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17.5.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 114

«rschetut ««glich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Gießener Familien, hlütter viermal in der Woche beigelegt.

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ErfteS Blatt. 184. Jahrgang Dienstag 17. Mai lSV4

Gietzener Anzeiger

M General-Anzeiger "

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Verantwortlich für den poitt und allgem. Tell: P. Wittko: für Stadt und £anb* und .GerichtSsaal^: August Goetz; für den An- zeigentell: HanS Deck.

Deutsches Reich.

Berlin. 16. Mai. König Eduard von England hat sich zürn Besuche des K a i s e r s für die Kieler Woche angesagt.

Nach derVoss. ,Ztg." liegt ein Schreiben des HauK- Ministers vor, demzufolge der Kaiser sich durch die in einer Eingabe der Berliner Architekten angeführten Gründe nicht ver­anlaßt sehen kann, den Plan der Errichtung einer neuen Opernhauses an der jetzigen Stelle fallen zu lasien.

Jetzt, nach der Rückkehr des Kaisers, erwartet man die Entscheidung auch über die Frage, ob der Reichstag geschlossen oder nur vertagt werden soll. Ein parlamentarischer Bericht­erstatter gibt der Vermutung Ausdruck, daß die Vertagung am 20. Juni eintreten wird. Länger wird sich das Haus jeden­falls nicht beisammen halten lassen.

Frankfurt a. O., 16. Mai. Die Provinzialgruppe Berlin- Mark Brandenburg des Deutschen Flottenvereins, die gestern hier ihre ordentliche Delegierten - Versammlung abhielt, sprach nach dem Berichte über die Tagung in Dresden dem bis­herigen Vorstande, der sich veranlaßt gesehen hat, sein Amt in die Hände der Wähler zurückzulegen, für die bisherige Leitung aufrichtigen Dank und volles uneingeschränktes Vertrauen aus und wählte denselben einstimmig durch Zuruf wieder.

Dresden, 16. Mai. König Georg ist nach langem Widerstreben nun doch dem ärztlichen Rate gefolgt, und wird sich wegen seines hartnäckigen Katarrhs anfangs Juli zum Kur­gehrauch nach Ems begeben.

In der ersten Kammer erklärte Finanzminister Rueger, die jetzige Erhebungsart der Matrikularbeiträge sei unverträglich mit der politischen Stellung der Einzelstaaten. Sachsen werde dafür eintreten, daß die Einzelftaaten nicht mehr zu ungedeckten Mattikularbeittägen herangezogen würden.

Stuttgart, 16. Mai. Heute fand hier die Hauptversamm- ümg des Württcmbergischen Verbandes des deutschen Flotten­vereins statt. Der Vorsitzende Fürst Karl von Urach trat mit Entschiedenheit dafür ein, daß Deutschland spätestens bis 1913 ein drittes Doppelgeschwader zur Verfügung haben müsse. Ein Antrag, den Dresdener Beschlüssen auf Flöt- tev Vermehrung die volle Zustimmung zu erteilen und eine erhöhte Propaganda zur Ausbreitung desFlottenvereins und seiner Bestrebungen zu entfalten, wurde einstimmig angenommen.

Ausland

Paris, 16. Mai. Aus Lalla Marnia (Marokko) wird gemeldet: Anhänger des marokkanischen Prätendenten unter Kom­mando von Tajeb Bou Amana griffen die Regierungstruppen bei Oujda an. Nach einem lebhaften Kampf wurden sie zurück­geworfen. Ungefähr 50 Soldaten des Sultans wurden getötet. Die Verluste der Rebellen werden höher geschätzt. Die Bevölkerung von Oujda bezeugte Freude über den Erfolg des Sultans.

Foggia, 16. Mai. Infolge einer gestern in Cerignola Wegen Forderung des Achtstundentages entstandenen Volks­bewegung rotteten sich heute ftüh einige hundertLand- [eitte an den Toren der Stadt zusammen und verhinderten die Arbeiter, diese zu verlassen. Eine Abteilung von 20 Soldaten, die einschritt, wurde mit Steinwürfen und Schüssen empfangen. Ein Offizier der Sicherheitswache, von einem Steine am Kopfe getroffen, fiel zu Boden. Darauf gab die bewaffnete Macht, die einige Verwundete hatte und sich umringt sah, Feuer. Zwei Landleute wurden getötet, acht verwundet. Man erwartet in Cerignola zahlreiche Verstärkungen.

