Ausgabe 
19.7.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 167

rfftelnt tag!!* aubei Sonntags.

Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfisches Landwirt die Siebener Kamillen» Blätter viermal in der Woche de,gelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'scheu Unwer1.-vuch-u.Hiem- druckerei. 8t Songs»

Redaktion. ErvedMo» und Druaerei:

Gchotstroße T.

vdreüe für Depesche«: Anzeiger Gieße».

FerniprechanichlntzNr 51.

Blatt. 154. Jahrgang DienStag 19. JuN 1904

Gietzener Anzeiger

,J «enerol.llnjeigcr -** S-S

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen MH

_____ __________________ zeiqenteil: HanS Beck.

Z)ie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

Politische Tagesschau.

ZvmKonto K" der Pommernbank

schreibt dieKöln. Zta.":

Der von uns veröffentlichte Briefwechsel zwischen dem Frhrn. d. Mirbach uni> dem Geh. StaatSrot Budde ist insofern er­freulicher Natur, alS daraus zu entnehmen ist, daß alle Gelder, die offenbar zum Schaden der Pommernbank an milde Stiftungen überwiesen waren, im Betrage von 175 000 Mk. nunmehr an die Gläubiger der Pommernbant zurückgezahlt werden. Auf- klärung über den Verbleib der im Konto K befindlich gewesenen und von Frhrn. v. Mirbach ohne Erhalt der Valuta abquittierten 3 2 5 0 0 Ö M k. bringt aber dieser Briefwechsel keineswegs. Strafrechtlich läßt sich aus ihm allerdings ver­muten, daß Schuld und Romeick die 325000 Mk., die zum Schaden der Pommernbank deren Beständen wirklich entnommen sind, für sich verwendet haben. Nach unserer Ueberzeugung müssen die beiden Direktoren der Pommernbank, wenn sie wegen dieses Falles vor Gericht gestellt werden, nach Lage der Sache selbst bunt wegen Unterschlagung verurteilt werdm wenn sie den Nachweis führen, daß das Geld von ihnen nicht im eigenen Nu den verwendet- sondern irgend einer anderen Person oder einem Zwecke zugeflofsen ist, da die Absicht, die unter­schlagene Sache einem andern zuzuwenden- eine Bestrafung auf Grund des § 246 deS Str.-G.-B. nicht ausschließt. Würden Schuld unb Romeick den Nachweis führen, daß sie das Geld nicht in ihrem Interesse verwendet haben, so könnten sich für sie aus d'e'em Tatbestände höchstens m'ld rnde Umstünde ergeben An und für sich ist diese Behauptung unwahrscheinlich und für den Strafrichter, der auch einem Diebe nicht glaubt, daß er die in seinem Besitze gefundene gestohlene Sackte von demgroßen Unbekannten" geschenkt erhalten hat, ganz unerheblich. Wir rönnen nun wohl erwarten, daß sich Staatsanwalt und Strafrichter infolge deS jetzt bekannt gegebenen Briefwechsels umgehend wieder mit den unterfdtfagenen 325 000 Mk. beschäftigen, und wir können im Interesse der deutschen Strafrechtspflege nur wünschen, das; man Schuld und Romeick nicht länger auf freiem Fuß beläßt, da es jedenfalls in ganz Deutschland daS aller­größte Befremden erregen müßte, wenn die beiden Nichtinhafticrten sich der gerichtlichen Strafe durch die Flucht entziehen würden. Ferner können wir uns keineswegs damit befreunden, daß die von dem Frhrn. v. Mirbach vertretenen milden Stift­ungen die 60000 Mk., die ihnen durch die Vermittlung Mirbachs und feine Verbindung mit den Pommernvaukdirekloren zugesiofsen sind, nicht zurückzahlen. Ein buchmäßiger Nach weiS, daß die 60 000 Mk. aus Geldern der Pommernbank stammen, läßt sich allerdings nicht führen. Aber moralisch ge­hören sie den Gläubigern von Schultz und Romci^,rw^«>das sind nach Lage der Sackte auch für die unterschlagenen'325000 Mark die Pommernbank und die Jmmobilienverkehrsbank. Von bankerotten Verbrechern soll sich niemand etwas schenken lassen, auch nicht die von Mirbach vertretenen milden Stiftungen. Kirchen, die von solchen Geldern errichtet werden, bleiben fieber besser un­errichtet, da sie, wenn ihre Entstehungsgeschichte bekannt wäre, von einem frommen religiösen Menschen lediglich jegl'chen Gottes­dienstes für u n w ü r d i g erachtet und nicht betreten werden würden. Also zurück mit den 60000Mk. an die Konkursmasie der ungetreuen Knechte Romeick und Schultz! Wir können aber endlich nicht unser höchstes Befremden darüber unterdrücken, daß ein Monn wie Mirbach, dem es obgelegen hat oder noch obliegt, für allerhöchste Personen Vermögensgeschäfte zu regeln, der also entweder eine gewisse Geschäftserfahrung besitzt oder mangels derselben für seinen Posten unfähig ist, unter so merk­würdigen Umständen über die große Summe von 325 000 M k. abauittiert hat, ohne sie zu bekommen. Dieses GeschäftSgebahren ist ein so außerordentlich, sagen wir einmal unvorsichtiges, daß eS selbst bei einem ganz geschäftsunkundigen Manne sehr auffallen muß und Zweifel daran erregen müßte, ob er in der Lage wäre, sein eigener Vermögensverwalter zu sein.

