Nr. £19
Zweites Blatt.
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Kamilienbiätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «Helllicht Landwirt" erscheint monaUich einmal.
154. Jahrgang Samstag 1.7. September 1984
B M La R eL Ww Kl tOt JjL Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.f»
MV Lei. Nr. bl. Letegr^Adr.: Anzeiger Gtetz«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eießen.
Politische Tagesschau.
Die Rechnung für Ostasien.
Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt:
Ter Etat für die ostasiatische Expedition wird diesmal aller Wahrsa-einltchkeit nach zu lebhaften Erörterungen im Reichstag Anlaß geben. Einer offiziösen Ankündigung zufolge liegt es in ix:r Absicht der Regierung, die bisher im „Extraordinärlum" des Etats bestriUereen Ausgaben für diese Expedition auf das „Ordiuarium" zu übernehmen. Tas fieht danach aus, als sei die Umwandlung einer vorläufigen Einrichtung in eine dauernde geplant, die ihren Abschluß, suchen würde durch Angliederung des Etats für die ostasiatische Expedition an den für Kiautschou. Gegen solche Aenderung erklärte sich im März d. I. .in der Budgetkommi-sschn Abg. Payer (südd. Vollsp.) als Korreferent auf das entschiedenste. Er bezeicchrete es als Mtwendigkeit, die deutschen Truppen aus der Provinz Tschili zurückzuziehen. Wünschenswert wäre das im Interesse der Reichs- finanz-en in der Tat, denn die Ausgaben für das ostasiatische Expeditionskorps .belaufen sich bereits auf 253 Millionen Mark, die jährlich neu aufzubringenden Zuschüsse auf ungefähr 14. Mill. Mark. Zudem belastet Ostasien den Pension s e t a t bereits jetzt mit fast 2 Millione n. Wenn die Besatzungsbrigade solange draußen bleibe:: solle, bis China die in sehr mä ßigen Raten zu tilgende Kriegsentschädigung an Deutschland voll gezahlt hat, dann ist nach Schätzung des Abg. Payer auf ein D e f i n i t i v u m von 500 Jahren zu rechnen. Nun hat ja der Reichstag seinem Verlangen nach sparsamer Wirtschaft in Ostasien und tunlichst baldiger Auflösung der Besatzungsbrigade durch Abstriche am betreffenden Etatstitel Ausdruck gegeben. .Aber Lüe durch den russisch-japanischen Krieg bewirkte Unsicherheit der zukünftigen Gestaltung der vst- aiiatischen Verhältnisse wird von der Regierung vermutlich zu Gunsten der Beibehaltung der Besatzungsbrigade geltend gemacht werden. Tenn man wird schwerlich nur aus rechnerischen Gründen die Uebertragung der Ausgaben auf das Ordinarium beab- sickstigen. . Deshalb ist anzunehmen, daß Graf Bülow diesmal nickst nur zu „Südwestafrika", sondern auch zu „Ostasien" beim Etat für die Expedition Has Wort ergreifen, urck) eine lebhafte Auseinandersetzung sich auschließen wird.
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Zum Königsberger Hochverratsprozeß.
N. Berlin, 16. September.
Eine verspätete Rechtfertigung wird anscheinend aus dem preußischen Justizministerium der Einleitung des vielerörterten Königsberger Prozesses zuteil. Man erfahrt aus einer der „Dtsch. Juriftenztg." .zugehenden Darlegung, „von zuverlässiger Seite", den bisher nicht bekannter: Umstand: daß die Prüfung der Frage, ob Rußland gesetzlich Deutschland die Gegenseitigkeit, bei Zarenbeleidigungen uni) .Lochverratsdelikten verbürgt habe, im preußischen Justizministerium eingehend erfolgt ist. Zwischen den beiden beteiligten Regierungen habe Uebereinsttmmung darüber bestanden, daß für die in Rede stehenden L>traftaten die Gegenseitigkeit dem deutschen Volke verbürgt sei. Entgegengesetzt hat, line man weiß, und lvohl in Uebereinstimmung mit dem größten Teil der Oeffentlichkeit, das Königsberger Gericht entschieden, im Hinblick darauf, daß zur Zeit der Anklageerhebung noch kein ordnungsgemäß publiziertes Gesetz in Bezug auf die Gegenseitigkeit vorlag. .Das preußische Justizministerium hätte sich eben nicht mit der Auffassung der russischen Regierung und der Ueb.wsetzung des, russischen Strafgesetzbuches begnügen, sondern gleich die selbständigen und genauen Nachforschungen anstellen lollen, die im Laufe des Prozesses das Gericht anstellen ließ.
