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17.11.1904 Erstes Blatt
 
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Erftes Blatt.

B

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen

Hchnlstratze 7. tlbrefie für Depeschen: Unzetger Wietze«. ^entfprrd)anld)fub 51.

154. Jahrgang

Donnerstag 1^. November 1804

Be-agSprstOi

Nr. Ä7I

Br|*t4öt tSg(i<8 ander Sonntag».

Dem G'ehener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kekfischen Landwirt die Gtegener Familien- Blätter viermal in der Woche beigelegL

KotationSdruck u. Ver­lag der Brü h l'schen Unwers.-Buch-u, Stein« bmderei. w. Bange.

monamch75 viertel» jährlich Ttf. 8.20. durch Abhole- u. Zwergstellen monatlich 65 Vs.; durch die Pog Btertel« jährl. auSschl Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer btö vormittags 10 Uhr. ßellfnpret»; lokal I293L audrodrtfl 20 Psg.

Verantwortlich füt den poltt und allgem. Teil v Witiko: für .Stadt und ßanb* und .GerrchtSsaaf: August Goetz, iüt den An«

Ire Heutige 'Mummer umfaßt 8 Seiten.

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D. Ar, Waumaun.

Sie auf einen engeren Zusammenschluß der rinksstehenden Parte Iren gerichteten Bestrebungen^ die neuerdings in Baden wieder im Mittelpunkte der poli­tischen Diskussion stehen, dürften in der verflossenen Woche eine wesentliche Forderung erfahren haben durch D. Fri e d - r i ch Naumann. In Heidelberg, Mannheim und Karls­ruhe hat der nationalsoziale Führer vor Tausenden von Zuhörern sein politisches Evangelium verkündet, überall predigte er die Notwendigkeit eines geeinigten, starken Libe­ralismus als des Bannerträgers allen Fortschritts, überall erweckte er Begeisterung, elektrisierte er das politische Denken und Empfinden derer, die ihm lauschten. Naumann ist- unstreitig ein hervorragender Denker, und da ihm zudem die Gabe verliehen ist, seinen Ideen in Wort und Schrift glänzenden Ausdruck zu verleihen, vermag er auch solche an sich zu fesseln und mit neuen Gedanken zu befruchten, die sein politisches Glaubensbekenntnis, namentlich soweit es sich auf die Sozialdemokratie bezieht, sich nicht in vollem Umfange aneignen.

Ten Naumann-Vortragen in Baden lagen trotz der verschiedenartig gewählten "Themata in der Hauptsache die nämlichen Gedanren zu Grunde; in Heidelberg wurden diese aber besonders ausführlich behandelt, und es sei darum hier der Inhalt der brei Heidelberger Borträge, die ein in sich abbeschlossenes Ganzes bilden, in kurzer ZusamMen- fassung wredergegeben:

In unserem neuen Deutschen Reiche, das nach einem Ausspruch Treitschkes aus dem hohenzollernschen Protestan­tismus heraus geboren wurde, regieren heute Zen­trum und Cäsar. Katholisch-organisierter Einfluß be­stimmt unsere Politik, niäfts geschieht mehr ohne das Zen­trum; in der SoziaLreform, in der Freiheit und in allen sonstigen Dingen kommen wir nur soweit, als das Zentrum mitgehen will. Die große liberale Strömung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, die protestantisch empfand, ist dahin, und wenn auch unser Kaiser für seine Person prote­stantisch ist und bleibt, so ist doch für die Gegenwart charak­teristisch das Wort, das er vor 10 Jahren in Rom zu dem Kardinal Ledochowski gesprochen hat:Eminenz werden gebeten, die Vergangenheit zu vergessend Und man hat auch wirklich angefangen, zu vergessen. Während in Frank­reich der Staat einen schweren Kampf gegen den Klerikalis- mus kämpft, sind wir himmelweit davon entfernt, einen solchen Kampf überhaupt kämpfen zu können. Erinnerungen aus der Zeit des alten römischen Reiches deutscher Nation kommen aus allen Winkeln der deutschen Politik heraus, und Papst Pius X. nennt Deutschland: Germania mea (mein Deutschland). Bei zwei Drittel Protestanten und 06 Prozent Katholiken wird alles vom Zentrum be­herrscht, Und dies ist nur Möglich, lweil es keine protestantisch-politische Partei gibt und nie ge­geben hat. Es ist den Protestanten in Fleisch und Blut übergegangen, daß der Staat nicht von der Kirche aus regiert werden darf. Der politische Katholizismus hat einen Staat im Staate geschaffen, und da ter alle Stände und Jnteressenkreise in sich begreift, so ist seine Politik not­wendigerweise die Politik der Vermittelung, der unklaren und geschraubten Formulierung. Das Zentrum bewilligt Zölle, aber mit Ausnahme, es bewilligt Flottengelder, aber mit Abstrichen, Steuern, aber mit Rückzahlungen usw. Nie­mals wird es sich fähig zeigen zu großen prinzipiellen Entscheidungen in Wendezeiten, und deshalb müssen auch die Völker, wenn sie im kritischen Augenblick eine Entscheid­ung treffen wollen, vorerst das Joch bes Klerikalismus abschütteln (Italien!). Das gilt auch für Deutschland: der Staat muß wieder als Staat erfaßt werden, und da in dieser Beziehung rechts vom Zentrum wenig zu Höften ist, kann die Gesundung nur von links konftnen, vom Libe­ralismus und der Sozialdemokratie. Seit 1887, wo das Kartell von Konservativen und Nationalliberalen zum letzten Male die Majorität besaß, ist die Bevölkerung nach links gewachsen, darum ist infolge des allgemeinen Wahlrechts es unmöglich geworden, das deutsche Reich nach konservativen Prinzipien zu regieren. Ein Wahlrecht, das die Zauberkraft hätte, Zentrum und Sozialdemokratie zu gleicher Zeit zu schädigen, ist nicht zu finden. Auch ist es undenkbar, daß eine Wahlrechtsreform mit Hilfe des Zentrums gemacht wird, durch die es selbst aus seiner Stellung herausgeworfen roird (das merkt man bei uns zu Lande in Rh ein Hessen), und so bleibt nichts anderes übrig, als die Herrschaft des Zentrums mit Hilfe der Sozialdemokratie zu brechen. Daß eine Politik der gesamten Linken möglich ist, zeigt sich heute säsim in Frankreich. Wir müssen uns daran gewöhnen, die sozialdemokratischen Massen als Grundlage für eine, nach der Zentrumsherr­schaffende freiheitlich deutsche Jndustriepolitik zu betrachten. Wohl haben diese Massen heute noch nicht den Glauben, daß die Regierung sie wirklich einmal brauchen könnte und wollte, und diejenigen, die der Sozialdemokratie ftei gegen­über stehen, fragend: Kann denn überhanpt eine Bewegung, die auf abhängigen Menschen beruht, politisch etwas be­deuten? Kanu sie staats führen den Erstand bekommen und entwickeln? Gewiß ist, daß heute im Vergleich mit der Zeit vor 40 Jahren eine Qucrlitätsverändermra der Masse da ist, im steigenden Staate wird auch die Masse weiter steigen, und zur Beschleunigung dieser Entwickelung kann das liberale Bürgertum viel beitragen. Ter Zentrumszeil muß eine zweite Wolle des Liberalismus folgen, deren einer Bestandteil die Masse ist, die hcnte Sozialdemokratie heißt, der andere der Liberalismus. Das Ideal des alten Liberalismus war der Einzelmeusch, der für sich schasst; ihm wollte man Platz machen, ihn wollte man frei machen. Es gab nichts größeres als der Einzelne, ihn aus der

Zunft und dem Bann herauszuziehen, war die große Auf­gabe des Liberalismus, ihn mit einem freien Arbeits­vertrag in die Welt zu stellen, war damals ein hohes Ziel. Heute ist der Einzelmensch wieder gebunden, wenn auch in anderer Art; der Einzelne steht in großen Ver­bänden und wird immer mehr in solche Verbände hinein- aezwungen. Neue Betriebsformen, Großbetriebe sind ent­standen, und wenn jetzt der Liberalismus sagt, wir wollen- die neue BetriebSsorm durchleuchten mit dem liberalen Gedanken der Freiheit des JrAividuums, dann ist ftir ihn kein Grund vorhanden, sich einer sachlichen Mitarbeit der Sozialdemokratie zu entschlagen: Damit verschiebt sich aber die Stellung des Liberalismus zur Welt. Bisher sah der Liberalismus den Staat als Objekt seiner Tätig­keit an. Jetzt wendet sich seine Wurfkraft gegen die ver­einigten großen Betriebe. So muß der Liberalismus jetzt den Staat anrusen, daß er seine Hilfe leihe, so muß der große liberale Betrieb, drer Staat, mithelfen, daß die andern Betriebe liberaler werden. Nun ist aber der Staat selbst nicht völlig durchliberalisiert; es gilt noch nicht vollkommen das Wort:Der Staat sind wir alle!" So ist es die doppelte Aufgabe , des Liberalismus, erstens den Staat mehr zu demokratisieren und zweitens neue Waffen, neue Rechte, neue Gesetze zu schaffen, damit der Staat stärker wird und als Schutzengel die Freiheit des Individuums gegen­über den Betrieben wahrt. Und eben darin liegt nach Naumann auch der Zukunftsgedanke: Demokratie und Kaisertum. (Sv lautet bekanntlich der Titel des besten Buchcks Naumanns.)

