Ausgabe 
16.6.1904 Zweites Blatt
 
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Juni.

Aks Stadt lind Land.

am

Gießen.

** Empfänge.

15. Juni u. a.

dächttgung, wovon Frhr. v. Mirbach spricht, sind erst durch eine unangebrachte Geheimniskrämerei Tür und Tor geöffnet worden. Es erfüllt mit Befriedigung, daß Frhr. v. Mirbach die Rück­erstattung der Summen durch die reicheren Kirchenbauvereine nach Beendigung des Prozesses in Aussicht stellte.

oder durch die in Abständen von 150 Meter stehenden Posten. So gut und zweckentsprechend der Sanitätsdienst organisiert ist, so wünschenswert wäre es, wenn er nicht in Anspruch genommen zu werden brauchte.

Für Equipagen und Automobile, die am Renntage zur Saal­burg fahren, hat der Deutsche Automobilklub besondere Stand­plätze gemietet, auf denen die ankommenden Gefährte der Reihe nach Aufstellung nehmen. Für Wagen ist der abgesperrte Platz der Gonzenheimer Gemeinde reserviert: für Automobile der große Exerzierplatz der Homburger Garnison ausersehen. Standkarten L 5 Mark sind entweder im Bureau des Deutschen Automobil- llubs, Homburg v. d. H., Kurhaus, oder an den jeweiligen Kontrollstationen am Renntage zu lösen.

(Leu acht Tagen sind 20 Kehrmaschinen und 150 der Arbeit, die Rennstrecke gründlich zu säubern. Die erste Westrumitbesprengung erfolgt in der kommenden Nacht, die

Gießen, den 16. Juni 1004.

S. K. H. der Großherzog empfingen den Geheimen Forstrat Heyer von

1821 in Oberhefsen, wirkte der Heimgegangene lange Jahre in Pfeddersheim und entfaltete dort eine sehr ersprießliche Tätigkeit als Seelsorger, Lehrer und Dichter. Ein be­schwerliches Augenleiden zwang ihn, vor einer Reihe von Jahren, sich von seinem Amte zurückzuziehen und stille seiner Licblingsarbeit, der Dichtkunst, zu leben. Die Beerdigung des Verstorbenen findet am nächsten Freitag, nachmittags 3 1/2 Uhr statt. In der Sitzung der Stadtverordneten referierte Stadtv. Dr. Stephan über die Erbauung des neuen Wasserwerks resp. die Verhandlungen mit der Gemeinde Lampertheim. Infolge des Standpunktes der Lampertheimer Gemeindeverwaltung die Rohr­verlegung durch einen Feldweg ihrer Gemarkung nur gegen eine Entschädigung von jährlich 1000 Mk. zu gestatten und für jeden Kubikmeter Master aus dem neuzuerrichtenden Wasserwerk im Bürstadter Walde einen zehntel Pfennig zu entrichten, welche Entschädigung auch an den Fiskus bezahlt werde; ferner Vorbehalt des Rechtes, jederzeit den Waffer- bedarf für Lampertheim aus dem neuen Wasserwerke ent­nehmen zu können sei eine Einigung nicht erzielt worden. Die Stadt Worms habe als jährliche Entschädigung für die Rohrverlegung in den Gemeindeweg eine jährliche Ent­schädigung von 250 Mk. angeboten, dagegen die Entschädigung für den Wasterbezug aus dem Bürstädter Wald, zu dem der Fiskus als Eigentümer des Waldes die Genehmigung erteilt habe, abgelehnt. In einer Sitzung des Gemeinderats zu Lampertheim, der auch Herr Kreisrat Eckstein aus Bensheim und Oberbürgermeister Köhler und Justizrat Dr. Stephan aus Worms beiwohnten, wurde die ganze Frage verhandelt, jedoch ohne Resultat. Es werde deshalb das Enteignungs­verfahren gegen die Gemeinde Lampertheim beantragt, zu welchem die Stadtverordnetenversammlung ihre Zustimmung erteilt.

