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19.3.1904 Erstes Blatt
 
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iflr. 67

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Samstag 19. März 1904

Orlchelut täglich auber SonntagL.

Zem Gießener Anzeiger iicrben Im Wechsel mit dem kesflschen Landwirt oie Giehener Zamilten- dtötter viermal in der

Woche beigelegt. AotaltonSdruck u. Ver­leg der Brüh l'ichen Univeri.-Buch-u.Stein- brucfcrel. 9L Lange. Nedaltton, ttrpedUioa und Druckerei:

Lchulstrabe 7.

Adresie für Deveichen:

Äuzetger Gießen. sskrnlprcchanlckluhNr 51. ! i i^MiWKnn

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger &

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

vezngSPret»: monatlich 75 Pf- viertel* jährlich Tlt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« vormsttagS 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12 Pf^

auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich tüt den polit und allgem. Teil: P. Wittko- für Stadt und Land" und . Derichrss aal": August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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Per Krieg zwischen Japan und Jußtand.

Nach einer amtlichen Trahtmeldung des Admirals All e x e j e w an den Zaren aus Mnkden berichtete General Mischt sch en ko auf Grund von Mitteilungen aus Phjöng- j c n n , daß sich dort javanische Infanterie befindet, bir Geschütze bei sich führt. Tie Vorräte werden Japanern toin koreanischen Wagen zugebracht. Größere feindliche Rl itermossen seien nicht zu seben, nur über das Feld zer- snsente Mteilungen. Tas Pferdematerial läßt zu wünschen Übrig. Eine russische Erkundigungsabteilung stieß fünf Werst bau Andtschu auf feindliche Infanterie. Ter Feind gab 5-chüsse ab, denen auf russischer Seite nur ein Pferd zum kpfer fiel.

Ter russische General Line witsch hat alle Küsten- prnnkte inspiziert, welche den Golf von Liaotung be­herrschen, obgleich die russischen Behörden keinerlei Be- fii: chtung vor japanischen Landungsversuchen haben, da solche erst nach Llbgang des Eises möglich sind. Es ver­lautet, die Militär- und Zivilbehörden in Mnkden befürch­t'Irn einen Konflikt mit China. Gut informierte Krrjse glauben, der Befehlshaber der chinesischen Truppen general Ma bilde eine Gefahr für die Aufrechterhaltung de.-- Friedens zwischen Rußland und China.

5000 japanische Koreaner sind beschäftigt, eine i^lldeisenbahn von Söul nach dem Norden zu bauen. Auch Zivilarbeiter werden dazu hcrangezogen. Tie "'nbahn von Söul nach Fusan wird nicht vor dem Oktober fertig werden. Tie russische Artillerie ist wieder aus das Nordufer des Jalu gegangen. Auch ein te: l der Kavallerie wurde zurückgezogen. Nur schwache ß i ste stehen noch bei Soengtschoen. Ta die j a p a n i s ch e n 9i m düngen in Korea sehr langsam vor sich gehen, so erwartet man das Erscheinen der japanischen Hauptmacht un! er General Kodama am Jalufluß erst zwischen Ende lT.il und Mitte Mai.

Marquis I t o batte am Freitag eine feierliche Ar dienz beim Kaiser von Korea. Er wurde vom Aliijser, der sehr entgegenkommend war, in der Zeremonien- hellle empfangen. Wie der Sekretär des Geheimen Rates Prtsuki, der unter der Begleitung des Marquis war, äußerte gcschiebt die Sendung Itos lediglich im persönlichen Auf- iraUe des Kaisers von Javan, der den Wunsch hege, seiner Änipathie für Korea in diesen bewegten Zeiten Ausdruck zu geben. Einen politischen Zweck verfolge die Mission nicht. (??)

Tas japanische Parlament wird Sonntag oder fJlomtag vom Kaiser feierlich eröffnet. Mit Rücksicht darauf, dos die Zeitumständc Einigkeit auf Seiten der Japaner dun gend erforderlich machen, beschlossen sowohl die Ver- suisiimgspartci wie die Fortschrittspartei, die Regierung zu unterstützen. Tadurch ist eine glatte Annahme des von her Regierung wegen des Krieges aufgestellten Finanz- Programms gesichert.

