154. Jahrg.
Donnerstag, 17. März 1904
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amtz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erschein« täglich mtt Ausnahme des Sonntag-,
Die „Gießener Zamiliendlätter- werden dem b?In,ew^ oi ernte wöchentlich beigelegt. De
>- tand. tr< * erjchetn' monatltch einmal
ud und vertag der flcObl'IAai UiuueLiuaisörudeiet tJt ßange, Gießen.
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teL Nr. ÖL Lete«r.-Adr.: Anzeiger tivtfrefc
zuweudeude Apparat sei kostspieliger, als der damit erzielte Erfolg.
Das Haus nimmt darauf die beiden ersten Absätze des Art. 9 mit einem Unterantrag Buff an und stimmt sodann dem Antrag Buff aus Streichung des dritten Absatzes bei.
Art. 10 bestimmt, daß neben der Strafe auf Einziehung der für die Tat benutzten Werkzeuge, Sensen, Sicheln, Messer, Hacken usw. erkannt werden kann, ohne Unterschied, ob sie dem Schuldigen gehören oder nicht. — Tie Mehrheit des Ausschusses beantragt die Streichung dieses Artikels, weil sie diese Bestimmung als zu weitgehend und unzweckmäßig erachtet. Ls sei bei dieser Bestimmung auch die Möglichkeit gegeben, daß die Sense, mit der ein Apfel unberechtigter Weise abgeschlagen wurde, eingezogen werde.
Äbg. Dr. David beleuchtet die vielen Unzuträgliche feiten, die sich aus der Annahme dieser Bestimmung ergeben würden. Was solle auch die Behörde mit den konfiszierten, meist wertlosen Werkzeugen, die aber doch für den Landmann durchaus notwendig seien, eigentlich anfangen?
Die Abgg. Leun, Wolf, Hauck sprechen sich eben-
Kesstscher Landtag.
R. B. Darmstadt, 16. März.
Am Ministertisch: Justizminister Dr. T i t t m a r, Geh. iAse Lorbacher, Fuchs und Milbrand.
Tas Haus setzt die Beratung des Entwurfs über das tzelldstrafgesetz bei Art. 9 fort.
Geh. Oberjustizrat Lorbacher wendet sich in längeren Ausführungen gegen den Antrag des Abg. Dr. Buff ouj Streichung des dritten Absatzes: „Uebersteigt der ver- lllachte Schaden nicht den Betrag von einer Mark, so hin: eine Verurteilung zum Ersätze des Schadens nur auf Lntriag des Geschädigten ein". Diese Bestimmung sei aus dchllerwogenen Gründen in das Gesetz mit ausgenommen. Lbmgens sei die Bestrafung für Feldfrevel in Hessen ■nidjtil hoch man habe im vorigen Jahr nur etwa 4300 Mk. «Lnaofgelder eiingenommen.
Abg. Dr. Buff motiviert noch einmal seinen Antrag.
'Abg. Weidner spricht sich dahin au§, daß man die «Mmannten Bagatellsachen in Feldstrasangelegenheiten Acriihaupt nicht ui Betracht ziehen sollte. Der dafür auf-
Arbeitern Freibier versprochen, um sie zu ködern. Sie wollen sie in Ihre Organisationen locken, um ihnen die Beiträge aus der Tasche zu ziehen. Das ist ja Ihr LebenselementI Aus der Parteikasse füllen Sie eben Ihre eigenen Bcutell Tas ist eben Ihr Lebenszweck I (Wachsende Unruhe bei den Soz. Zurufe: Unverschämt I) Sie leben ja nur von den ArbeitergroschenI (Lärm bei den Soz. Abg. K u n e r t: Das ist eine Unverschämtheit, eine Frechheit! Glocke des Präsidenten.)
Vizepräs. Graf Stolberg: Wenn Sie davon gesprochen haben, daß die Sozialdemokraten die Arbeiter in die Organisationen locken, um von den Arbeitergroschen zu leben, so nehme ich an, daß Sie damit nicht Mitglieder dieses Hauses gemeint haben. (Heiterkeit.) Sonst würde das unzulässig sein.