k. Groß-Umstadt, 15. Juni. Von prächtigem Wetter begünstigt wurde am 12. d. Mts. in Groß-Umstadt der Verbandstag der Kriegerkameradschaft Hassia abgehalten. Am Vorabend hatten die beiden Ortsvereine einen Festkommers veranstaltet. Am Sonntag, den 12., be­gannen die Verhandlungen des Verbandes um 9 Uhr vor­mittags. Der Vorsitzende, Oberstleutnant Cramolini, be­grüßte zunächst die erschienenen Ehrengäste und eröffnete die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hurra auf S. Maj. den Kaiser und S. Kgl. Hoheit den Großherzog. Sämtliche Bezirke waren vertreten mit 2116 Stimmen. Den Verhandlungen wohnten ferner die Vertreter der in Vertrags­verhältnis mit der Hassia stehenden Versicherungsgesellschaften (Providentia, Zürich und Anker) bei. Die Wahl des Orts des nächstjährigen Verbandstags siel auf Laubach. Auf An­trag des Präsidiums (ein von der Versammlung neu be­schlossenes Vorrecht des Präsidiums) wurde Graf Oriola in Büdesheim wegen seiner großen Verdienste um die deutschen Veteranen durch den Verbandstag zum Ehren­mitglied des Verbandes ernannt. An Stelle eines zurückgezogenen Antrags des Verbandsrechners Hauptmann Waldecker wurde ein Antrag des Bezirks Offenbach an­genommen, wonach das Eintrittsgeld bereits bestehender Vereine auf 40 Pfg. pro Mitglied, mindestens aber auf 20 Mk. festgesetzt wird, letzteres mit Wirkung vom 1. Januar 1905 ab. Auch die vom Präsidium beantragte Erhöhung der Beiträge der Vereine an den Landesverband von 10 Pfg. auf 20 Pfg. pro Kopf der aktiven Mitglieder wurde ein­stimmig angenommen. Um 1 Uhr waren die Beratungen beendet, um 2 Uhr begann das Festesten im Gasthaus zum Lamm.

Frankfurt, 15. Juni. Königin Christine von Schweden traf gestern abend mit ihrem Sohne, dem Kron­prinzen, von Honnef a. Rh. hier ein, empfangen von dem schwedischen Generalkonsul, Herrn Max Baer. Im Fürsten­zimmer des Hauptbahnhofs wurde soupiert, worauf der Kron­prinz zu seinen Schwiegereltern nach Baden-Baden, die Königin nach Kiel fuhr, um nach Stockholm zurückzukehren. Groß­fürst Paul von Rußland traf heute früh hier ein und fuhr um 2 Uhr nach Kissingen zum Kurgebrauchc. Es war gegen 6*/2 Uhr gestern abend, als aus der Haustüre und dem Drogerieladen der Firma Paul Schausten, Hasen- gaste 11, dicke, schwarze Rauchwolken drangen, die auf ein gefährliches Feuer schließen lasten mußten. In einem an dem Laden anstoßenden Raum, der als Magazin und Arbeitsraum dient, war durch die Zubereitung von Fuß- bodenwachs auf einem Gaskochapparat plötzlich Feuer aus- gebrochem Im Nu stand der ganze Raum mit seinem In­halt, nebst Türe, Fenster, Regale re. m hellen Flammen. Die alarmierte Feuerwehr aus der Münzgaste und Burg- traße trafen alsbald ein und löschten den Brand mittels zweier Schlauchlinien vom Hydranten in kurzer Zeit. Der Brandschaden beläuft sich auf ungefähr 800 Mark und ist durch Versicherung gedeckt. Beim Ausbruch des Feuers zog ich der Ausläufer. Sivvel verschiedene Brand wundert zu.

Höerhosmeister Aryr. v. Miröach im Kommernöankprozeß.

Berlin, 15.

Aas Kordon-ZZenrieL-Keunen.

(Nachdruck verboten.)

IH.

