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Nr. 65
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Ureis Giehen
Pie heutige Nummer umfaßt 10 Seiten,
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untoersttätsdruckerei. R. Lange. Dreßen.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. 7.
Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. i Llnzerger Dießen.
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Aus dem städtislüen Merwatiungsbericht für das Jahr 1902/03.
Gießen, den 17. März.
Der allgemeine Bericht stellt ein Kapitel über das Stadtgebiet und die Bevölkerung an die Spitze, aus dem wir entnehmen, daß der Gesamtflächeninhalt der Gemarkung am Schlüsse des Berichtsjahres 3 414 ha, 88 a und 73 qm betrug, wovon auf Hosraiten 114 ha, Ackerfeld und Grabengärten 1 274 ha, Wiesen und Grasgärten 463 ha, Waldungen 1261 ha, Friedhöfe 17 ha, Exerzierplätze und Schießständc 48 ha, Wüstungen 1 ha, Eisenbahngelände 56 qm, Straßen, Wege, Plätze und Anlagen 142 qm, Flüsse, Bäche und Gräben 43 ha entfallen.
Die 25 500 Personen betragende Bevölkerung bewohnte 1815 Gebäude und verteilte sich mit 4 768 Haushaltungen von 2 und mehr Personen, 375 einzeln lebende Personen und 32 Anstalten.
lieber die Geschäfte, die durch die Bürgermeisterei erledigt wurden, ist eine Aufstellung gemacht worden, wonach die (SinLäufe bei der Bürgermeisterei 12 090 gegen 12 049 im Vorjahr betrugen. Was die in jeder Stadtverordnetensitzung zur Sprache kommenden Wirtschafts, gesuche betrifft, so wurden deren im Jahr 1903/04 45 (im Vorjahr 50) eingereicht; die Bedürfnisfrage wurde in 40 Fällen bejaht, in 5 Fällen verneint. — An» und Abmeldungen steuerpflichtiger Gewerbe sind 303 gegen 289 im Vorjahr erfolgt. Anträge auf Versicherung von Gebäuden oder Erhöhung bestehender Versicherungen wurden in 1902 175 gegen 189 in 1901 gestellt.
Besonderes Augeninerk wird man natürlich dem Finanzwesen zuwenden. Die Betriebsrechnung verzeichnet eine Einnahme van 1697 329,44 Mk. und eine Ausgabe von 1 572 178,10 Mk., sodaß ein Nest von 125151,34 Mk. bleibt. Dieser Ueberschuß besteht: in barem Vorrat 119 106,06 Mk., in Vorlagen 1 026,35 Mk., in Ausständen 5 018,93 Alk. Nach dem Voranschlag betrugen die Einnahmen der Betriebsrechnung 68 938,61 Mk. weniger und die Ausgaben 56 212,73 Mk. mehr. Die Vermögensrechnung beträgt in Einnahme nach der Rechnung 1 617 531,27 Mk., nach dem Voranschlag 2 343 255,84 Mk., in Ausgabe nach der Rech nung 960 549,94 Mk., nach dem Voranschlag 1 343 255,84 Mk. So bleibt bei derVermögensrechnung ein Rest von 656 981,33 Mk<
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völlig verschwinden, da erfahrungsgemäß die Anlage einer Kanalisation jedesmal eine ausgesprochene Tieferlagerunq des GrundwafferspieqelS mit sich bringt. Eine gute Schwemmkanalisation ist durchaus abhängig von dem Vorhandensein einer Wasserleitung, damit die Abwäffer genügend verdünnt und leichtflüssig werden.