*

Der tieneJungbrunnen".

AuS Berlin, 18. Juli, wird uns geschrieben:

Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag in Bremen wird voraussichtlich einen nicht m nd^r angeregten Ver- lauf ncfrmtn al« bet vorjährige von Bebcl alsJungbrunnen" bezeichnete. Dem Vernehmen nach will Abg. B c r n st e t n Kia g e erheben gegen dieBerliners b. h. den Zentralvorstand der Partei, soweit er durch denVorwart?' zu den Genossen spricht. Bernstein, derOber-Revisionist", kämpft um setne wirt­schaftliche Eristenz. Die Mitarbeiterschaft amVor- wärt«" ist ihm urplötzlich gekündigt worden seme Dokumente des Sozialismus'' sanden in der Partei toenig -öenajt* ung, und gegen sein neues Zeitungsunternehmen, haben die führenden lKnossen der alten Richtung «nett i8»h 0tt etn. geleitet, der die Rentabililät des Unternehmens m Fr-qe stellt. Bernstein ist, wohl dnrch seinen langiahrtgen Aiistnthalt m Eng. land, der rauhen Wirklichkeit der soztalMc^n Welt osten^r entfremdet und lebt dem Glauben, ba6 lebe? $atfeimttgheb bn8 Recht Hobe, frank und frei feine Meinung zu sagen. Wenig glimpflkb wird des weiteren auf dem Parteitage mit dem agrarischer Gesinnungen beschuldigten Abg. S p p f l «m- gesprungen werden. K a u t s kt), der Wächter des soziahstischen Kapitols, soll sich gelobt haben, nicht eher zu ruhenu bt-j ^slsippe, in denAbgrund" der bürgerlichen Welt hinunterbefordert ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Juli. Ein englisches Blatt erzählt, der Saiser soll in ununterbrochenem telegraphls lb e n r kehr mit dem Zaren stehen. Je nach dem Erfolgl oder Mißerfolg der Streitenden soll der Kaiser gratulieren oder

Dort amtlicher Quelle über den N i ch t e m p f a n g d ersüdw st afrikanischen A n s i e dl e r a b o rdn u n g wundes sahren habens Der ReItI>Sk°nzler hat d,m ^ren, als sie 'M Juni bei ihm vorspratlM, zugesagt, dast er tjinen eine W11Di<enij beim Kaiser vermitteln wolle. Dies ist geschehen. Der KaiIer hat sich sofort dazu bereit erklär, und die Zeit dafür n a » seiner Rückkehr von der Reise bestimmt. _ Seit öeni 18 J,,i ist brr Kaiser von der ReikMmuptsiadt entfernt. Zur- teil fleht noch nicht fest, wann et »ach Berliu »urEhrt. fc bir fflbafrlfanilrhm Ansiedler wollen ohnedies b»S in den vero, bleiben die Audion, stattfindeu wird, ist sicher, und

dre Ausstreuung, der Kaiser habe gesagt, er wolle nichts von Südwestafrika wissen, bis dort ein Sieg erfochten sei, ist völlig grundlos.

Die Verhandlungen in Norderney sind be­endet. Witte reift morgen nach Berlin.