S. u. H. Auf der Saalburg. 15. Juni.

** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 19 enthält u. a. folgende Bekanntmachung des Großh. Ministeriums der Justiz: Auf Grund Allerhöchster Ermächtigung S. K. H. des Großherzogs werden die Orte Affhöllerbach, Stierbach und Kilsbach samt ihren Gemarkungen mit Wirkung vom 1. Juli 1904 an von dem Amtsgerichts bezirke Höchst abge­trennt und dem Amtsgerichtsbezirke Reichelsheim i. O. zu­geteilt.

Worms, 15. Juni. Der in weiten Kreisen bekannte Dekan Elard Briegleb ist heute gestorben. Geboren

Das Kaiserpaar trifft mit dem Prinzen Leopold von Preußen morgen früh ein. Zur Bewältigung des Verkehrs hat die Eisenbahndirektion Frankfurt hundert Wagen der Berliner Vorortbahn leihweise erhalten. Die Wagen fassen etwa 4000 Personen. Seit acht Tagen sind 20 Kehrmaschinen und 150 Mann an der Arbeit, die Rennstrecke gründlich zu säubern. Die

Nach einer Reihe herrlicher, wolkenloser Sommertage ist heute ein bedauerlicher Witterungsumschlag eingetreten. Ein feiner, an­scheinend dauerhafter Landregen rieselte seit dem frühen Morgen hernieder und hüllte die Berge und Täler des lieblichen Taunus in dichte, graue Wolkenschleier. Am Nachmittag verdichtete er sich sogar zu einem prasselnden Gewitterregen und erst gegen abend hellte sich der Himmel ein wenig auf. Freilich, den um den Gordon-Bennett-Preis ringenden Autlern muß dieser Zustand ein höchst willkommener sein. (Garantiert dock ein gründlicher Regen­schauer einen weit vollkommeneren Staubschutz als alle Oelipreng- nngen der Welt. Und da der Staub nicht nur für alle Besucher des Rennens eine arge Plage, sondern für die Rennfahrer auch noch eine große Gefahr bedeutet, die in der mangelnden Ent- fernungsschätzung. dem Nichterkennen gefährlicher Streckenpunkte und dem Ueberschen der Neutralisationen, ganz abgesehen von den gesundheitlichen Schädigungen für Auge und Lunge zu suchen ist, so nimmt man das Wetter wie es ist und hofft, daß Petrus es mit seiner heutigen durchgreifenden Streckensprengung genug sein läßt, damit wir morgen für den Einzug des Kaisers ein um so schöneres Hohenzollemwetter haben.

In letzter Stunde wird bekannt, daß König Eduard von England nicht auf der Saalbnrg erscheinen wird. Er hat offenbar ebenso wie Kaiser Franz Josef, König Humbert, Präsident Loubet, König Leopold und der schweizerische Bundes­präsident die an ihn ergangene Einladung des Deutschen Auto­mobil-Klubs als einfachen Höflichkeitsakt aufgefaßt und das Fernbleiben aller ausländischen Staatsoberhäupter nimmt einigen hier anwesenden chauvinistischen Franzosen, die Loubets höfliche Absage als etwas besonders Bemerkenswertes hinzustellen suchten, den Wind aus den Segeln. Nur der alljährlich in Homburg weilende Sultan von Johore und der Montenegriner toerben das ausländische Fürstenelement vertreten. Um so reicher wird die Kaisex-Tribüne an der Saalburg von deutschen Fürstlichkeiten besetzt fein. Mit dem Kaiser kommt Prinz Heinrich, der vergötterte Liebling der Automobilisten, als Protektor des deut­schen Automobilverbandes. Von seiner Fahrgeschicklichkeit und seinen mit gutem Humor ertragenen Automobil-Abenteuern wissen manche Fahrer nicht acmig zu erzählen, wobei natürlich auch viel Auto- Latein mit unterlaufen mag. Mit ganz besonderem Stolze erfüllt es die Herren naturgemäß, daß in den letzten Tagen nun auch der Kaiser einen eleganten Selbstfahrer bestiegen hat und, mit Huppe, Steuer und Bremse wohlverttaut, seine Fahrten bereits ins Döberitzer Lager und bis nach Potsdam ausgedehnt hat. Auch der Großherzog von Hessen wird ass neugewonnener Freund des Automobilsports in einem Opel-Wagen am Startplatz erscheinen, um den Verlauf des Rennens als Gast des Kaisers zu beobachten. Die Teilnahme eines weiteren gekrönten Auto­mobilisten, des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, erscheint angesichts der Hoftrauer im benachbarten Mecklenburg-Strelitz noch etwas fraglich, dagegen wird man den König von Württem­berg, den Kronprinzen, Herzog Adols Friedrich, Prinz Joachim Albrecht, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, und mit ihnen die Träger vieler klangvoller Namen aus der deutschen Auto­mobilwelt, so den Herzog von Ratibor, den Fürsten zu Hohen­lohe u. a. m. auf den Tribünen sehen.

