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nächst wurde dem neugebackenen Menageriegehilfen der Auftrag, dem Herrn Direktor behilflich zu sein, einem Löwen, der am Tage zuvor sein wüstenkönigliches Leben ausgehaucht hatte, das Fell abzustreisen. Und als man damit fertig war, mußte der Gehilfe selbst in das Löwenfell kriechen, der Direktor staffierte ihn kunstgerecht aus und wies ihm dann einen Käsig zum Aufenthalt an, wo er sich nun wie ein naturgeschichtlich echtes Katzentier zu gebärden hatte. Der Herr Direktor hatte einen glücklichen Griff getan; der neue Löwe brüllte so echt, als wäre er in der Wüste Sahara geboren worden. Dabei rüttelte er an den Eisensläben, wie — nun wie ein wütender Löwe. In seinem Uebereifer ging er aber zu weit, und so geschah es, daß plötzlich die Seitenwand des Nebenkäfigs, die ihn von einem leibhaftigen Tiger trennte, einstürzte. Himmel und Hölle! Da war es aus mit dem Löwenmut! Der Pseudo - Wüstenkönig drückte sich scheu in die Ecke und schrie laut vor Angst Hilfe! Hilfe! Er sah schon sein letztes Stündchen kommen, als plötzlich sein Nachbar, der Tiger ihm, dem Löwen, zu rief: „Du Schof! Wat brüllste denn esu! Ech ben jo och ritt echt!
* Kleine Tageschronik. In H a mburg verhaftete die Polizeibehörde eine 40jährige Frau, die einem pensionierten Zollbeamten unter falschen Vorspiegelungen 50 000 Mk. abschwind'lte. — Ms mutmaßlicher Verüb er des Doppelr aubmo rdes in Lens (Belgien) wurden der ehemalige belgische Geud arm Ta - oate aus Lüttich und dessen Nachbar ,Landwirt Syromont, verhaftet. — In Alberndorf (Holstein) wurde dem^Jagdvächter Uf.ns bei dem Uebersteigen eines Zaunes durch eine Schrotladung der ganze Hinterkopf weggerissen. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. — Im Spital des Elisabeth-Armenhauses SU Budapeft hat die dort in Behandlung stehende Vfründnerin Ludovika Temeny den Spitalarzt Tr. Prattner durch zwei Messerstiche schwer verwunde t. — In Paris erschoß s i ch ein dort wohnender Graf. Seine 18jährige Tochter Hegt in einer Klinik zu Boulogne krank darnieder. Gegen den Grafen war Anzeige wegen ähnlicher Vergehen erstattet, wie sie Syveton zur Last gelegt werden — In Verviers entdeckten sroei Erdarbeiter an einer entlegenen Stelle einen Korb, worin sich Me Leiche einer ca. 35jährigen Frau befand. Sie war bereits itarf in Verwesung übergegangen. Man weiß noch nicht, ob es sich um einen Mord handelt. — In Weißenfels ertrank bei dem Vmuch, ein junges Mädchen zu retten, das in der Laale seinem Leben ein Ende machen wollte, der Leut nan t Simon. Tas Mädchen fand ebenfalls den Tod. — In Bett- stein (Elsaß) sind fünf 'Personen an den schwarzen Pocken ? rkrankt. In Teutsch - Oth sind zwei Kinder an derselben Krankheit gestorben. — In Horburg (Elsaß) kamen bei dem Brande eines Wohnhauses der Gemeind erat Schneider rnnd dessen elfjähriger So hn in den Flammen um. Ein uveiter Sohn trug tätliche Brandwunden davon. — In ben Pulverfabriken des Kommerzienrats Güttler in M aifritz dorf bei Reichenstein (Schl.) Mirden zwei Werke durch Explosion zerstört, wobei 8 Arbeiter getötet wurden.
Aröriterviwcgung.
