Ausgabe 
17.12.1904 Viertes Blatt
 
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Nr. 297 Viertes Blatt.

154. Jahrgang

Samstag 17. Dezember 1904

Erscheint tlgfid) mll Ausnahme des Sonntags.

Die Lietzener $amiltenblätter werden dem EAnzeigei otermal wöchenUrch beigelegt. Der Landwirt- erschemi monaUich einmal.

A AA AA xA T xfk AA NokattonLdruct und Verlag der Brühi'ichen

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General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Der Kaiser in Aromöerg.

Ein RegimentSjnbilaum.

Bromberg, 16. Dez.

Heute feierte man hier das 200j äh r i g«e Jubi- iäum des Grenapier-Regiments zu Pferde Freiherr von Derffsliniger. Von den Damen des Vaterländischen Frauenvereins war am Vormittag für die alten Krieger ein Frühstück arrangiert worden. Der Kaiser traf um 2 Uhr hier ein und begab sich zu Wagen nach dem Weltzienplatz. Se. Majestät begrüßte hier den Divisions­kommandeur Generalleutnant Schulz, sowie den Briaade- kommandeur Generalmajor Wagener, schritt die Fronten des Regimentes ab und sprach einzelne Herren an. Sodann hielt Seine Majestät mit weithin schallender Stimme eine Ansprache an das Regiment, worin er die Verdienste des Regiments hervorhob. dasselbe zu seinem Jubiläum beglückwünschte und demselben Säkular­bänder für seine Standarte verlieh, welche sogleich an dem Feldzeichen befestigt wurden. Der Kommandeur des Regi­ments Oberstleutnant v. Heu duck antwortete mit dem Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Die Musik spielte die Nationalhymne, in die das Publikum mitsingend einfiel. Se. Majestät nahm sodann den Vorbeimarsch des Regiments sowie der übrigen Garnison ab.

Vom Weltzienplatz begab sich der Kaiser nach dem Zivil­kasino, wo das Festmahl des Offizierkorps mit den alten Herren stattfand. Mir den Kaiser wurden in dem Kasino einige Gemächer bereitgehalten, vor denen die beiden ältesten .Wachtmeister des Regiments als Ehrenposten präsentierten.

Bei der Kaiser-Tafel erhob sich der Kommandeur des Regiments Oberstleutnant v. Heuduck zu einer Rede, in der er die ruhmreiche Geschichte des Regiments von der Attacke bei Malplaguet an bis auf die neueste Zeit ver­folgte und namentlich der Schlacht bei Roßbach gedachte. Er erwähnte die starken Verluste, die das Regiment in diesen Kämpfen erlitt, und sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Chef oes Regiments, der Kronprinz von Schweden und Norwegen, verhindert sei, an der heutigen Feier teil­zunehmen. Er dankte dem Kaiser für die Verleihung der Säkularbänder, indem er ein dreifaches Hurra auif Seine Majestät ausbrachte.

Ter schwedisch-norwegische Gesandte, Graf Taube, überbrachte kameradschaftlichen Gruß und Glück­wünsche des Regimentschefs, des Kronprinzen Gustav. Ter Gesandte überreichte dem Offizierkorps eine Bowle als Ge- gjenk des Regimentschefs und teilte eine Reihe von rdensverleihungen an Offiziere mit. Er schloß mit einem Hoch auf das Regiment. Der Kommandeur erwiderte mit einer Ansprache, in der er den Dank des Regiments zum Ausdruck brachte und mit einem Hoch auf den König Oskar und Kronprinzen Gustav von Schweden und Norwegen schloß.

Vom Kasino fuhr der Kaiser zum Rathaus. Tie Garnison bildete mit Fackeln Spalier. Oberbürgermeister Knobloch empfing' den Kaiser und geleitete ihn zum Sitzungssaal, wo oie Vertreter der Stadt versammelt waren. Nachdem der Oberbürgermeister eine Ansprache gehalten hatte, bot er dem Kaiser den Ehrentrunk dar.