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ReichsstadtischeS.
Aus Lübeck wird berichtet:
„Ter Senat der Stadt Lübeck hat den Manövergästen Der alten Hansestadt am vergangenen Dienstag ein F e st mahl gegeben, an dem die Prinzen Heinrich, Friedrich Leopold und 'Albrecht von Preuße:^ die Groß Herzöge von Mecklenburg und Oldenburg. und andere 'Fürstlichkeiten teilnahmen. Der Abend nahm einen recht befriedigenden Verlauf; bei der Tafel wurde im Privatgespräch übei eine eigentümliche Korrespoichenz, die ihm vorangegangen ist, viel gelacht. Nachdem die Einladungen seitens der Geladenen bereits angenommen worden waren, bat sich das Berliner O ber hvfmar s ch a l l a m t die Tafel- ordnung zur Kenntnisimhme aus. Sie wurde ihm nicht vorenthalten. Aus 'dem Schrift stüa ging hervor, daß her präsidierende Bürgermeister Lübecks den Vorsitz an der Tafel führen sollte; _ auf die Fürstlichkeiten, denen nach höfischem Zeremoniell die ersten Plätze neben dem ersten Repräsentanten der Veranstalterin des Festmahls, der Stadt Lübeck, zukamen, sollten als weitere Gastgeber je ein Senator, daun die im Rang nächsthöchste Persönlichkeit, dann wieder ein Senator folgen usw. Das Obcr- hosmarsckMllamt nahm hieran Anstoß; zwar sand es an dem Vorsitz des Bürgermeisters nichts zu erinnern, doch wurde die Einordnung derSenatorenalsnicht dem Brauche gemü6 moniert und gemeinsame Plazierung der Fürstlichkeiten vor den Senatoren erbeten. Der Lübecker Senat hat hierauf zwar in höflicher Form, doch in der Sache sehr ^deutlich geantwortet, Last bei dem Arrangement einer von der Stadt Lübeck in Aussicht genommenen Veranstaltung die in Lübeck geltenden S itten und gesellschaftlichen Gebräuche für ihn maßgebend wären, und daß demnach auf den Wunsch des Oberhoftnarschallamts leider nicht eingegangen werden könne."
Kolonialpost.
