besetzt und fit gut befestigt. TuS gesamte Gelände kannten sie VorsMicb, hxr> ran den Russen nicht gesagt werden kann.
Zum Rückzüge d e r R u s s e n ü b e r d e n H u n f s u 6 wird von einem französischen Berichterstatter mitgetcilt: Tie Kanonade dauerte Tag nnd Nacht fort. Bon jener X)öbe gesellen, wo sich Kilwr^rtkinö Generalstab mit den fremden MilitärattacheeS befand, nxir der Anblick des Schlachtfeldes überwältigend. Namentlich zur Rechten. u*o ringö u m b r e n n e n de Dörfer aufflammten und jeder Zollbreit Boden i in furchtbarsten Nahkampf verteidigt wurde. Am 14. b. M. abends! n»aren nach heftigem Gewittei-regen alle nordwärts silbrenden Wege durchweicht, wodurch der Beginn des Rückzugs der Russen erbeblicü erschn»ert wurde. In Kuropatkins .'oauptguartier glaubte man am 9lbend des 15. d. M., da st die russische Zentrumsarmee einen grosten Er-solg errungen babe und erklärte damit das Schwingen der angeblich zur Hilfe Okus entsandten Artillerie der Armee Kurokis. Aber die Täuschung dauerte nicht langes noch am selben Alwnd wurden alle von dem russischen rechten Flügel errungenen Positionen aufgegeben.
Japanische Berichte.
Tokio, 16. Okt. (Reuter.) Ein am späten Llbend eingegangenes Telegramm aus dem Hauptguartier der Mandschureiarmee berichtet: Ter Kampf auf der Front der rechten und der mittleren Armee ist eingestellt. Bei der linken Armee dagegen wird n o cf) heftig gekämpft. Tie Japaner unter General Bamaoa baben bei einem Angriffe auf die Höhen von Santaokangtsu in der Nacht des 10. Oktober einGefchü U und zwei M u n i ti o n s w a g e n erbe u 1 e t. Nock immer treffen Berichte ein über die japanischen Verluste. Tie Zentrnmskolonne der linken Armee erlitt seit dem 12. Oktober einen Verlust von 5 toten und 20 verwundeten Offizieren: am 12. Oktober verlor sie 250 M ann. Wie grost der Verlust an Mannschaften seit dem 12. Oktober ist, wird untersucht. Tie reckte Kolonne der linken Armee Patte am 14. Oktober einen Offizier t o_t u n b^l5 v erwu n d et, sowie an Mannschaften einen Verlust von 500 Toten iu nd Verwundeten. Tie linke Kolonne verlor 7 Offiziere, 20 verwun bet, austerdem 750 Mann getötet oder verwundet.
Tokio, 17. Okt. (Reuter.') Wie verlautet, hat daS Bataillon des Majors Takackima gestern bei Kancksatzu 14 Geschütze erbeutet. Tie Zahl d.'r von der Zentrumsarmee seit dem 14. Oktober erbeuteten Kanonen beträgt somit 34.
London, 17. Okt. Ter ..Times" irnrb aus Tokio von gestern gemeldet, der Mikado habe der Mandschurisck-en Armee seinen warmen Tank für ihre Haltung in den letzten Kämpfen ausgesprochen.
Lo ndon, 17. Okt. Reuter meldet vom 15. Okt.. von der Armee General Okus: Tie Russen zogen sich gestern nacht von allen Stellungen zur ü ck mit Ausnahme des äußersten reckten Flügels, wo sie, westlich der Eisenbahn, verzweifelten Widerstand leisteten. Um Mitternacht machten die Russen einen heftigen Angriff auf die vordersten japanischen Truppen, wurden aber unter schweren Verlusten z u r ü ck g e s chl a- gen. Bei Tagesanbruch wiederholten sie den Angriff, aber wieder erfolglos: jetzt ziehen sie fick zurück. .Eineinhalb Tivifionen waren nn Gefecht. 1500 tote Russen wurden in den letzten vier Tagen vor dem linken Flügel und dem Zentrum der Armee General Okus gezählt.
DaS baltische Geschwader.
Fakkebjerg (Langeland, 17. Okt. Tas russische baUtfdK Geschwader ist heute früh 6 Uhr 30 Min. in Sicht gekommen und hat um 6 Uhr 45 Min. die Süd spitze von Langeland passiert. Gezählt wurden 24 Schiffe. Ter dänische. Kreuzer „Heimdahl" tauschte Salut mit dem russischen Admiralschiff und ging darauf mit den russischen Schiffen nordwärts.
Deutsches Neich.
