Ausgabe 
16.11.1904 Erstes Blatt
 
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Offiziere in der Nähe des Tschadsees sich duelliert, ivobei der eine gefallen sei. Diese Meldung ist eine Chiffre-Nachricht des aus Kamerun zurückkehrenden Dampfers -Sekondi".

Kleine Tages c6 ro ni k. Iustizrat Rosenbaum in Bolingen wurde nach "Unteri chlagung von über 30 000 Mark flüchtig. Rach den bisherigen Feststellungen hat der aus Düsseldorf flüchtige Postassistent Roepke fünf Geld­briefe mit über 40 000 Mark Inhalt veruntreut. Am 14. d. M. erfolgte bei L a n d s h u t ''Bayern) ein Zusammen- st o ß eines Güterzuges mit einem Rangierzug. Ein Lokomotiv­führer und ein Zugführer wurden leicht verletzt. Der Material­schaden ist bedeutend. Ursache des Unglücks ist falsche Weichenstell­ung. Aus Tlemgen (Algier) wird berichtet, daß der Kom­mandant Tangoville, welcher an der Spitze seiner Truppen einen Uebungsritt unternahm, vom Pferde st ü r z t e und so schwere Verletzungen davontrug, daß er auf dem Transport nach dem Hospital verstarb. Auf der Schelde stieß der Dampfer ,,Cair- naivon" mit dem deutschen DampferElkap" der Kosmos-Gesell­schaft zusammen. Der erstere Dampfer sank wenige Minuten nach dem Zusammenstoß. Die aus 13 Mann bestehende Be­satzung konnte nur mit großer Mühe gerettet werden. In Staßfurt kam beim Brande eines Hauses die Frau des Kaufmaunes Walter ums Leben. Die Leiche der Frau, die infolge des Rauches erstickte, wurde total verkohlt aufgefunden. Ein junges Dienstmädchen konnte nur mit großer Mühe gerettet werden. Im Tunnel bei Barmen stießen zwei Lokomotiven zusammen. Beide Lokomotivführer und beide Heizer wurden töd­lich verletzt. Tie Lokomotiven sind zertrümmert. In Courtray (Belgien) wurde durch eiu Feuer ein großer Teil des Zentral-Bahnhofes zerstört. Tas Feuer ist in einem Schuppen ausgebrochen. Infolge des Brandes trat eine Vollstäud'l7>' Stch-mi" dc'S l^iscnhohnhctriehes eiu

Kunst und Wissenschaft.

Offenburg i. Bad., 15. Nov. In Anwesenheit der Groß­herzogin fand heute hier der 5. Tubcrkulosekongreß, statt. Medizinalrat Battlchncr betonte das Entgegenkommen der Negierung bei den Bestrebungen bei Bekämpfung der Tuberkulose. Oberstabsarzt Riedner-Berlin besprach die Notwendigkeit der Er­gänzung von Heilstätten und machte entsprechende Vorschläge Oberregierungsrat Lange wies statistisch nach, daß die Sterblich­keit an Tuberkulose in Baden seit dem Jahre 1890 abgenommen habe und bemerkte, daß Baden über dem Turchschnittsmaß von der Tuberkulose heimgesucht werde Nachdem noch einige Fragen der Großherzogin, die sich mit den Erfahrungen der einzelnen Bezirksausschüsse in der Bekämpfung der Tuberkulose beschäftigten, Erledigung aesunden batt"n. werden die Verbandlungen beendet.

Kerichtssaal.

Köln, 15 Nov. Der hiesige Metzger meist er Heinrich Esse wurde von der Strafkammer wegen Nahrungsmittel­fälschung auf Grund des § 12 des Nahrungsmittelgesetzes, obschon er bisher unbestraft war, zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 3 Monate Gefängnis beantragt Die Verurteilung erfolgte, weil der Angeklagte den hohen Zusatz von 0,7 Prozent Präservesalz gegeben hatte.