— Die Untersuchung über die Ermordung des Händlers Reimers.. Aus Herbertshöhe, Mitte Juli, wird der „Weltkorc." geschrieben: Die Ursache des Mordes hat sich hier auch nicht völlig ermitteln lassen und nur soviel steht fest, daß die unglaubliche Verblendung des Händlers und seine grenzenloseUnvorsichtigkeitdie Hauptschuld an den beklagenswerten Vorgänge:: trägt. Man sagt, weil nickst genug Kopra eingebracht worden sei, wurde der So hi: ■beö Königs der Insel vor: den: Weißen verprügelt. Schon dies muß die Gemüter heftig erregt haben. Aber nickst genug damit, ließ der törichte Mann, unter Beiseitesetzung jeglidjer Schonung der heiligsten Gefühle dieser Ahnenverehrer, alte geheiligte Grüber öffnen, um sich in den Besitz des mit den große:: Toten begrabenen, alten wertvollen Schmuckes zu setzen. .So hat er selbst den Zunder in das Pulverfaß geworfen und die nachfolgende Explosion herbeigeführt. Ätzer will sich wundern, wenn sich nun die in ihren heiligsten Gefühlen gekränkten Naturlinder zur Wehr setzten, und muij landesüblicher Sitte Vergeltung übten, inden: sie den Frevler beseitigten? Der alte König gab bn j Signal zum llebersall der Station, und Rei n:ers Halle seine Torheit mit dem Leben zu bezahlen. Das Haus wurde ausgeraubt. Eine Panik brach nun unter den fteberhaft erregten Jnsularwr:: aus, u:rd traurig ist das
Nackffpiel .Der betagte König starb noch am selben Tage an den Folgen inneren Aufruhrs, und seine Untertanen beschlossen eine Flnclst über See nach den benachbarten Inseln. Nach der zuverlässigen Angabe eines Hern: Hellwig, der sich dort erst :m vorigen Jahre eine zeiUang behufs Sammlung von Kuriositäten aufhielt, soll der Stamm etwa 500 Personen stark gewesen sein. 60 fand man noch auf der Insel. Die übrigen waren alle auf ihren gebrechlichen Kanus geflüchtet. 50 von ihnen erreichten Vuvulu, 16 Aua, die anderen alle kamen infolge schlechten Wetters elendiglich auf hoher See um. Die Zahl der Untergegangenen beträgt also etwa 370 Personen. Der Sohn des Königs soll den Schwertstoß gegen Reimers geführt haben. Tas Kaiserliche Gericht stellte nach Aufnahme des Berichteten das Verfahren jedoch ein. As sah sich zu einem Einschreiter: gegen die wenigen Ueberlebenden nicht veranlaßt. Die Hauptschuld trug, soweit das Resultat der Untersuchung in Be- trackst fam, der weiße Hä:ü>ler, und zudem wurde der Kern des Volkes in der Katastrophe auf See durch Naturkräfte vernichtet. Der geschädigten Firma ro-urire eine Anzahl Kokosnuß-Palmen zur Deckung des Verlustes überwiesen. Es ist kaum zu ermessen, welcher Schaden inneren jungen Kolonien in materieller uni) moralischer Hinsicht durch solck)e Vorkommnisse, hervorgerusen durch rücksichtsloses Vorgehen und Nimmersatte Habsucht, erwächst, und für welche oft den Unschuldigen die Strafe trifft.
Kccr und Ilotte.
— Das „Militärwochenblatt" meldet: Der kommandierende General des 3. Armeekorps, Generalleutnant v. Bülow, wurde zum General der Infanterie befördert. Generalleutnant v. Müller, Generaladjutant des Großherzogs von Baden, wurde der Charakter als General der Artillerie verliehen. Den Generalleutnants v. Moßner, Gouverneur von Straßburg i. Els., v. Hagenow, Gouverneur von Metz, Freiherr v. Maltzahn, Generaladjutant des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, wurde der Charakter als General der Kavallerie verliehen.
— In Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche wurden mit Pension zur Disposition gestellt: die Generalleutnants v. Fü tter, Feldzeugmeister, unter Verleihung des Charakters als General der Infanterie, v. Sluytermann-Lange- weide, Kommandant von Altona, v. Holbach, Inspekteur der technischen Institute der Infanterie, v. Roftken, Generalmajor, Kommandant von Neu-Breisach, v. Holwede, Generalmajor z. D. in Kassel, wurde der Charakter als Generalleutnant, v. Steuben, Oberst z. D. in Brandenburg a. H., der Charakter als Generalmajor verliehen.
Beuthen, 16. Sept. Der »Beuth. Grenzztg." zufolge wurde ein Soldat, der kürzlich im Beuthener Gerichtsgefängnis einen fliehenden Soldaten erschoß, zum Gefreiten befördert; außerdem erhielt er 100 Mk. Belohnung.
Zur Kcöurt des ilalieuischen Thronerven.
Nacconigi, 16. Sept. Der Präfekt des Palastes teilte die Niederkunft der Wnigin den Höfen und Hofhaltungen, der Königin-Mutter, den Prinzen und Prinzessinnen, den Großwürdenttägern des Staates, den Chefs des diplomatischen Korps beim Quirinal und dem Bürgermeister von Rom “mit Der Ministerpräsident gab die Nachricht den Präfekten und den übrigen Provinzialbehörden bekannt.
