Ausgabe 
19.2.1904 Zweites Blatt
 
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gefüllten Becher überfließen ließ. Gegenüber Grüber er­klärt v. Gallwifi, die Bouillonquelle bilde nicht die einzige Ursache der Besorgnis. Sie bilde aber eine der Quellen für die Krankheit, und es sei Pflicht der Militärverwaltung, einzugreifen. Redner weilt ferner auf die günstigen Ergeb­nisse der von der Militärverwaltung getroffenen Maß­nahmen hin. Die Zahlen seien gegen früher bedeutend zurückgegangen, dann aber plötzlich gestiegen. Da sei ein energisches Eingreifen Pflicht gewesen. Der Titel wird schließlich bewilligt.

In der Kornmission des Rei^'stags ?ur Beratung des Gesetzentwurfs betr. Kaufmannsg^richte wies Staats­sekretär (Sfraf Posadowsky nachdrücklich daraus hin, daß die verbündeten Regierungen der Verleihung des aktiven Wahlrechts an Frauen ablehnend gegenüberstehen und daß die Aufnahme einer solchen B^stmmung das Scheitern des Gesetzes zur Folge haben würde. Rach langer Diskussion wurde das aktive Wahlrecht der Frauen mit sehr großer Majorität angenommen; ebenso wurde die Herabsetzung der Mersgrenze auf 21 Fahre angenommen.

Heidelberg, 18. Febr. Dr. Wilhelm Blum, ehe­maliger badischer Landtagsabgeordneter und von 1871 bis 1884 nationalliberaler Reichstagsabgeordneter für Heidel­berg ist heute nachmittag gestorben.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 18. Februar.

IN der fortgesetzten Beratung des P o st e t a t s bei TitelGehalt des Staatssekretärs" spricht Abg. v. Kröche r (kons.) seine Anerkennung aus über die Vermehrung der Postassistentenanstellung, und wünscht gleichmäßige Be­messung und Regelung des Urlaubs nach gleichlautenden Bestimmungen, an welche die urlauberteilenden Beamten gebunden sein sollen. Er wünscht ferner eine angemessene Entschädigung der Beamten für den Nachtdienst und den Fortfall der Bestellung von Drucksachen, mit Ausnahme der Zeitungen, an den Sonntagen. Redner empfiehlt die Be­rücksichtigung der Wünswe der oberen Beamten, wie der Oberpostpraktikanten und der Postinspektoren, wie sie in der Denkschrift ausgesprochen worden seien. Man könne der Postverwaltung nicht das Streben nach Plusmacherei vor­werfen. Wünschenswert sei die Revision des Submissions- Wesens für die Postverwaltung. Bei der Submission müßten ortsansässige Handwerker in erster Linie berücksichtigt werden.

Llbg. Eickhoff (fr. Dp.s hebt den günstigen Stand des Postetats hervor, der aus dem wirtschaftlichen Aufschwung resultiere, und erbittet Auskunft über die Frage der deutsch- niederländischen Postunion und des deutsch^schweizerischen Uebereinkommens. Redner empfiehlt die Reform des Paket­portos und der Fernsprechgebühren und empfiehlt gleich­falls Bcriicksichti^lng der Wünsche der höheren Postbeamten. Notwendig sei eine Statistik über die Ursachen der Erkrank­ungen der Postunterbeamten. Schließlich spricht er sich gegen die Ostmarkenzulage für die Postbeamten aus, da ihre Widerruflichkeit an das Wort vomZuckerbrot und der Peitscht erinnere und zur Kvrruption führen könne.

Staatssekretär Kraetke erklärt, er sei ein Freund schnellen Avancements. Gegenwärtig lägen zwar die Ver­hältnisse sehr ungünstig, doch müsse er bestreiten, daß eine Notlage vorläge. Alle als Posteleven Eintretenden könnten doch nicht in die höchsten Stellen aufrücken. Tie Meisten sähen den Oberpostsekretär als Endziel ihrer Karriere an. Nach den neueren Bestimmungen, wonach die Kandidaten das zweite Examen bis zu einem gewissen Zeitpunkt ab­gelegt haben müssen, reichten aber die vorhandenen Stellen ür die Qualifizierten nicht aus. Tas Dienstaltersz.ulagen- ystem sei von sehr vernünftiger Wirkung. Im allge­meinen ständen die höheren Postbeamten im Vergleich mit den Richtern und Oberlehrern sehr günstig. Im nächsten Jahre würde es notwendig sein, eine bedeutende Anzahl neuer höherer Stellen durch den Etat zu erbitten.