Ter Kaiser erwiderte:

Indem ich von ganzem Herzen für die patriotischen Worte danke, mit denen Sie mir die Huldigung der Stadt Bromberg und ihrer hier versammelten Vertreter ausgesprochen haben, ver­binde ich zugleich damit die Bitte meinen herzlichsten Dank der Bürgerschaft zu verdolmetschen. Tie Stadt Vromberg hat mich mit Jubel und mit Warme empfangen, wie eine gute alte preu­ßische Stadt ihren König zu empfangen pflegt. Ms ich mich entschloß, zu der 200jährigen Jubelfeier des Grenadierregiments zu Pferde zu erscheinen, war auch zu gleicher Zeit der Wunsch maßgebend, Bromberg einen Besuch abzustatten. Wenn auch die Stadt nicht viel von den Besuchen der Herrscher Preußens zu erzählen weiß, so ist mir doch ihr Eifer, ibre stille, rastlose Arbeit wohlbekannt, und in nicht geringem Maße ruht mein Interesse auf dem Fortschritt und dem Aufblühen der Stadt. Ich habe es mir deshalb angelegen sein lassen, aus eigenem Angewchein mich zu überzeugen, in welcher Weise deutsche Bürger hier ihrer Pflicht genügen, im Bewußtsein, daß ein jeder an seiner Stelle und in seinem Stande und Gewerbe ein Stück mit an dem Bau wirkt, den wir hier errichten müssen zur Er­haltung des Deutschtums. Herrlich und groß ist die Geschichte des deutschen Bürgertums, wenn wir zurückblicken auf die Entwickelung und die hohe Kultur, die es erreicht hatte, bevor der 30iährige .Krieg uns zurückwarf. Ich hege das feste Vertrauen und die Ueberzeugung daß sowohl die materielle wie die geistige Entwickelung dieser Stadt durch die Tatkraft ihrer deutschen'Bürger sich entwickeln werden, daß. sie grünen, blühen und ein Zentrum sein werde deutscher Arbeit, deutschen Geistes und deutschen Lebens. Daß es so sein möge, das walte Gott!

Tann ließ sich der Kaiser die ältesten der anwesenden Stadtvertreter vorstellen und unterhielt sich mit dem Ober- bürgernneister über den hiesigen Holzgroßhandet. Abg. Aronson stiftete ein großes Ebenbild des Kaisers für den Sitzungssaal. Der Kaiser begab sich dann zur Kaserne, wo ein R e i t e r s e st stattfand. Nach dem Aufziehen der Wacht- parade in der Uniform von 1730 sprach Leutnant von Brockhausen den Prolog. Herolde bliesen Fanfaren. Es folgten Quadrillen in historischen Kostümen des Regiments, Evolutionen auf ungesattelten Pferden, komisches Inter­mezzo und Tandemreiten. Das Fest schloß mit einer Ova­tion für den Kaiser. Die ausführenden Offiziere, Char­gierten und Mannschaften ritten gleich flott und boten frische farbenprächtige Bilder.

Um 61/2 Uhr begaben sich der Kaiser, das Gefolge und die Gäste nach dem Stad tthc ater. Zur Aufführung gelangteR 0 ß b a ch, ein Gedenkblatt uns der Geschichte des Regiments", verfaßt vom Direktor des Theaters, Leo Stein, Musik von Einödshöfer. Tie Treppe zur Kaiser­loge war mit Dragonern in historischer Tracht besetzt. Als der Kaiser die Loge betrat, brachte der Direktor ein drei­faches Hoch aus. Tie Musik spielte die Nationalhymne. Tas Stück zeigt NN ersten Bild in derben Reimen das Biwakleben des dritten Dragonerregiments am Vorabend der Schlacht bei Roßbach und die mutige Stimmung der Soldaten. Im 2. Bild erscheint Friedrich II., wie er [eine tapferen Reiter ehrt. Nach der Vorstellung nahm

der Kaiser aus den Händen des Verfassers das Manu­skript der Dichtung entgegen, das in den Farben des jubi­lierenden Regiments gebunden war und sprach seine leb­hafte Befriedigung über das Stück und die Darstellung aus. Um 8 Uhr verließ der Kaiser mit Gefolge das Theater.

Um 8V1 Uhr reiste der Kaiser nach Wildpark ab.

Der Ka ser und Prinz Albreht.

Aus Anlaß des 4 0 j ä hr i g e u I u b i l ä u m s des P r i n z en Albrecht von Preußen als Chef des 1. Brandenburgischen Tragonerregiments Nr. 2 in Schwedt wurden, wie wir be­richteten, vom Kaiser und dem Prinzen Albrecht bei der Hof­tafel Trinksprüche ausgebracht. Tie Ansprache des Kaisers an den Jubelchef lautete:

Königliche Hoheit! Ich ergreife in dieser Stunde das Wort, um meiner herzlichen Freude Ausdruck zu geben, daß ich Eure Königliche Hoheit, die eine der höchsten Ehrenstellen in der Armee innchaben, und welche dieses Regiment mit steter Auszeichnung geführt haben, beglückwünschen kann. Wie cs nur wenigen vcr- aönnt ist, wie Ew. Königl. Hoheit, den Feldmarschallstab zu führen, so weist die Regimeittsgeschichte Ruhmestaten auf, her­vorragend in der Armee. Es war dies Regiment, an dessen Spitze der Große Friedrich sich nach dem Tage von Koltin setzte, um neue Siege zu erringen und neue Lorbeeren zu ernten. Heute sehen wir einen Hohenzollern als Feldmarschall an _ber Spitze, der seit 40 Jahren durch sein Wirken in alter preußischer Treue, in selbstloser Hingabe an dm Dienst jederzeit vorbildlich gewirkt hat.* Möge Ew. Königl. Hoheit imponierende Soldatengcstalt dem Regiment noch lange erhalten bleiben. Seine Königl. Hoheit Ge­neralfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen Hurra! Hurra! Hurra!"

Hierauf erwiderte Prinz Albrecht mit folgenden Worten:

Euere Majestät haben. mich heute mit Gnadenbem-'-isen über­schüttet. Euere Majestät sage ich meinen untertänigsten Tank für die außerordentliche Gyade, Güte und Nack'sickt mit der Euere Majestät und Euere Majestät Vorfahren mich beurteilt haben. Tas Regiment wurde mir zu jener Zeit übergeben, als es zum "rstenmal nach 50 Friedensjahren wieder krsta"riscke Lorbeeren geerntet hatte. Es war für mich eine besondere Ehre, gerad" an diesem bedeutungsvollen ^age an die Spitze d"9 Reosment^ berufen zu werden Euere Majestät wissen, daß das Regiment in zwei weiteren Feldzügen wacker sein-' Schuldigkeit (rinn hat Euere Majestät können aber versichert stin, daß das Regiment in unablässiger Friedensarbeit gerüstet ist, wirkliche Attackeg zu reiten, daß es darauf wartet, b"weistn zu können,.was es für Kaiser und König zu tun imstande ist, der dem Regiment so un­endlich Ehre erwiesen hat. Sc. Maiestä.'. unser allergn>"digster Kaiser Wilhelm TT Hurra? Hurra! Hurra!"

Paiitische cknaeclüiau.

Die konfessionelle Studentenverbindung.

Seit einiger Zeit macht sich an einigen deutschen Hoch­schulen eine gegen die konfessionellen Studentenverb^ud- nngen gerichtete Bewegung immer lebhafter bemerkbar: in Jena, Hannover und neuerdings auch in Char- lottenburg Hai sie beret's zu Anträgen an die Senate geführt, in denen ein striktes Verbot d^rar'i^er Verbind­ungen gefordert wird. In erster Linie richten s'ch die Angriffe gegen di? katholischen konfessionellen Korpora­tionen, und das hat wohl seinen Grund darin, weil man davon überzeugt ist, daßkatholische Studentenverbindung" undErziehung im.Zentrumssinn" auf eins hinauskommen. Ist aber deshalb die Verfolgung dieser Verbindungen g e - rechtfertigt? Und, wenn sie es wäre, verspricht sie dann auch einen wirklichen Erfolg? Mit diesen Fragen beschäftigt sich in derStraßburger Bürgers " in sehr interessanter Weise einLiberaler". Er komm m einem verneinenden Urteil und wirft dann die weitere Frage auf:

Ist es vom liberalen Standpunkt aus billigens- wert, daß in dieser Weise ein Stück Hochschulsreiheit denn das ist auch das Recht der Siuidenten sich Mifam» men zu tun, in welcher Form sie wollen zum Teufel geht?" Der Artikelschrüber glaubt auch dies unbedingt verneinen zu sollen, und zwar argumentiert er dabei sol- gendermaßen: Da die Liberalen sonst überall im öffent­lichen Leben für di? Freiheit einträten lVersammlungs- und Vereinsfreih^it!'>, dürften sie auch nicht zng"ben, daß an unseren Universitäten, wo diese Freiheit bestehe, eine Bresche in sie gelegt werde.Denn liberal fein so fährt er fort, daß heißt nicht nur für die eigene Tasche freiheitlich denken, sondern sich seiner großen freien Grundsätze bewußt bleiben und nach ihnen handeln, selbst wenn der Augenblickserfolg davon einem andern zugute kommen sollte. Tie großen Gedanken der Frei hen dürfen wir nicht schädigen, am eigenen Leibe könnte uns einmal diese Sünde am Geiste der freiheitlichen Hochschulverfassung treffen. So sehr wir erkennen^ daß in den konfessionellen Studentenverbind> ungen einePolitikgetrieben wird, die alles andere wie liberal ist, so duldet unsere freiheit­liche Gesinnung doch nicht, deswegen die Hand zu einer unfreiheitlichen Maßregel jii bieten. Unser Stndenten- lebcn ist heute ebenso parteiisch und 'erfahren, wie nnfcr ganzes öffentliches Leben. Nichts wie Fraktionen und Frakliönchen! Aber um diesen Zustand zu ändern, da muß man an einer anderen Ecke anpacken als an dem Zipfel des Verbots konfessioneller Verbindungen!"

