Ausgabe 
16.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 218

Zweites Blate

Freitag LG.September 1904

WM Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Redaktton, Expevrtton u. Druckerei Schulstr.-« Det_ Nr. 5L Teleqr.-Adr. i Anzeiger <Lletzen.

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Erfcheinl tLgttch mit Ausnahme des Sonntags.

DieLietzener Zamttlenblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der wt}effifd?8 Landwirt' ericheinl monatlich einmal.

Verschreibungen:

Von der 189öerAnleihe wurden ausgelost: L

154. Jahrgang

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198, 106, 284, 16^,

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Ddlerordens mit Eichenlaub und Krone, der kommandierende Ge­neral des neunten Armeekorps V. B o ck undPolachden Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub, der General ä la suite Goas Hohenau den Roten Adlerorden zrveiter Klasse mit Erchen, lanb und Krone.

RotattonSdruck und Verlag da Brühl Ich« UnwersttätSdruckeret. tft Lange. Gtetze«.

Keer nnü Atotrc.

Der kommandierende General des 3. Armeekorps General­leutnant v. B il l o tu wurde -um General derJnsanterie befördert. Generalleuinaill u. Beseler , Korn mau den r der 6. Division, wurde mit der Wahrnehmung der Gesä)äfte oeS Ehess des Zngrnieilr und Pioniertocps und des Änreralinspekteurü der Festungen beauftragt. Es erhielten der kommandier.ndc Ge­neral des Gardel'orpS v. K c s s e l das Großkrcnz .des Listen

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Aas ^iuOt und Lund.

Gießen, den 16. September 1904.

Geheim rat Gaffky Ehrenbürger der Stadt Gießen. Nach einem Entschluß der Gießener Stadt­verordneten in geheimer Sitzung wurde der Geh. Medizinal- rat Pros. Dr. Gaffky zum Ehrenbürger unserer Stadt er­nannt. Dadurch hat die Stadt Gießen die höchste Ehrung, die sie zu vergeben hat, dem Geheimrat Gaffky zu teil werden taffen, und diesem Beschluffe unserer Gemeindevertretung wird die gesamte Bürgerschaft unserer Stadt freudig beistimmen. Sie wird also auch in Zukunft, nach dem leider nahe bevor­stehenden Scheiden Gaffkys von Gießen, diesen hervorragen-- den Gelehrten mit Stolz zu den Ihren zählen dürfen. Als im Jahre 1899 Bismarck, der Reichsbaumeister, starb, war Gießen ehrenbürgerlos; als im Jahre darauf Gießens hochverdienter, nie zu vergessender Oberbürgermeister Gnauth als Finanzminister nach unserer Landeshauptstadt berufen wurde, da erhielt die Bürgerschaft ein neues Ehrenmitglied. Nun tritt zu diesem als zweiter Ehrenbürger Gaffky. Bismarck ivar der Wiederhersteller des deutschen Vaterlandes, Gnauth der Reorganisator unserer Vaterstadt. Zu den beiden sich gesellen zu dürfen, ist wahrlich eine außergewöhnliche Ehre. Sie ist verdient, denn man weiß hier allgemein, daß Gaffky sür die Gesundheitsverhältniffe Großes und Bleibendes geleistet hat. Man weiß, daß die Stadt das jetzt allmählich erstehende Riesenwerk der städtischen Kanalisation nicht zum wenigsten ihm zu verdanken hat. Wenn jetzt Geheimrat Gaffky von Gießen scheidet, so folgen ihm nach seiner neuen, bedeutungs­vollen Wirkungsstätte in des Reiches Hauptstadt die besten Wünsche der Gießener Bürgerschaft, die ihm durch den gestrigen Stadtverordnetenbejchluß zeigt, daß sie ihm die rechte Treue zu bewahren gewillt ist. Heute abend um l/ß Uhr findet im Hotel Prinz Karl ein von der Stadtverwaltung veranstaltetes Abschiedßeffen zu Ehren des neuesten Gießener Ehrenbürgers statt, an dem, wie wir hören, außer den Mit­gliedern der städtischen Verwaltung Prooinzialdirektor Dr. Breidert und Finanzminister Dr. h. c. Gnauth, Gießens anderer Ehrenbürger, teilnehmen werden.