Berlin, 17. Okt. In Verbindung mit Angaben über eine für das kommende Frühjahr geplante Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms tauchen in französischen und englischen Blättern allerlei Ausstreuungen auf, nach denen die deutsche Politik beim Vatikan für eine Verbesserung der Beziehungen Italiens zur Kurie besondere Geschäftigkeit entfalte. Nach der „Köln. Ztg." ist an allen diesen Erzählungen kein wahres Wort.
— JameS Simon, Chef des Berliner Handelshauses Gebrüder Simon, soll, nach dem „Kl. Journ.", zum Mit- gliede des Herrenhauses ernannt worden sein. James Simon, seines Glaubens Israelit, hat mannichfaltige Kunstwerke im Werte von IV,—13/4 Millionen für das morgen ;u eröffnende Kaiser Friedrich-Museum geschenkt. Zugleich ist er Inhaber cmes reichen Handelshauses für Baumwolle. Man weiß nicht, welcher dieser Betätigung er seine Berufung ins Herrenhaus verdankt. Die Firma soll wch in Gunst stehen bei demVizeadlniral Hollmann von der Asiatischen Gesellschaft, der häufig in der Umgebung des Kaisers weilt. In einem ganz intimen Kreise soll das Gerücht von der Berufung Simons in§ Herrenhaus schon vor einigen Monaten zirkuliert haben. „Ein neues Zeitalter klopft an die Tore des Hauses der Herren", sagt der „Vorwärts^.
— Ter König von Preußen versetzte die Gebrüder Marimilian Guilleaume, Kommerzienrat in Köln a. Rh., und Arnold Guilleaume ebenda in den erblichen Adelst and.
— Verhandlungen über Lotteriegemeinschaften soll Preußen nach einer hiesigen Korrespondenz, wie mit Hessen, auch mit anderen Staaten begonnen haben. Ter Widerstand gegen unleugbare Vorteile, die aber nur auf Kosten der Selbständigkeit der betreffenden Einzelstaaten in diesem Punkte möglich sind, ist bei vielen Leuten natürlich groß. Aber er dürfte, wie die „Tägl. Rundsch." meint, nicht so ungeschickt begründet werden, wie in einer süddeutschen Korrespondenz, die auf die uugewisse Zukunft eines „Heeres" von Privatkollekteuren und die Schädigung der Druckereien und Papierfabrikanten hinweift. Zum größten Teil werden sich jene Kollekteure wohl von dem verbotenen Import nach Preußen genährt haben, und werden jetzt, nach Erlaß des preußischen Lotteriegesetzes, so wie so das Schicksal ihrer Strelitzer Kollegen teilen müssen.
— Dem „Rybniker Stadtblatte" zufolge will Rechtsanwalt Falt in sein Mandat als Reichstags- und Landtagsabgeordneter niederlegen.
— Der sozialdemokratische Reichstagsab g. für Kalbe—Aschersleben Albert Schmidt aus Magdeburg, hat sich nach einer Meldung aus Bielefeld gestern nachmittag m einem Anfalle von Geistesumnachtung von einem Zuge bei Bielefeld überfahren lassen. Er war sofort tot. Schmidt, der erst im 47. Lebensjahre stand, hat dem Reichstag von 1890 bis 1900 angehört, in welchem Jahre ihm auf Grund einer Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung das Mandat aberkannt wurde. Bei den Neuwahlen im vorigen Jahre kandidierte er im Wahlkreis Kalbe—Aschersleben, den er schon 1898 bis 1900 vertreten hatte, und es gelang ihm, denselben den Nationalliberalen, bte ihn im Jahre 1900 erobert hatten, wieder abzunehmen. Nunmehr wird wohl abermals ein heißer Kampf um diesen
Wahlkreis, in dem sich Sozialdemokraten und Nationalliberale so ziemlich die Wage halten, entbrennen.
Oldenburg, 17. Okt. Der Landtag nahm die Vorlage betreffend die Thronfolge in zweiter Lesung ein- stimmig an.
Düren, 17. Okt. Zur Wiederherstellung der teilweise ein gestürzten Ruine Niedegger erhielt der Kreistag ein kaiserliches Gnadengeschenk von 15000 Mk.
Kolonialpüst.
Antwerpen, 17. Okt. Der hier eingetroffene Dampfer „Leopoldsville" bringt folgende Nachrichten mit: Der Eisenbahnbau bei den großen Seen mache schnelle Fortschritte. Die Vorarbeiten sind auf eine Länge von 85 Kilometer, die Erdarbeiien ans 56 Kilometer und die Schienenlegung auf 26 Kilometer gediehen. Der vom König mit einer Mission betraute Major Malfeyt befindet sich im Bessiragebiet und hat verschiedene englische Missionare zur Anzeige gebracht, die Handel treiben. — Im französischen Kongo- gebiet sind bei den letzten Unruhen 7 Weiße ermordet worden._________________________________________________
Keer und Flotte.