Wo und wie angepackt werden soll, wird freilich nicht weiter ausgeführt.

Das politische Testament Paul KriigerS.

Bei dem am 16. b. M. in Pretoria erfolgten Be, aräbnis des früheren Präsidenten Krüaer verlas General Botha Krügers politisches Testament, ^as Testament ist in dpc Form eines Antworchriefes auf eine Mitteilung, die der im Mai d. I. in Pretoria abgchaltene Burenkongreß an Kstüger lanbte, gehalten. Es lautet: ..

In aller Traurigkeit und allem Leid, die nicht Teil sind, hat mich dieser Gnrß mit Dankbarkeit erfüllt, und mit ganzem Herzen danke ich allen denen, die versammelt sind, um über die Gegen­wart und Zukunft zu beraten, und dabei an ihren alten Staats­präsidenten gedacht und dadurch gezeigt haben, daß sie die Ver­gangenheit nicht vergessen haben denn wer eine Zukunft schastm, will, möge, die Vergangenheit nicht aus dem Auge verlieren. Deshalb suchet in der Vergangenheit alles Gute und Schöne, was in ihr zu finden ist, entfaltet danach Euer Ideal und versuchet, dies Ideal in der Zukunft zu verwirklichen. Es ist

wahr, vieles von dem, was gebaut wurde, ist jetzt vernichtet, zerstört, verfallen, aber mit Einheit des Geistes und mit Der* cintfr Kraft ist es möglich, das wieder aufzubancn, was nieder- gerissen wurde. Es erfüllt mich auch mit Dankbarkeit, zu sehen, daß Einigkeit in Eurem Bunde besteht. Vergeßt niemals die ernste Warnung, b?e in dem Worte divide et impera liegt, und seht zu. daß dies Wart niemals auf die Afrikandernation Anwen­dung finden möge. Tann werden unsere Nationalität und unsere Sprache erhalten bleiben und blühen. Was ich selbst noch davon cwleben werde, stcstn in Hand. Unter der englischen Flagge geboren, habe ich nicht den Wunsch, unter ihr zu sterben. Ich habe gelernt, mich bei dem bitterem Gedanken zu bernhig"n. daß ich meine Augen in einem frembeii Lande, im Exil, allein, fern von Verwandten und Freunden, die ich niemals Wiedersehen werde, schließen muß, in weiter Ferne Dm j^r afrikanischen Erde, die ich voraussichtlich niemals wieder betreten werde, in weiter Ferne von dem Lande, dem ich mein Leben gewidmet habe, um es der Zivilisation zu eröffnen, und wo ich die Entwicklung einer Nation sah Aber diese Bitter­keit wird gemildert, so lange ich an der Ueberzeugung festhalten darf, daß das einmal begonnene Werk fortgeführt werden Jütrb, denn dann erfüllt mich die Hoffnung und Erwartung, daß das Ende des Werkes gut sein wird. So fei es! Aus dem Grunde meines Herzens grüße ich Euch alle. Krüger.

An der Feier nahmen gegen 2000 Burghers teil. Drei holländische Geistliche hielten Gedächltnisreden, in denen sie die Vaterl ndsliebe und das musterhaft religiöse Leben des Tabin- geschiedenen feierten. Der Hauptredner Pastor Bosmann führte aus, daß die Buren der neuen Flagge, dem Symbol der Gleichheit und Freiheit, treu ergeben seien. Sie dürfen aber niemals Krügers Grundsätze ver­gessen und ihr Volk müsse den von Krüger vorgezeichneten Linien der Entwickelung folgen.

*

Aus dem ungarischen Parlament.

B u d a p e st, 16. De^.