Naumann ist von der Nichtigkeit seiner Gedankenreihen und alles dessen, was er sagt, felsenfest überzeugt. Es> kann nur so sein, es kann nur so kommen, ein Trittes gibt es nicht für ihn, und gerade hierin liegt auch die Wurzel des Erfolges, der jeder seiner Reden sicher ist. In Baden wie im Neichslande hat Naumann in den letzten drei Wochen wahre Triumphe gefeiert; die Zusammenschlußbewegung der bürgerlichen Linken ist durch? ihn in ein schnelleres Tempo gebracht worden, ob aber Naumanns Ideen auch über dieses Ziel hinaus .Verwirklichung sinden werden, bleibt abzuwarten.Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen!"

Der Krieg.

Das Rerrlersche Bureau bringt heute folgende Meldungen vom 16. d. Mts. aus Tschifu:

Der r u s s i s ch e Torpedoboots ZerstörerR cr st 0 - r 0 p n y" traf bei heftigem Schneestnrme hier ein und ging an derselben Stelle vor Anker, wo derReschitelny" Anker geworfen hat. Alan hält es für wahrscheinlich, das; der Rastoropny" ab- rüsten wird, wenn ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt, daß er aber in der Nacht der japanischen Verfolgung zu entgehen hofft. Das Schiff brachte mehrere Nummern desNowy Krai" mit. In einer wird gemeldet, daß ein mit dem Legen von Minen beschäftigter japanischer Torpedoboot s° Zerstörer von demR e t w i s a n" abgefaßt und in den Grund gebohrt wurde. Einem unbestätigten Ge- r ü ch t zufolge brachte der Torpedobootzerstörer eine Depesche des Generals Stössel mit, in der dieser bei der Regierung in Petersburg anfragt, ob er aushalten und den Entsatz abwarten oder aus die sofortige U eb ergäbe Port Arthurs unter vorteilhaften Bedingungen eingehen sollte. Der Kapitän desRastoropny" benachrichtigte den Prinzen Tschina, derRastoropny" werde abrüsten. Dieser Beschluß wurde n a ch Eingang der Antwort auf eine nach Petersburg telegraphierte Anfrage gefaßt. Der Torpedoboots­zerstörer wurde von den Russen in die Luft gesprengt.

Danach hat sich also der Torpedozerstörer vor den Japanern nicht retten können und infolgedessen sich selber das Lebenslicht ausgeblasen, um schmachvolle Gefangenschaft zu vermeiden. Er hat diesen heroischen Entschluß erst gefaßt nach Anfrage in Petersburg, wo man jedenfalls erfreut ist über die fast gleichzeitige Vernichtung eines japanischen Torpedobootszerstörcrs.

Ob sich das Gerücht von der weiteren Anfrage: Kapi­tulation oder nicht, bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Leider verlautet nichts über die Petersburger Antwort darauf. Daß die Selbstzerstörung desRastoropny" irgendwie mit der Antivort auf diese Frage zusammenhängt, ist nicht ersichtlich und nicht wahrscheinlich. Uebrigens zeichneten sich auch diese Tschifuer Reutermeldungen wieder durch Unklarheit und einen unbequemen und umständlichen Ballast überflüssigen Bei­werks aus, von dem wir sie in der obigen Fassung befreit haben«.

