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18.8.1904 Erstes Blatt
 
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Vrftes Blatt

154. Jahrgang

Donnerstag 18. Augnft 1904

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ve,ng»prets, montitlu675 oiettd* jährlich Mk. 8LO. durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.S. viertel« jährt. auSscht. Bestellg. Annahme von Anzeige« iür bie TaqeSnumrner bis vormittag« 10 Uhr. Aeilenvrei«: lokal 1261* «uSwärt« 20 Pfg.

Verantwortlich füt den poltt und aflgem. Teil P. Witiko: für »Stadt und Land^ und ,Genchlssaaf: August Goetz, für den An­zeigenteil: Han« Beck.

Nr. 193

Orltbeiul täglich außer Sonntag«.

Dem G,etzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem heimlichen Landwirt die Siebener Familien- Hättet mermal m der

Woche bciflelegL KolationSdruck a. Ver­lag der Brühl sichen Unwerf.-Buch-u. Stein* druckerei 9t kanga.

Redaktton, GrvedMon und Druckerei.

Schulpratz« 1.

ttbrefie für Deveschen: Anzeiger Gießen.

FernlprechanichlnßNr 51.

Iie yeunge Wummer umfaßt 8 Setten.

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Japanische Leistu»f,sfähigKeit.

Der gegenwärtige Stand der Ereignisse.in Oftasicn bildet nach der, tote es scheint, saft völligen Vernichtung der rusfi­schen Flotte einen vorläufigen Abschluß der japani­schen Flottentätigkeit. Wenn die voraussichtliche Ruhe für daS Gros der japanischen Flotte sich vielleicht auch nur auf einige Monate erstreckt, jo wird die Flotte doch in der Lage sein, von einer Anspannung und einer Leistung auszurnhrn, welche in der Soekriegsgeschichte völlig ohne Beispiel dasteht. Tie japanische Flotte befinbet sich seit dem Februar, d. h. seit sechs Monaten, fast unausgesetzt unter Dampf und in Sch la cht - bereitschaft. Was das heißen will, läßt sich kaum in.wenigen Worten zusammenfassen. Deutschland hat seinerseits in See­kriegen noch kaum eine Erfahrung. Wenn aber etwas zum Ver- gelich herangezogen werden kann, so ist es vielleicht die Blockade der ostafrikanisck-en Küste 1889 unter Aldrniral Deinhardt. Hier war von einer dauernden Gefechtsbereitschaft, von einem dauern­den Unterdampshalten deS Kreuzergeschwaders zwar keine Rede, wohl aber von einer fortgesetzten Anspannung der Offiziere und Mannschaften durch Kreuzfahrten mittels der Barkassen und Boote 8itr Unterdrückung des Sllavenhandels.

Ungleich größer ist die Leistung, welche die japanische Gescnnt- flotte hinter sich hat.

Inwieweit das Flotten material darunter ge­lt tte n hat, ist nicht zu übersehen und wird kaum jemals der Oeffentlichkeit übergeben werden. Ta'ß die üblen Einwirkungen auf die Schiffe trotz der gewaltigen Anstrengungen nicht so groß gewesen sind, scheinen die letzten Ereignisse sowohl beim Ge­schwader des Admirals Togo, wie beim Geschwader des Admirals Kamimura zu beweisen. Ja, selbst die Einbuße an Geschwindig­keit fdtcint nicht so groß gewesen zu sein, wie man mit Recht glaubte annehnten zu dürfen.

Es kann vorausgesetzt werden, daß die Schiffe einzeln auS dem Geschtoaderverbande gelegentlich herausgezogen woroen sind und in den japanischen Staatsdocks wenigstens die notwendigsten Ausbesstningen, Kessel- und Bodenreinigungen erfahren haben. Immerhin aber läßt sich aus der bisherigen Tättgkeit der japa­nischen Flotte die Lehre ziehen, daß die bis zum höchsten Maße angespannte Feuerwirkung der großen Schiffsgeschütze eine ge­ringere Wirkung auf die Schiffskörper ausgeübt hat, als man glaubte, und daß ferner die auf den japanischen Schiffen zur Ver- wendting gekommenen Kesselshsteme ihre Gewaltprobe außerordent­lich gut bestanden haben.

Es mag dabei bemerkt werden, daß ein Teil der japanischen .Kriegsschiffe mit einem von dem japanischen Flotteningenieur Miyabara erfundenen Kesselsystem versehen sind.