— Ei it Streik der Zigarrenarbeiter brach vor «nein halben Jahre in Halberstadt aus, der in unverminderter Schärfe fordauert. Der Unbefangene — so sagt die „Halberst. Ltg." — fragt sich, welche Gründe liegen denn eigentlich vor, daß die Arbeiter jetzt schon im fünften Monat untätig und ohne Verdienst herumlaufen? Fragt man nun nach dem Grunde, so wird c ls einziger die alte, feit 1892 ruhig.und unbeanstandet in den Fabriken hängende Fabrikordnung angeführt, die auf einmal im August seitens der Agitatoren für eine „Zuchthausordnung" erklärt wurde. Erkundigt man sich nun weiter über das Bedenkliche dieser Fabrikordnung, die von der Polizei revidiert und genehmigt ist, so erfährt man, daß die schweren Strafparagraphen darin die Ursache des Streites seien, und geht man der Sache ganz auf den Grund, so hort man, daß in sieben Fabriken in dem Zeitraum von zwölf Jahren fage: sieben Mark und 15 Pfg. Strafgelder erhoben worden finb, das macht auf die einzelne Fabrik jedes Jahr dick gerechnet grenze 9 Pfennig! Um diese 9 Psg. dreht sich also der Streit, und wegen dieser 9 Psg. haben die Zigarrenarbeiter bis heute ein Lohnkapital von gut 100009 Mk. v erstreikt.
Kunst ri"b Wissenschaft.
Der Militais-Attachee bei der deutschen Gesandtschaft in Rom, stlügeladjutant Major v. Ehelius, überreichte am 15. d. Mts. der Königin-Witwe Margherita von Italien sein neuestes musikalisches Bühnenwerk „Die vernarrte Prinze ß", Fabelspiel von Otto Julius $ ter bäum, welches am 8. Januar 1905 zum ersten Male in Schwerin auf- gxführt werden wird und der Königin Margherita gewidmet ist.
— Der Bericht des Ueberwachungs-Aiisschusses über den Bau- z ui stand der Markuskirche in Venedig lautet sehr beunruhigend. Eine ungleichmäßige Senkung der Grundmauern wurde festgestellt. Durch diese Senkung sind zwei Wölbungen und die große Kuppel ernstlich gefährdet. Es wird der sofortige Beginn oon Ausbesserungsarbeiten verlangt, die ungefähr 200000 Lire kosten dürften. _________
Aniversttäts-Aachrichten.
— Gräfin Helene Schweinitz hat als erste Dame an der Berliner Universität das z a h n ä r z t l i ch e Staatsexamen mit „sehr gut" bestanden.
Frankfurt a. M., 16. Dez. Die Zahl der Hörer der Handelshochschule beträgt für das laufende Wintersemester nach bem vorläufigen Abschluß insgesamt 637 gegen 44 des vergangenen Sommersemesters. Die Zahl der Besucher (immatrikulierte Studierende) hat gegen das vorige Wintersemester um mehr als 20 vom Hundert abgenommen.
Handel und Aerke!?r. WokkswiNsÄast
Der Verbrauch von fabrika 1 ionsreifem Roh- cabak wird amtlich für 1903 im Deutschen Reich unter Berückst chtiaung der Ein- und Ausfuhr auf 1,34 Kilogramm für den Kopf berechnet. Mit Tabak bebaut wurden im Jahre 1904 un deutschen Zollgebiet 15 900 Hektar gegen 16 552 Hektar im Jahre 1903. Im Jahre 1903 belief sieh der Diirchschnittsertrag vom öeftar auf 20 Doppelzentner gegen 21,8 Doppelzentner im Vorjahre Der mittlere Preis für 1 Doppelzentner dachreüen Tabak berechnet sich, einschließlich der Steuer, für das Zollgebiet auf 82,6 Mk. wie im Vorzahr. Nach den Berichten der Direktiv- bebörben war die Tabakernte verhältnismäßig gut bis befriedigend in: Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, Posen, Hessen, Mecklenburg, Anhalt, Elsaß-Lothringen und Baden, im übrigen mittel- nufimg und noch geringer. Die Tabaksteuer ergab für das „Ern te- ja-'or 1903 einen Ertrag von 11,7 Millionen Ml-, der Zoll vom Tiabnf 58,8 Millionen Mk. Nach Abzug der gezahlten Ausfuhr- Deergütungen (Zollvergütiing: 241 182 Mk., Steuervergütung: 1(11614 Mk.) verblieben als Reinertrag der Tabakabgaben 691,6 Millionen Mk., d. i. 1,17 aus den Kops der mittleren Be- DÖÖlfenmg. ,