Der zweite deutsche ZLanLiertag.

i.

Berlin, 16. Mai.

Der zweite deutsche Bankiertag, zu dem über 800 Teil­nehmer, meist Delegierte von Handelskammern, kaufmännischen Korporationen, wirftchaftlichen Vereinigungen, sowie zahlreiche hohe Beamte usw. erschienen sind, wurde heute vormittag von dem Vorsitzenden des Zentralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, dem Direktor der Darmstädter Bank R i e s e r - Berlin mit einer Begrüßungsansprache eröffnet

Darauf hieß der Handelsminister Möller die Erschienenen lm Namen der preuß. Regierung willkommen. Der Minister führte aus, die Staatsregierung habe durch die Vorlage der No­velle bewiesen, daß sie eine Korrektur des Börsen­gesetzes für notwendig erachte. Die Regierung erstrebe ein Börsengesetz, dessen Bestimmungen dem öffentlichen Rechts­empfinden entsprechen und durch welches wiederum Treu und Glauben im Kaufmannsstande zur vollen Geltung kommen. Der Minister schloß, er nenne sich selbst mit Stolz einen deutschen Kaufmann und wünsche den Verhandlungen des Bankierstages den besten Fortgang und guten Erfolg.

Ministerialdirektor im Reichsamt des Innern Wermuth begrüßte die Versammlung im Auftrage des Staatssekretärs Posa- dowsky und führte aus: Die Börsengesetznovelle, die augenblicklich die Kommission des Reichstags beschäftige, habe begründete Aussicht, daß sie zu einem guten Endziel kommen werde.

Begrüßungsansprachen hielten dann noch der württembergische Bundesratsbevollmächtigte v. Schicker und Geh. Obersinanz- rat v. G l a s e n a p p. Letzterer führte aus: Das Reichsbank­direktorium erkenne umsomehr die Notwendigkeit einer Aendenmg des Börsengesetzes an, als die deutsche Reichsbank nur dann ihrer Aufgabe gerecht werden könne, wenn ihr helfend und er­gänzend ein tüchtiger, fleißiger und umsichtiger Bankierstand zur Seite stehe.

Hierauf erfolgte die Verhandlung über die Novelle zum B ö r s e n g e s e tz. Als erster Berichterstatter dantte der Geschäfts­inhaber der Tiskontogesellschast Schinkel der Regierung für die durch die Novelle gebrachten Verbesserungen; er wünsche aber, daß keine halbe Arbeit getan werde, und nannte als wünschens­wert die Abfchaffung des Terminregisters und aller Nichtigkeitsbestimmungen, die Wiederzulassung des Termin­handels in Bergwerksanteilen und Fabrikunter- uehmnngen, mindestens aber die radikale Umgestaltung einiger anderen Bestimmungen.

Ter zweite Berichterstatter Kommerzienrat Kopetzky -Berlin trat für die Beseitigung des Börsenregisters ein. Der dritte Berichterstatter, der Direktor der Dresdener Bank Müller- Berlin suchte nachzuweisen, daß heute die Verluste des Börsen­papiere kaufenden Publikums größer seien als der Erfolg des Börsengefetzes. Die Berichterstatter legten dann eine Erklärung vor, in der Abschaffung des Börsenregisters und Aufhebung des Verbots des Terminhandels in Anteilen von Bergwerken und Fabrikunternehmungen gefordert werden, indessen anerkannt wird, daß die dem Reichstage vor­gelegte Börsengesetznovelle geeignet sei, wenigstens den unerträg-

AW Stadt und Land.

Gießen, den 17. Mai 1904.

