Ausgabe 
18.11.1904 Zweites Blatt
 
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parlamentarisches aus Keffcn.

Unter Bezug auf den Antrag der Abgg. Möllinger und Genossen, betreffend Reorganisation des Instituts der Kreisgeometer, ersucht der zweite Ausschuß die Regierung, die fiic ein weiteres Jahr auf dem Gebiete der KreiS- venneffungsämter gewonnenen Erfahrungen dem ersten Aus­schuß mitzuteilen und bis dahin in der Einrichtung der Kreis- vermeffungsämter keine Acnderung eintreten zu taffen. Dadurch würde sich der dringliche Antrag deS Abg. Wolf in derselben Angelegenheit erledigen. Ter 1. Ausschuß beschloß ferner: 1. die Forderung, betreffend Regelung der Gehalts- verhältniffe der Geometer 2. Klasse vorerst abzulehncn, bis eine Neuregelung der Besoldungsordnung überhaupt er­folgen werde; 2. das Gesuch um Verleihung deS Amtstitels Großh. Vermessungs-Assistent statt Kreisgeomctergehilfe ist abzulehnen; 4. die Forderung um Anrechnung der Vordienst­jahre mit rückwirkender Kraft bis zum 1. August 1902 ist ebenfalls abzulehnen, da dies bei den KreiSgeometern auch nicht der Fall ist; 4. das Gesuch um definitive Anstellung dec bei den Kreisvermeffungsämtern beschäftigten Großh. Geometer 2. Klaffe ist durch die Erklärung der Regierung, wonach im nächstjährigen Etat mit der Anstellung von fünf Geometern 2. Klasse begonnen werden und weitere An­stellungen successive, soweit angängig, erfolgen soll, für er­ledigt erklärt. ___

gehalten, denen gegenüber der Rektor vollkommen ohn- mächtig ist.

Kleine Tageschronik In einem Dorfe bei Bam­berg wurde dieser Tage der Polizeidiener wegen Bettelns zur Anzeige gebracht. Der Vorstand des kaufmänni­schen Vereins in Frankfurt a M. richtet an die städtischen Behörden die Bitte, die v o l l st ä n d i g e Sonntagsruhe int Handelsgewerbe mit alleiniger Beibehaltung ^er für den Klein- handel mit Nahrungs- und Genußmittcln bestehenden Ausnahmen zu verfügen. Zur Begründung wird auf das Kammergerichts- urteil verwiesen, das die wertvollste Bestimmung des frank­furter Ortsstatuts über die Sonntaasrube für rngiltig erklärt. Oberhalb der Station Kurve bei Wiesbaden ereignete sich ein Eisenbghnunfall, indem eine Maschine auf eine andere Ma­schine mit Güterwagen mit voller Wucht anffuhr. Zwei Ma- schinenbedicnstete wurden erheblich verlebt. Der Materialschaden ist b deutend Di' Geleise waren gesperrt und mußten durch den schleunigst requirierten Rettungswagen flott gemacht werden,, was zu Vetriebsßörungl'n des Güterverkehrs, führte. Behufs Sicher­ung tunlichster Einheit i.f: feit der landesbehördlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des T v p h u s in dem Regierungsbezirk Trier, im Fürstentum Birkenfeld und in Unter-Elsaß und Lothringen berief der Reichskanzler den preußischen Geh. Regierungsrat Schn"ider zum Rci bskommissar für die Bekämpfung des Typhus im Südwesten des Reichs. Als sein Tiensffih ist bis auf weiteres Saarbrücken bestimmt. Am 17. brannte in Bamberg ein Bahnwärterhäuschen nieder. Der frank im Bette liegende Bahn­wärter und sein 16 jähriger Sohn kamen in den Flammen um. Zwei andere Kinder und seine Ehefrau erlitten erhebliche Verletzungen. In Berlin starb die Kammersängerin Frau Anna S a ch s e - o fm e i st e r, früher Mitglied des Königl. Opernhauses. Der D-Zug Nr. 21 München-Berlin fuhr in der Nacht bei der Station Wiesau auf einen rangierenden Güter­zug Personen wurden nicht verhetzt. Mehrere Güterwagen wur­den nicht unbedeutend beschädigt. Der Schnellzug hatte eine zweistündige Verspätung. In Odessa verhaftete die Poli­zei eine 14 köpfige Mädchenhändler-Bande, an deren Spitze ein gewisser Abramowski stand. In den beiden letzten Jahren hatte sie über 300 Mädchen nach der Türkei und Indien verkuppelt. In S t. Louis wurde an einsamer Stelle der Welt-Ausstellung der Zug der Miniatur-Bahn von maskierten Räubern angehalten und von den Mit- fahrendl'N drei Passoaier'' total ai'saeranbt.