ALg. Fürst Radziwill (Pole) erkennt, die maßvolle Art an, in der der Staatssekretär Kraetke sein Ressort ver­walte, wünscht aber, daß die Politik Preußens aur Stärk­ung des Deutschtums in den Ostmaicken nicht die natür­lichen Rechte der Polen beeinträchtige. Als der Redner auf die Gesetzentwürfe zu sprechen kommt, die dem preußischen Abgeordnetenhaus zugegangen seien, ruft ihn Vizepräsident Graf Stolberg zur Sache. Fürst Radziwill verlangt so­dann für die polnischen Landesteile solche Beamte, oie polnische Briefaoressen lesen können.

Abg. Schrader (fr. Ver^) sagt, man könne im all­gemeinen mit der Postverwaltung sowohl bezüglich der Verkehrsanaelegenheiten, als bezüglich der Gehältsverhält- nisse zufrieden sein, aber ein höherer Wohnungsgeldzuschuß sei dringend erforderlich. Tie Erklärung des Staatssekre­tärs über die Sonntagsruhe der Beamten sei nicht befrie­digend. Er protestiert schließliche gegen die Behauptung des Staatssekretärs, daß sein Parteifreund v. Gerlach in Ver­sammlungen von Postunterbeamten hetzerische Vorträge ge- balten habe.

Abg. Böckler (wirtsch. Ver.) weist auf die zunehmende Sympathie der Postunterbeamten für die Sozialdemokratie hin; dem müsse durch die Erhöhung der Gehälter und des Wohnungsgeldzüschusses entgegengearbeitet werden. Tie Anstellung weiblicher Beamten sei durchaus zu verwerfen. Durch die Anstellung der Warenhaus-Damen nehme man vielen Männern das Brot; das führe zu einer Verminder­ung der Eheschließungen, und dadurch zu einer Gefährdung der Sittlichkeit. Tie Ostmarkenzulage müßte unwiderruf­lich fein. Bedauerlich sei, daß die Postverwaltung die Uniformen bei gemeingefährlichen Warenhäusern bestelle.

Abg. Stockmann (Rp.) bezeichnet die absolute Sonn­tagsruhe der Postbeamten für undurchführbar. Tie Reichs­partei könne der Resolution des Zentrums wegen Ausdehn­ung der Sonntagsruhe auf die katholischen Feiertage nicht zustimmen.

Abg. Jaunez (Lothring.) bleibt auf der Tribüne unverständlich

Aba. H u g (Ztr.) befürwortet Erhöhung des Wohn- ungsgellrzuschusses für Unterbeamte.

Abg. v. Treuenfels (kons.) wünscht Aufbesserung der Bezüge der Postagenten.

Tie Weiterberatung wird auf morgen 1 Uhr vertagt. Schluß der Sitzung gegen 51/2 Uhr.

Jer Aufstand in Aenlfch-Südwestafrista.

Gouverneur Leut wein telegraphiert, daß am 11. Februar im Gefechte bei Seeis die Seesoldaten M a h n k e aus Tespe an der Elbe, Schneider aus Wei­den (Oberpfalz) und Lutter von Moeller aus Brack- tocbe (Westfalen), gefallen sind. Schwerverwun­det ist Henze aus Oesdors-Pyrmont, leicht verwundet Gefreiter Arndt aus Elbing (Westpreußcn). Nach einem weiteren Telegramm Leutweins sollen Privatnachrichten aus GLootfontein zufolge die Reiter C 0 l b e r g und Wittmar

ermordet und der Ansiedler von Hartmann, dessen Vater als Konsul in Hamburg leben soll, Gottfried Gue t h und Walther Zippl i t aus Rostock und P i e p h 0 vermißt werden. Etwa am 18. Januar habe bei Groot- ontein ein Gefecht unter Oberleutnant Volkmann statt- jefnnden, bei welchem Unteroffizier Stadler ge- a 1 len sei, die Kriegsfreiwilligen Maurer aus Halber- tadt, Tischler Nitzsche uno Hartschmiedel aus Mitweida ind ein Dur v e r w u n d e t worden seien. Vom Feinde eien derFührer und 2.3 Mann gefallen. Tie ftarf» besetzte Station Grootfoutein sei außer Gefahr.

Sihunq der Stadtverordneten.

Gießen, den 17. Februar 1904.

