Ausgabe 
18.8.1904 Erstes Blatt
 
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sprochcn, eine Sprache, welche die Zapink geläufiger be­herrscht, als das Russische. Wenn das Zarvnpaar sich mit einander unterhält, wird häufig deutsch gesprochen, und die Zartua bevorzugt als Lektüre deutsche Bücher unb deutsche Zeitungen. Die Zimmer der Keinen Prinzessinnen sind nach englischem Muster eingerichtet, sehr einfach, aber viel Luft und Licht und reichlich mit gutem Wasser versorgt. Das Kinderfräulein ist eine Engländerin. Die jungen Groß­fürstinnen werden an Ordnung, Pünktlichkeit und gewissen­hafte Pflichterfüllung strenge gewöhnt. Lehrstunden, Ueb- ungcn und Erholungszeit sind genau geregelt. Ihre Nahr­ung ist einfach, aber gesund, und besteht gewöhnlich aus Suppe, Milch, Biitterbroten, Gemüse und einem wenig Fleisch. Ebenso einfach ist die Kleidung, schlichte, aber pein­lich saubere weiße Baumwollkleidchen. Die Zarina liebt überhaupt nicht den seit Jahrhunderten hergebrachten orien­talischen Prunk des russischen Hofes und zieht den großen Hoffesten mit ihrer steifen Etikette kleinere zwanglose Ge­sellschaften ausgewählter Gäste vor.

* Ein großes Lvnchgericht fand in Statesbo- rough (Georgia) statt. Mehrere tausend bewaffnete Weiße zogen vor das Gefängnis, überwältigten die Miliz und bemächtigten sich dann zweier Neger, die wegen Ermord­ung eines weißen Mannes und eines Kindes sowie wegen Angriffs auf eine weiße Frau und Ermordung derselben verurteilt worden waren. Die Milizsoldaten weigerten sich, auf die Menge zu feuern, da sie ein Blutbad 'anzurichten fürchteten. Die Weißen schleppten darauf die beiden Neger weg und verbrannten sie in üblicher Weise lebendig am Pfahl. Man fürchtet, daß 13 anderen Negern dasselbe Schicksal droht, weil sie sämtlich mit einer Vereinigung der Farbigen in Verbindung stehen, deren Mitglieder geschworen haben, die Weißen zu töten. Nach anderer Meldung ist die in Statesborough vorgekommene Lyncherei die scheuß­lichste seit langer Zeit. Der Pöbel tzoß 100 Liter P e- troleumübe rdieNeger aus, welche auf dem brennen­den Scheiterhaufen minutenlange Qualen aushalten mußten und einen schwellen Tod erflehten. Die Behörden hatten alles getan, um die Lyncherei zu verhüten.

* Automobilunfall. Aus Newyork wird eng­lischen Zeitungen berichtet: Miß Dougherty ist im buchstäb­lichen Sinne von einem Automobil skalpiert worden. Sie war in Soireetoilette ohne Hut mit mehreren Damen zum Kasino in den Zentralpark gefahren. Vor der Frei­treppe stand das gebremste Automobil still, aber der Motor bewegte sich weiter. Miß Dougberty glitt beim Aussteigen aus, und obwohl ihr ein Herr sofort zu Hilfe kam, erfaßte ein in Bewegung befindlicher Kolben ihr Haar und riß die junge Dame dem sie haltenden Herrn aus den Händen. Die Maschine wurde zwar sofort 'gestellt, aber Miß Doug­herty war in den wenigen Augenblicken der Haare samt Kopfhaut beraubt worden.

* Damen im au strallscheu Parlament. Bei den jüngsten Wahlen in der australischen Republik wurden auch zwer Damen als Kandidaten aufgestellt und eine der­selben war eine Miß Vida Goldstein, die sich als demokra­tische Reformerin einen Namen gemacht hat. Sie war zur Erzielung einer wirksamen Propaganda gezwungen, viele Städte zu bereisen, und da sre mittellos ist, mußte sie sich dazu verstehen, ein Eintrittsgeld für die von ihr abge­haltenen Versammlungen zu erheben. Miß Goldstein ist jung und hübsch, sie spricht fließend und interessant und s-rich daher überall, wo sie sprach, einen ansehnlichen Ge­winn ein. Nichtsdestoweniger wurden nur 30 000 Stimmen für sie abgegeben gegen 80 000 für den schlechtesten männ­lichen Kandidaten. In Neusüdwales versuchten drei andere Damen ihr Glück, fielen jedoch gleich bei Beginn durch, so daß sie sich nicht einmal die Mühe nahmen, sich als Kandi­daten aufstellen zu lassen. Es ist sehr zweifelhaft, daß auf absehbare Zeit hinaus das weibliche Geschlecht in Australien jemals wieder den Versuch unternehmen wird, ins Parla­ment zu gelangen.

