Nr. 115 Zweites Blatt. 154. Jahrgang
Mittwoch 18. Mai l»O4
Erscheint tLgNch mit Ausnahme des SormtagS.
Die „Giehener SomllicnMätter4* werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Untversttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.V.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießm.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Die yeutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
Zur hefstfchen Wahlreform.
ilt B. Darmstadt, 17. Mai.
Tie heutige Beratung der Wahlrechts Vorlage seitens der oberhess. Landtagsabgeordneten, die vollzählig erschienen waren, ergab ein für die Freunde der Vorlage nich ts weniger als h öffn ungs freudig es Resultat. So sehr auch von verschieoenen der Herren der Wunsch nach der Ginführung des direkten Wahlrechts dokumentiert wurde, so ergab sich doch aus der heutigen Verhandlung klar und deutlich, daß von feiten der großen Mehrheit der Oberhessen keinerlei Neigung besteht, hinsichtlich des streitigen Kardinalpunktes, der von der Regierung geforderten Vermehrung um fünf städtische Mandate nachzugeben, da man die jetzige Zahl der Abgeordneten für vollständig genügend erachtet. Die Verhandlung drehte sich hauptsächlich um zwei Anträge. Menn oer Antrag Gut- fleiscb auf Vermehrung der städtischen und der ländlichen Mandate um je fünf zur Annahme gelangt, so soll bekanntlich Oberhessen zwei neue Vertreter, einen in Gießen und einen für das Land erhalten. Mn Antrag Weidner verlangt nun für die Bildung dieses neuen ländlichen Wahlkreises die Gegend mit den Hauptorten Altenstadt (1111 Einwohner), Nreder-Wöllstadt (1205), Heldenbergen (1335) und Nieder-Florstadt (1472), im ganzen 25 Ortschaften mit 16 239 Seelen; diese Zahl entspricht auch der Durchschnittszahl der oberhessischen Wahlkreise. Während sich die Versammlung mit dieser neuen Wahlbezirksbildung im allgemeinen einverstanden erklärte, sprach sich Abg. Dr. Gut- f lei sch ganz entschieden gegen einen zweiten Antrag des Abg. Hirschel aus, der dahin geht, den späteren beiden Stadtlleisen Gießen und dem Kreis Friedberg, der bekanntlich nur ca. 7000 Einwohner zählt, noch eine Anzahl ländlicher Ortschaften zuzuteilen. Unter diesen Umständen blieb das Ergebnis der Verhandlung gleich Null; man kam nur dahin überein, beide Anträge dem am Donnerstag nachmittag zur Schluß- beratung zusammentretenden Mahlrechtsausschuß zur Begutachtung und Entscheidung zu unterbreiten. Der Gesamteindruck der heutigen Beratung ist der, daß sich für den Gesetzentwurf in seiner jetzigen Gestalt die erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Kamimer nicht zusammenfinden wird.
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Der neue Landtagsw ahlkreis, der nach Annahme des fetzigen Wahlaefetzentwurfs für Oberhessen gebildet werden muß, soll nach Dem heute von den oberhessischen Vertretern aebilligten Vorschlag des Abg. Weidner folgende 25 Ortschaften umfassen:
*
Altenstadt mit 1111 Einw.