Untersuchungen des Kanalwassers haben ergeben, das; es bei Einleitung aller zuvor erwähnten flüssigen Abfallstoffe etwa 1600 Milligramm Verunreinigungen im Liter führt, von denen 400 organische, 700 gelöste und 500 in kleinsten Teilchen aufgeschwemmte sind. Abwässer, die nur gewerblichen Betrieben entstammen, können eine zehnmal so starke Verunreinigung bei vielfach wesentlich anderer Zusammensetzung zeigen. Am nächstliegendsten und am meisten angewandt ist die Einleitung der Kanäle i n F l ü s s e. Es fragt sich nun, ob dieses Verfahren allen Anforderungen, die die öffentliche Gesundheitspflege stellt, genügt. Auf Grund zahlreicher, eingehender Untersuchungen und den Erfahrungen, die man mit jenem Verfahren gemacht hat, kann es nur als vollkommen bewährt empfohlen werden. Etwaige verdächtige, an Krankheitserregern reiche Abwässer, die von einzelnen Haushaltungen immer geliefert werden, erfahren zunächst.schon im Kanalsystem eine so reichliche Verdünnung, daß ihre Gefährlichkeit schon hierdurch erheblich herabgesetzt wird. Roch viel weitgehender wird natürlich die Verdünnung, wenn sich nun der Kanalinhalt mit der in günstigen Fällen mehrere tausendmal größeren Flußwassermenge mischt. Aber neben der einfachen Mischung vermag das Ilußwasser eine noch viel wertvollere Aufgabe zu lösen, die man als „Selbstreinigung der Flüsse" bezeichnet und die in der völligen Zerstörung der eingeführten Verunreinigungen besteht. Tie Belichtung und Durchlüftung der Wassermassen, die mit deren Fortbewegung Hand in Hand geht, vernichtet zahlreiche Bakterien teils völlig und teils schwächt sie deren Widerstandsfähigkeit so erheblich, daß sie entweder im Kampf ums Dasein mit anderen niederen Lebewesen erliegen oder wesentlich ungefährlichere Parasiten als früher für einen menschlichen Organismus darstellen, falls sie nochmals in einen solchen gelangen. Sodann sinkt ein großer Teil der feinen Aufschwemmungen zu Boden, wobei viele Bakterien mitgerissen und dauernd unschädlich gemacht werden. Ein weiterer Vorgang d.r Reiniguna besteht darin, daß durch Kohlensäureabspaltung vorher lösliche Körper nun in Form unlöslicher Kalb- und Magnesiumverbindungen ausfallen und darin, daß die, organischen Stoffe durch niedere Pflanzen, wie Algen und mikroskopisch kleine tierische Organismen als Rahrüng ausgenommen werden.
Dieser in vorstehenden Zeilen kurz beschriebene Vorgang der Selbstreinigung der Flüsse besitzt indessen wie die Selbstreinigung des Bodens eine obere Grenze, die durch ein bestimmtes Verhältnis von Flußwassermenge und zugeführten Kanalinhalt gegeben ist. Ist das Verhältnis so günstig wie etwa die L ah n w a s s e r m e n g e , zu unserem berechneten Kanalinhalt, wobei für den Vorgang der Selbstreinigung eine so bedeutende Flußlaufstrecke wie die von Gießen bis W c tz l a r zur Verfügung steht, dann kann sich jener Prvzeß in vollkommen hinlänglicher Meise vollziehen. An anderen Orten aber haben sich große Unzulänglichkeiten ergeben, da das zu knapp bemessene Wasser zum Waschen und Baden völlig unbrauchbar wurde und durch seinen Gestank die Anwohner in weiter Ausdehnung flußabwärts belästigte. Daß in derartig mit Abfallstoffen übersättigten Gewässern die Fischzucht völlig zugrunde geht, ist umso begreiflicher, als meist industrielle Betriebe ihre oft giftigen Abwässer miteinleiten, wenn nicht eine sehr scharfe polizeiliche Kontrolle besteht.
Ter Vorgang der Selbstreinigung kann jedoch nie so vollkommen werden, daß ein mit Abwässern versetztes, dann aber sich selbst-reinigendes Flußwasser gänzlich ungefährlich und zum Trinken geeignet wird. Hierzu ist in unseren dicht bevölkerten Ländern nicht einmal „reines" Flußwasser zu benutzen, wie immer einzelne Fälle von Typhus und schweren Tarmstörungen beweisen, welche unter der besonders dem Flußwassergenuß huldigenden, Schiffahrt treihenden Bevölkerung auch in epidemiefreien Zeiten vorkommen. Zum Bgden wird das Wasser unserer Heimat nur in- Zeiten ganz schwerer Epidemien, wie etwa den Hamburger Choleratagen, ungeeignet werden.
Dr. R. M .
5er hygienischt Wert einerSchrvemnikanallsatiorr.
(Nachdruck verboten.) (Originalartikel des „Gieß. Anz.")