Er triumphiert. Papa hat seinen kleinen Stamm­halter, der sehr stark gelärmt hat, nach langem Zureden glücklich zum Schweigen gebracht.Siehst Du", sagte er triumphierend zu Mama,nun ist er gleich still". Da kommt aus der Ecke ein etwas müdes, doch sehr Helles Stimmchen: Ich bin ja gar nicht still, ich ruh mich bloß au§*! . . .

Kerichtssaal.

Kiel, 17. Aug. Das Kriegsgericht verurteilte den Oberleut­nant Riedel, Wachossizier des Küstenkreuzers Hildebrand, wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung von fünf Unter­gebenen zu 14 Tagen Kammerarrest.

Danzig, 17. Aug. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte u>en Musketier Heusler vom 152. Infanterieregiment wegen mehr- achen Waffengebrauchs gegen Schutzleute zu zwei Jahren Ge- längnis.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgiesellschaft.

Kottesdienst.

Sabbathfeier am 2 0. August 1904.

Freitag abend: 7.10 Uhr.

Samstag vormittags: 8.00 Uhr.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausgang 8.25 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr,

abends 7.00 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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Wetter

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August 1904.

Sonnenschein Heller Himmel Sonnenschein

4 Still.

8,3

10,6

11,5

24,8

18,6

17,2

744,6

741,0

740,8

36

67

79

17.

17.

18.

8.

W.

2»

95

7»°

J3.CD

41 es

Höchste Temperatur am 16.17. August -4- 25,40 C.

Niedrigste 16.17. = + 7,8 °C.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 19. August: Wieder meist heiter und trocken, später zunehmende Bewölkung, bei kühlerer Nackt tagsüber etwas wärmer.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Schiffsnachrichttll.

Norddeut scher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl L 0 0 S, Kirchenplatz.

Bremen, 16. August. <Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-ScknellpostdampserKronprinz Wilhelm", Kapitän A. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 7 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Red Star Linie, Vertreter Carl Retter, Gi eßen, Bleichstr. 8,

Der PostdampserFinland" der Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 15. August wohlbehalten in Newyork angekommen.

Möck kvtlitk $kbrrlW brr TobrsiM in brr Stobt ssirßrn.

33. Woche. Vom 7. bis 13. August 1904.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 22,68

nach Abzug von 2 Ortsfremden: 18,907^.

Kinder

Es starben an: Zusammen:

Erwachsene: im

vom

1. Lebensjahr:

2.15. Jahr

Darmkatarrh 4

4

Atrophie 1

1

Stimmritzen­

krampf 1

1

-

Krebs 2

2

Darmverschlingung 1 (1) 1 (1)

Herzleiden 2 (1) 2 (1)

Sturz 1 1

Summe 12 (2) 6 (2) 6

A n m.: Die m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aut von cncswärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 18. Aug. Wie dieBerl. Ztg." aus Hof hört, gedenken die dortigen Sozialdemokraten für den Fall, daß der Abg. Münch-Ferber sein Mandat nieder­legen sollte, Paul Göhre als ihren Kandidaten auf­zustellen.

Berlin, 18. Aug. Oberst Leutwein schreibt in einem Briefe auS Windhuk vom 6. Juli u. a. folgendes: Erst wenn die letzten Patronen der Hereros, deren Munitions-Besitz wir nicht zu übersehen vermögen, ver­schossen sind, wird der Krieg zuEnde sein. Dies schließt aber nicht auS, daß sie mit Kirris und sonstigen Handwaffen den Kleinkrieg fortsetzen und so noch auf Jahre hinaus den Farmenbetrieb lähmen.