Anwesend: Oberbgm. Mecum, die Beig. Curschmann und Georgi und die Stadtv. Brück, Emmelius, Euler, Faber, Dr. Gasfky, Haubach, Helfrich, Heichelheim, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Krumm, Kirch, Leib, Löber, Orbig, Petri, Dr. Schäfer und Wallenfels.

Oberbgm. Mecum macht zunächt die Mitteilung, daß vom Bauer'fchen Gesangverein an die Stadtver­tretung eine Einladung ergangen ist zu dem am 19. März d. I. im Neuen Saalbau stattfindenden 40 jährigen Stiftungsfest des Vereins. Ferner ließ der Oberbgm. die Versammlung wißen, daß vom Kronbauer'schen Quartettverein aus dem Ertrag des letzten Wohltätigkeits­konzertes 1014,96 Mk. der Stadt übergeben worden sind, wofür er, der Oberbgm. namens der Stadt herzlichen Dank gesagt habe.

Zur Tagesordnung übergehend, genehmigte die Ver- ämmlung ein Baugesuch des L. Schneider II für die Neustadt. Ferner wurde die auf dem Saal ausgelegten Plan empfohlene Festlegung des Fluchtlinienplanes ür die große Mühlgasse durch den Körner'schen Garten nach der Westanlage genehmigt. Auf eine Aeußerung des Stadtv. Huhn, man möge doch auch möglichst bald die Straße bis zur Löwengaste durchführen, bemerkte Oberbgm. Mecum, daß das in Kürze werde geschehen können und be­kundet weiter auf eine Anfrage des Stadtv. Löber, daß, wenn der vorliegende Fluchtlinienplan genehmigt sei, auch der Antrag zur Ueberbrückung des Schorgrabens gestellt würde, die unter der Bedingung von der Stadt vorgenommen würde, daß die Anlieger ihren Anteil davon bezahlten.

Punkt 4 der Tagesordnung, die Vorlage des Vor­anschlags des Stadterweiterungsfonds für 1904/05 betreffend, wurde ausgesetzt.

lieber die Nechnung der Armenkasse für 1902/03 erstattete Beig. Curschmann den Bericht, aus dem wir einiges in den lokalen Teil entnommen haben.

Zur Erwerbung der Karl Horn'schen Hofraite, der die Versammlung am 24. Sept. v. I. zugestimmt hat, wurden nachträglich 786 Mk. mehr gewährt.

In der Angelegenheit der Klage deL Schreiner­meisters Benzler gegen die Stadt und der Klage der Stadt gegen die Wwe. Arnold III, wobei eS sich um dieselbe Sache, nämlich einen kleinen Streifen Landes an einer Einfahrt am Asterweg han­delt , auf dessen Eigentumsrecht sowohl die Stadt als die genannten Anlieger Anspruch machten, kam es, nach­dem niemand für fein Recht Beweise erbringen konnte, zu einem von der juristischen Kommission befürworteten Ver­gleich, worin die Verteilung ausgesprochen und das Gebiet als gemeinschaftliches Eigentum betrachtet wird.

Zur Verbreiterung des Trottoirs der Marburgerstraße hat Oberbgm. Mecum von Joh. Gg. Pfaff 3 2 Quadrat­meter Land L 6 Mk. angekauft, womit die Stadt­verordnetenversammlung sich einverstanden erklärt.

Der Anteil der Wtw. Wilhelm Volz an Zu­sammenlegungskosten im Neustädterfeld wird ihr, da sich herausgestellt hat, daß sie rechtlich nicht dazu ver­pflichtet ist und eS sich um eine persönliche Schuld ihres Vor­gängers im Besitz handelt, erlassen.

Dem Gesuch des Wirtes Ludwig Flamme Zum deutschen Hof um Erlaubnis zur Benutzung eines städtischen Geländeteiles am Neuenweg, die im Interesse des Verkehrs von Fuhrwerken erbeten wird, wird willfahrt unter der Bedingung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 1 Mk., die der Gesuchsteller zu entrichten hat.

Zur Erneuerung der Zinsscheine für städtische Anlehen wird der nötige Druckauftrag für da§ 90er und für das 99er Anlehen mit Befürwortung der Finanzkommifsion der^Brühl'schen Druckerei erteilt..