Wir lesen in derKöln. Volksztg.":

DerV e r g n ü g u n g s m i n i ft e r", den man neulich vor­geschlagen Hot, hat bei vielen jovialen Leuten im Deutschen Reich großen Anklang geftinden, weniger aber scheint man sich die Zusammensetzung dieses Ressorts klar machen zu können, indem man fürchtet, daß fürVortragende Räte" darin keine Verwendung sein werde. Es scheint im Gegenteil, daß hier sehr interessante Geheimräte beschäftigt werden könnten, als da sind: Geheime Schaumweinräte (für Drinksprüche'), Geheime Wasserräte (Dezernat: Wassersport), Gehsime Automobil­räte, Geheime Denkmalsräte Geheime Jagdräte, Geheime K a n a l r ft t e (Dezernat: Einweihung von Kanälen und Agitation für Kanalbauten) und außerdem noch Allgemeine Vergnügungsräte für die verschiedensten unvorherzusehen- ben Amüsements.

Karlsruhe »18. Juli. Als Antwort auf das Telegramm des Staatsministers v. Brauer, das von der endgiltigen An­nahme der Verfassungsvorlage dem Großherzog berichtet hatte, telegraphierte der Oftoßherzog aus St. Blasien.' Das einträgliche Zusammenwirken beider Kammern ift ein beglückendes Ereignis unb ver­spricht eine hoffnungsvolle Folge für die Zukunft. Die mir persönlich gewidmete freundliche Gesinnung erkenne ich sehr dankbar an und ersuche Sie, dem Präsidenten der zweiten Kammer meinen l'bhastesten Dank für diesen so werten Beweis treuer Anhänglichkeit zu sagen. Ich schätze die filr mich geplante Ehrung (gemeint ist die Aufstellung der Büste im Sitzungssaal der zweiten Kammer) in ihrer ganzen Be­deutung. Möge das Gesetz zum Wohl des Landes wirksam werden!"

Ausland.

London, 18. Juli. Im Laufe der Spezialdebatte erklärt Schatzmeister Austen Chamberlain, der E r t r a z o l l von 3 Pence pro Pfund auf entrippten Tabak solle auf IV2 Pence herabgesetzt werden für den Tabak, der vor dem 20. April im Zollspeicher war. Dadurch würden dem Staatssäckel wahr­scheinlich 200 000 Pfund Sterl. verloren gehen.

Wien, 18. Juli. Es heißt der Bombenanschlag in Triest sei gegen den dortigen Statthalter Grafen Göß be­absichtigt gewesen, weil er die.Errichtung e-ner italienischen Universität in Trieft verhindert habe. Bei den Mit­gliedern der Sozieta Gvnnastiea in Trieft btt die Polizu gestern zahlreiche Haussuchungen vorgeuommen, wobei abermals viele Schriftstücke beschlagnalnnt wurden. Der flüchtige Magiftrats- beamte Bitillani wurde an der Grenze verhaftet.

Agdschakent (Transkaukasien), 18. Juli. Der Mord- a n s ch l a g auf den Vizegouverneur Andrejew wurde auf der Promenade verübt, auf der Sonntags inMge des Konzertes eine große Anzahl von Spaziergftng'-rn weilt. Andrejew, der in der letzten Zeit viele Drohbriefe erhalten hatte, pflegte stets in der Begleitung eines Dieners auszugeheu, den er gestern iedoch zur Beaufsichtigung seiner Wohu'mg zurück^-lassen hatte. Als der Vizegouverneur von der ersten .Kugel getroffen war. sank er zu Boden: dann wurden noch fünf Schüsse auf ihn ab- gefeuert. sodaß er sofort tot war Der Mörder, vermutlich ein Armenier, entfloh uild lud wieder den Revolver. Von einigen Spaziergängern wurde er vergeblich verfolgt. In der Nacht wurde ein der Tat dring-nd Verdächtiger verhaftet.

pkk Krieg jwtfifrn Japan und Autzland.

Bei Port Arthur.

Petersburg, 18. Juli. Auf eine Anfrage derRuff. Telegr.-Agentur, die sie am 13. Juli belügt der Meldung, daß die Japaner 30 000 Monn verloren hätten, gestellt hatte, ging heute aus Mnkden ein Telegramm vom 15. Juli ein, das besagt: Hier liegen Nachrichten aus japanischer Quelle vor, die bestätigen, daß die Japaner am 10. Juli einen Angriff auf Port Arthur machten und anfangs auch einige Erfolge hatten, dann aber unter großen Verlusten mit Unterstützung unserer Flotte zu rückgeschlagen wurden.

Die Rusten am Motienpaffe zuruckgeschlagen.

Tokio, 18. Juli. (Amtliche Meldung.) General .Ku­roki berichtet, daß am 17. Juli gegen 3 Uhr morgens der Kommandeur des rttssischen Armeekorps Ge­neral v. Keller mit über zwei Divisionen unter dem Schuhe dichten Nebels einen heftigen Angriff aus den Motienpaß und die benachbarten Positionen zu machen begann, die von einem Teile der japanischen Armee beseht sind. Die Japaner leisteten hartttäckigen Wider­stand, warfen den Feind allerorten zurück und verfolgten ihn bis Kunkeapaotzu. lieber die Verluste werden Erhebungen angestellt.