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Weitere Meldungen vomRastoropny" lauten:

London, 16. Nov. TaS Reutersche Bureau meldet aus Tschifu von heute nackinittag 3.30 Uhr: Der russische Konsul teilte deut Taotai amtlich mit, daß derR a st 0 r 0 p n h" durch die schwere See uach Tschifu getrieben und entschlossen sei, sich desarmicrcn zu lassen, da er an der Maschine beschädigt sei. Weiteren Teveschen aus Tschifu von 8.30 Uhr nachmittags zufolge machte der Taotai zu dieser Zeit dem japanischen Konsul davon Mitteilung, daß die Tcsarmirrung derRastoropny" vollendet, die Berscblrißstückc der Wd)übe und die Munition entfernt und die Maschinen gebranchsunsähig gemacht worden seien. Von 7 Uhr abends wird sodann dem Reuterschen Bureau aus Tschifu tele­graphiert: Die Russen haben denRastoropny" verlassen. Nur ein Mann blieb zurück tut3 sprengt das Schiff in die Luft. Man htirte drei dumpfe Explosionen. Fast gleich­zeitig versank das Schiff. Nur eine Spiere ragt noch über die Wasseroberfläche emp''r. Eine Erklärung für dies Verhalten war heute abend noch nicht 51t erhalten; man nimmt aber an, die Russen hätten eine Wiederholung von Vorgängen wie bei der Beschlagnahme desReschitelny" vermeiden wollen.

London, 16. Nov. Reuters Bureau meldet aus Tschifu: Der Kommandant desRastvropny" hat auf Befragen geäußert: Die Aufgabe desRastoropny" sei einfach die Be­förderung vonTePeschen gewesen. Die übrigen Schiffe

feien in Port Arthur geblieben. Er sei um Mitternacht unter dem Schutz der Schneestürme von Port Arthur abgedampft. Japanische Torpedoboote hätten den Rastoropny in Sicht bekommen und ihn verfolgt. Der Rastoropny sei aber eins derschnell-» st en russischen Schiffe, sei bald den Verfolgern entkom- mcit und in Tschifu eingelaufen. Wie der Geruch des an Bord zum Frühstück gebratenen Stückes Fleisch beweise, sei in Port Arthur noch frisches Fleisch vorhanden. Nachdem der Rastoropny hinter dem amerikanischen KriegsschiffNen> Orleans" vor Anker gegangen war, machte der chinesische KreuzerH a i y u n g" innerhalb 20 Minuten Dampf und kam auf die Längsseite des Rastoropny heran. T-er Kapitän des Haiyung kam an Bord des Rastoropny und hatte mit dessen Kommandanten eine kurze Unterredung. Kurz darauf kam der amerckaniscke Admiral ^an Bord. Er wurde ebensowenig wie der chinesische Kapitän aufgefordert, in die Kajüte einzutreten, ob­gleich ein heftiger Schneesturm wehte. Ter chin e si s che Ka pi- tän gestattete dem Kommandanten, 24 S t u n d e n in Tschifu zu bleiben, mit dem Bemerken, daß das Schiff nach Maus dieser Frist gezwungen würde, abzurüsteu. Während dieser Unterredung waren die Matrosen, die gesund und sorglos schienen, an Teck mit Fetten und Laden von Torpedorohren beschäftigt. Nach der Urrter- redung verholte der Rastoropny nach dem alten Ankerplatz des Reschitelny, wo dann der russische Konsul an Bord kam, um De­peschen mit an Land zu nehmen Tie Offiziere des Rastoropny äußerten: Mit Port Arthur stehe es noch f0 gut wie vor zwei Monaten Tie Nachrrcht, daß derBajan" gesunken sei, sei unrichtig; nur seine Maschinen seien durch Geschosse beschädigt, aber wieder ausgebessert worden. Tie Kreuzer liefen tätlich aus dem Hafen aus, während die Schlachtschiffe im Hufen blieben.

Tschifu, 16. Nov. (Reuter.) In der vergangenen Nacht wurden zwei japanische Torbedobootszerstörer am Eingang des Hafens gesehen. Zweifellos beschleunigten sie die Zerstörung desRastoropny" Ter japanische Konsul behauptet, daß neun Mann von der Besatzung mit Gewehren an Land ge­kommen seien, wogegen er beim russischen Konsul Protest einlegte.