Tie deutschen Offiziere Oberstleutnant v. Lauenstein nd Major v. Tcttau reisten am Freitag abend von Peters- hugj nach dem Kriegsschauplätze ab, ebenso die von Oester­

reich-Ungarn und Schweden und Norwegen entsendeten Offiziere. Am Bahnhofe fanden sich zum Abschiede die Chefs sowie die Herren und Tamen der betreffenden Missionen, desgleichen zahlreiche Freunde ein.

Volitische Tagesschau.

Da8 Bombevattentat in Lüttich.

Nach längerer Ruhepause haben wieder einmal An­archistenhände einen verbrecherischen Anschlag verübt. Aus Lüttich wird über das von uns gestern bereits kurz erwähnte ruchlose Attentat gemeldet: Tie Bombe wurde vor dem Hause des Polizeikommissars Laurent gefunden und ex­plodierte in dem Augenblick, als der Artilleriekommandeur Patyr sie in einen benachbarten Garten bringen lassen wollte, um sie einer Prüfung zu unterziehen. Etwa 30 Personen hatten sich angesammelt, von denen sieben ver­letzt wurden, d arunter vier schwer. Das Wohngebäude Laurents wurde verwüstet, in der Nachbarschaft sprangen zahlreiche Fensterscheiben. Der Kommandeur Patyr mußte sich einer Amputati on beid er Beine unterziehen. Unter den verwundeten Personen befinden sich drei Polizeibeamte, ferner ein Feldmesser, ein Buchdrucker und ein Abt.

In der belgischen Abgeordnetenkammer sprach der liberale Vertreter Lüttichs, Neujean, seinen Abscheu über das Attentat aus. Er gedenkt in teilnehmenden Wor­ten der Opfer des Anschlags, für die er eine Entschädigung seitens des Staates verlangt. Er erinnert daran, daß das Verbrechen am Jahrestage der Kommune verübt worden sei Hektor Denis (Sozialist) erklärt, es sei schändlich, einen Zusammenhang zwischen den Verbrechern und den Sozia­listen anzunehmen. Im Hause herrscht große Erregung. Vandervelde (Sozialist) erklärt es für schmachvoll, wenn man den Anschlag ausnühen wollte, um die Volksstimmung gegen die Sozialisten zu erregen. Carvon de Wiart (Rechte) erinnert an die zahlreichen Dynamitanschläge, bei denen er und seine Freunde zu Schaden gekommen seien. Nach­dem noch ein Vertreter der Regierung seine Uebereinstimm- ung mit den Ausführungen Neujeans ausgesprochen, ver­weist der Präsident der Kammer darauf, daß die Behö dm die Schuldigen zu ermittelp bemüht sind. Er spricht die Hoffnung aus, daß den Opfern des Anschlages die Teil­nahme der ganzen Nation zugewendet sei. (Allseitige Zu­stimmung.)

Deutsches Reich.

Berlin, 18. März. Der Kaiser hat dem Andenken seines Vaters eine neue Ehrung zugedacht. In der Erinnerungsballe des neuen.Berliner Tomes, für die auch der Bismarck-Sarkophag von Prof. Reinhold Begas be­stimmt ist, soll der jetzt im Museum zu Potsdam befindliche Marmorsarkophag Kaiser Friedrichs aufgestellt wer­den. Prof. Begas ist! vom Kaiser beauftragt, sein Werk zu wiederholen und in venthelischem Marmor auszuführen.

Auf dem Friedhof der Märzgefallen en fht Friedrichshain war am heutigen Gedenktag der Zudrang etwas stärker als erwartet wurde. Tas schöne Wetter hatte viele Scharen, namentlich von Arbeitslosen, angelockt. Kränze wurden weniger als sonst niedergelegt, da auf be­sonderen Beschluß derGenossen" eine Zentralinstanz oies- mal die Sache besorgte. Tie Polizeischere hatte schon vor­mittags gründliche Arbeit getan, indem sie allzu blut­rünstige Verse von den Kranzschleifen abschneiden ließ; so sah man etwa 20 derartig korrigierte Widmungen. Tie Anarchisten hatten schwarze Kranzschleifen gewählt, die Sozialdemokraten rote.