Frankfurt a. M., 18. Aua. (Privattelegramm.) Heute vormttag wurde vor dem Eschersheimer Tor ein Radfahrer von der Lokalbahn Eschersheim-Frankfurt über­fahren und getötet.

London, 18. Aug. In Tokio ist das Ge rücht (!) verbreitet, das russische KriegsschiffRossija", das in den letzten Kämpfen tn der Tsushima-Straße schwer beschädigt wurde, fei auf der Rückreise nach WlÄiwostok un tergegan gen.

London, 18. Aug. DieSt. James Gazette" schreibt: TrothaZ Waffenerfolg ist ein Gegenstand der Freude für alle an der Kolonisierung Afrikas interessierten Weißen. In gewiffem Sinne schlägt Deutschland die Schlachten aller Weißen. Folglich haben alle Weißen Grund, ihm Erfolg zu wünschen. Der englische Kontre-Admiral Prinz Louis Battenberg ist nach Petersburg abgereist, angeblich, um dem Zaren ein eigenhändiges Schreiben des Königs Eduard zu überbringen.

London, 18. Aug. Reutermeldung aus Tokio vom 17. Aug. Wie verlautet, meldete der Kommandant der Belagerungsarmee, daß der Kommandant von Port Arthur die Aufforderung zur Uebergabe der Festung ablehnte, ebenso wie mit Tank das An­erbieten des Kaisers von Japan, die Nichtkämpfer aus der Festung abziehen zu lassem

London, 18. Aug. Tas Rentersche Bureau meldet aus Shanghai von heute: Tas Eintreffen der japanischen Flotte werde dort erwartet. .Japan sei entschlossen, die sofortige Ausfahrt

1 ^en- aus Shanghai zu verlangen oder die Ent- wastnung derselben nach dem Vorgänge in Tsinglaa zu entringen, touoon, 18. ^lug. Wie aus Tsingtau gemeldet wird, W nunmehr der deutsche Gouverneur die offizielle Erklärung ab- OS' 3 doN befindlichen russischen Kreigsschiffe vor Krieges den Hasen nicht verlassen dürfen.

Klagenfurt, 18. Aug. Ueber Moline im Vleimstal gmg em furchtbares Unwetter nieder. Durch Blitzschlaa wurden verschiedene Gebäude vernichtet und 5 Personen getötet. In den Regyelbergen verursachte ein schreckliches Unwetter großen Schaden, wobei ebenfalls mehrere Menschen getötet wurden. Bei Malborghet hat eine Wasserkatastrophe die Bahnstrecke an vier Stellen beschädigt. Ein Personenzug steht zwischen zwei Abrutschstellen.

Budapest, 18. Aug. 5000 Arbeiter von 10 bedeu­tenden Mühlen-Etabliffements stellten die Arbeit ein und zogen in geschlossenen Reihen nach ihrem Versammlungsorte, wo sie über den Streik sprachen. Es wurde beschloßen, von morgen ab in den Ausstand zu treten. Das in der Stadt Gyoengyoes entstandene Feuer, welches sich infolge Wassermangels ganz ungeheuer ausbreitete und 500 Häuser, vernichtete, griff infolge plötzlich eingetretenen Sturmes auf zwei benachbarte Dörfer über, welche fast gänzlich vernichtet wurden. Bei dem Brande kamen viele Verwundungen vor, doch ist kein Verlust an Menschenleben zu beklagen. Der Minister des Innern bat für Gyoengyoes eine Hilfsaktion ein­geleitet. Wie von anderer Seite berichtet wird, ist der Brand, in Gyoengyoes gelöscht worden.

Petersburg, 18. August. Im Seekancck stieß gestern der deutsche DampferTiana" mit dem norwegischen DampferDana" zusammen; letzterer sank an einer zehn Fnß tiefen Stelle. DieDiana", die ebenfalls beschädigt i)t, brachte die Mannschaft des gesunkenen Dampfes hierher.