Ilbenstadt mit
989 Einw.
Asienheim , 970 „
Raichen „
544 „
Blofeld „ 221 „
Leidbecken „
386 „
Bönstadt „ 577 „
Bruchenbrücken, 612 „
Leustadt „
Lindheim mit
32 „
Büdesheim v 1015 „
EmSheim „
664 „
Burggräfenrod, 504 „
Nieder-Florstadt
1472 ,
Dauernheim „ 746 „
Nteder-Wöllstadt
1205 „
Engelthal „ 49 „
Ober-Mockstadt „
661 „
Groß-Karben „ 1278 „
Rodenbach ,
287 „
Heegheim „ 205 „
Staden „
393 „
749 „
Heldenbergen „ 1335 „
Stammheim u
Heuchelheim , 188 „
in Summa 16
Wickstadt „
239 Einwohner.
101 ,
Ueber den Verlauf der Sitzung erfahren wir ferner, daß es bei dieser Besprechung sehr erregte Szenen gab. Es heißt, daß man, nach diesem kläglichen Ergebnis, die für Donnerstag in Aussicht genommene Sitzung des Ausschusses abbestellen wird, da irgend ein Erfolg nicht abzusehen ist. Gegen jede Wahlkreisvermehrung sind die Herren Hirschel, Köhler, Weidner, Brauer, Schmalbach u. a. Der Antrag Köhler, der Stadt Gießen nur dann zwei Abgeordnete zu gewähren, wenn die Orte Wieseck, Klein-Linden und Heuchelheim in dessen 'Wahlkreis eingerechnet werden, lehnte Dr. Gutfleisch mit der bestimmten Erklärung ab, daß er nur unter der Voraussetzung für dieVorlage zu haben sei, wenn auch die städtischen Mandate uneingeschränkt in der von ihm beantragten Weise vermehrt würden. Alle anderen Abgeordneten, mit Ausnahme des Abg. Weidner, stimmten für dm Antrag Köhler.
Aussichten auf eine noch mögliche Verständigung der ländlichen und der städtischen Abgeordneten sind wohl kaum mehr vorhanden. Immerhin ist es ja möglich,' daß es im Plenum doch noch zu einem positiven Resultate kommt, daß von irgend einer Seite ein für alle Teile gangbarer Weg gefunden wird. Freilich kann dann noch die ganze Vorlage in der ersten Kammer scheitern, wie in Bayern, wo heute die Hoffnung auf eine Wahlreform so gut wie begraben ist, nachdem der Referent der ersten Kammer unter dem Beifall der Mehrheit die Ablehnung des Gesetzentwurfs empfohlen hat. Es bleibt vorläufig abzuwarten, was die Regierung angesichts dieser augenscheinlich unausrottbaren Uneinigkeit von Stadt rind Land tun wird. Jedenfalls sollten sich alle, die es ernsthaft meinen mit der Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts, bemühen, zu einem positiven Ergebnis SU gelangen, wenn dabei auch einzelne eigennützige Sonderwünsche unterdrückt werden.
Politische Tagesschau.
Kriegsslagge und Kolonien.
Man schreibt uns von geschätzter Seite:
Cs gibt im Reichstage einen Agrarier, dessen Beeist erung für die Flotte noch größer ist als ie für die Landwirtschaft. Das ift Herr v. Kar-
dorff, der aus dem Bunde der Landwirte geschiedme einstige Vertraute des Fürsten Bismarck. In seiner letzten Reichstagsrede — bei seinem hohen Alter ist er genötigt, in jeder Rede die „allerletzte" zu sehen — stellte er die BeAruptung auf, durch die Erwerbung von Kolonien sei in Deutschland das Interesse für die Flotte entfacht worden. Das kann schon aus dem Grunde nicht bestrittm werden, als in den ersten Jahren der deutschen Kolonialgeschichte die Kriegsflotte wiederholt in Aktion trat. Falsch aber wäre es, anzunehmen, daß das Interesse für das Marinewesen durch den Kolonialbesitz bedingt sei. Daß dem nicht so ist, zeigt das Beispiel Italiens und Oesterreich- Ungarns. Das savoyische Königreich besitzt eigentliche Kolonien nicht; Erythräa ist mehr Interessen- als Schutzgebiet, und für diesen Stutzpunkt Opfer zu bringen, hat namens der italienischen Regierung der Minister des Aeußern Tittoni unlängst von sich gewiesen. Gleichwohl läßt sich Italien den Ausbau seiner Kriegsflotte angelegen sein. In dem neuen Budget der habsburgischen Monarchie andererseits sind 75 Millionen Kronen für Ausgestaltung der Marine enthalten, obgleich Oesterreich-Ungarn nicht einmal überseeische Interessengebiete besitzt. Mit welcher Aufmerksamkeit aber liest man in den beiden Reichshälften die Nachrichtm beispielsweise von dem in den ostasiatischen Gewässern befindlichen Torpedokreuzer. Das Marinewesen interessiert eben die Bevölkerung jedes Seeuferstaates, mag ozeanischer Besitz vorhanden fein oder nicht.