In einem dem Frhrn. v. H a m m e r st e i n gewid­meten Nekrologe, den Reichstagsabg. v. Ger la ch derge­fallenen Größe" widmet, heißt es:Seine (des Frhrn. v. Hammerstein) wilde Energie ließ ihn zum großen Ver­brecher ebenso qualifiziert erscheinen wie zum führenden Politiker. Taß er als Verbreck)er und nicht als berühmter Staatsmann endete, daran war vielleicht nur eine lumpige Tifserenz von etlichen hunderttausend Mark schuld, die er brauchte und nicht hatte."

Tem Reichstage ging ein Antrag Tr. Becker- Hessen zu, die Regierung zu ersuchen, dem Reichstage tun­lichst noch in dieser Session den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, welches das Verhältnis zwischen den Krankenkassen und den Aerzten regelt.

TieNordd. Allg. Ztg." schreibt: TerVorwärts" richtet an uns die Frage, ob uns bekannt sei, daß eine aroße Papierfabrik Mitteldeutschlands, das zur Anfertigung von Wahlkouverts erforderliche Papier fertigzustellen, vor kurzem den Auftrag erhalten hat. Tie Ausführung dieses Auftrages soll nach demVorwartsl' als sehr eilig angeordnet und von der Pavierfabrik schon mit der An­spannung aller Kräfte bewirkt worden sein. Uns ist davon nicht das geringste bekannt, und wir dürfen hinzu­fügen, daß auch dem Reichskanzler nichts davon bekannt ist.

Mit dem in nächster Zeit nach T eutsch-Südwesk- afrika abgehenden Truppenverstärkungen werden drei weitere Postbeamte und drei Unterbeamte entsendet werden, die bei den Ortsvostanstalten des Schutzgebietes in Beschäftigung treten sollen.

Das Zentral-Hilfs-Komitee für die deutschen An­siedler in Südwestaswika hat durch Vermittlung der Kolo- nial-Abteilung des Auswärtigen Amtes aus den bisher zu Gunsten der geschädigten Ansiedler in Südwestafrika ein­gegangenen Spenden weitere 20 000 Mk. dem Hilfskomitee m Windhoek überwiesen.

Köln, 18. März. Nach Meldungen aus Tanger, die in derKöln. Ztg." veröffentlicht werden, sind auf Befehl des Sultans, der über das Verschwinden des Berichter­statters derKöln. Ztg." Dr. Gent he sehr erregt ist, Fuß­truppen und Berittene von Fez aus zur Auffindung Genthes ausgesandt, jedoch bis jetzt ergebnislos.

Karlsruhe, 18. März. Ministerialdirektor 'Eugen Becker wurde heute unter Ernennung zum Geheimen Rat erster Klasse zum Präsidenten des Finanzmini-

Litteratur und Kunst.