Eine der wichtigsten Fragen für ein Geschwader, die Kohlen­übernahme, ist in Japan in mehr als hervorragender Weise ge­regelt. Nagasaki gehört zu den drei Welthäfen, in denen die Kohlenübernahme am schnellsten und einfachsten sich vollzieht. Diese drei Häfen sind Nagasaki, Port Said und St. Thomas, wobei Nagasaki die Führung behauptet.

Weit h'cher. als die Widerstandsfähigkeit des schwimmenden Materials, ist der Geist der japanischen Bemannung vom kom­mandierenden Admiral bis zum letzten Schiffsjungen Drunter ein­zuschätzen. Vis zu einem gewissen Grade erklärlich wird er durch den Umstand, daß Japan in viel höherem Grade wie England eine für dieSee geboren eund mit derselben ver­traute Bevölkerung besitzt. Tas erklärt sich ziemlich ein­fach aus dem Umstand, daß infolge der japanischen Ernährungs­weise und des außerordentlich starken Verbrauchs an Fischen oie Fisck'-erbevölkerung ungemein viel größer ist, als beispielsweise in England.

Nicht ohne Interesse ist es, mit Rücksicht auf die körperliche Widerstandsfähigkeit der Japaner und zwar nicht nur mit Bezug auf die japanischen Seeleute, sondern auch mit Bezug auf die Landarmee darauf hinzuweisen, baß, wie es scheint, .in Europa eine völlige Unterschätzung oder Unkenntnis dieser körperlichen Leistungsfähigkeit Platz gegriffen hat. Eine Fachautori­tät, Professor von Baelz in Japan, hat bereits 1886 zwei Mono­graphien über den Körperbau und die körperliche Leistungs­fähigkeit der Japaner veröffentlicht, in denen er diese Leistungs­fähigkeit auf Grund seiner Erfahrungen und an der Hand von Beispielen ganz außerordentlich hoch und vor allen Dingen weit über den Durchschnitt der Leistungsfähigkeit der arischen Nassen stellt.

, In den Hafenstädten hantieren die Ladekulis mit dem Pikul Reis, d. h. entern Gewicht von 140 Pfund, so tote bei uns die Maurer mit Ziegelsteinen: d. h. sie werfen sich die PikulS auf eine Entfernung von 2 bis 3 Fuß 311 und halten diese Tätig­keit durchschnittlich 8 bis 10 Stunden im Tage aus. In Stein- und Erzbrüchen in den japanischen Gebirgen schleppen die Kulis Lasten im Gewichte von drei Zentnern und mehr bergauf und bergab in einem fabelhaftm Tempo. Die Abhärtung gegen kli­matische Einflüsse ergibt sich von selbst aus der Lage Japans, seinen meteorologischen Verhältnissen und in der Hauptbeschäftig­ung seiner Bewohner, dem Reisbau. Ter geisttge Wert der japa­nischen Truppen zu Lande und zur See ist im gegenwärttgen Feldzuge and) Europa bekannt geworden. Wissen hätte man können, daß die japanische Ttlrchschnittsbildung sehr groß ist, und daß als Grundlage der Erziehung die Vaterlandsliebe einen Fonds b'ldet, welcher durch keine Mühen und Gefahren erschöpft wirb. Tie patriotische Opferwilligkeit der Gesamtbevölkerung steht außer Zweifel, und selbst, wenn sie sich erschöpfen sollte, so sind die natürlick)en Hilfsquellen Japans groß genug, um ihm Kredit zu versckmfsen, umsomehr, als unter allen Umständen, wie dies auch durch Berichte aus Japan selbst fortwährend be­stätigt wird, nach dem Feldzüge ein bedeutendes Emporschnellen der Industrie und des Berk-'hrs mit Sicherheit erwartet wird;___

z>er Krikg jroifdkn Japan und Kußland.

Port Arthur.

Tschifu, 17. Aug. (Reuter.) Die Japa ner fuhren fn die Taubenbucht ein und rilckten von Palingtschlng aus, zwei Meilen nördlich von Port Arthur, gegen bie Festung vor. In der letzten Nacht wurde Port Arthur von der Taubenbucht her bombardiert.