Tie heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde unter größter Aufregung eröffnet. Nachdem den Wortführer der Volksparteu Rakovszky, unter riesigem Lärm der Mehrheit der Regierung aufs schärfste ange­griffen hatte, erhob sich Tisza und erklärte, er wolle das Haus auslösen. Tie Minorität möge zu diesem Zwecke Konstituierung des- Hauses und Jnoemnität ge­währen, da er nöttgenfalls auch ohne Indemnität die Neuwahlen vornehmen werde. Kossuth erwiderte, die vereinigte Opposition habe beschlossen, mit dieser die Ge­setze nicht achtenden Regierung in keinerlei Verbindung zu treten. Bei diesen Worten erhob sich die gesamte Oppo­sition und umjubelte eine Viertelstunde lang Kossuth. Nun: will Baron B a n f f y sprechen, doch läßt ihn die Majorität nicht zu Worte kommen und macht einen solchen Skan­dal, daß der Präsident die Sitzung suspendierte^ Baron Banffy sprach unter furchtbarem arm, und Hohngelächter der Regierungspartei. Er verweigerte der ungesetzlichen Negierung die Indemnität und ist über­zeugt, daß die Auslösung des Hauses im Ex lex-Zustande nicht erfolgen könne.

Nach Wiedereröffnung der Sitzung hielt Polonyi eine die Regierung und das Präsidium schmähende I1/2- stündige Rede. So oft der Name des Präsidenten ge­nannt wird, ertönt der Ruf:Schuft!" Wenn der Vor- sivende die Rufer zur Ordnung verweist, tobt die Oppo­sition. Nach Polonvi macht Rosenberg sensationelle Mit­teilungen über Banffy. Rosenberg erklärte, daß er zuv Zeit des Regimes Banfsy von vertrauenswürdiger Seite aufgefordert worden sei, etwas zu tun, da Ban.ffy einen Staatsstreich plane. Er habe sich an Tisz« und Szell um Hilfe gewendet. Diese Erklärung Rosen­bergs wird von der Opposition verhöhnt. Baron Banffy sagt, er wisse von diesen Dingen nichts, man scheine Rosen­berg getäuscht zu haben. Graf Tisza bestätigt die An­gaben Rosenbergs, denen er hinzu fügt, auch er habe von vertrauenswürdiger Seite. sichere Kenntnis davon erlangt,. daß Banssy ohne Gesetz die Steuern einheben, die Rekru­tierungen vornehmen und die widerspenstigen Komitats^- munizipien auslösen wollte. Die Opposition versuchte vev-s gebens, die Wirkung dieser Erklärungen Tiszas durch Lar- nten abzuschwächen.

Nach Tisza sprach wieder Banffy und erklärte zö­gernd, daß seine Negierung zur Bekämpfung der Obstruk­tion wohl allerlei Mittel in Erwägung zog, an die Details erinnere er sich aber nicht. Sein Mcktritt sei auf Zuredenr des Grasen Andrassy erfolgt. (Ruse rechts: Das ist nicht wahr!)

Der Abg. Rosenberg rüst während der letzten Worte Banssys:Damit Sie nicht länger zweifeln, erkläre ich Ihnen, daß ich die Daten vom Mimstericrlrat Jeszensky erhalten habe!" Jeszensky war der intimste Vertrauens­mann Banssys. Damit war die peinliche Szene beendet.

Gras Tisza begab sich heute abend nach Wien.

Eine neue Nei San statt.

Die Gebäude der Biologischen Abteilung des Gejundtzeitsamtes auf dem Versuchsfelde in Dahlem bei Berlin sind soweit fertiggestellt, daß ein Teil der Räume bereits in Benutzung genommen werden konnte; vom 1. April 1905 ab soll die ganze Abteilung in die neuen! Gebäude verlegt werden. Hiermit ist der Zeitpunkt ge­kommen, die biologische Abteilung auch geschäftlich von dem Gesuudheitsamte zu trennen. Diese Trennung wird nicht nur dem Präsideuten des Gesundheitsamtes die ange­strebte Entlastaing von einer Verantwortung bringen, die er schon mit Rücksicht auf die Entfernung des Versuchs­feldes und der Arbeitsräume von dem Gestmdheitsamte aus die Dauer kaum übernehmen könnte, sondern auch der in der Folge als ^Biologische Anstalt sür Land- und Forstwirtschaft" zu bezeichnenden Bio­logischen Abteilung die Möglichkeit gewähren, sich auf ihrem eigentümlichen Arbeitsgebiete frei zu entwickeln. Das im nächsten ReichShauShalt vorgesehene Etatssoll setzt sich zu- Jammen aus der Forderung von 10 000 Mk. für den Direktor und der von 25 500 Mk. für die Mitglieder der Anstalt. An der Btologischen l'lbteiluug des Gesundheitsamtes waren seither 4 Mitglieder tätig. Diese sollen in die neue Reichs- austalt übertreten. Daneben ist noch die Schaffung einer weiteren Mitgliedsstelle für einen Botaniker erforderlich, da ein Teil' der bisher von dem! Direktor bewältigter^