M - G l a d b a ch , 15. Nov. Die Strafkammer verurteilte heute die Witwe I. Abele wegen Blutschande zu V/g Jahren Zuchthaus. Ihr 19 jähriger Sohu, der von seiner scham­losen Mutter verführt worden war, erhielt ein Jahr Gefängnis.

Leipzig, 15. Nov. 200 Aktionäre der früheren Leip­ziger Bank reichten beim Landgericht Leipzig die Regreßklage gegen den Aufsichtsrat ein.

Braunschweig, 15. Nov. Von der hiesigen Strafkammer wurde gestern der Schuhmacher Dannenbaum zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ter Angeklagte hatte in der Schuhmacher- Werkstatt seinem Arbeitskollegen gegenüber eine ehrenrührige Aeußerung über den Kaiser und die Kaiserin gemacht.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 15. Nov. Heu- und Stroh- mar k t. Heu kostete heute Mk. 3.504.00, Stroh Mk. 2.20 bis Mk. 2.40. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

ko. Frankfurt a. M., 16. Nov. Kartoffelmarkt. Man notierte: Mk. 5.506.00 per 100 Kilo.

Limburg a. b. L., 15. Nov. Fruchtmarkt. Durch- schnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 00.00, neues 10.25 Mk., (Nerste 9.90 Mk., Haier 7.20 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Karosieln 0.00 Mk.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 17. November 1904: Meist heiter, doch stellenweise Morgennebel, Temperatur wenig verändert (Frost), keine Niederschläge.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Uruelte MMnincn.

R. B. Darmstadt, 16. Nov. (Eigener Draht­bericht.) Bei der heutigen K a m m e r t'a g u n g erfolgte nach der Abgabe der Köhlerschen Erklärung die Beratung der Vorlage über Bad-Nauheim. Nach längerer Debatte wurde der A u s s ch u ß a n tr a g auf Bewil­lig u n g d e r b e i d e n e r st en B a u r a t e n e i n st i m m i g angenommen. Ein Antrag Weidner, den Betrag für die Errichtung einer staatlichen Dampfwaschanstalt zu streichen, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag Damm- Friedberg auf Streichung einer anderen Position. Morgen früh um 9 Uhr werden die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen.

Landau, 16. Nov. Die Straskammer beschloß in dem Weinsälschungsprozeß gegen den 50 Jahre alten Weinhändler Weil, zurzeit in einer Irrenanstalt befindlich, die Ver­nichtung von 54 000 Liter Rotwein. Ferner ver­urteilte die Strafkammer den Wcinhändler Ottenberg wegen Weinfälschung zu vier Tagen Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe.

Paris, 16. Nov. Der neue Kriegsminister B e r t e a u x besitzt ein Vermögen von 30 Millionen. Er gehört zu den eifrigsten Mitgliedern des republikanischen Bloc. Bis zuletzt hat Berteaux den General Andre unterstützt und ist noch in der Debatte über die jüngste Interpellation Villeneuves auf der Rednertribüne für Andre eingetreten.

Paris, 16. Nov. Der Gerichtsarzt Soquet hat fest- gestellt, daß die Verletzung des Kriegsministers Andre von einem stumpfen Werkzeug herrührt. Gerüchtweise verlautet, daß eine Anzahl Radikaler dem General Andre ein im Seinedepartement erledigtes Senats Mandat anbieten wollen. Andrs teilte gestern einem Berichterstatter mit, daß er nach einer Unterredung mit den sozialistischen Deputierten Gerault Richard und Thomson den Entschluß gefaßt habe, seine Demission zu nehmen, weil die r e p u b l i k a n i s ch e M a j o r i t ä t infolge der Treibereien der Opposition offenbar ihre Kaltblütig­keit und ihre Festigkeit verloren habe. Er sei glücklich, daß Berteaux zu seinem Nachfolger ernannt worden sei; denn dieser habe ein Anrecht auf das Vertrauen der Republik und der Armee. Ministerpräsident Eombes habe ihn bei seinem Abschied umarmt und gefragt, ob er die für die Verleihung des Großoffizierkreuzes der Ehrenlegion nötige Dienstzeit besitze. Die meisten radi­kalen Blätter widmen dem' General Andre sympathische Abschiedsworte und bezeichnen es als eine große Beruhigung für die Republik, daß Berteaux an die Spitze der Armee