Pe terSburg, 17. Aug. DieRuff. Tel.-Ag" meldet aus Mukden vom 17. August: 92 Bürger aus Port 'Arthur sind mit ihren Familien dort eingetroffen. Die Japaner erklärten, dies sei der letzte Schub, dem sie gestattet hätten, die belagerte Stadt zu verlassen. Weitere Schiffe m i t Fl l ch t li n g en würden in den Grun d gebohrt werden. Ein derartiges Schiff würde genommen.

seiner Masten und Segel beraubt und so auf hoher See sich selbst überlassen. Das B e rh a ltc n d er Garnis0n istbewundern swert. Die Bürger der Stadt treten in die Reihen der Truppen ein.

Paris, 17. Aug. Nach einer Depesche aus Tschifu hat noch nicht die ganze Zivilbevölkerung Port Arthur verlassen. Man schätzt die Zahl der weiblichen Per­sonen innerhalb des Festungsbereichis auf 500. General Stössel zögert noch, die an das freie Geleit für die Zivil­bevölkerung von Port Arthur geknüpften japanischen Be­dingungen anzunehmen. Es verlautet, daß zwischen dem Vertreter Stössels und dem Befehlshaber der japanisechn Armee Verhandlungen stattfinden, die bisher resultatlos verliefen.

London, 17. Aug. Aus Tokio toirb englischen Blattern gedrahtet, daß die Japaner die Russen nachts, stürmend auf die inneren Nordostsorts, zurücktrieben. Tie japanischen Batterien bestreichen jetzt die Stadt und den Hafen. Tie Stadt brennt an mehreren Stellen. Oyama unterbrach die Beschießung morgens, um Antwort auf eine Aufforderung zur Uebergabe Port Arthurs abzuwarten. DemDaily Expreß" zufolge wurde der neue Ausfall der russischen Flotte wiederum durch die Heftig­keit des japanischen Artilleriefeuers von den Stellungen um Port Arthur veranlaßt. Tie russischen Schiffe waren zur Schlacht vorbereitet, .aber da sie fanden, daß ihre Ausfahrt bemerkt worden war, und sie fürchteten, daß sie weit weg vom Hafen gelockt werden sollten, traten sie den Rückzug an.

Weiteres vom Kriegsschauplätze.

Petersburg, 17. Aug. Wie General Kuropatkin an den Kaiser vom 16. August meldet, sin-d bei der Armee keine besonderen Veränderungen eingetreten. Es regnet fortgesetzt. Ucberall machen sich die Chunchusen sehr bemerkbar. Wre gemeldet wird, erbauten die Japaner zwi­schen Föngwmtgtschöng und Lianschanguan eine schmal­spurige Eisenbahn, auf der die Wagen von Menschen ge­zogen werden.

Tokio, 17. Aug. (Reuter.) Nach einem ergänzenden Bericht des Admirals Togo belaufen sich die j a p a n i s ch e n Verluste in der Seeschlacht vom 10. August auf 22 5 Mann.

Paris, 17. Aug. Nach Tokioer Meldungen bat Admiral Kamimura Maßregeln getroffen, um demN 0 w i k" d e n W e g nach Wladiwostok zu verlegen, doch scheint der Kom­mandant des russischen Kreuzers über die japanischen Schiffe gut unterrichtet zu sein. Er konnte gestern unbehindert von Kiuschiu nordwärts abdampfen. Tas Schiff wurde ja­panischerseits 8 n spät gesichtet.

Japans Bedingungen.

Paris, 17. Aug. Tie in Tokio erscheinende Zeitung Taigo", die angeblich mit der japanischen Negierung häufig Fühlung hat, faßt die Bedingungen Japans zum end- giltigen Friedensschluß wie folgt zusammen: lieber* nähme der chinesischen Ostbahn in japanischen Betrieb und völlige Rückgabe der Mandschurei an China bis irgend ein Zwischenfall die Annektion durch Japan gestattet. Ferner muß Sibirien bis zum Jenisey oder wenigstens bis zum Lena japanisch werden, ebenso Port Arthur und Talny, eine Zone der Halb'nsel Liaotung und im Interesse der Ent­wickelung der japanischen Fischerei die Insel Z a ch a l i n. Als Kriegsentschädigung würde eine Milliarde Rubel ge­fordert werden.

Die Reschitelny-Affaire.

Petersburg, 17. Aug. Lambsdorff setzte bereits sämt­liche Mächte in Kenntnis von dem Protest, den er wegen des völkerrechtswidrigen Vorgehens Japans in Tschifu erhoben hat.