j'tunlt und Zöliienjchaft.

Aus Kischinew wird gemeldet, der Elektrotechniker Niemzow habe bei dem gleichzeitigen Telegraphieren von stoct Erteil auf einer Leitung mit dem Hnghes- Apvarate eine bedeutsameVervollkommnung crfuitbi'tt. Bei der Anwendung des Systems Niemzows funktionierten die Apparate unabhängig von einander, wie auf zwei gesonderten Leitungen Die Schnelligkeit der Uebergabe sei bis zu 200 De­peschen in der Stunde. Die Versuche zwischen Odessa und Kpchi- itcm er.vßm.

Pcnnücbur»

* Petersburg, 17. Nov. An der hiesigen Univer­sität gährt e§ seit einigen Wochen wieder. Die Bewegung begann, weil sich ein Student des Technologischen Instituts im Untersuchungsgefängnis erhängte. Obwohl etn hinter­lassener Brief Lebensüberdruß als Motiv des Selbstmordes angab, glaubt die studierende Jugend, daß qualvolle Behandlung den Studenten in den Tod getrieben habe. Verschiedene Demonstrationen teils vor der Kasanschen Kathe­drale, teils auf dem N?wski-Prospekt verliefen harmlos. Die Polizei redete den Studenten gütlich zu und erreichte damit den erwünschten Zweck. Die Studenten-Versammlungen gingen wieder auseinander. In der letzten Zeit wurden jedoch in den Hörsälen zahlreich besuchte Versammlungen ab-

eAK9 Htaöt und Land.

Gießen, den 18. November 1904.

Heber Radium hielt in der Sitzung der Ober- hessischen Gesellschaft vom 15. November Pros. Dr. Drude einen Vortrag. Er sprach zunächst von der Geschichte der Entdeckung, die an die Namen H. Becquerel und Curie geknüpft ist, und von der Herstellung des Radium, um die sich besonders Fr. Giesel verdient macht. Als Eigenschaften des Radiums wurden genannt und teilweise demonstriert: a) photographische Wirkung burch Papier und Holz hindurch, b) Fluorescenzwirkung, c) die Fähigkeit, Luft und andere Gase zu schwachen Leitern der Elektrizität zu machen, d) fort­dauernde Erzeugung von Wärme, e) physiologische Wirkungen ^Hautentzündung, Reduktion von Wucherungen bei Krebs und Lupus), f) Uebertragung der Radioaktivität auf benachbarte oder in gleicher Lösung befindliche Stoffe. Diese Eigenschaften entstehen durch Aussendung einer Emanation (Gas) des Radiums, sowie durch drei verschiedene Arten Strahlungen ise-Strahlen: fortgeschleuderte Teilchen mit positiver Ladung, ß-Strahlen: Teilchen mit negativer Ladung (Elektronen), I-Strahlen, ohne elektrische Ladung (Röntgen-Strahlen). Die Eigenschaften und die ganze Energiequelle derselben erklärt sich durch langsamen Zerfall des Radium-AtomS, wie neuer­dings einerseits durch Aenderungen des Spektrums bewiesen wird. (Das Radium-Spektrum verwandelt sich, wie Ramsay entdeckte, nach Monaten in das Helium-Spektrum), andern- seits durch stufenweis verschiedene zeitliche Blenderungen, die in der Intensität der ß-, ^-Strahlen bei frischen Radium- Präparaten beobachtet sind. Da die vorn Radium aus­gesandten ß-Strahlen-Konstanten besitzen, wie die Elektronen der Kathoden-Strahlen, so stütze die Radiumforschung die Elektronenlehre, nach der alle Stoffe aus den gleichen Ur­atomen (Elektronen) aufgebaut sind. Das Radium kommt in der ganzen Erdrinde in schwachen Spuren vor, daher hat man es auch in juvenilen Gewässern sz. B. Karlsbad, Nau­heim) gesunden. Es verursacht mindestens teilweise die Er­scheinungen dec Gewitter-Elektrizität, vielleicht auch die Erd­wärme und spielt vielleicht eine große Nolle bei der Heil­wirkung der Bäder.