Nacconigi, 16. Sept. Am Abend fand eine prächf- tige Illumination statt. Ein großartiger Fackelzug zog nach dem königlichen Schloß, wo die Menge dem tz>errscher- paare begeisterte Huldigungen darbrachte.
Nom, 16. Sept. Infolge der Geburt eines Thronfolgers veranshaltcte die Bevölkerung hier wie im Lande Freudenkundgebungen. Die Straßen sind stark belebt. Von allen Häusern wehen Fahnen. Die Blätter veranstalten Exttaausgaben. In Nacconigi laufen andauernd Glück- wunschtelegramnre und Ergebenheitsadressen ein.
Rom, 16. Sept. Die Nachirichst von der Geburt des Kronprinzen wurde noch nachsts nach dean Vatikan telephonisch übermtttelt, wo sie eine lebhafte Beivegung hervorrief. ©5 wird im Vatikan dankbar begrüßt, daß der Kronprinz den Titel „Prinz von Piemortt" führen wird und nicht Prinz von Nom. Dadurch sind gewisse Verdächtigungen beseittgt worden. Man hofft in vatikanischen Kreisen, daß der Titel Prinz von Piemont für den Kronprinzen von Italien endgilttg adoptiert wird, Me in England der Titel eines Prinzen von Wales. Der Papst hat den Erzbischof von Turin telegraphisch angewiesen, sich zur Vollziehung der Taufe nach Schloß Nacconigi zu begeben. — Die Tairse des Thronfolgers silwey statt, sobald sich die Königin außer Bett befindet. Gestern mittag soll die Königm einen Brief der Königin von Rumänien erhalten haben, der in einem sinnigen Gedicht die Geburt 'eures Thronerbe:: wünscht.
Nom, 16. Sept. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Giolitti urid des Justiznnnisters Ronchetti hat der König eine Amnestie für nicyt absichtlich begangene Vergehen, für Preßvergehen, für Desertion der Seeleute der Handelsmarine, alle lleberttetungen und für in der Kolonie Ery- träa vor den: 1. Januar 1897 begangene Verbrechen erlassen. Diese Amnestie soll auch auf militärische und finanzielle Vergehen ausgedehnt werden. —. Der König teilte ferner den: Ministerpräsidenten telegraphisch mit, er speiede ei ne Million Lire zu gunsten der Altersversorgung der Arbeiter. In der Stadt h«errscht heute abend festliches Treibe::. Ji: den Haichtstraßen drängt jich dü Menge. Die öffonttichen Gebärde und zahlreick-e Privatgebäude Haden illlrminierl. Die Piazza Colonna iixir heute abend von einer gewaltigen Menschenmenge besetzt. Die städtische Musikkapelle innjjte wiederholt unter ent hu siasttschen Ku:tt>gebu::gen der Aterrge die Königshhnu:e jpulen, ebenso auch inmitten stürmischer Beifallski:nd- gebungen die Garibaldihymne itjni) die montenegrinische Hymne. Nach Beendigung der Musikvorträge begad sich der Zug mit mehr als 3000 Personen mit Fahnen mich den: Kapitol, lvo cü: Bürger über das freudige Ereignis sprach und stürnllfchen Bcäsall sand.
Berlin, 16. Sept. Die „Norddeutsche" schreibt zur Geburt des ttaliel:i.sthcm Tipwafolgers: Mit her.ui dun: Am
teilnahme wird man in Deutschland die Kunde von dem füÄ das Herrscherhaus Savoyen und für das dem Deutschen Reiche befreundete und verbündete Königreich Italien hoch ersteulichen Ereignis begrüßen. Möge die Geburt eines! direkten Thronerben der Dynastie Savoyen und dem ttalie- Nischen Volke neues Glück bringen! Möge der junge Prinz dereinst dem Vorbilde der edlen Vorfahren nachstreber^, dessen Namen er trägt, zum H»eil und Segen der Nation^, die gleich dem deutschen Volke sich binnen einer kurzen; Frist von Jahren aus Zerrissenheit und Ohnmac^ zu unbestrittener Großmachtstellung emporringen konnte.
