Ausgabe 
17.10.1904 Zweites Blatt
 
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154. Jahrgang

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblsit für den Kreis Gießen

Montag 17. Oktober 1904

. v* Rotationsdruck und Verlag der Brühl ftcherr

guW Umversttätsdruckeret. ÖL Lange, Gießen.

Ä ]$L Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. V.

D TeU Nr. 5L Telegr^Adr.; Anzeiger Gießen.

Nr. 244 Zweites Matt.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. J

Die ^«iehener §ami!ienb!Ltter- werden dem M UM D ßl

Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der MM W M U

«Hesfischt Santo» irt** erscheint monatlich einmal. \

Der Thronwechsel irr Sachsen.

, ^ießt;n, 17, Oktober 1904.

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König (Seotft von Sachsen f.

DlS König Mlbert von Sachsen im Juni 1902 die treuen Aug^n schloß, da zog in Millionen deutscher Herzen aus- richtige Trauer. Wieder war einer von den Zeugen und Werkmeistern unserer größten Zeit geschieden, ern Herrscher, der in jedem Zoll ein König, ein König, der in jedem Zoll ein Deutscher war. Der Schmerz,, den man nicht allein in seinem Königreiche, sondern in allen deutschen Landen empfand, blieb fortbefteyen, als langst über ihm sich der Grabhügel wölbte. Und wie die Trauer^, so erlosch auch nicht der Dank dem weisen und guten, Herrscher, dessen Name neben dem des Kaisers Weißbart allezeit genannt werden wird.

Aber die Geschichte steht nicht still und neue Gestalt- angeu plant und fordert das Leben, Zwei Jahre und wenige Monate nur sind dahingegangeu, und wieder steht das sächsische Königreich an der Bahre seines Monarchen, des Königs George des Bruders Alberts des Treuen.

Es war kein jugendlicher Mann, der nach dem Tode Alberts berufen war, die Sachsenkrone zu tragen. Die Erfahrungen eines reichen Lebens ruhten auf seinem silberglänzenden Scheitel, die Würde des Patriarchen sprach aus seinem Wesen. Wie kein Haß sich gegen das Haupt seines vor zwei Jahren dahingegangenen königlichen Bru- oers lenkte, so ward bei seinem Regierungsantritte auch Köllig Georg auf seinem neuen schweren Wege nur begrüß« von Hoffnung, Vertrauen und Liebe, mti>. wenn jetzt das Auge prüfend die Vergangenheit mustert^ so findet es an der Person dieses Königs nur, was tüchtig und gut war. Ernstes Pflichtgefühl, gerechter Sinn, Treue und kerndeutsche Art zierten den Mann, der in Sachsen bisher der Erste war. .Er sprach nicht in schäumenden Reden zu seinem Volke, er schritt nicht in nervöser Hast von Tat zu Tat und täuschte nicht in prunkhaften Festen sein Volk hinweg über die Armut des Tages. Das Wort J e an Pau l s konnte ihm das Diotto des Lebens bilden, daß das. Ideal in der Klmst, Größe in der Ruhe darzustellen, auch das Ideal auf dem Throne sei. Milde, Nachsicht und Verzeihen durchwärmte i>ie Taten dieses Königs, soweit als irgend MgänWg. Als, Vorgänge in seiner unmittelbaren Nähe, in der Familie seines Sohnes, des heutigen Königs, es ihm unmöglich machten, diese vornehmsten seiner Herrschertugenden zu üben, als er sich gezwungen sah, ein Band vollends zu zerreißen, das von einer leichtsinnigen Frau einen tiefen Schnitt erhalten hatte, da tat er's mit schwerstem Herzen und heftigstem Schmerze, der wohl mit dazu beigetragen hat, seinen LebenSfaden zu kürzen.