ArnljotGelline von Björn st jerne Björn- Ion , Buchschmuck in zweifarbigem Truck von Olaf Gul- ilamsson. Elegant in Leinen gebunden 4 Mk. Verlag von Mbnt Langen in München. Björnson wird dem deutschen ikseppublikum in diesem Buche literarisch von einer ganz ifurn Seite gezeigt; als Epiker und Lyriker. Ter Verlag Mert Langen veröfsentlicyt zum erstenmale in einer ? tischen, das überaus kunstreiche und mannigfaltige nor- ische Metrum treu wiedergehenden Nachdichtung Max Vam- :»Qier3 r das erzählende GedichtArnljot Gelline". Eiy e ntertet Sohn seines Vaterlandes, ein rühmlicher Skalde, H:it Björnson hier Sänge ,au§ der Geschichte Altnorwegens Itiib ertönen. Tie Figur des Helden, der dem Buche den Niell gibt, ist den Königsagas Snorre Sturlassons ent» n.'nmen. Fragmente des Gedichtes erschienen schon 1860 wc> 1861; vollendet aber kam es erst 1870 heraus, und es t süitdem ein Volksbuch des Nordens geworden, das als «he Art klassischer Lektüre den Schulkindern in die Hand gcgeOben wird. Ten alten Recken und Wegelagerer, der §:Sturlasson in wilden KTiegsfährden seinem romantischen Shuige Genüge tut, hat Björnson ins moderne Empfind- irg£!le6en und so uns menschlich näher gerückt. Er hat das A?:b:ben «der Sagagestalt rekonstruiert und die Wurzeln iifis! Wesens aufgegraben. Er zeigt, wie dieser vom Volke LiMestoßene, durch die Lande Gehetzte ein Mann der Urermut werden mußte. In seiner Erniedrigung ist Glli-ae .dennoch der Stärkere, dernur an sich selbst glaubt"; « wird durch den Wechsel seiner inneren und äußeren ZWsale, durch das Weh seines brennenden Elendes dahin rrifrt, an das Leben tausend Rätselfiagen zu stellen. Gzemds erhält er Antwort, bis erv der Heide, in den LiNreis des Königs Olaf, des nordischen Nationalheiligen, rntt und mit ihm und für ihn fällt. An Kraft und Hoheit W. epischen Ausdrucks, an Wärme des lyrischen Gehalts, mikiiöße und Tiefe der Weltanschauung steht ArnljotGelline art über Tegnörs Frithjofssage. Ueberdies wird man Siernnfon in diesem Gedicht als Sprach- und Verskünstler )i?n großer Vollendung kennen lernen. Ter Verlag hat , i-ffl : ffierfe eine Ausstattung zuteil werden lassen, die es i niMrrem Geschenkwerk ersten Ranges macht. Mit den Zeich- i Bijßtn bes Norwegers Olaf Gulbrasson, die sich dem l lotter und der Stimmung des Werkes anschließen und i Ti be:?tn eleganten zweifarbigen Truck präsentiert es sich fijejin und künstlerisch.

LeoTol st oi, Vierzig Iah re, eine kleinrussische £ iet|:niii>e. Umsclchagzeichnung von Th. Th. Heine. Geheftet

1 Mk. Verlag von Albeick Langen in München. Daß Leo Tolstoi unter den heute lebenden Dichtern einer der wenigen ganz Großen ist, braucht man niemandem zu sagen. Daß ein neues novellistisches Werk von ihm, das in Deutschland bisher noch unbekannt war, in höchstem Maße Interesse erwecken muß, ist gleichfalls selbstverständlich. Die klein- russische LegendeVierzig Jahre" ist dadurch besonders in­teressant, daß Tolstoi sie nacy dem Werke eines anderen, des russischen Historikers Kostomaroff, bearbeitet und ihr einen neuen, sewständigen Schluß gegeben hat, der von dem Kostomaroffs abweicht. Und gerade dieser Schluß ist für Tolstoi besonders charakteristich und hebt die Erzählung neben feine bekannten Meisterwerke empor.Vierzig Jahre" ist die Geschichte eines Mordes, der erst nach der Frist, die der Titel an gibt, bestraft wird. Und eben die originelle Art dieser Strafe, die sich ohne übersinnliche Einwirkung vollzieht, ohne jedes besondere äußerliche Er­eignis, ohne daß ein anderer Mensch etwas davon be­merkte die Art dieser Strafe, die durchaus Tolstois geistiges Eigentum ist, gibt der Erzählung ihre starke und ergreifende Bedeutung. Die Übersetzung von Korsiz Holm hat Ton und Eigenart dieser Legende wieder aufs glück­lichste getroffen.