Abg. Pauli (fortfahrend): Ich möchte mich darüber weiter nicht auslassen, sondern es dem Hause anheimgeben, sich darüber ein Urteil zu bilden. sHeiterkeit rechts. Lärm bei den Soz.)
Abg. Singer sSoz.): Der Abg. Pauli hat von Sozialdemokraten behauptet, daß ihnen mir daran liege, die Partcikasse zu füllen, um diese zur Füllung ihrer eigenen Taschen zu benutzen. Auf die Erinnerung des Herrn Präsidenten, daß er damit hoffentlich nicht Mitglieder dieses Hauses meine, sagte er, er wolle dem Hause es überlassen, sich darüber ein Urteil zu bilden. Er hat damit den Beweis geliefert, daß er die Absicht gehabt hat, uns hier diesen Vorwurf zu machen. Von einem anständigen Menschen sollte man verlangen, daß er solch eine Behauptung nicht ausspricht, wenn er nicht gleichzeitig dafür einen Beweis erbringt. Meinerseits will ich nur noch erklären, daß an dieser Behauptung natürlich nickst ein wahres Wort ist, und ich fordere den Abg. Pauli auf, solch einen Llbgeordneten namhaft zu machen. Würde er außerhalb dieses Hauses solch eine Behauptung aufstellen, so würde ich das als eine erbärmliche Verleumdung bezeichnen. (Lärm rechts.)
Vizepräsident Dr. Paasche: Ich kann selbst in dieser bedingten Form einen solchen Ausdruck nicht gestatten und rufe Sie deshalb zur OrdnungI (ßärm bei den Soz. Abg. Stadthagen ruft: „?lber die Verleumdung ist gestattet I") Die „Verleumdung" war nicht gegen ein Mitglied dieses Hauses gerichtet. (Zuruf: Jawohl!)
Abg. Zubeil (Soz.): Dem Abg. Pauli erwidere ich zunächst, daß er nur deshalb noch Mitglied des Hauses ist, weil er auf feiten der freisinnigen Volkspartei solche Freunde besitzt, daß sie ihm wieder hineingeholfen haben. (Unruhe bei den Freis.) Das beweisen die Wahlziffern. (Redner gibt diese zum besten.) Und trotzdem ist Herr Pauli nur mit 200 Stimmen Majorität hineingekommen. Und auf welche Weise! Herr Pauli sollte hier doch nicht den Mund so voll nehmen, weiß er doch ganz gut, daß seine Tage hier gezählt find! Und bann wird Herr Pauli schiverlich wieder hineinkommen! Dann wird ihm auch eine ganz außerordentliche Wandlungsfähigkeit nicht helfen, mit der er, der Brotwucherfreund und Junkertrabant, sich plötzlich als begeisterter Arbeiterfremid aufgespielt hat. (Unruhe rechts.) Hat Herr Pauli es doch fertig gebracht, sich vor die Spandaner Arbeiter hinzustellen und zu erklären, es tue ihm leid, nicht schärfer gegen die Militärverwaltung vorgegangen zu sein! (Hört! hört! bei den Soz. Unruhe recksts.)
Vizepräs. Dr. Paasche bittet die folgenden Redner, diese Unterhaltung über einen einzelnen Wahlkreis nicht zu lang fortzuspinnen.
Abg. Pauli (Potsdam, Antis.): Ich werde ganz kurz fein. Herr Singer verlangte, ich sollte Namen nennen. Nun, im lebten Wahlkampf hat in Stettin der jetzige Aba. Herbert von jedem Arbeiter pro Woche 5 Pf. bekommen, insgesamt dadurch ein Ein- | kommen von 200 Mk. pro Woche bezogen. (Lachen bei den Soz. Zuruf: „Für ein Dementi zu dumm!" Große Heiterkeit.) Herrn Zubeil will ich noch erwidern, dah die Sozialdemokraten überhaupt nur mit Hilfe der Freisinnigen in den Reichstag gekommen sind. (Lachen bet den Soz.) Und wenn Sie darauf hinwetsen, wie groß Sie geworden sind . . .
Vizepräs. Dr. Paasche (unterbrechend): Sie wollten ja kurz sein! (Heiterkeit.)