DerNaubmord inHeldenbergen. Aus Helden- sergen wird mitgeteilt: Noch immer ist der Mörder des Pfarrers Thöbes nicht entdeckt. Die verschiedenen Spuren haben nicht zum Ziel geführt, und die der Tat Verdächtigen sind mied'?, in Freiheit gesetzt worden. Augenblicklich be­schränkt sich die Untersuchung darauf, einen Mann ausfindig

Bier! (Sognac! Gnadauer Bretzel! schreit der Piccolo aus dem Bahnsteig !Hol's der Kuckuck", brummt ein total erkälteter Herr,wenn der Kerl jetzt statt Vw derächten Gnadauer" dieächten Fay's Sodener" hätte, ich gäb ihm dreifachen Lohn dafür! Ich reise sonst nie ohne Fay's Sodener Mineral-Pastillen, heute aber hab' ich sie 4^ vergessen und nun bin ich dem Einfluß des zugigen, kalten Eonpös hilflos preisgegebcn. Aber das soll mir eine War H nung sein: Die Fay's Sodener kommmen mir nicht mehr Hk aus der Tasche. Für 85 Psg. überall erhältlich. Vor Nach- 'v"v' ahmungen wird gewarnt. hv19/»

zu machen, der am SamStag morgen um 6 Uhr im Graben in der Nähe von Heldenbergen seine anscheinend blutigen Hände gewaschen hat. Der Vorgang wurde durch Bahndammarbeiter im Halbdunkel beobachtet, dürfte aber auch der Staatsanwaltschaft wenig Anhalt bieten. Es ist nunmehr festgestellt worden, daß nicht nur 100 oder 200, andern über 1 000 Mk. in Var geraubt worden sind. Eine V ost karte wurde noch aufgefunden, die der Ermordete am Freitag geschrieben aber nicht abgesandt hat. Darin teilte er einem benachbarten Geistlichen mit, daß er 1000 Mk. zur Verwendung für wohltätige Zwecke erhalten habe. Diese Summe ist also geraubt worden. Von der Beerdigung des Pfarrers erfährt dieKl. Pr." noch, daß in dem Leicheu- kondukt über siebzig Geistliche im Ornat teilgenommen haben. Zu Hunderten folgte die trauernde Gemeinde. Weißgekleidete Mädchen mit Kerzen, Blumen und Kränzen schritten zu beiden Seiten des Sarges, dem sämtliche Vereine des Ortes mit umflorten Fahnen folgten.

Gartenbau - AuSstellung inDarmstadt 1905. Die Dauer der geplanten Ausstellung wurde definitiv auf 3 Wochen und zwar vom 19. August bis 10. September sesl- gelegt. Die Darmstädter Künstlerkolonie wird sich in aus­gedehntem Maße an der Ausstellung beteiligen. Die Tätigkeit der Kolonie soll sich erstrecken auf Gegenstände, die in Gärten aufgestellt werden, auf Gartenmübel, Einfassungen, Tore und Umzäumungen, gepflasterte Gartenwege und dergleichen mehr. Unter anderem wird der für den Großherzog bestimmte Nar­zißbrunnen von L. Habich ausgestellt werden. Eine Terrasse wird der Künstlerkolnie und den Gartenarchitekten zur Anlage von MusterhauSgärten zur Verfügung stehen. Ten Abschluß der Ausstellung nach hinten soll ein architektonischer Aufbau, der ein (Safe enthalten wird, bilden. Das Organeriehaus wird das Repräsentationshaus werden.