Washington ,16 Dez. Der bekannte französische volkswirt- ^Hftliche Schristslellcr Pvcs Guvot der sich seit einiger Zeit im ben Vereinigten Staaten aufhält, hat ein neues SYn - )i ka t organisiert, um die kommerzielle Eroberung lk iropas durch ame rikani sch es Kapital durchzu- :i> ihren. Tas neue Syndikat besteht aus Amerikanern und Fran- io'i’n. Vorerst besteht die Absicht, das Palais Royal in 9 iris anzukausen und in ein amerikanisches Warenhaus (irriüten Stils um?,uw ndeln. Tas Synbitat beabsichtigt, ijtfie Riesenwarenhäuser in allen europäischen ; - aafen zu etablieren, ^^ch Varis soll auch Berlin an bic h ibc kommen. Mit der Zeil gebeult das Syndikat, Warmhäuser u 'H nur in allen Hauptstädten Europas, sondern auch in allen
bedeutenderem PrvvinzialftMen der verschiedenen Länder zu errichten.
Märkte.
Gießen, 17. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pid. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Pfg. 2 Stck. 15—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbfen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 82 Pfg., Taubenvr.Paar0,80 — 0,90Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55-60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch vr. Pstmd 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepfel per Zentner 5 bis 8 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 25-30 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.00—0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeil 8-2 Uhr.
fc. Frankfurt a. M., 16. Dez. Heu- und Stroh- markt. Heu kostete heute Mk. 3.30—3.50, Stroh Mk. 2.10 bis 'Mk. 2.30. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.
Wochenbericht der Kuxenabteilung des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr.
Hannover, 15. Dez.
Auf dem Kali-Kuxenmarkt kam in der abgefaufenen Bericht sw oche eine einheitliche Tendenz nicht zum Ausdruck. Von schweren Papieren wurden besonders Glückauf Sondershausen bis 15 300 Mk., Hercynia bis 22 300 Mk. und Wilhelmshall bis 12 650 Mark lebhaft umgesetzt, wohingegen Hohenfels auf die bekannten Syndikatsdifferenzen hin bei 10 900 Mk. vergeblich angeboten wurden. Neuftaßfurt, sowie Hedwigsburg erzielten bei geringen Umsätzen ihre vorwöchentlichen Preise. Lebhaftes Geschäft entwickelte sich unter großer Beteiligung aller Kreise in mittleren Ausbeutepapieren, von denen besonders Beienrode, Kaiseroda, Hohenzollern, Justus I. Kursavanzen bis zu 300 Mk. erzielten. Alexandershall liegen bei 6600 Mk., Brief flau. Dasselbe gilt Johannashall bei 5825 Mk. und Einigkeit bei 4000 Mk. Brief. Leichte Papiere schwächten sich saft durchweg ab. Von der allgemeinen Lustlosigkeit, die für diese Kategorie von Werten herrschte, wurden besonders Friedrichshall- und Sigmundsholl-Akt., die bis 75 Mk. im Kurse verloren. Tie übrigen Werte, wie Hansa- Silberberg, Hattorf, Großherzogin Sophie, Immenrode, Deutschland und besonders Emilienhall und Albrechtshall lagen bei gleichfalls gewichenen Kursen fast umsatzlos. In Hermann II. brachte oas größere Angebot ebenfalls eine Abschwächung des Kurses bis 250 Mk. Brief mit sich.