gestellt worden ist. Nur Senator Elemenceau in derAn> rore" und der Deputierte Maujean imRadical", der als eventueller Nachfolger Andres genannt wurde, bezeichnen dreAusschiffung" Andres als eine edelmütige Handlung. Dre regierungsfeindliche Presse meint, das Ausscheiden des Generals Andre werde in nicht allzu langer Frist den Verfall und endgiltigen Sturz des Ministeriums Eombes Herbeifi:hren. DieRepublique Francaise" sagt, der Marine­minister Pellet an werde die Erörterung des Budgets des Marrneministerii.uns nicht übernehmen. Der Finanz- mmrster Rouvier werde sich Ende dieses Jahres zurück­ziehen, und der Rücktritt Rouviers werde den des Ministers des Auswärtigen De le ässe, des Unterrichts­ministers Chaprnie und des Ministers der öffentlichen! Arbeiten Maruejouls zur Folge haben. Der natio­nalistische Deputierte Guyot Billeneuve hat erklärt,' er werde die Debatte über das Budget des .Kriegsministeriums be­nutzen, um von Berteaux die Bestrafung aller derjenigen! Offiziere zu verlangen, die in die Tenunzmtionsaffäre ver­wickelt sind.

New York, 16. Nov. Gestern gerieten die Viehhöfk in dem Newyorker Stadtteil Jersey City in Brand. 3000 lebende Schweine verbrannten, ferner geschlach­tete Tiere. Einige Tausend Tiere stürmten wild durch die Viehhöfe und die Stadt. Tie Viehhöfe sind total eingeäschert.^ Während der Löschaktion ereigneten sich zahlreiche Unfälle. Der Schaden ist enorm.

Washington, 15. Nov. Die zu der Feier der Ent> hüllung des Denkmals Friedrichs d. Gr. entsandten! deutschen Offiziere, General v. Löwenfeld und Major, v. Schmettow, sind hier eingetroffen.

Vom Kriege.

Köln, 16. Nov. DieKöln. Ztg." meldet aus ©Öuh Japan beabsichtigt in Korea ein Arn, ee-Korps zu bilden, das die Russen der nordöstlichen koreanischen Provinz über den Tumen-Fluß zurückdrängen und auf Wladiwostok vorgehen soll. Die Truppen sollen bis aus 3 Divisionen gebracht werden. Die japanischen Militär­behörden bauen eine Eisenbahn zwischen Söul und Wönsan, ohne daß die koreanische Regierung um Erlaubnis gefragt wurde.

Petersburg, 16. Nov. Alexejew wurde von dem Zaren empfangen und zur Tafel hinzugezogen. Die Unter­redung war eine äußerst herzliche. Es steht fest, daß sich der Vizekönig die ganze Gunst des Zaren erhalten hat. Die Freunde Alexejews glauben, daß er für eine große Auszeich­nung vorgeschlagen sei und wahrscheinlich zum Reichskanzler ernannt werden dürfte. Der Generalstab berichtet nach weiterer Uebersicht der Listen der rufisch en Verluste während der Kämpfe am Schaho folgendes: Soldaten ge­lötet 4086, verwundet 23 542, durch sonstige Unfälle verletzt 313, verschwunden 5 327 irrt Ganzen 33268 Mann. Ossi-; ziere getötet 188, verwundet 700, durch sonstige Unfälle üer») letzt 66, verschwunden 39, im Ganzen 995.

Tokio, 16. Nov. Von der 3. japanischen Armee vitt, Fusan wird berichtet: General Stössel sei verwundet worden und befinde sich im Hospital. Der General weigere sich, den Befehl über die Festung niederzulegen. Er soll er­klärt haben, er wolle lieber getötet werden als sich ergeben.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen hat, sagen wir allen unseren innigsten Dank. [06942

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