Was nun Deutschland betrifft, so findet seine Flottenpolitik in der Kolonialpolitik eine Unterlage wesentlich nur in Ostasien und der Südsee. Der Sckutz Deutsch- Afrikas fällt jetzt und in Zukunft in der Hauptsache den Land truppen zu. Die Aufgabe der deutschen Kriegsschiffe in der Südfee wird es wohl immer bleiben, unbotmäßige Eingeborene zu bestrafen. Internationaler Zwistigkeiten wegen ist ein Appell an die Kanonen hier aus- geschlossen, nachdem die Samoafrage Erledigung gefunden hat. Für die Südsee werden deshalb seit Jahr und Tag zwei Kriegsfahrzeuge als ausreichend erachtet. Was Ost- afien betrifft, so ist die Verstärkung der dortigen Seestrett- kräste vorgenommen worden nach dem Uebergang Kiau- tschous in deutschen Besitz. Die Ktiegsflagge war aber schon vordem dort vertreten. Denn die Notwendigkeit des Krenzerschutzes ergibt sich aus den bedeutenden Handelsinteressen Deutschlands in Ostasien. Deshalb darf gesagt werden, daß Deutschlands weltpolitische Stellung, zu deren Sicherung eine starke Kriegsflotte erforderlich ist, nicht sowohl aus dem Koloniawesitz als vielmehr aus den Seehandelsinteressen herausgewachsen ist. Es bedarf ja nur des Hinweises auf Amerika, wo Deutschland keinen Territorialbesitz hat, aber ein Kreuzer geschw oder unterhält, um die Richtigkeit dieses Satzes erkennen zu lassen.
In derselben Lage wie Deutschland befinden sich tne anderen Machte. Auch sie haben ihrer Kolonien wegen kriegerische Verwicklungen kaum zu befürchten. Die überseeischen Besitzungen zeigen mehr oder weniger die Weglinie an, auf der die weltpolitisch? Entwicklung sich vollzogen hat. Die internationalen Reibungsflächen liegen da, wo die wirtschaftlichen Interessen sich kreuzen. So war es auf Kuba und in Südafrika, und so ift es in der Mandschurei. Me die Dinge sich gestaltet haben, erscheint die Welt nicht mehr groß genug, um die Nationen in Eintracht nebeneinander leben zu lassen, und in einer nach Möglichkeit gesicherten Position befinden sich nur die Staaten, die eine starke Seewehr auszuweisen haben, mögen sie Kolonien besitzen oder nicht.
Welches ist die sozialdemokratffchste Großstadt?