Auf dem historischen Boden der Saalburg ist heute die Vor­arbeit für das Nennen nahezu beendet. Unmittelbar neben den grauen Steinmauern des Kastells erheben sich die majestätischen Torbogen, die die beiden riesigen Tribunen zu beiden Seiten der Rennstrecke miteinander verbinden. Die darüber gespannten Sonnensegel triefen heute von Regen und die prächtigen Festons und Fahnendekorationen haben alle Muhe, sich in dein tobenden Wettersturme zu behaupten. Die Ausschmückung der Tribüne ist vollständig im altröinischen Stile gehalten und der gewaltige, von Geheimrat Jacobi entworfene Bau paßt sich somit vollständig einer wundervollen Umgebung an. In der Mitte der Rennsti-aße, die sich schnurgerade durch den amphitheatralisch aufgebauten Raum hindurchzieht, liegt Start und Ziel für das Rennen. Der Kaiser wird den Startrichtern gegenübersitzen.

Die Tage vor dem Rennen haben bescheidenen Gemütern be­reits eine Vorstellung dessen zu geben vermocht, was sich am 17. Juni ereignen wird. Eine Fahrt auf der Rennstrecke, gleichviel in welchem Gefährt, noch weniger aber ein Spaziergang gehörte zu den Annehmlichkeiten dieser Erde. Alle Augenblicke sauste ein Rennwagen in der charakteristischen Projektittorm vorüber, höllischen Lärm und noch höllischeren Gestank verbreitend. Geschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer in der Stunde waren nichts seltenes. Der Taunus ivirb sicher ausatmen, wenn sich die Todeswagen und mit ihnen die penetranten Benzin- und Oelgerüche aus einen sonst so würzig duftenden Wäldern wieder verzogen haben werden, die jetzt nur der lockende Gewinn einerGordon- Bennett-Woche" einigermaßen erträglich macht.

In der heutigen Sitzung des Pommernbankvrozesses wurde auf seinen Antrag der Oberhofmeister der Kaiserin Frei­herr von Mirbach als Zeuge vernommen. Auf die Frage des Präsidenten erllärt er zunächst die Unterschriften unter zwei von ihm ausgestellten Quittungen für richtig. Er sagt dann aus, er habe, ehe er mit der Pommernbank in Verbindung trat, Recherchen über deren Direktoren anstellen lassen, die ergaben, daß die Bank als gut fundiert und gut geleitet empfohlen wurde und die Direktoren als sehr wohlhabende Leute galten, und daß Schultz schon große Stiftungen für Wohltätigkeitszwecke gemacht hatte. .Daher seien die großen Stiftungen vom Zeugen bezw. seinen .Vereinen mit Dank angenommen worden. Er, Zeuge, setzte seit 15 Jahren seine ganze Lebenskraft nicht nur für den Kirchenbau ein, sondern auch für das Wohl der arbeitenden Klassen. Seitdem die Recherchen über Schultz und Rorneick zu einem günstigen Resultat geführt hatten, habe er dieselben schon im Jahre 1899 als Berater über finan­zielle Angelegen Deiten herangezogen und von 1900 an ihnen Gelder seiner Vereine, auch Gelder der Schatulle übergeben, die sie sehr sorgsam und sicher anlegten und verwalteten. Bezüglich der von Schultz gemachten Stiftungen seien vorn Staatsrat Budde in der Sitzung am 6. Juni nur Ver­mutungen ausgesprochen worden. Im August 1900 wurden 150 000 Mark gestiftet; im September sollen 20000 Mk. gestiftet sein, davon ist weder an mich, noch an einen meiner Vereine irgend etwas gekommen; im Oktober sollen 50000 Mk. gestiftet sein, auch hiervon ging weder mir noch irgend einem meiner Vereine etwas zu; im November wurden dagegen wieder 2 5 000 Mark gestiftet. Die Zahlung wurde für den Kirchenbauverein verwandt. Dann ist eine Quittung über 327 400 Mark vorhanden. Diese Stiftung wurde nie gemacht. In der Presse wurden mm diese Zahlen zusammengestellt als tatsäch­liche Stiftungen. Ich wiederhole: die Stiftungen an meine Ver­eine bestanden aus jenen 150 000 Mk. und 25 000 Mk. Eine Stiftung ist nicht genannt. Sie stammt aus dem Jahre 1899; es waren 60 000 Mk., die sofort an die Vereine ausgezahlt wurden.