* Personalien. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Vorsitzenden des evangelischen Kirchengesang­vereins für Hessen, Ministerialrat Ludwig Ewald zu Darm­stadt, das Ritterkreuz 1. Klasse des LudwigSordens ver­liehen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben den Oberlehrer am Gymnasium zu Bensheim, Prof. Dr. Joseph Kieffer auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste mit Wirkung vom 16. Mai 1904 in den Ruhestand versetzt. Der Lehramtsassessor Friedrich Glaser zu Butzbach wurde zum Oberlehrer an der Real­schule daselbst ernannt. Dem Glöckner und Kirchendiener Georg Friedrich Rind fuß H. zu Alsbach wurde zum 1. Mai 1904 das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für fünfzigjährige treue Dienste" verliehen. Dem Forst- wart der abnormalen Domanialforstwartei Zwingenberg, Oberförsterei Jugenheim, Karl Heinrich Schaubach zu Zwingenberg wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter alsFörster" verliehen.

* Jubiläum von Geheimrat Professor Dr. Riegel. Nachdem am Sonntag eine Deputation im Namen des Personals der medizinischen Klinik dem Jubilar ein ge­schmackvoll hergestelltes Bild, die medizinische Klinik dar­stellend, überreicht hatte, vereinigte sich, einer Einladung des Geheimrats Riegel folgend, das gesamte Personal gestern abend auf derSchönen Aussicht" zu einer schönen Feier, bei welcher der Jubilar im Kreise seiner Familie erschien und in gerührten Worten für die Aufmerksamkeit und Anhäng­lichkeit dankte. Verwalter Keller dankte namens des Per­sonals für die Einladung und wiederholte die Glück- und Segenswünsche des Personals, welche in einem begeistert auf­genommenen Hoch ausklangen. Unter Gesang, Tanz und Vorträgen verlief die Feier in animierter Stimmung, bis sie in vorgerückter Stunde in befriedigender Weise ihren Ab­schluß fand.

" Nationaler Gesangs-Wettstreit 1904. Das Preisrichter-Kollegium des Nattonalen Gesangs- Wettstreits setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Heinrich Appun, Musiklehrer Hanau; Fritz Baselt, Komponist, Frankfurt a. M.; Albrecht Brede, König!. Musikdirektor, Kasiel; Jean Brodt, Musikdirektor und Komponist, Hanau; Gottfried Leber, Musikdirektor, Fulda; Edmund Parlow, Königl. Musikdirektor, Frankfurt a. M.; Jean Pauli, Lehrer und Komponist, Fechenheim; Richard Sen ff, Musikdirektor, Darmstadt; Gustav Trautmann, Großh. Universitäts-Musikdirektor, Gießen; Karl Walter, Königl. Seminar- und Musiklehrer, Montabaur; Joseph Werth, Musik- und Chordirektor, Bonn; Ernst Wolfram, Königl. Musikdirektor, Dillenburg. Außer 30 z. T. sehr wertvollen Preisen, Geldpreisen und Kunstgegenständen für die einzelnen Gesangsklassen sind folgende Ehrenpreise ausgesetzt: Ein Ehrenpreis Sr. Königl. Hoheit des ÄroßHerzogs, ein silberner Pokal der Stadt Gießen, eine 70 Zenti­meter hohe Vase der Universität, eine Bowle von Kommerzienrat Hey ligenstaedt, ein silberner Becher von Kommerzienrat Heichelheim, eine Jardiniere von Kommer­zienrat Gail, ein silberner B echer vom Festaus­