Berlin, 17. Okt. Das Liebesmahl der Offiziere des EhinafeldzugeS fand heute abend wie alljährlich statt. Generalleutnant von Gayl brachte das Hoch auf den Kaiser aus und gedachte dem Heimgange des Königs von Sachsen. Den zehn Offizieren, die gegen die Hereros gefallen sind, wurde ein Nachruf gewidmet.
Hamburg, 17. Okt. Mit dem Dampfer „Hans Wörmann" ist gestern abend 8 Uhr 30 Min. ein Truppen- und Pferdetransport nach Deutsch-Süd west a frika abgegangen. Zur Verabschiedung von den Truppen waren der kommandierende General bcS 9. Armeekorps v. Bock und Polach, der Kommandant von Altona, Generalmajor v. Versen und der Kommandeur der 33. Jnfanteriebrigade, Generalmajor v. Gröben, erschienen.__________________________________
Ausland.
Madrid, 17. Okt. Die Prinzessin von Asturien wurde gestern von einer Tochter entbunden. Heute nachmittag ist sie gestorben. Der Tod stellte sich infolge Herzschlags ein. Ihre Entbindung trat infolge einer Darmerkrankung vorzeitig ein. (Die Prinzessin, geb. 1880, war seit 1901 mit dem Prinzen Karl von Bourbon-Sizilien vermählt. Sie war die älteste Schwester de§ jungen Königs von Spanien. D. Red.)
Basel, 17. Okt. Die „Bas. Ztg." hat gerügt, daß die internationale Vereinigung für gesehlichenArbeiter- schutz eine Eingabe an den BundeSrat gerichtet habe, worin gewünscht wird, daß auch der Heilige Stuhl zu der nächstes Jahr in Bern stattfindenden internationalen Staatenkonferenz für Arbeiterschutz eingeladen werden möge. Die „Nat.-Ztg." berichtigt nun diese Meldung dahin, eine Einladung des Heiligen Stuhles sei nicht geplant; nur Industriestaaten würden zu der Konferenz eingeladen werden.
Mährisch-Ostrau, 17. Okt. Gestern vormittag sand eine von dem Redakteur ProkeS einberufene sozialdemokratische Versammlung statt, an der 2700 Personen teilnahmen. ProkeS wollte von der Rampe deS „deutschen Hauses* eine Rede halten, wurde jedoch von einem Manne von der Rampe gestoßen und trug eine leichte Verletzung davon. Tie Menge, die darüber so erbittert war, daß sie daS „deutsche HauS" zu stürmen versuchte, wurde von der Sicherheitßwache daran gehindert und später zerstreut.
Ans Slaöt und Land.
Gießen, den 18. Oktober 1904.
* * Beleuchtet die HauSgänge und Treppen. Wir verweisen auf eine Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, welche daran erinnert, daß bei der früh eintretenden Dunkelheit die Pflicht der Beleuchtung von Höfen, Gängen, Treppen rc. nicht versäumt werden darf.
* ♦ Konzert-Verein. Wie in dem Inseratenteil ersichtlich ist, findet die öffentliche Verlosung der Sperrsitze am Donnerstag abend im Klubgebäude statt. Noch heute sind, wie uns mitgeteilt wird, eine Anzahl Mitglieder mit ihrer Anmeldung im Rückstände. In deren eigenem Interesse liegt es jetzt, sofort daS Versäumte nachzuholen, da sie sonst an der Verlosung nicht teilnehmen können.
* * Vom alten Schloß. Der Weiterbau des alten Schlosses an der Ecke des Kanzleiberges und des Vrandplatzes ist endlich wieder in Angriff genommen worden. Nachdem vor einigen Tagen die Werksteine für das neue Treppenhaus an der Baustelle eingetroffen sind, waren gestern fleißige Arbeiter dabei, den alten Treppenbau abzureißen. Die Bauarbeit soll nun im Interesse des MuseumS des oberhessischen Geschichtsvereins beschleunigt werden.
* • DerVorstand deS hessischenBauernvereinS hat dem Landtagsabg. Bürgermeister Dr. Frenay (Bensheim), welcher seit dem Tode des Frhm. v. Köth der Rechtsbeistand des Vereins ist, auf seinen Wunsch drei weitere RechtS- beistände an die Seite gegeben. Für Oberhessen Schröder (Friedberg), Rheinhessen Dr. Schrohe (Mainz) und Starkenburg Dr. Sieger (Darmstadt). In manchen Jahren belaufen sich die rechtlichen Slnfragen auf über 2000.