Ich möchte nun auf die große Stiftung von 360 000 Mark eingehen. Es war Ende September ober Anfang Oktober, als Schultz ober Romeick erklärten, sie wünschten für meine viel­fachen Vereine noch eine Stiftung von 350 000 Mk. zu machen. Sie schlugen vor, ein Guthaben in biefer Höhe einzustellen unb daraus für die in Not befindlichen Vereine Teilbeträge ab­heben zu lassen. Ich fragte, ob sie die Stiftung persönlich, aus eigenen Mitteln machten, weil ich weiß, daß es auch große Ge­sellschaften gibt, bei denen die Anssichtsräte die Ueber- schüsse zu Unterstützungen verwenden. Schultz unb Romeick versicherten aufs bestimmteste, die Zuwenbung komme aus ihrem Vermögen. Von diesen 350 000 Mk. erhob ich, wie ich vorher erwähnte, im Dezember 25 000 M k. zur Anzahlung auf eine Rechnung für den Kirchenbauverein. Bald darauf entftanben bie Schwierigkeiten ber Pommernbank. Ich bat Schultz unb Romeick zu mir unb sagte ihnen, baß angesichts ber Schwierigkeiten auf bie Stiftung unter allen Um­ständen verzichtet werbe, das Konto also als gelöscht zu betrachten fei. Die Herren fügten sich nur widerstrebenb upd sagten, sie und ihre Bank ständen so gut da. daß sie den Sturm überwinden würden. . Er habe auch bei Beginn des Prozesses wiederholt sich bei den Angeklagten erkundigt, ob bie Gelber wirklich aus ihren Privatmitteln geflossen seien, was aufs be­stimmteste bejaht würbe. Er habe auch bie Rückzahlung ber Gelber angeregt; ihm fei aber btingenb abgeraten worben, weil sonst alle möglichen Verdunkelungen unb Verbächtigungen Tür unb Tor geöffnet würden. Wolle man bie Gelber zurück­zahlen, werbe bazu noch nach Beenbigung bes Prozesses Zeit sein unb, fügte Zeuge hinzu, wenn hier nachgewiesen wirb, daß bei diesen Geldern irgend ein Bedenken ist, sie anzunehmen, werden selbstverständlich die Vereine die Summen, bie sie er- ' hielten, zurückzahlen.

Auf bie Frage des Präsibenten, ob bie 300 000 Mk., über bie er quittiert, denn bei ber Pommernbank verbleiben, ober ihm aus- bezahlt feien, erklärt Mirbach:Ich wiberhole, baß bie Quittung, bie mir, wie ich betone, unbekannt war ich hatte sie vergessen nur bazu bienen sollte, bas Konto aufzulösen. Es ist aber ausgeschlossen, baß i ch weiter einen Pfennig er­hoben habe. Non ben 350000 Mk. fließen meinen Vereinen 25 000 Mk. zu, sonst nicht ein Pfennig.