Abg. Pauli (fortfahrend): Bei den Nachwahlen in Lüneburg und in Osnabrück "haben sie schon genügend viel Stimmen verloren. Ich glaube, das wird so fortgehen, bann fliegen Sie alle heraus! (Große Heiterkeit.)
Abg. Herbert (Soz.): Herr Pauli hat behauptet, ich hätte in Stettin von ben Arbeitern Geld bekommen und 200 Mk. pro Woche bezogen. Wer diese Behauptung aufgestellt hat, ist ein Idiot allerersten Ranges! (Heiterkeit.) Und wer so etwas noch kolportiert, mit dem hört man auf, ernsthaft zu diskutieren I (Sehr gut! und Heiterkeit.)
Der Rest des Ordinariums wirb hierauf ohne Debatte bewilligt.
Beim Extraorbinarium wenbet sich
Abg. Gröber (Ztr.) gegen bie Steigerungen, bie der Geheimrat Halley vor kurzer Zeit hier über bie sog. Metzer Bouillonquelle gemacht hat. Die inbirekten Vorwürfe baß sich bie Metzer Stadtverwaltung einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht habe, sei entschieden unrichtig. Ebenso wenig habe in Metz eine Epidemie geherrscht. Der Magistrat habe zur Beruhigung der Bevölkerung durch einen öffentlichen Anschlag ausdrücklich bekannt gemacht, daß keine Epidemie herrsche. Die Aufsichtsbehörde habe also gar keinen Anlaß zum Einschreiten gehabt. Bei allen in Metz Dcrgefommenen Typhusfällen lasse sich ein Zusammenhang mit dem Wasser gar nicht nachweisen. Jedenfalls könne man der Stadt Metz in keiner Weise einen Vorwurf machen, schon eher könnte man ihn gegen die Militärverwaltung und die Staatsverwaltung erheben, da beide bie Erledigung der Wasserfrage Jahre lang in die Länge gezogen hätten.
Generalmajor Gollwitz erwidert, dah die Militärverwaltung *an der Wasserfrage nicht beteiligt gewesen sei, er müsse daher den
falls für den Ausschußantrag aus und legen bar, welch« Umstände sich aus Der doch den Bürgermeistern der kleinen Landorte zufallenden Aufbewahrung dieser Geräte ergeben würden, ebenso Abb- Weidner, während der Justizminister die Konfisration der Werkzeuge als notwendig bezeichnet und dies näher darlegt. — Der Ausschußantrag auf Streichung des Art. 10 wird daraus mit großer Mehrheit angenommen.
Die Artikel 11—16 beruhen auf der Erwägung, daß die Selbsthilfe durch Pfändung in einem gewissen Umfang im Interesse der Sicherheit des Privateigentums zuzulassen sei, und ergaben im einzelnen dieses Pfändungs- recht. Art. 11 beantragt der Ausschluß mit folgendem Zusatz anzunehmen: Die gepfändeten Gegenstände können von dem Bürgermeister dem Eigentümer zurückgegeben werden, wenn derselbe binnen 24 Stunden einen ihren Wert entsprechenden Geldbetrag hinterlegt." ?
Nach einiaeu Bemerkungen zwilchen dem Aba. Weidner und Geh. Oberjustizrat Lorbacher genehmigt das Haus den Ausschußantrag und damit den Art. 11. Ohne Debatte erfolgt die Annahme der Art. 12—16 in der Ausschußfassung.
Parlamentarische Perhauvliinüei».
ßkachdrvck ohne Vereinbarung nicht gestattet.
Nentkcher Reickstag.
59. Sitzung vom 16. März.
1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt.
Am Bunbesratstisch: bei Beginn bet Sitzung nur Kommissare.
Die zweite Beratung des Militäretats wirb sort- «eseht.
