Ausgabe 
18.8.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 193

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Donnerstag 18 Angnft 1904

Giehener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deü Sonntags.

DieGietzener LamiliendlStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische Landwirt* erschetnl monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehe» Umversitätsdrrrckerei. 8L Lange. Diebe»,

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulftr.7.

Tel, Nr. 6L Telegr.-Adr-r Anzeiger Gieß«,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.

Aas Katserpaar in Kameln und AischöeL.

Hameln, 17. Aug. Das Kaiserpaar ist mit dem Prinzen Eitel Friedrich und Oskar und der Prinzessin Vik­toria Luise um 11 Uhr hier eingetroffen. Auf dem Bahn­hof war der Oberpräsident Dr. Wentzel zum Empfange an­wesend. Unter Glockengeläute fuhren die Majestäten in einem offenen Vierspänner ä a Daurnont mit Spitzenreitern nach dem Rathause, wo Bürgerme ister Meyer eine Ansprache hielt, in der er den Dank der Bürgerschaft für den Besuch aussprach. Der Redner legte sodann das Ge­lübde der unerschütterlichen Treue ab und bot dem Kaiser einen Ehrentrunkin dem Pokale der hiesigen Krämerinnung. Der Kaiser erwiderte mit ein er An spr ache. Eine Ehrenjungfrau überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Unter dreifachem donnerndem Hurra setzte sich dann der Aug in Bewegung zur Weserbrücke und dann zum Bahnhose zurück, immer wieder vom Publikum jubelnd begrüßt. Die Majestäten begaben sich sodann im Sonderzug nach Fisch­beck zur Einweihung der neuausgeb auteln Stiftskirche.

Fischbeck, 17. Aug. Auch in Fischbeck waren Ehren­pforten errichtet. Unter Glockengeläute und geleitet von einer Abteilung Ulanen, fuhren die Majestäten nach der Abtei. Der Schirmvogt des Stifts, Graf Men-Linsingen, begrüßte das Kaiserpaar. Die Majestäten umschritten die romanische Stiftskirche und betraten das Gotteshaus. Ge- neralsuperintendent Werner-Kassel hielt die Weiherede und sprach das Weihegebet. In ersterer erinnerte er an die Gründung des Konventes und der Kirche vor 950 Jahren unter Kaiser Otto und wies hin auf den nunmehrigen Neu­ausbau des Gotteshauses durch die Fürsorge edler Frauen; er schloß mit den Bibelversen, welche die Kaiserin in die von ihr gestiftete Altarbibel selbst eingetragen hat: Ps. 77:Ich denke der alten Zeit und der vorigen Jahre" und 1. Joh. 4 : Lasset uns ihn lieben, denn erahnt uns zuerst geliebet". Pastor Heermann-Fischbeck hielt die Festpredigt. Mit Gesang und Gebet schloß die Feier. Nach dem Gottesdienst besich­tigten die Majestäten die Kirche und den alten Kreuzgang, wo alte Urkunden ausgelegt warerx, unter Führung des Leiters des Umbaues, Professor Haupt, und hielten dann einen Cercle in der Abtei ab, wo ein Imbiß bereit stand. Der Kaiser unterzeichnete ein Exemplar der Statuten des freiweltlichen adeligen Damcnstifts Fischbeck, als Schirm­herr des Stifts. Hierauf trug der Hamelner Sängerbund Volkslieder vor. Auf dem Wirtschaftshof standen die am Umbau beteiligten Handwerker im Schurzfell und in mittel- .alterlichem Gewände. Ferner war ein Erntewagen mit Schnitterinnen aufgefahren. Die Abfahrt der Majestäten lerfolgte um iy2 Uhr.

Zur Arage der Aodenenlschuldung

chat der Generalsekretär des Deutschen Landwirtschaftsrats Dr. Dade dem 27. deutschen Juristentage ein Gut- lichten erstattet. Dr. Dade behandelt zunächst auf Grund des statistischen Materials die Frage des Umfangs der land- dvirtschaftlichen Verschuldung. Er kommt dabei zu dem Er- .gebnisse, daß allein in den Jahren von 1895 bis 1901 der Iländliche Grundbesitz in Preußen mit einem weiteren Zehn­tel seines Wertes hypothekarisch belastet worden ist. Die Ihypothekarische Belastung dürfte zu Ende 1901 etwa 40 ojeut des Wertes erreicht haben. Schreitet sie so 'fort wie bisher, so ist zu erwarten, daß sie etwa um 1910 den halben Wert des ländlichen Grundbesitzes absorbiert hat. Tie gesamte Hypothekarverschuldung in Preußen Ende 1901 berechnet Dr. Dade auf rund 9 Milliarden Mark.

