Ausgabe 
16.11.1904 Zweites Blatt
 
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bleibe. ____________

Zer Raubmord in Keldcnbergen.

Heldenbern en, 15. November.

Tvr gestrige Tag hielt unsere Einwohnerschaft noch mehr in Aufregung und Spannung, als der Sonntag, schon deswegen, weil die berühmten Blut b n n d e ..H arra S" undM a x" bei den Nachforschungen nach dem Mörder verwendet wurden. Schon vorgestern abend gegen 11 Uhr kamen au diesem Zwecke die prächtigen, temperamentvollen Hunde in Begleitung ihrer Besitzer aus Braunschweig an uni) im Gasthause des Herrn Pauli nahmen die Herren Wohnung, wo auch die Hunde in einem Stalle untergebracht wurden. In früher Morgenstunde wurden die Hunde an den Bahnhof geführt zur Ueberwachung der dort die Frühzüge benutzenden Personen. Tie Nachforschungen nach dieser Ridstung Iraben zu keiner weiteren Eirtdcckung geführt. Später ivitrbcn dann die Hunde an den Tatort selbst gebracht, damit sie die Spuren im Hause, im Vor- und Hinterhof, sowie int Garten aufnchmen konnten. Inzwischen war, wie gestern schon gemeldet wurde, die abermalige Vorsührung des Arbeiters Bausch aus Win­decken ungeordnet und vollzogen worden, trotzdem er schon am gestrigen ^age nach zirka siebenstündigem Verhör wieder ent­lassen wurde. ES hatten sich neue Verdachtsmomente bei den weiteren Nachforschungen gegen Bausch ergeben, da man, wie ge­meldet, einen blutigen Kragen, ein Chemisette und einen Hut bei einer Haussuchung vorfand. Tiefe Gegenstände bekam Bausch in die Hände, welche er auf deut Rücken halten mußte. Er wurde in den Hinterhof geführt, von wo aus der Mörder, wie immer noch angenommen N'ird, durch das Abortsenstcr ins Haus eilige» drungcn ist. Sämtliche anwesende Gerichtspersonen, Gendarmen usw. wohnten dem Schauspiele bei. So oft die Hunde loS- gelassen wurden, umkreisten sie Bausch "aiid zerrten wie wütend an den Gegenständen, loelchc dieser in den Händen hielt. Es waren inzwischen noch mehr Vorsührungen verdächtiger Personen erfolgt, die ebenfalls lange Zeit verhört wurden und darauf gemeinschaftlich mit Bausch den Hunden gegenübergestellt wurden. Auch hierbei stürzten sich, wie wir demFr. G. A." ent­nehmen, die Tiere stets auf Bausch. Tiefer mußte denn auch im weiteren Verlaufe seines Verhörs durch das Abort- fenlter in das Haus einsteigen, was ihm bequem gelang. Viele Leute schienen schon geneigt den unglücklichen Mann deslmlb als den Täter zu betrachten, zumal der HundHarras" seinerzeit in Königshütte noch nach 14 Tagen unter ca. 40 Personen einen Mörder he rausgefunden haben soll. Ter Untersuchungskommission konnte diese An vonBeweisen" jcdock natürlich nicht genügen, und die Nachforschungen wurden fortgesetzt. Am Nachmittage gegen halb 2 Uhr gab es dann wieder eine neue Aufregung beim Publi­kum, das fortgesetzt das Pfarrhaus belagert und die Kirchgasse besetzt hält. Ter Ortsdiencr kam und brachte ein blutiges Hemd, sowie einen Mittel, welche Gegenstände der Metzger Grünewald beim Arbeiten auf dem Felde, rechts der Chaussee zwischen Heldenbergen und Windecken a u f g e f u n d e n hatte, und wie sich herausstellte, sollen alle diese Wäschestücke noch keinerlei weitere Anhaltspunkte ergeben haben. Auch sollen die Flecken nicht von Blut, sondern von Rost lyeniibren. Um dies konstatieren zu lassen, wurden diese Fundstücke nach Frankfurt a. M. an den Gerichtschemiker Tr. Popp abgesandt. Eine weitere Ueberraschung rief die Vorführung des aus Büdesheim gebürtigen, aber hier wohnenden Arbeiters Rick, sowie eines Metzgergesellen, der seither hier bei Metzger Seyfried beschäftigt war, hervor. Kurz vor Ein­bruch der Dunkelheit wurden abermals Spürversuche mit den Hunden gemacht, denen die vorgeführten Personen entgegengestellt wurden. Einer der Hunde ging dabei an Bausch, ein anderer sprang auf den Rick los und auch der zweite Hund ging dann an den Rick. Als man den Versuch zum drittenmalc machte, ging der

