Nr« 165 Zweites Blatt. 154. Jahrgang
fluchcncr .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der MA' ö U B M K E& V^L fl, <£xJ3 W El y L V UM \L, H „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. " ■* v V Sö V ra "
Samstag 16 Juli 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» UnwersitätLdruckeret. R. Lange, Dietz«.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: bchulstr.L, Tel. Nr. 6L Telegr^Adr.: Anzeiger Dietz«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
KclsrnLirchen.
Eine überraschende Meldung kant aestern aus Essen. Danach wurde der Prozeß gegen die Leiter des Gelsenkirchener Wasserwerks vertagt, da Professor Holz in Aachen, her ein klares Bild der Schiiebersdellung und der W a s s e r - Versorgung zurzeit der TyphuAepidemie geben soll, die Erklärung ckbgab, er werde zur Rekonstruktion ungefähr drei Monate brauchen.. Es wird daher ange- iwnuncn, daß der Prozeß erst, im November oder Dezember seinen Fortgang nehmen werde.
Schon im Jahre 1900 hatte in und um Bochum eine ThphuSepidernie gewütet, die man gleich auf die schlechte Beschaffenheit des dortigen Trinkwassers zurückfühven zu müssen glaubte. Dann aber brach int August 1901 im Gelsenkirchener Kreise abermals eine Epidemie aus, die in kurzer Zeit einen ganz kolossalen Umfang annahm. Von 5000 erkrankten Menschen erlagen über 400 der Seuche. Von den Behörden wurden sofort Schritte getan, um ein weiteres Umsichgreifen der Krankheit zu verhindern. Natürlich mußte man zu diesem Zwecke erst die Ursache ihrer Entstehung kennen. Von der dazu eingesetzten Sanitätskommission wurden demzufolge nachstehende drei Fälle als möglich hingestellt:
1. Konnte die Seuche von außen eingeschleppt, und dann von Person zu Person übertragen worden sein.
2. Der Erdboden konnte infiziert fein.
3. War die Ursache in infiziertem Leitungswasser zu suchen.
Nummer 1 mußte wegen der weiten Verbreitung der Epidemie bald ausgegeben werden, da es kaum anzu- nehmen war, daß eine Krankheit, die nur durch Einführung der Keime in den Mund beim Essen und Trinken erlangt werden kann, in verhältnismäßig kurzer Zeit so viele Menschen befallen kann.
Nummer 2 ist die sog. „Bodentheorie" des Münchener Hygienikers Pettenkoser, die sich als falsch herausgestellt hat und daher unberücksichtigt bleiben mußte. Es blieb also nur Nummer 3 übrig. Die Sanitätskommission stellle denn auch bald fest, daß die Typhuserkrankungen nur in dem vom Gelsenkirchener Wasserwerk gespeisten Gebiet vorgekommen waren. Man konnte dies besonders genau nachweisen, da Ortschaften, die von pprderen Wasserwerken versorgt wurden, von der Seuche völlig verschont geblieben waren. Nun kam es darauf an, sestzustellen, w o und auf welche Weise das Leitungswasser in dieser folgenschweren Weise verunreinigt worden war. Dian konnte dies auf zweierlei Arten erreichen, einmal durch mikroskopische Untersuchung des Wassers aus Bazillen, und zweitens durch eine örtliche Besichtigung. Das erste gab man, nachdem keine TyvhuS- bazlllen gefunden waren, wegen der damit verbundenen zu großen Unsicherheit bald auf und hiell sich dafür an die zweite Art. Hierbei wurden denn auch überraschende Resultate erzielt. Es wurde festgestellt, daß ein sogen. „Stichrohr" existierte, durch welches namhafte Mengen un filtrierten Ruhr was fers in das ordnungsmäßig filtrierte Wasser geleitet wu rden. Damit verhält es sich folgendermaßen: für die Reinheit des vom Menschen für den täglichen Bedarf benutzten Wassers ist es erforderlich daß die Schöpfstelle von absoluter Sauberkeit ist. Quellwasser eignet sich wie jedes Kind weiß, am besten zum Trinken, auch gegen Grundwasser ist meist nichts einzuwenden, dagegen ist es unumgänglich notwendig, daß man Regen- oder Flußwasser zuvor einer gründlichen Reinigung unterzieht, und zwar geschieht dies durch Kochen oder Filtrieren durch Sand- und Kieslager. Durch letzteres Verfahren werden Bakterien ebenso wie grob? Stoffe zurückgehallen, auch behält das Wasser seinen Wohlgeschmack, was nach dem Kochen nicht der Fall ist. Die Zentralstellen für Wasserversorgung müssen daher dafür sorgen, daß nur vorschriftsmäßig fillriertes Wasser in die Leitungen gelangt, das dann ohne Gefahr für Leib und Leben genossen werden kann. Diese von allen Wasserwerken einzuhallende Verpflichtung hatte also das Gelsenkirchener Werk durch Einführung des Stich- rohres gröblich verhetzt.