Es ist notwendig geworden, die Fleifchbeschau- gebühren zu erhöhen, da die bedeutend verstärkte Kon­trolle mehr Kosten verursacht. Die Gebühren betragen nach dem Beschluß der Versammlung künftig bis 1. April 1905 für Großvieh 70 Pfg., für Kleinvieh 45 Pfg.

Für die von der S ch u tz m a n n sch a f t für die Personen­standsaufnahme, die für die Zukunft einen guten Grund zur Regulierung der Einkommensteuer gelegt hat, geleisteten Dienste bewilligte die Versammlung den Schutzleuten eine Remuneration von 300 Mk.

Punkt 15 der Tagesordnung, Unterstützung für Aalesund, wurde ausgesetzt.

Nachdem Oberbaurat Schmick inzwischen in der Ver­sammlung erschienen ist, kam man auf den ersten Punkt der Tagesordnung zurück und beriet in zweiter Lesung die Vorschriften für die Hausanschlüsse an die städtische Kanalisation. Sie wurden mit kleinen Ab­änderungen ohne nennenswerte Debatte von der Versammlung genehmigt.

Außerhalb der Tagesordnung wurde über einen Antrag des Brauereibefitzers Bichler abgesümmt, der vom Oekonorniegebäude bei feiner Brauerei aus, um feine Wirt­schaftskosten zu reduzieren, eine Feldbahn mit Pferde- betrieb einlegen will. Da Bedenken nicht entgegen stehen und der Antragsteller Gewähr dafür gibt, daß feine Schäden entstehen, bezw. daß er für alles selbst auffommt, erteilt die Versammlung widerruflich ihre Genehmingung mit der Be­dingung der Zahlung einer Anerkennungsgebühr von 10 Mk. für die Benutzung städtischen Geländes.

In der Gewährung der städtischen Unterstützung an die Lesehalle war irrtümlich eine Abweichung von der früher getroffenen Disposition zu Ungunsten der Lesehalle oorgefommen, die im Einverständnis mit den Stadtv. wieder ausgeglichen wurde.

Nachdem daS Gesuch deS Martin Langsdorf hier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Crednerstraße 84 wiederholt abgeschlagen wurde, wurde die öffentliche Sitzung beendet.

Inder nichtöffentlichen S1 y u n g wurden Personal» angelegenheiten, die für die Oeffentlichkeit fein Interesse haben, beraten.

Aus Stad! und Land.

Gießen, den 19. Februar 1904. Sprechstunden der Redaktion:

121 Uhr vormittags, %7V2® Uhr abends.

** Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde fand sich am 17. Februar im großen Saale deS Hotels Großherzog von Hessen" zahlreich zusammen, um einem Vortrag be§ cand. jur. E. Danner! überfeineErinner­ung en an Deutsch - Südwestafrika, Land und Leute" beizuwohnen. Herr Dannert, der in Omaruru eine Kinderjahre verlebte, war wie kein anderer berufen, über eine Heimat zu berichten, und er tat e§ in so vorzüglicher Weise, daß er die große Zuhörerschaft in ungewöhnlicher Weise zu fesseln vermochte. Seine Darlegungen, durch per- önliche Erlebnisse von Fall zu Fall belegt, gaben ein ab­gerundetes Bild von unserer augenblicklich im Vordergründe des Jntereffes stehenden Kolonie; lebhaft zu bedauern ist, daß die gemessene Zeit ihm vielfach Beschränkungen auferlegte. Der Vortrag umfaßte im wesentlichen die drei mächtigsten Volksstämme des Schutzgebietes Deutsch-SüdwestafrikaS, die Ovambos, die Ovahereros und die Namaquas oder Hottentotten, während die Ovamhandjeros, ein den Ovahereros nah ver­wandter Stamm, die von den Hereros und Hottentotten unter­worfenen Bergdamaras und Buschmänner und die Bastards, ein Mischvolk von Buren und Hottentotten, nur kurz erwähnt wurden. Der Vortragende begann zunächst mit der Schil­derung des nördlichsten Volkes, der Ovambos, und ihres Landes, das durch seine größere Feuchtigkeit und seine ständig ließenden Flüsse bedeutend fruchtbarer ist als der Süden, das Herero- und Namaqualand, inbeffen auch bedeutend un­gesunder. Den Hauptteil des Vorttages bildete sodann die Schilderung des HererolandeS und seiner Bewohner, der Ovaherero. Nach einigen allgemeinen Angaben über ihre Geschichte, ihren Charakter, ihren Herdenreichttun und ihre Kleidung und Bewaffnung entwickelte der Vor- tragende ein möglichst genaues Bild ihrer Lebensgewohn- heiten an der Hand deS Lebenslaufes eines vornehmen Here- rofnaben. Eine Reihe von Waffen, Gebrauchsgegenständen und Schmucksachen der Hereros ermöglichte den Zuhörern, sich ein genaues Bild von dem Aussehen derselben zu machen. Infolge der Kürze der zu Gebote stehenden Zeit konnte bei britte Stamm, die Namaquas nur kurz erwähnt werben und erstreckte sich ber Vortrag hier fast nur auf ihre burch die ihr eigentümlichen Schnalzlaute charakteristische Sprache, ihren Charakter und ihre Kriegsgewohnheiten. Einige allgemeine Bemerkungen über die Tier- und Pflanzenwelt des Schutz« gebiete? sowie über fein Klima, feinen Handel und die bishei in ihm schon gefundenen Materialen schloffen dann dem intereffanten Vortrag. Wie wir hören, wird Herr Dannerl am Samstag über dasselbe Thema in der Sektion Ober- Hessen deS Deutsch-Oe st er r. - AlpenvereinS sprechen Er dürste dabei Gelegenheit finden, noch manches zu er­gänzen, waS er sich bei feinem ersten Vortrag versagen mußte.