Berlin, 16. Sept. Die italienische Botschift war heute vormittag das Ziel zahlreicher Ueberüringer von Glückwünschen, in den ttalienischen Restaurants wurden Triwö- sprüche ausgebrachit, und selbst die kleinen Gipssiguren- Händler schienen chr rümmerliches Dasein vergessen zu haben und lachten über das ganze Gesicht. Sicherlich, so schreibt u. a. die „Nat.-Ztg." wird idieses Ereignis auch zur Stärkung des monarchrschen Prinzips in Italien bei- tragen.
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Die ßrntnnung des Kryeimrals KaMy zum tzyrenbürger der Stadt Kießm.
Gießen, den 17. September 1904.
Die Stadtverordneten versammelten sich gestern abend mit dem Oberbürgermeister und den Beigeordneten vollzählig zu einer öffentlichen Sitzung, um die Ernennung Prof. Dr. Gaffkys zum Ehrenbürger unserer Stadt feierlich zu begehen. Als ein ganz besonderes Ereignis war es zu begrüßen, daß zu diesem Anlaß auch der Ehrenbürger Gießens, Se. Exzellenz Finanzmüuster Dr. Gnauth sich eingefunden hatte, der im Sitzungssaal die Anwesenden vielfach als alte Bekannte begrüßte un) herzlich wuderbegrüßt wurde. Um 7 Uhr betrat Bros. Gaffky, geleitet vom Beig. Georgi und Stadto. Dr. Gutfleisch den Saal und nahm am T:sch des Oberbürgermeisters und der Beigeordneten Platz, wo auch der Fmanz- Minister Gnauth saß.
Beigeordneter Georgi richtete ungefähr folgende An» spräche an den neuen Ehrenbürger:
Hochverehrter Herr Geyeimrat!
Als uns hier in Gießen die Nachricht von Ihrer Berufung nach Berlin wurde, wurden wir von zwei sich gegenüber stehenden Gefühlen bemegt Einmal sagte man such, man müsse freilich freudig bewegt sein, daß Ihre Wissenschaft und große Forschung zu dieser Ihrer Berums in so hohe Stellung, zu so großer, hoher Würde Veranlassung gegeben haben. Zum andern war es, nan:eMlich uns von der Stadw.-Bersanunlnng das ungemeine Bedauern, einen Mann verlieren zu müssen, der so Großes für uns geleisttt hat. .Nmü nur der Universitär, Ihrer Wissenschaft, haben S:e Ihre große Arbeitskraft gewidmet, sondern auch der Stadt sind Sie in allen ihren Angelegenheiten ein guter Berater gewesen, der sein reiches Wissen stets in den Dienst der Allgemeinheit stellte. . Dafür nehmen Sie unseren Tank, reckst großen Dank! Tie Stadtverordneten haben geglaubt, Ihre Verdienste Ihnen mit dem Größten, der höchsten Würde, die sie zu vergeben haben, lohnen zu dürfen. Die Stadtverordnetenversanmv, lung hat in der gestrigen Sitzung beschlossen, Sie zum Ehrenbürger der Stadt Gießen zu ernennen. Ich überreiche Ihnen darum heute ein vorbereitendes Diplom; ein mweres wird demnächst folgen. (Sich zu Exz. Gnauth 'wendend): Gestatten auch Sie Exzellenz, unser hochverehrter ftüherer Herr Oberbürgermeister, daß id? mit wenigen Wollen der großen Freude der Stadwerordneten darüber Ausdruck verleihe, daß Sie heute hierhergekommen sind. Sie haben zu Ihrer Zeit unseren neuen Ehrenbürger schon erkannt, und den besonderen Wunsch ausgesprochen, Herrn Geheimrat Gaffkl) für die Wirksomkell in der städtischen Körperschaft zu gewinnen. .Die Burger sind diesem Vorschlag gefolgt uni) haben Herrn Geheimrat Gaffky zum Stadtverordneten gewühlt. Die Bürgerschaft wird es dankbar begrüßen, daß ihr ftüherer Oberbürgeru:eister hierher gekommen ist, und von neuem sein großes Interesse für Gieße:: kunLx;egeben hat, in der bedeutungsvollen Sack-e, ine uns heute hier zusammengefühll hat.