Ueberall da, wo sich menschliche Siedelungen entwicheln, entstehen sowohl durch das Leben der Menschen selber, wie durch ihre wirtschaftliche Tätigkeit eine Reihe von Abfallsprodukten, die beseitigt werden müssen, wenn sie nicht zu fortgesetzten Unbequemlichkeiten und gesundheitlichen Schädigungen führen sollen. Man kann sie aus praktischen Gründen in feste und solche von flüssiger Beschaffenheit einteilen. -Die (ei teren setzen sich zusammen aus Meteorwässern — so nennen wir das Wasser von Regen und Schnee — den Abwässern bei Haushaltungen, gewerblicher, und kommunaler Betriebe, z. 'B. Gemeindeschlachthäusern, und schließlich den Stoffen, btt der menschliche Körper als nicht mehr verwertbar aus- ify'ibet, den Fäkalien. Man kann pro Kopf und Jahr 34 Kg. Kot, 400 Kg. Harn und etwa 36 000 Kg. Küchenmio Waschwasser in Ansatz bringen! Diese Abfallstoffe ent* ballten reichliche Mengen organischer Substanzen, bieten da- dinich den fäulniserregenden Keimen einen außerordentlich giiustigen Nährboden, und in ihnen spielen sich deshalb leb- hajlie Gährungs- und Zersetzungsvorgänge ab. Ferner sind in ihnen Eiterung und Wundstarrkrampf erregende Bakterien mfierst verbreitet. Gelegentlich enthalten sie auch Tuberket- boMen, ,bie Keime der Lungenentzünbung, der Diphtherie unb des Typhus. Diese Krankheit verursachenden Bakterien vermehren sich zwar in den Abwässern kaum ober boch nur sehr spärlich; benn einerseits brauchen sie zu ihrem Gedeihen eine bßbcve. Temperatur, andererseits werden sie durch die un- gely-ure, gleichzeitig vorhandene Menge von Fäulniskeimen überwuchert. Immerhin können einzelne Arten, wie die AEerien von Milzbrand, Tuberkulose und Typhus sich in ihmm lange Zeit, Wochen und selbst Monate hindurch lebens- krbstig erhalten. Es ist daher die Beseitigung der flüssigen Mfritte in einer Weise geboten, die dafür Gewähr bietet, daß jene Keime möglichst vernichtet werden oder schadlos bleiben, gaiiu besonders in Zeiten, wo sie gehäuft auftreten, d. h. bet ^sprechenden Epidemien, die auf anderweitige, ungenügende gesundheitliche Verhältnisse zurückgehen. Am reichsten an Krankheitserregern sind nicht, wie vielfach angenommen wird, dir umschlichen Exkremente, sondern die Hausabwässer, intern in jene die Reinigungswässer von Krankengeschirren unb Krankenwäsche gelangen, können sie neben den in allen öa-i:°abwässern vorhandenen Eitererregern so ziemlich, alle Häßlichen Bakterien enthalten, die es gicbt. Die Abwässer aus Schlächtereien unb Gerbereien können überbieS »ach von kranken Tieren herrührenbe Jnfektionskeime, wie Milzbrand und die auch auf den Menschen in recht schwerer yorim übertragbare Maul- unb Klauens suche führen. Ziemlich arm an Krankheitserregern ist bas Regenwasser.
Aus betn Gesagten ergibt sich, baß bie Abwässer eine tttnatneine Gefahr bebeuten, abgesehen von ben Unannehm- schkk'iten, bie sie burch ihre üblen Fäulnisgerüche heroor- BifcHi können. Bei ihrer Entfernung ist zu berücksichtigen, 'M 'sie nicht in einer Verfassung auf größere freie Boden- 'ichtkn ober in Flüsse gelangen, in ber sie noch eine Krank- Msuibertragung ober Gexuchsbelästigung bewirken können.
soll bas bei gleicher Leistungsfähigkeit billigste System Vivorzugt werben.
Zwei Möglichkeiten sind in dieser Richtung zu unter» Mid'kn» Entweder man. arbeitet mit lokalen Sammelstellen üb .(sucht vorzugsweise die menschlichen und ehvaigen tierischen gystkinente.zu beseitigen; hierin gehören die hygienisch sehr lujulängüchen ländlichen Verfahren und das Tonnen- unb Wuibensystem, wie es bisher auch bei un§ üblich war. Die obere Möglichkeit besteht in ber Anwendung eines Kaual- Ii;l?tm6r wobei man wieder zwischen Schmemmkanalisation asb Trennungssystem zu unterscheiden hat.