Der großen Polittk hat sich der Heimgegangene ziem­lich ferngshalten, nicht nur als PrnH, sondern auch von dem Tage ab, da er in das sttahlende Licht der neuen höchsten Würde ttat. 58 Jahre aber hat der jüngste Sohn des hochgelehrten und hochverehrten Sachsen-Königs Johann die Uniform des Soldaten getragen, in zwei blutigen Kriegen erwarb er sich den Locheer des Führers. Mit Kraft und Erfolg hat er als Prinz nntgearbertet an der Reorgani­sation der sächsischen Armee, als der ältere Bruder sich das Recht ertämpst l-atte, der Führer deuMa-asannee zu werden, übertrug man den Oberbefehl über die sächsischen

Ker King. -

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Es war an einem schönen Spätsommerabend, als' Kaspar Neugel>aur in Friedrichstal, dem einsamen Gebirgsdors am Fuß der Schneekoppe, anlangte. Romantisch in einer engen, zu der gewaltigen Masse der Schneekoppe aufsteigenden Schlucht ge­legen, wurde Friedrichstal im Sommer ost von Touristen besucht. Längeren Aufenthalt nahmen die Reisenden jedoch selten im dem kleinen Torfe, da das nahe gelegene Spindelmühle, bequemere Unterkunft bot. Friedrichsmühle lag gerade aus der denttch- östreichischen Grenze. Ein Bach bildete die Grenze; an der Reinen Brücke, welche Über den Bach führte, befanden ftch huoen und drüben Zollhäuser, in denen stehende Posten von $rerifr* Wächtern _ quartierten. Aus der östrcichifchen ^eite erhob frch eine große Spinnfabrik mit ihren grauen Gebäudemastcn und hiinmäanragenden Schornsteinen. Tie Hälfte der Einwohnerschaft von FriedcichStal war in dieser Fabrik beschäftigt; besonders btc Frauen iunb Mädchen de» Tvrfes fanden in dieser Fadru wr/neirde ein Kommerzienrat Feilner, hatte sich

Oberhalb Friedrichstals in romantischer Umgebung eine pmchtrge, scAoüähnliche Billa erbaut, in der er jedoch mit seiner ö'.amüre nur einige Sommermonate Mbrachte. Im Winter lebte ine tyo* milie in Dresden oder Berlin, wenn sie nicht nn die Rivrera ^^We diese Verhältnisse hatte der kundige Herr Neua^aur schon am ersten Abend seines Aufenthaltes von dem gesprächigen Wirt ü's (Gasthauses zumKaiser Franz Joseph" herausgelockt. XW Herr NeugAraur, gemütlich eine Zigarre rauchend, auf der wr> mmrankten Veranda des Gastl-auses und blickte auf bte Torsgasse hinaus, welche von den pus her Fabrik he.unlehr enden

und WMrr» HMt

Ter König starb umgeben von der Königin Witwe Karola, dem Kronprinzen Friedrich August, dem Prinzen Johann, der Prinzessin Mathüde und der Geistlichkeit, sowie dem Personal der Pillnitzer Hofverwaltung. Ter Könitz hat einen eigentlichen Todeskampf zu bestehen nicht gehabt. Er ist sanft entschlafen. Während des ganzen Abends hat der König still und ruhig und ohne ein Wort zu sprechen in sitzender Stellung zugebracht. Nach 11 Uhr abends trat Bttvußtlosigkett ein. Um die zwölfte Stunde wurden dein König die Sterbesakramente gereicht.

Tie Ueberführung der Leiche König Georgs von Pillnitz nach Tresden wrrd heute, Montag, mittels Dampfschiffes er­folgen und zwar so, daß die Leiche abends um 8 Uhr in Tresden eintrifft. Tie Ueberführung erfolgt mit _ bem DampferKönig Georg" von der sächsisch-böhmischen Schiffahrts-Gesellschast. Tie Beisetzung des Königs wird Mittwoch Abend 8 Uhr in der katholischen Hofkirche stattfinden.

TerReichsanzeiger" widmet dem verstorbenen König folgenden Nachruf: Tas Sack-senvolk und mit ihm das gesamte Teutschland betrauern in König Georg einen Herrscher, den die Liebe zu seinem Lande und die Treue an dem ihm verliehenen erhabenen Amt bis zum letzten Atemzug beseelte. In der Geschichte des Reichs aber wird seine Gestalt fortleben unter der Schar der tapferen fürstlichen Heerführer, welche die deut­schen Stämme 1870/71 auf den Schlachtfeldern von Sieg zu Lieg führten. Tie unvergänglichen Namen von St. Privat, Nouart, Beaumont, Sedan, Billiers' leuchten über seiner Bahre und sickern ihm einen Ehrenplatz in der Dankbarkeit des deut­schen drsttion.