§ Lollar, 16. Nov. Am verflossenen Montag trafen zufällig verschiedene Herren im GasthausZur Germania" zusammen, wobei iin Laufe deS GcsprächtS von einem der Anwesenden der Vorschlag gemacht wurde, eine Bürger­gesellschaft ins Leben zu rufen, die ein Bedürfnis sei. Die sämtlichen Anivesenden gingen sogleich auf diesen Vor­schlag ein und konstituierten den Verein, der eine beträchtliche Mitgliederzahl finden wird.

h. Reichelsheim, 17. Nov. Am Sonntag dem 20. November, nachmittags 4 Uhr wird Oberbergrat Profeffor Dr. CheliuS aus Darmstadt, einer Einladung des OrtS- gewerbevereinS Folge leistend, im Saale deS GasthausesZur Post" einen Vortrag halten über: Geologie und Geographie der Wetterau, unter besonderer Berücksichtigung der Umgebung von Reichelsheim und deS Braunkohlenbergbaues."

Gegenteil, man hofft von dem sozialistischen MstqNede des Kabinets, daß es ihm gelingen werde, da? Interesse der Re­publik mit der Disziplin im Heere zum Vorteil beider zu einer machtvollen Einheit zusammenzuschweißen.

Der Erfolg bleibt abzuwarten.

Die Offiziere, welche Mitglieder deS Kabinets deS Kriegs- Ministers Andrö ivnren und von dem neuen Kriegsminister zu ihren Regimentern entlassen wurden, sind sämtlich in ihrem Rang befördert worden. Der neue Chef deS Zivilkabinets, Barreln, Anwalt des AppellationsgerichtshoseS, ist ein sehr eifriger Mitarbeiter Verteaux'.

Die Agents de Ehance der Pariser Börse übernalnncn für die Dauer der Ministerschaft ihres Kollegen Berteaux dessen Obliegenheiten als Wechselagent, sodaß Berte aux nach seinem einstigen Ausscheiden aus dem Kabinett seine Geschäfte an der Börse wieder austrehmen kann. Berteaux wiN das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit so rasch durchbringen, daß die nächstjährigen Rekruten schon davon profitieren s.ollen.

Die Lage bleibt sehr verworren und ist durch Andres Opferung nicht geklärt worden. Die Klerikalen legen die Waffen nicht nieder, sondern sie betrachten das ihnen ge­machte große Zugeständnis der Ausschiffung Andres als Schwäche, die sie anspornt, ihren Vorteil mit verdoppeltem Kampseseifer zu verfolgen.

Wahlrecht nach Berufsständen.

Eine Flugschrift aus den Kreisen des Zentrums beweist, hort der Gedanke eines Wahlrechts nach Berufsüc.nden an >en gewinnt. Wir beschränken uns darauf,, die Sätze mitzu­teilen, mit denen die beachtenswerte Flugschrift schließt:

Ter auf dem Parteiwesen sich auf bauen Dc Parlamentaris­mus hat sich zu einem politischen und sozialen Unglück des 19. und des begonnenen 20 Jahrhunderts entwickelt. Frankreich und Spanien, Italien und Oesterreich zeigen das dem optimistisch­sten Parlaments- und Parteifanatiker. Die modernen Parlamente führen zur inneren Auflösung der modernen Staaten. Möge diese Erkenntnis trotz Porteipressc und Parteivhrase aufdämmern! Möge es der Mittagshöhe oder dem ?lbend des 20 Jahrhunderts beschieden sein, eine auf den organisierten Berufsständen aus­gebaute, eine naturgemäße Vertretung der Gci'ellschaft zu schauen! Nur die sozial und förderalistische Vertretung der Gesellschaft wird die kommende Despotie und Anarchie überwinden; nur so­ziale, nickt rein politische Institute haben die Bürgschaft der Dauer. Sie werden bestehen, solange das Fundament des sozialen Baues und dessen gesunde Glieder, na nicht angetastet werden: das Fundament der Religion, die Gliederung, in welcher nicht der dpegenm^ von Arm und Reich, sondern der Mittelstand vorherrsch t."

KirÄliÄ- Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

2 5. Sonntag nachTrinitatis, 5 e n 2 0. November:

Totensonntag.