* * Die Gießener Viehmärkte. Herr I. Lorsch, der Vorsitzende des Oberhess. Viehhändlervereins, schreibt uns: „Sie teilen in Ihrem Blatte vom 12. Oktober im Abschnitt „Märkte" mit, daß ich auf dem am 11. Oktober stattgehabten Viehmarkte umhergegangen sei und nach Kühen mit gespanntem Eiter ausgesehen habe, wobei ich die betr. Händler hätte aufschreiben wollen. Ich hätte dadurch einen Auflauf verursacht, der durch Schutzleute aufgelöst worden sei. Diese Behauptungen sind unrichtig. Ich hatte an jenem Tage mit zwei Kollegen vom Vorstand des „Oberhess. Viehhändler- uereinS" in Gießen anderweitig zu tun und nahm die Gelegenheit wahr, mit diesen einmal auf den Markt zu gehen. Dabei bemerkten wir, daß Händler Vieh aufgetrieben hatten, die als Mitunterzeichner der bekannten Resolution hierzu nicht berechtigt waren. Diese wurden darauf aufmerksam gemacht, daß sie die Konventionalstrafe von 100 Mk. verwirkt hätten und daß man pflichtgemäß ihre Namen deshalb notieren werde. Es fiel hierbei von feiten meiner Kollegen und von
mir im Hinblick auf die gespannten Euter der von jenen Händlern aufgetriebenen Kühe die Bemerkung, daß ihnen recht geschehen würde, wenn die Polizei sie zur Anzeige brächte. Die Polizei hatte, wie wir darauf hörten, dies in der Tat bereits getan. (Nach unseren Erkundigungen sind solche polizeilichen Anzeigen auf dem letzten Markt nicht erfolgt. D. Red.) Ich habe ferner keinerlei Auflauf verursacht. Vielmehr kam ich an einem solchen vorbei, als ich den Markt verlassen wollte; dort hatten nämlich zwei andere Handelsleute einen Disput über eine Kuh." — Soweit Hr. Lorsch. Wir hatten bei der Veröffentlichung der fragt. Notiz keinen Zweifel an ihrer Wahrheit, da eine Mitteilung von anderer Seite gleichzeitig uns zugegangen war, wonach sogar eine Kommission von Viehhändlern gegründet worden sei, die die Aufgabe habe, eine Art Kontrolle Über die Befolgung der bekannten Polizeiverordnung vorzunehmen und Zuwiderhandelnde Viehhändler zur Anzeige zu bringen. Die beiden uns zugegangenen Mitteilungen standen in keinerlei Beziehungen zu einander.
m. Friedberg, 18. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Der Kellner Röse von hier, der zurzeit stellenlos ist, hat aus Liebeskummer zwei Schüsse auf sich abgefeuert. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.
□ Bleichenbach, 17. Okt. Ein hiesiges Dienstmädchen, Adelheid Bickel, mußte heute wegen Geistesstörung in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Tie Kranke bedrohte ihre Mutter, schloß sie in die Stube ein und ging davon. In früheren Stellungen benahm sich das Mädchen ebenfalls sehr auffällig. Sie ging gutwillig mit dem Polizeidiener nach Gießen.