Vvm Dresdener Hofe wird berichtet, daß eine Trauer von 24 Wochen ungeordnet wurde und zwar wird während der ersten zwölf Wochen tiefschwarze Tracht getragen.

König Friedrich August III*

Der Nachfolger König Georgs hat als König, Friedrich August III. die Regierung angetteten. Dep neue König ist in Dresden sehr populär. Er ist bekannt^ als jovialer Herr. Eine weniger ausgeprägte Persönlich­keit als sein Water, beschäftigt er sich mehr! mit militärischen als staats wirtschaftlich en Dingen. Das Volk bringt ihm vollstes Vertrauen entgegen und ist überzeugt, daß er; obwohl guter Katholik, tirchenpolitisch den Grund- satz inne hält, sich stets bewußt zu bleiben, der Fürshi eines Hut protestantischen Landes zu sein.

König Friedrich August ist am 25. Mai 1865 zu Dresden' geboren. 1891 schloß er den Ehebund mit der Erzher­zogin Luise von Oesterreich-Toskana, der, toie heute noch in aller Giedüchtnis ist, nach der Prinzessin;! schmählicher Irrung, am 11. Februar 1903 wieder gelöst wurde.

In der fatalen Ehestandsgeschichte hat er eine erfreuliche Biederkett der Gesinnung bewiesen; seine Gattin warf ihnt nur sein rauhes Wesen vor, aber selbst sie mußte die Ehren- hafttgkeit seines Benehmens zugeben, und er achtet in der Davongegangenen noch immer bie Mutter seiner Kinder.

Zwei Momente haben entschieden günstig auf den jetzigen) König eingewirkt, der frühe lange vor dem RegierungI- antritt des Königs Georg erfolgte Verlust der Mutter, einerj portugiesischen Prinzessin, die übrigens wenig beliebt pr! Sachsen gewesen ist, und die private Erziehung, die am sächsischen Hofe usuell ist Da ein katholischer Prinz aus bekannten Gründen nicht Korpsstudent, wenn auch nur als Konkneipant, werden kann, so galt es, ehe der Prinz die Landesuniversität besuchte, eine neutrale Hochschule autzu- finden, an der kein feudales Korps den Prinzen in seine Kreise gezogen hätte. Man erwählte also Straßburg und Friedrich August dampfte nach der wunderschönen Stadt.

Kronprinz Friedrich August ist gewöhnlich in gesell­schaftlichem Umgang etwas unbeholfen gewesen, auf tauen tat er erst in der von ihm sehr häufig und aern besuchten!^ Wein- oder Bier-Restaurants, wie bei Dolmetsch oder in der Maison rouge. Vor allen Dingen im ersteren Lokal, da wurde^ baw vorüber und nun galt es für Zwei Semester das Pleißenkleinparis (Leipzig) zur Residenz zu machend Planitz und sein Schützling siedelten also dorthin Über? Dort war er in Herrengesellschaft sehr lebhaft, in Damen­gesellschaft hingegen, obgleich die Leipzigerinnen für ihst schwärmten, blieb er immer sehr schweigsam lieber seinen Kollegienbesuch wird erwähnt, daß er sich für seinen zu­künftigen Beruf bet Windscheid. Wach, Friedbergs B i n d i n g und Roscher vorbereitete, und ohne Grustd nieschwänzte". Wie sein königlicher Orrkel Albert war auch der Prmz ein ungemein eifriger Skatspieler und über jede getvonnene Mark freute er sich.

Alles Offizielle war ihm zu seiner Leipziger Zeit noch nicht sehr angenehm, er war viel lieber derbon prince^ als der Erbe der Krone. Die gutmütigeJohann-Georgs- Nattrr" mit ihremj Sttch ins Biedere und Derbe mag seiner eleganten Frau nicht gepaßt haben.