Er geht dann zu der Frage über, wie diese starke Ver- sschuldung und ihre bedenkliche Zunahme zu erklären sei. Seit Rodbertus schwört die gesamte Nationalökonomie darauf, baß die Hauptursachc der ländlichen Verschuldung in der Belastung des Besitzes mit Erbabfindungs- und Kauf­geldern beim Besitzwechsel liege. Demgegenüber kommt Dr. Dade zu dem Schlüsse, daß der allgemeine primäre Grund der hypothekarischen Verschuldung des bäuerlichen Be­sitzes in der Rentabilität der landwirtschaft­lichen Produktion liege, daß die sekundären Ursachen, wie Kaufschillinge, Erbabfindungen usw., allgemein nur dann verhängnisvoll werden, wenn die Rentabilität auf längere Zeit gering wird. Es ist, so meint der Verfasser, schlechterdings nicht einzusehen, warum allein der land­

wirtschaftliche Betrieb, im Gegensatz zum kaufmännischen und industriellen, sich mit einer so geringen Rentabilität begnügen soll, daß es dem Besitzer nicht möglich wäre, Barvermögen für die Abfindung der Geschwister zu erwerben oder die eingetragenen Erbgelder wieder zu tilgen.

. Nach dieser Feststellung bespricht Dr. Dade die Organi­sation des Real- und Personalkredits in Deutschland, die Kreditguellen und den Zinsfuß. Nach seinen Untersuch­ungen wird der größte Teil der ländliche Hypotheken bei den Sparkassen mit 4 Proz. und mehr verzinst, während der größte Teil der landwirtschaftlichen Pfandbriefe nur 3.5 und noch weniger Zinsen erfordert.

Zum Schluß wird die Frage der Verschuldungs­grenze erörtert. Ans den ftüheren Darlegungen ergibt sich, daß die Notwendigkeit der Einführung einer Verschuld­ungsgrenze nicht wie bisher begründet werden kann durch die Verschuldung beim Besitzwechsel. Sie kann vielmehr nur noch aus der zweckmäßigen Organisation des R e a l - kredits befürwortet werden, indem die Beleihungsgrenze des Kredittnstituts die Verschuldungsgrenze bilden würde. Eine obligatorische Verschuldungsgrenze beim Klein­besitz würde nach Dades Meinung eine große Zahll streb­samer Menschen aus der gewerblichen und Arbeiterbevölker- ung vom Erwerbe eines Stückes Land ausschließen und wahrscheinlich zur Umwandlung des Kleingrundbesitzes in Großgrundbesitz durch Kapitalisten beitragen, was sozial- tolitisch nicht gebilligt werden könne. Bezüglich der Ver- huldungsgrenze für den bäuerlichen Besitz schlägt er vor, daß von einem bestimmten Zeitpunkte an bei jedem Besitzwechsel eine Hypothekenreinigung in der Weise vorge­nommen werden soll, daß alle sicheren Privathypotheken in unkündbare Tilgungshypotheken eines Kreditinstituts umgewandelt werden, wobei dem neuen Eigentümer die Wahl des Kreditinstituts überlassen bleibt. Die öffentlichen Kreditinstitute sollen verpflichtet sein, bis zu Zweidritteln des Taxwertes Darlehne zu gewähren; darüber hinaus bis zu 80 Prozent des Taxwertes dürfen Darlchne nur nach Prüfung des Verwendungszweckes und der persönlichen Der- hältnisse und nur gegen eine jährliche Tilgung von min­destens 2 Prozent aber ml demselben niedrigen Zins­fuß, wie die Schuld innerhalb der ersten Beleihungsgrenze 7- gegeben werden. Auf diese Weise würde ganz unmerkbar innnerhalb 30 bis 40 Jahren der gesamte Realkredit ver- vfandbrieft sein; außerdem dürfte bis dahin auch der Per­sonalkredit in der Genossenschaft soweit ausgedehnt sein und die enge Verbindung mit den Realkreditinstituten ge­funden haben, daß ein gesetzlicher Zwang auch für den Personalkredit nicht mehr als eine Last, sondern als die Sanktionierung einer herrschenden Sitte empfunden würde.