Bei ber Schwemmkanalisation werben alle flüssigen NsaZstoffe in unterirdischen Kanälen gesammelt unb die ^nt- prnbe, bünnflüssige, eventuell durch Wasserzusatz noch weiter rorbü nnte Masse wird durch Benutzung natürlicher Gefälle mH aus dem Bereich der Wohnungen fortgeführt. Schließ- Ijü gielangt ber Kanalinhalt entroeber direkt in einen Fluß M es> wirb vorher eine Reinigung bes Kanalwassers ein» । ^seiltet, wie es - z. B. in Frankfurt unb Wiesbaben aus i nxier unten zu erörternden Gründen notwendig ist. Da der 1 Uiwqruub ber Stabt von einem Netz von Kanälen mit un» l iiirhläffigen, innen glatten Wanbungen durchzogen wirb, bie s U nach einem ober mehreren Sammelkanälen hinziehen, i -Doiti ber Boden in keinerlei Weise .verunreinigt. Dies ist c Mi aine durchaus bedenkliche Folge, wenn die flüssigen Ab- f- uteteoffe' gav nicht ober nur mangelhaft beseitigt werben. ELI: ba(b wirb bie Grenze erreicht, wo ber Boden nicht ruifi im Stande ist, die in ihn eindringenden organischen (s seltne vollkommen zu zersetzen, zu „mineralisieren", und wo hliiii? in bie Zone des Grunbwassers einbringen, um auch L rö?re& bauernd zu verunreinigen. Bis zu welchem Grade b ..utoe.nüberfättigung mit fäulnisfähigen Stoffen gehen kann, »iiö lii'tt ben Kanalisierungsarbeiten in unseren Stadtteilen zu bie schon seit Jahrhunberten von menschlichen Woh- nimiiM bedeckt sind. Mußte, wie bies vor Einführung der
Qrrellwasserleitung ber Fall war, die Wasserver- fdimmtg aus hem Grundwasser eines solchen-Bodens gedeckt mM'ii, -bann konnten natürlich Seuchen, wie der früher auch HMM jedes Jahr erscheinende T-yphns nicht- ausbleiben. TM dme Vollendung der Kanalisierung wird die Berühruna tttt!! tiitrem ekelhaften, stark übersättigten Grundwasser, wie sich i- noch hier und da in liefen Kellern ermöglicht wird,
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„Taften Wasserstrahl". Graf Bülow mahnte die katholischen Mi bürger, sich der Rechte zu freuen, die sie in Preußen genießen. Abg. Dr. Porsch vom Zentrum hatte nämlich in der vorhergehenden Rede angedeutet, es bleibe noch mancherlei zur Erzielung konfessioneller Gleichberechtigung zu, tun übrig. Graf Bülow unterließ nicht, alle die namhaften Parlamentarier ins Treffen zu führen, die sich für die Aufhebung des' tz 2 im Reichstag ausgesprochen hatten. Er befinde sich also in Uebereinstimmung mit der sehr großen Mehrheit des Reichstages. . Längere Auseinandersetzungen über den Wert der Toleranz, der kirchlichen Einigkeit — auch im Kampf gegen die Sozialdemokratie! bildeten den Schluß der Rede, für die allein das Zentrum mit Bravo dankte.
Es folgte eine ziemlich lange Rechtfertigung des Kultusministers Dr. S t u d t wegen der Zulassung der MariL- nischen Kongregationen. Der Minister bestritt die Gefahr der Kongregationen, deren Zusammenhang mit den Jesuiten und verwahrte sich entschieden gegen die Unterstellung, von politischen Gründen beeinflußt worden, zu fein.
Abg. Dr. Hackenberg (nl.) hatte die Debatte durch eine wirkungsvolle Rede eingeleitet, worin er, häufig vom Lachen des Zentrums unterbrochen, die Stimmung der evangelischen Bevölkerung über die Beschlüsse der Regierung scharf kennzeichnete.
Abg. Dr. Porsch (Ztr.) nahm sich nicht minder kräftigen Tones ber Jesuiten und der Marianischen Kongregationen an.
Abg. Graf Moltke (frk.), der in dieser Frage gegen die Regierung Stellung nahm, war größtenteils bei seiner leisen Sprechweise schwer verständlich. Auch Graf Moltke wurde vom Zentrum durch häufigen Zwischenruf und Protest unterbrochen.