Abg. Znbeil (Soz.): Zu meiner Befriedigung kann ich konsta- ttieren, baß bie sozialdemokratische Erziehung beim Kollegen Pauli tauf so außerordentlich guten Boden gefallen ist. (Heiterkeit.) Vor Iwei Jahren sprach Herr Pauli noch ganz anders, als gestern. Charakteristisch ist die Haltung des-Zentrums, nicht ein einziges Mal hat ein Zentrumsabgeordneter zu dieser Frage das Wort genommen. Ulnb doch gibt es so viel an diesem „Musterinstitut" auszusetzen. Massenkündigungen und Massenentlassungen sind an der Tagesordnung. Leute, bie zwölf Jahre an einer Stelle gearbeitet haben, finb in eine andere Avteilung versetzt, nur um 50 Pfg. zu sparen. Eine große Härte herrscht auch in Bezug auf die invaliden Ar- keitcr der Militärwerkstätten. Invaliden Arbeitern ist bie Jnva- iibenrente gesperrt worden, weil eine eigene Jnvalidenkasse gegründet i st, zu der die Arbeiter beitragen müssen. Hierdurch wird die Rente toer Arbeiter um 16 Mark monatlich gekürzt. Viel geklagt wird »uch über die brutale Behandlung, die den Arbeitern von den Meistern zu teil w::d. All dies widerspricht dem kaiserlichen Wort, kaß die staatlichen Wertslätten Musteranstalten sein sollen. Jetzt hat man sogar eine Verfügung erlassen, daß Arbeiter bestraft werden, die fünf Minuten zu spät kommen, während sonst doch überall hie fünf Minuten straffrei sind. Mit am schlechtesten bezahlt werden bie Kanzleischreiber, sie müssen 1152 Silben schreiben, wenn sie U5 Pfg. die Stunde verdienen wollen. Unerhört ist es, daß im vorigen Jahre Arbeiter bei der Reichstagswahl in den Dienst der Wahlagitation gestellt wurden. Wäre der Sozialdemokrat gewählt worden, so hätte man die Wahl gewiß wegen Wahlbeeinflussung für ungültig erklärt. Eine Schmähschrift gegen die Sozialdemokratie wurde während der Arbeitszeit oertrieben, ebenso die famosen Liülow-Reden. Noch nie ist eine so schamlose Wahlagitation ge- tnicben, wie das letzte Mal. Ost kommen auch Polizeispitzeleien l or, in Abwesenheit der Arbeiter hat man sich bei ihren Wirtinnen i bet sie erkundigt. Redner führt dann eine Reihe von Einzelfällen i ber angebliche ungerechte Behandlung, Lohnkürzungen und Entlassung von Arbeitern an. Auch Herr Pauli, der „schlichte Mann cus der Werkstatt", der noch vor zwei Jahren die „Spandaucr Musterwerkstätten" in allen Tonarten gerühmt, ist jetzt anderer Meinung! Ja, ja, so geht es: man vergißt, was man wenige Tage, Monate oder Jahre vorher gesagt hat! (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Generalmajor Sixt von Armin: Einen ganzen Teil der Wünsche des Abg. Pauli kann ich zusammenfasten: soweit sie sich cvuf Lohnverhältniste beziehen, liegen sie der Lohnordnungskommif- fjon vor, wo sie eine sachliche Erledigung finden werden. Auch die Wünsche der Arbeiterausschüsse werden dort berücksichtigt werden. 2uan darf annehmen, daß die Lohnordnung sich günstig bewähren und jeden Vergleich mit der Privatindustrie aushalten wird. Das amtliche statistische Material über die Löhne wird jedem Abgeordneten auf Verlangen zur Verfügung gestellt werden. Die Einführung ter neuen Lohnordnung wird endlich stabile Verhältniste schaffen tmb der Beunruhigung in Arbeiterkreisen ein Ende machen. Eine | aibere Frage ist die der Beamtengehälter. Die vorjährige Zusage tes Kriegsministers wird nicht zurückgenommen. Aber es ist gänzlich unmöglich, eine einzelne SBcamtentategorie herauszu- gj elfen. Wann eine allgemeine Neuregelung der Beamtengehälter eimtritt, das ist lediglich eine finanzielle Frage. Je eher sie er- f.ilgen kann, desto lieber ist es der Militärverwaltung.