Gesetzund R e ch t". Volkstümliche Zeitschrift für Rechtskunde. Unter Mitwirkung zahlreicher Juristen heraus- gegeben von Regierungsrat a. D. Tr. jur. K. Frhr. v. d. Goltz. Alle 14 Tage ein Oktavheft. Preis fürs Jahr 4 Mk. Breslau 8, Verlag von Mfreb Langewort. Die uns vorliegenden sechs ersten Hefte des laufenden 5. Jahr­ganges dieser nützlichen Halbmonatsschrift zeigen alle Vor­züge, welche ihr zur Volkstümlichketi verholfen haben: Vielseitigkeit des behandelten Stoffes, Berücksichtigung der Bedürfnisse des praktischen Lebens und anregende, frische Schreibweise. Trotz beschränkten Raumes möge hier doch einiges aus dem reichhaltigen Inhalte genannt fein. Die Bestrafung falscher Aussagen vor Gericht. Von Dr. H. O. Schmidt. Ter Reichstag. Von Geheimrat W. Goetze. Tienstzeugnisse. Von Dr. G. Schütz. Der Hausschlüssel im Rechtsverkehr. Von demselben. Dürfen mehrere Personen dasselbe Theaterbillet benützen? Von Amtsrichter Dr. Mittermüller. Postrecht. Von demselben. Unterlassung der Anzeige von geplanten Verbrechen. Von Landrichter Tr. Winter. Tas Kinde.'schulgesetz. Von Dr. Blau. Haftung für fremde Delikte. Von Tr. 9L Brückmann. Tas Anerkenntnis im Zivilprozeß. Von demselben. Hy­pothekengläubiger und Feuerversicherung. Von Justitiar C. Girth. Der Mäklervertrag. Von Dr. G. Schütz. Außer solchen umfassenden Aufsätzen enthält jedes Heft die Ru­

brikenJuristische Mnke" undNeue wichtige Entscheid­ungen", die jetzt z. B. brachten: Bermögensverschlechterung bei gegenseitigen Verträgen. Die Ansprüche des Tienst- verpflichteten bei grundloser Entlassung. Prozeßkosten- Pflicht bei Tilgung des Anspruchs vor Zustellung der Klage. Verjährung. Der Zinsfuß. «Vereine als Prozeß- Parteien. Die Datierung bei den eigenhändigen Testa­menten. Anmeldung von Konkursforderungen und vieles andere. Am Schlüsse findet sich immer einJuristi­scher Briefkasten", der stark in Anspruch genommen wird.

Am 16. März versammelte sich in Berlin eint größere Anzahl von Damen und Herren, um die Mittel und Wege zu einer Verringerung der Säuglings­sterblichkeit zu beraten. Nachdem die Professoren Dr. Kirchner, Dr. Heubner und Dr. Engel die Gründe der Säug­lingssterblichkeit und die Mittel zu deren Bekämpfung ein­gehend dargelegt, konstituierte sich die Versammlung zu einer Gesellschaft zur Bekämpfung der Saugi- lingssterblichkeit. In den Vorstand wurden u. tu gewählt: Frl. Betty v. Ravenstein, Elisabeth Gräfin Pfeil, Frau Generalkonsul Eisenmann und Frau Geheimrat von Leyden sowie die Geheimräte .Kirchner und Heubner und Dr. Engel. Die Gesellschaft will zunächst in enger Fühlung mit dem Komitee für Versorgung mit Säuglingsmilch, die Ernährung der Säuglinge mit guter Milch mit Nachdruck betreiben. Zu dem Zweck will sie durch öffentliche und private Belehrung für das Stillen der Kinder durch Mutter­milch eintreten, bann aber durch Einführung einer ratio­nellen Ctallhygiene und einer sachgemäßen Behandlung der Milch von ider Gewinnung bis zum Verbrauch für das Vorhandensein einer guten Milch in ausreichender Menge sorgen und endlich durch Appell an die Behörden und an Die öffentliche Wohltätigkeit die Mittel aufbringen, welche dazu erforderlich find ,gute Säuglingsmilch Unbemittelten für ein möglichst geringes Entgelt zugänglich zu machxn.

M Die Ansichtskarte hat sich den Pol erobert, möchte man sagen, wenn man die reizenden Postkarten sieht, die soeben von der Firma F. A. Brockhaus in Leipzig aus­gegeben worden sind. Es sind Bilder aus dem rasch bekannt gewordenen WerkeNeues Land^ von Kapitän Sverdrup, des treuen Begleiters von Nansen auf seinen Polarfahrten, und sie lenken von neuem die Aufmerksamkeit auf dieses in­teressante Werk.