** Warum er die Wa hlurne nicht brachte! VH der Gemeinderatswahl in einem oberheffischen Dörfchen passierte etwas wohl noch nicht dagewesenes: Die Wahl war auf den Nachmittag von 36 Uhr anberaumt. Der Ver­treter des Kreisamtes, der Bürgermeister und drei Beisitzer hatten sich kaum niedergelaffen und die Wahlakten geöffnet, als auch schon einige Wähler erschienen, um ihr Bürgerrecht auszuüben. Bei Abnahme der Stimmzettel bemerkte der eine Beisitzer, daß die Wahlurne fehle. Rasch wurde der in der Nähe weilende Ortsdiener mit der Herbeischaffung der Wahl­urne beauftragt, und bald kam der Mann mit einer sehr ver­staubten Nudelkiste an und setzte sie vor der erstaunten Wahlkommiffion nieder. Auf die Frage des Ortsoberhauptes, warum er nicht die rechte Wahlurne herbeigebracht habe^ kratzte sich der durch den eiligen Gang stark schwitzende Hüter der öffentlichen Ordnung Hinterm Ohr und sagte: ,Ei ich hält' (e jo gern hergebracht, awer gestern Hot die Katz Junge hineingemachtl^

*Die Webindustrie in Oberhessen.* Unter diesem Titel veröffentlichten wir in unserer Nr. 121 einen Artikel, zu dem wir jetzt erfahren, daß darin einige Unrichtig­keiten enthalten sind. Nicht eine, sondern zwei Hiesige Firmen fabrizieren Hemdenflanelle und Bettzeuge.

Homberg v. d. H., 16. Sept. Reichskanzler Graf Bülow und Gemahlin sind heute hier eingetroffen und haben in Ritters Parkhotel zu längerem Kurgebrauch Wohnung ge­nommen. Frau v. Mmchetti, die Schwiegermutter des Grafen, wird für morgen ebenfalls hier erwartet.

Frankfurt a. M., 13. Sept. In der Nähe der Stadt Hosheim am LorsbacherTal wurde eine römische Nieder­lassung in ganz ungewöhnlichem Umfange von annähernd 300 Meter entdeckt. Die Ausgrabungen an dieser Stelle er­folgen unter Leitung des Profeffors Dr. Ritterling (Wies­baden). Man glaubt, daß die entdeckte Niederlassung zur Zeit des Kaisers Augustus (9 Jahre v. Ehr.) entstanden ist iind als militärisches Lager diente.

X 2000 Mk.); M 394, 340, A 1000 Mk.); N 366, 483, M3, 89, 379, 616, 388, 207,

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Komische Tagesschau.

Der Kysshauser-Puud der deutschen Landeslriegervervande. Der Zentralbund des deutschen Kriegervereinswesens, hat auf -'einem Vertretertag auf dem Kyffhäuser folgende Resolution .gefaßt:

Ter fünfte Vertreterdag teS KhsMrrserbundes der deutschen Üandesknegerverbänbe spricht feine Entrüstung über den lbgrund von vaterlandslvst r Gesinnung aus, >er sich in den Reden deS sozialdemokratischen Führers Bebel . ms dem internationalen Sozialisten kongreß in Amsterdam aufs lene dargetan hat. Ter starken Hand der Resihsregierung, den ' iegierung.n der Bundesstaaten tmb den gesei-gebenden ttörpcr- i rfxiftcn l>aben mir es zu überlassen, Maßregeln zu treffen, durch \ tem inuner stärker nm sich greifenden lieber mute iücr Sozialdemokratie und ihrer, die Volksse e l e ver- c:ohenden Verhefung Halt geboten wird. Wvhl aber ist , das gute Neckst u ü> die Pslicht der deutschen Kriegervereine, r'n dfcrftc Aufgabe nach den Satzungen die Pflege der Treue gjtt Kaiser und Reicks zu Lairde^.'h?rrn mw Vaterland ist, deMlich

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»eichet -'^uimanniy \r,M.Äon. anjtb. unL PJtwn d. tzf.

dickem ifl9ier gegen unb hohe -k'uchr Of.

Ein begeisterter Schwärmer für die katholischen Studenten- Verbindungen

ist einalter Korpsstudent (? I), der imBayrischen Vaterland" folgenden Lobeshymnus auf sie singt:

Gerade entzückt haben sie mich, wie ich sie in Couleur stun­denlang in den Versammlungen sitzen sah. Und dann die Reden dieser jungen Herren bei ihren Kommersen, welcher Idea­lismus, welche Begeisterung! . . . Und solche studentischen Ge­bilde will man unterdrüaen! Michel, sei froh, daß sie sich überhaupt gebildet haben; denn sie sind dir weit nutzer, als darauflosholzende Bieralgen, die du später mit dem Staatseimer tranken mußt. . , . Frische, sehnige Gestalten, Gesäß und Rumps getrennt von kernge landen Hüstln, die sich wiegen keck und munter . . . Und diese Gesichter! Von molliger Jugendfrische wie eine gesunde Aprikose. . . .Augen wie edxte Fuchsaugen, schalkhaft und doch, wenn es sein muß, leuchtend im altklugen Ernst des Lebens! So gefallen sie mir, die jungen katholischen Recken des akademischen Lebens! Und diese Consuchsia! Wurzelhafte Einsall, aber holzbar, famos! . . . Und die Burschen! ... ein jeder ist geeicht mit dem unterschied­lichen Eichpsahl gesund studentischer Trinkervernunft... Da gibt es keine mitternächtliche Strecke gesaufederter Trinkerwild­säue, alles beim Aufbruch solid . . . Gestrebt wird ellich, reinste Gehiriimassage; sie reden wie Staatsbibliotheken, wenn auch noch nicht verdaut, doch das kommt noch mit der Zoll. , . Soweit die katholischen Couleurstudenten in Politik machen, sind sie als künftige Stützen von Thron und Altar anzusehen . . . Man weiß, daß sie gewissermaßen ReUungsgürtel fein werden in der kommenden sozialen Sündslut . . .dem Lande kann man wahr­lich gratulieren, das auf eine solche Schar von angeheirden Staatsbeamten blicken kann".

vor aller Welt ihre tiefinner ft e Empörung darüber aus­zudrücken, daß der Führer der Umsturzpartei in Deutschland gewagt hat, seine Hofsnung auf Erfüllung ferner Parteiziele vorauf zu setzen, daß den deutschen Waffen ein zweites Sedan bereitet werde. Tie beste Antwort an den interna,ionalen Mann ohne Vaterland ist, daß nicht nur die 400 000 Veteranen in Ml j er en Ziechen, die seinerzeit für des Vaterlands Größe und Eücheit ihr Leben eingesetzt Haven, und deren Ruhm durch die jämmerliche Denkungsweise jenes Mannes nicht besudelt werden Fann, sondern daß alle in den deutsckzen Grieger vereinen bereinigten Kameraden, heute schon2Vi Millionen an der Zahl fest holten an dem Vaterlande und an den die Grüße unseres Vaterlandes bedingenden und verbürgen* c>en monarchischen Einrichtungen und daß sie diese ihre Ge­sinnung als Staatsbürger betätigen. Indem der Lerrrctertag oes Kl-fshänserbundLs der beutfaj-cn Landeskriegerverbänoe sein festes Vertrauen zu seinen Kameraden ausdrückt, daß sie sowohl im Frieden, wie daß sie uno alle wehrfähigen Deutschen im Kriege wiederum unvergänglichen Lorbeer an die deutschen Fahnen heften und dadurch die h o ch v e r r ä t e r i s ch e n 5) o f j u u n g e n der Umsturzpartei zu fckMiden machen,; richtet er an alle patriotisch empsindenden Vottskreise die Aufforderung, die Be- itrebimg der Krieger vereine zur Stärkung des Nation aloewußt- seins und der Vaterlandsliebe, zum Feschalten an dem mon­archischen Gedanken zu unterstützen und mit ihnen fest und einig zufammenzustehen gegen die internationale, vaterlaudslose So­zialdemokratie.

150, 288, 60, 21. 137

Au Brief aus Dorf Arthur.

(Nachdruck verboten.)

Ein süddeutscher Kaufmann stellt uns einen Brief zur Verfügung, den er soeben von einem in Port Arthur mit eingeschlossenen russischen Kollegen erhalten hat. Derselbe weilte längere Zeit in Deutschland und wurde mit unserem Gewährsmann so eng befreundet, daß er mit ihm in Brief­wechsel trat. Seit dem Ausbruch des Krieges ist der nach­folgende Brief der erste, den er absandte. Derselbe lautet wörtlich (nur einzelne Stellen, die in schlechtem Deutsch ab- aefaßt waren, sind von unZ etwas stilisiert worden):

Port Arthur, .21. August. Lieber Herr N . . , .