London, 17. Aug. Nach Meldungen auS Pckng verlangt Rußland wegen der Unterstützung gelegentlich der Heransschaff- ung desReschitelny" aus dem Hafen von Tschifu durch die Japaner die T e g r a d a t i 0 n des Admiral Sah sowie die Verse hung des Residenten Eine Pekinger Drahtung derTimeö" meldet, Herr v. Lesser überreichte der chinesischen Regierung eine scharfe Note, die daS Verlanaen enthält. China softe dieReschitelny" wieder erlangen und den Marinebcfehls- haber in Tschifu degradi-'ren. Tie Chinesen hoffen, Japan werde dieReschitelny" freiwillig unter cknnesische Obhut stellen. Tie Meldung, paß Frankreich und Deutschland das Verlangen Ruß­lands unterstützen, sei unbegründet.

Tsingtau, 17. Aug. Ein japanischer Kreuzer und vier Torpedoboote kreuzen vor der Kiautschou-Bucht, um die im Hafen liegenden desannierten russischen Schisse zu über­wachen

Nusfische Uebergriffe.

Nagasaki, 17. Aug. (Reuter.) Tie aus dem Dampfer Prinz He in r ich" im Roten Meer dttrch die Russen be­schlagnahmten Postsäcke sind hier eingetroffen uno wurden in Gegenwart deS deutschen, französischen und englischen Konsuls geöffnet und geprüft. Biele eingeschriebene und gewöhnliche Briefe fehlen Tie Konsuln bereiten einen energischen Protest vor.

London, 17. Aug. Nack einer Drahtmeldung aus Ajaeeio berichtet der englische KohlendampferSeotian", daß er am 12. August westlich an der Straße von Gibraltar durch den russischen KreuzerUral", dem srüh.'ren Dampfer des Norddeutsch-'n LloydKaiserin Maria Thern'sia", a n g c h a l - ten wurde. Er erhielt die Erlinibnis, seine Fahrt fortzusetzen. Ter Kommandant desUral", teilte ihm mit, daß er nach mehr als 200 Dampfern suchte, die .Krieg^ontrebande zur Weiter^' Verschiffung in spanischen und italienischen Häfen an Bord litten.

DaS Alter der japanischen Generale.

Die »Meltkorresp.^ erhält auB Tokio die nachstehende

Zusammenstellung des Alters der wpamschen Generale.

nach ist

Marschall Jamaqata Marschall Ojama General Graf Nozu Gras Katznra

General Baron Kuroki General Baron Oku General Baron Noch General Baron Kodanta General Prinz Fuslumi

Wenn inan bedenkt,

66 Jahre 2 Monate

61 Jahre 8 Monate

62 Jahre 2 Monate (4 Armee)

56 Jahre 7 Monate

60 Jahre 8 Monate <1. Armeen

57 Jahre 7 Monate (2. Armee)

54 Jahre 7 Monate (8. Armee)

52 Jahre 4 Monate

46 Jahres Monate alt.

daß der Javaner allerspätestens

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dem 50. Jahre inö Altenteil (inkyo) zu gehen pflegt, so

können diese Leute dem jungen Japaner wirklich zum Vor­bilde dienen.

Rangerhöhungen kaiserlicher Prinzen im japanischen Heere.

Die Tokioer Zeitungen veröffentlichen die Mitteilung, daß Se. M. Kaiser Mutsu Hito S. K. H. den Prinzen Fushimi, welcher in der Schlacht von Nanschau (bei uns gewöhnlich nach der Stadt Kintschou genannt) die 1. Division führte, zum General der Infanterie und S. K. H. den Prinzen Arisugawa, Vizeadmiral der Flotte, zum Admiral beför­dert hat.

Großfürst Boris.

London, 17. Aug. Nach einer Meldung aus Peters­burg soll der Großfürst Boris wegen neuer Diffe­renzen mit Kuropatkin endgiltig aus dem russischen Hauptquartier entfernt worden sein.

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Die Derfoli'ung der Kerero.

Ein neues Gefecht.

Aus Südwestafrika traf heute eine neue Meldung des Generals von Trotha ein, nach der die Deutschen bet der Ver­folgung der nach Osten abziehenden Herero wiedertun ein blutiges Gefecht zu bestehen hatten.