Die Paffe.

Petersburg, 18. Juli. General Kurvpatkin meldet au den Kaiser: Die Japaner räumten in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli den P ü h a n l i n p a ß. Ihre Vorposten nahmen zwei Werst südöstlich von Pohanlin Stell­ung ein. Der Siakaolinpaß auf der großen Straße nach Liaujang und die Höhen südlich deS Passes werden von einer ziemlich starken japanischen Abteilung besetzt gehalten. Nack>dem die Armee des OkmeralS Ku­roki auf bet östlichen Front die Pässe des Fenschuilin-Ge- birges besetzt Hatto, hatten wir im allgemeinen nur unge­nügende Nachrichten über die Stärke und die Stellungen dieser Armee. Aus Grund von Rekognosziemltigen durste man die Vermutung hegen, daß die japanisck?en Hauptstreit­kräfte in der Umgebung von Lianschauguau zusammenge­zogen seien, und daß die Avantgarden in den sechs Pässen in der Nahe SteNung genommen hatten. Zur Feststellung der Ktäfte des Eigners nmrbc am 17. Juli ein Vonnarsch gegen die feindlichen Siellullgen tu der Richt­ung ans Lianschanguau angeordnet. Die littke Kolonne in Stärke von Drei xtolainoueu wurde gegen den Shbei- lin-Paß gesandt. Die mittlere Kolonne unter Kaschta-

linski in Stärke von 14 Bataillonen und 12 Geschützen er­hielt Befehl, den Siaokaolin-Paß, die Höhen bei dem Götzentempel unddenUfanguan-Paß anzugreifen. Die rechte aus einem Bataillon bestehende Kolonne sollte den Kreuzpunkt der nach dem Sinkailim - und dem Laho- lin-Passe führenden Wege besetzen, um den rechten Flügel Kaschtalinskis zu decken. Am 16. Juli 10 Uhr abends verließ die Spitze der Kolonnen Thawuan. Gegen 11 Uhr vertrieb ein Bataillon des 22. Regiments in einem Bajonett- kampfe die japanische Feldwache bei dem erwähnten Kreuz­punkte. Die Japaner räumten die Pässe, bat Götzentempel und Siaokaolin, die Kaschtalinski bei Tages­anbruch besetzte. Gegen halb 6 Uhr morgens besetzten die Japaner mit bedeutenden Streitkräften und zah^ reicher Artillerie den Ufanguan-Paß und die Löh«t südli ch desselben. Der Feind eröffnete von hier und auf dem Gebirgskamme im Osten des Götzentempels ein äußerst starkes Artillerie feuer. Kaschtalinski schob aus seiner Re­serve vier Bataillone vor, um die Höhen südlich des Passe- zu besetzen. Mer der Versuchs sich dieser Höhen zu be- mächttgen, gelang nicht trotz des Feuers einer Gebirgsbatte­rie, da die Feldgeschütze des Gelärtdes wegen nicht ver­wendet werden konnten. Gegen 8 Uhr morgens hielt Ge-' neral Graf Keller es für notwendig, zu der Kolonne Kasch­talinskis zu stoßen. Er schob aus der Gesamtteserve drei Bataillone auf die Höhen bei dem Götzentempel vor, um die bereits besetzten Stellungen zu behaupten. Als Graf Keller in das Vordertreffen gelangte, erschienen ihm die Streitkräfte des Gegners so bedeutend, verglichen mit bett unsrigen, daß er sich entschloß, ben Kampf nicht fortzn- setzen, da ber weitere Angriff ohne Feldarttllerie hätte geführt werden müssen. Graf Keller beschloß daher, um halb 11 Uhr morgens, die Truppen auf die Stellungen bet dem Janselin-Paß zurückzuziehen. Die Truppe« iogen sich Schritt für Schritt in v 0 ller Ordnun g zurück!.' Um die Mittagszeit ging der Feind gegen den rechten Flügel der Stellung beim Janselinpaß zum Angriffe Dor,' Die Verluste sind nicht genau festgestellt, doch berichtet Graf KeNer, daß sie mehr als 1000Mann betragen.

Russischer Uebereifet.