Verteidiger Dr. S e l l o erklärt nach einer kurzen Besprechung mit bein Angeklagten, er habe keine weiteren Fragen an den Zeugen zu richten.

Zeuge B u b b e erklärt hieraus, für ihn stehe fest, baß Mir­bach nur bas bekommen habe, was er hier bekundete unb nicht ,500 000 Mk. mehr, wie man aus seinen Bubbes Angaben hätte folgern können. Zeuge roenbet sich gegen bie an sein Auf­treten gegen Mirbach geknüpfte Preßhetze unb erklärt, Mirbach wisse, baß er Bubbe ihn vom Scheitel bis zur Sohle für einen Ehrenmann halte, ber ihm nicht falsche Motive über sein Auftreten unterschiebe.

Aus bie Frage des Präsidenten an Mirbach, ob an bie Hin- Habe ber Gelber irgenbwelche Bebingungen geknüpft sinb, erroibert Mirbach: Nein! Zeuge Mirbach wirb hierauf entlassen.

*

Frhr. v. Mirbach hat also selbst feine Zeugenvernehmung be­antragt, eine Vernehmung, auf die der Gerichtshof verzichtet hatte, inbem ber Vorsitzcnbe ben Punkt für erlebigt erklärte. In der Berliner Presse fast aller Parteirichtungen würbe ent­gegengehalten, daß eine authentische Aufklärung über die Her­gabe von Summen ber Pommernbank zu .Kirchenbauten burchaus crforberlich sei, benn es könne nicht als authentisch betrachtet werben, wenn ber angeklagte Direktor Schultz versichere, nur 25 000 Mark seien für jene Zwecke an Frhm. v. Mirbach ge­zahlt worben. Wie berechtigt ber Zweifel und wie notwendig bie Aufhellung war, hat sich in ber Gerichtsverhandlung heraus­gestellt. Allerdings find nicht 500 000 Mark und mehr von ben Angeklagten zur Wohltätigkeit auf anberer Leute Kosten hergegeben worben. Immerhin aber ergab sich ein Unterschieb von 150 000 Mark gegen bie Bchauvtung bes Angeklagten Schultz. 1 Unb das ist ein sehr erheblicher Unterschied. Die Vernehmung dieses Zeugen war also ein wichtiges Mittel zur Erforschung der Wahrheit.

Abgesehen von sozialbemokratischen Blättern, bie ihrer Ab- ' ncigung gegen eine ihnen unb qneme Persönlichkeit freien Lauf ließen, ist nirgends auch nur bie leiseste Verdächtigung ber ' persönlichen Ehrenhaftigkeit bes Oberhofmeisters ausgesprochen wor­den. Wogegen sich bie Kritik richtete, war: erstens, daß große Summen von Leitern einer Bank angenommen worben waren, bie lange vor bem Zusammenbruch keinen guten Rus in ber Geschäfts­welt genoß; zweitens, daß biefe Bank unter Verantwortlich­keit einer nicht genügend informierten Aufsichtsbehörde ben i Hofbanktitel erhielt; drittens, daß die Angelegenheit als ein ! Geheimnis gehütet worden war: endlich, daß keine Rückzahlung ; des Geldes zu Gunsten der geschädigten Pfandbriefbesitzer erfolgt . war. Frhr. v. Mirbach ist von den angeklagten Bankdirektoren ' durch bie wiederholle Beteuerung getäuscht worden, daß die er- i wähnten Summen aus ihren eigenen Mitteln herrührten. Trotz- 1 dem hätte bie Höhe der Schenkung ben Arawohn erregen müssen, daß bie freigebigen Direktoren Nebenabsichten verfolgten bie Erlangung von Titeln unb Ehren, wie Geheimrat Bubbe sich ausbrückle. Frhr. v. Mirbach verneinte bestimmt die Frage des i Vorjitzenden, ob irgend welche Bedingungen an die Hergabe der 1 Gelder geknüpft worden seien. Das läßt sich ohne weiteres an- nehmen, daß dies nicht der Fall war; eine solche Bedingung j wäre natürlich mit Entrüstung zurückgewiesen worden.