.\?hud an den verhafteten Metzgergesellen. las war wohl der beste Beweis von der Unzulänglichkeit diesesBeweismittels". Schließlich aber wurden sämtliche vor geführten Per­sonen, darunter auch Bausch, wieder auf freien Fuß gesetzt. Seine Unschuld scheint sich also endgiltig ergeben zu haben.

Von neuen Entdeckungen ist zu erwähnen, daß ans einem Rasenbeete vor dem Hanse des Lehrers Wolf, welches nächst dem Pfarrhause liegt, eine F n ß s p u r gefunden wurde. In welchem Zusammenhänge diese mit dem Morde stehen kann, wird die nach dieser Richtung eingeleitete Untersuchung ergeben. Nach einer Aussage des Fräuleins Sulzbach, die unter dem Ein­drücke der scheußlichen Tat seelisch sehr zu leiden hat, weilte sie am Freitag abend, also einige Stunden vor der Mordtat, bei dem Pfarrer in dessen Zimmer, lvo er sein Abendgebet verrichtete. Mitten im Beten habe der Pfarrer plötzlich au f- gehört und hastig einige Zeilen auf eine Karte geschrieben, die er in sein Gesangbuch legte. Gestern ist denn auch diese bezeichnete Karte beim Nachsnclnn im Gesangbncl>e anf- gefunden worden. Ter Text ist lateinisch und hat auf deutsch übersetzt folgenden Wortlaut:I m Falle eines p l ö tz l i ch c n Todes bitte i ch aus meinem Privatvermögen 1000 Mark an den Dekan (Friedrich von Ilbenstadt) auszuhäudigen, welcher diese Summe an bedürftige Armen verteilen soll". Was ihn so kurz vor seinem doch sicher nicht geahnten Tode veranlaßte, diese Karte mitten im Beten zu schreiben, kann wohl nie mehr aufgeklärt werden. Graf Oriola aus Büdesheim hat vier Wagen voll Lorbeerbäume, Blumenstöcke usw. aus seiner Gärtnerei hierher bringen lassen. Tie Kirche ist zur Leichenfeier ausgeschmnckt, ebenso das Pfarrhaus, in welchem sich die Leiche noch befindet. Fortgesetzt treffen, ans weitester Umgegend sogar, prächtige Kranzspenden und viele Veileidskundgebungen im Trauer-^ l)dufe ein.

Ter Vorgang, der sich am letzten Samstag am Ostbahnhof in Hana u ereignete und der mit dem Raubmord zu Heldenbergen in Beziehung gebracht wurde, hat sich nunmehr aufgeklärt. Jener : angeblich aus Heldenbergen stammende Mann, lvelcher am Ost- bahnhof nach den beiden Leuten mit den zwei schwarzen Hunden gefragt hatte, heißt Bauscher und wohnt in einem alleinstehenden Hause nahe der Station Heldenbergen-Windecken. Tas Haus soll allerdings nicht zu Heldeubergen, sondern zu Windecken gehören. Tie Leute mit den Hunden, eine bayerische Familie, haben bei ihm gewohnt und sind am Samstag früh abgereist.