Gedächtnisfeier für die Verstorbenen, chottcsdieng.

In der Stadtkirche.

Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer D. Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.

Pfarrer Euler.

Nachmittags 2V, Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeindk.

Pfarrer D. Schlosser.

Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthänsgemeinde. ,

Donnerstag, den 24. November, abends 8 Uhr, nn Matthäus- Gemeindesaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Psalm 111.

Psan'er D. Schlosser.

Freitag, den 25. November, vormittags 9V, Uhr: Festgottes. dienst zur Feier des Geblirtstages Sr. Kgl. Hoheit des Groß­herzogs, für Militär- und Zivilgemeinde gemeinsam.

Pfarrer Euler.

Nächsten Sonntag, den 27. November, am 1. Advent, findet Beichte und 'Abendmahl für Matthäus» und Markusgemeinde tm Vormittaqsgottesdienst statt. Weitere Abendmahlsfeiern werden gehalten werden: am 2. Advent für die Markusgemeinde, am 3. Advent für die Matthä usge ni e inde , jedesmal un Abendgottesdienst, wozu besonders auch die konfirmierte ^ugeno jeder Gemeinde eingeladen wird. , . .

Zu sämtlichen Abendmahlen wird Anmeldung bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johanneskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrassistent Schulz.

Vormittags 11 Uhr: KindcrgotteSdicnst ur d,° Johanne?, gemeinde.

Abend? 5 Uhr: Ptarrer Euler. Lüurgllche Andacht.

Montag, den 21. November, abends 8 Uhr: Btbelstnnde tm Konfirmandensaale der Johanneskirche.

1 Pfarrasfistent Schulz.

Näckstfolgenden Sonntag, den 1. Advent: Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannevgememde un Vor­mittagsgottesdienst. Anmeldungen vorher bet dem Pfarrer jeher Wemciiibc nac^ allen Gottesdiensten Kollekte für di«

^trCt)Weitere Abendmahlsfeiekn finden statt: Sonntag, 2.Advent, 4 Dezember, für die Lukasgemeinde; Sonntag, 3. Advent 1'1 Dezember für die Iohannesgemeinde, jedesmal im Abend­gottesdienst ' Zu diesen Abendmahlsfeiern werden die Neu- konsirinierten aus den letzten Jghren besonders eingeladen.

wie im vorigen Jahre, so werden auch in diesem Jahrd Montag den 21., Dienstag, den 22., und Mittwoch, den 23. No­vember 'vormittags von 111 Uhr und nachmittags von 2 bis 4 Uhr 'im Konfirmandensaal der Johanneskirche armenische Stickereien meist kleinere Sachenzum Besten der Orient­mission zum Verkauf ausgestellt.

Wir laden herzlichst dazu ein.

Dr. N a u m a n n. v. S ch l o s s e r. Euler. Schwabe.

In bet Friedhofskapelle.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Insubordination.

W. Gießen, 17. Novcnrber.

Wegen einer schweren Insubordination stand vorgestern der fünf Jahre bei d:r Wasse dienende Zahlmeister- Aspirant, Unteroffizier Karl Wischmann von der Leibkompagnze des 115. Jnf.-Rcgts. vor dem diesigen Kriegsgericht. Wischmann, welcher seinerzeit bei den Manövern, in Gießen in Ouartier.lag, betrat in der Nacht vom 2 auf den 3. September die Weinstube Zur Ludwigsburg" hier, in welcher sich mehrere Offiziere des 168. Jnf.-Negts. befanden. Wischmaml, welcher sich in stark angetrunkenem Zustande befand, war in Begleitung seines Bru­ders, der als Sergeant bei den 168 ent dient und eines Unter­offiziers dieses Regiments. Während nun die beiden Kameraden die Vorgesetzten ordnungsmäßig grüßten, unterließ der 115 er dies und führte, nachdem er in der Weinstube Platz genommen hatte, Redensarten, welche im höchsten Grade selbst anderen Gästen gegenüber unpassend gewesen wären. Obgleich die Worte des Trunkenen für die Offiziere beleidigend waren, nahmen bicfe doch davon anfänglich keine Notiz. Ta betrat ein Offizier des 116 Inf. Regts. die Weinstube und war höchlichst , erstaunt, das; die drei Untergebenen, welche bei der zweiten Flasche Wein an- gekommcn waren, bei seinem Eintritt nicht aufstanden, um Uyn zu grüßen. Ironisch wandte c: sich an die drei Unteroffiziere mit dem Bemerken, sie könnten ruhig sitzen bleiben. Einer der Offiziere verließ, um dem Skandal ein Ende zu machen, btc Wirtschaft nach dem Hofe zu, gab dabei einem der Begleiter des Trunkenen einen Wink, ihm zu folgen und suchte diesen draußen zu veranlassen, den Mann in sein Ouartier zu ichafscn. Doch lsterdurch gereizt, erging sich dieser erneut in Beleidigimgen gegen die Vorgesetzten, er bezeichnete sie mitdiese Bande, Lum­pen" usw. und stieß dabei Drohungen mitkaltmachen" aus. Als man schließlich den Mann auf der Straße hatte, wütete er vor dem Hause der Ludwigsburg mit dem gezogenen Seiten­gewehr ,. n z