Erwägt man olles, was Frhr. v. Mirbach heute ausgesagt - bat. mit größter Objektivität ein Rest peinlicher Empfindung i bleibt doch zurück. Es gab nur einen richtigen Weg nach dem i Zusammenbruch der Pommernbank, und der war, rückhaltlos zu erklären, daß unb wie man sich in ben Angeklagten getäuscht hatte, daß man Gelber empfangen unb baß man sie auf das schleunigste zurückerstatten wolle. Ter Verdunkelung unb Ver- i

zweite in ber Nackt auf Freitag. Die Rennfahrer sinb mit Ausnahme von Dufaux, dem Schweizer, am Platze. Es ist mög­lich, daß die Schweiz ausscheibet. Wie derFrkf. Ztg." aus, Homburg gemeldet wird, begegnete heute mittag ber fran­zösische Rennfahrer ©alleren mit feinem Morswagen in der Nähe des Schlosses einem Bauernwagen unb mußte, um einen Zusammenstoß zu verhindern, in ben Schloß graben steuern. Salleron würbe aus bem Wagen geschleubert, erlitt jedoch keine Verletzung. .Am Wagen sind einige Speichen zer- plittert.

Eine ber mustergiltigsten Einrichtungen bei dem Gordon- Bemret-Rennen ist die Organisation bes Aerztebienstes auf ber Strecke. Sie wird von Dr. W. Vellh, einem Mitglied des Automobilklubs, ehrenamtlich geleitet, unb erstreckt sich auf 13 Sta­tionen mit 18 Aerzten. Jeder Stationsarzt hat bie Rennstrecke von seiner Station ab bis zur nächsten in der Rennrichtung liegenden Stationsort zu versorgen. Um bei etwaigen Unglücks- ällen schnell zur Stelle zu sein, steht jedem Arzt ein Automobil zur Verfügung; ein anderes Verkehrsmittel, Fahrrad oder Wagen, darf nicht benutzt werden. Dabei ist es nur gestattet, in der Rennricktung zu fahren; der Rückweg muß auf Seitenstraßen zurückgelegt werben. Jebes biefer Aerzteautomobile führt als Zeicken bes Sanitätsdienstes eine weiße Fahne mit rotem Kreuz. Natürlich haben sich die Aerzte auf bie erste Hilfe zu beschränken, um möglichst halb wieder an ihrem Standorte einjutreffen. Die weitere Hilfe erfolgt in ben an ber Straße gelegenen Kranken­häusern (also in Ufingen, Weilburg, Limburg, Idstein, König- teiu, Oberursel, Homburg). Jeder ärztlichen Station ist ein ge­räumiger Verbanbskasten zur Verfügung gestellt, der so ein­gerichtet ist. baß er auf dem Automobil mitgeführt werben kann, unb ber alles für bie erste Hilfe nötige Verbandszeug, Schienen, Medizin ufw. enthält. Zur Stärkung etwa Verwundeter führt jeder Kasten eine Flasche Kognak mit. Außerdem hat die Sekt­kellerei .Kupferberg u. Eo. in Mainz für die ganze Strecke eine große Anzahl Viertelliter-Flaschen Lkupferberg-Gold zur Verfüg­ung g "stellt. Jeder Arzt bat bie Verpflichtung übernommen, vom Beginn des Rennens bis zum Schluß auf seinem Posten auszuharren. Natürli ' ist die ärztliche Hilfe in erster Linie ür bie Rennfahrer bestimmt, erst in zweiter Linie darf sie anderweitig in n pruch genommen werden. Tie Benachrichtigung der Aerzte gefchieht durch die Rennfahrer, durch bad Telephon.

in auf den Inhaber

1. Oktober und auss

Auf Gr Grossherzoglich Best und weiterhin noch

zahlbar; ebendaselbst bem Sta: znrückzukanfen oder Schuldverschreibungei sind bei denselben St 07 x, Die Sei 27- März 1898, die I Alle die Md einem Frankfur E a II. wird bean Die von von uns unter nächst 1 Die 5

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