Heldenstücke sind es nicht, die Rußlands Hilfskreuzer, mit derDeschlagnahmeundDurchsuchung frem­der P 0 st - und Handelsschiffe in neutralen Meeren verüben, ganz abgesehen von der völkerrechtlichen Unzu­lässigkeit berartiger Eingriffe, besonders ber Konfiszierung von Postsacken. Diese Maßregeln offenbaren denselben Mangel an taktischem Geschick, der der ganzen russischen Kriegsaktion anhaftet. Denn ist e$l der Mühe wert, am Roten Meer deutsche Schiffe anzuhalten^ selbst wenn der Verdacht, daß sie Kontrebande führen, sich als begründet erwiese? Weit mehr erforderlich wäre Die Kontrolltätigkeit der russischen Hilfskreuzer an der Ost­küste Japans; die Annahme besteht langst, daß von den Vereinigten Staaten aus Kriegs kontre­bande in Mengennach Japan eingefuhrtwird. Ein paar Dutzend Gewehre, die ein deutsches Schiff vielleicht an Bord hat, können die Wehrkraft Japans nicht wesentlich erhöhen. Aber die Dusüburrg der ^Seepolizei" am Roten! Meer ist ungefährlich, wfthrerrd in den ostüsiattschen Ge­wissem die russischen Hilfskreuzer der Ueberrasckning durch japcnnsche Kriegsfahrzeuge ausgesetzt sein würden. Dio ^Norddeutsche meldet:

Saut, telegrcwbischer Berichte ist am vorigen Freitag dnrch den russisck^en HiffskrenzerSmolensk die nach Japan bcftrTnmte Poft von Bord des beutfehen ReichspoftdampfersPrinz Heinrich" weggenommcn worden. Wie wir hören, ließ die Regierung wegen dieses BorfaUes in Petersburg durch den dortige« beutfrlxm Botschafter sofort B e schwe r de erheben.

Nach der ^,Köln. Ztg." richtet sich die Beschwerde gegen* die Wegnahme der japam'schen Post von Bord eines regu­lären Postdampfers, die sich unter kein en Umständen rechtfertigen laßt, selbst wenn die Annahme gestattet: schien, baß die Durchsuchung ber Post nach Kriegskontre- banbe völkerrechtlich zulässig ist. Me dieNat-Ztg.^ hört, liegt dem Protest die Tatsache zu Gmnde, daß der russische Hilfskreuzer Smolensk sich nicht auf eine für Kriegsschiffe und nach deutschen Begriffen völkerrechtlich zulässige Durchsuchung beschränkt, sondern die deutsche Post an Bord genommen hat. Wvlffs Bureau meldet ans Aden: Der mssische KreuzerSmolerrs^ übergab die dem norddeutschen LloyddampferPrinz Heirrrich" abgenommene Post dem na cf) Bombay bestimmten DampferPersil der (englischen) Penisular and Oriental Sine. AuS Aden meldet Reuter:

Nm die an Bord des deutschen ReichZsvftdampferSPrinz Hesirrich" beschlagnahmte iapanisck>e Post dem britischen Dampfer Persia" übergeben zu können, hielt oer russische Hilfs­kreuzerSmolensk" diePersia" gemalt f am eine Stunde auf. DerSmolensk" beschlagnahmte zwei für Na­gasaki bestimmte Postse.ch deSPrinz Heinrich".

Heber ben Inhalt ber Protestnote bringt afio, wie man sieht, bie auffallend knappe Notiz der ofsi^iellenNordd. Allg. Ztg." keine Mitteilung; dagegen ist der übleStert LokalanH.", der leider mehr und mehr zu einem Organ der Regierung wird, in den Stand gesetzt, zu nerfünbtaen: Besonders betont sei in dem Protest, daß sich die Ibitcrfiufo* ung auf Krieaskontrebande sonne die Durchsicht der Vost vieffeicht rcrfrtfcrtigim ließe: völkerrechtlich uinuläs^it jedoch sei die Beschlagnahme und Fortführung der Postsäcke. Wir wollen hoffen, haft der Protest schneidiger gehalten ist und nicht von vornherein baS Zugeständnis einer bafbtn Rechtfertigung macht! Poswantpfer unter neutraler Flaga? dürfen nicht angehaUeu werden. Die ^.Nattonalztg will die Fwage uncrörtcrt lassen, ob die Hilfskreuzer der frei* willigen ntssischen Flotte überhaupt mit Recht auf den Eharakwr von Kr i e g 6 f chi f f c 11 Anspruch machen k siinen» da sie die Dardauelleu mit ber Handelsflagge plissierten Unseres Erachtens ist diese Fiage der Legitimatton recht