Vor eine schwere und ernste Aufgabe ist nun der neuL Herrscher Wachsens gestellt. Ein herbes Schicksal, das er nicht verschuldet hat, hat ihn einen Teil des Erbes gekostet^ das in den Sympachien des Volkes für das angestammte Herrscherhaus dem Sohn vom Vater her gemeinhin ohne

Truppen vertrauensvoll dem jüngeren Bruder. Bei St. Privat hat er die Entscheidung gebracht, bei Sedan wurde der englische Oberst Pemberton an seiner Seite er­schossen. Die höchsten Kriegsorden schmückten die Brust des Königs Georg und vor anderthalb Jahrzehnten schon begrüßte ihn das deutsche Heer als Generalseldmarschall. Für seinruhmvolles, yingebendes und erfolgreiches Wir­ken" im Interesse der Armee dankte am Tage seines fünfzig­jährigen Jubiläums König Albert dem jüngeren Bruder, vonunschätzbaren Verdiensten" sprach der Glückwunsch des deutschen Kaisers, und demhochsinnigen, kriegserfahrenen Soldaten, dessen selbstloses Schaffen ein halbes Jahrhundert mitgewirkt hat an dem Gedeihen seines Vaterlandes", wid­mete Kaiser Franz Josef seine Wünsche. Unvergessen ist im deutschen Volke jener hochherzige Erlaß, den Prinz Georg gegen die Soldatenmißhand lungert richtete, ein Erlaß, der uns verriet, daß sein Blick tief hineindrang in das Jnrterste der ungeheuren Maschirterie, die ein modernes Heer bildet. Und unvergessen ist es auch, wie Prinz Georg in der ersten sächsischen Kammer seine Arbeitskraft an die ernsten Probleme des Staatslebens setzte, wie er in die schwierigsten Fragen -einzudringen' suchte. In jener stillen Arbeit, die sich nicht ruhmredig hervordrüngt, sondern in sich ihren Lohn findet, hat König Georg I. von Sachsen sein Genüge gefunden.

Die 21/4 Fahre seiner Regierung haben leider dem greisen Herrscher wenig ersreullches gebracht. Die vorange­gangene wirtschaftliche Depression hatte gcrabe auf Sachsm mit ihrer ganzen Schwere gelastet und der Bollswirtschaft wie den Staatsfinanzen tiefe Wunden geschlagen; die Männer aber, die an der Spitze des Staatswesens standen, haben es nicht verstanden, durch eine großzügige Wirtschafts­politik die Schäden zu heilen und der Mrßsttmmung zu be­gegnen, die aus jenen Notständen erwuchs und durch einen engherzigen Fäskalismus und einen steifen Bureaukrattsmus noch Vertieft wurde. König Georg hat in die Tradition der späteren Regierungsjahre seines Vorgängers keine Aen- derung gebrach^ auch teme nach haltige Initiative gefunden, um die unglückseligen Folgen eines verfehl­ten Wahlgesetzes mit ihrer Entrechtung breiter Schichten zu beseitigen; die Frage der Wahl- re ch t s r e s 0 r m ist unter ihm keinen entscheioenden Schrttt weiter gekommen. Der Protest gegen das System sand in den Reichstagswahlen vom 16. und 25. Juni 1903 seinen Ausdruck, in denen das ganze §tönigreich, mit Ausnahme eines Wahlkreises, der Sozialdemokratie anheimfiel. Die seitherigen Nachwahlen haben dies trübe Bild nur unwesent­lich korrigiert; was will es sagen, daß zwei sächsische Wahl­kreise nur zu Gunsten der ant-isemitisch-zünftlerisch-agra- rischen Koalttion der Sozialdemokratie varenthalten ge­blieben sind!

Plaudernd und lackend, stumm und schtveigeud, je nackdem es ihnen zu Mute war, kehrten die Arbeiterinnen heim. Mau sah unter ihnen manche abgeleitete Gestalt, manches abge­härmte, Mnllidjc Gesicht. Zehn Stunden des Tages in der heißen Luft der Spinnfabrik arbeiten, die von dem Staub der Bapm- ^ooUen-Ballen, von dem Tunst des Oels und der Farben erfüllt war, untergrub auf die Tauer selbst die Gesundheit dieser derben Gebirgsbevölterung, wenn nicht ab und zu eine längere Arbeits­pause eintrat, in der sich die Arbeiterinnen in der frischen Bergluft wiooer erholen und stärken konnten.