Die Stagnation auf dem Kohl en-Kuxenmarkt hält weiter an. Tie Spekulation verhält sich auch auf diesem Gebiete zurückhaltend ,zumal die großen Börsen in den letzten Tagen mehrfach schwache Tendenz melden. Von schweren Werten wurden Constantin der Große ,König Ludwig, Mont Genis und Helene u. Amalie unter ihren letzten Kursen vergeblich angeboten. Für Lothringen, Friedrich der Große und Königin Elisabeth traten erst bei gewichenen Kursen wieder Käufer auf. Mittlere und leichte Papiere weisen nur geringe Aenderungen auf. Auguste Viktoria liegen bei 8300 Mk. weiter int Angebot ,während für Hercules nach Hinern bezahlten Kurse vor: 9400 Mk. erst bei 9200 Mk. wieder Geldkurse genannt wurden. Eintracht Tiefbau, sowie Graf Schwerin verloren ca. 100—150 Mk. Für Heinrich machte sich letzttätig bei 4475 Mk. lebhafte Kauflust bemerkbar, wohingegen Johann Teimelsberg, Tremonia, Siebenplaneten und Borussia fast vollkommen umsatzlos blieben. Altendorf, Freie Vogel und Unverhofft, Schürbank und Charlottenburg, Caroline bei Holzwickede u. a. erzielten bei leichten Schwankungen auf Basis der vorwöchentlichen Kurse vereinzelte Umsätze.
^crichtslaal.
Zweibrücken, 15. Dez Der Installateur Ludwig König von Ludwigshafen, welcher auf feine in Scheidung begriffene Ehefrau einen Mordversuch verübte, wurde vom Schwurgericht »e fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.
Beuthen (O.-Schl.), 15. Dez. Tie Strafkammer verurteilte den Redakteur Dcsdarak von dem polnischen Blatte „Gwiazda" wegen Anreizung zum Ungehorsam gegen die Be- Hörden zu 450 Mk Geldstrafe.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 18. Dezember 1904: Meist trüb, Temperatur wenig verändert, sehr mild, nur in Oberhessen geringer Regen.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
WltnlMr AkdrrM irr TedrsWk in da Ziildt Kikßkv
44. Woche. Vom 23. bis 29. Oktober 1904.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 13,23
nach Abzug von 3 Ortsfremden: 4,56°/m.
Kinder
Es starben an: Zusammen:
Miliartuberkulose 1
Dyphtherie 1 (1)
Lungenerweiterung 1
Hirnentzündung 1
Blinddarm
entzündung _______3 (2)
Erwachsene: int vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr e e<->
— 1 —
2(2) — 1
Summe 7 i3) 4 (2) 1 2 (1)
An m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Familicn Nachrichten.
Gestorben: Herr Jaques Weiß jr. in Mainz.
Neu eile Nleliuiiiaeii.
Ovigi naldrahtmeldnttgen des Gießener Anzeigers.
R.-B. Darmstadt, 17. Dez. (Eigener D rahtbericht.) Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß zu der Vermählung 8- feiet des Großherzogs in Darmstadt am 2.Februar k. Is. der Kaiser seine Gegenwart zugesagt hat.
R.-B. Darmstadt, 17. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Die Zweite Kammer erledigte heute, nachdem die Abgg. Köhler und Bähr wiederholt vergeblich die Vertagung der Vorlage zu erreichen versucht hatten, das Gerichtskosten- geseh, das im wesentlichen noch den Anträgen des Ausschusses zur Annahme gelangte. Die Beratung über das Forstverwaltungsgesetz und der Antrag wegen Umwandlung der Realschulen in Groß-Umstadt und Alsfeld in Oberrealschulen wurden wieder von der Tagesordnung abgesetzt. Zum Schluß fand noch eine Besprechung der Anfrage der Abgg. Schlenger und Reinhart über die Verunreinigung der Flüsse statt. Dann schloß Vizepräsident Reinhardt die Sitzung um 1 Uhr, indem er dem Hause fröhliche Weihnachten und ein frohes neues Jahr wünschte.