Man nimmt an, daß die Menge des zugeführten, un- filtriertcn Wassers ccl ein Drittel des täglichen Wasser- bedarfs betragen habe, das waren von 60000 Kbm. 20000 Kbm. Das Stichrohr war im Jahre 1887 von dem Angeklagten Schmllt, der 11 Jahre Direktor des Gelsenkirchener Wasserwerks gewesen war, angelegt worden. Das 12zöllige Rohr war ungefähr 2 Meter vom Ufer aus in die Ruhr gelegt und durch vorgelegte Steine verdeckt worden. Reichte nun das filtrierte Wasser nicht aus, so wurde das fehlende Wasser durch das Stichrohr geleitet. Im Verlauf' der Gerichtsverhandlung wurde sestgestellt, daß speziell int Jahre 1901 die Füllung eines Brunnens die Zeit vom Mittwoch bis Freitag in Anspruch nahm. Und gerade diesen Brunnen verstanden die Direktoren und technischen Beamten des Werkes der Untersuchungskommission zu verhehlen. Erst als Geheimrat Prof. Koch an Ort und Stelle eintraf, schlug den jetzt Angeklagten das Gewissen, sodaß sie sich entschlossen, mit ihren Geheimnissen nicht länger hinter dem Berge zu halten und sich der genannten Kapazität zu offenbaren. Das tuten sie denn auch, und das Rohr wurde, wie erwähnt, auch gesutrdeu, und zwar 200 Meter unterhalb der Einmündung des EigerbachS in die Ruhr. Erwiesenermaßen führt dieses Flüßchen ^lbfall- stosse aller Art mit sich, sodaß er seines unerträglichen Geruches wegen berüdjligl war. Da ein Fluß zu seiner Selbstreinigung stets einige Kilometer gebraucht, damit aller Unrat zu Boden sinken kann, wurde hier dein gereinigten Trülkwasser unfiltriertes Flußaoasser beigeiliengt, das nur 200 Meter unterhalb der Schöpsstelle einer, man kann wohl sagen Kloake enttwmmen wurde. Man tonn sich daher denken, in welchem haarsträubenden Zustande das Gelsenkirchener Leitungswasser sich befand, es roch in jener Zeit nach Fäkalien und enthielt nicht selten tote Fische und Würmer, zuweilen auch lebende Würmer. Und dieses Wasser wurde getruukenl (6* kann daher niemand wunder nehmen.
Ich bin in Owikokorero und beabsichtige, der Abteilung Glasenapp über Dtjire zu folgen.
Die „Deutsch-Südwestafr. Ztg.* oom 22. Juni teilt die Antwort mit, die in der Sitzung des Windhuker Beirats das Gouvernement auf den Antrag auf Aushebung des Zolles auf Gewehre und Munition erteilt hat. DaL Gouvernement kann diesem Anträge und seiner Begründung nicht beipflichten, da die Unruhen im Süden und Norden gelehrt haben, daß der einzelne Ansiedler auch be* waffnet nichts auszurichten vermöge, sondern vielmehr zu befürchten fei, daß die Gewehre und Munition, in die Hände der Eingeborenen fallend, eine Gefahr, besonders für die Schutztruppe, darstellen würde. — Dem Ansiedler also, bemerkt das Blatt sarkastisch zu dieser Verfügung, der auf seinem Platze zu seinem Schutze Waffen und Munition in hinreichender Menge zur Hand haben möchte, wird ganz ruhig gesagt: »Wozu dies? Wirst du angegriffen, bist du ja doch geliefert. Es ist dann doch genug, du wirst allein totgeschlagen, als daß mit bett bei dir erbeuteten Gewehren und Patronen außerdem noch Soldaten der Truppe erschossen werden könnten. * Man hat ja schon manches erlebt hierzulande, aber nach dieser Probe weiß man schon nicht mehr, woraus man sich noch gefaßt machen darf. Es ist sicher, daß zu den ersten Bestimmungen, die bet einer Neuordnung der Dmge geändert werden muffen, diejenigen gehören, die den Besitz von Waffen und Munition für die Weißen beschränken.