Herrn Neugebaurs Augen blieben auf einem alten, in einen leichten Touristenanzug gekleideten Herrn haften, welcher lang­sam die Tvrfgasse entlang ging. Er wurde von den Arbeiterinnen achtungsvoll begrüßt; bei einigen der am ärmlichsten Gekleideten und am kränklichsten ausfthcnden blieb er stehen und unterhielt sich mit ihnen. Neben ihm wackelte auf kräftigen Beinchen ein etwa dreijähriges Bürschchen in einfach sauberem Kleidchen. Tas Kind hielt sich an den Rockschvß des alten Herrn fest, der sich öfter freundlich zu ihm niederbeugte.

Wer ist der alte Herr dort in dem grauen Anzuge und dem breiten Strohhut?" fragte Neugevaur den Wirt, der ihm soeben ein ftischeö Glas schäumenden Pilsener Bieres brachte.

Ah, der da! Ja, das ist unser alter lieber Amtsgerichtsrat Feilner! Er wohnt nun schon fast drei Monate hier und tut sehr viel Gutes an der armen Bevölkerung; 's ist ja ein etwas wunderlicher alter Herr, aber herzensgut. Sie werden ihn übri­gens kennen lernen, denn er speist mittags bei mir."

Wohnt er nicht bei Ihnen?"

Nein, das ist auch jo eine Marotte von ihn:. Er hat sich in dem kleinen Häuschen, das Sie dort unten am Walde sehen, ringe mietet. Sonst war es nur eine armselige Hütte und diente als Armenl-aus. Aber wir Ijabeu feine Ortsarmen mehr, außer der alten siebzigjährigen Wittoe des Totengräbers, Knoche. Ter hat man vor einigen Jahren das Haus übeiiu-icfen. Seit sie dann eine junge Frau ausgenommen, welche vor drei Jahren hier zuwanderte, ist das Häuschen und das Gärtcheic in guten Ltarrd gekommen. Jetzt siehtordentlich schmuck aus, nachdem

der Amtsgerichtsrat in jedem Jahr einige Sommermonate drin wohrrt. Er hat das Häuschen anscrrichen mid ausbessem laffen.' Tas ist auch so eine Marotte bon ihm."

Herr Neugebaur lächelte befriedigt. Er hatte feinen Mamr entdeckt mrd konnte den Nichten und Neffen gleich mit einer neuenDummheit" ihres Heben Onkels aufwarten.

In diesem Augenblick jauchzte das Kind neben dem allen Herrn laut auf mrd lief einer allein die Gasse heraufkommenden Frau entgegen, welche beim Anblick des Kindes niederkniete und das Kind mit den Armen auffing mrd zättlich küßte. Tann erhob sie sich, strich bem Knaben die blonden Locken aus der Stirn, l)ob ibn auf den Arm, gab dem alten Herrn, der inzwischen herangekommen war, die freie Hand, und beide schritten bann' Seite an Seite dem kleinen Hause am Waldesrande zu.

Mit lebhaftem Erstaunen hatte Kaspar Neugebaur dieser Szene zugeschaut. Er wittette die sensationellsten Tumnrhetten des Heben Onkels. Tie Frau, welche da mit ihm ging, war ver- MtN'ismäßig noch junge, so um die Dreißig herum, eine stattliche Erscheinung mit einem blassen, ernsten Gesicht, das von blonden! Haaren einaerahmt wurde. Tie starken bunflen Augerrbrauen gaben dem Gesicht einen finsteren Ausdruck, der jedoch durch das lauste Lächeln des sck>ön geschnittenen roten Mundes gelindert wurde. Jl)re Kleidung, ein einfaches, dunkelblaues Kattmrklerd, graue Schürze, um das Haupt ein schwarzes Tuch geschlungen, war von tadelloser Sauberleit mrd ließ ihre kräftig-elastische Gestalt schön hervottreten.

(Fortsetzung folgt.)

1 Wilhelm v. Kaulbach. 9tn dem Gvabe des! be­rühmten MalerS Wilhelm v. Kaulbach in M ünche n fand am Samstag ans Anlaß seines 100. Geburtstages eine Ge­dächtnisfeier statt, an der die Berwaiwten deö Künstlers, die städtischen Kollegien, solvie zahlreiwe Vertreter ber Künstlerwelt teilnahmen. Pros. Stieler hielt die Gedächtnisrede. Unter den am Grabe niedergcl ften Ziränzeu befanb siel; rin solcher der Berliner und der Tüsscldvrser Adrdemie der bilbcuben Mnstr.