Das reichsstatistische Amt hat in seiner soeben erschienenen allgemeinen Statistik, die wir auch im lokalen Teile unserer heutigen Nummer erwähnen, für die Erörterung der Frage: ,Meiches ist die sozialdemokratischste Großstadt?" die nötigen Daten gegeben. Es gab in Deutschland bei den Reichstagswahlen 1903 84 Großstädte (über 100 000 Seelen). Nun deckt sich bekanntlich oft der Wahlkreis nicht mit der Stadt; häufig kommen noch Landbezirke hinzu, es konrmt aber auch vor, daß einzelne Teile der Stadt zu anderen Wahlkreisen gehören (Sine Aenderung des Gesamtbildes tritt natürlich hier nicht ein. Die fozial- de mokratifchsteGroß st adti st Altona; hier waren 70.1 Prozent der Stimmen auf die sozialdemokratischen Kandidaten (Wahlkreise Schleswig-Holstein 6 und 8) gefallen, dann fornrnt Berlin, deren 222386 sozialdemokratische Stimmen 66.9 Prozent aller Wähler repräsentieren, an dritter Stelle rangiert Kiel mit 64.3 Prozent, denen sich Chemnitz mit 64 Prozent, Hamburg mit 63.3 und Dresden mit 62.4 Prozent anschließt. An unterster Stelle stehen Posen mit 7.7 und Aachen mit 21.6 Prozent. In den übrigen Großstädten war bie Prozent- ziffer die folgende: München 56.5, Leipzig 60.6 (zu Leipzig gehören Teile der Wahlkreise 12 und 13), Breslau 51.5, Köln 37.8, Frankfurt a. M. 50.4, Nürnberg 58.7, Hannover 50.8, Magdeburg 49.6, Düsseldorf 43.7, Stettin 56.2, Königsberg 49.5, Charlottenburg 51.6, Bremen 52, Essen 29.9, Stuttgart 53.1, Elberfeld 51.2, Halle 50.6, Straßburg i. E. 45.8, Danzig 29.7, Dortmund 35.3, Barmen 50.9, Mannheim 55.4, Gelsenkirchen 35, Braunschweig 59.5, Krefeld 33.4 und Kassel 46.8 Prozent. Die Wahlbeteiligung war in den Großstädten verhältnismäßig sehr stark, schwach war sie in Frankfurt a. M., wo nur 56.9 Prozent der Mähler, Aachen, wo nur 60.3 Prozent und Danzig 63.8 Prozent der Wähler von ihrem Wahlrecht GÄwauch machten; dagegen erschienen in Bremen 93.8 Prozent, in Essen 92.2, Kiel 87.6, Dortmund 87.4, Ge-lsenkrrchen 86.7, Hamburg 84.7 Prozent, lieber 80 Prozent hatten noch Dresden (82.2), Leipzig (87.7), Magdeburg (83.1), Chemnitz (83.2), Elberfeld (81.6), Halle (87.2), Barmen (83.2), Mannheim (80.3). In Berlin wählten 73.7 Prozent der Wühler, eine sehr starke Beteiligung war also dort nicht vorhanden und wird wohl auch angesichts des sozialdemokratischen Uebergewichts (in Berlin 6 erhielt der Sozialdemokrat 79 478 Stimmen) kaum zu erzielen sein.
parlamentarisches.
Seelow, 17. Mai. Amtlich: Bei der am 13. Mai stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahl- kreiseFrankfurt a. d. Oder- Lebus wurden 26 038 giltige Stimmen abgegeben. Bass er mann (Natl.) 'erhielt 11 747, Braun (Soz.) 11407 und Jagwitz-Biognitz (Wirtschaft!. Vgg.) 2872 Stimmen. Zersplittert sieben W findet Stichwahl zwischen Bassermann und Braun statt.
Dresden, 17. Mai. Die zweite Kammer des sächsischen Landtages beschloß in ihrer heutigen Sitzung in bezug auf das finanzielle Verhältnis Sachsens zum Reiche, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat nachdrücklich dafür einzutreten, daß erstens doS Reich, falls die Mnnahmen zur Bestreitung der AuSi- aaben nicht hinreichend sich die erforderlichen Mittel -durch Erschließung neuer Einnahmequellen verschaffe und nicht auf ungedeckte Matrikularbeiträge zurück- areife; zweitens, daß alle Versuche, in das Gern et der den Ernzelstaaten verbliebenen direkten Besteuerung einzugreifen, zurück- gewiesen werden; drittens, daß hinsichtlich der Aufbringung der Mittel zur Durchführung der Gesetzesvorlage seitens der verbündeten Regierungen jede Maßnahme, die Den Anschein der Stellungnahme gegen das System der indirekten Besteuerung erwecken könne, vermieden werde. Finan^minister Dr. Rüger erklärte sich vorher namens der Regierung mit den Anträgen .einverstanden.
Der zweite deutsche ZLaukiertag.
IL
Berlin, 17. Mai.