Schon in den frühen Morgenstunden sammelte sich heute vor dem Psarrhause eine große Menschenmenge an, nm der B c - crbiguiig des Pfarrer Thöbes beizuwohnen. Ilm halb 11 Uhr begannen die Kirchenglocken zu läuten. Vor dem Trauer- Hause bildete die Turngemeinde in Uniform Spalier, während der Kriegerverein vor der Kirche Aufstellung genommen hatte. In der Kirche selbst waren die Vereine mit umflorten Fahnen er­schienen. Ter Sarg war auf einem mit Palmen und Blattpflanzen umgebenen Katafalk aufgestellt. Um 10u Uhr erschien die Geist­lichkeit, im Ornat, sowie die übrigen Teilnehmer an der Trauer­feier. U. a. waren in der überfüllten Kirche zu sehen Graf Oriola ans Büdesheim, Kreisrat Fey aus Friedberg und andere. Ter Vertreter des Mainzer Bischofs, G e n e r a l v c k a r T r. Engel­hardt auS Mainz hielt die Predigt, anknüpfend an das Bibel­wortSiehe, ich komme schnell und mein Lohn kommt mit mir." Er schilderte den Lebensgang des Verstorbenen in großen Zügen. Ter von ruchloser Hand Getötete sei allgemein beliebt gewesen. Ter katholische Lehrcrvercin für den Kreis Friedberg sang sodann das Requiem und Tckan Friedrich ans Ilbenstadt hielt das Amt. Um 11Uhr folgte eine stille Andacht, der die Cinsegnung der Leiche durch Tekan Friedrich fick- anschloß. Um 12 Uhr war die Feier in der Kirche zu Ende und der vieltausendköpfige Lcichcnzng setzte sich in Bewegung. Voran ging die Schnl-

lugcitD mit Blumen, dann folgten Bereute und eine große vtnzayl Geistliche. Auch die Vertreter der Behörden waren .mwesend- Dann kamen die Kommunikantinnen, der bischöfliche Vertreter und der Geistliche Rat Schäfer ans Offenbach. Hierauf folgte der Sarg und dahinter abermals Vertreter von Vereinen und Korpo­rationen. Auf dem Friedhof herrschte ein großes Gedränge. Der alte GesangvereinThalia" saug ein Grablied. Tie Ein­segnung der Leiche nahm nur kurze Zeit in Anspruch. Zahlreiche Kränze wurden niedergelegt, u. a. namens der Regierung von Kreisrat Fey-Friedberg, außerdem von sämtlichen Vereinen in Heldeubergen und mehreren auswärtigen Vereinen und Korpo­rationen. Um 1 Uhr erreichte die Feier ihr Ende. Tas Grab befindet sich auf dem Ehrenplatz des Friedhofs, neben der Grab­stätte des Geistlichen Rats Brentano. Die Schulen waren anläßlich der Feier geschlossen. Die Erregung in der Bevölkerung hat sich nunmehr etwas gelegt.

ArnchtsjUlU.

Bei d e r M o r g e u to i l e 11 e. Wir lesen imN. Wien. Tagebl.": Eine juue hübsgche Schauspielerin, Fräulein Alber­tine K., hatte sich beim Bezirksgerichte Josefstadt wegen angeb­licher llcbcrtretung gegen die öffentliche Sittlichkeit zu recht­fertigen. Ter pensionierte Major Arthur H. hatte die Anzeige erstattet, daß die Schauspielerin sich öfters bei dem Fenster ihrer Wohnung in einer so mangelhaften und verführerischen Toilette zeige, daß sie die Sittlichkeit junger Gymnasiasten, die ein gegen­über ihrer Wohnung befindliches Privatgymnasium besuchen, ge­fährde.Es wäre auch nicht vorteilhaft", erklärte der Anzeiger, ,twcnn durch das Vorgehen der Schauspielerin mein zwölfjähriger Sohu verführt würde". Tie Angeklagte erklärt sich kategorisch für nichtschuldig; sie gab an, daß sie als Morgentoilette ein Matinee kleid trage, das in dezenter Weise ausgeschnitten sei. In diesem Kleide habe sie möglicherweise manchmal zum Fenster hinausgeseheu, ohne jedoch au eine Verführung der vorüber­gehenden Gymnasiasten im entferntesten zu denken. Der Direktor deS betreffenden Gymnasiums erklärte als Zeuge, daß seines Wissens die Schauspielerin (id) niemals unschicklich benommen habe. Ter Richter s p r a d) die Angeklagte wegen Mangels jeden strafbaren Tatbestandes frei.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 17. November, abends 8 Uhr, im oberen Gememdesaal, Kirchstraße 9: Vortrag der Missionarin Fräulein Antonie Steiner über die Missionsarbeit unter der Frauenwelt in Indien.

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