Seit ich das letztemal an Sie schrieb, sind etwa dreiviertel Jahr vergangen. Damals gab ich der Hoffnung Ausdruck, daß der Friede erhalten bleiben würde, aber darin habe ich mich mit vielen anderen leider gründlich getauscht. Wir sind nun mitten brin im Kriege und in einer oom Feinde belagerten cyciaing. lieber ein Vierteljahr lang werden wir tägliu- be- ssen, dann mehr, dann weniger heftig. Aber so schliuun, wie an den letzten Tagen, war es noch niemals. Es ging geradezu ein Läget von Geschossen auf die teilweise in Trümmern liegende Festung nieder, aber es scheint doch, daß die Japaner, die mit allen iiräften die Erstürmung versuchten, entweder chre Geschütze schleche aufgestellt haben oder ihr Materi-al nicht vom besten ist, ftonft müßte die Wirkung der Geschosse noch schrecklicher sein, wie sie in der Tat ist. Völlig vernichtet ist bis jetzt der neue Stadtteil, welckM dem Feuer des Feindes direkt ausgesetzt und bedeutend näher gelegen ist, als der alte. Hier hallen die meisten Kaufleute ihre Niederlassungen und auch die meinige besatrd sich dort. Sie ist mit den anderen vom Erdboden verschwunden und wenn daä Unglück auch furchwar ist, so kann man doch noch froh sein, das Leben gerettet zu haben. Viele Einwohner von Port Arthur wvrden von den Kugeln getroffen und ich sage nickst zu viel, wenn ich beharepte, daß bereits mehr als ein Viertel entweder tot oder verwundet ist. Die waffenfähigen Bürger beteiligen sich mit der mllllärisck)en Be­satzung heLmhaft an der Verteidigung, die General Stössel mit großer Umsicht und UnernuidlMeft leitet Frauen, Greise und Kinder suchen, sobald wieder ein Bombardement beginnt, Unterkunft in Höhlen, die an vielen Stellen errichtet worden sind, und in den Kellern der ganz ober teilweise zusammen­geschossenen Häuser. A)ort werden auch die Verwundeten und zaylreick-su Kranken untergebracht und besonders während der letzllägigen heftigen Beschießung haben sich die Räume so ge­füllt, daß unbedingt eine Anzahl weiterer Höhlen errichtet wer­den muß. Er ist schrecklich, der Anblick der Verwundeten; viele fiTb) furclstbar verstümmelt und manche sterben bald, zumal die Äerzte und das Hellgehilienperfonal bei weitem nicht ausreichend sind Glücklicherweise sind wir bis jetzt von regelrechten En­demien verschont geblieben, was jedenfall darauf zurückzu- führLN ifi, daß die Toten noch immer schnell beerdigt werden touillen. > Dvcb ist die Zahl der Erkrankungen sehr groß schon infolge der tagtäglichen Aufregung. Auch die Japaner haben chre Toten regelmäßig. bald der Erde über- geben. , Rur an den letzten Tagen hatten sie damit Schwierig- kecken, denn ihre Verluste waren ungeheuer. Tste Zahlen, die man darüber hört, sind unbestimmt und sich wider­sprechend, ich kann also nichts genaues darüber sagen. Wir haben seit der Beschießung im Ganzen etwa 4000 Tote und 7000 Schwerverwundete, von denen die Hälfte wohl kaum mit dem Leben davon kommen tvird. Glücklichertveise fehlt es uus nicht an Lebensrnitteln, denn es ist zu stark durch die Natur unb durch Kunst befestigt. Bisher haben sie so gut wie gar keine Vorteile er< r ungen; einige Außens orts, die sie un ter un g c Heu- re n Verlusten genommen, sind für sie sowie für uns fast wertlos. .Etwa 10 Monate, sagen die gut Unter­richteten, könne sich Port Arthur bei aller Einschränkung noch halten mit ben noch vorhandenen Lebensmitteln. Wenn dann die Entsetzung nicht erfolgt ist, worauf man hofft, müßte an die Uebergabe gedacht werden. Eher ist: eine solche nach der gegenwärtigen Stimmung nickst zu erwarten; an die Möglichkeit einer Erstürmung henkt niemand. Schlecht zu sprechen ist man auf die Dummheiten, die die Flotte gemacht hat. Sehr verübelt wird ihr daS Verlassen des sicheren Hafens. Was damit eigentlich bezweckt worden ist, weiß man hier nicht. Wenn ein Stössel auch die Flotte kommandiert hätte, stände sie jeden­falls anders da, wie es jetzt leider der Fall ist. Mll der Tatsache, paß oie Port Arthur-Flotte vernichtet ist, muß nun gerechnet werden, und schwerlich wird die Ostseeflotte, die in etwa seckB Wochen hier fein soll, die Scharte wieder auswetzen können. Die Beschaffenheit der wieder zurückgekehrten Schiffe soll eine sehr schlechte sein. Es hat den Anschein, als ob die Leitung der Flotte und die der Festungsbesatzung nicht recht zusammen harmoniert hat. Auf welcher Seite die Schuld liegt, kann ich jedoch nicht lagen. . Heber manches, was ich Jhlreil hier geschrieben, werden Sie wohl schon aus den Zeitungen erfahren haben, aber einiges dürfte Ihnen doch von Interesse sein. Wenn man so vom Un­glück verfolgt ist, wie viele Russen es mit mir sind, dann ver­trant man sich gern einem Freunde an und bringt das, was man d?nkt und. fühlt, zu Papier. Aus dieser Stimmung heraus sind in einer freien Stunde diese Zeilen entstanden, die Sie hoffent­lich erreichen werden. .So ganz von aller Welt abgeschnitten find wir dock) noch nicht. Auch völlig niedergedrückt sind wir keines­wegs ob des Schicksals, von dem wir verfolgt werden. Wenn auch nochnicht so bald, so wird doch in absehbarer Zeit, wenn ine europäischen Truppen erst da sein werden, oas Stündchen der Rettung herankommen. £n dieser Hoffnung verbleibe in Freund^ schäft 3fr N. N."