Wie es nach japanischen Behauptungen um

Port Arthur

stehen soll, erfährt man aus folgender Drahtung Reuters auS dem Hauptquartier der dritten japanischen Armee vom 11. November über Fusan vom 15. November:

Gerüchtweise verlautet, General Stössel sei verwundet, feilt Zustand mache seine Aufnahme ins H 0 f p i t a l notwendig. Ter General w e i g e r e s i ch jedoch, seinen Posten zu ver­lassen; er wolle lieber auf seinem Posten sterben, als sich zurück­ziehen. Tie russischen Truppen sollen durch die unaufhörliche schwere Arbeit und den Mangel an Lebensmitteln geschwächt sein. Ein großer Teil sei bereit, sich zu ergeben, sie wurden jedoch von den Offizieren daran gehindert. Die Japaner glauben, daß die Garnison an der Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit angelangt ist. Ein Spion berichtete, daß in Port Arthur Munitionsmangel bestehe und daß die Kälte mit) der Mangel an Lebensmittel einen weiteren Wider st and unwahrscheinlich machen.

Ein Brief der Frau des Generals Stöffel.

Der Moskauer Großkaufmann Perlow erhielt einen Brief von Frau Wera Stössel, datiert vom 25. September aus Port Arthur, welcher lautet:

Ich übersende Ihnen, lieber Nicolai Semenowitsch, dis Zettelchen, damit Sie unsere Sorge um die armen Verteidiger von Port Arthur kennen lernen. Viel können wir nicht sammeln, es sind hier zu wenig Einwohner, die etwas geben können. Ich wende mich durch Sie an alle wohlwollenden Bewohner von Moskau. Seien Sie so gut, etwas unter Ihren Bekannten zu sammeln, und senden Sie es mir durch die russisch-chinesifche Bank. Bei der Rückkehr der wackeren Verteidiger der Festung nach Ruß­land werden wir die Gaben verteilen. Es giebt hier Leute ohne Augen, ohne Hände und Beine, kurz, viele, viele unglückliche Krüppel. Wenn der Krieg beendet ist, sehen rote uns in Moskau wieder. Wera Stöffel.

Der Brief wird wahrscheinlich in ganz Rußland zu Sammltlngszwecken verbreitet werden.

Der Gromoboy gestrandet.

Shanghai, 16. Nov. Reuternwldung. Der heute von Wladiwostok hierher zurückgekehrte BlockadebrecherEantorL^ bestätigt, daß der russische KreuzerGroproboh^ kürzlich gestrandet ist.

Aus der Mandschurei

liegen heute folgende Meldungen vor:

London, 16. Nov. Aus Mukden meldet das Reuter­sche Bureau vom 13. Nov.: Die Russenbeschossen heute vom Morgen bis Abend die Japaner bei der Station Schaho aus Belagerungsgeschützen. Der Zweck dieser Beschießung war, die Japaner, die seit vier Wochen daran arbeiten^ die Station zu einer uneinnehmbaren Festung zu machen^ dabei zu stören. Beide Armeen haben sich jetzt so einge­graben, daß die Fr-ldgeschütze keine Wirkung mehr haben, Die chinesische Regierung lehnte die Ausstellung vori Transitscheinen für Waren und Gepäck ab, die über Sin« minting nach der Mandschurei bestimmt sind. Die Chi- neserl erklären diese Maßregel mit der Verletzung der Be­stimmungen über Kriegskontrebande und mit der Neutrali­tät Chinas. Chinesische Offiziere sind in Mukden tätig, um die Not unter den vom Lande nach Nrukdcn geflüchteten Chinesen zu mildern. Sie verpflegen täglich mit Hilfe der ausländischen Hilfsvereine 20 000 Flüchtlinge. Selbst frühes reiche chinesische Farmer sind jetzt mittellos.

London, 16. Nov. Tas Reutersche Bureau meldet aus Mnkden vom 14. d. M.: Die aus den: Kriegsschauplätze herausgegebene russische Zeitung lobt das Wer- halten der Japailer gegenüber den russisches Gefallenen. Generaladjutant Kurop«tkin forderte in­folgedessen die russischen Kommandeure aus, die japanftchenl toten ebenso zu behandeln, d. h. deren Habseligkeiten zur Ablieferung zll sammeln.

Petersburg, 16. Nov. Wie Generalleutnant Ssa- charow dem E^eneralstabe vom 15. November meldet, sind am 15. November keine Berichte über iTämpje eingegangen.

Die baltische Flotte.

London, 16. Nov. Tas Reutersche Bureau meldet ans Suez: Ter Gouverneur berief heute eine Versamm-