Petersburg, 18. August. TerReaierungsbote" schreibt: Nach dem am 13. Mar veröffentlichten Ausweis der Regierung über die ihr für Kriegszwecke zur Verfügung stehenden freien Summen betrugen dieselben bei Beginn des Krieges über 300 Millionen Rubel. Inzwischen war bis zum 16. August allen Ressorts ein Kredit für Kriegs­zwecke von 2571/2 Millionen Rubel eröffnet Daraus geht hervor, daß der Ertrag aus der Realisierung der fünf* prozentigen Schatzscheine, welche im Nominalbeträge von 800 Millionen Francs ausgegeben sind, noch unberührt ist. Die eben angeordnete neue Anleihe wird dadurch erklärt, daß die rechtzeitige Vervollständigung der Barmittel wäh­rend des Krieges besonders wichttg ist und 'die Unter­bringung der Serien einige Zeit beansprucht Bezüglich der Form der neuen Anleihe ist zu bemerken, daß Billett der Neichsrentei in Rußland ein eine weite Verbreitung genießender Wertpapiertvpus besonders zur Kriegsbeil und sehr bequem sind. Da sie nicht Kursschwankungen unter­liegen, dienen sie oft als Zahlmittel von Drivatpersonen Die Realisierung der 100 Millionen Rubel der neuen An­leihe ist bereits gesichert.

Petersburg, 18. Aug. Die ruffischen Kreuzer Roffija und Gromoboi sind in Wladiwostok eingelaufen. Gerücht­weise (!) verlautet, daß der Kreuzer Nowik auf dem Wege nach Wladiwostok gesunken sei. Ein Privat- Telegramm berichtet, daß die Japaner bei einem Angriff 5000 Mann verloren hätten. General Stöffel habe auf die Aufforderung, unter allen militärischen Ehren zu kapitu­lieren, geantwortet, daß er die Festung bis zum letzten Mann verteidigen wolle. Man glaubt, daß Pott Atthur nur noch für 8 Tage Proviant habe.

New-Pork, 18. Aug. Blättermeldungen zufolge wurde der Sozialistenführer Weinner unter der An­schuldigung, bei Fabrikbesitzern Erpressungen begangen zu haben, verhaftet. Der Vorfall ruft großes Aufsehen hervor.

Newyork, 18. Aug. Die Cuuardlinie kündigt eine Fahr­preisermäßigung von 1.5 Dollars für Passagiere erster und zweiter Klasse nach Liverpool an. Tie internationale Handelsschiffahtts- gesellschaft regte in London die Frage an, wie dieser Maßnahme entgegen^treten sei. ,Tie White-Star-Linie setzt den Fahrpreis zweiter Klasse nach Liverpool gleichfalls herab.

Chicago, 18. Aug. Hier sind zwei Personen­züge zusammengestoßen. 8 Personen wurden getötet, 10 schwer verletzt.

Telephonischer Kursbericht.

3yc% Reiohsanleihe . . 102 00 SO/o do. ... 89.95 3V,0/i> Koneols .... 102.10 3° , do 89.80

Hessen .... 100.30 8V,96 Oberhessen . . .. 4 -6 Oesterr. Goldrente . 101.90 41/b % Oesterr. Silberrente 100 85 4% Untrtir. Goldrente . . 100.40 4° ItaLen Rente , . . 104.45 41Portugieser . . . 6190 0/ Portugiesen. .... 61.40 1 % C. Türken ..... Türkenloso 128.50 40/o Grieoh. Monopol.-Anl. 47.80 41/, % äussere Argentiner 44 40

iktnrt a. *1., 18. August.

3% Mexikaner .... 27.25 4Chinesen .... 89.90 Electric. Sehuckert . . . 111.00 Nordd Lloyd . . . . 10150

Kroditaktien . . . . . 201.80 Diskonto-Kommandit 190.10

Darmstädter Bank . . 139.70

Dresdener Bank .... 155.60 Berliner Handelsges. . . 158 90 Oesterr. Staatabahn . . . 135.70 Lombarden .... 1850 Gotthardbahn .... 18950

Lanrahütte £55.50 Bochum 212.80 Harpener .... 220.00

Tendenz: behanpet.

Todes-Anzeige.

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser innigst geliebtes und unvergeßliches Töchterchen, Schwesterchen und Enkelchen 6943

Elsa

im zarten Alter von 5 Monaten zu sich zu rufen.

Die ticfiranernden Hinterbliebenen:

Theodor SHäser, Glaser, nebst Familie.

Gießen (Rodhcimerstr. 2), den 18. August 1904.

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Greifenstein.

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Telephon 119

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