Sitzung -er Stadwerordnrten.

Gießen, 15. September.

Anwesend: Oberbgm. Mecum, die Beig. Georgi, Heyligenstaedt und Eurschmann und die Stv. Brück, EmmelinS, Euler, Dr. Gutfleisch, Haubach, Helfrich, Huhn, Jann, Jug« Hardt, Keller, Kirch, Leib, Löder, Petri, Dr. Schäfer, Schaff- staedt, Schwall und Wallenfels.

Es erfolgte zunächst die Allslosung verschiedener Schuld-

Moderner Städtebau, vorgeführt durch die Gründung einer neuen Stadt mit allen Erfordernissen in gesundheitlicher und ästheti­scher Beziehung, das ist der Plan, den eine in Frankfttrh a. M. entstandene Baugesellschaft demnächst ins Leben rufen will. Nahe bei Fuankfttrt, so lesen wir in derKöln. Züg.", auf dem Gebiete des hessischen Städtchens Sprend- li ngen soll der Gedanke verwirklicht werden durch das Entgegenkommen der hessischen Regierung, die 30 Hektar großes Waldgebiet aus dem Großh. Familienbesitz mit Ge­nehmigung des Großher^ogs zu billigem Preis zur Ver­fügung gestellt hat und durch Verträge dafür Sorge trug, daß Spekulationsgeschäfte und Bodenwncher ausgeschlossen bleiben. Nach einheitlicher Grundidee soll die neue Anlage emporwachsen unter Berücksichtigung der notwendigen öffenllichen Gebäude, schöner Straßenzüge und Plätze und aller derjenigen Einrichtungen des Städtebaues, die für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner die weitest­gehenden Bürgschaften bieten. Von diesen Gesichtspunkten aus hat der Professor der Architektur an der technischen Hochschule zu Darurstadt, Pützer, den Lageplan für die neue Stadt entworfen, und wenn die Einheitlichkeit der oberen Leitung gewahrt bleibt und die Bedingrmg einer geschmack­vollen und praktischen Bauweise durchgeführt wird, so darf man allerdings gespannt sein, in welcher 2lrt die Idee, eine Musteranlage des Städtebaues zi: gründen, sichk in die Wirklichkeit übersetzen läßll Ein gleicher Gedanke soll dicht bei Darmstadt zur Ausführung kommen, in »einer landschaft­lich wesentlich reizvolleren Gegend als bei Frankftlrt. Bei Nteder-Ramstadt-.Traisa, wo sich der weite "Aus­blick öffnet auf dfte langgestreckten Odenwnldberge, rings von Wald umgeben, von Darmstadt 3A Stunden entfernt und demnächst durch die Straßenbahn mit ihm Verbunden, ist die Stelle gewählt, wo dieGartenstadt" entstehen soll. Dieselben Grundsätze wie bei dem Frankfurt-Sprendlinger Plan werden auch hier Geltung finden. Eine Konkurrenz zwischen beiden Unternehmungen wird nicht zu befürchten fein. Welches davon die besten Aussichten auf Gelingen haben wird, ist schwer voranszustrgen; sicher ist, daß für die Großstadt Frankfurt der Besitz einer Gartenstadt in nächster Nähe wertvoller und nötiger ist, als für das ohne­hin weiträumig gebaute Darmstadt mit seiner bevorzugten Lage unmittelbar an den Ausläufern des Odenwaldes.

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Kolouialpoft.

- DieHamb. 9iaiiir." veröffcullia-en folgendes, bei der Hamburger Firma Schars u. Kayser aus Matupi, Bismarck-Archi­pel, eingcgangcneS Telegramm: Matupi, 28. Aug. Cs ist keine Gefahr für die allgemeine Sicherheit. Die Ermord- u u g der i f s i o n a r e »«w ein Akt Persönlicher R a ch e.