Politische Tagesschau.

Harte Zeiten.

Von besonderer Seite wird uns aus Ost­deutschland geschrieben:

Im Hinblick auf den ErnteauSfall sind die agra­rischen Blätter wieder voll von Klagen über die be­drängte Lage der Landwirtschaft Wer da die Kornkammer Deutschlands, die o st elbischen Provinzen, durchstreift und dort mit den Landleuten Rücksprache genom­men hat, der wird die Klagen in diesem Umfange nicht als gerechtfertigt anerkennen können. Die Bauern sind mit der Getreideernte im allgemeinen zufried en, der Ertrag an Brotfrucht übersteigt den vorjäh­rigen stellenweise nicht unerheblich. Im Verhältnis am wenigsten günstig bestellt ist es um den Hase r. Daß die Kartoffelernte durchweg schlecht sei, entspricht nicht den Tatsachen. Man hat beispielsweise in Schlesien Stauden mit zahlreichen Knollen aus der Erde gezogen. Allerdings ist die Frucht klein, und es muß mit der Möglichkeit ge­rechnet werden, daß die Kartoffeln hier und da im Preise anziehen. Aber ein allgemeiner Notstand in Be­zug auf die Kartofselversorgung Deutschlands ist wohl nicht zu befürchten. Schlimm bestellt ist es unleugbar um das Viehfutter. Zwar würde ein an­haltender Regen auch jetzt noch die vertrockneten Wiesen auf- frischen, sodaß das Vieh grasen könnte, aber die ergiebigen Niederschläge bleiben aus. Auch die konsumierende Bevöl­kerung in den Städten ist von der Dürre und Trockenheit dieses Sommers betroffen worden. Es sei nur hingewiesen

auf die zahlreichen Industriellen und Geschäftsleute, bie genötigt sind, für den Transport ihrer Materia­lien und Waren die teuere Eisen b ah n fra cht zu zahlen, weil die Flußschiffahrt stockt. Wer be- wrllrgt ihnen N o t st an d s t ari f e ? Harte Zeiten also sind es gewiß, denen das noch unter den Nachwirkungen der wirtschaftlichen Depression stehende Deutschland ent­gegengeht. Aber nicht nur die Landwirte haben Anlaß zur Klage, für sie wird immer noch zuerst die Staatshilfe mobil gemacht.

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Bemerkenswert ist, daß heute der Eisens cchnmlnffter von Budde eine Abordnung des Bundes der Industriellen em­pfangen will zur Besprechung über die Einführung vorüber­gehender Eisenbahn-Notstandstarrfe für die Industrie infolge des anhaltenden Versagens der Wasser­straßen, und daß andererseits österr.-schlesische Blätter bte< Absage der Manöver fordern, da die durch die Dürre in Schlesien geschaffenen Verhältnisse so traurig sind, daß das Land.die Einquartierungen nicht vertragen kann.

Abgelöster Admiral.

R Berlin, 17. Aug.

Die Rückberuftlng des zweiten Admirals beim Kreuzer- geschwader, Kontreadmirals v. Holtz end orff, war be­reits vor einiger Zeit gemeldet worden. Jetzt erfährt die Voss. Ztg", daß an seiner Stelle Kontreadmiral Gra Moltke nach Ostasien gehen werde. Herr v. Holtzerr- dorff dürfte also in kurzer Zelt in Deutschland eintreffen,- und es wird interessant fein, seine weitere dienstliche Ver­wendung zu beobachten Nicht nur im Seeoffizierkorpr. gilt dieser Flaggoffizier als der komme ndeMannfürK Marineamt. Er soll in besonderem Grade der Rede, mächtig sein, wird also wohl bei der Beratung der nächsten Flottenvorlagc die Sache der Regierung führen Od als Staatssekretär, bleibt abzuwarten Bemerkenswert ist, daß vor sieben Jahren auch Trrpitz von der ostasiatischeu Station ins Marineamt einzog, allerdings auf dem Wege über St. Blasien, wo er in Weltabgeschiedenheit dem Sta­dium des zur Begründung der Flottenvorlage erforderlicheu Materials oblag.

Die Rechtlosigkeit der Frauen in Preußen.