R. B. Darmstadt, 17. Okt. Hier tagte heute die Jahresversammlung der Hessischen Missionskon- f e r e n z, an der sämtliche Mitglieder des Obertonsistoriums teilnahmen. Pfarrer R ö m h e l d - Pfungstadt begrüßte die Teilnehmer und sprach besonders den Herren vom Ober- wnsistorium Dank für ihr Erscheinen aus. Dann wurde an Stelle des Landgerichtsrats Dr. Kolb Pfarrer a. D. Lepdhecker- Auerbach einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Dieser nahm die Wahl mit Dank an und versprach, nach Kräften die Missionsarbeit, die eine Geduldarbeit sei, fördern zu helfen. Aus dem dann vom Pfarrer RömH eld erstatteten Jahresbericht war zu ersehen, daß die Sache der Mission auch im verflossenen Jahre in günstiger Weise vorwärts geschritten ist. Missionsdirektor Dr. Buchner- Herrenbut hielt darauf einen längeren, interessanten Vortrag üoer das Thema: „Mit welchen besonderen Schwierigkeiten hat die Missionsarbeit in unserer Zeit zu kämpfen?" Eine der größten liege in der Missionsleitung, früher sei das ziemlich einsa.ch. gewesen, man arbeitete mit einem Budget von 100 000 Mk., während es heute aus zwei Millionen gestiegen sei. Ein diffiziler Punkt sei hier die übertriebene Betonung des Nationalitätsprinzips. Eine weitere Schwierigkeit sei' die vielen erforderlichen finanziellen Mittel aufzubringen, ferner auch der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten, die jetzt nur mühsam in den Missionsschulen mit großem Kostenaufwand heran gebildet würden. Die Mission müsse einen rein religiösen Charakter tragen und sich von aller Politik fern halten. Zum Schluß beklagt der Redner noch die ungenügende Einheit in der evangelischen Mission, die eine festere Geschlossenheit an nehmen müsse und verteidigt besonders die rheinische Mission gegen die von kolonialer Seite über ihre Tätigkeit in den deutschen Kolonien in Afrika. — Dem Vortrag folgte noch ein um> fassendes Referat von Pfarrer Julius R i ch t e r - Schlvane- beck über „Islam und Ehristentum im Kampfe um Afrika." Der Redner schilderte in lebhafter Weise die außerordentlichen Anstrengungen des Islam in Afrika und verteidigte gleichfalls die Haltung der deutschen Mission daselbst. Die Versammlung nahm darauf einstimmig folgende Resolution an: „Die 10. Jahresversammlung der hessischen Missionskonferenz bedauert lebhaft die aus Anlaß des Hereroauf- standes gegenüber der rheinichen Mission erhobenen Vorwürfe. Sie erklärt, daß nach dem vorliegenden verbürgten Tatsachen an dem Patriotismus der deutschen Mission fein Zweifel erlaubt sei, daß sie ihrer Pflicht als Deutsche und als Verkündiger des Evangeliums mit voller Treue nachgekommen sind, daß sie insbesondere alles getan haben, um ihre Pflegebefohlenen vom Aufftande zurückzuhalten und ihre deutschen Landsleute vor den Angriffen zu schützen. Sie muß aber andererseits den Missionen auch das Recht wahren, ebenso im wohlverstandenen Interesse des deutschen Vaterlandes, wie im Namen des Evangeliums gegen notorische Ungerechtigkeiten, die gegen die Eingeborenen begangen werden, freimütig aufzutreten." Im weiteren >Ver- lauf der Beratung wurde noch der Beschluß der Konferenz an den Verband deutscher Missionskonferenzen beschlossen An die Konferenz schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl an. Am Abend fand im Kaisersaal noch em öffentlicher Vortrag des Herrn Dr. Buchner statt über das Thema: „Welchen Dienst leistet die Mission unserem Vaterlandej in den Kolonien^
g Mainz, 17. Okt. Auf der Weisenauerchaussee stieß gestern kurz nach 1 Uhr nachmittags ein unbekanntes Automobil gegen einen Doktor wagen von hier. Der Wagen wurde schwer beschädigt, wahrend der im Innern sitzende Arzt mit dem Schrecken davonkam. DaS Automobil, das an dem Unfall Schuld trug, fuhr eiligst davon.
w. Guntersblum, 17. Okt. Aufregende Szenen spielten sich gestern abend hier ab. Während der Weinlese fehlt es an Arbeitskräften, weshalb unsere Winzer täglich die Handwerksburschen auf der Landstraße zur Arbeit engagieren. Etwa 80 solcher Leute sind gegenwärtig hier beschäftigt. Auch bei dem Spezereiwarenhändler N. waren solche Traubenleser, die während des Tages fleißig dem Weine zugesprochen hatten. Als sie des Abends für ihre Arbeit zu viel verlangten, wurden sie mit ihrem Herrn uneinig. Sie schlugen ihm sämtliche Fenster, auch die Schaufenster seines Geschäftes ein, weshalb der Hausherr in der Notwehr nach seinem Revolver griff und auf die Eindringlinge schoß. Einer wurde von der Kugel in den Kopf getroffen. Er befindet sich in ärztlicher Behandlung und man hofft, ihn am Leben zu erhalten.
w. Frankfurt a. M., 17. Okt. Der 50 Jahre alte Schreinermeister Wilhelm Noll war am Samstag damit beschäftigt, in seinem Hose eine Partie Bretter aufzustappeln, als der B re tte r h a n f en nm fiel und den Mann unter sich begrub. Als man ihn später unter den Brettern hervorzog, war er bereits tot. — Gestern abend stürzte in einem Tanzlokal eine 20 jährige Arbeiterin, als sie in den Hof hinausgehen wollte und hierbei eine falsche Tür öffnete, die Kellertreppe herunter und trug einen schweren Bruch der


