigung in der Gesellschaft des anderen, und mehr wünschen wir nichll Im Juni wird unsere Trau­ung auf dem italienischen Konsulat vollzogen, und jeder Tag tuib jede Stunde hat nur unsere Zufriedenheit und vollkonnnene Einigkeit verntehrt; meine Augen sllrd durch kein Vorurtell getrübt, er ist vollkommen. Die einzige Wolke, die mein Glück beschallet, ist der arme Sanesi Rrgo, der so gut ist, und mich so sehr liebte. Er hülle von mir eine bessere Behandlung verdient; aber ich habe immer eine tiefe unb aufrichtige Zuneigung für meine Zigeuner- Liebe vergangener Zeiten gehabt unb werde sie stets haben, und nie soll er Mangel leiben. DLein Gatte, ber ebenso gut wie schön ist, billigt es burchiaujL baß ich gut zu meinem kleinen Sanesi bin, denn er ist nicht eifersüchtig unb beschränkt. Sonst müßte das ber emzige llligeyorsam gegen meinen geliebten Mann sein, denn zur Beruhigung meines guten Gewissens muß ich gut gegen den armen

sich: ,3m Oberflecken haben sie schon das Wasser, wir im Unterflecken können es noch nicht haben". Und so mußte denn um des lieben Friedens willen das Wasser wieder ab­gesperrt werden! Die Leute im Oberflecken müssen nun wieder ihr Wasser im Unterflecken holen und dabei viel Zeit versäumen, inzwischen läuft aber im Sammelbassin das über­schüssige Wasser unbenutzt über und ruiniert den Weg, den man dann mit besonderen Kosten wieder Herrichten lassen darf; im Orte selbst aber herrscht Mangel an Wasser an allen Ecken und Enden!! Sollte man im 20. Jahrhundert ein solches Schildbürgerstücklein noch für möglich halten?!

§ Vom oberen Vogelsberge, 18. Juli. Einen großen Beerenreichtum haben in diesem Jahre unsere Wälder aufzuweisen und besonders werden bie Him­beeren von der ärmeren Bevölkerung, der ein schöner Verdienst hieraus erwächst, massenhaft gesucht. Kaufleute und Unterhändler bezahlen pro Pfund durchschnittlich 10 b)s 12 Pfennig, und bie meisten Beeren kommen in die Thüring'sche Beerenwein- und Marrneladefabrik nach Bü­dingen. Sehr mit Früchten beladen sind auch in diesem Sabre die Haselnußhecken. Die lange Dürre (über diese llagen heute fast alle unsere Herren Korresponden­ten von fern und nah. Jcr verehrte Herren, einekurze Dicke" wäre Ihnen wohl lieber? D. Red.) hat schon große Trockenheit verursacht. Die Kartoffeln fangen schon, ehe geblüht zu haben, an, welk zu werden. Korn, Hafer und Gerste reisen zusehends, jedoch entwickelt sich der Kern sehr schlecht. Die Heuernte ist ziemlich beendigt, alle Scheunen und Vorratsräume sind diesmal voll gefüllt. Infolgedessen sind die Heupreise auch sehr niedrig und Heu bester Qualität wlld von den Händlern mit 1,40 bis 1,60 Mk. pro Zentner ausgekauft.