Der konservative Mg. v. Heydebrand nahm eine mehr vermittelnde Haltung ein. Er erklärte zwar, der Aufhebung des' § 2 keine besondere Bedeutung beizumessen, warnte aber vor der Beseitigung des ganzen Jesuitengesetzes, damit das Vertrauen des evangelischen Volks- teils nicht verloren gehe.
Die Debatte wird morgen, Donnerstag, voraussichtlich noch eine lebhafte Fortsetzung finden.
Ausweisung rnsfischer Studenten aus Preußen.
Wie das-Polizeipräsidium in Berlin mitteilt, ist eine größere Anzahl von russischen Staatsangehörigen, insbesondere Studenten, aus dem preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden, die sich als Einberufer und Leiter rc. an ben Versammlungen' vom 5. b. M. beteiligt haben. Ten Betroffenen äst aufgegeben worden, das Staatsgebiet binnen acht Tagen zu verlassen, widrigenfalls sie an bie Grenze gebracht werden. Es handelt sich dabei natürlich nicht um die rufffitfje Grenze.
Tie Ausgewiesenen, die Führer der bekannten Protestversammlung, in der die fürchterlichsten anarchistischen Drohungen ausgestoßen wurden, haben sich die Maßregelung selbst zuzuschreiben. Eine derartige, obendrein in anmaßendem und belehrendem Tone abgefaßte Kundgebung konnte sich keine Regierung gefallen lassen; bei solcher Ueber- hebung hört eben die Gastfreundschaft auf. Auch die „Voss. Ztg." schreibt, die Unterzeichner der Erklärung hätten es nicht anders gewollt, sie hätten die Ausweisung heraus^- geforbert. Trotzdem ist die preuß. Regierung noch mit Milde verfahren. Nur etwa 12 Personen haben das preußische Staatsgebiet zu verlassen. Es ist also keine „Auslieferung" an die russische Grenze erfolgt.
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Vnlitische Tagesschau.
Das Jefuitengesetz im preußischen Abgeordnetenhause.
Unser Berliner parl. Mitarbeiter schreibt uns:
Obwohl der Reichstag, wie kürzlich selbst der preußische Minister des Innern anerkannte, eine bei weitern größere Resonanz, als der Landtag hat, zog es doch Graf Bülow vor, heute im preuißschen Mgeordneienhaus beim Knltus- etat die Aufhebung oes § 2 des Jefuitengesetzes zu verteidigen. Im Publikum schien das Ereignis erwartet wor- dey zu sein: bie an anderen Tagen fast leeren Tribünen waren dicht gefüllt. Unten im Parkett standen Kopf an Kopf die Parlamentarier. Graf Bülow war im ersten, mehr satirisch gefärbten Teile seiner Rede wirksamer, als im zweiten Teile, der durch Weitschweifigkeit und Wiederholungen beeinträchtigt wurde. So hatte er z. B. die Lacher auf seiner Seite, als er bie ihm begegnete Auffassung ironisiert, manches Reich-stagsmi'glied hätte früher in ber stillen Hoffnung für Aufhebung bes § 2 gestimmt, baß der Bundesrat die Zustimmung verweigern werde. Was solle er benn bazu sagen! Tas sei boch in Wirklichkeit „jesuitisch" zu nennen. Fast mit Heftigkeit, mit scharfer Betonung verwahrte sich Graf Bülow wiederholt gegen den der Regierung gemachten Vorwurf ber Abhängigkeit vom ll.lt'ramontanismus. Nichts, garnichts berechtige zu ^solchen Behauptungen. Den Sturm ber Erregung habe er vorausgefehen — aber der leitende Minister müsse nicht nach Popularitätsrückfichten handeln, sondern nach ruhigem und pflichtgemäßem Erwägen der Landesinteressen. Das Zentrum, das solche Darlegungen mit Befriedigung vernahm, während Nationalliberale und Konservative sich fast durchweg schweigend verhielten, empfing aber auch einen
$65] »artend».*!^ ui vachlmgeluchll- js, 24 oofil.
Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 17. März 1904
Erscheint ISgUch mit Ausnahme des Sonntags. A Z. ? ▲▲
Die „Gießener ZamilienblStter" werden dem Ä DM H Bä BI WB
»Anomer viermal wöchentlich beigelegt. Der BF U M ft. IIK, H BL B B E Hl : B
^esstjche Landwirt' erscheint monatlich einmal. ▼ W'