General v. Trotha meldet aus Hatnakari: Der Feind ist nach dem Gefechte am 11. August in voller panikartiger Flucht unter Zurücklassung von sehr vielem Vieh, Habseligkeiten und zahlreichen Leichen hauptsächlich in östlicher Richtung zurückgegangen. Ich verfolgte starke feindliche Kräfte mit den vereinigten Abteilungen Deimling und Mühlensels mit einem Gewalt­marsch bis in die Gegend von Omutjatjewa, wo gänzlicher Mangel an Weide und Wasser und die Trennung de§ Feindes die Einstellung der Verfolgung bedingte. Zahl­reiches Vieh wurde erbeutet, v. Estorfs verfolgte von Norden umfaffend und schlug heute, am 15., Herero- banden, die den Omuramba abwärts zogen. Der Feind hatte große Verluste. Diesseits tot fünf Mann, ver­wundet Oberleutnant Bischoff, Leutnant von Meien und fünf Mann.

Der Ort Omtlsiatjewa, wo die Verfolgung der Herero von den Abteiltrngen Deimling und Mühlenfels eingestellt werden mußte, liegt ungefähr 35 Kilometer südöstlich von Waterberg. Die Öerero sind alsdann am Omuramba-Fluß, welcher das Waterberg- Plateau südlich umfließt, entlang gezogen und von der Abteilung Estorff, die, wie berichtet, östlich von Waterberg stand, angegriffen worden. Ob es Estorff gelungen ist, den weiteren Abzug der Herero nach Osten hin aufzuhalten, geht aus dem Bericht Trochas nicht hervor.

Ferner bestätigt General v. Trotha, daß Leutnant v. Bodenhausen und 8 Mann von der 1. Kompanie, 2. Regiment, am 6. August auf der Rückkehr von einer Patrouille nach Waterberg überfallen und getötet wurden. Die Leichen wurden am 7. August halbwegs nach Witerberg am Osandjackeberg gefunden und beerdigt. Zwei Mann der Patrouille werden vermißt.

Kiel, 17. Aug. Prinz Heinrich von Preußen ließ sich die auS Deutsch-Südwestafrika zurückgekehrten abgelüsten Seesoldaten vorstellen. Auf die Frage, ob die Seesoldaten denn noch einmal nach Südwestafrika auSrücken würden, antworteten alle freudig ja.

Dolitische Tagesschau.

Dr. Stübel.

Jnbezug auf die Nachricht vom Rücktritt deS Kolonialdirektors Dr. Stübel erinnert uns einer unserer Berliner Mitarbeiter, daß er bereits vor Monaten auf Grund zuverläffiger Informationen in der Lage war, mitzuteilen, daß Dr. Stübel fest entschloffen sei, zurüekzutreten, daß er sich aber habe bewegen lasten, bis zur endgilttgen Niedenverfung der Herero an der Spitze der Kolonialabteilung zu bleiben. Der Sieg der Generals v. Trotha hat nun das Ende der militärischen Operationen naher gerückt, und es ist mit ziem­licher Sicherheit anzunehmen, daß Dr. Stübel die neue Nachtragsforderung für Südwestafrika nicht mehr im Reichstag vertreten wird, die beiläusig erst im Januar eingebracht werden dürfte. In Kolonialkreisen glaubt man, der Kaiser werde zum Nachfolger Dr. Stübels einen Mann der kolonialen Praxis erwählen. Nach den ilüt dem Herero-Ausstand gemachtm Erfahrungen ist dak allerdings wahrscheinlich. Voraussetzung für das erfolgreiche Wirken auch eines Kolonialpraktikers aber bleibt die Reform der gesamten Zentralverwaltung. Hier muß das Büreaukratisch-Schematische tunlichst auSge- tnerzt werden. Leutwein wäre der rechte Mann, den frischen Geist der Praxis an den grünen Tisch irach Berlin zu tragen, und seine Ernennung zum Kolonialdir-ektor würde ihm and) eine gewisse Genugtuung bedeuten nach dem Un­gemach, das der Herero-Ausstand nicht zuletzt für ihn im Gefolge hatte.

Frank. Snsan Anthony und die deutsche Jntevigeuz.

Bei G?l^genh it deS Berlin r internaftonalen Frauenkon-refset hakle man das greife amerikanische Fruul in Susan Duthany sie ist, beiläufig gesagt, einige 80 Jahre alt gefeiert mit Hymnen, Lorbeerkrän^en und d rgleictvn i tönen Tin gen. Fräulein Anthnm aber kehrte beim m ißren Amerilan« rinnen und revan­chierte sich buntne Veröffentlichung eines Urteil# tibc\ die Ten sichen ui tvr awerikanffttzen Puffe, in denen cd u a. hieß-