600 Buren, frühere Kap-Rebellen, sind, wie englische Blätter zu berichten wissen, von Deutschland angeworben worden, um sich an dem Kampfe gegen die HereroS zu beteiligen. An ihrer Spitze soll General Marry stehen. Auch Andreas Dewet und Kommandant BruSminelen sollen in deutschen Dienst treten. Die Buren sollen darauf bedacht sein, mit Deutschland gute Beziehungen zu unterhalten. (Die Nachricht wird wohl m einzelnen Punkten noch berichtigt werden.)
Der Assistenzarzt Max Böhme ans Dresden ist im Marinefeldlazaret Okahandja am 12. dsS. DllS. an Darmtyphus, der Gefreite August Stille aus Westerhausen (Provinz Sachsen) am 1L. ds. in Otjosondu an Typhus gestorben.
daß die Epidemie eine solche Ausdehnung erreichen konnte und so zahlreiche Opfer erforderte. Andere appetitliche Vorkommnisse, daß z. B. Leitungsrohre, die längere Zell int Freien gelegen hatten und naturgemäß sehr ein» geschmutzt waren, ohne vorherige Reinigung, beim Auswechseln schadhaft gewordener Rohre verwandt wurden, wollen wir nur nebenbei erwähnen.
Das war in Gelsenkirchen. Nun hat sich aber im Verlauf des Prozesses herausgestellt, daß dies — man höre und staune — nicht eine berechtiate Eigentüm- licbkeit des westfälischen Jndustriebezirks sei, sondern auch an anderen Orten Dorlame! Ein Sachverständiger behauptete, daß sich im Ruhrgebiet bei 23 Wasserwerken Stichrohre befänden und fast die Hälfte des gebrauchten Wassers durch unfiltriertet ersetzt würde, während einer der Angeklagten sich sogar zu der Behauptung berftieg, daß ein Wasserwerk ohne Stichrohre überhaupt nicht auskommen Tonne! Wir können die Wahrhell oiefer Behauptung nicht nachprüfen, wollen aber annehmen, daß sie auf Übertreibung beruhe. Auf alle Falle werden die hier aufgedeckten ungeheuerlichen Mißstände auch für andere Orte und Bezirke von größter Tragweite sein.
Politische Tagesschau.
DaS SchiedSabkommen mit England.
Der „Reichsanz." veröffentlicht das Schiedsabkoimnen zwischen Deutschland und Großbritannien vom 12. Juli Es lautet:
Die deutsche Regierung und die großbrllannische als Mit- unterzeickMer des am 29. Juli 1899 im Haag unterzeichneten Abkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle, in Erwägung, daß die hohen vertragschließenden Teile durch Artikel 19 dieses Abkommens sich Vorbehalten haben, ein Ueberein* kommen abzuscUießen, um alle Fragen der Schiedssprechung zuzuführen, die dreser nach ihrer Ansicht unterworfen werden können, haben die Unterzeichneten ermächtigt, .fvlgeudes Abkommen zu schließen:
Artikel 1: Streitige Rechtsfragen und Streitfragen, die auf die Auslegung der zwischen beiden vertragsschließenden Tellen bestehenden Verträge sich beziehen, fallen, sofern sie nicht auf diplomatischen Wege haben erledigt werden können, dem durch das Abkommen vom 29. Jnll 1899 eingesetzten ständigen Schiedshofe im Haag überwiesen werden. Dabei ist jedoch vorausgesetzt, datz solche Streit fragen nicht die vitalen Interessen, die Unab* hängigkell oder du Ehre der beiden vertragschtießenden Staaten berühren, und naht die Interessen dritter Mächte an gehen.