Brocke unn Krirnrnele." Gedichte in Frank­furter Mundart von Adolf V ö l ck e r s. Frankfurt a. 9JL, Aug. Kullmann.

-Mir bhun begnieqe uns mit dem, Was annre uns gelasse, Von Brocke unn von Krimmele Dhun mer e Handvoll fasse Unn streun se uff de Bischerdisch Dem Vublikum ganz keck Wen's steert, ber netnm die Krimmelberscht Unn kehr se widber weg!"

So schließt der Versaffer seine Vorrede. Wir glauben aber nicht, daß jemand, der sie einmal in der Hand gehabt hat, diese Brocke und Krimmele" schnellwidber wegkehrt". Im Gegenteil, jeder, der ein Freund ist von urwüchsiger und humorvoller Dialekt­dichtung, wird dies kleine Büchlein mit viel Vergnügen durch­blättern und seine Freude haben an all den gelungenen Einfällen. Auch zum Vortrag im gemütlichen Kreise eignen sich die kleinen Gedichte, da sie fast alle amüsante Pointen haben und dezent ge­halten sind. R. H.

§ Großen-Linden, 18. Febr. Der hiesige Turn­verein veranstaltete am Dienstag abend in der neuen Turn­halle eine karnevalistische Sitzung. Am Mittwoch nachmittag arrangierte der Verein einen Karnevalszug und abends war Maskenball. Durch die Bemühungen des Ver­eins ist das alte Faschingswesen hier zu seinem besten ver­ändert worden.

)( Lützellinden, 18. Febr. Der sechswöchige Haus­halt ungskursus, welcher hier stattfand, wurde gestern durch den Beigeordneten Bork-Hörnsheim in Verhinderung de§ Kreisbürgermeisters Hardt-Rechtenbach geschloffen. Der Kursus war von 24 Mädchen und einer Frau, also 25 Teil- nehmerinnin, besucht und wurde von Fräulein Müller ge­leitet. Der Unterricht erstreckt sich auf Kochen und Hand­arbeit.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Frankfurter Magistrat beschloß die Errichtung eines Völker-Museums in Frank- furt a. M.

Klink und Wissenschaft.

München, 18. Febr. Professor von Lenbach unterzog sich heute in der chirurgischen Klinik einer Operation, die gut verlief. Ter Operationsbesund ergab eine ausgedehnte entzündliche Verhärtung im Gekrqje. Das Befinden des Patienten ist befriedigend.

Rom, 18. Febr. Tie bekannte Schauspielerin Eleonore Duseist schwer erkrank l.

Handel und Derkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 18. Febr. Der Aufsichtsrat der Berliner Handelsgesellschaft beschloß, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 8 pCt. für daS Kommanditkapual von 90 Millionen vorzuschlagen. Der Abschluß ergibt einen Brutto­gewinn von 10 954 892 'Mk. und einen Reingewinn von 8 754181 Mark gegen 8 122 314 Mk. im Vorjahre.

Berlin, 18. Febr. In der gestrigen Aussichtsratssitzung de. Berliner Bank wurde beschlossen, der Generalversammlung die Verteilung von 4 pCt. Dividende vorzuschlagen.