Dem Abg. Zubeil auf alle Einzelheiten zu antworten, bin ich natürlich ganz außer Stande. Von einer Herabsetzung der Akkordlöhne ist mir nichts bekannt. Die Entlassung der Arbeiter ist allerdings zu einem Teil aus Ersparnisrücksichten erfolgt. Aber das Lnunt doch nur daher, daß der Reichstag einen Teil der verlangten Bettäge gestrichen hatte, und man sich nach der Decke strecken mußte. Daß Wahlbeeinflussungen stattgefunden haben, beftreite izh durchaus. Im Gegenteil, es ist sorgfältig alles vermieden Worten, was danach aussehen konnte. Aber weshalb sollte man nicht die Arbeiter belehren? (Gelächter bei den Soz.) Wenn also Schriften den Arbeitern übergeben wurden, aus denen sie Be- li'hrung schöpfen konnten, so kann ich darin nichts Arges sehen. Die Beschuldigungen gegen manche Meister sind keineswegs bewiesen, fit werden untersucht werden. Man sollte doch aber, ehe etwas Positives feststeht, auch den Ruf der Meister ebenso schonen, wie ben btit Arbeiter.
Abg. Dr. Becker (Sieg, Ztt.) verlangt Einführung der Pen- fionsberechtigung für invalide Arbeiter und begründet eine Petition der Kanzleiarbeiter auf feste Anstellung. Im übrigen bestätigt eie, daß die Arbeiter in den Militärbetrieben durchaus aufrieben l " Abg. Pauli (Potsdam, Antis.): Ich habe mich jeder Provokation emthalten. Die Herren auf der Linken können das aber nicht lasten. 5'41 hatte das auch gehofft. (Heiterkeit bei den Soz.) Sie, Herr gjubcil, haben im vorigen Jahre mit prophetischer Stimme zu mir gefagi: „Sie, Herr Pauli, sehen Sie sich nur nach einem andern SS(i : -ei< um! Sie kommen nicht wieder!" Wie Sie sehen, bin td) r hier (Heiterkeit), und Sie werden sich an meinen An- £'!id Tinen müssen. Nack Ihrem Geschmack ist das freilich nicht, tt>oh! nach dem der Wähler! Und dabei haben Sie eine Wahlagitation getrieben, die jeder Beschreibung spottet! Sie haben den
von dem Vorredner erhobenen Vorwurf entschieden zurückweisen. Herr Gröber sei in seinem Bestreben, bie Stadtverwaltung weiß zu waschen, entschieden zu weit gegangen, er habe zu viel beweisen wollen und hätte deshalb gar nichts bewiesen. Es lasse sich nicht leugnen, daß die Stadt Metz nicht mit der Rührigkeit vorgegangen sei, wie sie es als große Garnisonstadt hätte tun sollen.
Geheimrat Hallen weist darauf hin, daß schon im Jahre 1895 es sich herausgestellt hätte, daß die Wasserverhältnisse in Metz unhaltbar seien. Ebenso wie der Vertreter der Militärbehörde f» müsse auch er ben Vorwurf des Abg. Gröber, daß bie Zivilverwal- tung die Schuld frage, zurückweisen. Die weiteren Ausführungen des Redners bleiben unverständlich.
Abg. Fürst zu Tohna-Schlobitten (kons.) spricht über die Ent. festigungsfrage von Königsberg i. Pr. Er bittet die Militärverwaltung, bei dieser Entfestigung nicht zu fiskalisch zu verfahren, sondern Königsberg dasselbe Wohlwollen entgegenzubringen, wie ben Städten Danzig und Posen. Königsberg verdiene diese Rücksichtnahme; sei diese Stadt doch ein festes Bollwerk des Deutschtums im Ccn in schweren Zeiten gewesen. Königsberg, eine Stadt ohne besonderes Hinterland, habe an dem Aufschwung der anderen Städte nicht teilgenommen. Die finanzielle Lage Königsbergs und seiner Vororte sei die denkbar ungünstigste, der Steuerzuschlag sei dort wohl der höchste. Er bitte daher, in Berücksichtigung aller dieser Umstände, daß die Militärverwaltung den Verkauf des entbehrlichen Festungsgeländes selbst in die Hand nehme und nur bie Herstellung des Straßennetzes der Stadt überlasse.
Generalmajor Sixt von Armin erwidert, daß diese Frage zur Zeit einer kommissarischen Beratung der beteiligten Ressorts unterliege. Vor Abschluß derselben könne er bestimmte Angaben nicht machen. Er freue sich aber, mitteilen zu können, daß der Standpunkt der Militärverwaltung der Stadt Königsberg gegenüber sicherlich ebenso wohlwollend sein werde, wie gegenüber Den anderen Städten. (Beifall.)