llchsten Mißständen, wozu daS Börsenaeseh Anlaß gegeben, ein Ende zu machen, sofern sie noch in folgenden Punkten abgeändert wird: Das im § 66 ^gelassene Leiftungsber- weigerungsrecht ist unstatthaft, müßte daher entsprechend abge- finbert werden. § 67 a, Satz 2 müßte auch auf diejenigen aus­gedehnt werden, welche gewohnheitsmäßig Börsengeschäfte ab­schließen, die im § 68 a den Schuldner vergönnte Frist zur Er­klärung seiner Erfüllungsverweigerung ist unbegrflnbet. Die Weigerung eines Schulbners sollte nur remtserheblich fein, wenn sie unmittelbar nach Empfang der schriftlichen Mitteilung des Gläubigers über Art und Ergebnis der Abwickelung des Geschäfts schriftlich und ausdrücklich erllärt wird. Ferner sollte die Be­stimmung des § 66 a, Absatz 2 dahin abgeändert werden, daß Erfüllung bezüglich derjenigen Börsentermingeschäfte nicht ver­weigert werden kann, die in den ausdrücklich schriftlich anerkannten Saldo einer Kontokorrentabrechnung enthalten sind: 8 68 b sollte einen Zusatz erhalten, wonach der Gläubiger, wenn seitens des Schuldners der Registereinwand nicht erhoben wird, jur Rück­forderung derjenigen Beträge befugt sein soll, welche der Schuldner während der zwischen den Parteien bestehenden Geschäftsverbind­ung von ihm als Gewinn an Börsengeschäften bezogen hat oder autgebracht erhielt: Im § 68 b, Absatz 3, Satz 2 ist auszu- sprechen, daß Wertpapiere nach Haltung, Zahl und Nennwert oder nach dem Höchstbetrage zu bezeichnen sind, bis zu welchem sie als Sicherheit haften sollen: Im § 69, Absatz 1 ist neben dem § 764 auch § 762 des bürgerlichen Gesetzbuches zu nennen. Die den Vorschriften der Novelle in Artikel 2 nur prinzipiell bei­gelegte rückwirkende Kraft ist diesen Vorschriften uneingeschränkt zu verleihen.

An der Debatte über die von den drei Referenten vorgelegte Crllärung beteiligten sich u. a. Rechtsanwalt Dr. Steiner (Württembergische Bankanstalt-Stuttgart) und Dr. Endemanw-Han- notier. Hierauf wurde die Erklärung einstimmig ange­nommen.

Das Festmahl des Deutschen Bankiertages fand heute abend unter außerordentlicher zahlreicher Beteiligung statt. Der Vor­sitzende Ri er brachte einen Trinffvruch auf den Kaiser ans. Der Direktor der Dresdener Bank Müller brachte ein Hoch auf die Vertreter der Staatsbehörden unb Korporationen au& Minister Möller gab in seiner Erwiberung feiner Freude Aus­druck über die ruhige, mäßige unb sachliche Führung ber Ver­bandlungen des Bankiertages unb warnte vor einer übermäßig schnellen Konzentration bes Kapitals, bie obgleich ihr eine gewisse Berechtigung innewohne, in weiten Kreisen Bebenken errege. Der Minister schloß mit einem Hoch auf den Zentralverbanb bes beutschen Bank- unb Bankiergewerbes.

schuß, ein Pokal, gestiftet von den beiden Vorsitzenden des FestauSschuffeS. Die meist künstlerisch auSgestatteten Preise werden demnächst in einem hiesigen Geschäft zur Ausstellung gelangen.

* Der evangelische Bund hielt gestern abend im Neuen Saalbau eine ziemlich schlecht besuchte Versammlung ab. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Landgerichtsrat Schm eckend echer, der die Anwesenden begrüßte, meinte mit Recht, dieser schwache Besuch laste nicht etwa auf ein geringes Interesse schließen, sondern sei auf das schöne Früh­lingswetter zurückzuführen. In Gießen sei in den letzten zwei Jahren der evangelische Bund von 45 Mitgliedern auf 170 gekommen. Immerhin müsse im Vergleich zu der großen Mitgliederzahl in anderen, zum Teil kleineren Städten, der Gießener Bund noch erheblich wachsen. Der Redner des Abends, Prof. Dr. Bornemann aus Frankfurt, der über Ultramontane Erfolge und evangelische Pflichten" sprach, konstatierte in vielen Einzelheiten die Tatsache, daß in den letzten Jahren leider die Regierung dem Zentrum andauernd Zugeständnisse gemacht habe, die den Empfindungen des pro­testantischen Volkes entgegenstünden. Der Redner besprach besonders die Zulassung der marianischen Kongregationen und die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes und erzählte, um die Kampfesweise und daS Verhalten der Ultramontanen zu beleuchten, von den Auseinandersetzungen und der Polemik des Frankfurter Vereins mit dem dortigen ZentrumSblatt, nämlich demFranks. Volksbl." Die Folgerungen deS Redners gipfelten im wesentlichen in der Aufforderung an das evangelische Volk, sich zur Abwehr 'im evangelischen Bunde zusammenzuschließen.