Auf einer allgenninen christlichen Gewerkschafts-Versamm­lung, die am Sonntag in Dülmen stattfand, sollten Fräulein Im le und der Zentralvorsiyende des christlichen Textil- arbeiterverbandeS, Schäffer (Düffeldorf), Vorträge halten Die Polizeibehörde verbot indeffen, wie der Köln. VolkSztg. aus Münster berichtet wird, das Auftreten des Fräulein Jmle sowie die Anwesenheit von Frauen in der Versamm­lung überhaupt, und der überwachende Beamte drohte mit Auflösting. Um die Versammlung vor diesem Schicksal zu bewahren, wurde dem Verlangen der Polizei unter Protest stattgegeben, indeffen angekündigt, daß der Beschwerdeweg, nötigenfalls bis zur höchsten Instanz, beschritten werden^ würde. Frl. Jmle ist vor kurzem auS der Sozialdemokratie auS- und zur katholischen Kirche übergetreten. Vielleicht ver­anlaßt das Vorgehen der Polizei gerade gegen diese Kon­vertitin, die ihre wertvolle Kraft den christlichen Gewerk­schaften zur Verfügung gestellt hat, das Zentrum, die preuß. Regierung zur Reform des Vereinsgesetzes zu drangen.

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Wahlrefsrm in Italien.

Die in Fragen der inneren Politik hochofsiziöse römische ^Tribuna" giebt eine Parole zugunsten einer Abänderung deS Wahlsystems auS. Das Blatt tritt für die Abschaffung der Einzelwahlkreise und für die Einfühnmg von sehr großen, unter Umständen mehrere Provinzen umfaffenden Listenwahlkreisen ein, deren jeder 1520 Abgeordnete wählen soll. Dem Einwand, daß man schon einmal, im Jahre 1882, durch Einführung deS Listenwahlsystems, der Wahlkorruption und dem Vorwiegen lokaler In­teressen vorzubeugen gesucht habe, daß man jedoch im Jahre 1890 wieder zum alten System der Einzelwahlkreise zurückgekehrt sei, begegnet das Blatt mit dem Bemerken, man

Litteratur.

Meyers Großes KonversationS-Lexikon. (''in Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Tertbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Diblioaraplnschen Instituts in Leipzig und Wien.) Als ein stattliches Werk ist soeben der siebente Band von MeherS Großem Konversations-Lexikon der Oeffentlichkeit Überwiesen worden. Text­lich ein Missensschatz und mit 10 Farbentafeln, Karten und Plänen, 38 siMarzen Tafeln und Hunderten von Textholzschnitten prachtvoll ausgestattet, reiht er sich würdig an seine Vorgänger an. Allen Gebieten des allgemeinen Wissen- trägt das Werk gleichmäßig Rechnung und ist tatsächlich ein unentbehrlicher Be­rater in jeder Lebenslage. Möaen wir uns orientieren über die abuell sozialen Fragen desGenossenschaftswesens", die ge­sellen und Gcwerkvcrcine", der erst vor kurzem durch den Ber Inner Kongreß hervorgetretenenF rauenfrag e", über die qewerblickn' Statistik, über die Bedeutung derG et reid e- z Zllc" einerseits und desFreihandels" andererseits, überall ird uns gleich ausführlich in musteraültigen Spezialartikeln ttehrung zuteil. In die Finanzwirtschaft unserer Gemeinwesen sill/rt der ArtikelGemeindehaushalt" ein, wir sehen, in welch Irsorglick-er Weise auch imGefängniswesen" humane Bestreb- men durch die technisch-hygienischen Anlagen zum Ausdruck summen, und welche Praxis das ,.Gerick)tswesen" mit seinen Tibfnartreftt uns für die richtige Erledigung unserer Streitsachen ! rsli,reibt. Bon großem Jilteresse ist in Rücksicht auf den r issisä japanischen Krieg der ArtikelGenfer Kow- , ntion" deren Wirksamkeit gerade so oft genannt wird, wie der i^ederholte Appell an dieFriedenskonferenz" im Haag, der