Artikel 2: In jedem Ecnzelsolle sollen die vertragsäKießenden Telle, bevor sie den ständigen Schiedslwf anrusen, einen besonderen Schieosvertrag abschließen, der den Streitgegenstand, den Umfing der Befugnisse der Schiedsrichter und die Fristen klar bestimmt, die für die Bildung oeS SchicdSacrichtes uno die verschiedenen Abschnitte des Verfahrens festzu setzen sind.
Artikel 3: Das gegenwärtige Abkommen ist für fünf Jahre, vom Tage der I nterzechnung ab, geschlossen. M^ttermch. Lans- downe.
Der Schiedsvertrag entspricht, tote von diplomatischer Seite verlautet, einem Wu nsche Englands, der auf freundschaftliches Entgegenkommen seitens des deutschen Reiches stieß. König Eduard, der seit dem Kriege in Südn^ftafrika die größte Aufmerksamkeit der Erhaltung des Friedens zugewendet hat, bat selbst die Anregung zu der von England eingeschlagenen Politik des Schiedsvertrages gegeben.
Der soziLldemokratische Agrarier Schippe!
legt nun, nachdem er bisher die Frage des AgrarschutzeS und der Agrarzölle objektiv behandell hat, seinen subjektiven Standpunkt dar. Er schretbt in der ,Ehemn. VolkSstimme", er erkenne mit KautSky eine sehr bedrängte Lage, eine sehr bedeutende Notlage der Landwirtschaft, eine schwere Agrarkrise in fast allen Kulturstaaten des Kontinents an; daS Ende dieser Krisis sei vorläufig bei freiem Gehenlassen nicht abzusehen; Genoffe Kautsky meine in seinem wettergehenden agrarischen Pessimismus, daß die KrisiS bis zum Zusammenbruche der kapitalistischen Gesellschaft sortbestehen müffe. Schippel ist also, abweichend von Kaulsky, der Meinung, daß eine Ueberwindung der AgrarkrisiS auch unter der jetzigen Wirtschaftsordnung möglich sei. Im weiteren Verlaufe des Artikels erinnert er daran, daß die Sozialdemokratie Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre einen Getreidezoll in der Höhe von 50 Psg. und 1 Lck. für einen Hungerzoll erklärt habe, während sie heute ganz gut wisse, daß bei einem Zollschutz von 3Mk. die Industrie gut gedeihen und die Lebenshaltung der Bevölkerung sich heben könne. Schließlich erwähnt Schippel, daß in anderen mitteleuropäischen Ländern, die nicht wesentlich anders gestellt seien als Deutschland, bereits hervorragende Arbeiterführer sich mehr und mehr mit dem Agrarschutz und sogar mit den Agrarzöllen auSgesöhnt hätten.
Z)er Ausstand in Aeutsch-SüdivestafriLa.
General v. Trotha meldet aus Owikokorero vom 14. Juli: Bei Cmumerounnie, Hamcckari und Waterberg iDtrb immer noch ein starker Feind zahlreich signalisiert. Arn Waterberg sind Feuer beobachtet morden. Diesseitige Patrouillen befinden sich östlich und westlich von Waterberg. Major v. Ef'torff erreichte am 11. Juli Otjatjingenge, Major v. d. H. ebenfalls am 11. Juli Erilidi-Oratsihenda, Okoson- dusu blieb durch Schonungsbedürftige, sowie ein Geschütz schwach besetzt. Major v. Glasenapp erreichte am 11. Juli Otjurutjondju. Er fand Okosongoho und die Wafferstelle 7 Kilometer nordöstlich davon unbesetzt, ebenso sind Okahllua und Omamborombonga vom Feinde frei. Die Kompagnie Welck, 1. Kompagnie Regiment Nr. 2 und Halbbatlerie Wmterseld sind unter Hallptmann Fiedler bei Okoivakuatjiwi- Onjakawa vereinigt; 2. und 8. Kompagnie ReginumtS Nr. 2 im Marsch über Karibik) aus Omaruru, wo sie etwa am 20. Juli eintreffen werden. Der Abmarsch deS 2. Bataillons änd der 7. Batterie anS Swakopmnnd erfolgt nächster Tage.