Der Rest des Militäretats wird nach den Beschlüsten der Kommission erledigt.
Damit ist die zweite Lesung des Militäretat» beendet.
Es folgen Wahlprüfungen. Zunächst wird die Wahl des Abg. Grafen B a 11 e ft r e m einstimmig für gültig erklärt. Das Haus begleitet das Resultat der Llbstimmung mit sehr lebhaften und sehr heiteren Bravorufen. Graf Ballestcem, der nach dieser Abstimmung das bisher von Dr. Paasche geführte Präsidium wieder übernimmt, erwidert auf die Beifallsrufe, indem er sich lächelnd verneigt.
Die Wahl des Slbg. G u e n t e r (8. Königsberg, nat,-lib.) Wirtz für gültig erklärt. Die Wahlen der Abgg. B r e j s k i (4. Mariemoerder, Pole) und Münch-Ferber (1. Oberfranken, nat.-lib.) werden beanstandet.
Die Kommission beantragt, die Wahl deS Slbg. Bartling (nat.-lib.) für gültig zu erklären.
Abg. Lipinski (Soz.) beschwert sich über das Verbot von Versammlungen in dem Wahlkreis.
Abg. Wellstein (Zenfr.) erwidert ihm, daß die Kommission sich nur an solche Tatsachen zu halten habe, die in den Protesten angegeben seien.
Die Wahl wird für gültig erklärt, ebenso die Wahlen der Abgg. H u e (Soz.), Wolff-Metternich (Zenfr.), M a 11 s e n (nat.-lib.), Fries (nat.-lib.), Gräfe (Antis.), Lenzmann (freif. 93p.), Dr. Pachnicke (freif. Bgg), S i 11 a r t (Zentr.), Jessen (Däne). Die Wahl des Abg. Dietrich (kons.) wird beanstandet.
Die Wahl des Slbg. Buchwald (Sachsen-Altenburg, Soz.) beantragt die Kommission für ungültig zu erklären.
Abg. v. Gerlach jnat.-soz., Hosp, der freif. Vgg.) findet die Motivierung dieses Beschlusses unlogisch. Wenn gegen den konservativen Kandidaten Wahlbeeinflussung getrieben fei, so hätten die Wähler ja immer noch für Den Kandidaten der freisinnigen Volks- Partei stimmen können. Weshall) sollen sie gerate dem Sozialdemokraten, der von oben herab, von Herrn von Helldorf, als „Umstürzler" bezeichnet worden sei, $u gute gekommen sein? Er beantrage nochmalige, objektive Prüfung des Materials.
Abg. Dr. Wolfs (Antis.) erwidert: Dadurch, daß der Staatsminister Herr von Helldorff gegen den Kandidaten des Bundes Der Landwirte Herrn von Bloedau aufgefreten ist, haben sich zweifellos manche Leute abhalten lassen, für diesen zu stimmen, zwar nicht Bündler selbst, wohl aber Mitläufer. Denn auch der Bund hat feine Mitläufer, genau so, wie Die Sozialdemokraten! (Abg. Bebel ruft: „So dumme nicht!" Schallende Heiterkeit wegen dieses Lapsus.)
Abg. Fischer (Berlin, Soz.) charakterisiert Den Beschluß der Kommission als eine vollständige Verleugnung ihrer ganzen biS- ht-rigen Praxis und des prinzipiellen Standpunttes, Den sie bisher stets eingenommen.
Slbg. Wellstein (Ztr.) befürwortet Den Kommissionsbeschluß, die Kommission habe sich streng an Die bisherige Praxis gehalten.
Nach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Stücklen (Soz.), Dr. Wiemer (freif. Vp.) beteiligen, wird ein Antrag auf Zurückverweisung an Die Kommission abgelehnt.
Die Wahl wird in namentlicher Abstimmung mit 126 gegen 81 Stimmen für ungültig erklärt, bei 4 Stimmenthaltungen.
Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr. (Marine-Etat, vorher Nachtrags-Etat.)
Schluß 8 Uhr.
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irüutlacharbe gewogen, joiort frei per Pid. 7ö Pjg.
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