** Aerztlicher Landesverein für das Groß­herzogtum Hessen. Auf Beschluß des ärztlichen Landesvereins für das Großherzogtum Heften sind in allen Kreisen des Landes ärztliche Vertragskom- m i ssionen eingerichtet worden zur Neuregelung der Ver­hältnisse der Kassenärzte und der Krankenkassen, da die Leistungen der letzteren infolge des am 1. Januar 1904 in Kraft getretenen Reichsgesetzes eine Erweiterung er­fahren haben. Nahezu alle Aerzte des Landes haben in einem Schutz- und Trutzvündnis sich verpflichtet, diese Kom­missionen anzuerkennen und sich ihren Beschlüssen zu fügen. Bei Entgegenkommen auf beiden Seiten dürste Heften wohl aus lange Zeit vor einem Aerztestreik bewahrt bleiben.

Verlegung des Klingelbaches. Eine in­teressante Arbeit bildet die Verlegung des Klingelbaches, welcher später als Regenwassersammler unterirdisch, ent­lang der Bismarcksttaße zur Wieseck rinnen wird. DaS zu­künftige Bett des Baches und die darüber sich hinziehende Wölbung wird in der Baugrube selbst in Stampfbeton her­gestellt. 75 Arbeiter, meistens Italiener, sind bannt be­schäftigt und stellen ca. 10 Meter des Bauwerkes täglich her. Die ganze Länge des später unter der Straße sich hin­ziehenden Klingelbaches beträgt 400 Meter. Die Arbeiten sind der Firma Dickerhoff & Wittmann in Bieberich, einer Firma, welche die Goethe- und die Moltkebrücke hergestellt hat und Betonbauten als Spezialität betreibt, zur Ausfüh­rung übertragen worden.

Eine Schwindlerin. Gestern abend schickte eine Arbeiterfrau ihr 7jährigeS Kind mit einem Geldbetrag von 70 Pfg. fort, um dafür etwas zu holen. Unterwegs gesellte sich zu dem Kinde eine anständig gekleidete Frauensperson, die sich erbot, dem Kind das eingewickelte Geld zu tragen. Später fand sich in dem Papier statt der 50 Pfg. ein Stein eingewickelt. Die Schwindlerin ist unerkannt ver­duftet.

** Besitzwechsel. Das Haus Lindenplatz 8 wurde von der seitherigen Eigentümerin Frl. Johanna Rothhen- berger an den Sensal Hanne Schaumberger für 15000 Mark verkauft. Dagegen vermittelte der Käufer einen Kauf Mischen Frl. Rothenberger und der Firma Birken­stock und Schneider, welche für 47 000 Mk. ihr Haus Frankfurterstraße 25 dem Fvl. Rothenberger käuflich übev- ließen.

Das Dutenhofener Hannchen, wie der Humor das Sorgersche Motorschiff, welches nun seit 8 Tagen seine Fahrten auf der Lahn ausführt, im Gegensatz zum Bieber- Lieschen getauft hat, ist auch schon mit der Feldpolizei in Differenzen geraten. Beim Stapellauf deS Schiffes ließ es sich nicht vermeiden, daß am Ufer einem Landwirt aus Klein- Linden über das Gras gelaufen wurde. Flugs erhob dieser beim Feldschützen Anzeige und verlangte als Entschädigung 10 Mk.

** Fußball. Unserer Notiz in der Freitag-Nummer fügen wir noch zu, daß am Himmelfahrttage in der Zwischen­runde um die Meisterschaft der Verein für Bewegungsspiele- Leipzig gegen den Duisburger Spielverein mit 3:2 siegte. In Kassel werden am Pfingstsonntag um die Entscheidung kämpfen: Britania-Berlin und Verein für Bewegungsspiele- Leipzig.

? Lich, 17. Mai. Nachdem vorgestern nacht gegen 1 Uhr die Leiche der verstorbenen Fürstin-Mutter von Hohensolms kommend von der fürstlichen Familie und den fürstlichen Beamten in Empfang genommen worden war, wurde sie in der Stiftskirche aufgebahrt. Gestern fand die Beisetzung in der fürstlichen Familiengruft zu Lich statt. Der Beisetzung ging eine Feier in der dichtbesetzten Kirch" voraus, an welcher außer der fürstlichen Familie, die mb allen Anverwandten erschienen war, alle Kreise der Stadt