Der heutigen zweiten und letzten Sitzung des Deutschen Bankiertages wohnte Geh. Oberregierungsrat Kühn bei, der das Bedauern des Frhrn. v. Stengel aussprach der Sitzung nicht beiwohnen zu können, da er zum Kaiser besohlen sei. Der Direktor der Mitteldeutschen Kreditbank, Reichstagsabg. Mommsen, besprach die Novelle zum Reichsstempelgesetz und befürwortete in Ueberein- stimmung mit seinem Mitberichterst atter die Älnnahrne einer Resolution, in der die Bedenken gegen die Novelle aufgeführt und folgende Forderungen als unerläßlich gestellt werden: 1. Daß die Umsätze in Reichs- und Staatsanleihen vom Umsatzstempel befreit werden; 2. daß mindestens auf die Sähe vom Jahre 1894 zurückgegangen werde; ferner wurden eine Erleichterung des Transitver> kehrs in ausländischen Effekten und die Befreiung aller Umsätze unter 600 Mk. vom Umsatzstempel als brütgenb Wünschenswert bezeichnet.
Bankier Damm an n-Hannover beantragte in die Resolution aufzunehmen, daß der Stempel auf Kuxe demjenigen auf Aktien gleichgestellt werde. Die Resolution wurde hierauf mit diesem Amendement einstimmig angenommen. Der Vorsitzende, Geh. Justizrat Riefer, hob in seinem Schlußwort hervor, daß die Verhandlungen mit der größten Sachlichkeit geführt worden seien, und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser den zweiten deutschen Bankiertag
Den Schluß des Bankiertages bildete ein Frühstück im Zoologischen Garten. Dabei verlas der Vorsitzende Rießer folgendes Telegramm: „Se. Majestät der Kaiser lassen dem deutschen Bankiertage für bie freund- liche Begrüßung huldreichst danken."
Aus Stadl und IauL.
Gießen, 18. Mai 1904.
- Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Großh. Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Johann Peter Z erweck in Zwingenberg das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
” Die hessischen Reichstagswahlen. DaS Kaiser!. Statistische Amt in Berlin hat eine allgemeine Statistik der Reichstagswahlen von 1903 veröffentlicht, der wir folgende Angaben über die Wahlen im Großherzogtum Hessen entnehmen : Die Gesamtzahl der Wahlberechtigten betrug 259 512. Hiervon haben 194 297 oder 74,9 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Es erhielten Stimmen: die Nationalliberalen 68 865 oder 35,5 Proz., die Sozialdemokraten 68834 oder 35,5 Proz., das Zentrum 33 163 oder 17,1 Proz., die Antisemiten (deutsche Reformpartei) 10595 oder 5,5 Proz., die Freisinnige Volkspartei 9748 oder 5 Proz., der Bund der Landwirte 2529 oder 1,3 Proz., zersplittert waren 91 oder 0,1 Proz. Nicht ohne Jntereffe ist die Tatsache, daß die Wahlbeteiligung in den Städten mit über 10 000 Einwohnern (79,9 Proz.) erheblich lebhafter war als auf dem flachen Lande (71,5 Proz.). Die Sozialdemokratie hat ihre Haupternte in den größeren Städten gehalten (47,6 Proz.), während sie in den Orten mit weniger als 2000 Einwohnern nur auf 24 Proz. kam. Die Nationalliberalen dagegen erhielten auf dem Lande 41,6 Proz.; in den Orten mit einer Einwohnerzahl von 2000 bis 10 000 25,5 Proz. und in den großen Städten 36,3 Proz.
+ Friedberg, 18. Mai. Heute nacht wurde in den Stationsgebäuden Weckesheim und Reichelsheim eingebrochen und Barbestände gestohlen. Die Täter sind bis jetzt unbekannt.
fc. Bad-Nauheim, 17. Mai. Die Landtagswahl findet am 2 0. Mai statt.
+ Gedern, 17. Mai. Hier hat sich eine Molkereigenossenschaft (eingetragene Genoffenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht) konstituiert.
Homburg v. d. H., 17. Mai. Die Minister Freiherr v. Hammerstein und v. Budde treffen am Donnerstag