Berlin, 17. Dez. DaS „Verl., Tagebl." veröffentlicht eine Zuschrift des früheren Landeshauptmanns von Deutsch- Südwestafrika, Major a. D. Kurt von Francois, in welcher derselbe erklärt, daß er Hendrik Witboi so gut wie niedergeworfen hätte, als Ober st ßeutro ein zu Beginn des Jahres 1904 na ch Südwestafrika kam und daß er die Entwaffnung der Wittbois und der anderen Hottentotten-Stämme erreicht hätte, wenn man ihm Zeit und
Selbständigkeit gelassen hätte. Von einem entscheidende'n Erfolge LeutweinS könne keine Rede sein, sondern nur von einem erkauften Frieden. Durch die Verdrängung der Hottentotten von Rietmond habe man sich der Möglichkeit begeben, sie zu vernichten. Die Nachsichtigkeit den Eingeborenen gegenüber habe das Ansehen der deutschen Macht in den Augen der Hottentotten ungemein ge- chädigt.
London, 17. Dez. Der „Standard" ist gegenüber Gerüchten wegen des Planes des Baues eines zweiten Suezkanals als Konkurrenz gegen den bestehenden Kanal in der Lage, nach bester Quelle zu erklären, daß irgend welches Privatunternehmen dieser Art schwerlich die Unterstützung der egyptischen ober der englischen Regierung finden werde. Es werde den unzufriedenen Schiffsbesitzern so gut wie unmöglich fein, eine solche Konzession zu erlangen. — „Daily Mail" meldet aus Kopenhagen von gestern: Kaiser Franz Josef werde im nächsten Frühjahre Kopenhagen besuchen, um an einer internationalen Friedenskonferenz von Monarchen teilzunehmen. Der Berichterstatter glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß der Zar und König Eduard bereits zugesagt haben. Man erwartet, daß auch Kaiser Wilhelm an den Beratungen teilnehmen werde.
Wien, 17. Dez. Hier traf die Antwort der deutschen Reichsregierung auf die Anfrage der öst erreich isch-ungarischen Regierung ein, ob man in Berlin geneigt sei, nochmals in Handelsvertrags-Verhandlungen einzutreten. Die Antwort spricht den Wunsch danach und die Einladung aus, die Experten der österreichisch- ungarischen Regierung möchten zur Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandtungen nachBerlin entsendet werden, um sich mit den deutschen Experten über die noch strittigen Punkte, namentlich über die Veterinärfrage, auseinanderzusetzen. Der Ministerrat wird sofort eine Antwort aus diese Einladung in zustimmendem Sinne beschließen.
Wien er-Neustadt, 17. De). D?r preußische Untertan Karl Gegelmanu wurde vom hiesigen Schwurgericht wegen meuchlerischen Raub mordes begangen an* dem Backergehilsen Waber zu 15 Jahren schweren und! verschärften Kerkers verurteilt.
Petersburg, 17. Dez. Kapitän Clado ist aus Veranlassung des Zaren aus dem Arrest entlassen worden. Diese Maßregel wird als eine Mißbilligung des Vorgehens des Großfürsten Alexis und der Admiralität angesehen.
Pretoria, 16. Dez. Beisetzung des Expr äsident en Krüger. Nach der Rede des Geistlichen pries* Schalk Burger den Charakter des Toten. Dewet erklärte, die Ideale Krügers seien die der Bevölkerung der; beiden früheren Republiken. Botha verglich Krüger mit dem Moses der Israeliten. Die Hoffnung auf ein großes Reich nördlich des Vaalflusses, das von Meer zu MeeH reiche, sei sein Ideal gewesen. Auch, mit Treue gegen England lasse sich dies noch heute durchführen. Tie Einigkeit der Weißen Rasse in Südafrika sei notwendige und "er begrüße es mit Freuden, daß englische und holländische Kolonisten gemeinsam dem größten Toten Südafrikas' die letzte Ehre erwiesen. Botha mahnte zur Einigkeit- damit das divide et impera niemals den Buren gegenüber! wirksam angewendet werden könne. Während der Beisetzung wurde ein von König Eduard b e,fo hlenep Geschützsalut von 21 Schüssen abgegeben. A!n dep Beerdigung nahmen Delegierte aus allen Teilen Südafrikas, frühere Mitglieder des Rates und Beawte der; Republiken, sowie Regierungsvertreter der englischen Regierung und der Kolonien teil. Die Zahl der bei dem! Leichenzuge Spalierbildenden wird auf 30 000 geschätzt.