Aus Slodt und LanL.
Gießen, den 16. Jnll 1904.
”* Die geplante Kleebachtalbah« Brandt oberndorf-Kleeberg-Gieße« beschäftigte m den letzten. Tagen die OrtSvorstände der bcteüigten Gemeinden des HüttenbergS. Diese wünschen dringend eine Bahnverbindung mit Gießen, wohin sich schon von jeher der Hauptverkehr richtete. Die Produkte der bedeutenden Käseberellung und Milchwirtschaft fanden in Gießen ein gutes Absatzgebiet. Die reichentwickelte Industrie GießenS, ferne Kliniken und die höheren Blldungsanstalten sind wertere Gründe, weshalb die Gemeinden sehr für das Projekt eintreten. Sämtliche Orte haben deshalb die Kosten für die Vorarbeiten bewilligt, und die Linie soll bald abgesteckt werden. Die Bahn soll von Gießen über Klein-Linden bei Allendorf inS Kleebachtat führen und, dem Kleebach folgend, über Lützellmden, Hörnsheim, Hochelheim, Dornholzhausen, Nieder- und Ober-Klee», EberSgöns und Kleeberg nach Brandoberndors fuhren und an das Bahnprojekt Wetzlar-Usingen angeschloffen werden» Die Kleebachtalbahn wlld bedeutende Kalkwerke »nd große, wildrerche Waldungen dem Verkehr erschließen.
** Eine Viehhändler - Versammlung findet nächsten Montag abend 8 Uhr hn Lass Leib hier statt. Di^ oberhessischen Viehhändler wollen, roie man unS schreibt, die gegenwärtig das Viehhändlergewerbe schädigenden Mißstände besprechen.
w. Bad-Nauheim, 15. Juli. Bis zum 14. Juli find 14 812 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6117 anwesend waren. 179 047 Bäder wurden bis zum 14. Juli abgegeben.
Fulda, 15. Juli. Der Polizeibericht schreibt: Am 1. Juli d. IS., nachmittags gegen 5 Uhr, wurde zwischen Löschenrod und Kerzell — 5 bis 6 Kilometer von Fulda — die 13jährige Regina Kirschner ermordet. AlS Täter kommen zwei Handwerks burschen in Betracht, wovon der eine flüchtig ist. Der zweite, der sich bereits in Hanau in Untersuchungshaft befindet, ist der Buchbinder JuliuS Funk, geb. am 26. Mai 1856 zu Cchrimm. Er hat zuletzt bei einem Buchbinder in Hanau gearbeitet und will am 27. Juni d. IS. von Hanau nach Frankfurt a. M., dann wieder zurück nach Hanau und von dort am 28. Juni auf Wanderschaft in der Rlchtrmg nach Fulda gegangen fein. Er gab zu, zur Zeit der Tat in der Nähe des Tatortes gewesen zu fein und wurde auch am 22. d. DckS. sestgenommen, Funk leugnet die Tat, will auch fernen noch nicht ermittelten Begleiter nicht kennen. ES ist möglich, daß Frmk nach der Tat die Kleider gewechselt und sich semeS Ger>äckeS eitikbigt hat. Der Begleiter deö Funk wird als ein Rlann von etiva 40 Jahren genannt, mit heller, blauweißer kleinkarierter Hofe, zieinlich hellem, blaugrauem Hut, btc Farbe des Rockes kann nicht bestimmt angegeben werden, aber er soll nicht dunkel gewesen sein.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am Bahnhof EhringShausen ginge« dem Postkutscher auS Kirtorf die Pferde durch und rannten gegen ein Wohnhaus, n>elchc« stark beschädigt wurde. Der Postwagen ging in Trümmer und die Insassen wurden heruntergeschleudert. Ihre Verletzungen sind nicht bedeutende — In Frankfurt stürzte eine Telephonistin m der