gleichfalls ein längerer Drttkel gewidmet ist. Auch die Artikel Geschütze",Geschoß" undGeschoßwirkung" dürften in unserer kriegerischen Zeit von erhöhtem Interesse sein. Einen breiten Raum nehmen, wie dies die alphabettsehe Anordnung ergibt, die landwirtschaftlichen Artikel ein. Es seien nur folgende genannt, die allein schon ein landwirtschaftliches H a n d- buch füllen würden:Fruchtfolge",Futter",Futterbereitung", Gänsezucht",Gartenbau",Gartengeräte",Gartenpflanzen", Geflügelzucht^,Gemüse",Gerste",.Gestüte",Getreidebau", Getveidehandel" u. a. Auch die Medizin ist stark vertrete:!, zunächst durch die pbvsiologischen ArtikelFurcht",Gefühl",Gehö?^, Gesicktt",Geruch",Geschmack". AuchGeburt" undGeburts­hilfe" finden eingehende Behandlung, ebenso die Darlegung ver- sckviedener Hauptkrankheiten deSGehirns", derGelenke", des Gesichts", sowie derGicht". Interessant sind außerdem die Arttkel überGerichtliche Medizin", ,,Gesundlmtspflege",Ge­heimmittel",Gewerbekrankbeiten"Gift" undGiftpflanzen". Unter den naturwissenschaftlichen Artikeln stehen diesmal die geo- loaisck>en Themata obenan. Namentlich die Aussätze überGang", Gebirge",Geologische Formattonen" re.,Geiser",Gesteine" verdienen schon wegen der hervorragenden Illustrierung hervor' gehoben zu werden. Sehr eingehende Behandlung ist auch tecl)- nischen Zweigen gewidmet. Die ArtikelFräse",Galvanische Ele­mente",Gase",Gebirgseiscnbahnen",Gesteinsbohrcr",Ge­webe", .,Gießerei" undGlas" stellen durchweg reich illustrierte Sammelaufsätze dar, die über alle diese Materien berührende Fragen auSgiebig Bescheid geben. Mustergültig ist der Artikel Französische Literatur^', dem sich anch ciuc Abhandlung über Französische Sprach»'" anschließt, wie auch unter an!>'rm den Germanischen Sprackren" ein größerer Raum getoeilrt ist. Die ArtikelGermanen" undGallie^ stehen unter den geschicht­lichen Anffätzen obenan; von geoaraphistl>-ethnographischeu Dar1 sbellungen sind die derFranzösischen Kolonien",Gibraltars", der StädteGenf",Gent".Genua",Glasgow und der Völkerschaften derFüllte" undGalla" zu erwäbnen, denen sich der ethnographisch hochinteressante Artikel derGeräte der Natur­

völker" anreiht. Es ließe sich noch viel des Jntereffantrn über das hervorragende Werk sagen, doch werden die angezogcnew Beispiele genügen, um auf die Reichhalttgkett deS Textes hin-> zuweisen und zur Lektüre anzuregen. Die prachtvollen Tafeln, von denen nur die selw llare Darstellung der qeologisck>cu Forma­ttonen, die vorzüglichen Holzschnitte der Fräse- und Gaskrast- nmschinen, die instruktive Veranschaulichung der Gewitter und die Porträte der wichtigsten beutln Geschichtschreiber ermähnt seien, sind das beste Mittel, das Werk in seinem Bestreben, eine gründliche Brldimg in das deutzsckie Volk zu tragen, zu unter­stützen.

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311 3 Russennummer präsentiert sich das letzte, soeben bei uns eingetroffene Heft desSeiten M a gazi ns Der LeitartikelDie Konversion der Sozialdemokratie^ vebandelt den Äcnipinift deS Königsberger Hochverratspr";eßes, mährend der französische Essayist Jules Lemaitre in den ..Gedanken eines nlssi- schen Staatsmannes^ einen Versuch macht. da<» Snstem des russi­schen dlutokratiSmuS vom Etaichpunkt des französischen Denwkralen aus plauiibel zu machen, dlldert Weidner berichtet von dein selt- sanken Vmidesgenosien, den die FriedeilSpredigerin Berta von Suttner in der Sozialdemokratie neuerdings gesunden bat und entt-llt vor imfcrm Auge verblüffende Perspektiven für Hukunitige Kriege und KriegSgelüste moderner Staaten, die schon in ihrem Keim durch einen internationalen Generalstreik der arbeitenden Klaffen erstickt werden sollen. DaS Tltcma des r»»ssischen Stllden- tentnms erörtert Rene Schickele, während Dr. Leo Leoster den deutschen Geldbeutel vor Rlchlands Pump- und Anlcibegelnsten zu bewahren sucht. Mit russischen Oriainalbeiträgen sind Einest t>o>vard Erosbp, Valerius Vrjuffow und der kürzlich versiorl>e,le Dichter Tschechow vertreten. Probenummern des Neuen VtagazuiS erhält mau gratis und franko vom Magazin-Verlag, Berlin 8W. 11 Tempelhofer User 29.