Geheimrat Dr. Gaffky erwidette mit bewegten Wollen: Hock-verehller Herr Beigeordneter!
~ Durch den Beschluß der Stadwerordneten-Verfamnllnng, den Sie mir mit so fteundlicken Worten mitteilten, fühle ich mich in einem Maße geehll, daß ich mich vergeblich bemühe, Wolle zu smden, die das ausdrücken, was mich bewegt. Seien Sie alle, die Sie mitgennrft haben an _ den: für mich so ehrenvollen Be- ckluß, überzeugt, daß ich diese Stmwe nie vergessen werde. Sie wird mich auftichten unt> erheben auch in rrüben Stunden, die in meinem neuen Amte ja wohl auch an mich herantreten werden. Jeden: einzelnen von Jhi:en sage ich Dank, lwn Herzen kommenden Dank. .Freilich Tm: ich mir bewußt, daß das, was ich tun konnte, eine so hohe Anerkennung nickst beanspruchen dakf. Sie haben eben den guten Willen für die Zot genommen. Ich fühle mich schon reichlich belohnt durch die Belehnungen und Erfahrungen, die ich in Ihrem Kreffe etllgegennehmen durfte, spezilll in den Sitzungen der Bcurdeputation, derer: Ausgaben meutern Fach nahe (tauben. .So habe ich mich heimisch uni» glücklich unter Ihnen gefühlt, und daß ich biCv konnte, schreibe ich der Befolgung eines guten und klugen Rates zu, den hü unserem früheren Oberbürgermeister, Exzellenz Gnauly, verdanke. (Sich an diesen, der nebenan saß, wendend): Ich iveiß nickst, ob Sie sich dessen noch erinnern, daß Sie einmal gesagt haben: Wenn ein Stadtverordneter seine Pflicht gut erfüllen rvill, so muß er an allen Arbeiten, die Stadtverordnetenkollegium beschäftigt, mit vollem Interesse tcilnelMen, illch: nur au solchen, za: ix neu er ich besonders hizogen fiilstt. Allen, auch den kleinen Dingen, oll sein Interesse sich znnxnde::, als lväre es eine gwfcc Sache.
Ter Befolgung dieses "Rates verdanke ich es, daß ich mich nicht als Angehiiriger der Universität, als ftemdcr Z-ackchygienikcr, unter ihnen fühlte, solchen: als Ihr treuer Kollege unter Ihnen weilte. Ich habe geglaubt, Deute abend Abschied von Jhneir nehmen zu mässen; — Sie haben mich aber d::rch ein neues, unzerreißbares Band int Ihre Mitte gefesselt. Seien Sie überzeugt, daß ich meine Treue Zonen bewahren werde, jnib behalten auch Sie mir ein ftenndli^ns Gedenken! Ich danke Ihnen ruxtstnals für diese Ehrung!
Oberbürgermcister M e c u m inchn: darauf noch einmal das Wort. . Wir sind, so führte er aats, Herrn Geheimrat Gaffkv dankbar dafür, daß er uns nxürbig hielt, diese Ehrung von uns anzunehmen. Wenn auch der Raum uns scheiden wird, so stelst Herr Geheimrat ^strssky uns dock> auch ferner nahe; er tvird uns, wenn wir ibn bitten, nach wie vor feinen guten Rat erteilen. Bersin eben habe ich von ihm schon entgtgennebmen dürfen. .Obe rbgin Mecum prach auch Exzellenz Gnauth Worte des Tankes ans für sein Erscheine::, daü jür die Stadt ebenso