Vom Kriege.
London, 17. Dez. „Daily Mail" behauptet, daß n ichk nur englisch e Kohlen nach Rußland und nach dem fernen Osten gehen, sondern daß von London in den letzten Monaten Tausende von Tonnen Dynamit, Granaten, Munitio n, S chießbaumwolle und andere Explosivstoffe die Themse abwärts gingen, um an deren Mündung auf Dampfer für Ostasien umgeladen zu werden. Der Berichterstatter machte die Fahrt auf einem solchen Dampfer mit, der vier derartig beladene Kähne mit sich schleppte Die Mannschaft wird wahr-, sch-einlich in chinesischen Häfen durch chinesische Bemannung abgelöst werden, da sie sich zum Blockadebruch schwerlich bereit finden lassen wird. Eine in weiten Kreisen sehr angesehene Firma! soll mit diesem Handel zu tun haben.
Peking ,16. Dez. (Reuter.) In und bei M ukden befindet sich nahezu 30000 Chi nesen obda chlos. Reiche Chinesen in Peking und Tientsin! sammeln Hilfsfonds. In Tientsin liegen 30 000 Fellmäntel zur Absendung bereit. Aber die Japaner erlauben den Transvort nicht, weil ste glauben, die Russen! würden die Mäntel an sich nehmen, obgleich die Russen versprachen, dies nicht zu tun.
Tschifu, 16. Dez. (Reuter.) Die aus Port Arthur eingetroffenen Russen bestä tigert die Versehrkung der russischen Kriegsschiffe. Sie erklären, die Japaner hätten dies schon vor zwei Monaten fertig bringen können,! offenbar aber die Beschießung der Forts vorgezogen. Die Zerstörung der Schiffe durch die Japaner läßt nach russischer Ansicht erkennen, daß die Japaner die Hoffnung aufgegeben haben, die Festung zu erobern- In den letzten 30 Tagen hatten die Javaner 3 !Dorpedoboote verloren. Dais dritte funk bei oent Nachtangriff am 14. Dezember. Am Hohen Hügel hatten die Japaner 12000 Mann Verlu st. Sie können den Hohen Hügel nur als Beobachtungsposten besetzen. Von den Hauptforts ist keines gefallen. In den letzten 14 Tagen trafen drei Dampfer mit Munition und Lebensmitteln in Port Arthur ein. Die Russen hoffen, daß sich die Festung noch 'Nele Monate halten wird. Tas Boot verließ Port Arthur während eines Schneesturmes; die Russen waren bei ihrer! Ankunft in Tschifu nahezu erfroren. Sie überbrachten zahlreiche Depeschen.
Telephonischer Kursbericht.
«V,o/o Reichsanleihe . . 101.50 8V. do. . . 89.95
Konsola . . . 101.45
3 °/n do.....89.80
8*/..fi/n Hessen .... 100.00 3*/,% OberhesRen . . . —.— 4% Oostorr. Goldrento . 101.60 4*/6®f) Oesterr. Silbcrrento 100.20 456 Urnrnr. Goldrento . . 99.75 40/ Italien. Rente , . . 104.40 4* ,56 Portugieser . . . 63.70
3«'/ Portugiesen. , . 63.00
1 % Türken . . .
Tllrkenloso . . 127.70
4°/0 Griech. Monopo Anl. 47.70
4l/e% äusstiio Argontincr 45.20
89/,, Mexikaner .... 89.80 4V9qA Chinesen . . 92.05
Electric. Schuckert . . . 124.20 Nordd. Lloyd . . . . 104 55
Kroditektien . . «. . 21210
Diskonto-Kommandit. . . 192 60 Darmstadter Bank . . 143.20
Dresdener Bank .... 158.40 Berliner Handels^es. . . 164.20 Oesterr. Staatebahn . . . 189 80 Lombarden.....17.70
Ootthardbahn .... 193.00
Laurahiltto...... 259.00
I Bochum....... 282.30
Unrpener......217.30
Schal zschoine « .... —•—। ; fest