Ter Angeklagte behauptet vor Gericht, cr jei am 2. Sept- derartig sinnlos betrunken gewesen, daß er nicht gewußt habe, was er tat; er will weder wissen, daß er an ienem Abend in der Ludwigsburg gewesen ist, noch daß er dort Offiziere angetroffen hat. Seine beiden Begleiter an jenem Abend erklären als Zeugen, sie hätten den Angeklagten damals auf der Straße im Streit mtt Zivilisten getroffen; er sei schwer betrunken gewesen, und um ihn von der Straße wegzubekommen, hätten sie mit ihm die Lud­wigsburg betreten, dessen dort geführte Redensarten und wüste Drohungen nach ihrer Ansicht sich nicht auf die in der Wein­stube anwesenden Offiziere bezogen hätten, sondern jenen Zivi­listen, mit denen der Angeklagte Wifchmann vorher auf der Straße streit hatte. Tie weitere Beweisaufnahme ergab aber, daß mit den Drohungen und Beleidigungen niemand anders gemeint sein konnte, als die Offiziere, und daß besonders nach der Bekundung des Inhabers der Lndtvigsburg und dem Fräulein, welches dort die Gäste bedient, der Angeklagte an jenem Abend nickst so sinnlos betrunken war, wie er glauben machen will, denn er konnte u. a. noch nach der Weinkarte die Sorte bestellen, welche getrunken wurde, und war imstande, ohne Schwierigkeit Zahlung zu leisten. Nach der Bekundung von zwei Schutzleuten war der Angeklagte allerdings, als er die Ludwigsburg verlassen hatte, sinnlos be­trunken, und wußte nickst mehr, was er tat. Ter Gerichtshof er­kannte gegen den Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monate und Degradation. In der Vewezs- aufnabme sei dargetan, daß von einem Zustand der BewM- losigkcit bei dem Unteroffizier Wischmann bei Begehung der Tat nicht die Rede sein könne, weshalb Bestrafung zu erfolgen habe. Ter Vertreter der Llnklage hatte ein Strafmaß von 1 Jahr 6 Monate und 14 Tage Gesänonis beantragt.

Berlin, 17. Nov Tie Leitung der physikalisch-tech» Nischen Reichsanstalt, von der Prof. Kohlrausch zurück- qctreten ist, wurde Prof. Warburg, dem Ordinarius für Ex- p.n-imental-Phnsik an der Universität Berlin, angeboten. Prof. Warburg hat sich über die Annahme der Berufung aber noch nicht entschieden. Dem Professor Arrhenius in Stockholm wurde ein Ordinariat für kosmische Physik an der Universität 'iFi'rliu aitaefmteu

Handel und Kerkeljr. Dolkswirrschast

Hibernia-Gescllschaft Schon in den nächsten Wochen wird dem preußischen Abgeordnetenhaus die Vorlage betr. den Ankauf von Aktien der Hibetsiia-Gesellschaft durch den Staat zugeb-'u Tie Bortow" jst <mn? aus^earbeitet.